Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Garten

Mutter Natur auf Abwegen (16)

Bohnen sehen in den meisten Fällen so aus:

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Vielleicht sind nicht alle derart hinreissend zart wie diese Bohnen aus dem Garten von Herrn und Frau F. Aber eine gewisse Gradlinigkeit ist immer auszumachen.

Ausser bei diesem Exemplar. Keine Ahnung, was es bewogen hat, auf halbem Weg rechtsum kehrt zu machen.

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Beschildert geschildert (92)

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… und das ausgerechnet im Garten des Pfarrhauses!!!

Vermeintlich entsorgt

Als ich gerade mal 17 Jahre jung war, kam die grosse Welle des biologisch Gärtnerns auf. Mag sein, dass sie schon früher in Erscheinung trat, ich jedenfalls bemerkte sie erst in besagtem Teenager-Alter.

Es leuchtete mir sofort ein, dass sich – analog den Menschen – gewisse Pflanzen nebeneinander besser vertragen, andere schlechter. Es war für mich auch durchaus nachvollziehbar, dass man aus Brennnesseln eine Brühe herstellen konnte, die den Pflanzen allerlei Gutes antat. Und erst recht leuchtete es mir ein, dass es galt, den Boden nicht nackt zu halten, da es so etwas in der Natur auch nicht gibt. Kahl gejätete Böden gehörten – wäre es nach mir gegangen – der Vergangenheit an.

Das sahen meine Eltern etwas anders. Meine Bemühungen um einen naturnahen Schrebergarten wurden ständig untergraben. Weder für Mischkultur noch einen Quadratmeter Blumenwiese waren sie zu haben. Noch nicht mal in meinem eigenen Gemüsebeet durfte ich mein Unwesen treiben. Was ich dort zu praktizieren trachtete, war in ihren Augen einfach nur ein unmotiviertes Durcheinander. Was sollten denn die Nachbarn denken!

In der selben Epoche war ich auch emsig mit Stricken beschäftigt. Das schafft zwar keinen unmittelbaren Zusammenhang zum Garten, doch wenn ihr, liebe Leserinnen und Leser, weiterlest, werdet ihr bald des Tatbestandes fündig werden. Versprochen!

Mit viel Routine und noch mehr Wolle war ich stets damit beschäftigt, irgend etwas Brauchbares zu stricken. Einmal hätte es ein Baby-Finkli werden sollen (Finken in der Schweiz pfeifen übrigens nicht, sondern sind unsere Bezeichnung für Hausschuhe). Das Werk war schon etliche Reihen weit gediehen, als ich merkte, dass da irgend etwas nicht stimmen konnte. Ich betrachtete das grüne Etwas von allen Seiten und beschloss, mich davon zu trennen. Das Zeitalter, in dem man Pullover aufdröselte, die Wolle wusch, sie neu aufrollte und dann etwas Neues daraus strickte, waren vorbei. Und schliesslich handelte es sich lediglich um ein paar Meter grüne Babywolle. Also entsorgte ich das wollene Missgeschick artgerecht.

Noch im selben Herbst schichtete mein Vater im Garten den Komposthaufen um und stiess auf ein undefinierbares Knäuel. Seither weiss ich, dass das Naturprodukt Wolle mehr als nur ein paar Wochen braucht, um komplett zu verrotten.

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Zurück auf Feld eins

Während ich in ebenso lieber wie rarer Gesellschaft eines der besten Glacés Zürichs schleckte, braute sich das Unheil zusammen. Aus nicht mehr ganz so heiterem Himmel windete es unvermittelt wie blöd, die Sturmwarnung im Seebecken begann zu blinken und wir flüchteten vor dem drohenden Regen.

Es dauerte fast eine Stunde, bis ich merkte, dass jemand auf mein Handy angerufen hatte. Mehrmals. In der Zwischenzeit war selbst ein SMS eingegangen. Ich noch immer völlig ahnungslos. Es war mein innig geliebter Mitbewohner, der mir mit wenig schonungsvollen Worten beibringen wollte, dass es daheim gehagelt hatte und von meinen Blumen nicht mehr viel übrig war. Immerhin weiss ich nun, dass der Mitbewohner – wenn er wirklich will – sogar SMS verschicken kann. Denn dieses Bild erreichte mich:

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Der weitere Verlauf des Abends, der so schön begonnen hatte, war etwas getrübt. Als ich wieder daheim war, konnte ich es mir nicht verkneifen, noch kurz nachzuschauen. Die Hagelkörner lagen noch immer mehrere Zentimeter hoch. Auf dem Sitzplatz sah es aus, wie wenn jemand auf dem Mixerglas den Deckel vergessen hätte aufzusetzen.

