Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Wanderungen

Auf schwindelerregenden Pfaden

Im Wallis heissen sie “Suonen”, der deutsche Begriff lautet gänzlich nüchtern “Wasserleiten” und auf französisch sind sie “Bisses”. Egal wie man sie nennt, die heute noch bestehenden Bisses sind Garant für tolle, teils sogar spektakuläre Wanderungen. Erstellt wurden die Wahrzeichen der Walliser Landschaft ab dem 13. Jahrhundert, um das Wasser aus den Seitentälern ins niederschlagsarme Haupttal zu leiten.

Schon lange wollte ich mal so eine Suonen-Wanderung machen. Leider liegt das Wallis nicht gerade vor meiner Haustüre, so dass es bis anhin nie dazu gekommen ist. Das hat sich gestern geändert. Ausgangspunkt für meine Premiere war St. Léonard. Sollte man es nicht schon während der Anfahrt bemerkt haben, so weist einem spätestens dieses Schild darauf hin, dass wir mitten im Walliser Weinbaugebiet sind.

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Durch dieses Weinbaugebiet führt auch der Anfang der Wanderung.

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Die Trauben sind zwar grösstenteils schon gelesen, doch die Winzer haben für mich noch ein Trauben-Blüemli stehen gelassen.

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Und endlich die erste Suone. Leider trockengelegt, da die Rebstöcke an den Flanken des Tales Mitte Oktober offenbar nicht mehr bewässert werden.

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Die Spannung steigt! Bald sollte der spektakulärste, ausgesetzte Teil der Bisse de Sillonin folgen. Der Automobilist tut gut daran, das Fahrverbotsschild zu beachten.

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Spätestens hier wird klar: Das ist ein reiner Fussweg.

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Ich flippe aus! So wunderbar ausgesetzt. Ich will jetzt ja nicht überheblich sein, aber für mich als ehemalige Klettergeiss sind solche Strecken der reinste Spaziergang.

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Das Filetstück der Strecke, die übrigens durchgehend mit soliden Seilen oder Geländern versehen ist.

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Wir sind alle kurzärmlig unterwegs, die ganz Mutigen zeigen sogar Bein. Nach einer längeren Strecke am Schatten sind wir aber alle froh, wieder die Sonne zu sehen.

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Am Wald, so scheint es mir, wird grad nur noch so viel gemacht, dass der Weg begehbar bleibt. Viel dürres Holz liegt ungenutzt herum. Vor wenigen Jahrzehnten noch hätte man das gesammelt und damit den Ofen beheizt.

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Und dann, am oberen Teil der Grand Bisse de Lens, doch noch die eine oder andere Pfütze. Aber auch hier fliesst kein Wasser mehr.

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Am Lac Louché in Lens gibt es Mittagshalt vor verschwenderischem Panorama, bevor wir uns “Chez Valérie et Karin” ein Dessert genehmigen.

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Lens ist der Wendepunkt unserer Wanderung. Nun geht es wieder runter ins Tal. Wir folgen der Grand Bisse de Lens.

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Und wieder beginnt mein Herz vor Freude zu hüpfen.

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Viel zu schnell sind die spektakulären Abschnitte hinter uns. Von mir aus könnte es noch lange so weitergehen.

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Nach einem steilen Abstieg durch den knochentrockenen Wald sind wir wieder zurück in den Weinbergen.

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Seit jeher haben mich die geometrischen Strukturen, die die Rebstöcke einer Landschaft verleihen, fasziniert.

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Die alten Rebstöcke wetteifern um die  skurrilste Form.

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Und schon bald sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt.

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Rund viereinhalb Stunden sind wir gewandert. Haben geschwitzt, gekeucht, gelacht, uns gefreut an den prächtigen Herbstfarben, dem bombastischen Panorama.

Vielen Dank an Barbara für die gute Idee und Durchführung der Wanderung und ein herzliches Dankeschön an alle Mitwanderer für die tolle Kameradschaft.

