Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Mexico

Andere Länder – andere Sitten (6)

Dieser Beitrag ist die nahtlose Fortsetzung des letzten Posts. Der Grund, weshalb mein innig geliebter Mitbewohner und ich in Mexico eine Wal-Mart-Filiale aufsuchten, war nicht einzig, weil wir im Supermarkt einkaufen wollten. Wir gedachten auch, dort zu nächtigen. So hatten wir das schon dutzende Male in den USA und Kanada gemacht. Wieso sollte sich der Parkplatz nicht auch in Mexico zur Übernachtung im Camper eignen?

Als wir – aus bekannten Gründen unserem Gespür folgend – dorthin fuhren, war es noch hell. Da es aber Anfang Dezember war, wurde es früh dunkel. Bald war alles in hellem Flutlicht erleuchtet. Ein ruhiges Eck zu finden war nicht möglich auf dem riesengrossen Parkplatz. So entschieden wir uns für einen Platz direkt unter dem Scheinwerfer. Wenn schon, denn schon!

Als wir in der Nacht einmal wach wurden – nicht etwa wegen Nachtruhestörung oder dergleichen – waren wir das allereinzige Fahrzeug auf dem riesigen Platz. Und noch immer war alles hell erleuchtet. Wir müssen gut geschlafen haben, so genau weiss ich das nicht mehr. Jedenfalls wurden wir nicht behelligt.

Am Morgen spielte sich Seltsames ab vor, hinter und neben unserem Camper. Es wurde geputzt. Mit ganzem Einsatz. Aber nicht etwa mit einem Fahrzeug mit mehreren hundert PS, sondern von Hand. Da war eine ganze Garnison Mexis am Werk. Mit Reisbesen, wie wir sie benutzen, um einen kleinen Vorplatz zu wischen, waren Heerscharen von Leuten damit beschäftigt, in straff organisierten Reihen den mehrere Fussballfelder grossen Platz zu kehren. Ein Tagewerk, das seinesgleichen sucht! In Mexiko arbeiten Menschen noch deutlich billiger als Maschinen. Und eine mehr oder weniger sinnvolle Beschäftigung haben sie so obendrein.

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Nicht ganz so gut strukturiert wie in Mexico, aber auch in Slovakien werden grosse Plätze noch von Hand gekehrt.

Andere Länder –andere Sitten (5)

Bevor mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns aufmachten, Mexiko mit dem Wohnmobil zu bereisen, schmökerten wir ein wenig im Reiseführer herum. Darin stand so manches zu lesen, was wir während den fünf Monaten in diesem zentralamerikanischen Land am eigenen Leib erfahren würden.

Unter anderem war da zu lesen, dass ein Mexi nie zugibt, etwas nicht zu wissen. Er wird immer freundlich Auskunft erteilen, auch wenn diese kreuzfalsch ist.

In einer Stadt von vielleicht einer halben Million Einwohner fragten wir an einer Tankstelle nach dem Standort eines Supermarkts. Merke: Damals waren die Navis fürs Auto noch nicht erfunden.

“Ah, Wal-Mart”, Mexi Nummer eins kratzte sich vielsagend hinter den Ohren und wies uns nach kurzem Zögern den Weg Richtung Osten. Mexi Nummer zwei, gleich daneben stehend, widersprach. Nein, der Supermarkt liege im Westen der Stadt.

Von berechtigten Zweifeln betreffend dieser Auskünfte geplagt, fragten wir einen weiteren Mitarbeiter an der Tanke. Mexi Nummer drei schoss den Vogel vollends ab. Er schickte uns voller Überzeugung auf die Autobahn, bei der ersten Ausfahrt wieder raus und dann gleich links.

Nun waren wir so ratlos wie zu Beginn, folgten unserer Intuition und fanden uns nach wenigen Kilometern Fahrt an der Peripherie der Stadt vor dem Wal-Mart wieder.

Merke: Frag nie einen Mexi nach dem Weg, wenn du nicht ohnehin weisst, wo’s lang geht.

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So ziemlich am anderen Ende der Welt, aus mexikanischer Optik gesehen.
Wegweiser in Schwedisch Lappland.

