Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Kanada

Beschildert geschildert (68)

Man darf sich wundern…

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… oder auch nicht.

Das Schild hängt über einer Kreuzung in Sudbury/Kanada. Anita, die es für mich fotografiert hat, hat es jedenfalls dort noch nie blinken sehen. Ob man anhalten, aussteigen, zufahren oder kondolieren soll, verschweigt die gelbe Tafel geflissentlich.

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Sicher ist, dass Anita, um diese makabere Tafel zu fotografieren, aussteigen musste und die Kreuzung zu Fuss überquerte. Danke für deinen Einsatz, Anita!

Habt ihr auch ein Schild gesehen, dass originell, absurd, witzig, von Fehlern behaftet oder sonstwie speziell ist? Schick es mir! Ich werde es hier im Blog veröffentlichen.

Hier geht es übrigens zum Blog von Anita, die als ausgewanderte Schweizerin über ihre Erlebnisse in Kanada berichtet.

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Beschildert geschildert (63)

Passend zu den gegenwärtigen Aktivitäten von Familie Flohnmobil, die wandernderweise in den Schweizer Bergen unterwegs ist, hier ein Schild, das Anita aus dem fernen Kanada für mich fotografiert hat.

Anita betreibt zusammen mit ihrem Mann Marcel nicht nur einen Campingplatz, auf dem derzeit Hochsaison herrscht, sondern auch einen Blog, in dem die Schweizerin aus ihrer neuen Heimat berichtet.

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Aufgenommen hat sie das Schild ganz in ihrer Nähe (was auf kanadische Verhältnisse umgemünzt etwa 80 Kilometern entspricht) an einer Nebenstrasse südlich des Lake Nipissings/Ontario. Dort hat es offenbar derart viele Schildkröten, die die Strasse überqueren, dass so ein Schild angebracht ist.

Schild-Kröten. Ich wüsste nichts, das besser auf so eine Blechtafel passte.

Vielen Dank, Anita, für das Bild, das meine Fantasie sogleich beflügelt hat.

Beschildert geschildert (11)

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Schilder.

Vor allem, wenn man ein paar Stunden später nochmals abdrückt.

Alma, an der Ostküste Kanadas gelegen, rühmt sich, mit bis zu 14,5 Metern weltweit den höchsten Gezeitenhub zu haben.

Ob man das glaubt oder nicht, beeindruckend ist der Anblick auf alle Fälle.

Öfters mal Panne (30)

… oder: Vom Winde verweht

Wasser hat auf den Menschen schon seit jeher eine grosse Anziehungskraft ausgeübt. Mein innig geliebter Mitreisender und ich machen da keine Ausnahme. Als wir im alleräussersten Nordosten Kanadas in der Provinz Nova Scotia unterwegs waren, zog es uns drum richtiggehend magisch ans Meer. Die Gegend um Bay St. Lawrence ist rau. Der offene Atlantik geht mit Bewohnern und Natur nicht zimperlich um. An exponierter Lage über dem Meer fanden wir den wild-romantischen Campingplatz „Jumping Mouse„. Wir suchten uns eine nette Ecke aus – ausser uns waren keine Gäste anwesend – erkundeten die Gegend noch etwas zu Fuss und zogen uns dann, weil es etwas gar frisch war an jenem 18. September 1999, in den Camper zurück.

Im Laufe der Nacht begann ein fürchterlicher Wind zu toben, der mit jeder Minute stärker zu werden schien. Wir standen voll im Wind und fürchteten, dass unser Fahrzeug umgeweht würde wie eine leere Kartonschachtel. Aus dem Camper raus trauten wir uns schon gar nicht. Hätten die Türen einem Öffnungsmanöver auf der richtigen Autoseite vielleicht noch Stand gehalten, so da hätte es uns glatt weggepustet. Umparkieren, damit wir nicht gleich mit der Breitseite im Wind standen, kam deshalb nicht mehr in Frage, weil im Stockdunkeln jemand – ICH – hätte einweisen müssen. Wir waren dem tobenden Wind ausgeliefert und mussten ausharren. Geschlafen hatten wir in jener Nacht bestimmt nicht gerade viel.