Mehr Informationen und eine weitere Auswahl der mehreren hundert Fotos, die unterwegs geschossen wurden, gibt es hier.

Wer mehr über Suonen wissen will, dem sei diese Website wärmstens empfohlen. Hier gibt es nicht nur Informationen über die Geschichte der Wasserkännel, sondern auch zahlreiche Wandervorschläge. Ich sage nur: Da wartet noch viel Arbeit.

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Auf der grössten Pyramide der Welt

Ist der 2’362 m hohe Niesen tatsächlich die grösste Pyramide der Welt, wie uns der Slogan an der Bergbahn glauben machen will? Könnte durchaus sein, schliesslich liegt der Thunersee zu Füssen der Felspyramide gerade mal auf 558 m. Rechne! Die alten Ägypter haben da jedenfalls keine Chance.

Eitel Sonnenschein bereits an der Talstation der Niesenbahn. Unser sechsköpfiges Grüppchen musste eine Bahn lang warten, bevor wir uns mit der nostalgisch anmutenden Standseilbahn bis zur Mittelstation befördern lassen konnten.

Die über hundertjährige Niesenbahn kann mit einigen Superlativen aufwarten.

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Ihr grösster Trumpf ist jedoch die bombastische Aussicht, die wir schon im steilen Aufstieg geniessen konnten.

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Es brauchte einiges an menschlichem Wirken, um hier einen sicheren Wanderweg entstehen zu lassen.

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Die obere Sektion der Niesenbahn.

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Ein Gruss an die Ostsee.

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Ist das nicht der Wahnsinn, diese Aussicht?!? Dabei sind wir noch nicht mal ganz oben.

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Ein letzter Blumengruss kurz unter der Bergstation.

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Das Panorama von der Gipfelplattform aus ist überwältigend. Hier Richtung Thun und Mittelland.

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Einmal nach links gedreht erscheint das Simmental.

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Auf der anderen Seite das Kandertal mit den markanten Flanken des Balmhorns und Altels, links davon Doldenhorn und Blüemlisalp-Gruppe.

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Und zu guter Letzt unser berühmtes Dreigestirn mit Eiger, Mönch und Jungfrau.

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Dieses verstreute Dorf in der Bildmitte, das muss Aeschi sein. Mein angeheirateter Heimatort. Mit meinem Mann zusammen habe ich es nie geschafft, dorthin zu gehen.

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Die Terrasse beim Berghaus ist rege besucht, aber nicht proppenvoll. Trotz leichtem Wind hält man es draussen gut aus. Schliesslich ist es jetzt Herbst und der versierte Wanderer bringt geeignete Kleidung mit auf den Berg.

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Im Abstieg hat es plötzlich mehr Leute. Aber die meisten drehen wohl bald wieder um.

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Wir waren schon bald wieder praktisch alleine unterwegs auf dem guten Pfad. Immer wieder diese sensationelle Aussicht und den ganzen Tag Sonne. Diese Wanderung war Balsam für die Seele.

Vielen Dank fürs Organisieren, Beat.

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Weitere Infos und Bilder zu diesem gelungenen Wandertag gibt es hier.

 

Im Lande der Tausend Feuerstellen

Leichte Zweifel ob der Richtigkeit des geplanten Unterfangens stellten sich ein, als es am Morgen, noch bevor ich das Haus verlies, zu tröpfeln anfing.

Ennet dem Rhein angekommen war es jedoch trocken, auch wenn über dem Randen Nebelbänke hingen wie im tiefsten Herbst.

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Ich war mal wieder auf einer Wanderung unterwegs.

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Unterwegs traf ich gar gspässige Gesellen an. Nein, nicht den da oben, der den steilen Aufstieg zum Hagener Randenturm unter die Füsse nimmt. Ich meine dieses Viech, das mich aus dem Wald mit hölzerner Miene musterte.

