Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Australien

Des Rätsels Lösung

Kürzlich habe ich hier im Blog die Frage gestellt, das für ein Ding ist.

DSC03167

Meine Leser haben mir diverse Lösungsvorschläge unterbreitet. Sie reichten von Folterinstrument über  Eierquetsche, Füsschen bis hin zu Schraubzwinge. Ganz unrecht hatte wohl niemand, denn ich kann mir durchaus vorstellen, dass das rätselhafte Konstrukt all diese Erwartungen erfüllen könnte. Etwas richtiger lagen all jene, die dem 450 Gramm schweren Teil Qualitäten als Nussknacker zumuteten.

Tatsächlich handelt es sich hier um einen Nussknacker. Aber nicht irgendein Nussknacker, sondern um ein B.O.N.K. – Bart’s Original Nut Kracker. Mit ihm knackt man Macadamias, die härtesten Nüsse der Welt.

Mit einem normalen Nussknacker, das merkten wir schnell, ist diesen wohlschmeckenden, in Australien beheimateten Nüssen nämlich nicht beizukommen. Bevor wir uns dort einen B.O.N.K. anschafften, improvisierten wir mit Rohrzange und Hammer. Was vor allem der Untergrund nicht immer zu schätzen wusste.

Mein Entzücken war gross, als wir in Norden von New South Wales auf Macadamia-Bäume stiessen.

IMG_0026

Und die Nüsse waren reif. Wir lasen einige zusammen und konnten unseren B.O.N.K. einsetzen.

IMG_0027

Macadamias werden bei uns fast nur geschält angeboten. Deshalb ist unser Nussknacker, den wir als Souvenir mit heim genommen haben, seit Jahren arbeitslos, auch wenn gerade in diesen Wochen in Australien die Nüsse reif wären. Schliesslich gibt sich ein B.O.N.K. nicht mit hundskommunen Haselnüssen ab.

Advertisements

Öfters mal Panne (34)

… oder: geschüttelt und gerührt

Nach dem Befahren der Gibb River Road (das denkwürdige Ereignis habe ich in der letzten Folge der Pannenserie beschrieben) waren nicht nur mein innig geliebter Mitreisender und ich heilfroh, wieder festen – sprich asphaltierten – Boden unter den Füssen zu haben. Für unser Fahrzeug muss das gleichermassen gegolten haben. Die offensichtlichste Folge des Offroad-Abenteuers: Die beiden Zusatz-Scheinwerfer hatten sich irgendwann verabschiedet. Diese zu ersetzen war eine kleine Sache, die der Mitreisende selber ausführen konnte. Da praktisch jedes australische Fahrzeug über Zusatz-Scheinwerfer verfügt, werden diese auch in jedem Auto-Zubehör-Shop angeboten. Wer in Australien mit nur einem Paar zusätzlicher Funzeln am Auto herumfährt, riskiert als Rappenspalter angeschaut zu werden. Selbst an PWs ist ein halbes Dutzend Leuchten nichts Aufsehen erregendes.

Bild: xenonoz.com

Als weitaus gravierender als die fehlenden Funzeln erwies sich, dass die Klimaanlagen nach dem Gerumpel über die 600 km lange Piste den Geist aufgegeben hatten. Die nächste Stadt an unserer Route war Broome im Nordwesten Australiens. Die Küstenstadt ist unter anderem bekannt für Perlenzucht und verfügt über einen endlos langen Nacktbadestrand. Beides nahmen wir mit schwachem Interesse zur Kenntnis, als wir uns nach einer Reparaturwerkstätte für Klimaanlagen durchfragten. Die Dach-Klimaanlage hatte – nicht zum ersten Mal – einen Rohrbruch zu beklagen. Ein Kupferröhrchen war gebrochen. Dieses konnte der flinke Mechaniker im Handumdrehen wieder anlöten.

Etwas delikater gestaltete sich die Reparatur der Fahrerhaus-Klimaanlage. Das Leck ortete der Mechaniker relativ rasch bei einer losen Überwurfmutter. Diese hätte er lediglich anziehen müssen, dann Kühlmittel einfüllen und schon wäre die Klimaanlage wieder flott gewesen. Der Zugang zur besagten Stelle im Motor erwies sich aber als sehr schwierig. Und zwar deshalb, weil unser Fahrzeug im Grunde genommen ein Kleinlastwagen mit aufklappbarer Führerkabine war, dem man einen Wohnmobil-Aufbau verpasst hatte. Und wegen diesem mobilen Gartenhäuschen war die Kabine eben nicht mehr klappbar und somit der direkte Zugang zu den Eingeweiden des Fahrzeugs verwehrt.

