Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Fischen

Uferloses Gespräch

Während mein innig geliebter Mitbewohner und ich im Begriff waren, das Ruderboot für die kommende Fischer-Saison flott zu machen, quakte es plötzlich vom Ufer her. “Gönzi scho go fische?”

Der Mitbewohner und ich drehten uns um und sahen eine magere Gestalt mit fragendem Blick am Ufer stehen. Die Körperhaltung der alten Frau liess keinen Zweifel offen, ob es sich hier vielleicht um eine rhetorische Frage gehandelt haben könnte. Eine Antwort unsererseits schien unumgänglich. “Efängs parat mache”, entgegnete der Mitbewohner. Wir waren beide schwer beschäftigt und wollten unser Werk vollenden. Small Talk war momentan wirklich nicht nach unserem Gusto.

Die Frau liess nicht locker. Nach einigen Floskeln verkündete sie schliesslich: “Wüssezi, ich bin mit ere Wandergruppe underwägs. Aber ich laufe immer echli voruus. Die Andere schnurremer z’viel.”

Das mit dem Zuviel und überhaupt wird wohl für alle Ewigkeit Ansichtssache bleiben.

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Fisch zu frisch

Die Fischer-Saison neigt sich unweigerlich ihrem Ende entgegen; vom 20. November bis 31. Dezember ist im Kanton Zürich Schonzeit für Felchen. Die Hobby-Fischer sind bemüht, bis dahin noch den einen oder andern Fisch aus dem Wasser zu ziehen, zumal die Felchen diesen Herbst allgemein eher schlecht gebissen haben.

Auch mein innig geliebter Mitbewohner ist dieser Tage – trotz kühler, ja sehr kühler Witterung – auf dem See unterwegs. Ich bewundere ihn dafür. Für mich Gfröörli wär das nichts, ich schlottere schon beim blossen Gedanken, bei Temperaturen knapp über Null und leichtem Wind draussen sein zu müssen. Und dann noch mehr oder weniger unbeweglich auf das Anbeissen eines Fischs zu warten. Nein Danke! Da bleibe ich lieber daheim und warte, bis die fangfrischen Felchen einfahren.

Diese Aufgabenteilung hat sich über all die Jahre bewährt. Sobald die Fische über die Türschwelle gereicht werden, sind sie mir unterstellt. Dann geht es ihnen an den Kragen und die Küche verwandelt sich vorübergehend wortwörtlich in ein Schlachtfeld.

Fangfrische Fische, so würde man meinen, sind etwas Feines. Sind sie auch, unbestritten. Bloss verhalten sich Filets, die nur wenige Stunden zuvor noch als Fisch im Wasser unterwegs waren, etwas sonderbar. Sobald sie in der Bratpfanne sind, ziehen sie sich zusammen. Man kann richtiggehend zuschauen. Die beiden unteren Bilder habe ich innert maximal 90 Sekunden gemacht. Ähnliche Erfahrungen hatte ich mal mit fangfrischen, ganzen Forellen gemacht. Hätte ich nicht gewusst, dass sie hundert Prozent tot sind, ich hätte mir eingebildet, sie krümmten sich vor Schmerz in der Pfanne. Was sich da biologisch-physikalisch genau abspielt weiss ich nicht.

Was ich jedoch mit Sicherheit weiss: Während ich diese Zeilen schreibe, ist der Mitbewohner wieder auf dem See. Und bis dieser Beitrag veröffentlich wird, sind die Fische, die er heim gebracht hat, verarbeitet und auf Eis gelegt.

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Der erste Fisch des Jahres

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… oder was davon noch übrig ist, nachdem ich mich seiner angenommen habe.

Es gibt viele Leute in unserem Umfeld, die mögen sehr gern Fisch und wissen, dass es diesen ab und an bei uns fangfrisch gibt. Die gleichen Leute aber wären total überfordert, würden wir ihnen den Fisch so abgeben, wie mein innig geliebter Mitbewohner ihn aus dem Wasser gezogen hat. “Sorry, nein, ich kann keinen Fisch filetieren.”