Andere Länder – andere Sitten (2)

Wäscheleine der anderen Art

Man muss noch nicht mal das Land bereist haben, um zu erahnen, dass die Uhren im Mexiko anders ticken als bei uns. Wenn sie denn überhaupt ticken. Denn zu Zeit hat der Mexikaner ein anderes Verhältnis als das Volk der Uhrmacher im Herzen Europas.

Während ich hier schreibe und mir vorsichtig die Worte zurechtlege, dass ich die Pointe nicht am Anfang schon preisgebe, kommen mir ständig neue Erlebnisse in Mexiko in den Sinn, die gut in diese Serie passen würden. Immerhin haben wir Mexiko 5 Monate lang mit dem Camper bereist. Die meisten Mexikaner sind mausarm und leben in für unsere Begriffe schäbigen Bretterbuden. Sie sind Meister im improvisieren und flicken. Unsere Wegwerf-Gesellschaft könnte sich eine dicke Scheibe davon abschneiden.

Kakteen gehören in den meisten Regionen des subtropischen Landes zum Landschaftsbild wie bei uns Obstbäume. Kleine, grosse und ganz grosse Kakteen. Mit viel oder sehr viel Dornen. Zäune braucht es in Mexiko keine, solange eine breite Hecke an Kakteen ein Anwesen umgibt. Gewisse Kakteen kann man essen. Ihre Ohren werden auf Märkten angeboten. Das musste ich natürlich auch mal probieren!

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Kakteen haben aber noch eine weitere Funktion. Und um die zu verstehen, muss man wissen, dass es grosse Ohrenkakteen (Opuntien) gibt, die nicht ganz so viele Dornen haben wie auf dem Bild, das übrigens aus der Provence stammt.

Die Mexikanerinnen – und hier darf wohl getrost das Klischee des unter dem Sombrero zuschauenden, untätigen Mexikaners herbeigezogen werden – benützen ihre Kakteen-Hecken nämlich auch als Wäscheleinen. Nicht als Leine im herkömmlichen Sinn, sondern sie legen die Wäsche einfach auf die Kakteen. Wäscheklammern erübrigen sich. Wie schade nur, dass ich seinerzeit nie ein Bild von solchen textilen Ansammlungen auf der Botanik gemacht habe!

Wer etwas über kulinarische Freuden in Bezug auf Kakteen wissen will, kann gerne diesen alten Blogbeitrag anklicken.

Beschildert geschildert (26)

Immer wieder mal hört man am Radio die Durchsage: „Autobahn A99, zwischen Hinterpfupfikon und Vorderhausen, Fahrtrichtung Überalldorf. Vorsicht, es befinden sich Kühe auf der Fahrbahn.“

Es könnten auch Schafe sein. Giraffen oder Rehe. Die Durchsage würde immer ähnlich tönen. Anders in Mexiko. Nein, ich meine hier nicht den Umstand, dass die Verkehrsmeldung in spanisch durchgegeben würde. Ich bin im Gegenteil der Meinung, dass Tiere auf der Strasse dort fast zum normalen Alltag gehören. Wir glaubten damals, unseren Augen nicht zu trauen, als wir bei einer doppelspurigen, autobahnähnlich ausgebauten Strecke plötzlich Kühe sahen. Und nicht etwa neben der Fahrbahn, nein, die Rindviecher weideten ganz genüsslich auf dem Mittelstreifen! In Mexiko stört sich niemand daran. Schliesslich war ein Hirte dabei und die Rindviecher waren sich offenbar an die für unsere Verhältnisse doch sehr spezielle Fresserei gewohnt.

Diese Begebenheit – und es blieb in Mexiko nicht bei der einen – kam mir wieder in den Sinn, als ich das folgende Schild zum veröffentlichen erhielt.

Fotografiert hat Urs (wo steckst du eigentlich?) die Verkehrstafel in Polen. Wo man offenbar auch im 21. Jahrhundert noch speziell darauf hinweisen muss, dass Pferdefuhrwerke auf der Autobahn nichts verloren haben. Im Gegensatz zu Mexiko scheint es dort immerhin Leitplanken zu geben.

Komm an Bord!

