Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Alltagskram

Drum & Dran

Der Anblick der absurden Begrenzungs-Vorrichtungen auf einem Vorplatz in einem Walliser Dorf entlockte unserem Wander-Grüppchen zahlreiche abschätzige Bemerkungen. Von “typisch schweizerisch” war die Rede. Ein “Füdlibürger” müsse sein, wer seinen asphaltierten Vorplatz derart vor fremden Autos zu schützen trachte. Reichlich “kleinkariert” kamen uns die zahlreichen Gartenzwerge vor, die hier stoisch ihren Dienst als Hüter eines selbst ernannten Gesetzes verrichteten. Sie sahen alle gleich aus, einer wie der andere. Es waren bestimmt deren zehn. Und alle waren sie mit einem Solarlämpchen ausgestattet.

“Hey Bea, das wäre doch ein Motiv für deinen Blog!” wurde ich unmissverständlich aufgefordert. Wer weiss, vielleicht würde daraus wirklich mal ein Blog-Beitrag, dachte ich mir, überquerte die Strasse und zückte meinen Foto-Apparat.

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Im Zug schaute ich mir die Bilder des gelungenen Wandertages an. Dazu hatte ich auf der langen Heimreise ausreichend Gelegenheit. Die Zwerge hatte ich bereits wieder vergessen.

“Oh, da haben wir ja noch den Gartenzwerg”, verkündete ich voller Entzücken in die Runde. “Mit allem Drum und Dran?” Mein Gegenüber wollte es sehr genau wissen. Ich schärfte meine Augen, zoomte einen Ausschnitt heran und war mir dann ganz sicher: Ja, das Drum ist auch Dran.

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Pin-oooh!

Hier mal wieder eine Anekdote aus der Zeit, als mein Mann und ich noch mit dem Wohnmobil Europa bereisten.

Wir hatten uns an einem hübsch gelegenen Stausee irgendwo in der Mitte Frankreichs installiert. Bald wurden wir von allen Seiten von Wohnmobilen zugeparkt, jeder wollte einen Stellplatz möglichst nahe am Wasser haben. Unsere nächsten Nachbarn waren Schwaben. Nachdem wir die üblichen Belanglosigkeiten (“Seid ihr schon lange unterwegs?” – “Wo kommt ihr her?”) ausgetauscht hatten, luden sie uns ein, nach dem Nachtessen auf ein Glas Pin-oooh zu kommen.

Mein Mann und ich dachten, es gäbe einen Schluck Rotwein, Pinot. Schliesslich weiss man, wie gut die Deutschen Französisch sprechen. Als wir uns mit unseren Campingstühlen zu den Nachbarn setzten, schenkten sie uns ein helles, gelbliches Getränk ein. Mit Garantie kein Rotwein, so viel konnten wir in der Dämmerung erkennen.  Schmecken tat es geradezu unverschämt gut. Aber was war es?

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Es war Pineau, eine Mischung aus halbvergorenem Traubensaft und Cognac. Überaus süffig und gefährlich mit 17 % Alkohol. Das Getränk schmeckte uns dermassen gut, dass wir damals kurzerhand unsere Flasche Schlehenfeuer, die wir von Freunden aus Nürnberg erhalten hatten und mitführten, gegen den Pineau eintauschten. Das war zwar nicht nur in Bezug auf den Alkoholgehalt ein schlechtes Geschäft, sondern auch, weil der Pineau schon in der unteren Hälfte der Flasche dümpelte. Aber wir waren glücklich mit unserer neuen Errungenschaft.

Seither gehörte dieses hierzulande nahezu unbekannte Getränk in unser Standard Repertoire. Von jedem Frankreich-Aufenthalt brachten wir mindestens zwei Flaschen mit. Aus meinen Ferien in Frankreich letzten Monat habe ich auch wieder einige Flaschen mit nach Hause gebracht. Ich werde die bewährte Tradition fortführen und weiterhin meine Gäste zum Aperitif mit einem Gläschen dieser Exklusivität überraschen.

Pineau des Charentes gibt es übrigens auch bei uns zu kaufen, allerdings zu stark überhöhten Preisen. In Frankreich kostet eine Flasche im Supermarkt um die sieben Euro, hierzulande gegen dreissig Franken.

Und das schreibt Wikipedia über Pineau.

Mutter Natur auf Abwegen (17)

Der Anblick eines Speisepilzes im Wald freut mich grundsätzlich. Immer. Es hat Jahre gegeben, da wäre ich schon ab einem einzelnen Maronenröhrling entzückt gewesen.

Dieses Jahr ist es etwas anders. 2017 ist endlich mal wieder ein richtig gutes Pilzjahr. Deshalb ist es nicht mehr als recht, dass die Pilze gleich im Trio daherkommen. Oder….?

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Nein, ganz ehrlich, so ein Maronenröhrlings-Trio hat trotz aller Pilzschwemme Seltenheitswert und mich über alle Massen entzückt. Dennoch sind auch diese Drillinge unweigerlich in der Pfanne gelandet.

Wenn es aus dem Rucksack bellt

 

… muss wohl ein Hund drin sein.