Ganz ehrlich, mir wurde diese Fertigkeit auch nicht in die Wiege gelegt. Aber das unterscheidet ja den Menschen vom Affen, dass er mit Werkzeug umzugehen weiss. Und mit ein wenig Geschick und Übung (und einem paar Wegwerf-Handschuhen) werden aus einer Felche ganz schnell zwei Fischfilets.

Spassbremse wegen Notbremse

Das Phänomen holt mich alle Jahre wieder ein. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Jeden Herbst.

Mein innig geliebter Mitbewohner hat sich auf unseren Reisen das Hobby “Fischen” zugelegt. Daran ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Ein typisches Männer-Hobby halt. Und er praktiziert es seit Jahren auch in heimischen Gefilden. Sehr erfolgreich. Zu erfolgreich. Denn unlängst musste ich wieder mal die Notbremse betätigen und wurde dadurch unweigerlich zur Spassbremse. Ich verbot dem Mitbewohner, auf den See zu gehen.

Denn unser Gefrierschrank ist voll. Ich bin kein Eskimo, der schon zum Frühstück Fisch verspeist. Was wir auf Eis gelegt haben, reicht jetzt schon bis im nächsten Frühjahr, und dann wird erfahrungsgemäss die Felchensaison von neuem losgehen.

Wir haben genügend Vorrat, damit wir jede Woche mindestens einmal Fisch essen können. Und das reicht mir eigentlich. Momentan essen wir aber zweimal pro Woche Fisch und verschenken auch das eine oder andere Fischfilet an Freunde. Wir veranstalten eigentliche Fisch-Partys, damit der Bestand runter kommt und der Mitbewohner wieder auf den See kann. Ich mag Fisch. Und ich verfüge über ein beinahe endloses Repertoire an Fisch-Rezepten, mit denen ich die Fische verwerte. Aber ich koche und esse auch ganz gerne etwas anderes.

Es gilt, noch knapp drei Wochen durchzuhalten. Denn am 19. November endet die Felchensaison. Nicht weil ich es so will, sondern von Gesetzes wegen. Zum Schutze der Felchen, die im Dezember laichen. Und zu meinem auch ein wenig.

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Erfrischende Aussichten

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Spiegelglatt war der See, bevor die Sonne aufging.

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Danach setzte ein Lüftchen ein, das mich beinahe frösteln liess. Kunststück, wer bei 30 Grad nicht schwitzen soll, schlottert unweigerlich bei 20 Grad.

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Andere versuchten ihr Glück auch.

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Der Hit des Sommers: Stand up Paddling…

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… kombiniert mit Yoga das Sommervergnügen schlechthin!

Der See ist übrigens 26 Grad warm und rund 20 cm unter dem durchschnittlichen Pegelstand.

Die Fische schienen schlecht aufgelegt. Und so gingen wir nach 9.00 Uhr heim zum frühstücken, um uns vor der drohenden Hitze in der Wohnung zu verkriechen. Beamten-Mikado war angesagt.

In der Zwischenzeit hat sich der Himmel verfinstert. Vielleicht gibt’s heute nicht nur in den Bergen eine Dusche. Es wäre bitter nötig.

Beginnt der Fisch wirklich am Kopf zu stinken?

Schon beim Frühstück dachte ich mir: Bea, an diesem kühlen, verregneten Pfingstsonntag kannst du wieder einmal einen richtig gediegenen Blog-Beitrag schreiben. Einen, der deine Leser in Entzücken versetzt, dass alle nach mehr Flohnmobil lechzen und den Rest der wettermässig bescheidenen Feiertage nicht mehr vom Computer und deinen mittlerweile über 700 Blog-Beiträgen wegzubringen sind.

