Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Berge

Beschildert geschildert (99)

 

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Aber ja doch! Immer wieder gerne!

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Bei Ovronnaz im Unterwallis

 

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Piz Bernina  / Oberengadin

 

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Lofoten / Norwegen

 

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Samnaun / Graubünden

 

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Pyrenäen

Die 3-PS-Wanderung

“Wie lange dauert die Wanderung”, wollte meine Freundin T. wissen. “Viereinhalb Stunden? Gut, dann muss ich drei Paar Socken mitnehmen.” T. ist mit fürchterlichen Füssen ausgestattet. Ich krieg Schmerzen, wenn ich ihre Füsse nur schon ansehe. Und sie muss mit ihren weit abstehenden Hallux, Hammerzehnen und was dort unten sonst noch krumm ist, durchs Leben gehen. Da T. gerne wandert und dies – so nebenbei bemerkt – die einzige Sportart ist, die sie betreibt, musste sie sich allerhand einfallen lassen, damit Wanderungen für sie und ihre Füsse überhaupt erträglich sind. Eine der Massnahmen sind trockene Socken. Und so verläuft eine Wanderung mit T. immer so, dass nach allerspätestens zwei Stunden ein Sockenwechsel angesagt ist.

Soweit zu den Begleitumständen der gestrigen Wanderung. Ausgangspunkt für unser Unterfangen war Weisstannen, ein enges Tal, von steilen Flanken umgeben. Im Winter wird das Weisstannental gerne von Eisfall-Kletterern heimgesucht, im Sommer von fitten Wanderern. Bergbahnen sucht man hier vergebens. Egal für welche Route man sich entscheidet, sofern man nicht nur der Seez entlang läuft, geht es immer steil bergauf. Der Aufstieg unserer Wanderung ist weder für Angsthasen noch Herzkranke geeignet.

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Erster Zwischenhalt bei einer Alphütte. Die Wegweiser sprechen eine deutliche Sprache: An Arbeit fehlt es auch im Weisstannen-Tal nicht.

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Nicht überall geht es so geruhsam bergauf. Wir fanden immer wieder Zeit, die herrliche Alpenflora zu bewundern und uns reife Erdbeerli in den Mund zu stopfen.

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Beim Rappenloch, einem Aussichtspunkt, fanden wir diese sympathische Tafel an der Alphütte vor:

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Aus der Schafsperspektive sieht das Rappenloch so aus:

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Bei den beiden Bänkli und dem Gipfelkreuz beim Horn gab es nicht nur eine ausgedehnte Mittagsrast, sondern auch Sockenwechsel.

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Danach wird das Gelände etwas flacher. Bei den in der Bildmitte sichtbaren Alphütten von Vordersäss beginnt der Abstieg. Schon bei den ersten Bäumen sahen wir ein regelrechtes Dorf von Fliegenpilzen. Wenige Meter weiter war alles gelb übersät von Eierschwämmen. Im Nu hätten wir unsere Rucksäcke füllen können – wäre da nicht die Schonzeit, die es zu beachten galt.

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Der Abstieg ist zwar nicht viel weniger steil als der Aufstieg, jedoch wesentlich besser unterhalten, da der Weg auch von den Sennen auf der Alp benutzt wird und das Vieh dort hochgetrieben wird.

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Steil, mitunter sogar in den Fels gehauen, verläuft der Weg. Bei Vorsiez lohnt sich ein Abstecher in die Alp Siez, wo Speis und Trank erhältlich sind – und man vorzüglich Socken wechseln und seine malträtierten Füsse unter dem Tisch versurren lassen kann.

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Meine Befürchtungen, der Rest des Weges würde nur noch ein monotones Gelatsche sein, bewahrheiteten sich nicht. Im Gegenteil, der Weg ist schön angelegt und meist ist der rauschende Bergbach in Sichtweite.

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Uns hat’s gefallen. Wir waren 5 Stunden unterwegs, haben 900 Höhenmeter gemacht und knapp 12 Kilometer – und zweimal Socken gewechselt.

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Wo Männer noch treu sind

Ein Bergführer, mit dem wir vor Jahren einige Skitouren unternommen hatten, sagte mal, es sei verheerend. Mit jedem Gipfel, den man erklommen hätte, sähe man hundert neue Ziele. Auch wenn mein innig geliebter Mitbewohner und ich bei weitem nicht auf jeder Wanderung auf einen Gipfel gelangen, so hat diese Aussage doch ihre Richtigkeit, stammt doch die Idee zur gestrigen Tour von einer Wanderung, die wir vor gut einem Jahr gemacht hatten.