Die Reparatur wurde deshalb zur Nervenprobe, denn selbst mit den spitzesten Fingern kam der Mechaniker von unten nicht an die Überwurfmutter heran. Erst als der Mitreisende aus seinem eigenen Fundus einen Gabelschlüssel zur Verfügung stellte, der kurzerhand gekürzt wurde, kam Schwung in die Angelegenheit. Ein paar wenige Umdrehungen und der Kompressor war wieder dicht.

Die ganze Reparatur, bei der der Mitreisende nach Kräften mithalf, hatte drei Stunden gedauert und 305 AUD und einen Gabelschlüssel gekostet. Da es bereits dunkel war und wir keine Lust hatten, im Finstern einen Übernachtungsplatz zu suchen, blieben wir kurzerhand auf einem Lagerplatz bei der Reparaturwerkstätte stehen. Sicherlich nicht der lauschigste Platz Australiens, aber in Anbetracht der Umstände leidlich praktisch.

Nach diesen Ereignissen waren wir endgültig von dirt roads, wie die Schotterpisten in Australien verharmlosend heissen, geheilt. Und nur so am Rande: Ein Wohnmobil europäischer Bauweise hätte nach einer solchen Fahrt weitaus schwerwiegendere Schäden beklagen müssen.

Öfters mal Panne (33)

… oder: Der goldene Schlauch

Ob es pffffffft oder nur pftt gemacht hat, liess sich nicht mehr feststellen. Sicher war nur, dass dem Reifen Luft fehlte. Und zwar ziemlich viel. Wie hatte das passieren können?

Die Geschichte zu dieser Reifenpanne begann einen Tag davor. Da hatten mein innig geliebter Mitreisender und ich uns einigermassen spontan dazu entschlossen, die Gibb River Road im Nordwesten Australiens zu befahren. Gemäss unserem Reiseführer und verschiedenen Schilderungen sollte das Befahren der 600 Kilometer langen Outback-Piste durch die Kimberleys etwas vom Lohnenswertesten überhaupt auf dem Roten Kontinent sein. Um Konkreteres zu erfahren, befragten wir ein älteres Ehepaar, das die Route soeben hinter sich gebracht hatte. Nach ihren optimistischen Äusserungen waren unsere letzten Zweifel beseitigt, ob die Strecke mit unserem Womi befahrbar war, und wir gingen das Unternehmen Gibb River Road an.

Wieder einmal klebten wir alle Schlösser ab, reduzierten den Reifendruck und stellten im Camper alles, was sich selbständig machen konnte, auf den Boden.

Bereits nach 50 Kilometern erreichten wir die Schlüsselstelle der ganzen Strecke. Der Pentecoast River musste über eine ca. 150 Meter breite, unbefestigte Furt durchquert werden. Das Wasser war am Ende der Trockenzeit nur etwa 30 Zentimeter tief und liess sich problemlos durchfahren. Und zwar so problemlos, dass der Mitreisende noch einmal umdrehte und die Furt von neuem durchfuhr, damit ich dieses Bild machen konnte.

Weiter ging es über die allgemein noch recht gute Schotterpiste und nach einem Tagespensum von 200 Kilometern erreichten wir eine schön gelegene Campingstelle. Am anderen Tag verflachte sich die anfänglich recht hügelige Landschaft zusehends. Der Strassenzustand verschlechterte sich laufend. Die einzelnen Wellen der waschbrettartigen Strasse waren bis zu 20 Zentimeter tief und 1 Meter weit auseinander. Solche Wellen konnten wir nicht mehr mit hohen Tempi fahren und es bleibt uns nichts anderes übrig, als kilometerweit mit 10 bis 20 km/h zu hottern.

