Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Frankreich

Die etwas komplizierte Fütterung der Raubtiere

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Da standen wir und schauten. Schauten und staunten. Und waren alles andere als frei von jeglichem Zweifel. Und weil diesem zweifelhaften Schauen und Staunen einiges vorausging, beginne ich von vorne. Mit einer letzten Episode von unserem neusten Housesitting Abenteuer in Frankreich.

Zentraler Punkt im Tagesablauf war die Fütterung der drei Hunde. Da diese, wie früher mal erwähnt, nicht zusammen gehalten werden durften, waren das zwei Fütterungen. Immerhin mit dem gleichen Futter für alle drei Hunde. Zuerst erhielten in der Regel Olly und Lekoff ihren Napf, dann die Chasperli-Diva. Lolly und Chasperli musste ein Medikament, versteckt in etwas Fleischpaste, verabreicht werden. Das war relativ problemlos, ausser dass Chasperli einmal kotzte, weil er nur das Medikament frass, nicht aber seine Mahlzeit.

Eines Tages liess Lekoff, der robusteste der drei Hunde, sein Futter zur Hälfte stehen. Kann ja mal vorkommen, dachten wir uns, schliesslich verfügte er über genügend Reserven. Am Abend jedoch frass er praktisch nichts. Wir mussten das übrig gebliebene Futter evakuieren, sonst hätte Olly alles weggeputzt, was ihrer schlanken Taille etwas abträglich gewesen wäre.

Als Lekoff am nächsten Tag sein Futter nicht anrührte, begannen wir uns Sorgen zu machen. An seinen Zähnen konnte es nicht liegen, steinharte Hundebisquits zerlegte er ohne mit der Wimper zu zucken. Auch sonst wirkte er gesund. Wir versuchten, ihm das Futter mit etwas beigemischten Sardinen zu machen. Ein Trick, den wir schon bei der Diva gelegentlich anwenden mussten. Lekoff zeigte hellste Begeisterung für die Sardinen und spuckte das andere Futter, dies wiederum zur Begeisterung von Olly, in der Küche rum. Da wir nun sicher waren, dass es nicht an Lekoffs Appetit lag, sahen wir uns zumindest nicht im Wartezimmer eines Tierarzts.

Anderntags gingen wir ohnehin zum Einkaufen und nun komme ich wieder an den Anfang der Geschichte zurück. Das Angebot an Hundefutter im Supermarkt raubte uns beinahe den Verstand! Wir standen vor einem Regal, mindestens zehn Meter lang, das von oben bis unten vollgestopft war mit Trockenfutter für Hunde. Für kleine Hunde. Für grosse Hunde. Für alte Hunde, für Welpen, für übergewichtige Hunde. Für Schäferhunde, Chihuahuas, Möpse, Boxer, Huskies. In den Varianten Huhn, Hase, Rind, Schildkröte, Springbock. Auf der anderen Seite des Regals fand das gleiche Programm in der Version “Büchsenfutter” statt.

Wir hatten keine Ahnung, welches Futter Lekoff wohl genehm sein würde, und entschieden uns für ein Trockenfutter von Purina. Es bestand aus kleinen, eher weichen Häppchen aus Fleisch (Farbe braun) und dreierlei Gemüse-Häppchen in rot, grün und hellbraun, letztere in der Form eines Kleeblatts. Wir hätten bestimmt auch ein getüpfeltes Futter gefunden. Oder etwas in modischen Streifen. In Klötzchen- oder Würstchen-Form. Schliesslich kauft ja der Mensch, der Hund frisst nur. Und dem dürfte es ziemlich egal sein, welche Farbe und Form sein Futter hat.

Lekoff jedenfalls fand, das neue Futter schmecke ganz ordentlich. Unser Trick, das neue Futter zur Hälfte mit dem verschmähten zu mischen, funktionierte nicht. Und leider funktionierte auch der Trick nicht, das restliche des alten Futters an Chasperli und Olly zu verfüttern, denn diese waren mittlerweile auch auf den Geschmack des farblich adretten Purina-Futters gekommen. Glücklicherweise waren die Housesitters da längst wieder auf dem Heimweg.