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Das Wetter hatte schon länger beschlossen, für den Rest des Tages auf Regen zu verzichten. Bei der Schwedenschanze (einem Aussichtspunkt, über den es kaum weitere Angaben gibt) war der Blick westwärts aus dem dichten Wald für einmal möglich. Zu unseren Füssen das Örtchen Beggingen, im äussersten Zipfel der Nordostschweiz gelegen.

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Die Umgebung des Pfadiheims Hagen drängte sich mit seinen Sitz- und Liegegelegenheiten als Mittagshalt richtiggehend auf.

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Daheim müsste ich so einen Paletten-Sessel nicht unbedingt haben, hier aber fand ich es witzig.

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Als Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes folgte der Hagenturm, den wir in 225 Stufen erklommen.

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Zu seinen Füssen eine der zahlreichen Feuerstellen, die wir auf der Wanderung antrafen. Die Schaffhauser scheinen wahre Pyromanen zu sein und ich behaupte glattweg, dass es am Randen die landesweit höchste Feuerstellen-Dichte gibt.

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Oben auf dem Turm pfiff es uns zwar beinahe davon, wir liessen es uns aber nicht nehmen, das nicht ganz lupenreine Panorama zu bewundern. Mit frisch drapierten Haaren stieg ich wieder runter, den Reissverschluss der Windjacke noch immer bis unters Kinn zu.

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Einfach schön, solche Wege und derartige Landschaften!

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Es war genau die richtige Route für den heutigen Tag. Vielen Dank für die Idee und das Organisieren, Beat.

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Mehr Infos zur Wanderung gibt es HIER und HIER.

Der Traum einer Wanderung

Es war mehr zufällig, dass ich auf diese Wanderung aufmerksam wurde. Selbst in Zeiten von diversen Planungstools, mein Favorit übrigens Schweiz Mobil, entdeckt man ja gerade auf einer Wanderung eine neue Wanderung. Das war im Fall des Val Curciusa nicht anders.

Während andere Leute ihre Wander-Projekte sorgsam aufschreiben, habe ich meine “Liste” im Kopf. Und früher oder später kommen diese Projekte wieder ans Tageslicht. Über die Wanderung durchs Val Curciusa fand ich zu wenig verlässliche Angaben und beschloss daher, dass diese Tour eher ungeeignet sei, um sie alleine anzugehen.

Natürlich habe ich mich gefreut, dass der Leiter meiner neuen Wandertruppe meine arglos gestellte Frage so schnell in die Tat umsetzte, aber hinter meiner Erkundigung vor einer Woche lag also höchstens ein bisschen Absicht, gäll Beat.

Wie auch immer, am letzten Sommertag dieses Jahres, also gestern, startete unsere Wanderung in San Bernardino.

Der Anstieg zur Bocchetta de Curciusa war mitunter ziemlich direkt,

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nicht selten auch etwas abschüssig

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und von nicht mehr wirklich sommerlichem Wetter begleitet.

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Auf der 2’388 m hohen Bocchetta de Curciusa verzogen sich die Nebelbänke allmählich.

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Viel Gras wächst auf dieser Höhe wahrlich nicht. Nimmt mich bloss wunder, wovon diese eher scheuen Rinder leben.

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Allmählich wird der Blick ins obere Val Curciusa frei,

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und wir sehen den langen, aber nicht allzu steilen Abstieg vor uns.

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An Wegzeichen fehlt es wahrlich nicht. Den Weg muss man sich zwischen den Felsblöcken oftmals selber suchen.

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Ist das nicht ein Traum? Das Val Curciusa wird wohl nicht allzu häufig begangen. Im zeitigen Sommer oder nach Regenfällen dürfte die Überquerung der zahlreichen Wasserläufe mitunter etwas schwierig sein.

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Das abgelegene Tal wird im Sommer von zahlreichen Tieren bewohnt. In der Fläche weiden Rinder und Pferde, an den steilen Hängen blökende Schafe.