Die Voraussetzungen waren ziemlich ähnlich, war es doch damals auch backofenheiss in den Niederungen. Ergo: Flucht nach oben. Wir starteten kurz vor neun Uhr in Äugsten und genossen es, den steilsten Teil des Aufstiegs im Schatten zu gehen.

Die Aussicht – hier zum Glärnisch-Massiv – war nicht zu verachten. Von der tollen Flora ganz zu schweigen. Diese war mit ein Grund, weshalb wir hier nochmals eine Wanderung unternommen haben. Von Alpenrosen über Enzian, Feuerlilien, Türkenbund blühte alles verschwenderisch. Kein Wunder, auf Äugsten weiden keine Kühe und es wird nicht gemäht, die Pflanzen können sich ungehindert versamen.

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Für den Inbegriff aller Alpenblumen, das Edelweiss, mag es noch etwas zu früh gewesen sein, aber Männertreu haben wir in Hülle und Fülle angetroffen. Somit wäre auch der Titel dieses Beitrags erklärt. *räusper*

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Unser Ziel waren die Fessis-Seeli. An diesem Idyll, auf 2’200 m, gelegen konnte ich mich kaum satt sehen.

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Deshalb hier nochmals ein Bild mit den Glarner Alpen vom Hausstock über den Tödi bis zum Glärnisch im Hintergrund.

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Und wie herrlich angenehm die Temperaturen waren! Dennoch mussten wir früher oder später wieder zurück in den Backofen. Hier sieht man einen Teil des Abstiegs bis zu der in Bildmitte gelegenen Alp auf Ober Fessis.

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Der Weg ist gut ausgeschildert, auch wenn wir im Folgenden die Erfahrung machen sollten, dass die komplette Rundtour nicht so häufig unternommen wird.

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Unterwegs trafen wir die Senner-Familie, die im Begriff war, die oberste Weide einzuzäunen.

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Über diese Brücke? Nicht mit mir! Der Mitbewohner meinte zwar, sie hätte gehalten, ging aber gleichwohl rechts daneben vorbei.

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Der Weg vom Sooler Achseli zurück nach Äugsten ist nichts für Angsthasen. Wohl ist er gut unterhalten, mitunter aber etwas gar luftig.

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Kurz vor Erreichen der Seilbahn sahen wir eine Gruppe von “Heugümper-Verschreckern” wie der Mitbewohner die Leute nannte, die auf der Suche nach Tagfaltern waren. Über 40 verschiedene Arten haben sie entdeckt, fotografiert und wieder entschweben lassen.

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Total sind wir knapp 5 Stunden gewandert, eher gemütlich wegen der Hitze im zweiten Teil. Es galt, 950 Höhenmeter zu bewältigen und 10,5 km. Eine lohnende Sache, die ich jedem trittsicheren Bergseeli-Fan empfehlen kann.

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Auf der Sumpftour

Ist von einer Sumpftour die Rede, versteht man hierzulande eine Sauftour. Von Kneipe zu Kneipe bzw. von Beiz zu Beiz, wie ein Restaurant in der Schweiz volkstümlich genannt wird. Ein Besäufnis, wie und wo auch immer, liegt meinem innig geliebten Mitbewohner und mir fern. Zu einer Sumpftour ist es dennoch vor kurzem gekommen. Allerdings gänzlich alkoholfrei.

Den Chli Aubrig kann man von der Sattelegg aus auf zwei Varianten angehen. Wir entschieden uns für den Weg über Wicherten, wussten wir doch zum damaligen Zeitpunkt noch nicht, ob wir den Hoger nach dessen Besteigung gleich noch umrunden würden.

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Das taten wir dann tatsächlich, weil a) das Wetter immer schöner wurde und wir b) nur wenn es sich gar nicht anders machen lässt auf dem Hin- und Rückweg den gleichen Weg laufen.

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Schon die Karte hatte erahnen lassen, dass es im Gebiet von Unter Alten etwas feucht werden könnte. Dass es allerdings soooooo nass sein würde, übertraf unsere kühnsten Vorstellungen.

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Als Entschädigung für die Sumpftour kamen wir in den Genuss von herrlichen Blumenwiesen.