Alltag in der Villa Hundebrunz

Unser Housesitting-Job hier in Frankreich ist etwas komplizierter, als ursprünglich angenommen. Das liegt in erster Linie daran, dass sich die beiden Rüden nicht vertragen und separat zu halten sind.

In der Praxis sieht das so aus, dass wir am Morgen zuerst die Diva, die geruht in unserem Hausteil zu logieren, raus lassen. Danach kommen die beiden anderen Hunde dran. Diese sind, wenn sie nicht draussen sind, in ihrem Zimmer eingesperrt. Das scheint ihnen nicht mal allzu viel auszumachen, denn selbst wenn sie Ausgang haben, verkriechen sie sich – sehr zu unserem Erstaunen – bald mal wieder in ihre vier Wände. Der Raum ist etwa 12 Quadratmeter gross und obschon dort ein Fernseher, ein Schrank und ein Sessel drin sind, glaube ich nicht, dass er ausser als Hunde-Dependence noch einen anderen Zweck hat. Dass dort drin ein ziemlich starker Geruch in der Luft hängt, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

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Deshalb dachten mein innig geliebter Mitbewohner und ich, dass wir am besten das relativ hoch oben angebrachte Fenster offen stehen lassen. Doch Lekoff, der Rüde, büxte durch dieses Fenster aus. Seither sind wir restlos davon überzeugt, dass das mit der räumlichen Trennung zu Chasperli schon seine Richtigkeit hat.

Um Olly und Lekoff die nötige Frischluft-Zufuhr zukommen zu lassen (in erster Linie aber, um unsere Nasen zu entlasten, wenn wir bei ihnen sind), hat der Mitbewohner kurzerhand ein Hotel Gitterblick errichtet. So schlank kann sich auch Lekoff nicht machen, dass er durch diese Holzlatten noch durchschlüpfen könnte.

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Mir tun die beiden Hunde immer leid, wenn ich sie wieder einsperren muss und ich frage mich ernsthaft, weshalb man drei Hunde hat, wenn man sie nicht zusammen halten kann.

Die Besitzer gehen mit ihren Hunden so gut wie gar nie spazieren. Ihnen fehlt schlicht die Zeit. Wenn wir die Vierbeiner raus lassen, brunzen sie manchmal unmittelbar vor die Haustüre. Gerne auch ans Bein des Gartentischs oder den nächsten Blumentopf. Ausserdem scheinen sie sehr wasserscheu zu sein. Wenn es regnet, machen sie keinen Schritt mehr als nötig vor die Türe und schleichen immer den Wänden nach, wo es noch am ehesten trocken ist. Das Areal, wo die Hunde rumtollen können, und in seltenen Fällen machen sie das, ist eingezäunt und vielleicht 2’000 Quadratmeter gross. Habe ich schon erwähnt, dass überall Hundegagel rumliegen? Wir räumen nur gerade die Hundekacke weg, die auf dem gekiesten Areal liegt, wo auch wir ständig durchgehen. Housesitting-Aufgaben in Ehren, aber auf der Wiese liegt Hundescheisse rum, die schon seit Wochen nicht mehr eingesammelt wurde.

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Dagegen finden wir, es sei durchaus angebracht, mit den Hunden spazieren zu gehen. Selbstverständlich abwechslungsweise, denn wir könnten unmöglich mit allen Drei aufs Mal ausrücken. Die beiden Rüden sind zu stark und wir könnten sie trotz Leine nicht von einander abhalten. Da die Hunde normalerweise den ganzen Tag rumhängen, sind sie am Anfang vor Begeisterung nicht zu bremsen und ziehen wie irr an der Leine. Diese Begeisterung flacht jedoch allmählich ab und nach einer Stunde sind sie total schlapp. Wir wohnen auf einem Hügel und jeder zweite Teil einer Hunderunde geht bergauf. Man kann dann jeweils zwei Hundesitter ausmachen, die ausnahmsweise mal am vorderen Ende der Leine anzutreffen sind.