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Die Alp de Rog befindet sich relativ weit vorne im Tal. Hätten sich in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts Umweltschutz-Verbände nicht vehement dagegen gewehrt, wäre das Tal unter Wasser gesetzt worden und wohl auch diese Alp unter den Fluten verschwunden.

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Auch unterhalb der Alp de Rog gibt es nur einen Fusspfad. Es ist somit eine der wenigen bewirtschafteten Alpen, die nicht mit einem Fahrzeug zu erreichen sind.

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Es war eine wunderschöne Wanderung in landschaftlich einmaliger, ursprünglicher Umgebung. Leider war die Zusammensetzung der Gruppe diesmal nicht so harmonisch. Die Giftpfeile, die laufend abgeschossen wurden, taten dem Anlass Unrecht. Wäre dies meine erste Wanderung mit den FF gewesen, wäre meine Beurteilung dieser Wandertruppe wahrscheinlich nicht so euphorisch ausgefallen.

Für trittsichere, geübte Wanderer ist das Val Curciusa eine überaus lohnende Tour, die in sechs Stunden zu machen ist.

Vielen Dank fürs Organisieren, Beat!

Weitere Infos zur Tour gibt es hier.

Das Wander-Experiment

Als ich meinem Freundeskreis verkündete, ich würde eine neue Art des Wanderns ausprobieren, fragte eine meiner Freundinngen, ob ich barfuss wandern gehen würde. Eine andere fragte mit erhobenen Augenbrauen: “Nacktwandern?”. Letzteres käme schon nicht in Frage, weil es viel zu viel Sonnencreme brauchen würde. Und mit Barfusswandern habe ich keine guten Erfahrungen gemacht.

Meine “neue Form des Wanderns” bezog sich nicht auf die Ausrüstung, sondern auf die Begleitung. Weil wandern alleine zwar möglich, jedoch nicht allzu spassig ist, schloss ich mich einer Gruppe von Leuten an, die ihre Wanderungen jeweils kurzfristig im Internet publiziert und keine langwieriges Eintrittsverfahren für Neumitglieder kennt. Treffpunkt ist jeweils spätestens am Ausgangsort, jeder reist auf eigene Faust an. Im gestrigen Fall konnte ich einen Teil meiner neuen Wanderkollegen bereits im Zug kennenlernen. Und das bereits relativ ausgiebig, fuhren wir doch von Zürich bis nach Lauterbrunnen, wo wir uns unter den vielen asiatischen Touristen schon bald als Ausländer vorkamen.

Die Wanderung führte in einer Achterschleife von der Grütschalp zur Lobhornhütte und wieder an den Ausgangspunkt zurück. Total waren wir 5 1/2 Stunden unterwegs. Es war ein Traumtag in herrlicher Umgebung, zusammen mit Gleichgesinnten, bei denen ich mich auf Anhieb wohl fühlte.

Ein paar Impressionen von unterwegs. Wir trafen auf Prominenz. Ich erblickte ihn als Erste: ELVIS PRESLEY.

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Ihr hättet ihn nach all den Jahren nicht mehr erkannt? Er lebt hier unter dem Decknamen “Lobhorn”.

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Im Soustal.

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Das herrliche Panorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau von der Lobhorn-Hütte aus.

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Alp Suls.

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Das malerische Sulsseewli, wo einer der Gruppe sogar baden ging. Er schätzte das Wasser auf 18 Grad.

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Die Blumen sind gegen Ende des Sommers nicht mehr so zahlreich. Aber von diesen Schwalbenwurz-Enzian blühten noch ganze Büschel.

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Der steile Abstieg entlang des Chantbachs zurück ins Soustal.

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Für mich war es eine gelungene Einstiegstour, die mir in Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes viele (Wander)Wege eröffnen wird.

Mehr Bilder und Infos zur Tour gibt es hier.

Alleine oder gar nicht?

Ich stand vor einer Entscheidung, die ich in Zukunft wohl häufig, wenn nicht gar täglich, werde fällen müssen. Lieber alleine oder gar nicht?