Ich redete mir ein, dass ich gegen den Hagel ohnehin nicht viel hätte ausrichten können. Bestenfalls einige Töpfe noch unters Dach retten. Dann hätten vielleicht meine beiden Basilikum-Pflanzen nicht so ausgesehen.

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Sie waren nicht nur geschreddert worden, sondern durch die Hagelkörner, die noch stundenlang auf dem Kraut lagen, auch verfroren. Die anderen Pflanzen – Kräuter, Blumen und einige Erdbeeren – waren alle mehr oder weniger versehrt. Da alles voll im Wachstum ist, wird es sich recht gut erholen. Immerhin muss ich nicht von dem leben, was mein Gärtchen abwirft. Was sind schon zwei total verwüstete Basilikum-Pflanzen? Etwas Herzblut, mehr nicht.

Meine beiden Kräuter habe ich bereits ersetzt. Denn ein Sommer ohne Basilikum, das geht absolut gar nicht.

Eine Gurke auf dem Weg nach ganz oben

Gestern machte ich das, was ich schon lange machen wollte, aber wegen dem Wetter immer wieder vor mich her geschoben hatte: Ich fuhr ins Gartencenter. Und zwar in eines, das weitherum bekannt ist. Auf dem Weg dahin fuhr ich mindestens an einem halben Dutzend Gärtnereien und Gartenfachmärkten von Grossverteilern vorbei. Aber ich war wild entschlossen, meinen Weg bis zu Meiers Gartencenter fortzusetzen.

Aus Erfahrung wusste ich: Das würde ein teurer Ausflug werden. Teurer, weil der Basilikum bei Obi nur gut die Hälfte kosten würde. Teurer aber auch, weil es bei Meier so tolle Pflanzen gibt, die man sonst nirgends sieht. Das war gestern auch nicht anders.

Ich liebe es, durch dieses Pflanzenparadies zu laufen! Wenn ich doch nur einen grösseren Garten hätte! Auch wenn ich keine Tomaten und Bohnen anpflanzen kann, schwelge ich gern in den botanischen Möglichkeiten, die die Pflanzsaison mit sich bringt.

Und dann sah ich ihn. Auf meinem Rundgang fernab von Gemüsesetzlingen und meterhohen Olivenbäumen  brachte er mich zum Schmunzeln.

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Für Fr. 16.90 darf sich die Gurke am eigens für sie konstruierten Turm emporwinden. Für dieses Geld – so dachte ich mir, als ich mich vom Anblick des Gurkenturms wieder erholt hatte – kauft man schon die eine oder andere Gurke. Oder man konstruiert mit wenigen Handgriffen ein Klettergerüst. Aber der moderne Gartenmensch braucht offenbar derartige Hilfestellungen. Ich überlege mir gerade, ob es – für einen bescheidenen Aufpreis – eine passende App gibt, die Alarm schlägt, sollte die Gugummere auf Abwege geraten.

Rent an Ent

Ein absolut witziges Geschäftsmodell und vielleicht die Lösung für geplagte Gartenbesitzer:

Die Schweizerin Pia Oechslin “vermietet” Laufenten, die in den Gärten Schnecken abräumen. Den entsprechenden Hinweis habe ich in der Zeitschrift “Landliebe” entdeckt. Finde ich wirklich herrlich! Bei uns hat es zwar auch Schnecken, aber ich könnte den den Enten kein geeignetes Biotop anbieten.

Weitere Infos gibts unter www.piasgartenberatung.ch.vu

Na, Frau Spottdrossel, wär das nicht auch ein Geschäftsmodell für deine drei Langhälse?

Vornehmes Gemüse

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Zucchetti im Nadelstreifen-Anzug.

Wie chic ist das denn!

Es wird mir ein grosses Vergnügen sein,
aus diesem vornehmen Gemüse,
das es in diesem Outfit im Supermarkt nicht zu kaufen gibt,
etwas Feines zuzubereiten.

Konkurrenz für Versailles

Um Sieben war ich das erste Mal auf. Ein herrlicher Tag begrüsste mich, als ich im Pyjama einen ersten Rundgang durch den Garten machte. Vogelgezwitscher, das sanfte Säuseln eines Windes, stahlblauer Himmel. Herrlich, aber zum aufstehen noch zu früh.