Es gibt noch andere Hunde in Frankreich

Regelmässige, um nicht zu sagen langjährige Leser des Flohnmobils, werden die Begriffe Housesitting, Frankreich und Hund unweigerlich mit dem Goldschätzchen in Verbindung bringen. Indes, es gibt noch mehr Hunde in Frankreich…

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… die eine Ferienvertretung suchen. Ganz abgesehen davon, ist das one and only Goldschätzchen momentan nicht auf Besuch eingestellt.

Diesmal sind wir auf einem alten Bauernhof nordöstlich von Toulouse im Département Tarn. Unsere Behausung wird in den Sommermonaten vermietet, die Besitzer – ein englisches Paar – bewohnt die andere Hälfte des 250-jährigen Steinhauses. So haben wir also eine Loge mit einer geräumigen Küche, einem Tanzsaal von einem Schlafzimmer und einem Bad, das so gross ist, dass sich mein innig geliebter Mitbewohner und ich für einmal nicht auf den Füssen rumtreten. Soweit zu den Sonnenseiten. Über die schattigen Plätze werde ich mich ein anderes Mal auslassen.

Nur noch eins: Die Internet-Verbindung ist etwas launisch. Drum bin ich schon froh, wenn ich einen eigenen Blog-Beitrag auf die Reihe kriege. Befreundete Blogs abzuklappern, deren Seitenaufbau länger dauert, als den Inhalt zu lesen, hält mein Nervenkostüm nur bedingt aus. Um Verständnis wird gebeten.

Hund zufrieden – Alle zufrieden

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich sind nicht etwa zum Vergnügen in der Provence. Und zum Ferien machen schon gar nicht, denn Ferien machen wir grundsätzlich nicht, wir verbringen nur unseren Alltag an einem anderen Ort.

Wir haben hier beim Goldschätzchen diverse Aufgaben und wurden als Haus- und Hundesitter engagiert. Also genau genommen ist es umgekehrt, das Wichtigste in diesem Haus ist nämlich der Hund. Und dieser kann – im Gegensatz zum Haus – nicht sich selbst überlassen werden. Im Falle des Goldschätzchens bin ich mir da zwar nicht so sicher, denn die Vergangenheit hat mehrfach bewiesen, dass es bevorzugt alleine unterwegs ist, gerne auch mal halbtageweise. Wohl verlassen wir das Haus immer zu dritt, kehren aber in aller Regel zu zweit zurück. Und dabei bleibt nicht etwa der Mitbewohner auf der Strecke.

Der heutige Hundespaziergang hat knappe zwei Stunden gedauert (ohne Regenschirm und Wintermantel…). Da der Mitbewohner und ich schon zum dritten Mal hier sind, kennen wir uns mittlerweile etwas aus, entdecken aber auch immer wieder neue Wege. Das Goldschätzchen ist mal hinter, mal vor uns auf dem Weg, mal sehen wir es, dann wieder nicht. Dank einer klimpernden Plakette mit der Telefonnummer an seinem Halsband können wir es oftmals hören, aber im Dickicht nicht sehen. Und irgendwann ist es dann gar nicht mehr da. Das war heute nicht anders und so kehrten wir einmal mehr zu zweit in unsere temporäre Luxusabsteige zurück.

Wie immer kam das Hundeviech früher oder später nichtwässerchentrübenkönnend zurück. Meist aber erst nach einem Abstecher in irgendeine Pfütze in der Gegend. Und drum kam es heute bereits in den Genuss einer ordentlichen Gehirnwäsche Dusche.

Jemand, der uns hier besuchen kommt, hat mich gefragt, ob wir aus der Heimat etwas bräuchten. Meine erste Reaktion war “nein, danke”. Doch wenn ich es mir genauer überlege, könnte er mir eigentlich eine Kuhglocke mitbringen. Damit könnten wir das Goldschätzchen im Wald garantiert einfacher orten.