Am anderen Morgen vernahmen wir, dass Ausläufer des Hurricans Floyd über uns hinweggefegt waren und uns diese unruhige Nacht beschert hatten. Wir kreiden es der Campingplatz-Inhaberin noch heute an, dass sie uns trotz entsprechender Nachfrage nicht auf den kommenden Sturm hingewiesen hat. Unter solchen Umständen hätten wir uns bestimmt nicht an einer derart exponierten Lage hingestellt. Aber das Geschäft war offenbar wichtiger als die Sicherheit der Gäste. An der Verständigung konnte es übrigens nicht gelegen haben, war die Dame doch zu 50% Schweizerin. Der wildromantische Übernachtungsplatz hätte für uns zum Desaster werden können.

Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass es beim Reisen auch ein Quäntchen Glück braucht. Der Mitreisende und ich haben dieses Quäntchen übrigens häufig in Anspruch genommen, blieben wir doch auf all unseren Reisen von Zwischenfällen, die unser Leben ernsthaft bedroht hätten, verschont.

Dass es auf Campingplätzen in den letzten paar Tagen wegen den Stürmen etwas ungemütlich wurde, zeigt das Beispiel von Annette Weber eindrücklich. Zum Glück ist auch sie unversehrt geblieben.

Die Ruhe nach dem Sturm. Unser Camper auf dem Campingplatz „Jumping Mouse“ in Bay St. Lawrence.

Komm an Bord!

Spätestens als wir Kanada von West nach Ost durchquert hatten merkten wir: Ohne Boot kommt man in diesem Land nicht weit. Viele schöne Orte waren weder von der Strasse noch von einem Wanderweg aus erreichbar. In Kanada hat es viele Parks, in denen das grosse Volk mit Kanus oder Kajaks (den Unterschied lernte ich erst dort) unterwegs war. Oft tagelang und auf eigentlichen Wasserstrassen in der Abgeschiedenheit unberührter Natur. Da wir nicht mit Flügeln ausgestattet waren und weder mein innig geliebter Mitreisender noch ich Langstreckenschwimmer sind, blieb uns meist nur das Nachsehen. In einzelnen Fällen mieteten wir ein Boot, stellten uns aber insgesamt eher ungeschickt an.

Als ein paar Monate später der Entschluss feststand, dass wir – in der Zwischenzeit waren wir bis nach Florida vorgerückt – im folgenden Sommer nach Alaska fahren würden, musste etwas geschehen. Irgendeine Gondel musste her. Aus Platzgründen entschieden wir uns für ein aufblasbares Kajak. Mit diesem wollten wir die Weltmeere erobern. Oder so ähnlich, wir merkten nämlich bald, dass das Kajak nicht nur zu kurze Paddel hatte, sondern durch seinen flachen, breiten Boden auch ziemlich schwerfällig zum Manövrieren war.

In der Folge überlegten wir uns zuerst immer gründlich, ob wir das Boot überhaupt aus unserer Dachbox hervorzaubern und aufpumpen wollten. Insgesamt war die gelbe Gondel in 1 ½ Jahren kaum mehr als zehnmal im Einsatz. Als wir dann noch mitten in der Wüste die gesetzlich vorgeschriebenen Schwimmwesten verloren (die Geschichte dazu gibt es hier), war das Schicksal der gelben Gefahr schon beinahe besiegelt. Die letzte Paddeltour absolvierten wir in Mexico, in einer ruhigen Bucht. Dort quatschte uns ein amerikanisches Ehepaar an, das „ganz genau dieses Boot schon sehr lange suchte“. Der Mitreisende und ich witterten Morgenluft und offerierten den Beiden kurzerhand, das Boot Probe zu fahren. Für hundert Dollar verscherbelten wir den Kahn, dem wir keine Sekunde nachtrauerten. Wir sind halt doch Landratten und insbesondere mir ist es definitiv wohler, wenn ich festen Boden unter den Füssen habe.