Spätestens als wir Kanada von West nach Ost durchquert hatten merkten wir: Ohne Boot kommt man in diesem Land nicht weit. Viele schöne Orte waren weder von der Strasse noch von einem Wanderweg aus erreichbar. In Kanada hat es viele Parks, in denen das grosse Volk mit Kanus oder Kajaks (den Unterschied lernte ich erst dort) unterwegs war. Oft tagelang und auf eigentlichen Wasserstrassen in der Abgeschiedenheit unberührter Natur. Da wir nicht mit Flügeln ausgestattet waren und weder mein innig geliebter Mitreisender noch ich Langstreckenschwimmer sind, blieb uns meist nur das Nachsehen. In einzelnen Fällen mieteten wir ein Boot, stellten uns aber insgesamt eher ungeschickt an.

Als ein paar Monate später der Entschluss feststand, dass wir – in der Zwischenzeit waren wir bis nach Florida vorgerückt – im folgenden Sommer nach Alaska fahren würden, musste etwas geschehen. Irgendeine Gondel musste her. Aus Platzgründen entschieden wir uns für ein aufblasbares Kajak. Mit diesem wollten wir die Weltmeere erobern. Oder so ähnlich, wir merkten nämlich bald, dass das Kajak nicht nur zu kurze Paddel hatte, sondern durch seinen flachen, breiten Boden auch ziemlich schwerfällig zum Manövrieren war.

In der Folge überlegten wir uns zuerst immer gründlich, ob wir das Boot überhaupt aus unserer Dachbox hervorzaubern und aufpumpen wollten. Insgesamt war die gelbe Gondel in 1 ½ Jahren kaum mehr als zehnmal im Einsatz. Als wir dann noch mitten in der Wüste die gesetzlich vorgeschriebenen Schwimmwesten verloren (die Geschichte dazu gibt es hier), war das Schicksal der gelben Gefahr schon beinahe besiegelt. Die letzte Paddeltour absolvierten wir in Mexico, in einer ruhigen Bucht. Dort quatschte uns ein amerikanisches Ehepaar an, das „ganz genau dieses Boot schon sehr lange suchte“. Der Mitreisende und ich witterten Morgenluft und offerierten den Beiden kurzerhand, das Boot Probe zu fahren. Für hundert Dollar verscherbelten wir den Kahn, dem wir keine Sekunde nachtrauerten. Wir sind halt doch Landratten und insbesondere mir ist es definitiv wohler, wenn ich festen Boden unter den Füssen habe.

Trockentraining in einem State Park in Florida. Damals waren wir noch ganz euphorisch über unsere Errungenschaft.

Öfters mal Panne (24)

… oder: Hoppla, Tope!

Die Mexikaner sind ein temperamentvolles Volk. Temperamentvoll ist auch ihre Fahrweise. Und zwar derart, dass sie hemmungslos mit einem Hunderter durchs Dorfzentrum blochen würden. Wären da nicht die Topes.

Topes? Topes sind verkehrsentschleunigende Schwellen, eine Spezialität des mexikanischen Strassenverkehrs. Denn so, und nur so, ist den Rasern in diesem Land beizukommen. Topes können als betonierte oder gepflasterte Schwellen unvermittelt vor einem auftauchen. Vor, in und nach einer Ortschaft und beliebig viele hintereinander. Wenn es eine Warntafel hat, so steht sie häufig genug präzis beim Hindernis, so dass nur ein abruptes Bremsen einen allzu argen Rumpler über die Schwelle verhindert.


Bildquelle: www.mexicotravelplan.co.uk

Mehr als einmal hatte es uns an einem Tope die Besteckschublade frisch einsortiert! Mitunter steht an einem Tope auch mal ein Stück Armierungseisen vor. Das sieht man selbstverständlich nicht. Kann sich aber kurze Zeit später anhand des zerfetzten Pneus ausrechnen, dass da etwas in der Art gewesen sein muss.

In fünf Monaten Mexiko hatten wir insgesamt vier Platten zu beklagen. In fast zwei Jahren USA und Kanada dagegen erwischte es uns nie. Die Plattfüsse dürften, mit der folgenden Ausnahme, auf Topes zurückzuführen gewesen sein.