 

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Tierliebe kann wirklich groteske Formen annehmen. Diese Hundebesitzer waren mit drei Hunden am Niesen unterwegs, zwei davon je in einem Rucksack.

In so einem Behältnis könnte man natürlich auch ein panoramageiles Büsi mitnehmen. Oder den weitgewanderten Wellensittich, die unternehmungsfreudige Schildkröte, weltoffene Meerschweinchen. Einzig mit dem Goldfisch sehe ich gewisse Probleme.

Die ominösen drei Monate

Nach drei Monaten, da gehe es erst so richtig los, beschied man mir von verschiedener, wohlwissender Seite. Nach drei Monaten, da sei die Schonzeit abgelaufen. In den ersten drei Monaten würden sich alle rührend um einen kümmern. Sie würden anrufen, sich erkundigen, wie es einem geht, würden einem zum Kaffee, für ein Essen oder einen Spaziergang einladen. Doch danach herrsche für Freunde und Bekannte wieder der Normalfall. Und ein Grossteil der administrativen Arbeiten im Zusammenfall mit dem Todesfall sei erledigt. Und dann, erst dann, beginne für einen selber das grosse Loch.

Das wäre nach dieser Zeitrechnung jetzt. Es sind gut drei Monate vergangen, seit mein über alles geliebter Mann gestorben ist. Tatsächlich, bisher habe ich mich stets gut beschäftigen und ablenken können. Ich war zwar alleine, aber nicht allzu oft. Indes habe ich nie mit den Händen im Schoss gewartet, bis mich jemand auf einen Kaffee eingeladen hat, ich bin häufig selber vorgeprescht. Habe gar “schon” wenige Tage nach der Beerdigung erstmals Besuch eingeladen, wie man mir mitunter missbilligend attestiert hat.

Ich habe vor wenigen Tagen das Wohnzimmer frisch streichen lassen. Damit habe ich lediglich zu Ende geführt, was mein Mann und ich für diesen Herbst angedacht hatten. Ich leiste mir kleine Freuden. Sei es ein Besuch im Theater, ein gutes Stück Fleisch, ganz gediegen und alleine einen Aperitif, wenn mir der Sinn danach steht, oder ein neues Paar Schuhe.

Meine Telefonrechnung hätte galaktische Ausmasse angenommen, hätte ich nicht vor Monaten schon eine Flat Rate eingebaut. Ich habe mich nicht daheim verkrochen, sondern bin unter die Leute gegangen. Bin auf Freunde und Bekannte zu gegangen. Ich glaube, das hat ihnen einen unverkrampfteren Umgang mit mir und meiner neuen Situation ermöglicht, als wenn ich ständig mit verweintem Gesicht durch die Gegend gelaufen wäre.

All das heisst nicht, dass ich nicht trauern würde. Um den geliebten Menschen, um das Leben, das nie mehr sein wird, wie es war. Wieso habe ich eigentlich ständig das Gefühl, mich für mein Tun rechtfertigen zu müssen?

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Es wohnt wieder

Frau Flohnmobils Idee von “schöner Wohnen” hatte ihrem Umfeld einiges abverlangt. In Ermangelung nahezu sämtlicher handwerklicher Fähigkeiten seitens der Auftraggeberin wurden professionelle Maler aufgeboten, um das Wohnzimmer zu streichen. Währenddessen durfte sich Mutter Flohnmobil mit mehreren Metern Stoff herumschlagen, aus denen zu gegebener Zeit Vorhänge werden sollten. Frau Flohnmobil liess sich, als ihre Bleibe am unbewohnbarsten war, bei lieben Freunden zum Nachtessen einladen. Und nicht zuletzt brauchte es ein fachkundiges Paar Hände hinter der Bohrmaschine eines weiteren, hochgeschätzten Freundes, damit die neuen Vorhangstangen überhaupt und im Idealfall nicht schief an den frisch bepinselten Wänden hingen.

Es war ziemlich anstrengende Tage, auch für mich, und ich möchte allen Beteiligten, die mir mir Rat und vor allem Tat zur Seite gestanden sind, herzlich danken für ihren Einsatz. Ich bin sehr froh, dass ich euch habe.

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Noch stinkt es bei mir daheim nach Farbe. Aber unter dem kritischen Blick meines einstigen und noch immer innig geliebten Mitbewohners ist es nun wieder wohnlich geworden.

Lobend erwähnt

Ich hatte ihm zum Abschluss des Gesprächs beim Händeschütteln gesagt, ich würde ihn lobend erwähnen. Und das mache ich nun.

Nach meiner Autopanne mit der blockierten Vorderradbremse (wer sich nicht erinnert, kann gerne HIER nachlesen), fuhr ich bei nächstmöglicher Gelegenheit zu meinem Garagisten, der vor zwei Monaten einen umfassenden Service an meinem Auto durchgeführt hatte, inklusive Bremsbeläge und Bremsscheiben ersetzen.

Er hörte mir zu, als ich ihm den Vorfall schilderte, holte dann zu einer kurzen Erklärung aus, nahm alle Schuld auf sich und öffnete ohne Zögern die Kasse, um mir die 117 Franken, die mich der Spass gekostet hatte, zurückzubezahlen.