Trockentraining in einem State Park in Florida. Damals waren wir noch ganz euphorisch über unsere Errungenschaft.

Öfters mal Panne (19)

… oder: Wenn der Funke nicht springt

Als wir mit unserer Reiserei begannen, merkte ich schnell, dass es meinem innig geliebten Mitreisenden nur dann gut geht, wenn es auch dem Auto gut geht. Nun ja, ganz allgemein und auf einer Reise im Besonderen ist es ist nicht völlig belanglos, ob das Auto läuft oder nicht.

So herrschte denn auch immer eine gewisse Anspannung, wenn der Camper Macken an den Tag legte. Im vorliegenden Fall geht es um Fehlzündungen. Und der Mitbewohner tippte – weil wir schon alles Andere drum herum ersetzt hatten – auf ein defektes Zündkabel. Die Fehlzündungen ereilten unser Fahrzeug im Osten Kanadas, in Nova Scotia. Doch genau genommen begleiteten sie uns schon den ganzen Weg quer durch Kanada, von Ost nach West. Immer war da irgendetwas, das sich mal mehr, mal weniger bemerkbar machte.

So ergab es sich, dass wir an einem sonnigen Herbsttag unseren Camper auf einem Campingplatz abstellten, unsere Velos vom Träger runter holten und eine kleine Velotour machten. Diese führte uns auf die nächstgelegene Insel. Mit einer Fähre überquerten wir einige hundert Meter Meer. In einem Fischerdorf – wir trauten unseren Augen nicht – fand am Sonntagnachmittag eine Beerdigung statt. Dies nur so am Rande.

Wie überall in Kanada lagen auch auf dieser Insel alte Autowracks herum. Die Wracks befanden sich in allen denkbaren Stadien von „war ich wirklich mal ein Auto?“ bis „eben erst hingestellt“. Der Mitreisende hatte plötzlich eine Idee. Und so kam es, dass er – nicht gänzlich zufällig – in einem solchen Rosthaufen ein Zündkabel fand. Wir radelten zurück, öffneten die Motorenhaube und – hah! – das Kabel passte.

Und wisst ihr was? Wenn der Camper in der Zwischenzeit nicht verschrottet wurde, so fährt er garantiert noch heute mit dem second-hand Kabel rum.

Ich hätte euch zum 1. April gerne einen grösseren Bären aufgebunden – aber das Viech schnarcht noch in der Höhle. Diese Geschichte hingegen, die ist wahr. Das einzig Unwahre ist dieses Bild. Aber das habt ihr ja sicher schon längst gemerkt – soooo kleine Autos gibt es in Amerika/Kanada schliesslich nicht.

Kaktus mit Trinkgeld

Eigentlich hatten wir unseren Camper nur verlassen, weil wir den Hirschen zuschauen wollten, die versuchten, nördlich des Yellowstone National Parks den reissenden Fluss zu durchqueren. Sonst hätte ich ihn nie gesehen. Und nie hätte ich geglaubt, dass so etwas wie er dort vorkommt.

Ich hatte mich auf Anhieb in ihn verliebt. So sehr, dass ich ihn nicht dort lassen konnte. Kurzerhand grub ich ihn aus. Es hatte ja noch genügend von seiner Sorte vor Ort. Ich liess mir also kein schlechtes Gewissen einreden von wegen „Entwurzelung“ und dergleichen, sondern nannte ihn ab sofort mein Eigen.

Fortan begleitete er mich auf Schritt und Tritt. Ging ich nach draussen, durfte er mit. Fuhr ich weiter, tat er es mir gleich. Das ging einige Wochen gut, genau so lange, bis ich ihn vergass. Ja, einfach stehen liess! Das tat ich nicht etwa, weil ich seiner überdrüssig war, sondern weil ich erst fünfzig Kilometer weiter merkte, dass ich ihn nach seinem Sonnenbad auf einem Tisch im Haynes Point Provincial Park in British Columbia/Kanada nicht mehr in den Camper zurückgeholt hatte.

