Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Südtirol

Eine Bombe platzen lassen

Es gibt verschiedene Arten von Skifahrern. Die einen laufen zur Höchstform auf, wenn sie Pulverschnee unter den Skiern haben, die andern erst, wenn sie die Skier abschnallen.

Ohne Zweifel, meine Stärke liegt nicht im Après-Ski. Ich mache mit meinen Carving-Schwüngen die bessere Falle als an einer Schneebar hängend. Nichts desto trotz musste ich in den Ferien im Südtirol auch mal so eine Flüssigbombe bestellen.

Darf ich vorstellen: B o m b a r d i n o

20180201_144528

Wer die süsse Bombe nicht kennt, dem kann HIER geholfen werden.

Advertisements

Kiosk im Schnee

Ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen. Zuerst sah ich das schneebedeckte Hüttchen nur vom Sessellift aus. Diese Erscheinung – konnte es wirklich wahr sein? – musste ich aus der Nähe betrachten.

DSC09180

Tatsächlich! Ein Kiosk mitten im Skigebiet. Nicht etwa in der Nähe einer Bergbahn, sondern im Nirgendwo am Pistenrand. Wer wohl dort etwas von diesem Kitsch kaufte? Ich jedenfalls nicht, aber der Kiosk mit seinem illustren Sortiment trug sehr zu meiner Erheiterung bei.

DSC09180

Und sogleich wurden Erinnerungen wach an den Streich, den Kurt Felix in “Verstehen Sie Spass” mit Reinhold Messner gespielt hatte. Ich sag nur: Kiosk am Matterhorn.

 

 

Skifahren in der Komfortzone

“Das gitt’s nu bim Dähler.” Es war kein Geringerer als der Carchauffeur, der dies zwischen zwei Bissen Berliner verkündete. Das liess mich aufhorchen. Und nachdenklich werden. Wenn es tatsächlich stimmte, was ich da hörte, konnte ich mich “von” schreiben, mit dieser Gruppe unterwegs zu sein.

Sogleich machten Schauermärchen die Runde von Gruppen mit zwanzig oder mehr Teilnehmern und einem einzigen Skiguide. Was für eine fürchterliche Vorstellung! Ständig warten bis endlich alle neunzehn wieder da sind. Das hätte für mich wenig mit Skifahren zu tun.

Unsere Reisegruppe bestand aus total zwanzig Teilnehmern, von denen sich fünf selbständig auf die Piste wagten. Die restlichen teilten sich auf zwei Skiguides auf. Da blieben theoretisch 7,5 Skifahrer pro Rudelführer. In der Praxis waren es dann in unserer Gruppe anfangs fünf, nach zwei Tagen noch vier Skifahrer, die dem rot gewandeten Sepp hinterher fuhren. Wir waren eine tolle Truppe, die sich gut verstand und auf ähnlich hohem Niveau fuhr.

Und nun ist es wohl an der Zeit, ein kurzes Resumé zu ziehen. Für mich war diese Art von Skifahren – wie so vieles in den vergangenen Monaten – Premiere. Und zwar eine total geglückte. Es ist sehr entspannend, am Morgen nur in den Bus einzusteigen und sich ganz faul an den Ausgangsort fahren zu lassen. Ebenso entspannt ist es, in einem gänzlich unbekannten, mitunter riesigen Skigebiet nur darauf achten zu müssen, dass man den Skiguide nicht aus den Augen verliert. Und auch sehr gediegen ist die Tatsache, dass der Skiguide (seines Zeichens zwar Skilehrer, aber ohne uns Unterricht zu erteilen) rechtzeitig in einer schönen Berghütte einen Tisch reserviert und man so einen allfälligen Volksaufmarsch elegant umschiffen kann.

Ich werde wieder mit Dähler reisen! 

DSC09179

Das hatte ich so noch nie gesehen: Vertiefungen im Boden der Gondelbahn, in die man die Skis reinstecken konnte.