Bei Kilometer 340 erwischten wir einen brutal vorstehenden Stein und hatten kurz darauf vorne rechts platt. Der Radwechsel fand – von diversen nicht jugendfreien Äusserungen untermalt – bei mind. 35° in der prallen Sonne auf der staubigen Piste statt. Für zusätzliche Action sorgte die Reserverad-Aufhängung, die sich verklemmt hatte. Erst nach längerem guten Zureden und etwas Rütteln und Schütteln brachten wir das Reserverad zu Tage. Zum allgemeinen Missfallen des Mitreisenden kam ein Mann auf uns zu, der uns seine Hilfe anbot. Beim Anblick des Kompasses, der dem Mann um den Hals baumelte und seinen perfekt manikürierten Fingernägeln lehnte der Mitreisende dankend ab, worauf der Mensch sich sichtlich erleichtert verzog.

Im 30 Kilometer weiter gelegenen Mount Barnett Roadhouse liessen wir den Platten für stolze 75 $ (mit neuem, mutmasslich vergoldetem Schlauch) flicken. Hätten wir eine Wahl gehabt? Wir mussten schliesslich jederzeit wieder mit einem Platten rechnen und Reparaturstellen gab es in dieser menschenleeren Gegend nicht alle paar Kilometer.

Hatten die ersten 350 Kilometer landschaftlich wenig geboten, so brachen die Highlights in der Folge geradezu auf uns ein. Die Galvans Gorge mit einem schönen Felspool, die Adcock Gorge und die Bell Gorge waren alle über kurze Abstecher und harmlose Furten zu erreichen.

Den herrlich gelegenen Pool der Bell Gorge erreichten wir zu Fuss über einen ein Kilometer langen, felsigen Weg. Das Wasser floss vom höher gelegenen Pool über einige Felsstufen20 Meter hinab in ein tief in den Felsen eingebettetes, ca. 100 Meter breites Becken. Hier mischten wir uns unter die Badegäste und genossen das kristallklare Wasser, in dem es garantiert keine Salzwasserkrokodile gab.

Als weitere Höhepunkte unterwegs punkteten die Windjana Gorge und diverse markante Boab Trees.

Rückblendend sind wir ganz klar der Ansicht, dass das Befahren der Gibb River Road eine reine 4WD Angelegenheit ist. Rund 2/3 der Strecke sind ohne weiteres mit einem konventionellen Fahrzeug zu befahren. Doch gibt es immer wieder längere Abschnitte, die für Fahrzeug und Fahrer eine reine Tortur sind, es sei denn, man befährt sie im Schritt-Tempo. Landschaftlich bietet die erste Hälfte wenig. Die eigentlichen Highlights liegen an Seitenstrassen zwischen Kilometer 350 und 500. Unser Fahrzeug hatte erheblich gelitten. Als Alternative hätten wir ein Allrad-Fahrzeug mieten können. Dadurch hätten wir allerdings 1’200 zusätzliche Kilometer fahren müssen und wären – selbst unter Berücksichtigung der anstehenden Reparaturen – wesentlich teurer gekommen.

Um welche Reparaturen es sich handelte und mit welchen denkwürdigen Mitteln sie ausgeführt wurden, werde ich in der nächste Folge der Serie „öfters mal Panne“ berichten.

Der Anblick dieser Piste lässt nicht im Entferntesten erahnen, wie sehr es uns und unser Fahrzeug durchgeschüttelt hatte.

Silvester dort unten

Ob man will oder nicht, ob man feiert oder nicht, um den letzten Tag des Jahres weht immer ein spezielles Lüftchen. Grad zweimal erlebten wir auf unserer 15-monatigen Australien-Reise Silvester bei den Kängurus.

Beim zweiten Mal befanden wir uns in Südaustralien auf der Yorke Peninsula. Es herrschte eine Affenhitze, das Thermometer näherte sich der 40°-Grenze. Im Bottle Shop besorgten wir uns eine Flasche Sekt, bevor wir auf dem Caravan Park in Moonta Bay den letzten freien Platz ergatterten. Dieser hatte allerdings einen kleinen Schönheitsfehler, denn es fehlte ihm jegliche Schattierung. So schlossen wir unverzüglich das Stromkabel an und liessen die Dachklimaanlage laufen. Bei wahrscheinlich über 50° in der Sonne schaffte es die Klimaanlage gerade so knapp, die Temperatur in Wohnmobil allmählich auf unter 30° zu bringen. Wir empfanden dies als angenehm kühl.