Ich zwar zutiefst betrübt. Mein innig geliebter Mitreisender dagegen vertrat den Standpunkt, dass es ja nur ein Kaktus gewesen sei. Und deshalb sei es gar kein Thema, wegen dem stacheligen Gewächs grosses Aufhebens zu machen, geschweige denn, zurück zu fahren.

Diese Kröte musste ich schlucken und tröstete mich damit, dass wir auf dem Weg nach Alaska waren, einer grundsätzlich kaktusunfreundlichen Region.

Dieses Bild ist alles, was mir vom Kaktus blieb.
Und die Erinnerung an eine sehr spezielle Geschichte.

Ein gutes halbes Jahr später kamen wir auf einem Campingplatz in Mazatlan/Mexico mit einem Kanadischen Ehepaar ins Gespräch. Die Beiden erzählten uns, dass sie im Sommer jeweils einen Campground betreuten und die Wintermonate mit ihrem Wohnmobil in die Wärme Mexikos verbrächten. Das machen übrigens viele Kanadier so, insbesondere Farmer, die in den weiten Ebenen von Manitoba, Saskatchewan und Alberta reinen Ackerbau betreiben. Da sie keine Nutztiere halten, können sie im Herbst einfach den Schlüssel drehen und verreisen.

Wo sie denn Camphosts seien, wollte ich wissen, denn es bestand ja eine zumindest theoretische Möglichkeit, dass wir dort auch vorbeigekommen waren auf unserer Reise. Im Haynes Point Provincial Park, lautete die Antwort und sofort war mir die Geschichte mit meinem Kaktus wieder präsent. Ich erzählte den Kanadiern, dass wir im Sommer dort übernachtet hätten und ich meinen kleinen Kaktus stehen gelassen hatte.

„Nein, was für ein Zufall“, die Kanadierin war entzückt, „den habe ich gefunden und zu mir ins Haus genommen.“ Da waren wir alle Vier platt und lachten herzhaft über diese Fügung, die zweitausend Kilometer weiter nördlich ihren Lauf genommen hatte. Zum Abschied ermahnte ich die neuen Besitzer, doch schön nett zu meinem Kaktus zu sein und gab ihnen das wenige kanadische Kleingeld, das wir noch hatten und ohnehin nicht mehr brauchten, damit sie ihm einen anständigen Topf und ein paar Tropfen Dünger kaufen konnten.

Im Angesicht des Bären (2)

Fortsetzung

(wer nicht weiss, worum es geht, bitte hier Teil 1 lesen)

Der Bär, der eben aus dem Gebüsch gekommen war, zeigte sich von unserem Gestikulieren und Schreien unbeeindruckt. Gemächlichen Schrittes trottete er in unsere Richtung. Noch trennten ihn gut zwanzig Meter von uns.

„Es nützt nichts“, dürfte ich wohl von leichter Panik getrieben geschrieen haben, als ich merkte, dass sich das Raubtier nicht von seinem eingeschlagenen Weg abbringen liess. „Schrei weiter“, keuchte der Mitreisende atemlos. Er stiess ununterbrochen schrille Pfiffe durch seine Finger aus. Wenn es taube Bären gab, musste dieser hier der Gattung stocktaub angehören. Im Geiste spulten wir beide unser Repertoire an Massnahmen bei Begegnungen mit Bären runter. Wie theoretisch doch alles war! In meiner Fantasie war der Bär stets auf einer weitläufigen Fläche unterwegs gewesen. Das Viech hatte ich jeweils von weitem gesehen und einen grossen Bogen darum machen können.

Aber hier, in der brutalen Realität der kanadischen Wildnis, sassen wir in der Falle. Sollten wir vielleicht über diesen hohen Zaun klettern und uns statt von einem Bären fressen zu lassen, von Büffeln zu Tode getrampelt werden? Und verdammt noch mal, der Pfefferspray, der den Bären in die Flucht schlagen würde, lag im Auto.