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Glücklicherweise fanden wir kurz vor dem Parkplatz einen Brunnen, aus dem momentan garantiert keine Kühe saufen. So konnten wir mit etwas Handarbeit unsere Schuhe vom gröbsten Schmutz befreien. Bei eingehender Betrachtung stellte sich heraus, dass nicht nur die Wanderschuhe etwas gelitten hatten, sondern auch unsere Hosen. Da diese eigentlich frisch gewaschen waren, schlug der Mitbewohner vor, daheim den untersten Teil der Hosen “echli z’tünkle”. Was so viel heisst, wie “etwas ins Wasser tauchen”. Ich schaute an mir herab und musste ziemlich ernüchtert feststellen, dass der besagte unterste Teil meiner Hose im gegebenen Fall bis ziemlich weit hinauf reichte. Viel wäre da nicht mehr trocken geblieben.

Gesunde Bergluft

Kürzlich stand in der Zeitung zu lesen, dass ein findiger Brite Landluft aus Wales, Somerset und Dorset in Flaschen abgefüllt und an reiche Chinesen in Peking und Shanghai verkauft habe. Die von Smog geplagten Chinesen hätten innert kürzester Zeit 180 Flaschen gekauft. Zum stolzen Preis von rund 120 Franken. Pro Flasche! Und zum Chinesischen Neujahr offerierte der clevere Geschäftsmann sogar eine Geschenkpackung mit 15 Flaschen zum Schnäppchenpreis von rund 1’300 Franken.

Diese Geschäftsidee muss ich mir unbedingt merken, sollte ich demnächst mal wieder Skiurlaub planen. Wenn ich nämlich meine sämtlichen verfügbaren, leeren Konfitürengläser mit ins Gepäck nehme und sie mit hehrer Luft fülle, kann ich mir selbst einen mehrwöchigen Aufenthalt in einem so prominenten Skiort wie St. Moritz oder Zermatt leisten. Auf Bergluft aus den Schweizer Alpen stehen die Chinesen doch sicher mehr als auf britische Luft.

Ideen braucht der Mensch…!

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Versöhnung

Schon ein einziger, von der Morgensonne erleuchteter Berggipfel versöhnt uns mit allem, was in der Ebene darniederliegt.

Woher dieser Spruch stammt, weiss ich nicht. Aber er gefiel mir damals so gut, dass ich ihn auf die vorderste Seite meines Bergsteiger-Tagebuchs schrieb, in dem ich in meiner Jugend sehr gewissenhaft die ersten Jahre meiner bergsteigerischen Aktivitäten festhielt.

Der Spruch gefällt mir zwar immer noch, auch wenn ein einziger Berggipfel nicht mehr ausreicht, um mich mit dem zu versöhnen, was in den Niederungen des Alltags abgeht. Heute jedoch, heute war ich für einmal wieder milde gestimmt ab dem Anblick der verschneiten Gipfel im Morgenlicht.

Vergessen war die schreckliche Anfahrt auf der schneebedeckten Autobahn, die meine Nerven blank scheuerte.

Auch der Anblick des Thermometers brachte mich nicht aus der Fassung. Bei minus 20 Grad war die Nadel unseres Flachländer Thermometers am Anschlag, vielleicht war es sogar noch kälter heute morgen.

Mein absoluter Lichtblick dieses eisig-kalten Januartages: endlich wieder mal anständig Skifahren! Auf dem, was ich mal als Unwort des Jahrhunderts deklariert habe. Auf Naturschnee!

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Die Wetterprognose

Bis man dieses Panorama zum nächsten Mal bewundern kann, dürften einige Tage vergehen.

Und die Farbenpracht wird eine andere sein.

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Der letzte Spaziergang vor dem Winter.

Mein treuer Begleiter

Er hat mit mir zusammen eine sehr erfolgreiche erste Wandersaison absolviert, das darf man ohne rot zu werden sagen. Treu war er, sehr treu. Genau genommen machte er keinen Schritt ohne mich.

Er war dabei auf zahlreichen Wanderungen in diesem heissen, trockenen Sommer.

So beispielsweise auf der blumenreichsten Wanderung, an die ich mich erinnern kann.

Oder auf der dreitägigen Wanderung auf den Spuren der Walser.

Auch in der Mitte der Schweiz liess er mich nicht im Stich.

Furore machte er auch auf dem atemberaubenden Maderanertaler Höhenweg.

Selbst im mondänen Arosa scheute er sich nicht, eine tragende Rolle zu übernehmen.

