Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Nachbarn

Des Flieders neue Frisur

Es fiel mir vor einigen Wochen auf. Ungläubig ging ich auf ihn zu. Konnte mir eigentlich nicht vorstellen, dass ihm jemand etwas angetan haben könnte.

Und doch! Da war Hand angelegt worden. Unverkennbar fehlten am hinteren Teil unseres meines Flieders drei Triebspitzen. Gekappt. Gemeuchelt. Hinterrücks abgeschnitten. Und damit es auch ja grässlich aussieht: alle drei Triebe auf gleicher Höhe.

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Damit nicht genug. Das ganze Stämmchen ist schon deutlich gelber als der Rest des Strauchs. Da muss jemand daran gezerrt haben, von selbst knickt sich so ein Stamm gewiss nicht.

Ich kann mir nur zu gut vorstellen, wem dieser junge Flieder-Busch ein Dorn im Auge ist. Mein Mann hätte das nicht einfach so hingenommen. Aber ich mache halt dem nachbarschaftlichen Frieden zu Liebe die Faust im Sack. Beweisen kann ich ohnehin nichts.

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Pflanzen Sie jetzt noch keinen Basilikum!

Dieser Titel gehörte zu einer Garten-Kolumne, die es gestern in meiner Tageszeitung zu lesen gab. Die Autorin widmete sich zwar vorwiegend anderen gärtnerischen Themen, sprach jedoch am Schluss des Textes eine besserwisserische Warnung aus, es sei noch zu früh für Basilikum.

Dem muss ich jetzt mal ganz klar widersprechen. Gut gehegt und gepflegt wird so ein Basilikum die nächsten Wochen, die möglicherweise nicht mehr so derart sonnig und warm sein werden, wie die vergangene, überstehen.

Ich jedenfalls habe mir einen Basilikum gekauft. Und dieser wird nun in altbekannter Manier am Morgen durch die Wohnung getragen und vors sonnige Schlafzimmer-Fenster gestellt und am Nachmittag wieder zurück vors Wohnzimmer. Die Nächte wird er selbstverständlich unter meiner Bettdecke in der warmen Stube verbringen.

Sollte dieses Procedere wider erwarten keinen Erfolg bringen, so habe ich doch immerhin die Gewissheit, dass ich 1. bereits Basilikum ernten konnte und es mir 2. garantiert gelungen ist, meine Nachbarin zu ärgern.

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Beinahe zu spät bemerkt

Es dauerte eine nicht in Anzahl Tage zu fassende Weile, bis wir die Veränderung bemerkten.

Zuerst ist uns aufgefallen, dass das Auto immer vor der Haustüre steht. Dann haben wir geglaubt, sie schon länger nicht mehr gesehen zu haben. Auch das charakteristische Geräusch des Türschlosses hat auf sich warten lassen. Schliesslich haben wir uns eingebildet, es habe schon erfreulich lange nicht mehr gestunken im Treppenhaus.

Die Summe aller Erkenntnisse kann nur eines bedeuten: Unsere Nachbarn sind in den Ferien.

Das mögen wir ihnen von ganzem Herzen gönnen. Aber noch viel mehr uns und den anderen Bewohnern im Haus. Wo immer sie hin verreist sein mögen – hoffentlich halten sie es noch ganz, ganz lange dort aus.



Und nun noch zur Auflösung des Rätsels des gestrigen Beitrags. Es handelt sich, wie richtigerweise getippt wurde, um Käsebretter. Sauber gereinigt harren sie ihrer Verwendung. Entdeckt habe ich die Bretter aus Fichtenholz bei einer grossen Käserei auf dem Urnerboden, die den Aufschriften nach zu schliessen auch die Migros beliefert. In der Vollversion sieht das Bild so aus:

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Oder so:

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Wen es interessiert, hier finden sich einige Hinweise zu Käsebrettern und deren Pflege.

Die Polizei – dein Freund und Bedufter

Und da waren noch diese beiden Schroter (ein nicht gerade netter Begriff für “Polizist” hierzulande), die mitten auf der Strasse standen, als wir in den Ferien einen Ausflug in ein Seitental machten, und den Verkehr aufhielten. Der besorgte Blick meines innig geliebten Mitbewohners ging in Richtung Tacho. Er würde doch nicht schon wieder zu schnell gefahren sein…?

Der Mitbewohner liess die Scheibe runter und der Polizist erklärte in perfektem Französisch, das ich gerade noch so verstand, dass sie hier seien, um auf den “Rentrée” aufmerksam zu machen. Den Schulbeginn also. Erleichterung machte sich im Fahrzeuginneren breit, während der Polizist einen in Cellophan eingeschweissten Dufti reichte und uns eine gute Fahrt wünschte.