Eine Reifenpanne mit mehrfachen Folgeschäden hatten wir auf der Fahrt durch die Baja California. Bei einem aufgummierten Pneu, den wir in Mexiko kaufen mussten, hatte es den Gummi von der Karkasse geschält. Die Pneufetzen hatten den Auspuff und den Benzintank-Einfüllstutzen ramponiert und einen Teil des Kotflügels verbogen. Es war einmal mehr dem mechanischen Geschick meines innig geliebten Mitreisenden zu verdanken, dass wir nach dem Radwechsel, dem Kräfte raubenden Zurechtbiegen des Kotflügels und Anpassen des Einfüllstutzens ohne Probleme weiterfahren konnten.

Ganz ohne Probleme war es dann doch nicht, denn in der nächsten Stadt mussten wir uns auf die Suche nach einem gebrauchten Reifen machen. Was es für Auswirkungen auf den Preis hat, wenn zwei Gringos einen Pneu suchen, brauche ich euch wohl nicht näher zu erläutern.

Kaktus mit Trinkgeld

Eigentlich hatten wir unseren Camper nur verlassen, weil wir den Hirschen zuschauen wollten, die versuchten, nördlich des Yellowstone National Parks den reissenden Fluss zu durchqueren. Sonst hätte ich ihn nie gesehen. Und nie hätte ich geglaubt, dass so etwas wie er dort vorkommt.

Ich hatte mich auf Anhieb in ihn verliebt. So sehr, dass ich ihn nicht dort lassen konnte. Kurzerhand grub ich ihn aus. Es hatte ja noch genügend von seiner Sorte vor Ort. Ich liess mir also kein schlechtes Gewissen einreden von wegen „Entwurzelung“ und dergleichen, sondern nannte ihn ab sofort mein Eigen.

Fortan begleitete er mich auf Schritt und Tritt. Ging ich nach draussen, durfte er mit. Fuhr ich weiter, tat er es mir gleich. Das ging einige Wochen gut, genau so lange, bis ich ihn vergass. Ja, einfach stehen liess! Das tat ich nicht etwa, weil ich seiner überdrüssig war, sondern weil ich erst fünfzig Kilometer weiter merkte, dass ich ihn nach seinem Sonnenbad auf einem Tisch im Haynes Point Provincial Park in British Columbia/Kanada nicht mehr in den Camper zurückgeholt hatte.

Ich zwar zutiefst betrübt. Mein innig geliebter Mitreisender dagegen vertrat den Standpunkt, dass es ja nur ein Kaktus gewesen sei. Und deshalb sei es gar kein Thema, wegen dem stacheligen Gewächs grosses Aufhebens zu machen, geschweige denn, zurück zu fahren.

Diese Kröte musste ich schlucken und tröstete mich damit, dass wir auf dem Weg nach Alaska waren, einer grundsätzlich kaktusunfreundlichen Region.

Dieses Bild ist alles, was mir vom Kaktus blieb.
Und die Erinnerung an eine sehr spezielle Geschichte.

Ein gutes halbes Jahr später kamen wir auf einem Campingplatz in Mazatlan/Mexico mit einem Kanadischen Ehepaar ins Gespräch. Die Beiden erzählten uns, dass sie im Sommer jeweils einen Campground betreuten und die Wintermonate mit ihrem Wohnmobil in die Wärme Mexikos verbrächten. Das machen übrigens viele Kanadier so, insbesondere Farmer, die in den weiten Ebenen von Manitoba, Saskatchewan und Alberta reinen Ackerbau betreiben. Da sie keine Nutztiere halten, können sie im Herbst einfach den Schlüssel drehen und verreisen.

Wo sie denn Camphosts seien, wollte ich wissen, denn es bestand ja eine zumindest theoretische Möglichkeit, dass wir dort auch vorbeigekommen waren auf unserer Reise. Im Haynes Point Provincial Park, lautete die Antwort und sofort war mir die Geschichte mit meinem Kaktus wieder präsent. Ich erzählte den Kanadiern, dass wir im Sommer dort übernachtet hätten und ich meinen kleinen Kaktus stehen gelassen hatte.