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Im Wohnmobil-Slum

Dieses Jahr kam es mir wie eine kleine Ewigkeit vor. Wann würden wir denn endlich das erste Mal mit dem Wohnmobil ausrücken? Mir schien, dieses Jahr erfolgte der Saisonbeginn besonders spät, doch die sorgfältig nachgeführte Statistik besagt: Letztes Jahr waren wir sogar einen Tag später dran. Allerdings fuhren wir am 18. April 2010 nach Samnaun zum Skifahren, doch lassen wir das Thema.

Diesen etwas wirr daher geschriebenen Zeilen könnt ihr entnehmen: Wir sind unterwegs. Seit gestern spulen wir im Elsass unsere ersten Wohnmobil-Kilometer runter. Gestern die Anreise bis nach Thann, ein kurzer Spaziergang durch die kahlen Rebberge und durch den Ort. Heute die Kurverei durch die ausgeschilderte „Elsässer Weinstrasse“. Ein Winzerdorf am nächsten. Fachwerkbauten, Rebberge, Störche. Ich staune, die Natur ist hier weiter als bei uns. Flieder hat seinen Zenit beinahe überschritten, Glyzinien blühen bereits, Raps (der hier genauso stinkt wie in den heimischen Gefilden) blüht kräftig gelb, die Kirschbäume haben schon Näggeli angesetzt.

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Wir halten in einigen der Dörfer, bummeln kurz durch die Gassen, setzen uns wieder ins Auto. Nach dem dritten Ort (Kaysersberg) sieht bald alles gleich aus und das vielbesuchte Ribeauvillé vermag uns nicht mehr so richtig zu begeistern, auch wenn die Häuser zweifellos von bemerkenswertem Baustil und Farbe sind. Überall der gleiche Souvenir-Kitsch, Wein bis zum Abwinken und die armen Störche müssen auch für alles Mögliche hinhalten.

Wir sind nicht ganz alleine unterwegs, das sieht man spätestens, wenn man einen Wohnmobil-Stellplatz ansteuert. In Kaysersberg waren bereits um 15.00 nahezu alle der 80 Stellplätze belegt und hier in Ribeauvillé sieht es nicht besser aus. Lauschig ist es hier bestimmt nicht. Ich habe heute erstmals den Begriff „Wohnmobil-Slum“ verwendet. Ich befürchte, ich werde ihn je länger je mehr aussprechen müssen. Die Zeit der grenzenlosen Freiheit mit dem Womi ist auch hier in Frankreich langsam aber sicher vorbei.

Über den Doubs

Was ist denn hier los? Vor dem Fussgänger-Streifen wird angehalten – dabei hatten wir uns allmählich daran gewöhnt, dass diese seltsamen Markierungen bestenfalls eine Empfehlung darstellen, wo man mit einem etwas weniger grossen Risiko die Strasse überqueren soll. Zum Kaffee erhält man ungefragt ein Rähmli serviert – wo wir doch unseren Kaffee auf der ganzen Welt schwarz trinken. Hundehalter marschieren artig mit den Säckli hinter ihren Vierbeinern her – auf dem Trottoir darf man Hans-guck-in-die-Luft spielen, ohne auf Schritt und Tritt zu riskieren, in einen Haufen Hundekacke zu treten.

Wir sind wieder in der Schweiz. Noch nicht zu Hause, aber dort, wo wir nicht mehr als Ausländer gelten. Wo man wieder zu vernünftigen Tarifen mit dem Handy telefonieren kann. Wo die Cumulus-Karte nicht mehr nur Ballast im Portemonnaie ist. Obschon, on parle immer noch français.

Gestern haben wir mit dem Überfahren der Brücke in Goumois auch die Schweizer Grenze passiert. Nun sind wir in Saignelégier im Jura. Und weil es hier, beim altehrwürdigen Marché Concours, so schön ist, haben wir heute Morgen beschlossen, noch nicht ins Nebelgrau abzutauchen. Stattdessen haben wir das gemacht, was jeder vernünftige Schweizer in dieser Situation auch getan hätte: Wir sind durch die herrliche Landschaft mit ihren grossen Viehweiden und mächtigen Tannen gewandert und haben unterwegs Cervelat gebrätelt. Im Gegensatz zu Südfrankreich ist es hier, auf rund 1’000 Metern, immer noch sehr grün. Es blühen sogar noch Blumen; und zwar nicht nur Rotklee und Gänseblümchen.