Man nennt es Winter

Auch wenn die vergangenen Tage aussergewöhnlich warm waren, es ist immer noch Winter. Und dazu gehört mitunter etwas Schnee.

Das mussten auch wir im Südtirol erfahren, wo es in den höheren Lagen seit gestern rund 30 cm geschneit hat.

DSC09176

Aber ohne Schnee keinen Schneemann. Und auch keine frisch verschneiten Bäume.

DSC09183

Ganz zu schweigen vom Pulverschnee auf der Piste, der mir immer sympathischer bleiben wird, als jede einzelne “Flocke” aus der Schneekanone.

DSC09185

Und der Aha-Effekt, wenn es dann im Verlauf des Tages doch noch etwas auftut, bliebe auch gänzlich aus.

DSC09189

Ins Skigebiet am Kronplatz muss ich unbedingt nochmals hin. Alleine schon der verpassten Aussicht wegen.

DSC09190

Auf Safari

Frau Flohnmobil ist auf Safari. Zwar nicht auf Grosswildjagd, obschon es schon Sichtungen von Gämsen und Hirschen gab, aber auf Skisafari.

Eine Skisafari im Südtirol beinhaltet im wesentlichen ein mehr oder weniger zentral gelegenes Hotel, einen Reisebus und einen Skipass für eine immens grosse Region mit zahlreichen Skigebieten, die sich unter dem Begriff Dolomiti Superski zusammengeschlossen haben. 459 Anlagen und 1181 km Pisten, so steht es jedenfalls im Internet.

Das Herzstück ist die Sellaronda. Diese Rundtour um den Sellastock kann von verschiedenen Ausgangspunkten aus in Angriff genommen werden. Gute Skifahrer schaffen die 40 km lange Tour über vier Dolomiten-Pässe locker. Sehr gute Skifahrer können es sich sogar erlauben, einen nicht idealen Einstieg zu wählen, der ihnen ein paar zusätzliche Pistenkilometer beschert. Diese Variante hat übrigens unser Grüppchen gewählt. Knackpunkt der ganzen Runde ist nicht die Länge der Abfahrten, sondern die Zeit, die man in den Bahnen vertrödelt. Obschon – die Bahnen sind häufig auf dem neusten Stand und es gibt kaum Wartezeiten.

Eine solche Skirunde wäre allerdings auf eigene Faust kaum zu schaffen. Man müsste wohl ständig das Plänchen konsultieren oder Wegweiser suchen. Doch dafür haben wir ja unseren Skiguide Sepp. Ein Unikum, der Alle und Alles hier kennt und mit allen verschwägert oder zumindest befreundet zu sein scheint.

Alles in allem bin ich tief beeindruckt von dem, was ich auf der grossartigen Sellaronda angetroffen habe.

DSC09124DSC09125DSC09131DSC09137DSC09141DSC09143DSC09148DSC09149DSC09151

Link zu Dolomiti Superski

Auf der anderen Seite der Berge

Man mag als Schweizer(in) geneigt sein zu glauben, die eigenen Berge seien die einzig wahren Berge. Als Folge dessen mag man geneigt sein zu glauben, dass Skifahren auch nur im eigenen Land möglich und richtig sei.

Touristikfachleute mögen diese Aussagen mögen. Aber sie stimmen nicht. Ganz wunderbare Berge gibt es in so manchem Land. Immerhin spannt sich alleine schon der Alpenbogen über sieben Länder. Ganz zu schweigen von weiteren Gebirgsmassiven in Europa, von denen ich insbesondere die Pyrenäen relativ gut kenne.

Nun lerne ich ein mir bekanntes Gebirgsmassiv in einer anderen Jahreszeit kennen. Und ich muss sagen, was ich bis jetzt von diesen Skipisten in den Dolomiten gesehen habe, lässt mein verwöhntes Skifahrer-Herz durchaus aus dem Takt geraten.

