Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Putzen

Abschnitt für Abschnitt für Abschnitt für

Als wir damals in unsere Wohnung einzogen war klar: Ich wollte nicht in jedem Raum Vorhänge. Aber ich wolle auch nicht ausgestellt sein. Deshalb entschieden wir uns, bei zwei Fenstern Lamellen-Storen zu montieren. Das System hat sich auch 19 Jahre später noch bewährt. Schnell die Storen runter lassen, Lamellen senkrecht stellen und schon werden allfällige Glotzer ausgesperrt.

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings schon. Im Gegensatz zu textilen Vorhängen, die man einfach mal so schnell runterholen kann und in die Waschmaschine steckt, wenn sie verdreckt sind, müssen diese Lamellen-Storen mühselig vom Staub befreit werden. Lamelle für Lamelle. Jede einzeln mit einem Lappen umfassen und durchwischen. Ich hab’s mal ausgerechnet. Beim einen Fenster kommt so eine Länge von sage und schreibe nahezu 100 (hundert!!!) Meter zusammen. Und das aufgeteilt auf über 300 Teilabschnitte. Müssig zu sagen, dass mir diese Arbeit nicht sonderlich Spass macht. Und ich sie deshalb auch ständig vor mir her schiebe.

Letzthin aber, da musste es einfach mal wieder sein. Ich habe in den sauren Apfel gebissen und mich systematisch durch die Lamellen gearbeitet. Damit ich nach dem Absetzen und Lappen auswaschen jeweils noch weiss, wo ich aufgehört habe, markiere ich die betreffende Stelle jeweils mit einer Wäscheklammer. Den Gedanken, an einem Ort zu putzen, wo es gar nicht nötig ist, könnte ich nicht ertragen.

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Der Zeit voraus

Es war absehbar, dass Frau Flohnmobil in eine ungewollte Putz-Euphorie verfallen würde. Der Baustaub hatte sich als feine Schicht überall – ÜBERALL!!! – in der Wohnung abgelagert. Auch in den Räumen, wo die Türe zu war. In solchen Fällen erkennt man sehr schnell die Vorteile, nicht in einem Zehn-Zimmer-Haus zu wohnen. Wirklich.

Noch sind nicht sämtliche Staubpartikel beseitigt. Ganz abgesehen davon, dass sich bekanntlich ständig neue bilden. Noch sind nicht sämtliche Möbel hervorgerückt und auch dahinter geputzt worden. Noch habe ich mir etwas aufgehoben. Zum Beispiel den grossen Vitrinen-Schrank, den ich schon lange mal innen und aussen gründlich reinigen wollte. „Lass doch das, bis wir den Maler im Haus haben“, meinte mein innig geliebter Mitbewohner, „dann musst du den Schrank ohnehin leeren, weil wir ihn so nicht von der Wand weg rücken können.“ Wie dankbar war ich für diesen Aufschub – ich kann bald keine Putzlappen mehr sehen!!!

Aaaaber … ich werde meiner Zeit voraus sein. Um Längen. Denn wenn es irgendwann mal Frühling wird, habe ich meinen Frühlingsputz bereits hinter mir. Und dann werde ich garantiert etwas Besseres anzufangen wissen, als in einen Putzrausch zu verfallen.

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Staub saugen für Quereinsteiger

Es beginnt immer gleich.

Man sucht ihn. Mit etwas Routine, und da er einigermassen sperrig ist, lokalisiert man den Staubsauger in jedem Haushalt ziemlich schnell. Man zerrt ihn ans Tageslicht und macht sich mit ihm vertraut. Viel mehr als zwei, drei Schalter hat selbst der komplizierteste Staubsauger nicht. Was für eine Wohltat in der heutigen Welt! Also kann man ihn ohne vorgängiges Studium einer Anleitung bedienen. Und das macht man dann auch ohne Verzug. Aber nie lange. Denn es beginnt immer gleich: Der Sack ist voll!

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Wenn’s weiter nichts ist! So ein Sack ist mit wenigen Handgriffen entfernt. Bloss, wo finde ich einen neuen Staubsaugersack?

Suchen.

Dank Spürsinn ist auch die Schachtel mit den neuen Staubsaugersäcken innert nützlicher Frist lokalisiert. Also: voller Sack raus, leerer Sack…

… nein! Der Motorfilter ist dick verstopft. Igitt! Das Teil waschen wäre angesagt, aber dann ist vorläufig nichts mit Staub saugen. Also linke Hand an die Nase, ein prüfender Blick, wo der Wind her kommt, rechte Hand schüttelt den Filter. Pfui Teufel!