Das Schicksal meinte es gut mit mir und spielte mir schon kurz darauf eine Begebenheit zu, sodass ich nicht auf meinen Fundus von möglichen Themen, die ich mir laufend auf Fresszetteln notiere, zurückgreifen musste.

Es begann harmlos, mit einem Arm voll Wäsche, die ich in die Waschküche hinuntertrug. Aus unserer Waschküche schlug mir ein strenger Geruch entgegen. So wie überreifer Käse auf dem Weg zur Selbständigkeit oder etwas Ähnliches. Kurz nach mir traf auch mein innig geliebter Mitbewohner in selbigem Raum ein und rümpfte seine Nase ebenso. Etwas mehr als ich noch, doch das hat in erster Linie der Grösse seiner Nase zu tun.

Während ich mich vorderhand mit der Wäsche beschäftigte, begann der Mitbewohner nach der Quelle des Übels zu suchen. Wie ihr spätestens seit diesem Blog-Beitrag wissen müsstet, geht der Mitbewohner regelmässig zum Angeln. Dass es in unserer Waschküche ab und zu ganz dezent nach Fisch riecht, lässt sich nicht vermeiden, sonst müssten wir nach jedem Ausflug auf den See alle Kleider und einen Grossteil der Ausrüstung waschen. Der Verdacht des Mitbewohners fiel sofort auf die Kühltasche, in die er die Fische unmittelbar nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Totschlag zu pflegen steckt. Was er beim Anblick des dort drin seit 72 Stunden verwesenden Fischs sagte, verbieten mir meine gute Kinderstube und der Respekt gegenüber meinen Lesern.

Wir entsorgten den Fisch sofort und gebührenpflichtig und widmeten uns in der Folge intensiv der Vertreibung des üblen Geruchs, der sich mittlerweile ins Treppenhaus ausgebreitet hatte. Mit Lüften alleine war dem nicht beizukommen! Ich griff zu einem alten Hausfrauentrick und erwärmte etwas Essig in einem Pfännchen. Mit diesem Pfännchen ging ich im Treppenhaus auf und ab. Dabei kam ich mir vor, wie ein katholischer Pfarrer mit dem Weihrauch-Kessel. Der Essig tat seinen Dienst und neutralisierte gleich noch andere unangenehme Düfte, die sich in unserem Sechsfamilienhaus auszubreiten pflegen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei meinen hier mitlesenden Nachbarn mit dem empfindlichen Näschen für die unangenehme Duftwolke entschuldigen. Ob sie sich zu besagtem Zeitpunkt überhaupt im Treppenhaus aufhielten, entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich kann nicht beurteilen, ob dieser Text jetzt wirklich so bahnbrechend entzückend ist, dass ihr den Rest der Pfingsten in den alten Flohnmobil-Beiträgen herumstöbern wollt. Was jedoch ganz gewiss ist: Der Mitbewohner wird künftig die Kühltasche wieder etwas gründlicher leeren. Jedes Mal.

Da ich meine Blog-Beiträge gerne mit einem Bild illustriere, euch aber den Anblick des Fischs ersparen möchte, habe ich auf ein Bild aus besseren Zeiten zurückgegriffen.

1001 Fischrezepte

Mein innig geliebter Mitbewohner schöpft derzeit aus dem Vollen. Das kann man durchaus wörtlich nehmen, ist doch der See, in dem er angeln geht, nach den ergiebigen Niederschlägen platschvoll.

