Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Schlafen

Unser Nachtleben

Auf ausdrücklichen Wunsch der Seifenfrau, hier ein exklusiver Einblick in unser Nachtleben:

Soll keiner sagen, es sei zu wenig dunkel. Schliesslich wurde die Aufnahme in Schweden gemacht und da wird es ewig nie dunkel.

Aus kulinarisch-logistischen Gründen sieht es des Öfteren aber auch so aus:

In unserem Wohnmobil ist fast alles möglich. Ausser schlafen und kochen gleichzeitig.

Das Ende der Beschaulichkeit

Wir haben uns nichts Böses dabei gedacht, als wir in der Parkanlage in Serta ein schattiges Plätzchen anfuhren. Das Thermometer zeigte satte dreissig Grad, Schatten war gefragt, in diesem Ort kein allzu rares Gut.

Das Schicksal nahm seinen Lauf, als mein innig geliebter Mitreisender die Campingstühle in der gepflegten Grünfläche aufstellte. DAS sollte man vielleicht nicht machen, zumal selbst die Portugiesen auf die offensichtliche Abkürzung über die Wiese, pardon – den Rasen – verzichteten. Unter den Augen zahlreicher neugieriger Portugiesen schritt plötzlich ein Uniformierter des Weges. Er trug schwarze Stiefel bis unter die Knie. Lange Sporen hatten die Treter, als wenn er angeritten gekommen wäre – aber er war definitiv im Jeep vorgefahren. Er bellte uns an, dass wir hier nicht „campieren“ dürften. Natürlich auf Portugiesisch, aber wir konnten schon erahnen, was er von uns wollte. Wir verschoben uns ein paar Meter und platzierten die Campingstühle ins Kies um, so dass wir die hehre Grünfläche nicht mehr entweihten mit unseren profanen Birkenböcken.

Die Beschaulichkeit konnte weitergehen. Das tat sie auch. Vor allem, weil mein innig geliebter Mitreisender die nächstgelegenen Rasensprenger-Düsen mit einem Stein beschwert hatte. Grad jedes Dreckwasser lassen wir auch nicht an unser Womi ran! Wir gingen essen und weil das hierzulande nicht vor 20.00 geschieht, kamen wir entsprechend spät wieder zum Womi zurück. Vollgefressen wie wir waren, konnten wir trotzdem nicht sofort einschlafen. So waren wir immer noch hellwach, als kurz vor 24.00 Uhr ein Fahrzeug neben uns parkierte, das wir zuerst als Wohnmobil erachteten.

Weit gefehlt! Das Wohnmobil war eine Imbissbude. Und diese rollte nicht nur ihre Markise runter, sondern setzte auch einen laut dröhnenden Generator in Gang. Uns blieb nur die Flucht! Vom anderen Ende des Parkplatzes aus konnten wir sehen – an Schlaf war vorerst nicht zu denken – dass die Hamburger regen Zulauf zu verzeichnen hatten. Als ein weiteres grosses Fahrzeug anzurollen schien, meinte der Mitreisende lakonisch: „Jetzt chunnt no dä mit em Magebrot.“

Wie Phönix aus der Asche war der Imbissstand aufgetaucht. Und da der Zulauf, oder vielmehr das Gekarre zum Stand, auch drei Stunden später noch anhielt, mussten wir uns aus dem Staub machen. Aber diesmal definitiv weiter weg. Unseren Schönheitsschlaf holten wir erst in der folgenden Nacht nach.

1001 Nacht

Man kann zwar das Kuschelkissen, die Bettdecke und den Partner mit ins Wohnmobil nehmen, aber es schläft sich eben doch anders als in den festen vier Wänden. Ruhig schlummern im Womi will nämlich gelernt sein. Meist ist es etwas enger als daheim. Man sollte sich nicht darüber aufregen, dass man gegebenenfalls die halbe Inneneinrichtung umbauen muss, um die Schlafstelle zu konstruieren. Über das Schnarchkonzert aus dem benachbarten Vehikel muss man grosszügig hinwegsehen. Und sollten plötzlich – wie uns einmal passiert – Kaninchen ihren Reproduktionsdrang unter der Hinterachse ausleben, wertet man es als Zeichen für eine intakte Natur.

Dafür ist der Weg zur Toilette angenehm kurz. Sofern man sie denn benutzt und es nicht vorzieht, mitten in der Nacht einen Spaziergang quer durch den Campingplatz zu unternehmen. Es gibt natürlich auch Leute, die der Bequemlichkeit halber hinter den nächsten Baum pinkeln.

Ich kann meine Nachtruhe überall zelebrieren. Mein innig geliebter Mitreisender behauptet gerne, er könnte glattweg mit dem Womi losfahren, ohne dass ich etwas davon merken würde. Tatsächlich bin ich schon mehr als einmal mitten in der Nacht aufgewacht und finde das Bett neben mir verwaist. Der Mitreisende klebt im Dunkeln hinter der Fensterscheibe, beobachtet irgendetwas draussen. Gähn. „Was gibt’s?“ „Ein Auto hat neben uns parkiert.“ Ach so. Ich hätte das nicht einmal gehört, hätte die vielleicht drohende Gefahr glattweg verschlafen.

Wir suchen uns natürlich Übernachtungsplätze aus, die wir als ungefährlich einstufen. Am liebsten etwas ab vom Schuss. Dieses Vorgehen hat sich bis anhin bestens bewährt. Auf drei Kontinenten und bei mittlerweile bald 2’000 Übernachtungen.

Allzu ängstlich sollte nicht sein, wer sich fürs freie Übernachten entscheidet. Doch bei aller Unbekümmertheit ist es sicher angebracht, gewisse Vorsicht walten zu lassen. So stellen wir unser Fahrzeug in der Regel immer so hin, dass wir notfalls mitten in der Nacht vorwärts wegfahren könnten. Deshalb liegen bei uns auch keine Gegenstände herum, die bei einer überstürzten Abfahrt zuerst verstaut werden müssten. Selbstverständlich hängt der Zündschlüssel immer am dafür vorgesehenen Haken und der Fahrersitz ist in Fahrtrichtung zurück gedreht. Aus einer alten Gewohnheit heraus legt der Mitreisende seine Kleider immer an die genau gleiche Stelle. Er könnte sich selbst im Stockdunkeln anziehen. Obschon es meinem Naturell eher widerspricht, habe ich mir auch angewöhnt, abends meine Kleider gesittet hinzulegen.

Das Tolle am Reisen im Wohnmobil ist, dass die Aussicht aus dem Schlafzimmerfenster ständig wechselt. Jeden Morgen ein neues Panorama – diesen Luxus kann nicht mal ein Fünfsternehotel bieten. Da nehme ich es gerne in Kauf, dass ich mich am Vorabend etwas in Disziplin üben muss.