So hatte ich mir das vorgestellt. Dass ich so reibungslos zu meinem Geld kommen würde, hat mich dennoch überrascht. Wahrscheinlich habe ich nun einen Eintrag in meinem Kundendossier: “Frau Flohnmobil will nicht nur ein Auto, dessen Bremsen tadellos funktionieren, sondern sie hat auch noch ziemlich viel Haare auf den Zähnen!”

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Schöner wohnen

Im Hause Flohnmobil laufen seit Tagen sämtliche Aktivitäten unter ein- und demselben Motto:

Schöner wohnen

Diese Schönheit muss allerdings hart verdient werden. Deshalb gibt es heute auch keinen eigentlichen Blog-Beitrag. Höchstens den Hinweis, dass es hier weitergeht, sobald ich mir einen Durchblick zwischen all den Pinseln und Farbkübeln verschafft habe.

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Ent(s)pannend

Vor nicht allzu langer Zeit, man könnte auch sagen, es war in der zweiten Hälfte der zu Ende gehenden Woche, durfte ich meinen Wortschatz erweitern. Um ein Wort, auf das ich nicht sonderlich erpicht war.

Ich war unterwegs mit Ziel Brigels. Kurz vor Chur vernahm ich ein seltsames Geräusch. Autoradio aus. Das Geräusch blieb. Schlimmer noch, es wurde ständig lauter. Es tönte so ähnlich, wie wenn eins der Fenster nicht ganz zu wäre. Mir war nicht mehr wohl bei der Sache, so verliess ich bei Chur Süd die Autobahn und rettete mich und meinen Subaru auf den erstbesten Parkplatz. Dort stellte ich den Motor ab, stieg aus und lief rund ums Auto. Es bedurfte keiner besonderen mechanischen Kenntnisse, um festzustellen, dass es aus der vorderen rechten Bremse qualmte. Und erbärmlich stank. Die Bremse hatte blockiert.

Handy hervornehmen. Assistance anrufen. Eine gefühlte Ewigkeit, in Tat  und Wahrheit aber keine 20 Minuten später, hielt ein Fahrzeug neben mir. Fahrer wie Beifahrer liessen sich eindeutig der Gattung Automechaniker zuordnen. “Oh, das ist aber ziemlich heiss geworden”, liess der eine der Beiden nach einem Rundgang ums Auto verlauten.

Es gibt keinen geeigneten Zeitpunkt, um eine Autopanne zu haben. Wohl aber einen geeigneten Ort. Und den hatte ich mir ausgesucht, lag doch die Subaru-Vertretung keinen Kilometer von meinem Standort entfernt. Der Mechaniker setzte sich ans Steuer und kurvte in einem Fahrstil, den sich mein Auto nicht gewöhnt ist, zur Werkstätte und dort auf den Lift. Es war kurz vor 17.00 Uhr. Die Ursache für die überhitzte Bremsscheibe war schnell gefunden, der Schaden ebenso schnell behoben. Die Garage, wo mein Auto vor zwei Monaten im Service war, hatte geschlampt beim Ersetzen der vorderen Bremsen. Ein Führungsbolzen hatte blockiert, weil es zu viel Fett drin hatte und er nicht ausgeblasen wurde.

An dieser Stelle muss ich anfügen, dass ich von Autos im Allgemeinen und Vorderradbremsen im Besonderen etwa so viel verstehe, wie ein Pferd vom Sticken. Deshalb interessierte mich die Frage brennend, ob man (und in diesem Fall meinte ich natürlich meinen Mann, würde er noch leben) die sich anbahnende Katastrophe hätte merken können. Der Mechaniker verneinte, was mich in meinen Augen als etwas weniger hilfloses autofahrendes Geschöpf aussehen liess.

Noch weniger hilflos war ich, als es ums Begleichen der Rechnung ging. 117 Franken, ein paar Nerven und eine gute Stunde Zeit kostete mich die Express-Reparatur. Auf der Rechnung stand unter anderem:

Fahrzeug entpannen und in Garage überführen.

Entpannen. Der Duden kennt dieses Wort nicht. Aber ich bin, um ganz ehrlich zu sein, seit man mein Auto entpannt hat, wieder sichtlich entspannt.

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Der Kahn der Superlative

In Marseille standen wir, und damit waren wir bei weitem nicht alleine, staunend vor dieser schwimmenden Luxusloge:

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Während der ganzen drei Tage, die wir in Marseille verbrachten, war die Yacht an prominentester Stelle im Vieux Port angebunden. Wohl manch einer der vorbeischlendernden Leute – Touristen wie Einheimische – mag sich gefragt haben, wie es wohl im Inneren dieses Kahns aussehen mag.

Auch ich bin meiner Neugierde erlegen und habe “Grace E” gegoogelt. Und bin unter anderem darauf gestossen:

http://luxus.welt.de/motor/yachten/die-grace-e-ist-die-superyacht-2015

Für schlappe 595’000 Euros pro Woche kann man diese schwimmende Luxusvilla übrigens chartern. Man gönnt sich ja sonst nichts.