Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Provence

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Der Vorteil am Reisen mit einer Freundin ist nicht nur, dass man das Zimmer und eine Pizza teilen, sondern auch, dass man ihre Blogbeiträge klauen kann.

Deshalb habe ich mir den folgenden Blogbeitrag an Bord des Flohnmobils geholt. Schliesslich bin ich im Moment auch so eine Art Trulla.

 

Schreibschaukel

Normalerweise schätze ich mein Navi, weil ich mich puncto Karten lesen noch nie sehr geschickt angestellt habe. Ich bin ja schon froh, wenn ich am Morgen meine Autoschlüssel finde. Alles andere überlasse ich dann dem Navi.
Ob es nun daran liegt, dass die Navidame, nennen wir sie Trulla, sich in Frankreich nicht so gut auskennt wie zu Hause oder daran, dass sie aufgrund der vielen neuen Eindrücke zu zerstreut ist, jedenfalls hat sie schon ein paarmal erbärmlich gestümpert. Ihr haben wir eine so ungeplante wie ausgedehnte Stadtrundfahrt in Marseille genauso zu verdanken wie die unschöne Erfahrung, am Ende einer eigentlichen Sackgasse zu stranden, aus der wir nur mit eingeklappten Spiegeln via eine verbotene Einbahnstrasse wieder herauskamen. Gut, letzteres war nicht nur Trullas Fehler, die Franzosen hatten da auch gestümpert, denn am Anfang der Strasse hatte nichts darauf hingewiesen, dass sie am Ende wegen Bauarbeiten gesperrt war.
Trotzdem.
Von der Trulla…

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Abschied für immer?

“Meinst du, du wirst Conrad jemals wiedersehen”, fragte mich meine Freundin, als wir ein letztes Mal auf dem Kiesweg von der Luxusresidenz des Goldschätzchens weg fuhren.

Mit dieser banalen Frage erwischte sie mich auf dem falschen Fuss. Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Hätte ich sollen? Hätte ich diese Reise in die Provence als eine Art Abschied, Teil meiner Trauerbewältigung und gleichzeitig Zeichen für einen Neuanfang abbuchen sollen?

Ich weiss es nicht. Weiss nicht, was aus mir in den kommenden Wochen, Monaten werden soll. Im Zusammenhang mit der Luxushütte und dem Goldschätzchen weiss ich nur eines: Ich habe wunderbare Erinnerungen daran, habe ich doch dort mit meinem Mann in drei Mal mehr als drei Monate verbracht. Diese Erinnerungen sind kostbar, unvergesslich und leider auch unwiederbringlich.

Dennoch bin ich leichten Herzens weiter gefahren. Weiter in mein neues Leben. Weiter zusammen mit meiner Freundin, die momentan das Steuer für mich übernommen hat.

Das Frauchen des Goldschätzchens hat mir beim Abschied versichert, ich sei hier jederzeit willkommen. Und ich bin mir sicher, dass auch das Goldschätzchen nichts dagegen hätte, würde ich nochmals bei ihm aufkreuzen. Es wird wissen, dass von diesen übel riechenden Dingern noch einige übrig sind. Und ich bräuchte nicht mit leeren Händen an der schweren Eichentüre zu klopfen.

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Ferien in der IKEA-Filiale

Das grosse Schwedische Möbelhaus hat sich nicht nur in Europa einen festen Platz erobert, schon vor bald 20 Jahren hatten mein Mann und ich in Los Angeles dankbar den blau-gelben Giganten aufgesucht. Damals ging es darum, unseren Wohnmobil-Hausrat auszurüsten. Ein Unterfangen, das nicht ganz einfach und bei IKEA nur bedingt erfolgreich war.

Etwas einfacher, so scheint es zumindest, muss es sein, eine Wohnung einzurichten. Bei IKEA findet man so ziemlich alles. Vielleicht nicht immer in der gewünschten Qualität oder Farbe, aber das Sortiment ist mitunter so originell und nicht zuletzt preisgünstig, dass frau sich wahlweise vor Entzückung oder Verwunderung die Augen reibt.

In der Wohnung, die wir einige Tage benutzen durften, stiessen wir auf Schritt und Tritt auf IKEA-Produkte. Frottier-Wäsche, Besteck, Geschirr, Abwaschbürste, Kommoden, Schränke, Bettinhalt – alles mit dem IKEA-Label versehen. Doch nicht ausschliesslich. Unsere Gastgeberin, das Frauchen des weltberühmten Goldschätzchens, weiss Modernes mit Antiquitäten und unkonventionellen Einrichtungsgegenständen perfekt zu kombinieren.

Mir wäre höchstens anhand der noch teilweise vorhandenen Preisschilder aufgefallen, dass wir hier überwiegend von blau-gelben Produkten umgeben sind. Doch meine Freundin, mit geschärftem Auge für derartiges, verkündete glaubwürdig: “In dieser IKEA-Filiale gefällt es mir sehr gut.”