Auf dem proppenvollen Campingplatz bemühten sich die Aussies, sich mit Essen und nicht zu wenig Alkohol in den letzten Stunden des Jahres in Stimmung zu bringen. Etwas Feuerwerk, knallige Papphüte und Leuchtschmuck in verschiedenen Farben untermalte die Szene. Punkt 0.00 Uhr kreischte es aus allen Kehlen „Happy New Year“ und man fiel sich in die Arme. Unsere Nachbarn der älteren Generation konnten ganz kurz den Blick vom Fernseher lassen, kamen aus ihrem klimatisierten Cabin ins Freie, bliesen zwei, drei Mal ein Tü-Tü-Rü-Tü auf ihren Papiertröten, kniffen in einen roten Ballon, gaben mit rauchiger Stimme das obligate „Happy New Year“ von sich und wandten sich alsbald wieder der Glotze zu.

Mit den Sektgläsern in der Hand machen wir – noch immer nur mit in Shorts und T-Shirts bekleidet – einen kurzen Rundgang durch den Campingplatz und erwiderten einige „Happy New Years“. Da nichts Aufregendes mehr auszumachen war, setzten wir uns nochmals für kurze Zeit vor den Camper und genossen die laue, klare Sommernacht.

In Australien ist der Spuk bereits vorbei, das Jahr 2014 hat begonnen.
Bei uns dauert es noch ein paar Stunden.
Wo und wie immer ihr sie verbringen mögt,
ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.

HAPPY NEW YEAR!

Öfters mal Panne (32)

… oder: Neuschnee

Man kann Australien durchaus mit einem Auto ohne Klimaanlage bereisen. Aber bei Temperaturen, die ab und zu mal jenseits der 40-Grad-Marke liegen, macht es nicht unbedingt Spass. Es ist deshalb etwas vom Wichtigsten an einem Fahrzeug, dass nebst allen vier Rädern auch die Klimaanlage läuft. Im tropischen Norden Australiens dient sie ausserdem dazu, die Luft im Fahrzeuginneren nicht nur zu kühlen, sondern auch zu trocknen.

Das taten wir eines feuchten Morgens denn auch und schauten uns reichlich betupft an, als aus den Luftdüsen unseres Wohnmobils plötzlich ein Sprühnebel kam. Reflexartig griffen unser beider Hände zum AUS-Schalter. Was war denn das? Was drang da in die Fahrerkabine? Mein innig geliebter Mitreisender zog am Hebelchen, entriegelte die Motorenhaube und klappte sie hoch. Drinnen im Motor („hurra, er ist noch da!“) erblickte er nichts Verdächtiges. Selbstverständlich, wie immer in solchen Situationen, äugte auch ich in den Motor rein, konnte aber noch selbstverständlicher noch weniger als der Mitreisende ausmachen. Es qualmte nichts, er zischte nicht, alles schien in Ordnung. Alles, ausser die Stimmung des Mitreisenden. Der pflegt in solchen Sachen dem Übel auf den Grund zu gehen. Und so steuerten wir die erstbeste Auto-Werkstätte an. In einem anderen Teil Australiens hätte das einen oder mehrere Tage Fahrt bedeuten können, in unserem Fall lag die Werkstätte nur wenige Kilometer vom Übernachtungsplatz entfernt.

Wir schilderten dem Werkstattchef unser Problem. Dieser runzelte die Stirn. Aber nur sehr kurz. Denn es war ihm natürlich nicht entgangen sein, dass wir keine Aussies waren. Dann legte er seinen Kopf etwas schräg, stemmte die Hände in die Hüfte und klärte uns breitbeinig und –willig auf. Wegen der feuchten, mitunter sehr feuchten Luft hierzulande könne es beim Starten der Klimaanlage vorkommen, dass die angesaugte Feuchtigkeit gefriere. Was bei unserem Auto aus den Düsen rauskomme sei völlig harmlos und nichts anderes als gefrorener Wasserdampf.

Eigentlich waren wir erleichtert ab dieser einfach nachzuvollziehenden Erklärung. Dennoch wussten wir im ersten Moment nicht so ganz genau, was wir mitten im australischen Sommer mit einer Schneekanone anfangen sollten.