„Nein, was für ein Zufall“, die Kanadierin war entzückt, „den habe ich gefunden und zu mir ins Haus genommen.“ Da waren wir alle Vier platt und lachten herzhaft über diese Fügung, die zweitausend Kilometer weiter nördlich ihren Lauf genommen hatte. Zum Abschied ermahnte ich die neuen Besitzer, doch schön nett zu meinem Kaktus zu sein und gab ihnen das wenige kanadische Kleingeld, das wir noch hatten und ohnehin nicht mehr brauchten, damit sie ihm einen anständigen Topf und ein paar Tropfen Dünger kaufen konnten.

Öfters mal Panne (16)

… oder: Viel Luft um Nichts

Die folgenden Zeilen schreibe ich nicht ohne eine gewisse Schadenfreude, ereilte die Panne doch nicht uns selber, sondern unsere schlampigen Reisebegleiter.

Klaus und Gabi waren mit ihrem eigenen Wohnmobil mit uns zusammen einige Wochen in Mexiko unterwegs. Während wir einen knapp sechs Meter langen Campervan unser eigen nannten, mit dem wir bereits 1 ½ Jahre unterwegs waren, steuerten Klaus und Gabi einem ziemlich heruntergekommenen Wohnmobil, Typ Minnie-Winnie. Dass das ausgewachsene Womi seine besten Zeiten hinter sich hatte war eines, dass seine Besitzer eine Vermietung für Wohnmobile und Camper in Los Angeles betrieben, etwas anderes.

Und so kam es, dass Klaus etwas voreilig auf einen Randstein fuhr und – pfffft – einen Platten einfing. Des Lobes seiner Gattin und der ebenfalls mitgereisten Schwiegereltern konnte er sich gewiss sein. Spätestens dann, als er vergeblich einen Radschlüssel suchte. Da war mal wieder das umfassende Werkzeugsortiment meines innig geliebten Mitreisenden gefragt. Noch während Klaus mit unserem Radschlüssel hantierte, keimte im Mitreisenden ein schwerwiegender Verdacht. Dieser sollte sich bald erhärten, denn als Klaus das Reserverad zum Vorschein brachte, war dieses platt wie eine Flunder.

Klaus steckte auch dieses Malheur locker weg, denn schliesslich war mein Mitreisender vorübergehend auch sein Mitreisender und in dieser Funktion karrte er Klaus und den platten Ersatzreifen ein paar hundert Meter zur nächsten Tankstelle, wo das Rad ein gerüttelt Mass an Luft erhielt, und wieder zurück. Einem Happy End standen nun höchstens noch dreckige Finger im Wege.

Merke: Ersatzreifen sind eine überaus praktische Sache. Wenn sie genügend Luft drin haben erst recht.


Selbstverständlich kamen auch der Mitreisende und ich auf Mexikos teils schitteren Strassen nicht ohne Platten über die Runde. Davon in einer späteren Folge meiner noch lange nicht endenden Pannenserie.

Dornen auf dem Teller

Mexikaner, das erkannten wir relativ schnell, als wir Mexiko bereisten, essen so ziemlich alles was kreucht und fleucht. So erstaunt es nicht allzu sehr, dass sie nebst diversem Getier auch Kakteen verkochen. Natürlich eignet sich nicht jeder x-beliebige Kaktus zum Verzehr. „Nopales“ nennen die Mexis das anspruchslose Gewächs, das sie im Garten anpflanzen. Kauft man die grossen Kakteen-Ohren auf einem Markt oder im Supermarkt, wurden sie bereits von ihren Dornen befreit, so dass dem Genuss nichts Kratzendes im Wege mehr steht.

Meine kulinarische Experimentierfreudigkeit kannte keine Grenzen, als ich solche Nopales kaufen konnte. Ich schnitt das Grünzeug in Streifen, dämpfte es zusammen mit Zwiebeln und Knoblauch an und war ganz gespannt, wie es schmecken würde. Würde es herb sein, fruchtig, bitter oder erdig? Von lascher Konsistenz oder knackig?

