Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Sind sie wirklich so schlimm, die Deutschen?

Die Swiss, unsere nationale Airline (die, so ganz nebenbei erwähnt, in deutscher Hand ist), hat vor wenigen Tagen diesen neuen Werbespot auf dem Buckel unserer deutschen Nachbarn veröffentlicht:

Da ich nie so Ferien mache, kann ich über dieses urdeutsche Talent nicht urteilen. Glaubt man dem Werbespot, soll aber durchaus ein Körnchen Wahrheit dran sein.

Wer hat diesbezüglich schon Erfahrungen gemacht?

Oder wer demontiert das deutsche Image?

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Beinahe zu spät bemerkt

Es dauerte eine nicht in Anzahl Tage zu fassende Weile, bis wir die Veränderung bemerkten.

Zuerst ist uns aufgefallen, dass das Auto immer vor der Haustüre steht. Dann haben wir geglaubt, sie schon länger nicht mehr gesehen zu haben. Auch das charakteristische Geräusch des Türschlosses hat auf sich warten lassen. Schliesslich haben wir uns eingebildet, es habe schon erfreulich lange nicht mehr gestunken im Treppenhaus.

Die Summe aller Erkenntnisse kann nur eines bedeuten: Unsere Nachbarn sind in den Ferien.

Das mögen wir ihnen von ganzem Herzen gönnen. Aber noch viel mehr uns und den anderen Bewohnern im Haus. Wo immer sie hin verreist sein mögen – hoffentlich halten sie es noch ganz, ganz lange dort aus.



Und nun noch zur Auflösung des Rätsels des gestrigen Beitrags. Es handelt sich, wie richtigerweise getippt wurde, um Käsebretter. Sauber gereinigt harren sie ihrer Verwendung. Entdeckt habe ich die Bretter aus Fichtenholz bei einer grossen Käserei auf dem Urnerboden, die den Aufschriften nach zu schliessen auch die Migros beliefert. In der Vollversion sieht das Bild so aus:

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Oder so:

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Wen es interessiert, hier finden sich einige Hinweise zu Käsebrettern und deren Pflege.

Prioritäten setzen

Es war meinem geschärften Auge nicht entgangen, dass die Geschirrspülmaschine in der Ferienwohnung nicht vollständig trocknete. Man kann so etwas natürlich aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Einerseits ist es ärgerlich, wenn Besteck, Teller und Gläser noch tropfen. Andererseits kann man das auch etwas toleranter sehen und sich darüber freuen, dass man das Geschirr nicht von Hand abwaschen muss.

Dennoch, als mir die Vermieterin das nächste Mal über den Weg lief, sagte ich es ihr. Ihre erste Reaktion war, sich bei mir zu bedanken. “Wissen Sie, wenn uns das niemand meldet, können wir es auch nicht merken.” Und einen Wimpernschlag später fügte sie an: “Aber wenn z’Intärnett nitt funktioniärt, denn kömmend d’Gescht scho nach zwenzg Minuta.”

Wenn mich nicht alles täuscht, sagt man dem “Prioritäten setzen”.

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Voll, voller, gepackt

Packen. In die Ferien verreisen. Ich habe es schon viele Male gemacht und werde es hoffentlich noch vielmals tun. Diese Hoffnung ändert jedoch nichts daran, dass das Packen mit viel Planung und Arbeit verbunden ist. Routine hin oder her.

So stöhnte ich unlängst am Tage vor der Abreise über das bevorstehende Packmanöver, das erfahrungsgemäss in einem halben Umzug ausufert.

“Ich weiss nicht, was du daran so schlimm findest”, meinte daraufhin mein innig geliebter Mitbewohner, “gepackt ist doch einfach, wenn alle Taschen voll sind.”

Wenn’s so einfach wäre…

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Der Doppelwecker

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich sind Langschläfer. Das wären wir auch gerne in Schweden, wohnen wir her doch in einer solchen Idylle, dass von Autos weit und breit nichts zu hören ist. Kein Fluglärm, kein Nachbar, der am Morgen hustend das Haus verlässt, niemand, der über unseren Köpfen duscht.

Doch hier sind wir immer viel früher wach, als uns lieb ist. Das liegt nicht allein an der Tatsache, dass es hier fast eine Stunde früher hell wird als daheim. Nein, das liegt an den Hühnern, die auch zu unserem gehüteten Haus gehören. Ganz genau genommen am Hahn. Und noch genauer genommen an zwei Hähnen.

Die beiden blöden Viecher übertreffen sich, kaum ist die Sonne aufgegangen (aktuell kurz vor 5.00 Uhr), mit ihrem Gekrächze. Mag gut sein, dass sie damit bei ihren Hennen Eindruck schinden, wir dagegen würden ihnen am liebsten den Hals umdrehen, befindet sich doch unser Schlafzimmerfenster nur wenige Meter vom Hühnergehege entfernt. Irgendeinen Haken muss die ländliche Idylle offenbar haben.

