Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Kaktus

Kaktus, tot und halbtot

Heute Nachmittag habe ich erstmals dieses Jahr das Kaktus-Haus geöffnet. Angesagt waren eine kurze Inspektion der Pflanzen und Wasser geben. Leider blieb es nicht dabei, denn es wäre übertrieben zu sagen, dass der Kaktus links im Bild einen guten Winter gehabt hätte. Seine Leiche musste fachgerecht entsorgt werden.

Aber auch der Kaktus rechts im Bild schaut etwas leidvoll aus der Wäsche. Das ist umso schlimmer, als dass er eine sehr aufregende Geschichte hinter sich hat.

Vielleicht schaffe ich es, einen der noch verbliebenen grünen Triebe zu bewurzeln. Dann wäre zumindest ein Teil unseres prominenten Känguru-Kaktus gerettet.

Was dieser Kaktus für aufregende Abenteuer erlebt hat, ist HIER nachzulesen.

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Biologisch bewehrt

Ich habe schon immer behauptet, dass die Bio-Welle mitunter absurde Formen annimmt. Das jüngste Beispiel ist Kakteenerde in Bio Qualität. Ich habe sie sowohl bei Migros als auch Coop entdeckt.

Bio Erde für Kakteen? Hallo!

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Der erste Kandidat, der in den Genuss der edlen Bio-Erde gekommen ist (etwas anderes ist beim Grossverteiler offenbar gar nicht mehr zu kaufen), ist dieser Säulenkaktus, dem ich einen grösseren Topf verpasst habe. Letzterer übrigens aus hundskommunem, unbiologischem Plastik.

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Ehrlich gesagt glaube ich, dass es meinen Kakteen mindestens so egal ist wie mir, ob biologisches Substrat oder konventionelle Erde ihre Wurzeln umgibt. Viel lieber wäre es ihnen, sie würden nicht mehrmals täglich dauergeduscht. Langsam aber sicher beginne ich mr nämlich, mir um meine Kakteen, die ungeschützt im Freien stehen, Sorge zu machen.

Am Ende der Winterpause

 

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Wer jetzt nur noch Bahnhof versteht, erhält den Durchblick, wenn er diesen alten Beitrag liest.

Ich habe jedenfalls meine Schuldigkeit getan und den Kaktus mit mehreren Blütenansätzen vor einigen Tagen wieder meiner Freundin zurück in den Garten gestellt.

Der Ganzjahres-Kaktus

Kurz bevor hierzulande die Freiluft-Saison für Kakteen losgeht, wurde ich von meiner Freundin Gabi mit einem ganz besonderen Kaktus beschenkt. Sie hatte ihn im Urlaub entdeckt und sofort an mich gedacht. Da sie in Sachen Kinkerlitzchen und Staubfänger eine ähnliche Einstellung hat wie ich, musste auch sie zugeben, dass das “Pflänzchen” hart an der Grenze zu Kitsch steht. Begeistert hatte Gabi denn auch nicht so sehr die Handarbeits-Kunst, sondern der Beipackzettel.

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Auf diesem steht nämlich geschrieben:

Happy Kaktus

Ich bin extrem pflegeleicht.

Ich löse keine Allergien aus.

Ich bin dir nicht böse und lasse nicht gleich alles hängen, wenn du mal in den Urlaub fährst.

Ich blühe für dich das ganze Jahr, egal an welchem besonderen Platz du mich stellst.

Ich nehme es dir nicht übel, wenn du mir einen total schrägen Namen gibst.

Mein grösster Wunsch ist, dir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Im Fall, dass ich doch mal staubig oder schmutzig sein sollte, kann du mich gerne (ohne Topf) waschen. Handwäsche bevorzuge ich, aber 30° C in der Waschmaschine sollten kein Problem darstellen.

Da Gabi den Kaktus immerhin fast zwei Jahre aufbewahrt hatte (und ihm ihre Pflege offenbar gut bekommen ist), werde ich diesem Kitschobjekt nun auch einen Ehrenplatz einräumen. Ich habe nämlich noch einen weiteren Vorteil an ihm entdeckt: Es sticht nicht.

Nach einem Namen für das Häkelobjekt wird noch gesucht. Irgendwelche Vorschläge?