Auf der vermutlich letzten “richtigen” Wanderung dieses Jahres, die uns heute von Jakobsbad über die Hundwiler Höhe nach Appenzell führte, konnte er nochmals alle seine Qualitäten ausspielen. Mein feuerroter Rucksack.

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Auf den Spuren eines Zimmermanns

Es ist ja nicht so, dass wir nicht eigene Ideen hätten. Aber wenn wir auf einen Wandervorschlag stossen, der uns nachwandernswert erscheint, nehmen wir ihn dankbar an.

So fuhren mein innig geliebter Mitbewohner und ich – für einmal mit Postauto, Zug und nochmals Postauto bis nach Tschiertschen. Der Mitbewohner hatte in grauer Vorzeit dort mal an einem Skirennen teilgenommen, ich war noch nie in diesem Bündner Kaff gewesen.

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Der Anfang der Wanderung verlief recht steil im schattigen Ruchtobel. Dort trafen wir immer wieder auf Stationen des Füxliwegs, der grosse und kleine Kindsköpfe gleichermassen begeistern dürfte. Auch ein paar einsame Pilze sahen wir, sie animierten uns jedoch nicht zum sammeln, am allerwenigsten die drei total vermadeten Steinpilze, die im Gras so verheissungsvoll hervor lugten.

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Oberhalb der Alp Löser müssen wir den einen und entscheidenden Wegweiser glattweg übersehen haben. Jedenfalls führte der Weg zu lange praktisch 180 Grad in die falsche Richtung. Statt wie unser Vorbild Zimi über den Carmanna-Pass, strebten wir halt der Ochsenalp zu. Was so gänzlich daneben auch wieder nicht war. Sonst hätten wir weder dieses Wasserfällchen (das nach Niederschlägen deutlich imposanter sein dürfte)

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noch diese Aussicht

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und auch diese Mondlandschaft oberhalb Arosa

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nie gesehen.

Der Mitbewohner und ich waren uns einig, dass dies wahrscheinlich die landschaftlich schönere Variante war, um in etwa 4 1/2 Stunden von Tschiertschen nach Arosa zu wandern.

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Panor-AAAAH-ma!

Der Anblick morgens aus dem Hotelfenster hätte mich beinahe umgeworfen. An dem Spruch “Morgenstund hat Gold im Mund” ist definitiv etwas dran.

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Während wir gemütlich losmarschieren, hatte ich ausgiebig Gelegenheit, die Engstlenalp zu bewundern. Gestern war mir im strömenden Regen der Sinn nicht so danach gestanden.

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Auch war schon fast der ganze Aufstieg unseres Wegs in die Planplatten sichtbar. Ortskundigen Lesern wird nun auffallen, dass wir ein etwas halbstündiges Wegstück den gleichen Weg zurück gehen mussten, wie wir gestern gekommen waren. Bei diesem Wetter wahrlich kein Müssen.

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Und nochmals hatten wir ausgiebig Gelegenheit, die Obwaldner Kühe zu bewundern. So viele Kühe und Rinder wie in den letzten drei Tagen haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Es müssen weit über Tausend gewesen sein. Gerüchten zufolge sollen die Rindviecher hier schöner sein als die Einheimischen. Und noch mehr Subventionen erhalten.

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Durch diese Flanke führt der gut angelegte Weg.

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Die Nähe zum Tourismusgebiet Meiringen-Hasliberg mit seinen geöffneten Seilbahnanlagen war unverkennbar. Die Wanderer wurden zahlreicher. Ab Planplatten fädelten wir auf den Panoramaweg zur Käserstatt ein.

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Die Blumen am Weg waren nicht mehr sehr zahlreich und bestenfalls noch dort als üppig zu bezeichnen, wo nie Kühe geweidet hatten.

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Ab Käserstatt erlaubten wir uns den Luxus, mit der Gondelbahn runter zu fahren. Weiter ging es ein kurzes Stück mit dem vollen Postauto zum Brünigpass.

Wir waren drei Tage lang je etwa fünf Stunden gewandert. Hatten uns einmal mehr an unserem schönen Land erfreut, die frische Bergluft eingeatmet, die Aussicht bewundert, die kühleren Temperaturen genossen. Dieser Erinnerung würde eine Weile hinhalten müssen, denn seit unserer Rückkehr vor drei Tagen hocken wir nur noch im aussichtslosen Backofen.

Teil eins der Wanderung ist HIER nachzulesen. Und HIER Teil zwei.