Platschvoll ist auch mein Ordner mit Rezepten, die ich im Verlauf der Jahre gesammelt habe. Immer mal wieder gehe ich ihn durch und dabei wandert das eine oder andere Rezept auf dem Altpapier-Haufen. In diesem ominösen Ordner hat sich eine ganze Litanei an Felchen-Rezepten angesammelt. Die brauche ich auch, denn wenn es dem Mitbewohner gut läuft, kommt er mehrmals pro Woche mit je 10 Fischen nach Hause. Rechne! Wir sind ein Zweipersonenhaushalt, der sich (das habe ich als Köchin in der Hand) bis zu zweimal pro Woche zum Fischessen hinreissen lässt. Eine Tagesration an gefangenen Fischen reicht – je nach Grösse der gefangenen Felchen – im Schnitt für drei Wochen. Der Mitbewohner müsste also, um unseren eigenen Bedarf zu decken, nur alle drei Wochen zum Angeln. Das ist Theorie, denn 1. dauert die Angelsaison nicht das ganze Jahr und 2. bringt er nicht jedes Mal das Tageslimit nach Hause. Dennoch habe ich schon 1 ½ Tiefkühl-Schubladen mit Fischen gefüllt. Tendenz steigend.

Die Fische wollen verwertet sein. Als gebratene, gedämpfte, im Dampf gegarte oder panierte Filets. Gerollt, zerkleinert, ganz. Mariniert, püriert, frittiert. Als Kloss, Mousse oder Timbale. Auf Lauch-, Randen- oder Lauchbeet. An Tomaten-, Zitronengras- oder Currysauce. Unter Kräuter- oder Nusskruste

Wir räuchern Fische, bis das ganze Quartier ausgezogen ist (habe ich übrigens hier schon einmal beschrieben). Ich mariniere kleingewürfelte Filets mit Limettensaft und serviere sie als Ceviche (ein hochgeschätztes, kulinarisches Souvenir aus Mexico). Und natürlich verschenke ich auch ab und zu so einen Fisch aus authentischem Wildfang (Stichwort „Auge um Auge“). Was nicht sofort verwertet werden kann, wird konserviert. Da drängt sich in erster Linie der Tiefkühlschrank auf. Nicht nur für frische, sondern auch für geräucherte Fischfilets.

Meine neuste kulinarische Errungenschaft sind gebeizte Felchenfilets. Was mit Lachs geht, sollte doch mit Felchen auch möglich sein, sagte ich mir, begann zu googeln und fand zahlreiche Rezepte, unter denen dieses hier empfehlenswert ist:

http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/Graved-Lachs-2967846.html

Besonders neckisch: Durch das Salz wird dem Fischfilet Flüssigkeit entzogen und das relativ weiche Felchenfilet wird ziemlich fest. Man kann es entweder nach den zwei Tagen in der Beize sofort essen, noch etwa zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren oder einfrieren. Absolut keine Qualitätseinbusse durch den Gefrierprozess!

Doch nun zu meinem eigentlichen Geheimtipp. Ein Rezept, das in der neusten Ausgabe der Saisonküche veröffentlicht wurde, allerdings mit Kabeljau Rückenfilets.

Meine Version geht folgendermassen:

800 g Felchenfilets ohne Haut, längs halbieren, sämtliche roten Stellen grosszügig herausschneiden
4 Knoblauchzehen
6 EL Olivenöl
½ Zitrone
1 EL Rotweinessig
1 TL Puderzucker
½ Bund Peterli
Fleur de Sel, Pfeffer

Die Fischfilets in vier ofenfesten Schalen auslegen. Knobli in Scheiben schneiden, in wenig Öl knusprig braten. Auf dem Fisch verteilen. Zitronenschale fein zum Fisch reiben, Zitronensaft mit Essig, restlichem Öl und Puderzucker verrühren, über den Fisch giessen. 30 Minuten bei Zimmertemperatur marinieren. Im auf 130° vorgeheizten Backofen ca. 10 Minuten garen. Peterli darüber, mit Salz und Pfeffer würzen. Fertig! Dazu gab’s Brot und Salat.

So schnell waren der Mitbewohner und ich uns bei Tisch lange nicht mehr einig: ein Gedicht!
Und für kommende (???) warme Sommerabende wärmstens zu empfehlen.