Mittlerweile war der potentielle Killer bis auf zehn Meter an uns herangekommen. War es Einbildung, oder konnten wir bereits seinen Atem riechen? Wir hatten ein gut dosiertes Abenteuer in der kanadischen Wildnis durchaus gesucht – nun stand es leibhaftig vor uns. Wir wünschten uns weit weg, in die gut behütete Umgebung der vertrauten Heimat. Dorthin wo es (zumindest damals!!!!) keine Raubtiere gab und Wanderungen nicht zu lebensgefährlichen Exkursionen ausarteten.

In unserer Verzweiflung schrieen wir den Bären an: „Kehr um! Blödes Vieh, hau endlich ab!“ Wir fluchten und beschimpften das arme Tier aufs Gröbste. Dazu bewegten wir uns weiterhin mit sorgfältigen Schritten rückwärts. Wohl bedacht, nicht zu stolpern und dem Bären noch wehrloser ausgeliefert zu sein. Auf wen würde er sich zuerst stürzen?

Mit einem Mal blieb der Bär stehen, wiegte den Kopf hin und her und stiess ein unwirsches Brummen aus. Schweizer schienen heute nicht auf dem Speisezettel des einheimischen Riesen zu stehen. Fast schien es, als rümpfe er die Nase. Dann beäugte er uns ein letztes Mal und trottete dorthin, wo er gekommen war: ins Dickicht.

Bärliland im Riding Mountain Nationalpark

Was waren wir erleichtert! Stumm gingen wir weiter. Immer und immer wieder blickten wir über unsere Schulter zurück um uns zu vergewissern, dass es sich der Bär nicht doch anders überlegt hatte. Uns war nicht mehr nach munterer Konversation zu Mute, denn uns war klar: Wollten wir nicht einen vierstündigen Marsch um den See auf uns nehmen, mussten wir auf dem gleichen Weg zurück zum Campingplatz gehen.

Mit einem mehr als mulmigen Gefühl kehrten wir schliesslich um. Wir konnten nur hoffen, dass sich der Bär tatsächlich verzogen hatte. Noch nie waren uns zwei Kilometer Wegstrecke so lang vorgekommen. Zurück beim Wohnmobil suchte der Mitreisende als erstes den Pfefferspray heraus. Wir hatten ihn erst vor kurzem gekauft. Extra und ausschliesslich zur Abwehr von Bären. Er schwor sich, keinen Schritt mehr ohne diese Spraydose zu machen.

Am Lagerfeuer unterhielten wir uns den ganzen Abend lang über unser Abenteuer. Zweifellos, wir würden zu Hause einiges zu erzählen haben. Dass dereinst einmal ein Bär in die Schweiz einwandern würde, konnte damals niemand erahnen.

Im Angesicht des Bären (1)

Bären sind weich, knuddelig, niedlich und harmlos. Zumindest wenn sie aus Plüsch sind. Seit dem Abschuss von M13, der als Risikobär eingestuft wurde, ist die Diskussion über freilebende Bären in unserem Land wieder neu entfacht. Ich habe meine Meinung zu diesem Thema schon Kund getan. Heute veröffentliche ich eine Geschichte, von einer unserer zahlreichen Bärenbegegnungen, die sich auf unserer Reise in Nordamerika ereignet hatte.

Wir hatten unsere Reise von langer Hand geplant. Wir hatten Reiseführer und Karten studiert und versucht, uns mit dem Land vertraut zu machen. Seitenweise hatten wir über endlose Wälder in Kanada gelesen, über Gefahren, die uns drohen konnten. Wir wussten daher, welches Verhalten erforderlich wäre, sollte uns ein Bär auf freier Wildbahn begegnen. In der Theorie existierten hierfür klare Regeln: Gerate nie zwischen eine Bärin und ihr Junges! Vermeide es, einen Bären zu erschrecken, indem du ihn durch lautes Rufen auf dich aufmerksam machst! Renn nicht davon; der Bär ist schneller als du! Spar dir die Mühe, auf Bäume zu klettern! Der Bär kann das besser als du. In der Theorie tönte das einleuchtend, doch die Praxis sah anders aus. Ausserdem hatte kein einziger Reiseführer beschrieben, was zu tun sei, wenn man in eine Sackgasse geriet…