Die Antwort erhielten wir bald: Gekochte Nopales bleiben knackig grün und sind im Geschmack ähnlich wie grüne Bohnen. Ein durchaus gelungenes kulinarisches Experiment, das ich nur zu gerne hierzulande wiederholen möchte. Leider hapert es an Bezugsquellen.

Wer mehr über Nopales erfahren möchte, kann sich hier schlau machen.

Das sind zwar keine Nopales sondern ein Opuntien-Souvenir aus Sardinien. Doch aussehen tun sie ziemlich ähnlich.

Schrecken in Uniform (6)

Um diesem schrecklichen Wetter, das sich vor der Haustüre abspielt, wenigstens gedanklich zu entfliehen, hier eine Geschichte, die sich an einem sonnigen, heissen Januartag in Mexico ereignet hat.

Wir hielten uns in Maruata auf, im Niemandsland an der mexikanischen Pazifikküste auf etwa 18° N. Unser Camper war unter Palmen parkiert. Unter Kokospalmen, wohlbemerkt, von wo theoretisch jederzeit eine Kokosnuss auf unser Autodach oder unser Oberstübli hätte runterdonnern können. Tat aber keine, soviel vorneweg. Es war ein improvisierter Campingplatz mit einem Zaun drumherum, damit die freilaufenden Kühe und Esel nicht quer durch den Platz latschten. Irgendwo hatte es Wasser, von Stromleitungen, die jedem 1.-Lehrjahr-Stromer-Stift die Haare zu Berge stehen lassen würden, baumelten Steckdosen. Wenn es dunkel war, sah man die Ampèrekäfer hin und her sausen. Irgendwann taten sie es nicht mehr. Stromausfall, Hauptsicherung durch, das gesamte Kaff ohne Strom.

Und was taten die Mexis? Die drehten sich erst mal in ihrer Hängematte rum und hofften, dass der Schaden bald behoben sein würde. Damals gab es in Maruata kein Telefon und erst recht kein Handynetz (vielleicht heute, 11 Jahre später, immer noch nicht), der nächste grössere Ort war über 50 Kilometer entfernt. Niemand wusste, ob schon jemand von der Elektrizitätsfirma benachrichtigt worden sei. Ein halber Tag verging. Immer noch kein Strom. Dass das Tiefkühlgut in der Affenhitze zu tauen begann, kümmerte die Mexis weniger, als die Tatsache, dass der Fernseher nicht mehr lief. Also nochmals eine Runde in der Hängematte.

Mein innig geliebter Mitreisender und ich konnten nicht mehr länger untätig rumsitzen. Nicht, dass wir auf Strom angewiesen gewesen wären. Unser Camper hatte ein Solarpanel auf dem Dach, das uns mehr als genügend Strom lieferte. Aber irgendjemand musste doch etwas tun! Es gab einen Stützpunkt der Marine im Kaff, doch mit den Leuten dort wollten die Dorfbewohner nichts zu tun haben. So machten wir zwei Gringos uns auf den Weg und brachten bei den Wachen unser Anliegen vor. Man liess uns stehen, bald darauf kam ein Offizier daher, der uns in das von einem hohen Zaun umgebene Areal hereinbat. Wir sollten doch um Gottes Willen nicht in der brütenden Sonne stehen bleiben, sage er zu uns, bevor er uns anhörte.

Wir erzählten von dem Stromausfall, dass niemand hierhin kommen wolle und dass sie auf dem Marinestützpunkt doch sicher ein Funkgerät hätten, mit dem sie der energetischen Misere Abhilfe schaffen konnten. Der Offizier hörte zu, nickte, hörte weiter zu und fragte schliesslich, wieso der Mitreisende dazu nichts zu sagen habe. Regelmässige Leser des Flohnmobils wissen, dass der Mitreisende …. doch lest einfach selber den zweitletzten Abschnitt hier.

Drei Stunden später: Die Flimmerkisten gingen wieder an und für die Mexis war die Welt wieder schwer in Ordnung. Wir hatten unsere gute Tat vollbracht und das angetaute Fleisch verfiel wieder in den Tiefkühlschlaf.

Maruata war der Boden für ein weiteres, so ganz und gar untechnisches Abenteuer. Lest hier.