Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Wandern im Lande der seltsamen Flurnamen

Die erste Wanderung am ersten Herbsttag begann standesgemäss so:

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Leichter Hochnebel, trocken, nicht kalt, windstill. Angenehme Begleitung. Was will das Wanderinnen-Herz denn mehr?

Startpunkt war im Zürcherischen Ossingen, wo wir uns einen Kaffee in der originellen Kaffeeblüte erlaubten, bevor es losging. Schon bald jedoch begaben wir uns auf fremdes Territorium, angekündigt durch einen Grenzstein, der mit seinen eingemeisselten Buchstaben KT und KZ etwas zwiespältige Gedanken aufkommen liess.

Aber Niederneunform (ausgesprochen “Nider-Nüüfere”) wanderten wir auf dem Thurgauer Rebenweg, den es als solchen jedoch nur im Internet gibt; angeschrieben sahen wir ihn nirgends. Nicht desto trotz ein sehr lohnender Weg, dem wir bis zur Kartause Ittingen folgten. Unterwegs viel Landwirtschaft, wie beispielsweise dieses Feld von Ölkürbissen.

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Und natürlich überall Reben, Reben, Reben.

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Der Weg führt, abgesehen von ganz kurzen Passagen, über Naturstrassen. Er ist ebenso mit dem Velo befahrbar wie Kinderwagen tauglich. Ein paar wenige Meter führen über einen harmlosen Wurzelweg.

Ein genaues Studium der Karte – was die moderne Wanderin selbstverständlich online erledigt – brachte einige originelle Flurnamen zu Tage. Die Morgensonne ist ja noch harmlos. Ebenso der Mülibuck, das Pfarrholz, Vogelsang, Chalbermoos, der Chrachefeld oder Chuttelbärg (auch wenn es mich bei Letzterem grad etwas schüttelt). Am Wegrand fanden sich Zungenbrecher wie Weierströösli oder Huusärgete. Frage mich bitte niemand, was ein Chrääspel ist. Der witzigeste Flurnamen – weiss der Kuckuck, wie die alten Thurgauer darauf gekommen sind – ist zweifellos die Entenschiessmüli.

In der altehrwürdigen Kartause Ittingen gab es für die zwei tapferen Wanderinnen Kaffee und Kuchen. Wovon der Kuchen eindeutig besser ausgefallen ist als sein feuchtes Pendant. Ein kurzer (und lohnender!) Rundgang in der Anlage und weg waren wir, Richtung Postauto.

Ein paar Links, die von Interesse sein könnten:

Kaffeeblüte – ein origineller, sehenswerter Mix aus Blumenladen, Boutique und Café

Thurgauer Rebenweg

Kartause Ittingen

Der Anti-Hunger-Hoger

Auch wenn einem dieser Endlos-Sommer schon längst suspekt ist, so spricht doch nichts dagegen, seine positiven Aspekte zu geniessen. Wenn er ja schon mal da ist.

Unser Genuss führte uns in die Zentralschweiz, auf die Königin der Berge. Ich wüsste grad keine namhafte Erhebung in diesem Lande, die von so vielen Seiten her erschlossen ist wie die Rigi. Der Lage dieses Aussichtsbergs der Sonderklasse ist es wohl zuzuschreiben, dass 1871 die erste Bergbahn Europas dort hinauf gebaut wurde.

Zu viert genossen wir einen prächtigen Wandertag mit viel Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen.

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Zugegeben, mit dieser Idee waren wir nicht ganz alleine. Die gut erschlossene Rigi gehört ins Programm vieler ausländischer Reisegruppen, allen voran Japaner.

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Verkehrsknotenpunkt auf Rigi-Staffel.

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Unsere Wanderung führte von der Rigi-Scheidegg nach Kaltbad, Chänzeli, Rigi-Staffel nach Chlösterli.

Ich war seit Jahren nicht mehr auf der Rigi. Gestaunt habe ich nicht nur ab der Fülle von Wanderwegen, sondern auch ab der vielen Einkehr-Möglichkeiten. Nein, Durst und Hunger braucht auf diesem Hoger niemand zu leiden.

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Mehr Infos zur Rigi gibt’s hier.