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In einem Anflug von Euphorie riss ich die Verpackung auf und befestigte das Männchen mit den Kinderaugen am Innenspiegel. Das war wohl etwas gar voreilig, wie ich kurze Zeit später reuevoll eingestehen musste. In der Westschweiz mag die Duftnote vielleicht als angenehm gelten, der Mitbewohner und ich aber befanden unisono, dass es stinke.

Zurück in der Ferienwohnung verpackte ich das duftende Mahnmal satt in einen Plastiksack, was es aber nicht davon abhielt, weiterhin – wenn auch etwas weniger aufdringlich – vor sich hin zu duften. Zum Wegwerfen war mir das Männchen viel zu schade. Zu Hause würde ich es im Treppenhaus aufhängen. Dort wird es wertvolle Dienste erweisen. Denn kein synthetischer Duft der Welt kann bekanntlich grässlicher stinken, als das, was zu der Wohnungstüre vis-à-vis herausmieft.

Wie oben erwähnt, ist „Schroter“ eine der vielen unrühmlichen Bezeichnungen für Polizist. Wie sagt ihr?

Du armer T(r)opf

Zuerst waren sie noch zu dritt. Vereint in ihrem Elend, dem Tode geweiht. Dann plötzlich waren von den drei Blumentöpfen nur noch zwei dort. Und schliesslich blieb noch einer. Mutterseelenalleine. Man kann mutmassen, dass seinen anderen beiden Kompagnons ein neues Zuhause gefunden hatten.

So wird das bei uns mitunter gemacht. Man stellt das, was man denkt, es könnte vielleicht noch jemand gebrauchen, zuerst mal neben die grossen Abfall-Container. Nimmt die Dinge – wahlweise Stühle, Matratzen oder in unserem Fall grosse Pflanzgefässe – niemand innert nützlicher Frist mit, so versieht man sie mit einer Abfallmarke und bei der nächsten Kehrichtabfuhr nehmen die Müllmänner sie mit.

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Zum allgemeinen Verständnis muss hier folgendes erwähnt werden: In den meisten Gemeinden der Schweiz gibt es zweierlei  Abfall-Gebühren. Die erste Gebühr wird unabhängig von der anfallenden Menge Abfall pauschal pro Wohneinheit erhoben. Die zweite in Form von kostenpflichtigen Abfallsäcken oder – wie im Fall von unserer Gemeinde – Abfallmarken, die man auf den Sack klebt oder auf das Ding, das nicht in einen Abfallsack rein passt.

Übrig blieb also nur noch ein Pflanzgefäss, das noch immer dort steht, wo es sein alter Besitzer deponiert hat. Nach über drei Wochen hat dieser wohl eingesehen, dass er um die Investition einer Abfallmarke nicht mehr herumkommt. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass einen Tag bevor die Müllabfuhr jeweils kommt, auf der Innenseite des Keramiktopfs eine rote Abfallmarke klebte. Am besagten Tag jedoch war sie nicht mehr dran. Der Abfallmarken-Dieb hat erneut zugeschlagen! Wie weit muss man sinken, dass man für weniger als zwei Franken eine solche Abfall-Marke abklaubt?

Hallo, ich bin’s, Ihr Nachbar!

Heute sei internationaler Nachbarschaftstag, sagte die Frau am Radio, und noch bevor sie ihren säuberlich vorbereiteten Satz zu Ende gesprochen hatte, stürmte ich aus der Wohnung. Das war die Gelegenheit! Wenn nicht jetzt, dann nie. Oder zumindest erst in einem Jahr wieder.

Ich läutete bei unseren Nachbarn. Voller überschwänglicher Freude wollte ich mich ihnen vorstellen. “Grüezi, ich bin Frau Flohnmobil und wohne seit kurzem im gleichen Haus wie Sie.” Die Frau bat mich ohne zu zögern herein, wohl etwas erstaunt ab dem Überfall, aber mit einer gewinnenden Art, die mir bewies, dass ich das Richtige tat. Sie offerierte mir einen Kaffee, stellte mich ihrerseits ihrem Mann vor und fragte sogleich nach wo denn mein Mann verbleibe.

Soweit die Theorie. In der Praxis muss ich wohl auch nach 18 Jahren weiterhin darauf warten, dass meine Lieblings-Nachbarn mal meinen Namen über ihre verkniffenen Lippen bringen.

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Die Wurzelbehandlung

Du musst das Übel an der Wurzel packen, sagte ich mir, und schritt zur Tat. Und das unverzüglich, hemmungslos und nahezu raumgreifend.