Untermieter

Es war ein Morgen wie so viele zuvor. Auf unserem Frühstückstisch standen Brot, Butter, Konfitüre, Käse, Kaffee. Was an der grundsätzlich gemütlichen Szenerie denkbar ungemütlich war, war diese riesige Spinne, die sich hinter dem Kopf meines innig geliebten Mitreisenden den Vorhang hinunter hangelte. Ich übertreibe nicht: Handteller gross war das Vieh! Und vom Baum, unter dem wir die Nacht verbracht hatten, waren noch weitere Artgenossen im Begriff, unser Wohnmobil zu entern. Da wir uns in Australien befanden, wo fast jede zweite Kreatur giftig ist, waren wir noch vor dem ersten Schluck Kaffee hellwach. Wir hatten keine Musse, das Tierbüchlein hervor zu holen und nachzuschlagen, ob das Spinnentier vielleicht doch nicht so giftig war, wie es uns erschien.

Einmal mehr befanden wir uns im Epizentrum des Konflikts, dem man als Wohnmobilreisender immer wieder ausgesetzt ist: Wir halten uns zwar gerne mitten in der Natur auf, aber die Tierwelt soll bitte vor der Türe bleiben. Das galt im Besonderen für jenes Pferd auf einer Weide in den Pyrenäen, das im Begriff war, ins Wohnmobil einzutreten um sich nach etwas Fressbaren umzusehen.

Nicht alle Tiere sind so augenfällig. Manchmal stellt man erst fest, nachdem man sich schon häuslich eingerichtet hat, dass man mitten in einer Mäusearena steht. In einem solchen Fall ist meine Toleranzgrenze gegenüber der Natur relativ tief. Hättet ihr nicht auch etwas dagegen, wenn so ein Nager seinen Weg ins Fahrzeuginnere fände und zur Vorspeise genüsslich an einem Käbelchen knabbern würde?

Trotzdem gibt es kaum einen geeigneteren Ort, um ungestört Tiere zu beobachten, als von einem Wohnmobil aus. Was sind wir schon hinter den Scheiben geklebt und haben scheuen Vögelchen zugeschaut! Oder auch vorwitzigen Schwalben. Diese hatten im Niemandsland an der Australischen Westküste ihre Chance gepackt. In einem öden Landstrich, wo weit und breit kein Gebäude stand, begannen sie, unter unserem Alkoven ihr Nest zu zementieren. Noch nie konnten wir die Baukünstler so hautnah bei ihrer Tätigkeit mitverfolgen. Sie guckten sehr konsterniert aus ihrem Gefieder, als wir nach zwei Tagen mitsamt ihrer Baustelle von dannen zogen.

Selbst mit Liftangriffen lernt man wohl oder übel umzugehen. Trotz aller Vorsichtsmassnahmen passiert es immer wieder, dass  einen ein Moskito um den Schlaf bringt. Oder eine lästige Fliege in den frühen Morgenstunden exakt die eigene Nasenspitze als Landeplatz aussucht. Jeder, der schon mal mit einem Wohnmobil unterwegs war, wird mir beipflichten, dass es nur ganz wenige Gelegenheiten gibt, bei denen man sein Gefährt so gründlich kennenlernen kann, wie wenn man Wände und Decken nach einem solchen Nachtruhestörer absucht.

So gesehen statteten uns die besagten Spinnen in Australien einen reinen Freundschaftsbesuch ab. Denn, wie uns kurz darauf ein Einheimischer beruhigte, ein „Huntsman“ ist zwar furchterregend gross, aber völlig harmlos.

Bildquelle: tsuinvasives.org

Öfters mal Panne (25)

… oder: Parkplatz unter dem Wasserfall

Es ist eine Binsenwahrheit und jeder Wohnmobilist wird mir zustimmen: Es geht nichts über ein dichtes Fahrzeug. Leider, so liest man in Foren und Fachliteratur immer wieder, ist dies keineswegs selbstverständlich. Weder bei neuen und erst recht nicht bei etwas in die Jahre gekommenen Gefährten. Das mussten auch mein innig geliebter Mitreisender und ich mehrfach erfahren. Unter anderem in Australien.

Im subtropischen Norden von New South Wales begann es zu regnen. Das muss es dort ab und zu, sonst wäre es nicht so prächtig grün. Wir hatten uns nach dem Nachtessen gemütlich in der Nähe einer Bootsrampe eingerichtet. Der Regen legte einen Zacken zu. Die Tropfen pflatschten bereits reichlich laut aufs Womi-Dach runter. Und dann regnete es noch mehr und pflatschte noch lauter. Und plötzlich regnete und pflatschte es so fest, dass wir dachten, wir hätten irrtümlich unter einem Wasserfall parkiert.