Übrigens: In unserem Dialekt ist ein Hahn ein Güggel. Wie heisst das bei euch?

 

Alles wie gehabt

Wenn ich mich nun auf die faule Haut legen und hier im Blog eine ruhige Kugel schieben wollte, könnte ich euch ab sofort alle meine letztjährigen Beiträge ab Mitte Juli als aufgewärmte Kost vorsetzen. Die einen von euch, da bin ich mir sicher, würden das nicht merken. Das ist keine Wertung meiner Leser sondern basiert auf der simplen Tatsache, dass seit einem Jahr nicht nur Leser vom Flohnmobil abgesprungen sind, sondern glücklicherweise auch einige dazugekommen sind. Und diese Neuankömmlinge können beim besten Willen nicht wissen, dass mein innig geliebter Mitbewohner und ich im letzten Sommer schon in Schweden waren und ein Haus gehütet hatten.

Nun, wir sind also an den Ort des Schreckens zurückgekehrt und wirklich viel verändert hat sich nicht. Das alte Haus von Rocky Docky sieht immer noch gleich aus. Im Garten wachsen die gleichen Gemüsesorten, wenn auch an einem anderen Platz. Der Rasenmäher ist schon wieder kaputt und diverse Beeren sind reif zum ernten. Gut, mit den Hühnern hatten wir zum grössten Teil keinen Wiedererkennungseffekt. Da können wir zwar nicht viel dafür, aber wissen dafür umso genauer weshalb.

Da ich nun endlich wieder eine konstante Internet-Verbindung habe, werde ich wieder regelmässig bloggen. Sofern ich zwischen Garten giessen, Marmelade kochen, Tiere füttern, kochen, backen, Rad fahren, Pilze sammeln, moralischen Beistand leisten und Hühner zählen überhaupt dazu komme.

Sollte jemand genau wissen wollen, was wir letztes Jahr so alles erlebt haben, findet er hier sämtliche Beiträge dazu (am Ende der Auflistung mit lesen beginnen).

Der Packesel

Langjährige Erfahrung zeigt: Ob man wir für eine Woche oder einen Monat packen, wesentlich mehr Ware sammelt sich nicht an.

Mein Arsenal an Küchengeräten, ohne die ich nirgends hin fahre, bleibt sich gleich. Die diversen Verlängerungs-, Daten- und Ladekabel für Handy, Skischuh-Heizung, Notebook, Fotokamera, Skischuhtrockner, Handschuhe und Wachsgerät werden trotz Kurzurlaub nicht kürzer. Zwei Skistöcke brauche ich ohnehin, von zwei Skiern ganz zu schweigen. (In dieser Beziehung ist Familie Flohnmobil zugegeben etwas eigen, reist sie doch selten mit weniger als vier Paar Skiern an.) Selbst der von meinem innig geliebten Mitbewohner so verachtete „Gütterlilade“ verfügt ohnehin über ein gewisses Minimum an Schönheits-Utensilien. Die Zeiten, wo nur samstags gebadet und anschliessend frische Wäsche angezogen wurde, sind schliesslich vorbei.

Was also spricht dagegen, länger als eine Woche in die Ferien zu fahren? Ausser vielleicht die Ladekapazität des Autos.

Staubig, aber wa(h)r

Es gibt mit Sicherheit dringlichere Angelegenheiten, wenn man aus seinen Ferien heim kommt (in unserem Fall von 5 Wochen Housesitting), als sich sofort mit Staubsauger und Putzlappen zu bewaffnen. Diese Binsenwahrheit gilt zumindest für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich. Insbesondere, weil wir vor unserer Abreise jeweils noch Staubwedel & Co. durch die hehren Hallen schwingen. Es mag eine Macke von mir sein, alles aufgeräumt und sauber zu hinterlassen. Aber mir ist wohl dabei und mittlerweile weiss ich aus zuverlässiger Quelle , dass ich mit dieser Macke nicht allein in der Prärie stehe. Zumindest die moralische Unterstützung in dieser Angelegenheit ist mir vor den nächsten Ferien schon mal auf sicher.

Früher oder später drängt sich aber der grössten Putzlappen-Resistenz zum Trotz der Griff zum farbigen Tüchlein auf. Und man fragt sich verwundert, wie sich so viel Staub ansammeln konnte, wo die Wohnung doch fünf Wochen lang unbewohnt war. Die Erkenntnis daraus ist zwar altbekannt, aber deswegen nicht weniger erschütternd:

 S t a u b   m a c h t   k e i n e   F e r i e n .