Am letzten Freitag wollte ich unbedingt eine Wanderung unternehmen. Und es sollte keine Flachland-Tschalperei werden, dafür war das Wetter zu gut, die Temperaturen vor der Haustüre zu heiss, meine Lust auf Neues zu gross. Also: ab in die Berge! Da sich keine geeignete Begleitung fand, zog ich halt alleine los.

Mit dem Zug fuhr ich bis nach Spinas, die erste Haltestelle im Engadin auf der Albula-Strecke. Dort kommt man von Zürich aus nicht vor 9.35 Uhr an. Der Weg führte durchs Val Bever. Was für ein herrliches Fleckchen Erde mit diesem rauschenden Bergbach!

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Es tat mir beinahe Leid, dass mein Weg mich schon bald von der Talsohle weg am rechten Hang bergauf zur Fuorcla Crap Alv führte.

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Das muss ein besonderer Spassvogel gewesen sein, der hier diese Tafel angebracht hat. Wo wohl die Autos durch müssen…?

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Auf der 2’465 m hohen Fuorcla Crap Alv änderte sich die Vegetation schlagartig. Auf der Nordseite war der Bewuchs viel spärlicher, kaum Blumen blühten. Schon konnte man die Albula-Passstrasse ausmachen. Die Berge dahinter gehören nicht gerade zum Schönsten, was dieses Land zu bieten hat.

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Von den malerischen Lais digl Crap Alv ertönte Alphorn-Gebläse bis zur Fuorcla hinauf.

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Hier rechts auf dem Halbinselchen kann man den Musikanten erkennen.

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Für mich führte der Weg nur noch bergab. Und schliesslich kam ich an einer der grössten Augenweiden des Albula-Tals an: dem türkisfarbenen Lai dal Palpuegna. Dieser war für mich ganz klar zu bevölkert. Ganze Sippschaften lagerten an seinen Ufern. Fotografieren und nichts wie weg!

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Mein ursprünglicher Plan hatte vorgesehen, von Preda aus wieder heim zu fahren. Doch hatte ich meine Marschtabelle massiv unterboten und so beschloss ich, damit das Verhältnis von Anreise und Wanderung etwas ausgeglichener ist, weiter nach Bergün zu wandern. Preda mit seiner Baustelle für den Tunnel-Neubau wirkte ohnehin nicht sehr einladend.

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Gute 1 1/2 Stunden wanderte ich noch neben, über und unter der berühmten Albula-Bahnstrecke (Unesco Weltkulturerbe!) talauswärts.

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In Bergün hatte ich gerade noch genügend Zeit, meine Füsse im Dorfbrunnen zu kühlen, ein Glacé zu schlecken und schon kam das rote Züglein wieder angebraust. Nach 5 Stunden reiner Wanderzeit stand eine 3 1/2-stündige Heimfahrt auf dem Programm. Meine SBB-Tageskarte habe ich sehr gut ausgenützt.

Fazit: Lieber alleine wandern als gar nicht wandern.

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Die tierisch schöne Wanderung – Tag 4

Als ich am Morgen aufstand, glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Keine Wolke am Himmel! Ein strahlend schöner Tag. Das war umso wichtiger, als wir a) keinen aktuellen Wetterbericht runterladen konnten (wie hat man das eigentlich früher gemacht???) und b) heute die längste Etappe anstand.

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Vorbei an mehreren Seen – einer malerischer als der andere – führte der gut markierte Weg zur Cadlimo-Hütte. Immer weniger Grün am Wegrand erfreute das Auge. Aber auch Granit hat seinen Reiz, wie ich ehemalige Klettergumsel einmal mehr feststellen durfte. Die Hütte liessen wir rechts liegen und stiegen wieder etwas ab, um in den steilen, schmalen Weg zum Passo Bornengo einzufädeln. Dieser Abstieg war die anspruchsvollste Strecke der gesamten Wanderung. Trittsicherheit war unbedingt vonnöten, während die Stöcke für einmal eher hinderlich waren.