Diese Möglichkeit konnten wir nicht mehr ganz ausschliessen, denn durch die Fensterscheiben sahen wir so gut wie nichts, obschon es draussen noch nicht völlig dunkel war. Doch was wir sahen, war alles andere als ermutigend. Es regnete ins Wohnmobil! An unseren Schiebefenstern vorbei schlichen sich zuerst einzelne Tropfen ins Fahrzeuginnere. Aus den Tropfen wurden Rinnsale und diese schliesslich zu eigentlichen Bächen. Wir mussten hilflos zusehen, wie unser Womi geflutet wurde.

Da erinnerten wir uns, dass wir in der Nähe einen Parkplatz unter einer Brücke gesehen hatten, der in unserem Führer sogar als möglicher Übernachtungsplatz erwähnt gewesen war. Hatten wir ihn anfänglich noch verschmäht, erschien er uns nun als Rettung in der Not. Wir starteten unser Fahrzeug bevor es ganz zur Badewanne verkam und fuhren die wenigen Meter bis zur Brücke. Dort standen wir einigermassen geschützt vor den sintflutartigen Regenfällen. Glücklicherweise schliefen wir im Alkoven und dort blieb es nahezu trocken, weil die Fenster viel kleiner waren.

Am anderen Morgen fuhren wir schnurstracks in eine Wäscherei. Solche Laundries gibt es in Australien in jedem Kaff und sie verfügen stets über Wäschetrockner der Grösse XXL. Wir verfrachteten unsere völlig durchnässten Sitzpolster in die Trockner und liessen sie Runden drehen. Da unser Fahrzeugaufbau vollständig aus Polyester gefertigt war, mussten wir wenigstens nicht befürchten, dass sich irgendwelche Zwischenwände aus Holz mit Wasser vollgesogen hatten. Nachdem die Polster getrocknet waren, mussten wir verhindern, dass es auf dem Teppich vor lauter Feuchtigkeit zu spriessen begann. Der Teppich übrigens war eine ganz geniale Sache, wie ich sie hierzulande noch nie gesehen habe. Das Material war angenehm zum drauf laufen, von der Dicke her etwa wie Nadelfilz, es liess sich mit Schüüfeli und Wüscherli (Schaufel und Besen) einfach reinigen und in ganz argen Fällen mit einer Bürste schrubben.

Wir fuhren auf den erstbesten Campingplatz und suchten uns einen trockenen Stellplatz. Gar keine einfache Sache nach der vorangegangenen Sintflut. Dort setzten wir alle verfügbaren Mittel ein: Unsere Klimaanlage lief auf Volldampf und der Heizlüfter ebenso. Der Mitreisende organisierte sich eine Leiter und hantierte währenddessen mit einer Tube Silikon. Damit dichtete er die Fensterrahmen der Einfachverglasung unserer Schiebefenster ab. Nicht das erste Mal übrigens, dass wir an diesem Fahrzeug mit Dichtmittel Hand anlegen mussten, wie hier nachzulesen ist.

32 Kilowatt später war unsere Tropfsteinhöhle wieder trockengelegt. Ob es uns gelungen war, genügend abzudichten, wussten wir nicht. In den kommenden Monaten gerieten wir zwar ab und zu in einen Regenguss, aber diese „Wasserfall-Szenerie“ wiederholte sich glücklicherweise nicht mehr.

Der fotogene Millaa Millaa Fall im Nordosten Australiens. Angeblich Sujet zahlreicher Foto-Shootings.

Die mit der riesengrossen Klappe

Wir haben sie auf allen unseren Übersee-Reisen angetroffen. In den USA, Australien, Mexico, Kanada. Naturgemäss immer in der Nähe von Wasser und mit verlässlicher Sicherheit stets dort, wo geangelt wurde.

Sie näherten sich jeweils mit ihrem tollpatschigen Gang, wenn mein innig geliebter Mitreisender oder ich am Fische säubern waren. Die Kerle wussten genau: Da springt immer etwas raus. Mitunter wurden sie so aufsässig, dass man seinen Fang vor ihnen in Sicherheit bringen musste. Scheu vor dem Menschen zeigten sie an solchen Orten überhaupt keine.