Mein innig geliebter Mitreisender und ich befanden uns im Riding Mountain National Park in der kanadischen Provinz Manitoba. Wir waren ganz froh um das Blech unseres Campers, für einmal nicht wegen den Bären, von denen wir auf unserer Reise schon mehrere gesehen hatten, sondern wegen der Büffelherde, durch die wir gerade fuhren. Die Strasse führte nämlich mitten durch das weitläufige Gehege, in dem die beeindruckenden Tiere gehalten wurden. Das ganze Areal war von einem drei Meter hohen Zaun umgeben. Wir fuhren weiter zum malerischen See und wie an fast allen hübschen Orten gab es auch dort einen einfachen Campingplatz. Die Suche nach dem schönsten Stellplatz gestaltete sich für einmal nicht schwierig, denn praktisch alle Plätze lagen direkt am Wasser. Infrastruktur gab es ausser einem Plumpsklo keine, doch nur so konnte sich das echt kanadische Wilderness-Feeling einstellen. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass wir Kanada bald von einer Seite kennen lernen würden, die weitaus wilder war, als uns lieb sein konnte.

Der Park erstreckte sich über mehrere hundert Quadratkilometer. Nur ein kleiner Teil war mit Wegen erschlossen, die wenigen mit Autos befahrbaren Strassen liessen sich an einer Hand abzählen. Was also lag näher, als auf einem nachmittäglichen Spaziergang die Umgebung zu erkunden? Wir wollten dem Pfad, der in einer vierstündigen Wanderung um den See führte, nur ein kurzes Stück folgen und hatten deshalb keinen Rucksack dabei. Sämtliche Utensilien zum Schutze gegen Wind, Wetter und Natur waren im Camper zurück geblieben.

Der Weg bog vom See in Richtung des Geheges ab und schien längere Zeit parallel dem Zaun entlang zu führen. Das Seeufer verlor sich langsam aus dem Blickfeld und machte dem kanadischen Dickicht Platz. Büffel waren von hier aus keine zu sehen, doch ihre Spuren entlang der drei Meter hohen Umzäunung waren offenkundig. „Hoffentlich hat der Zaun kein Loch“, witzelte ich. „Keine Sorge, Büffel sind Pflanzenfresser, die würden uns nichts tun.“ Der Mitreisende gab sich wie immer pragmatisch.

Wir gingen dem Weg entlang, erblickten hier ein Blümchen, hörten dort einen Vogel trällern. Auf diesem Breitengrad unterscheidet sich der kanadische Wald nicht wesentlich von dem daheim. Brombeergestrüpp am Boden, Farne, Sträucher, Tannen, Laubbäume, Dickichte und Lichtungen wechselten sich ab. Ganz anders jedoch die Fauna. Nebst den nicht eben beliebten Stinktieren gab es Respekt einflössende Wapiti-Hirsche und Elche. Am Himmel kreisten majestätische Seeadler, die vielen Wasserläufe stellten das Refugium von Biberfamilien und dem kanadischsten aller Vögel, dem Loon, dar. All diese Tiere galten als harmlos, im Gegensatz zu Bären, die überall und jederzeit auftauchen konnten.

Plötzlich dieses verräterische Knacken im Dickicht. Da war doch nicht etwa…? Wir bückten uns und spähten ins Unterholz. Was uns da entgegen kam war ohne Zweifel ein ausgewachsener Schwarzbär. Der pelzige Kerl trampelte nieder, was ihm im Wege stand und bewegte sich auf den Pfad zu. Dort musste er sich entscheiden: rechts oder links? Geradeaus war ihm der Weg versperrt, da stand der drei Meter hohe Zaun. Zurück wollte er ebenso wenig. Unschlüssig blieb das Tier mitten auf dem Weg stehen, hielt die Nase in die Luft, schnupperte, fletschte die Zähne.