Endlich ist alles wieder eingesetzt und betriebsbereit. Fazit: Beim ersten Mal Staub saugen in einem fremden Haushalt dauert die Reinigung des Reingungsgeräts häufig länger als das Staub saugen an sich.

Die Bestandesaufnahme

“War das jetzt ein Frühlings-, Jahres- oder Zehnjahresputz?” Die Frage meines innig geliebten Mitbewohners, so zynisch sie auch gestellt war, hatte durchaus ihre Berechtigung. Es war bitternötig gewesen, meine Küche wieder mal gründlich zu reinigen. Nicht nur von aussen, sondern insbesondere auch in den Schränken.

Das Reinigungsprozedere liess sich ideal mit einer Bestandsaufnahmen kombinieren. Und da kam einiges zum Vorschein, von dem Köchin Flohnmobil nichts mehr gewusst hatte! Es regte auch zum Nachdenken an. Als ich meine Auslegeordnung an Pfannen aller Art betrachtete, kam ich nicht umhin, mich zu fragen, ob der Mensch wirklich so viele Pfannen braucht. Dabei sind auf dem Bild noch nicht mal alle Pfannen, Töpfe und Kochbehältnisse abgebildet, die es in meinem Haushalt gibt.

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Ob weniger nicht mehr wäre? Es wäre sicherlich einfacher, weniger Pfannen in den beiden Schubladen unter dem Kochfeld zu verräumen. (Der Mitbewohner schimpft ohnehin jedes Mal, wenn er dort etwas verstauen muss.)

Aber jede Pfanne hat ihre Bestimmung. Klar könnte ich auch in der Gusseisenpfanne Polenta kochen. Meine Urgrossmutter würde dazu vielleicht impulsiv nach der orangen Pfanne greifen, weil sie mit dem neumödischen Zeugs nichts anzufangen wüsste. Und müssen es wirklich fünf verschiedene Bratpfannen sein?

Ja, müssen es. Und wer nun ungläubig staunt, findet die Gründe hier. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich hänge an meinen Töpfen. Manche begleiten mich schon durch mein ganzes Köchinnen-Leben. Und das sind immerhin schon mehr als drei Jahrzehnte.

Besser spät als nie

Es war wieder mal an der Zeit. Überfällig, um genau zu sein. Und es passte bestens zum heutigen Sonntagvormittag, an dem wir nur ein ausgesprochenes Schönwetterprogramm eingeplant hatten. Die Wanderung fiel ins viel zitierte und reichlich vom Himmel fallende Wasser.

So machten mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns daran, wieder einmal unsere Wohnung gründlich zu putzen. Hinter der Polstergruppe Staub saugen, Regale abstauben und ähnlicher Unfug. Das volle Programm halt.

Frühlingsputz. Wir hatten es gerade noch geschafft, hat doch heute Abend um 18.38 Uhr bei uns der astronomische Sommer begonnen. Davon habe ich zwar noch nicht viel bemerkt. Doch was ich heute – notabene, als es endlich zu regnen aufgehört hatte – auf dem letzten Sonntagsspaziergang des Frühlings sah, lässt zumindest etwas Hoffnung aufkeimen, dass es nun tatsächlich Sommer ist wird.

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Durchblickend

Es gibt garantiert Arbeiten, die mir mehr liegen, die ich mit weniger Abscheu verrichte. Und es gibt Leute, die mich davon überzeugen wollten, dass diese Arbeit unter meiner Würde sei. Dass ich mich – schönes Haus hin oder her – nicht so weit herablassen solle.

Aber als mich unsere Hausbesitzerin fragte, ob ich die Fenster putzen würde, konnte ich nicht gut nein sagen. Was ist schon ein halber Tag Arbeit, wenn man vier Wochen Zeit dafür hat? Und ehrlich gesagt finde ich durchaus, dass ich mich so weit herablassen kann, wenn man bedenkt, dass wir ohne viel Verpflichtungen gratis und franko in diesem herrlichen Haus wohnen konnten, das im Sommer für 4’000 Pfund pro Woche vermietet wird. Oder?

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“Unser” Haus in der Provence – mit sauber geputzten Fenstern nach Schweizer Methode.

Im lustleeren Raum

Abstauben – so dachte ich mir letzthin mit dem Staubhudel in der Hand – abstauben wäre eigentlich gar keine so schlimme Sache…

… könne man einfach subito eine grössere Fläche von sagen wir mal einem Quadratmeter hinter sich bringen.