Unsere Gastgeberin würde es wahrscheinlich nicht so gerne hören, wenn ihr edles Appartement als IKEA-Filiale bezeichnet würde, aber irgendwie kann sie ihre Herkunft dennoch nicht verbergen.

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Alltag auf Abwegen

Ich pflegte früher stets zu sagen, ich hätte nie Ferien, ich würde nur meinen Alltag an einem anderen Ort verbringen. Im Grunde genommen gilt diese Aussage noch immer, auch wenn der Alltag ein ganz anderer geworden ist.

Die ersten Ferien alleine. Ich hätte es nicht gekonnt. Aber die ersten Ferien zusammen mit einer lieben Freundin, das – so hoffte ich – würde mir den Übergang in mein neues Leben erleichtern.

Es ist ein spezielles Abenteuer, mit jemandem, den man vermeintlich gut, aber nur bei Tageslicht kennt, erstmals in die Ferien zu fahren. Meine Freundin hatte mir zwar schon früh, gewagt früh, gesagt, sie könnte sich sogar vorstellen, mit mir auf eine Weltreise zu gehen. Und das hatte sie verkündet, nachdem wir uns erst wenige Male gesehen, jedoch schon hunderte Male geschrieben hatten.

Nun sind wir also mitten in diesem neuen Abenteuer, zwar nicht auf einer Weltreise, jedoch immerhin so weit weg von daheim, dass ein Rückzug in die heimatlichen Gefilde mit einigem Aufwand verbunden wäre. Das Frauchen des Goldschätzchens, langjährigen Lesern dieses Blogs wird es allmählich bimmeln, hat uns eingeladen, einige Tage bei ihr im Nebenhaus zu wohnen.

Jawohl, richtig, wir sind in der Provence! Wir geniessen hier den tiefblauen Himmel und die warmen Temperaturen, während es daheim schon etwas nach Schnee riecht. Wir bummeln durch malerische Orte, setzen uns in ein Café, beobachten die Leute, essen gut, fläzen uns im Liegestuhl am Pool, geniessen auf allen Ebenen, was das Zeug hält.

Natürlich ist es anders. Nie mehr wird sein, was war. Meine Freundin und ich entdecken uns neu, lernen einander noch besser kennen. Ich weiss jetzt schon: Dieser Urlaub wird uns noch mehr verbinden. Wohl schläft sie am Morgen gerne länger als ich, braucht doppelt so lange im Bad, steigt mit beneidenswert eleganter Wäsche ins Bett und neigt mitunter zu schusseligem Getue. Dennoch weiss ich schon nach wenigen Tagen, dass wir nicht das letzte Mal zusammen in die Ferne gefahren sind.

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Veränderliches

In Zeiten, wo sich so vieles verändert, ist es tröstlich, wenn man auf Altbewährtes zurückgreifen kann.

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Zwei Tröpfchen Öl

Nach dem letzten Beitrag kommt es gleich nochmals etwas fischig daher. Allerdings in etwas anderer Form.

Langjährige Leser dieses Blogs wissen, dass mein innig geliebter Mitbewohner und ich in den letzten Jahren mehrmals und an verschiedenen Orten Housesitting gemacht haben. Diese Leser können sich vielleicht auch an das Goldschätzchen erinnern. Allen anderen sei gesagt: Das Goldschätzchen ist einer der Hunde, den wir seinerzeit gehütet haben. Da wir dieses Jahr aus verschiedenen Gründen keine Gelegenheit hatten, irgendwo als Housesitter zu amten, sei hier eine Anekdote aufgewärmt.

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Als wir das erste Mal im gediegenen Anwesen des Goldschätzchens waren, wurde ich in einem 45-minütigen Telefongespräch mit dessen Frauchen über Goldschätzchens Gepflogenheiten und kulinarischen Vorlieben aufgeklärt. Das war seinerzeit nötig, weil wir Frauchen nie zu Gesicht bekamen. Unter anderem erklärte uns Frauchen folgendes: Sollten wir einmal eine Büchse Ölsardinen öffnen, darf das Goldschätzchen zwei Tropfen des Öls haben. Diese zwei kostbaren Tröpfchen in Goldschätzchens Napf würde es besonders schätzen.

Ich nahm das seinerzeit zur Kenntnis und erzählte es nach Beendigung des Telefonats dem Mitbewohner. Dieser begann schallend zu lachen. “Ich bin mir ganz sicher, der Hund würde auch den Rest der Büchse, nicht nur die zwei Tröpfchen, fressen!” Die zwei Tröpfchen Öl sind für uns längst zum Running Gag geworden.