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Oben auf dem Passo Bornengo öffnete sich der Blick gegen Norden ins Val Maighels (rechts) und die Zentralschweizer Alpen. Umwerfend!

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Beim problemlosen Abstieg durchs Val Maighels müssen sich diverse Leute gelangweilt haben. Oder etwa nicht? Die Steinmännchen sind jedenfalls nicht in einem Tag entstanden. Es sind wahre Kunstwerke drunter, teils über zwei Meter gross, mal mit Fenster, mal mit bedrohlich balancierenden Steinen drauf, die scheinbar kurz vor dem Zusammenbrechen stehen.

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Das obige Bild entstand um 13.30 Uhr. Eine Stunde später war der Himmel längst nicht mehr so blau. Bedrohlich schwarze Wolken erschienen am Himmel, erstes Donnergrollen ertönte. Wir legten einen Zacken zu. Und noch einen. Und dennoch reichte es nicht ganz ans Trockene. Etwa 500 m vor der Oberalp-Passhöhe begann es zu regnen und wir kramten unsere Regenjacken hervor. Weitere 10 Minuten später standen wir im Wartesaal der Matterhorn-Gotthard-Bahn, während es draussen kurz darauf wie aus Eimern goss. Schwein gehabt.

Der Rest ist schnell erzählt. 55 Minuten warten, bis der Zug kam, vier Mal umsteigen und vier Stunden später drehte ich den Schlüssel an der Wohnungstüre. Eine absolut gelungene 4-tägige Wandertour durch unsere herrliche Bergwelt, im Beisein von zwei lieben Freunden, ist Geschichte. Mein temporäres Andenken: zwei total verbrännti Wädli, die ich nicht flächendeckend mit Sonnencreme eingeschmiert hatte. Die Sonne brannte die meiste Zeit von hinten.

Eine Zahl bin ich euch noch schuldig: Auf unserer Königsetappe waren wir knapp 7 Stunden am wandern. Ach ja, Tiere haben wir selbstverständlich auch gesehen. Welche, überlasse es eurer Fantasie.

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Und weil es so schön war, hier noch die anderen Etappen zum nachlesen:

Tag 1, Tag 2 und Tag 3

Die tierisch schöne Wanderung – Tag 3

Ich sag’s euch gleich: vom heutigen Wandertag gibt es nicht viel Bilder. Genau gesagt nur die zwei hier. Das Wetter – obschon trocken – war abschnittsweise etwas bescheiden.

Beim Abmarsch von der Capanna Bovarina war es noch ziemlich sonnig. Und wären wir zu der unrechtschaffenen Zeit aufgebrochen, als ich mitten in der Nacht aufs WC musste, wäre der Himmel zwar pechschwarz gewesen, aber von einer Sternenvielfalt erfüllt, die man im Flachland vergebens sucht.

Einmal mehr an wunderschöner Alpenflora vorbei stiegen wir auf zum Passo di Gana Negra. Dort wehte uns ein rauhes Lüftchen um die Nase, das nicht zum Verweilen einlud. Unser Zwischenziel, der Lukmanier-Pass, war auch schon bald zu sehen und es sollte nicht viel länger dauern, bis uns der Zivilisationslärm um die Ohren schlug. Wir waren uns einig, dass Motorräder das unnützeste Verkehrsmittel überhaupt sind.

Zügig schritten wir voran, um die Zivilisation wieder hinter uns zu lassen. Der Aufstieg zum Passo dell’Uomo führte ruppig über Steinschroppen. Unsereins war ja mit gutem Schuhwerk ausgerüstet, aber was uns da teilweise entgegen kam… tztz…!

Auf der anderen Seite des Passes weitete sich das Tal zu einer feuchten Hochebene.