Die mit der riesengrossen Klappe

Wir haben sie auf allen unseren Übersee-Reisen angetroffen. In den USA, Australien, Mexico, Kanada. Naturgemäss immer in der Nähe von Wasser und mit verlässlicher Sicherheit stets dort, wo geangelt wurde.

Sie näherten sich jeweils mit ihrem tollpatschigen Gang, wenn mein innig geliebter Mitreisender oder ich am Fische säubern waren. Die Kerle wussten genau: Da springt immer etwas raus. Mitunter wurden sie so aufsässig, dass man seinen Fang vor ihnen in Sicherheit bringen musste. Scheu vor dem Menschen zeigten sie an solchen Orten überhaupt keine.

Herrlich war es, ihnen bei der Jagd zuzusehen. Mit einer nicht geahnten Eleganz schiessen die sonst eher trägen Flieger pfeilgerade mit dem mächtigen Schnabel voran ins Wasser. Und in diesem Schnabel, das weiss ich aus eigener Erfahrung, hat viel, sehr viel Platz. Wenn ein Pelikan die Klappe aufsperrt, gibt er sich mit einem Fischlein nicht zufrieden. Notfalls holt er sogar den Fisch aus dem Schnabel seines Nachbars raus. Nicht erfunden, alles mehrfach beobachtet!

Ein Pelikan im Flug? Das sieht etwa so aus, wie wenn eine Super-Connie über einen hinweg fliegt. Man weiss nie genau, ob das langsam fliegende Objekt oben bleibt.

Ziemlich speziell war auch die Erfahrung, als der Mitreisende beim Angeln in Mexico mal einen Pelikan ans Land zog. Wie konnte das passieren? Ganz einfach, das gefrässige Vieh war dem Köderfisch hinterhergetaucht. Die Mexikaner kannten wenig Skrupel, wenn es darum ging, einer solchen Henne den Haken aus dem Schnabel zu entfernen. Unsereins tat sich da etwas schwerer.

Wer nebst diesen – zugegeben etwas einseitigen Beobachtungen über Pelikane – einige gelungene Bilder dieser grossen Wasservögel sehen will, mache es wie ich und wende sich vertrauensvoll an den Blog von Pixelspielerei. Eure Augen werden nicht enttäuscht sein, versprochen!


Ein Brillenpelikan, fotografiert in Australien

Mein Geheimrezept

Man nehme:

Einen Mann
(geeignet sind Ehemänner, Brüder, Handwerker, Automechaniker und dergleichen),
überlasse ihn seinem Schicksal auf dem Wasser und warte, bis er schwerbeladen wieder unter der Haustüre steht.

Alsdann wetze man die Klingen und schreite zur Tat.
Hinweis: Sollte das, was der Mann aus der Kühltasche hervorzaubert, entgegen jeglicher Vernunft noch munter sein, überlebt es in der Regel den Anblick des Messers nicht.

Dann gönne man den Früchten seiner Arbeit einen mehrstündigen Wellness-Aufenthalt. Gebräuchliche Badezutaten sind Salz, Wacholder, Senf, Lorbeer, Fenchelsaat, Pfeffer.

Nach dieser Verwöhnbehandlung bereite man das Gut behutsam auf seinen Aufenthalt im Solarium vor.

Das Solarium bestücke man mit einer Handvoll Buchen-Sägemehl und heize kräftig ein.

Und keine 24 Stunden, seit die Fische aus dem Wasser gezogen wurden, sind die geräucherten Felchenfilets fertig!

Und nun wisst ihr auch, weshalb es im Hause Flohnmobil neuerdings nicht mehr nach getrockneten Pilzen, sondern nach Räucherfisch stinkt.

Von Barras, die munden

Ein Barramundi ist für den Australischen Sportfischer, was für seinen Kollegen in Alaska ein Lachs ist. Nämlich eine grossartige Sache. Und ein sehr schmackhafter Fisch dazu. Wenn nicht der Schmackhafteste überhaupt.

