Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Steifes Wasser

Das Rezept sprang mir sofort ins Auge. Die findigen Köche hinter dem allseits bekannten Label “Betty Bossi” hatten sich etwas einfallen lassen, das sie mit der Bemerkung “Dieses Rezept ist etwas für experimentierfreudige Köche!” garniert hatten.

Experimentierfreudig? Das war ich in der Küche schon immer. Und da mein Koch-Geist wieder erwacht ist, zumindest wenn ich Besuch habe, wollte ich dieses Rezept ausprobieren. Dass es dazu die passenden Gäste braucht, versteht sich von selbst.

Nun…

… aussehen sollen hätte es dergestalt:

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Und drin ist folgendes:

5 dl Wasser
1 EL Zitronensaft
80 g Zucker
80 g Ingwer in Scheibchen
1/2 TL Agar-Agar (vermutlich besser ein ganzer Beutel)

Aus den obigen Zutaten bereitet man das Süppchen zu, das man zwei Minuten sprudelnd kochen lässt, bevor man es durch ein Sieb in vier Glasschälchen gibt. Man lässt die Masse auskühlen und drei Stunden im Kühlschrank fest werden.

Aaaaaber, mit 1/2 TL Agar-Agar funktioniert das nie und nimmer!!! Mit einem gerüttelt Mass an Skepsis versehen, kippte ich schon von Anfang an ein halbes Beutelchen des Geliermittels rein (1 Beutel = 1/2 Liter Flüssigkeit, gemäss Packungsaufschrift). Vielleicht durfte die Masse nicht allzu steif werden. Irgend etwas hatten sich die Köche doch sicher überlegt dabei.

Hätte ich das Geschlabber tatsächlich auf einen Teller gestürzt, wäre das aromatisierte Wasser nicht mal eine Nanosekunde lang steif gestanden. So haben wir notgedrungen das Dessert aus dem Glasschälchen gelöffelt, die Streusel statt daneben auf der glibbrigen Masse. Immerhin, sie sind nicht eingesunken.

Die Streusel, die unbedingt dazu gehören, bereitet man zu aus

25 g weicher Butter
25 g Zucker
50 g Mehl
4 cm fein geriebenem Ingwer

Man mischt die Zutaten, zerzupft den Teig in Stücke und backt sie auf einem Blech bei 200 Grad 10 bis 12 Minuten. Dann die Streusel in kleinere Stücke zerbröseln, solange die sie noch nicht ganz abgekühlt sind.

Der Ginger-Raindrop schmeckt fruchtig-pfeffrig. Ein erfrischendes, leichtes und eigentlich auch einfach zu machendes Dessert, sofern man die Menge an Agar-Agar drastisch erhöht. Ich werde dieses Dessert bestimmt wieder mal experimentiergewohnten Gästen auftischen.

Wer opfert sich?

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Mutter Natur auf Abwegen (10)

Man mag es dieser Crema Catalana nicht unbedingt ansehen…

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… aber irgendwo in ihrem Inneren verbirgt sich tatsächlich ein Doppel-Dotter. Ehrlich!

So etwas ist mir schon seit längerem nicht mehr begegnet. Und ich musste flugs mein Rezept ein klein wenig anpassen.

Im Blütenrausch

Es gibt dieser Tage drei dominierende Themen in meiner Küche: Holunderblüten, Holunderblüten und Holunderblüten.

Ich bin grad so begeistert von deren Aroma, dass ich sie auf verschiedene Arten eingemacht habe. Als Essig, Sirup und Apfel-Gelée.

Jedes neue Rezept mit den derzeit überall so verschwenderisch vor sich hin duftenden Blütendolden kann ich zwar nicht ausprobieren, aber ich bin auf eine Creme mit Holunderblüten gestossen, die sowohl meinen innig geliebten Mitesser als auch mich in helles Entzücken versetzt hat. Das Rezept und weitere Ideen zur Verwendung von Holunderblüten, gibt es HIER.

Zur Creme passen übrigens ausgezeichnet frische Erdbeeren, die jetzt und ERST JETZT so richtig schmecken, weil sie praktisch vor der Haustüre wachsen. Alles, was seit Februar in den Läden als Erdbeeren angeboten worden ist, schmeckt dagegen wie rotes Styropor.

Und gleich noch ein Gratis-Tipp von Frau Flohnmobil: Die Creme lässt sich auch ausserhalb der Blütenzeit des Holundestrauches herstellen. Dazu einfach etwa einen Deziliter Sirup beigeben und einen Teil des Zuckers weglassen. Himmlisch!

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Möblierte Früchte

Ich gebe es zu, ich stand ihr etwas ratlos gegenüber. Ratlos, aber auch ziemlich neugierig. Und weil ich als Frau generell und gegenüber Lebensmittel im Besonderen neugierig bin, packte ich dieses Möbel von einer Frucht kurzerhand in den Einkaufswagen. Irgend etwas würde sich damit schon anstellen lassen, war ich überzeugt.

Daheim dann, als ich mich mit der Ver- und Bearbeitung dieses Möbels befasste, war ich noch einmal so ratlos wie seinerzeit im Supermarkt. Nach dem Motto “was habe ich denn schon zu verlieren” holte ich mein grösstes Küchenmesser hervor und halbierte das Möbel kurzerhand. Was danach folgte war ein regelrechtes Sezieren. Ich war überzeugt, dass ich früher oder später auf etwas Geniessbares stossen musste.

Und so war es dann auch. Als ich endlich die dicke Schale überwunden hatte, gelangte ich – über ein paar nicht erwähnenswerte Umwege – ans Fruchtfleisch. Und dieses war schliesslich mein wahres Ziel. Hatte ich die erste Hälfte noch mühsam an den Fruchtstücken herumgeklaubt, erinnerte ich mich für die zweite Hälfte an die grosse Pause auf dem Schulhof. Und wie ich früher Orangen geschält hatte.

Und genau so funktionierte es perfekt. Die einzelnen Schnitze waren von einer so zähen Haut umgeben, dass diese sich mühelos und ohne Werkzeug ablösen liess. Natürlich könnte man einmal mehr zuerst im Internet nachschauen, wie man so einer Honigpomelo zu Leibe rückt. Aber wie heisst doch der altbewährte Spruch:

Selbst ist die Frau.

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Und diese Frau hat beschlossen, dass Honigpomelos etwas ganz, ganz Leckeres sind (zum Beispiel als fruchtiges Dessert nach einem deftigen Käsefondue) und die Mühen des Schälens sich alleweil lohnen.