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Wir hatten einmal mehr genügend Zeit, um zu bummeln und uns an der herrlichen Bergwelt zu erfreuen. Ganze Hänge waren voll von verblühten Küchenschellen. Muss das ein Anblick gewesen sein, als sie noch farbig waren!

Tiere? Aber selbstverständlich. Murmeltiere. Immer wieder Murmeltiere. Und teilweise von so nah, dass man sie mit einem 70-er Objektiv bildfüllend fotografieren konnte, was Werner auch – auf dem Bauch robbend – machte.

Sommervögel, Falter, Raupen, Vögel. Ich bin überzeugt, hätten wir öfters in den Himmel geschaut, wäre früher oder später ein Adler zu erblicken gewesen. Aber mit dem Gehen in unwegsamen Gelände ist das ja so eine Sache, da verträgt es keinen Hans guck in die Luft.

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Nach gut fünf Stunden erreichten wir unser Tagesziel, die Capanna Cadagno. So etwas habe ich noch nie gesehen! Ich war schon in vielen Alpenhütten, allerdings in den letzten Jahren nicht mehr so oft. Umso mehr hat es mich erstaunt, zu sehen, wie komfortabel man heutzutage Hütten bauen kann. Okay, die Hütte ist (für die Hüttenwarte) per Auto zu erreichen und ans Stromnetz angeschlossen. Dennoch…

So modern, so hell, so grosszügig. Schaut euch mal unter “Galerie” hier die Bilder an. Die alte Hütte wurde einfach mit einer neuen Hütte “überdacht”. Total geniales Konzept! Hier noch der ultimative Hinweis für offline Freaks: In der Hütte schweigt das Handy, es gibt kein Netz.

Um 19.30 Uhr begann es zu regnen und es folgte ein heftiges Gewitter. Keiner von uns Drei wagte daran zu glauben, dass am Folgetag die Königsetappe möglich sein könnte.

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Hier gibt es Tag 1 und Tag 2 nachzulesen. Die Fortsetzung liest sich hier.

Die tierisch schöne Wanderung – Tag 2

Nach einer unruhigen Nacht im stickigen, nahezu vollbesetzten 30-er Schlag stand ich gerne auf und liess den jungen Tag auf mich einwirken.

Auf dem Bild unten sieht man gut, wo die Strasse endet. Hierhin fährt das Postauto oder auch der Hüttenwart, der seine Waren nur noch ins Transportbähnli umladen muss. Kein Wunder also, gab es feine frische Joghurts zum Zmorge. Am Kaffee müssen sie noch etwas arbeiten…

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Unser Wandertag begann mit dem Abstieg nach Campo Blenio. Während wir 1’000 Höhenmeter vernichteten, hatten wir ausgiebig Zeit, Flora und Fauna zu studieren. Wunderschöne Blumen standen am Wegesrand. Und ich Idiot hatte die Speicherkarte meiner Kamera daheim im PC stecken lassen! Deshalb gibt es von der gesamten Wanderung nur Handy-Fotos.

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Wiederum sahen wir Murmeltiere im Multipack, unzählige Schmetterlinge flatterten um die unzähligen Blumen, Käfer und Raupen stellten sich uns in den Weg und selbst eine Schlange suchte angesichts der drei herannahenden Trampeltiere eiligst das Weite.

In Campo Blenio genehmigten wir uns einen Kaffee. In diesem Kaff scheint im Winter mehr los zu sein als im Sommer. Drei Restaurants, von denen nur eines offen war. Kein Laden. Wir hatten das im Vorfeld schon abgeklärt und gewusst, dass wir für die ganze Wanderung die Zwischenverpflegung mittragen mussten.

Im Aufstieg zur Capanna Bovarina sahen wir noch ein Exemplar der Spezies Homo Blasus Laubus. Diese Gattung erobert selbst die abgelegensten Täler in sprichwörtlicher Windeseile. Einige Heidelbeeren am Wegesrand versüssten uns den Aufstieg, während es noch lange in unseren Ohren dröhnte.