Als wir das letzte Mal beim Goldschätzchen waren, kauften wir eine Büchse Sardinen, um es damit zu gegebener Zeit mal zu belohnen. Auch so ein Hund schätzt schliesslich ab und zu mal eine Delikatesse. Irgendwie kam es nicht mehr dazu. Viel schlimmer noch: Wir nahmen das Büchsli mit heim. Und drum dümpelt bei uns seit bald 18 Monaten eine Büchse Ölsardinen rum, für die wir eigentlich so gar keine Verwendung haben. Denn, wie hier jeder weiss, Fische kommen im Hause Flohnmobil aus dem See, nicht aus der Dose.

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Vollmohnd

Der Vorwand, hier nochmals ein paar Bilder aus der Provence zu zeigen, hat sich mir auf der gestrigen Radtour sozusagen am Wegesrand präsentiert. In der Form von Blumen. Rotem Mohn, um genauer zu sein.

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Ich weiss, mit meiner genialen Wortkreation im Titel hinke ich etwas hinterher. Vollmond war vorgestern. Und Vollmohn sucht man hierzulande vergebens. Die Blumen mit ihren zarten Blütenblättern sind mehr oder weniger Einzelkinder. Die Landwirtschaft mit ihren Herbiziden bringt es fertig, Getreidefelder ohne auch nur ein einziges unerwünschtes Blatt zu produzieren. Dabei sind Mohnfelder etwas vom Schönsten, was die Natur im frühen Sommer zu bieten hat.

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In der Provence jedenfalls funktioniert das “System Augenweide” trotz landwirtschaftlicher Nutzung.

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Zugegeben, dieses Mohnfeld ist inzwischen dem Pflug zum Opfer gefallen.

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Nichts desto weniger gibt es in der Provence viele Felder, Wegränder und ungenutzte Wiesen, in denen sich der Mohn ausbreitet.

Ach wie schön war es doch!

Kein Gassi mehr

Es sind weit mehr als 700 Kilometer, die uns von der Provence trennen. Es sind Welten. In vielerlei Hinsicht. Wir haben sie genossen, diese Wochen der Beschaulichkeit in dem grossen Landhaus am Waldrand. Wir haben den Pool genossen, die Stille, die quirligen Märkte, den Sternenhimmel, die Velotouren ohne Winterwäsche, das gute Essen, die Wärme. Und natürlich das Goldschätzchen, das uns – trotz seiner mannigfaltigen Marotten – sehr ans Herz gewachsen ist.

Wir  hätten es durchaus noch länger ausgehalten. Aber zu Hause ist es ja irgendwie auch schön. Einfach anders. Mit ganz anderem Aufgaben und Möglichkeiten, anderem Tagesablauf und Prioritäten. Der Hund zum ausführen fehlt. Und damit die Motivation, sich nach dem Abendessen nochmals aus dem Haus zu begeben. Dabei haben diese Gassi-Runden nicht nur dem Goldschätzchen gefallen.

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Durchblickend

Es gibt garantiert Arbeiten, die mir mehr liegen, die ich mit weniger Abscheu verrichte. Und es gibt Leute, die mich davon überzeugen wollten, dass diese Arbeit unter meiner Würde sei. Dass ich mich – schönes Haus hin oder her – nicht so weit herablassen solle.

Aber als mich unsere Hausbesitzerin fragte, ob ich die Fenster putzen würde, konnte ich nicht gut nein sagen. Was ist schon ein halber Tag Arbeit, wenn man vier Wochen Zeit dafür hat? Und ehrlich gesagt finde ich durchaus, dass ich mich so weit herablassen kann, wenn man bedenkt, dass wir ohne viel Verpflichtungen gratis und franko in diesem herrlichen Haus wohnen konnten, das im Sommer für 4’000 Pfund pro Woche vermietet wird. Oder?

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“Unser” Haus in der Provence – mit sauber geputzten Fenstern nach Schweizer Methode.

Des Spargels Lösung

Ihr erinnert euch an den blühenden “Spargel”, den ich hier vor ein paar Tagen vorgestellt habe?

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Mittlerweile weiss ich, wie die Orchidee heisst. Dank dem Hinweis von Werner habe ich bei Naturschutz.ch die Gretchenfrage gestellt, die prompt beantwortet wurde. Und zwar mit diesen Worten:

Der “Spargel” ist eine Orchidee! Und zwar handelt es sich um den Violetten Dingel (Limodorum abortivum). Der Dingel kommt auch in der Schweiz vor, allerdings nicht allzu häufig, am ehesten im Wallis, im Waadtländer Jura, im Südtessin und in Nordbünden – also überall dort, wo’s schön warm ist und kalkhaltiger Boden vorhanden ist.

Diese Quelle werde ich bei Bedarf wieder mal anzapfen. Besten Dank für deine Ausführungen, Claudia.