Familientreffen

Ein etwas sonderbares Familientreffen hat kürzlich im Hause Flohnmobil stattgefunden. Genau genommen hat es eben erst begonnen und wird bis in den Frühling hinein andauern. Die Protagonisten:

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Man würde es nicht glauben, aber die beiden Kakteen sind Schwestern. Gleich alt. Mit dem gleichen Migrationshintergrund. Nur bei verschiedenen Pflegeeltern aufgewachsen. Unschwer zu erkennen, dass der linke Kaktus wesentlich busperer wirkt als seine gleichaltrige Schwester. Dass ich den Kakteen hier ein weibliches Geschlecht unterschiebe, hat mit ihrer speziellen Herkunft und ihrem botanischen Namen “Opuntia Santa Rita” zu tun. Darüber wurde hier schon mehrfach geschrieben.

Der Sinn des Familientreffens ist nun, der kleineren Schwester die gleichen Bedingungen während der Winterruhe zu offerieren wie ihrer grossen Schwester. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass sich meine Freundin Rita im nächsten Sommer an Blüten ihrer Santa Pfeuti erfreuen darf. Das wäre dann eine Premiere für den Kaktus, der vor 15 Jahren als illegaler Einwanderer in die Schweiz gekommen ist.

Wie alle anderen Kakteen meiner kleinen Sammlung ist diesen beiden Opuntien ab heute der Ausgang gestrichen worden. Nun stehen sie wieder in ihrem frostsicheren Winterquartier.

Der Spätzünder

Am Tage unserer Heimkehr aus Frankreich überraschte mich dieser Kaktus mit einer Blume. Kakteen blühen sonst eher zeitig im Sommer. Ende September habe ich jedenfalls noch nie eine Kakteenblüte gesehen. Vielleicht hat der dornenbesetzte Geselle sich durch den heissen, kaktusgerechten Sommer doch noch überreden lassen. Er hat nämlich schon jahrelang nicht mehr geblüht.

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Notocactus magnificus

Ein wahrlich eigenwilliger Willkommensgruss! Aber ganz in meinem Sinne. 

Hot Dog

Die Bruthitze dieser Tage. Sie ist Thema landauf, landab. Man kann sich ihr hingeben (“endlich Sommer!”), sich ab ihr ärgern (“huere Sauhitz!”), das Beste draus machen (sich irgendwo ins Wasser legen), oder in die Berge flüchten (meine bevorzugte Variante).

Es gibt aber auch Wesen, die sind für diese Hitze prädestiniert. Allen voran Kakteen. Die geniessen dieses Wetter in vollen Zügen. Lassen sich gerne von der Sonne beknallen, schätzen die grosse Hitze, aber auch ab und zu einen Tropfen Wasser. Richtig gehalten, erfreuen sie einen im Verlauf ihres Lebens auch in diesen Breitengraden mit Blüten. Die einen zwar erst, wenn sie fünfzig Jahre alt und zehn Meter hoch sind, andere dafür schon als kleine Purzel. Meine Vorliebe gilt den kleinen Purzeln. Hier mein derzeit am schönsten blühender Sonnenanbeter:

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Notocactus muegelianus

Er stöhnt nicht ab der Affenhitze, fühlt sich derzeit richtiggehend pudelwohl. Wobei das bei mir gerade die Frage aufwirft, wo der Ausdruck “pudelwohl” herkommen mag. Einem Pudel sind doch die heutigen 35 Grad mit Sicherheit zu heiss. Und als Hot Dog taugt er irgendwie auch nicht.

Die umgetopfte Schwiegermutter

Wir haben uns lange nach dem Grundsatz “leben und leben lassen” verhalten, meine Schwiegermutter und ich. Aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. Ich musste eingreifen, konnte nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie sie ins Verderben rannte. Von “rennen” konnte in ihrem Zustand zwar nicht direkt die Rede sein, vielmehr war es eine schleichende Verwandlung, die sie zusehends aus dem Gleichgewicht zu bringen drohte.

Also schritt ich wohl oder übel ein. Denn eine Schwiegermutter, die kopfüber stürzt ist noch schwerer zu ertragen, als eine Schwiegermutter, die sich mit aller Gewalt gegen Veränderungen wehrt.

Sie hat es – ganz im Gegenteil zu dem, was man sich unter dem Verhalten von Schwiegermüttern gemeinhin vorstellt – mit stoischer Ruhe ertragen. Natürlich hat sie sich etwas zur Wehr gesetzt, hat ihren ganzen kratzbürstigen Charme spielen lassen. Aber wir sind überein gekommen, dass es für sie das Beste war. Früher oder später wird auch sie zu dieser Einsicht gelangen. Bis es soweit ist, wird sie noch etwas schmollen in ihrem neuen Quartier.

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Nun überwacht sie die Kakteen-Familie aus einem neuen, grösseren Topf. Durchaus zu ihrem Vorteil, finde ich.