Der Hammer folgte in der Hütte. Yvonne hiess uns so herzlich willkommen, dass wir uns sogleich wohl fühlten. In dieser Hütte, so erkannten wir rasch, ging es wesentlich weniger militärisch zu und her als in der Capanna Scaletta.

Der Hüttenwart erklärte uns, wie wichtig es für ihn sei, dass am 1. August schönes Wetter sei. Er plane ein 1,5 x 1 m grosses Gordon-Bleu zu kochen. Huch, das hätten wir drei Hobby-Köche gerne gesehen, vor allem, wie er dieses Monster in der Pfanne wendet!

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Von der Hütte aus sieht man – rechts der Mitte im Bild – den markanten, gletscherbedeckten Gipfel des Rheinwaldhorns. Dort oben stand ich mal vor 33 Jahren. Die gleiche Skitourenwoche führte mich auch in die Bovarina-Hütte, allerdings war sie damals noch wesentlich kleiner und bescheidener eingerichtet.

Die heutige Tour waren wir gemütlich unterwegs. Die Strecke wäre in 5 Stunden zu schaffen.

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Tag 1 der Wanderung gibt es hier nachzulesen, die Fortsetzung hier.

Die tierisch schöne Wanderung – Tag 1

Auf dem Programm stand ursprünglich eine mehrtägige Wanderung im Engadin. Aber da es bis auf 2’500 Meter runter geschneit hatte, fiel diese Variante ausser Rang und Traktanden. Nach allem, was in den vergangenen Wochen und Monaten passiert ist, konnte ich dringend eine Luftveränderung brauchen, egal in welcher Ecke unseres Landes diese stattfinden würde. Dankbar schloss ich mich dem neuen Vorschlag meiner beiden Freunde an und fuhr mit ihnen bis ins hinterste – allerhinterste – Kaff im Val Lumnezia.

In Puzzatsch begann der Aufstieg auf den Pass Diesrut. Die ersten 760 Höhenmeter des Tages standen an.

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Kurz nach dem Pass bot sich uns der Blick über die Greina-Ebene. Wäre es nach den Plänen einiger Wasserkraft-Betreiber gegangen, stünde diese Hochebene längst unter Wasser, wäre der Talabschluss mit einer Staumauer verbarrikadiert.

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Wie schade wäre das denn gewesen!

Die Hochebene der Greina, fast sechs Kilometer lang und einen Kilometer breit, ist eine einzigartige, alpine Tundrenlandschaft auf einer Höhe von 2’200 m. Sie gehört zum Bundesinventar der Landschaften und blieb dank dem Intervenieren von Natur- und Landschaftsschutz-Verbänden weitgehend von menschlichen Eingriffen verschont.

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Zahlreiche Quellen fliessen als kleine Gebirgsbäche ungestört durch die Ebene und formen Mäander, Teiche und Moore.

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Unterwegs sahen wir gleich Dutzendweise Murmeltiere. Hörten das aufgeregte Gepiepse von Vögelchen, denen unseren Wanderschuhen wohl zu nahe ans Nest kamen. Und eher unerwartet weideten in der Greina-Ebene Rinder, nach dem Greina-Pass Schafe.

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Das tierische Inventar vervollständigten die Steinböcke, die unvermittelt direkt neben der Capanna Scaletta auftauchten, um dort an den Felsen Mineralien zu lecken. Wenn mich mein Blick zwischen ihre Beine nicht getäuscht hat, handelte es sich ausschliesslich um jüngere männliche Tiere, die sich von den verdatterten Hütten-Besuchern in keinster Weise stören liessen.

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Nach fünf Stunden reiner Laufzeit erreichten wir unser Tagesziel. Die 52 Plätze der Capanna Scaletta waren nahezu ausgebucht. Wen wundert’s – es war der erste trockene Tag der vergangenen Woche.

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Die Fortsetzung der Wanderung gibt es hier nachzulesen.