Just in dem Moment, als mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns noch einmal im Bett räkelten und danach trachteten, gewisse zwischenmenschliche Beziehungen zu vertiefen, machte sich das Goldschätzchen bemerkbar. Es bellte lautstark und zwar so lange, dass wir nicht davon ausgehen konnten, dass einzig eine Kröte draussen gefurzt hatte. Da musste mehr los sein. Ein Ernstfall.

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Dieser schien tatsächlich eingetroffen zu sein. Zwei Fahrzeuge waren vorgefahren, ihr entsprang eine kleinere Armee. Und diese machte sich dran, den Garten auf Vordermann zu bringen. Ausgerüstet mit den neusten technischen Errungenschaften der Mechanik wurde sämtlichen Grashalmen, losen Blättern und hervorstehenden Ästchen auf den Zahn gefühlt. Fünf Mann widmeten sich unter grossem Getöse dem Garten, der nachher – so die Vermutung – den Gärten von Versailles Konkurrenz machen kann.

Unser erstes Frühstück draussen werden wir wohl auf einen anderen Tag verschieben müssen.

Die Qual der Wahl querbeet

Gemüse haben wir hier zuhauf. Dass im Garten mehr wächst, als wir essen können, liegt auf der Hand, soll der Garten doch eine fünfköpfige Familie ernähren. Wir futtern und futtern und futtern so schon viel mehr Gemüse als daheim. Und zum Frühstück kann ich nicht auch noch Salat essen, bin ja keine Kuh.

Wenn sich etwas einfrieren lässt, ist es kein Problem, Platz in der Gefriertruhe hat es genügend – neben den Schnecken. Was aber mache ich mit all den Gewächsen, die nicht gefriertauglich sind? Zucchini können nicht eingefroren werden, zu viel Wasser. Blattsalate auch nicht. Das habe ich zwar noch nie probiert, kann mir das Resultat aber leidlich vorstellen. Ich muss sie aufschiessen lassen (Salate) oder den Schweinen und Kaninchen füttern (Salate und Zucchini). Die Kaninchen finden übrigens so ein zartes Kopfsalätchen – auch wenn es aufgeschossen ist – sehr, sehr lecker.

Gewisse Sachen erledigt die Natur von selber. So haben wir heute einen Blumenkohl entsorgt, der zu faulen begonnen hatte, kaum hatte er sich als Blumenkohl zu erkennen gegeben.

Bleibt aber immer noch mehr als genügend Gemüse, um Abwechslung auf den Teller zu bringen. Bohnen, Kefen (Zuckerschoten), Randen (rote Bete), Tomaten, Gurken, Rüebli (Möhren), Broccoli, Fenchel, Zucchetti. Ich finde es total cool, gegen Abend in den Garten zu gehen und mir die Frage zu stellen: „Was koche ich denn heute eigentlich?“ Für Gartenbesitzer sicher nichts Neues, aber für mich, als Temporärgärtnerin ein Hochgenuss.

Ein gewisses Überangebot haben wir bei den Stachelbeeren angetroffen. Diese Beeren kaufe ich zu Hause nie, ich habe immer gedacht, sie seien sacksauer. Sind sie aber eigentlich gar nicht. Zumindest nicht, wenn sie ausgereift sind und in diesem Zustand könnte ich sie daheim nie kaufen. Ich habe sie auf alle möglichen Arten verwertet. Marmelade, Auflauf, Kuchen mit und ohne Baiser, Dessert. Mein persönlicher Hit ist ein Stachelbeer-Tiramisu. Das Rezept habe ich mir selber ausgedacht und weil ich hier exakt weiss, welches Huhn welches Ei gelegt hat und wie alt es ist, habe ich es auch wieder mal gewagt, rohe Eier zu verwenden.

Trotzdem habe ich zu diesem garstigen Gestrüpp ein ambivalentes Verhältnis. Und dieses gründet in meiner eigenen Sprache. Heissen diese Beeren auf Deutsch völlig zu Recht „Stachelbeeren“, nennen wir sie „Chruselbeeri“. Mit chrüsele, also kitzeln, hat das nun wirklich nichts zu tun. Eidgenoss, wo hast du bloss dieses Wort her?

Das gurkt mich an!

Ach du heiliges Kanonenrohr!

Diesem einen Pflänzchen habe ich im Garten wohl etwas zu wenig Beachtung geschenkt.

Was soll ich denn mit 2,5 Kilo Gurken anfangen?