Doch morgen ist endgültig Schluss. 167 Kilometer trennen uns von unserer Haustür. Wir werden die Idylle im Jura wohl oder übel verlassen müssen. Aber haben alleweil genügend Gründe, zum wieder kommen.

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Einfach göttlich

Vorne nichts, hinten nichts. Viertelstundenweise kein Auto. Keine Menschenseele, bestenfalls Rindviecher, die glotzend am Zaun stehen. Keiner, der hupend an einem vorbei fährt. Niemand, der den Stinkefinger zeigt. Keiner, der haarscharf an meinem Vorderrad vorbei reinschneidet und mich damit fast vom Sattel holt. Kein Lastwagen, der mir zwischen dem Randstein und seinem Hinterrad keinen halben Meter lässt. Keine Radwege, die alle paar hundert Meter die Strassenseite wechseln.

Das ist Radfahren in Frankreich. Und Frankreich ist damit unser bevorzugtes Land, um unser bevorzugtes Hobby auszuüben. Es gibt endlos viele schwach befahrene Strassen, auf denen man praktisch den ganzen Tag alleine unterwegs ist. Sie führen durch herrliche Gegenden, endlose Wälder, entlang von Schluchten, Stauseen, durch malerische Dörfer.

Wir haben es wieder mal genossen. Fast 1’000 Kilometer Rennrad sind wir diesen Herbst in Frankreich gefahren. Eigentlich mögen wir gar nicht nach Hause gehen, denn dort geht es  – auch wenn wir uns schwach befahrene Nebenstrassen aussuchen – wieder viel hektischer zu und her.

Doch genau wie die Wohnmobil-Saison, neigt sich auch die Velo-Saison ihrem Ende entgegen. Denn wir mögen nicht dick vermummt aufs Velo steigen. 18 Grad ist die Schmerzgrenze, denn auf dem Velo fühlt sich diese Temperatur ohnehin frischer an. Für 18 Grad haben wir noch entsprechende Wäsche. Wird’s kälter, verzichten wir freiwillig. Schliesslich haben wir noch ein Abo fürs Fitness-Center. Und dort werden wir halt auf dem statischen Göppel träumen, wie es war und sein könnte. Nämlich wie Gott auf dem Velo in Frankreich.

Eine Prise Wehmut

Bevor wir uns im Tale der Ardèche eine Arche bauen mussten, sind wir ausgezogen. Das Wetter hat sich zwar seit Montag um 180 Grad gewendet, aber wir wollten uns ohnehin ein Stück weiter in Richtung Heimat verschieben.

Bei mir schwingt immer bisschen Wehmut mit, wenn wir im Herbst das Steuer herumreissen und beschliessen, den Heimweg anzutreten. Es ist das Eingeständnis, dass es mit dem Sommer unaufhaltsam zu Ende geht. Dass damit auch die Wohnmobil-Saison fertig ist. In gewisser Weise ist es Resignation gegenüber den eigenen Sehnsüchten. Aber ich will nicht klagen, immerhin sind wir bereits fünfeinhalb Wochen unterwegs. Heute Nacht werden wir das 101. Mal im Womi übernachten – in diesem Jahr.

Was aus den vergangenen Wochen bleibt, sind viele schöne und einige weniger schöne Erinnerungen. Viele gelungene Fotos; die missratenen kann man im digitalen Zeitalter – im Gegensatz zu den Erinnerungen – mit einem Klick löschen. Und es bleiben Ideen für zukünftige Reisen. In die Region Ardèche, also alles was südlich von St. Etienne und westlich von der Rhône liegt, müssen wir unbedingt wieder mal hin. Die Region tönt vielversprechend. Nur leider waren wir diesen Herbst etwas spät dran, denn viele Ortschaften liegen auf über 1’000 Metern.

Um auf der kostenlosen Landstrasse nicht von einem Kreisel zum nächsten hüpfen zu müssen, haben wir ab Valence bis über Lyon hinaus die Autobahn benutzt. Für 78 km (die grossräumige Umfahrung des Mollochs Lyon kostet nichts) haben wir € 12.10 bezahlt. Ein happiger Preis. Da lobe ich mir doch unsere Autobahn-Vignette.