Beim Wort „Barra“ kriegt jeder Australische Fisherman Augenwasser. Erst, wer einen Barra gefangen hat, steigt in den Australischen Fischer Olymp auf. Im Australischen Winter fährt jeder, der es sich leisten kann, nordwärts in die Fischgründe des Northwest Territory.

Barramundis sind in mehrerer Hinsicht spezielle Fische. Sie können im Süss- und Salzwasser leben und kommen alle als Männchen auf die Welt. Erst, wenn sie etwa 50 cm gross sind (was bei einer maximalen Länge von 200 cm immer noch verhältnismässig klein ist), wandelt ein Teil der Fische das Geschlecht. Das ist mit ein Grund, weshalb Barras in Australien ein Mindestfangmass von 55 cm haben. Mit der Flut steigen die begehrten Fische kilometerweise einen Fluss hoch, wo sie von den Anglern sehnlichst erwartet werden. Da es nur wenige wirklich gute Barra Angelstellen vom Ufer aus gibt, braucht man zum erfolgreich Barra angeln ein Boot. Aber über ein Boot scheint ohnehin jeder Aussie zu verfügen.

Alle ausser uns. Aber wir waren und sind ja keine Aussies, auch wenn wir das Land 15 Monate lang bereist hatten. Als wir südlich von Darwin an den Daly River fuhren, hatten wir damit geliebäugelt, eine geeignete Angelstelle am Fluss zu finden. Ein Einheimischer, der sich als Bill vorstellte, machte uns wenig Hoffnung auf Erfolg. Hingegen war der ehemalige Lehrer sehr angetan davon, in uns zwei Gesprächspartner aus der Ferne gefunden zu haben. Dies beruhte im Übrigen absolut auf Gegenseitigkeit.

Wir blieben mehrere Tage am Daly River stehen in der Nähe von Bill, der sich mit seiner Partnerin in einem Camper gleich für mehrere Monate eingerichtet hatte. Ihr wichtigstes Ziel: Barras fangen. Bill verfügte über ein Boot und es muss ziemlich offensichtlich gewesen sein, dass wir gerne mal mitgefahren wären. So bot er uns an, wenn wir ihm die Benzinkosten übernehmen würden, mit uns flussabwärts zu einer guten Angelstelle zu fahren.

Das taten wir dann auch. Eine Bootsfahrt von ungefähr einer Stunde führte uns vorbei an den ausgewaschenen Ufern des Flusses. In der Regenzeit muss der Daly River unvorstellbare Wassermassen mitbringen, zu schliessen aus den „aufgehängten“ Ästen, die bis zu zehn Meter hoch über dem aktuellen Wasserpegel in den Bäumen baumelten. An der Einmündung eines kleinen Seitenflusses band Bill das Boot an und was danach geschah, tönt wie die durchgeknallte Fantasie eines erfolglosen Fischers. Ein Barramundi sprang nämlich direkt über den Bug des Bootes hinweg. Ein paar Zentimeter weniger und wir hätten ihn nur noch festzuhalten brauchen. Naja, ob das bei dem Kaliber möglich gewesen wäre….

Innert einer Stunde angelten wir zu dritt fünf Barras. Einer kraftstrotzender als der Andere und nur mit viel Anstrengung und Beharrlichkeit ins Boot zu befördern.

Was uns auf dem Rückweg passiert ist, werde ich mir für ein anderes Mal aufheben. Und falls wissen wollt, was Wikipedia über Barras zusammengetragen hat, einfach hier klicken.

Wenn ihr einmal die Möglichkeit hat, Barramundi zu kaufen oder essen, lasst euch nicht vom hohen Preis entmutigen. Er ist es absolut wert!

Ich will hier ja kein Fischerlatein verbreiten, aber diesen Barramundi habe ich tatsächlich selber gefangen.