Uns gefror das Blut in den Adern. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, bis wir wieder zu einer Handlung fähig waren. Es war der Mitreisende, der die Initiative ergriff. „Wir müssen uns gross machen, wie es in den Führern geschrieben steht. Und schreien müssen wir, laut schreien.“ Wir winkten und schrieen aus Leibeskräften. Unser Herz rutschte allmählich dem Hosenboden entgegen. Gleichzeitig bewegten wir uns mit langsamen, bedachten Bewegungen vom Bären weg, auch wenn uns der Sinn eher nach davonrennen stand.

Der Bär zeigte sich von unserem Gestikulieren und Schreien unbeeindruckt. Gemächlichen Schrittes trottete er in unsere Richtung. Noch trennten ihn gut zwanzig Meter von uns.

Fortsetzung folgt.

Öfters mal Panne (13)

… oder: Platz schaffen auf die unsanfte Art

Als wir in Los Angeles unseren Camper kauften, erschien er uns riesig. Kunststück, er war immerhin 5,7 m lang und man konnte im ganzen Fahrzeug stehen. Verglichen mit dem VW Joker mit Aufstelldach, den wir bis vor kurzem besessen hatten, war es wirklich eine riesen Mühle.

Im Verlauf der folgenden Wochen merkten wir schnell, dass man in einem Campingfahrzeug eigentlich fast nicht zu viel Platz haben kann. Im Gegenteil, da wir beabsichtigen, monatelang darin zu hausen, platzte der Dodge Horizon bald aus allen Nähten. Eine Dachbox musste her und zwar sofort.

Im kanadischen Winnipeg kauften wir eine Dachbox, die mehr oder weniger in ihre Einzelteile zerlegt war. Was macht man in so einem Fall? Richtig, man freut sich, dass es grad schönes Wetter ist und beginnt mitten auf dem Parkplatz mit der Montage. Falls ein Teil gefehlt hätte oder defekt gewesen wäre, wären wir immer noch in Reichweite des Geschäfts gewesen. Falls uns (was wegen der Gründlichkeit meines innig geliebten Miteisenden zwar eher unwahrscheinlich ist) ein Werkzeug gefehlt hätte, hätten wir es subito kaufen können. Im Verlauf des Tages war das Ding auf dem Dach montiert und wir rundum glücklich.

Selbstverständlich hatten wir in dieser Box nicht die Sachen verstaut, die wir tagtäglich brauchten. Dafür war das Erklimmen des Daches und Aufschliessen der Box dann doch etwas zu abenteuerlich. Die Campingmöbel waren dort drin, ein aufblasbares Kajak, Schwimmwesten und was man sonst noch über Wochen hinweg nicht braucht aber trotzdem für unentbehrlich hält.

Es muss mindestens eineinhalb Jahre später gewesen sein, da machten wir im Joshua Tree National Park einen Ausflug zu einem Aussichtspunkt. Als wir einmal mehr anhielten, um die einmalige Wüstenlandschaft zu geniessen, sahen wir, dass die Dachbox offen war. Oh Schreck! Wie lange schon? Und was war noch drin?

Noch nie war der Mitreisende so schnell auf dem Dach. Was fehlte, war im ersten Moment gar nicht so einfach zu definieren. Erst als wir unsere Hirnzellen aktivierten, konnten wir uns zusammenreimen, was das Weite gesucht hatte. Sofort fuhren wir den gefahrenen Weg zurück, verdrehten uns die Hälse und hingen mit Stielaugen aus dem Fenster. Nichts. Entweder waren unsere Sachen so weit weg geflogen, dass sie von der Strasse aus nicht mehr sichtbar waren oder uns war bereits jemand zuvor gekommen. Dieser Jemand dürfte sich allerdings ziemlich gewundert haben, als er mitten in der Wüste zwei praktisch neue Schwimmwesten fand.

Dachbox zusammensetzen auf einem Parkplatz in Winnipeg.