Skigebiet Gitschberg

DSC09108

DSC09110

Skigebiet Obereggen

DSC09112

DSC09113DSC09117DSC09118DSC09120

Staub mit Erinnerungs-Potential

Immer, wenn ich ihnen begegne, und das ist immer, wenn ich abstaube, also eigentlich eher selten, erinnern sie mich an eine meiner längsten, schönsten, aber auch anstrengendsten Bergwanderungen.

Diese Wanderung hätte gar nicht so lang werden sollen. Wir waren auf dem Heimweg von einer Reise aus Kroatien und Slowenien und machten mit dem Wohnmobil einen Abstecher ins Südtirol. Bei Einheimischen, die vor einer bewirteten Alphütte bei Ponticello sassen, erkundigten wir uns nach einer etwa fünfstündigen Wanderung. Diese gaben uns frohgemut den Tipp, doch den 2’810 m hohen Seekofel zu besteigen.

Zu früher Morgenstunde stiegen wir los, denn es versprach, ein heisser Tag zu werden. Wir kamen vorbei an Almen, auf denen nicht nur Kühe, sondern auch Pferde weideten. Was für eine Idylle! Und als ob es nicht schon kitschig genug gewesen wäre, wuchsen auf der ganzen Wiese Edelweisse. Soviel übrigens zum Thema “Edelweiss in steiler Bergeswand”. Dieser Mythos gehört ins Zeitalter der Louis-Trenker-Filme.

Bild 073

Bild 083

Nicht erst auf dem Gipfel merkten wir, dass wir den Zeithorizont überschreiten würden. Dank den gut markierten Wegen und dem makellosen Wetter war das aber kein Problem.

Bild 082

Im Rifugio Biella gönnten wir uns Speis und Trank. Neben uns sassen Deutsche, die mit dem Feldstecher durchs Panorama linsten. “Wenn mich nicht alles täuscht, stehen dort drüben die Drei Zinnen”, hörten wir vom Nebentisch. “Die sieht man nicht von hier aus”, knurrte ich mehr zu mir selber zwischen zwei Happen. Der Mitbewohner jedoch, der konnte diese Abänderung der Bergwelt nicht so im Raum stehen lassen und sagte laut und unüberhörbar: “Meine Frau hat gesagt, das seien nicht die Drei Zinnen. Und sie muss es wissen, schliesslich war sie auf allen drei oben.” Schwang da ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit? Na jedenfalls musste ich nachher Auskunft geben, was mir eher peinlich war. Es war und ist nicht meine Art, mit derartigen Leistungen anzugeben.

Erst als wir weitergingen, konnten wir im Dunst das berühmteste Dreigestirn der Dolomiten ausmachen.

Bild 085

Unsere Wanderung indes war noch nicht zu Ende. Längst hatten wir herausgefunden, dass mit den fünf Stunden Wanderzeit lediglich der Hinweg auf den Gipfel gemeint war. Wir kamen auch im Abstieg an Wiesen vorbei, die vor Edelweissen nur so strotzten. Drum erlaubte ich mir, vier der geschützten Pflanzen zu pflücken. Ich weiss, dass man das nicht soll, aber die Kühe latschten ja auch geradewegs über diese raren Blümchen.

Nach acht ereignisreisen, aber auch reichlich ermüdenden Stunden waren wir wieder zurück beim Ausgangspunkt, wo unser Wohnmobil artig auf uns wartete.

Bild 086a

Die vier Edelweisse, die ich nach alter Väter Sitte zwischen zwei Buchdeckeln getrocknet hatte, sind in der Zwischenzeit reichlich verblasst. Trotzdem haben sie nach acht Jahren noch ihren festen Platz in unserer Wohnung. Und auch wenn der Mitbewohner meint, ich solle die Staubfänger endlich liquidieren, von diesem Souvenir mag ich mich nicht trennen.

Bild 016