Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Kein Gassi mehr

Es sind weit mehr als 700 Kilometer, die uns von der Provence trennen. Es sind Welten. In vielerlei Hinsicht. Wir haben sie genossen, diese Wochen der Beschaulichkeit in dem grossen Landhaus am Waldrand. Wir haben den Pool genossen, die Stille, die quirligen Märkte, den Sternenhimmel, die Velotouren ohne Winterwäsche, das gute Essen, die Wärme. Und natürlich das Goldschätzchen, das uns – trotz seiner mannigfaltigen Marotten – sehr ans Herz gewachsen ist.

Wir  hätten es durchaus noch länger ausgehalten. Aber zu Hause ist es ja irgendwie auch schön. Einfach anders. Mit ganz anderem Aufgaben und Möglichkeiten, anderem Tagesablauf und Prioritäten. Der Hund zum ausführen fehlt. Und damit die Motivation, sich nach dem Abendessen nochmals aus dem Haus zu begeben. Dabei haben diese Gassi-Runden nicht nur dem Goldschätzchen gefallen.

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Differenzen

Es duftet anders.

Die Geräuschkulisse? Kein Vergleich!

Man hat wieder Zeit, sich mit jeder Fliege einzeln auseinanderzusetzen.

Gemüse gibt’s nur noch im Supermarkt.

Unser altes Brot müssen wir wieder selber essen.

Die Aussicht auf Aussicht ist eher bescheiden.

Und auch wenn ich den beiden Gockeln mitunter am liebsten den Hals umgedreht hätte,
selbst die wünschte ich mir herbei.

Gute Besserung!

Sehr geehrte Frau Doktor

Ich habe heute Fenster geputzt.

Meinen Sie, ich werde wieder ganz gesund?

Freundliche Grüsse
Ihre Frau Flohnmobil

Gegensätze

Die Geborgenheit unserer Wohnung gegen das riesige Haus in der Provence.

Unsere paar Quadratmeter Garten, auf denen mehr Unkraut wächst, als auf dem gesamten Areal unseres gesitteten Hauses mit seinem perfekt manikürierten Rasen und den wie mit einer Schablone geschnittenen Hecken.

Die eigene Küche, die, obschon wesentlich kleiner, halt eben meine Küche ist. Mit einer gut sortierten Besteckschublade statt einer unübersichtlichen Ansammlung von Küchenhelfern, mit denen ich nichts anzufangen wusste (Austernstecher, Schneckenzange).

Am Freitagnachmittag noch im T-Shirt Kaffee in der Sonne getrunken, keinen Tag später viel, viel Schnee von viel zu nah gesehen.

Das Tränchen, das ich wegwischen musste, als ich mich vom Goldschätzchen verabschiedete. Und doch war ich irgendwie erleichtert, Conrad wohlbehalten los zu werden.

Der Schuhkasten, in dem die aus Frankreich zurückgebrachten Flip-Flops ziemlich weit unten verstaut wurden.

Die Kaffeemaschine, die auf Anhieb genau das produziert, was ich mir unter Kaffee vorstelle.

Die diversen Wintersport-Kataloge, die schon ins Haus geflattert sind, während ich geistig noch nicht mal im Herbst angelangt bin.

Das gechlorte, aufbereitete Wasser Südfrankreichs gegen unser herrlich frisches Quellwasser.

Die Freunde wieder in der Nähe und nicht nur am Computerbildschirm.

Die Temperaturen. Brrrrrh!!!

Der Herbst hat auch in der Provence Einzug gehalten. Gestern um 6.00 Uhr mussten wir – wer hätte das gedacht – eine hauchdünne Schicht Eis von der Autoscheibe abkratzen, bevor wir den Heimweg antreten konnten.

Eine Daumenbreite entfernt

Es musste sein, auch wenn es keinen Spass machte: Die Fahrt durch ganz Deutschland. Nach unserem Housesitting in Schweden, den zwei Tagen in Rügen, die wir so schnell wie möglich aus unserem Gedächtnis streichen und den paar Tagen in der Mecklenburgischen Schweiz traten wir den Heimweg an.

600 Kilometer bis nach Nürnberg. Drei Tage durchschnaufen bei unseren geschätzten Freunden Gabi und Erhard, gestern dann die letzten gut 400 Kilometer. Der ständigen Drängelei auf der Autobahn überdrüssig wählten wir ab Ulm den Weg über die Bundesstrasse. Mit Navi sollte das doch möglich sein, sagten sich mein innig geliebter Mitreisender und ich. Sollte, denn obschon unser Auto erst ein Jahr alt ist und die Navi-Software dementsprechend auch nicht viel älter sein kann, kannte Madame nicht alle Strassen. Wie viel Umweg uns das gekostet hat, wollen wir gar nicht wissen. Doch als uns irgendwo in der Region Sigmaringen gleich zwei LKWs mit Appenzeller Kennzeichen (Ausserrhoden, um genau zu sein) entgegen kamen, wähnte sich der Mitreisende auf gutem Wege. Ich entgegnete ihm, dass Appenzell aber nicht direkt vor unserer Haustüre liege. „Kann sein, aber wenn man von Schweden kommt, ist das schon ziemlich zu Hause.“ Okay, musste ich gelten lassen. Je nach Kartenmassstab liegt der Kanton tatsächlich nur eine Daumenbreite von unserer Heimat weg. Man kann ja mal Grosszügigkeit walten lassen.