Es hatte mal wieder so erbärmlich gestunken in unserem Treppenhaus, dass Lüften alleine nur kurzzeitig Abhilfe schuf. Sobald die Wohnungstüre zum besagten Loch wieder aufging, würde die Stinkerei von vorne beginnen. Also begann ich – und das nicht zu knapp – mit meiner olifaktorischen Gegenwehr. Die Duftnote mag nicht jedermanns Geschmack entsprechen, aber sie ist von edler Abstammung, stammt sie doch aus dem Lande des Goldschätzchens. Und bekanntermassen vertreibt sie schlechte Gerüche. Leider nur die Gerüche und nicht deren Verursacher.

Immerhin weiss man nun, wonach es bei uns im Treppenhaus stinkt riecht.

Wunderbar, da abschliessbar

Ein Vorhängeschloss erfüllte in der Vergangenheit in erster Linie den Zweck, etwas unter Verschluss zu halten. Ob es nun an einer Schatztruhe, einem Koffer oder, wie im vorliegenden Fall, an der Türe eines Kellerabteils hängt. Erst seit diese vermaledeiten Liebesschlösser allenthalben Brückengeländer verunzieren, sind Vorhängeschlösser von ihrem eigentlichen Zweck abgekommen.

Nicht so in unserem Hause! Da dienen sie – im engeren wie weiteren Sinne des Erfinders – dazu, die Kellerabteile geschlossen zu halten. Hier ein kleiner, unvollständiger Querschnitt durch unser Mehrfamilienhaus:

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Es ist unschwer auszumachen, dass nicht alle Bewohner unseres Hauses die gleichen Vorstellungen eines verschlossenen Kellerabteils haben. Während die einen das Vorhängeschloss nur lose einhängen – ein krummer Nagel oder dergleichen würde ähnlich gute Dienste verrichten – geben sich unsere Lieblingsnachbarn mal wieder besonders vorsichtig. Sie umwickeln ihr Zahlenschloss zusätzlich mit Klebstreifen. Damit ja niemand auf die Idee kommt, hier Hand anzulegen!

Früher oder später werde ich der Versuchung nicht mehr länger widerstehen können, ein paar Tröpfchen Sekundenleim in das Schlösschen zu träufeln. Damit es ganz bestimmt nicht von selbst aufspringt.

Die Stinkbombe

In unserer Nachbarschaft haben wir ein duftendes Problem. Man könnte das Problem auch als Stinkwolke bezeichnen, was der Realität ziemlich nahe käme. Die Wolke kommt – wie schon mal hier beschrieben – aus der Nachbarwohnung. Jedes Mal, wenn dort ein Fenster oder die Balkontüre aufgeht, meldet meine Nase höchste Alarmstufe. Es stinkt zum Himmel; jeder Gülletrog ist ein Veilchenmeer dagegen. Und die Freiluftsaison trübt so ein geöffnetes Nachbarfenster ganz empfindlich.

Als wir kürzlich draussen beim Frühstück sassen und wieder eine dieser üblen Stinkwolken daher kam, hatte mein innig geliebter Mitbewohner DIE IDEE: Wir konstruieren uns eine Duftschleuder. Jedes Mal, wenn bei den besagten Nachbarn ein Fenster aufgeht, setzt ein Automatismus eine Gegenduftschleuder von 4711 frei. Zielgenau und in der richtigen Konzentration angewendet, würden sich unsere Aussichten auf einen ungetrübten Sommer schlagartig vervielfachen. Dumm nur, dass es hierzulande für ein Konstrukt, wie es dem Mitbewohner vorschwebt, nicht ohne Baubewilligung geht.

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Lautstark

Besonders musikalisch war ich noch nie. Sieht man mal davon ab, dass ich – wie so mancher Teenager – seinerzeit meine Eltern mit der immer gleichen Musik aus dem Plattenspieler in den Wahnsinn trieb. Auch im persönlichen Mittelalter brauche ich keine Dauerbeschallung, um mich wohl zu fühlen. Ein Instrument zu erlernen, das war mir aus verschiedenen Gründen nicht vergönnt. Übers Xylophon mit den knallbunten blechernen Plättchen hinaus habe ich es nie gebracht.

Wenn ich nun aber sehe was in unserem Wohnhaus zwei Stockwerke über unseren geplagten Ohren abgeht, bin ich vielleicht ganz froh, dass ich nie ein Musiknstrument erlernt habe. Welches Instrument dort oben gespielt wird, kann ich nicht schlüssig sagen, irgend eine Guge muss es sein. Und mag diese Guge auch auf einem recht anständigen Niveau bepustet werden, so bleibt sie in erster Linie einfach nur ein Ärgernis. Ob Trompete, Posaune oder was auch immer, ich kann dieser Tuterei nur einen Vorteil abringen: Mäuse und ähnliche Plagegeister wird es in unserem Haus nicht mehr geben, solange dieser Musiker an der gleichen Adresse wohnt.

Vielleicht wäre das die Lösung für Frau Müller, die sich mit ähnlichen Problemen herumschlägt: Einfach neue Nachbarn organisieren.