Richtig mühsam wird es erst angesichts solcher Katastrophen:

Puderzucker und die Badewanne

Es gibt Leute in unserer Überbauung, die regen sich über die weissen Plättli (Fliesen) im Badezimmer auf. Andere fanden, da müsse etwas Neues her und sie haben ihr Bad umgebaut. Und dann gibt es noch eine weitere Fraktion. Diese hat sich still mit den mittlerweile 25-jährigen weissen Plättli arrangiert, findet sogar, es hätte schlimmer kommen können, und damit man ihre Farbe eindeutig ausmachen kann, putzen sie sei regelmässig.

Ich gehöre zu letzterer Fraktion. Bloss, das mit dem „regelmässig“ ist so eine Sache. Einmal pro Woche ist genauso regelmässig wie einmal pro Jahrzehnt. Alles eine Frage der Einstellung, zweifellos. Ich liege mit meinem Zeitplan wohl irgendwo zwischendrin. Und fand jüngst, es wäre wieder mal nötig, mich etwa detaillierter mit der Sauberkeit unseres Badezimmers zu befassen.

Das bedeutete, dass ich nicht nur Waschbecken, Badewanne und WC-Schüssel schrubbte, sondern auch die Wände putzte und sämtliche Schränke, Schubladen und Tablärchen reinigte. Ich schwöre bei allen Putzlappen, die mir heilig sind: Da gab es keinen einzigen Quadratmillimeter, keine Ecke, keine Fuge, die um eine Abreibung herumgekommen wäre.

Da der geschilderte Reinigungs-Vorgang derart gründlich vonstatten ging, drängte es sich auf, gleichzeitig eine Entrümpelungs-Aktion durchzuführen. Es ist nämlich ganz erstaunlich, was sich in so einem Badezimmer alles ansammeln kann. Ich befreite mich von einer grossen Dose Haarspray, die ich seit Jaaaahren nicht mehr benutzt hatte. Immerhin schien deren Inhalt noch flüssiger Konsistenz zu sein. Sollte also jemandem der Sinn nach einer sturmsicheren Frisur stehen: bitte melden! Ich stiess auf Duschgels in ganz kleinen Fläschchen, die ich aufbewahrte, sollte ich mal nur ein ganz kleines Bisschen Duschgel benötigen. Dass darunter auch ein Fläschchen war, das ich anlässlich eines Seminars in einem Hotel einpackte, das vor mehr als zehn Jahren stattfand, sei nur am Rande erwähnt. Weiter fand ich eine kleine Seife, in original „Swissair“-Papier verpackt. Können Seifen eigentlich auch Konkurs gehen? Dann kamen zahlreiche Haarspangen, Haargummis, Haarklammern zum Vorschein. Sie zeugen von einer gewissen Euphorie meinerseits, meine aalglatten Haare in ein Korsett zu zwängen. Erfolglos übrigens.

Um diversen Ballast erleichtert räumte ich alles wieder ein, schrubbte, wusch und polierte weiter und ganz am Schluss kam zu meiner grossen Freude das zum Vorschein, mit dem ich insgeheim gerechnet hatte. Und deshalb traf es mich auch nicht gänzlich unvorbereitet: Als sich meine Augen an die helle Erscheinung gewöhnt hatten sah nämlich
… unser Badezimmer.

So sah unser Bad dieses Jahr im Mai aus, als die neuen Fenster eingebaut wurden.

Ich kann nicht gänzlich ausschliessen, dass das eine oder andere Staubpartikel, das ich kürzlich entfernt habe, von damals stammt.

Von meinen diversen Haar-Vergewaltigungs-Einrichtungen konnte ich mich übrigens noch nicht trennen. Hat ja schliesslich alles mal Geld gekostet. Und man weiss ja nie…

Staubig, aber wa(h)r

Es gibt mit Sicherheit dringlichere Angelegenheiten, wenn man aus seinen Ferien heim kommt (in unserem Fall von 5 Wochen Housesitting), als sich sofort mit Staubsauger und Putzlappen zu bewaffnen. Diese Binsenwahrheit gilt zumindest für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich. Insbesondere, weil wir vor unserer Abreise jeweils noch Staubwedel & Co. durch die hehren Hallen schwingen. Es mag eine Macke von mir sein, alles aufgeräumt und sauber zu hinterlassen. Aber mir ist wohl dabei und mittlerweile weiss ich aus zuverlässiger Quelle , dass ich mit dieser Macke nicht allein in der Prärie stehe. Zumindest die moralische Unterstützung in dieser Angelegenheit ist mir vor den nächsten Ferien schon mal auf sicher.