Anvisiert haben wir nicht etwa den Heimathafen, sondern Thoirette im französischen Jura. Dort hat die Gemeinde einen Stellplatz mit Strom errichtet, der € 6 kostet. Bloss, wem soll man das Geld zahlen? Darüber fand sich keine Information. Der kleine Ort am aufgestauten Ain liegt etwas versenkt. Die Sonne hat unser Womi-Dach denn auch erst um 10.00 erreicht.

Für uns Grund genug, dieses Schattenloch zu verlassen und 17 km weiter nach Arinthod, wo es ebenfalls einen Stellplatz gibt, zu dislozieren. Von hier aus sind wir zu unserer Velotour aufgebrochen. Der Platz ist übrigens sehr zu empfehlen, Arinthod liegt inmitten grosser Weiden und Ackerland, so ziemlich dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Der Platz mit seinen 6 grosszügigen Parzellen (inkl. Strom) liegt am Ortsrand beim Fussballplatz. Auch hier sollte es € 6 kosten, doch scheinbar kommt um diese Jahreszeit keiner mehr vorbei, um einzukassieren. Und noch etwas: Erstmals, seit wir diesen Herbst unterwegs sind, stehen wir auf einem offiziellen Stellplatz mutterseelenallein. Wenn das nur gut geht…

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Grüsse von der Insel

Wir hatten gewusst, dass es heute eine feuchte Angelegenheit werden würde. Schliesslich sind wir dank unserem Wunderstück dem Wunderstick fast täglich auf Empfang und wissen, wie das Wetter wird. Doch was sich Petrus da hat einfallen lassen, ist doch allerhand.

Kurze Rückblende. Wir sind gestern in Millau losgefahren. Der kräftige Südwind hat uns richtiggehend über die Hochplateaus geschoben. Es wäre eine wunderschöne Region, touristisch kaum erschlossen, mit weiten Weiden, vom Wind gepeitschten Föhren und einer grandiosen Weite. Wäre. Denn gestern war definitiv kein Wetter zum sich länger draussen aufzuhalten. Zwar war es noch trocken, aber der heftige Wind hat das Spiel verdorben. An einem Fahrtag ist das Wetter zwar nur zweitrangig, aber bei Sonnenschein sieht die Welt trotzdem schöner aus.

Gelandet sind wir im Tal der Ardèche. Nicht in der bekannten, gleichnamigen Gorge, aber dennoch am gleichen Fluss. Die Landschaft ist hier aber nicht weniger spektakulär mit ihren steilen, bewaldeten Bergflanken. Auf dreissig Kilometern vernichtet die Strasse gegen tausend Höhenmeter.

In Thueyts (wie spricht man wohl das wieder aus?) haben wir einen Stellplatz gefunden, der ruhig am Ortsrand bei den Sportanlagen liegt. Hier haben wir sehr sorgfältig einen Platz ausgewählt, denn bei diesem starken Wind wollten wir nicht unter einem Baum stehen. Und prompt hat es in der Nacht an einem Baum grosse Äste abgedrückt. Behelligt wurde zum Glück niemand.

Im Verlauf der Nacht haben sich zu den starken, böenartigen Winden ebenso starke Regenschauer gesellt. Dann hat der Wind von Süd auf Nord gedreht und es hat sogar vereinzelt geblitzt. Es ist diese Art von Wetter, bei der man keinen Hund vor die Türe schickt. Aber da die meisten der Leute, die hier auf dem Stellplatz sind, einen Kläffer haben, bleibt ihnen etwas frische Luft wohl nicht erspart.

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Den ganzen Tag vergeht keine Viertelstunde, ohne dass es nicht regnen würde. Ich hoffe, ihr habt Verständnis, dass ich für einmal für die Fotos nicht nach draussen gegangen bin. Wir stehen zwar auf einer Art Insel, doch um unser Auto herum herrscht akute Hochwassergefahr. Und in gleichem Masse, wie sich die Pfützen um uns herum auffüllen, füllt sich auch der Womi-Stellplatz. Heute macht wohl der eine oder andere etwas früher Feierabend am Steuer.