Herrlich war es, ihnen bei der Jagd zuzusehen. Mit einer nicht geahnten Eleganz schiessen die sonst eher trägen Flieger pfeilgerade mit dem mächtigen Schnabel voran ins Wasser. Und in diesem Schnabel, das weiss ich aus eigener Erfahrung, hat viel, sehr viel Platz. Wenn ein Pelikan die Klappe aufsperrt, gibt er sich mit einem Fischlein nicht zufrieden. Notfalls holt er sogar den Fisch aus dem Schnabel seines Nachbars raus. Nicht erfunden, alles mehrfach beobachtet!

Ein Pelikan im Flug? Das sieht etwa so aus, wie wenn eine Super-Connie über einen hinweg fliegt. Man weiss nie genau, ob das langsam fliegende Objekt oben bleibt.

Ziemlich speziell war auch die Erfahrung, als der Mitreisende beim Angeln in Mexico mal einen Pelikan ans Land zog. Wie konnte das passieren? Ganz einfach, das gefrässige Vieh war dem Köderfisch hinterhergetaucht. Die Mexikaner kannten wenig Skrupel, wenn es darum ging, einer solchen Henne den Haken aus dem Schnabel zu entfernen. Unsereins tat sich da etwas schwerer.

Wer nebst diesen – zugegeben etwas einseitigen Beobachtungen über Pelikane – einige gelungene Bilder dieser grossen Wasservögel sehen will, mache es wie ich und wende sich vertrauensvoll an den Blog von Pixelspielerei. Eure Augen werden nicht enttäuscht sein, versprochen!


Ein Brillenpelikan, fotografiert in Australien

Invasion auf vier Beinen

Wenn es nun noch ein wenig wärmer wird – nein, dies gibt kein erneuter Blog über den verspäteten Frühling! – werden sie wieder zum Vorschein kommen, die Frösche und Kröten. Die entsprechenden Amphibien-Zäune, dort wo Feuchtgebiete und Strassen gefährlich nahe sind, sind bereits eingerichtet, alles wartet seit Wochen auf die grosse Wanderung der liebestollen Hüpfer.

Ob andernorts, also beispielsweise in Australien, so viel Aufwand betrieben wird, um die Angehörigen der quakenden Zunft sicher auf die andere Strassenseite zu begleiten, weiss ich nicht. Sicher ist aber, dass es dort eine Kröte gibt, die die Australier am liebsten im Multipack mit dem Bulldozer plattfahren würden: die Aga-Kröte.

Diese bis 25 cm lang und ein Kilo schwer werdende Amphibie (man stelle sich diesen Doppelpfünder vor!!!) wurde 1935 eingeführt mit der Absicht, dass sie sich über die schädlichen Zuckerrohr-Käfer hermachen würde. Stattdessen verköstigten sich die Kröten lieber mit leichter erreichbarer Beute und vermehrten sich zudem kräftig. Die heimischen Tiere dagegen, die fressen die Aga-Kröte nicht oder nur einmal, denn sie ist sondert giftige Hautsekrete aus, die beispielsweise apportierende Hunde innert 15 Minuten in den Hundehimmel befördern können. Mittlerweile hat sich die Aga-Kröte oder Cane Toad, wie die Aussies sie nennen, schon weit jenseits der Grenzen des Zuckerrohr-Anbaus ausgebreitet und bedroht die Bestände an einheimischen Echsen, Schlangen, Fröschen und Vögeln. Eine wahre Plage!

Mein innig geliebter Mitreisender und ich wussten von dieser Kröte, lange bevor wir in Australien aus dem Flugzeug stiegen. Trotzdem waren wir einigermassen überrascht, als wir diese pfundigen Dinger sahen. Es geschah an der Ostküste Australiens, in der Nähe der Küstenstadt Bundaberg (wo übrigens der gleichnamige Rum gebrannt wird). An einem Fluss hatten sich Freunde des Angelsports ein eigentliches Ferienressort mit ca. 25 Behausungen verschiedenster Art geschaffen, die damals allesamt verwaist waren.