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Echinocactus grusonii (im Volksmund Schwiegermuttersessel genannt)

Der Wanderkaktus

Ich mag meine kleine Kakteen-Sammlung. Und ich mag die Geschichten dahinter. Seit letzten Sonntag gibt es eine neue Episode.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wollten Wanderfreuden frönen. Nie sieht man die Landschaft, die Natur mit all ihren Details, besser, als wenn man zu Fuss unterwegs ist. Erst kürzlich aus Frankreich zurück gekehrt, brannte ich darauf, die heimische Flora auf Augenhöhe zu haben.

Es begann gut. Mit einer Böschung voller reifer Erdbeerchen. Mmh, wie die schmeckten! Wir krabbelten den steilen Hang hinauf auf der Suche nach den grössten, reifsten, rotesten Erdbeeren. Freundlicherweise liessen wir noch einige Exemplare zurück, falls nochmals jemand diese Weg bewandern sollte.

Kurz darauf kamen wir an einer Gruppe Häuser vorbei. Von einer früheren Wanderung wusste ich, dass dort jemand Kakteen in einem Treibhaus hält. Ich sollte nicht enttäuscht werden, standen doch gleich vor zwei Häusern umfangreiche Sukkulenten-Sammlungen.

Eine alte Frau war gerade damit beschäftigt, ihre zahlreichen Kakteen im Treibhaus zu wässern. Ich näherte mich und fragte: “Darf ich bitte mal ganz unverschämt über den Zaun gucken.” (Also eigentlich sagte ich: “Dörf i emal echli über de Haag geine.” Aber das hätte ja bestenfalls die Hälfte meiner Leser verstanden.)

Die Frau schien nicht abgeneigt, sich über ihre schätzungsweise über 90 Jahre alten Schultern blicken zu lassen, wir kamen ins Gespräch. Sie hielt mehrere Hundert Kakteen, von denen ein beachtlicher Teil gerade am Blühen war. Ein herrlicher Anblick bot sich mir, als ich ins proppenvolle Treibhaus hinein durfte.  Plötzlich hielt die Frau mir einen kleinen Kaktus entgegen. “Wollen Sie den?” Ich konnte mein Glück nicht fassen, hatte ich doch vor kurzem erst beschlossen, meine Kakteen-Sammlung könnte etwas frisches Blut vertragen.

Ihre Enkelin, die mit der passionierten Kakteen-Züchterin zusammen unter dem gleichen Dach wohnt, sagte mir später, ich könne mich “von” schreiben, so schnell rücke ihre Grossmutter sonst keinen Kaktus raus.

Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile, bis wir uns erinnerten, dass wir ja eigentlich am wandern waren. Ich packte meine hübsche kleine Errungenschaft in die Seitentasche des Rucksacks und wir gingen von dannen. Die Enkelin nahm uns das Versprechen ab, nochmals wiederzukommen. Ihre Grossmutter müsse dringend die Sammlung verkleinern. Mein Bedarf an neuen Kakteen ist zwar nicht derart gross, dass das bei der Sammlung der alten Frau ins Gewicht fallen würde, aber für zwei, drei eher kleine Kakteen bin ich schon zu haben. Vor allem, wenn sei so schön blühen wie mein Wanderkaktus.

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Rot war eindeutig die Farbe des Tages.

Das volatile Feiertags-Geschöpf

Vor Weihnacht gehen sie als Weihnachtskaktus über den Ladentisch, ein paar Monate später tauchen sie als Osterkakteen wieder auf. Ihre Blüten sind rot, rosa, weiss oder gelb, die Triebe mal mehr, mal weniger länglich, mal mit Rotstich, mal in sattem Grün.

Egal, wie sie heissen, diese Blattkakteen sind mitunter spottbillig zu haben und nicht tot zu bringen. Mein Exemplar habe ich Anfang Jahr mit Blütenansätzen bei Aldi gekauft. Mittlerweile blüht der Oster-Herbst-Weihnachts-Kaktus schon zum dritten Mal. Seit er bei mir ist, hat er an jedem Trieb mindestens zwei neue Glieder gemacht. Weitab jeglicher Feiertage geniesst er nun die letzten Sonnenstrahlen, bevor er endgültig ins Haus muss. Würde mich nicht wundern, wenn er bis Weihnachten erneut zu Höchstform auflaufen würde. Dauert zwar nur noch zwei Monate, aber wer weiss.

Ach ja, ein Vorteil hat mein volatiles Feiertags-Pflänzchen gegenüber allen anderen Kakteen, die ich gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Kälteeinbruch in die Winterruhe verbannt habe: Es ist absolut handzahm und es würde ihm im Traum nie einfallen, mich zu stechen.