A propos „Feierabend“. Wann stellen wohl die Rasensprenger wieder ab, die seit geraumer Zeit den Fussballplatz von seiner imaginären Trockenheit befreien sollen?

Von Schafen und anderen Annehmlichkeiten

Roquefort wird in unserem Reiseführer als das bekannteste Käsedorf nebst Camembert genannt. Pah, der Autor hat wohl noch nie was von Gruyère oder Appenzell gehört. Wir aber haben sämtliche patriotischen Vorbehalte beiseite gesteckt und diesem Strassendorf einen Besuch abgestattet. Es klebt richtiggehend unterhalb der Felsen, und diese sind der Schlüssel zum Erfolg des Käses. Denn die 2,7 kg schweren Laibe reifen in natürlichen Felsenkellern.

In Roquefort sind selbst die Fussgänger-Streifen grün/weiss. Bei einer Führung durch die momentan leeren Käsekeller vernehmen mit Staunen, dass dieser berühmte Käse aus Schafsmilch hergestellt wird. Er darf nur in Roquefort in einem genau begrenzten, 400 m breiten und 2 km langen Gebiet, reifen.  Der grüne Schimmel stammt von einem Penizillin-Pilz, der auf Roggenbrot gezüchtet wird. Wir kaufen einen Achtel Käse und marschieren wie so viele Besucher mit einem Kühlsack durchs Strassendorf zurück zum Womi. Dieses klebt an einem Strassenrand, denn in Roquefort gibt es keinen ebenen Meter und entsprechend auch keine grösseren Parkplätze, ausser am Ortseingang. Natürlich will das kein Wohnmobilist glauben und fährt wie wir zuerst mal ins Dorf rein und muss dann am unmöglichsten Ort wenden.

Unser nächstes Ziel ist Millau. Die Stadt ist bekannt für elegante, feine Lederhandschuhe, die Gorge de Tarn, die vor ihren Toren liegt und neuerdings auch für sein Autobahn-Viadukt. Man kann das 2,7 km lange Viadukt, das das ganze Tal überquert, als Verschandelung der Landschaft oder auch als Kunstwerk anschauen. Eine hochkarätige Ingenieurs-Leistung ist das Viadukt mit seinen sieben Pfeilern auf alle Fälle.

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Millau kann man nicht als ausgesprochen Wohnmobil freundlich bezeichnen, da sorgen schon die zahlreichen Campingplätze in der Umgebung dafür. Wir haben keinen einzigen kommunalen Parkplatz gefunden, der nicht mit einer Teppichstange verbarrikadiert gewesen wäre. Trotzdem hat es einen offiziellen Stellplatz, der aber nicht mal ausserhalb der Hauptreisezeit die Wohnmobile aufzunehmen vermag.

Auf diesem Stellplatz stehen wir nun, umgeben von weiteren 30 Womis. Schon gestern war der Platz randvoll und heute erst recht. Da die einzelnen Stellplätze mit massiven Rundhölzern eingefasst sind, kann einem sympathischerweise niemand zu nahe auf die Pelle rücken. Etwas seltsam mutet an, dass die Entsorgungssäule rund dreihundert Meter weiter auf einem anderen Parkplatz steht. Ich bilde mir ein, dass ich vor drei Jahren, als wir hier nur durchgefahren sind, dort noch keine Teppichstangen auf dem Parkplatz gesehen habe.

Heute haben wir bei strahlend schönem Wetter und einem wacker blasenden Südwind eine Velotour auf die Causse Noir gemacht. Dieses von Felsen durchsetzte Hochplateau mit seinen struppigen Wacholderbüschen und Föhren hat seinen eigenen, herben Charme. Hier grasen übrigens auch Schafe, deren Milch zu Roquefort verarbeitet wird. Und somit hätten wir über das Viaduct de Millau gleich wieder die Brücke zu Anfang dieses Beitrags geschlagen.