Die Wiese neben dem Toiletten-Häuschen bot sich als Übernachtungsplatz richtiggehend an. Als der Mitreisende vor dem zu Bett gehen nochmals vor die Haus- bzw. Wohnmobil-Tür wollte, erblickte er sie. Dutzende, ja hunderte von Aga-Kröten hatten sich im feuchten Gras breit gemacht. Es wäre kaum möglich gewesen, an ihnen vorbei zum Toiletten-Häuschen zu gehen, ohne eine platt zu treten. Mit einer Mischung von Neugierde und Abscheu betrachteten wir das Kröten-Heer aus sicherer Entfernung. Und beschlossen, auf den nächtlichen Spaziergang zu verzichten und lieber die Wohnmobil-interne Toilette zu benutzen.

Wer mehr über die Aga-Kröte wissen will: Bitte hier!


Bild: Reuters

Öfters mal Panne (17)

… oder: Fernsehen macht doof

Die ersten zwei Monate ging alles gut. Das lag vermutlich in erster Linie daran, dass es in Australien sehr wenig sehr enge Kurven gibt. In Tasmanien, der Insel südöstlich von Australien, ist das anders. Tasmanien ist – zumindest für australische Begriffe – sehr gebirgig. Sonst hätte es ja keine solche Haarnadelkurve gegeben und dann…. doch schön der Reihe nach.

Das Wohnmobil, das wir in Adelaide kauften, hatte sich eigentlich ein Rentner für seine eigenen Eskapaden zurechtgemacht. Der Motor war revidiert, Teppiche und Polster neu, der Kühlschrank ohnehin (dieser hatte unsere Reise massgeblich beeinflusst, wie hier nachzulesen ist). Ausserdem hing hinten am Fahrzeug an einer Anhängerkupplung ein kleiner Suzuki-Jeep. Diesen war im Gesamtpaket mit dabei und wir verkauften ihn an Ort und Stelle wieder, denn für so ein Angehängsel hatten wir keine Verwendung, wollten wir doch mit einer anderen Philosophie reisen. Zum Inventar gehörte ausserdem ein kleines Fernseh-Gerät. Ein Röhrenbildschirm von der alten Sorte. Wir waren nie wirklich angetan von dieser Glotze. Dies hatte nicht nur damit zu tun, dass in Australien vornehmlich englischsprachige Programme ausgestrahlt werden, sondern auch mit der komplizierten Anbringung der Antenne auf dem Auto.

Die paar wenigen Male, wo wir den Fernseher in Betrieb nahmen, musste mein innig geliebter Mitreisender nämlich das Dach erklimmen, damit er die Antenne verankern konnte. Das wäre ja einfach gewesen, hätte unser Wohnmobil eine Aussenleiter gehabt. So aber bastelte der Mitreisende eine Art Strickleiter an der er sich in halsbrecherischem Manöver in die Höhe hievte.

Während der Fahrt stellten wir den Fernseher jeweils auf die Rückseite der Sitze. Dort schien er uns einem relativ sicheren Ort zu sein. Einmal purzelte er runter, aber so sachte und sanft, dass er keinen Schaden nahm. Da wir ihn eigentlich nie brauchten, behandelten wir ihn je länger je stiefmütterlicher. Am Stephanstag geschah es dann: Wir waren auf der Fahrt vom Arthurs Lake runter nach Launceston. Da – päng! – krachte der Fernseher zu Boden. Die Spitzkehre der tasmanischen Strassenbauer war wohl des Guten zu viel gewesen.

Der Bildschirm schaute so elend aus der Wäsche, dass wir darauf verzichteten, ihn an den Strom anzuschliessen, um festzustellen, ob ihn wirklich das Zeitliche gesegnet hatte. Seither weiss ich, woher der Begriff „Mattscheibe“ stammt.

Rückwirkend betrachtet staune ich, wie wir es anstellten, mehr als 2 Jahre lang durch Nordamerika zu reisen und 15 Monate in Australien, ohne einen Fernseher. Ohne zu wissen, was auf der Welt läuft, ohne in die Stube reinbuxierte Unterhaltung. Statt allabendlich in die Glotze zu starren, verbrannten wir ganze Scheiterbeigen an Holz an diversen Feuerstellen, wir beobachteten die Natur, diskutierten, liessen den Tag Revue passieren. War doch irgendwie auch schön.

An der phantastischen Great Ocean Road in Victoria/Australien