Früher oder später drängt sich aber der grössten Putzlappen-Resistenz zum Trotz der Griff zum farbigen Tüchlein auf. Und man fragt sich verwundert, wie sich so viel Staub ansammeln konnte, wo die Wohnung doch fünf Wochen lang unbewohnt war. Die Erkenntnis daraus ist zwar altbekannt, aber deswegen nicht weniger erschütternd:

 S t a u b   m a c h t   k e i n e   F e r i e n .

Abenteuer-Urlaub

Zu einem richtigen Abenteurerurlaub gehört bereits die Reise dorthin. Ich hätte hellhörig werden sollen, als mir im Bahnhof Zürich eine Müesli-Schale samt Müesli-Müsterli verteilt wurde. Was wollte mir das Schicksal da andeuten?

Es begann harmlos mit der Fahrt durch die Rheinschlucht. Während Japaner und Nordlichter ab der grandiosen Szenerie ihre Nasen am Zugsfenster platt drückten, atmete ich ein letztes Mal tief durch und harrte der Abenteuer, die da kommen sollten. Denn die kamen ganz gewiss.

Als erstes galt es, am Zielort dafür zu sorgen, dass die kommenden Tage nicht in eine Überlebenswoche ausarten würden. Mein Müesli-Müsterli würde da nur kurzzeitig zu überbrücken wissen. Die Reiseveranstalter liessen mir freie Hand in der Menüwahl, was die Sache zwar vereinfachte, ihr jedoch auch eine gewisse Herausforderung nahm. Zwecks Vereinfachung der kulinarischen Darbietung vereinbarten die Parteien, bei Tisch Manieren zu zeigen und mit Messer und Gabel zu essen.

Zwei Tage lang zeigt sich das Wetter von seiner allerbesten Seite, was die Reiseveranstalter mehrfach dazu bewog, mich den Elementen auszusetzen. Um ein Desaster zu vermeiden, begab ich mich auf einen markierten Winter-Wanderweg. Dieser gipfelte darin, dass ich eine Skipiste überqueren musste und am Schluss auf dem Schlittelweg zu Tale wankte. Adrenalin pur!

Nach so viel Anstrengung war Körperpflege angesagt. Um den hochgesteckten Vorgaben des Reiseveranstalters gerecht zu werden, dauerte die anschliessende Wiederherstellung der Dusche allerdings länger als die eigene Versäuberung.

Als sich Frau Holle einschaltete, zogen die Reiseveranstalter einen weiteren Trumpf: Sie liessen mich mit dem Velo nach Afrika fahren. Ich strampelte um mein Leben, während vor meinem Antlitz scheinbar unberührt Paviane, Gorillas und Elefanten vorbeizogen. Ich hätte beinahe geglaubt, ich befände mich auf dem schwarzen Kontinenten, da erschallte aus dem oberen Stock das Megaphon meiner Reiseveranstalter. Ich stieg vom Hometrainer und schaltete den Fernseher aus.

In allen Belangen wurden meine Fertigkeiten in den vergangenen Tagen durchleuchtet. Ich musste unter Beweis stellen, dass ich in der Küche genauso tauglich bin wie in der Waschküche, dass ich mit dem Abstaublappen so talentiert umzugehen weiss wie mit Mehl und Hefe. Der ultimative Test erfolgte, als sich der Techniker von Swisscom verabschiedete und ich mich mutterseelenalleine mit den Ansprüchen meiner Reiseveranstalter konfrontiert sah. Fernseh- und Internetempfang mussten neu aufgegleist werden, der Ruf nach einer neuen Mailadresse und bitteschön anpassen des Mailprogramms und einrichten des Tablets wurde laut. Aber natürlich gerne! Sonst noch ein Wunsch?

Als der Abenteuer-Urlaub allmählich seinem Ende entgegendümpelte, herrschte plötzlich Alarmstufe rot. Nachts um 22.00 Uhr war die Heizung ausgefallen, 16 Wohnungen kalt. Der Heizungsmonteur kam erst am anderen Tag. Dafür innert acht Stunden zwei Mal. Kein Verkehrsdirektor, kein Politiker, kein Landschaftsschützer hätte mir deutlicher vor Augen führen können, was „kalte Betten“ sind.

So und jetzt frage ich euch: Wo sonst gibt es so viel Action für so wenig Kohle?