Exakt fünf Wochen nach unserer Abfahrt sind wir gestern wieder heim gekommen. Unser Alltag findet wieder auf Balkonien statt. Daran finde ich momentan nichts zu meckern.

Baustelle!

Bauen. Umbauen. Sanieren. Renovieren. Egal, welche der Bezeichnungen zutrifft, es ist immer mit viel Lärm, Dreck und Aufwand verbunden. Und als Belohnung gibt’s eine grosse Rechnung.

Im Hause Flohnmobil werden derzeit die Fenster ersetzt. Das Wohnen ist momentan nicht wirklich gemütlich, aber das Ende der Baustelle absehbar. Und mit dem Ende der Baustelle beginnt das, was ich lange und mit gutem Grund vor mich hergeschoben habe: Der Frühlingsputz.

Zu spät bin ich trotzdem nicht dran, finde ich. Denn der Frühling ist noch immer nicht richtig ins Land gezogen. Und wenn, dann wurde er nur in kleinen Häppchen serviert. Mir gelüstet nach mehr! Nicht mehr Baustelle, Lärm und Dreck, sondern mehr Frühling!

Rechnungen sind besser als ihr Ruf

Heute durfte ich erfahren, dass es auch Rechnungen gibt, die Freude bereiten. Zumindest ein bisschen Freude.

Unsere jährliche Stromrechnung ist nämlich – im Vergleich zur Vorjahresperiode – um 250 kWh kleiner ausgefallen. Trotz gestiegener Strompreise ist die Rechnung frankenmässig geringer. Wir haben ganze 14 Prozent weniger Strom verbraucht. Die energieeffizienten Haushaltsgeräte und die Stromsparlampen scheinen Wirkung zu zeigen.

Wer macht es uns nach?

Hausarrest

Ich hätte mir an einem frühlingshaft warmen Februartag durchaus etwas Einfallsreicheres vorstellen können, als den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Aber …

… es galt, ein Paket in Empfang zu nehmen. Kundenfreundlich wie der Kurierdienst DPD ist, konnte man mir nicht mal sagen, ob das Paket, das schon zweimal vergebens zu unserer Haustüre getragen wurde, am Vormittag oder am Nachmittag daherkommen würde. Da der Inhalt über 1’000 Franken gekostet hatte, wollten wir das Paket nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt vor unserer Haustür abgeliefert wissen.

Wie ich diese Kurierdienste hasse! Sie mögen eine gute Sache sein für Firmen, wo ganztags jemand anwesend ist. Für Privathaushalte aber lobe ich mir unsere gute alte Post. Dort ist zwar auch nicht alles Gold was in Gelb glänzt, aber immerhin hätten wir beim gelben Riesen die Möglichkeit gehabt, das Paket auf der Poststelle im Dorf abzuholen. Solange diese noch nicht wegrationalisiert ist.

Umwerfend weitsichtig

Hier ein paar Bilder vom heutigen Spaziergang bei einem Wetter, das einen mehr zum Ostereier Färben animiert als zum Herunterholen der Weihnachtsdekoration.

Gigantisch die Fernsicht heute, auch wenn ich den idealen Zeitpunkt zum Fotografieren verpasst habe. Vom Säntis über die Glarner, Zentralschweizer und Berner Alpen bis hin zum Jura.

Geld her – Überfall!

Von unserer Wohnung im ersten Stock aus konnten wir direkt an die Bankfiliale sehen. Davor stand – auffällig unauffällig – eine finstere Gestalt. Eine Viertelstunde später stand sie immer noch dort. Äusserst suspekt, denn die herrschenden Temperaturen luden nicht gerade zum Flanieren ein. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wurden misstrauisch. Ob sich da ein Drama anbahnte? Ein Banküberfall in nächster Nähe?

Von unserem eigenen kriminalistischen Scharfsinn beeindruckt, telefonierten wir der Bank und beschrieben unsere Beobachtungen. Einige Zeit später rief uns der Filialleiter zurück und bestätigte unsere schlimmen Befürchtungen. Den Bankangestellten sei sogar noch eine zweite Person aufgefallen, die sich seltsam in der Nähe der Büsche herumdrücken würde und man hätte bereits die Polizei verständigt.

Nun wurde es spannend! Wir fühlten uns mitten in einem Krimi und rasten quer durch die Wohnung, von einem Fenster zum anderen, um ja nichts zu verpassen, obschon es langsam dunkel wurde. Tatsächlich, in sicherer Entfernung parkierte plötzlich ein Streifenwagen. Und was war das für ein Auto dort hinten? Vielleicht ein Polizeibeamter in Zivil?

Wer mochten die zwei verdächtigen Männer sein? Wie viel Geld hätten Sie ohne unsere Intervention erbeutet? Hatten Sie das Flugticket, um in Brasilien unterzutauchen, schon im Sack?

Wir haben es nie erfahren. Und auf die Belohnung für den vereitelten Banküberfall warten wir seit mehr als einem Jahrzehnt.