Housesitting- ein Resümee

Es ist bald drei Wochen her, seit wir unseren Ladenhüter-Dienst in Schweden abgeschlossen haben. Somit ist genügend Zeit vergangen, um das Ganze mit etwas Abstand zu betrachten, aber noch nicht so viel Zeit, dass Details in Vergessenheit geraten wären. Das Wichtigste vorab: Wir würden es wieder machen. Es hat enorm Spass gemacht. Aber wieso?

War es die die traumhafte Lage direkt an einem See?

Weil es so toll war, für einmal in einem so grossen Haus zu wohnen (auch wenn wir selber nie ein derart grosses Haus mit der damit verbundenen Arbeit unser eigen nennen möchten)?

Waren es die gründlichen Vorabklärungen, Mails, Skype, bevor wir zusagten?

War es die Abwechslung vom Alltag?

War es der grosse Garten mit seinem frischen Obst und Gemüse, dessen Angebot unseren Speisezettel massgeblich beeinflusste?

War es, weil Schweden einfach ein tolles Land ist?

Oder gar, weil das Wetter so perfekt passte und wir angenehme Sommertemperaturen hatten, während die daheim bei weit über 30 Grad schmachteten?

Es war wohl von allem ein Bisschen. Dank einem gerüttelt Mass Neugierde, Aufgeschlossenheit und Improvisationstalent, aber auch Toleranz und Achtung unseren nicht anwesenden Gastgebern gegenüber verbrachten wir drei unvergessliche Wochen in Schweden. Dem überschwänglichen Dankesbrief nach zu schliessen, würde unsere Gastfamilie uns ohne zu zögern wieder ihr Haus anvertrauen.

Wenn alle Umstände passen, namentlich die Lage des Hauses, die zu hütenden Tiere und Aufgaben, der Zeitpunkt und nicht zuletzt die Chemie mit den Hausbesitzern, werden mein zwischenzeitlich zum innig geliebten Mithüter mutierter Mitbewohner und ich uns wieder einmal aufs Abenteuer Housesitting einlassen.

Kulturschock

Es war etwas hektisch, als es endlich losging. Eigentlich nichts Neues, wenn man endlich von der vollgestopften Fähre fahren konnte. Auch die ersten Meter auf dem Boden waren naturgemäss hektisch, jeder wollte so schnell wie möglich weg kommen, als ob es nach stundenlanger Fährüberfahrt eine Rolle spielen würde, ob man als Fünfundfünfzigster oder Hundertvierzehnter von Bord fuhr.

Zugegeben, nach drei beschaulichen Wochen in Schweden konnte einem schnell etwas hektisch vorkommen. Doch die Hektik liess einfach nicht nach. Im Gegenteil, sie schien sich an unsere Fersen zu heften, verfolgte uns. Von dem Moment an, als wir von der Fähre auf die Insel Rügen fuhren, fühlten wir uns gehetzt. So auf dem Weg in unsere Unterkunft 20 Kilometer südwärts bei Frau Nagel mit ihren diversen Haaren auf den Zähnen. Und im Ostseebad Göhren, wo uns die Leute ständig auf den Füssen rumstanden.

Selbst der nächste Tag mit seiner Velotour trug nicht zu unserer Entspannung bei. Es war Sonntag und durch ganz Rügen schien sich eine einzige brummende, stinkende Autokolonne zu wälzen. Mit dem Velo eine Strasse zu überqueren kam einer Mutprobe gleich. Genau genommen war es nur möglich, dank dem Mitleid, auch was sage ich Mitleid, dank dem Erbarmen einzelner Autofahrer. Die Automobilisten auf Rügen hatten es alle wahnsinnig pressant. So viele gestresste Urlauber auf einem Haufen – mein innig geliebter Mitreisender und ich waren fassungslos.

Und dann diese Strassen! Gut, es hat Radwege auf Rügen. Aber leider nicht überall. Und dummerweise nicht dort, wo wir hin wollten. So gerieten wir unversehens auf Kopfsteinpflaster. Der übelsten Sorte. Wer hatte eigentlich diese bescheuerte Idee, Rügen mit dem Rennrad zu befahren? Hätten wir uns doch wie alle anderen in die Fahrzeugkolonne eingereiht und hätten wir Deutschlands grösste und (angeblich) schönste Insel mit dem Auto bewandert!

Tags darauf fuhren wir weiter, liessen die gestressten Urlauber auf ihrer Urlaubsinsel hinter uns. Der Mitreisende und ich waren uns einig wie selten zuvor: Da kann unseretwegen die Kanzlerin mit dem gesamten Bundestag, Kaiser Wilhelm oder wie er geheissen haben mag und welche Prominenz auch immer auf Rügen Urlaub gemacht haben. Da können die schönsten Strandkörbe der Welt stehen und die frischesten Fischbrötchen angeboten werden.

Nach Rügen werden wir nie, nie, nie mehr fahren!