Die Königs-Etappe

Schon als ich mir daheim die Wanderkarte angeschaut hatte, beschloss ich: Diese Wanderung müssen wir machen! Als dann im Wanderprospektchen von Ovronnaz die besagte Wanderung auch noch als “notre coup de coeur” (unsere Lieblingstour) angepriesen wurde, war der Fall sonnenklar.

Ausgangspunkt für die lohnende Unternehmung ist einmal mehr die Bergstation der Jorasse-Sesselbahn auf 1’939 m. Von dort ist die Tour du Grand Chavalard als 6-stündige Runde angegeben. Unser Weg führt uns über Petit Pré zu Euloi, einer Hochebene, wo Trinkwasser gefasst wird. Hier kommt uns eine junge Frau entgegen, die an ihren sonst schon grossen Rucksack einen Geigenkasten geschnallt hat. Was es nicht alles gibt!

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Es folgt der Aufstieg zum Col de Fenestral, mit 2’453 m der höchste Punkt der Wanderung.

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Dort erwartet uns ein umwerfendes Panorama rüber zum Mont Blanc und das Trient-Massiv. Im Vordergrund die Cabane Fenestral, die Übernachtungsmöglichkeiten und einfache Verpflegung anbietet. Unten der obere Lac de Fully.

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Ein tolles Panorama begleitet uns auf dem weiteren Weg. Zuerst gehts auf gutem Weg runter zum unteren Lac de Fully, dann steigt es wieder an. Nicht steil, dafür umso imposanter.

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Der steilen Flanke des Grand Chavalard entlang führt der breite Weg, der relativ häufig begangen wird. Über 1’600 m tiefer liegt das Rhonetal im leichten Dunst.

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Was für eine Wegführung – der füdliblutte Wahnsinn!

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Da lacht mein Wandererherz, während das Auge einen Blick  zurück wirft.

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Im letzten Abschnitt zurück nach Petit Pré wird’s nochmals etwas ruppiger. Wie immer bei längeren Wanderungen schleicht sich allmählich eine gewisse Sättigung ein. Vom Durst gar nicht zu sprechen. Diesen löschen wir in der Gite de Lui d’Août.

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Mitsamt aller Pausen sind wir sechs Stunden später wieder beim Sessellift und sind ganz froh, dass wir mit mechanischer Unterstützung zu Tale schweben können und die Höhenmeter runter nach Ovronnaz nicht auch noch zu Fuss machen müssen.

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Eine absolut empfehlenswerte Wanderung. 15 km Wegstrecke, knapp 1’000 Höhenmeter, reine Laufzeit 5 1/4 Stunden.

Weitere Infos zu dieser Wanderung gibt’s hier: http://www.wandersite.ch/Tageswanderung/620_Unterwallis.html

 

Auf dem Weg der tausend Blumen

Ich bin euch noch schuldig, wo ich das horizonterweiternde Bild vom gestrigen Beitrag geschossen habe. Kenner wie Werner haben das breite Tal sicher erkannt. Allen anderen sei geflüstert: Es ist das Wallis.

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Unsere prächtige Panorama-Wanderung führte uns auf dem Sentier botanique Mille Fleurs bei Ovronnaz auf den äussersten Punkt, den Grand Garde, von dem aus wir nahezu 2’000 Meter tiefer ins breite Tal der Rhone blicken konnten.

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Die Blumenvielfalt war trotz fortgeschrittenem Sommer immens und immens beeindruckend. Beinahe noch beeindruckender waren all die stattlichen und zum Teil uralten Lärchen. Genauso wie die Lärchenleichen, die uns fast auf dem ganzen Weg begleiteten. Bzw. wir an ihnen vorbei wanderten, um bei der Wahrheit zu bleiben.

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Wahrlich ein gelungener Einstieg, um endlich mal im Wallis auf Wanderschaft zu gehen.

Eine Horizont-Erweiterung

 

… hat meines Wissens noch nie jemandem geschadet.

 

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Beschildert geschildert (87)

Die gefährlichste Stelle unserer gestrigen Wanderung:

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Das ist übrigens Momos Territorium. Der Wanderweg verläuft rechts von den Gebäuden. Selbstverständlich hatten auch wir uns mit einer geladenen Wasserpistole bewaffnet. Aber von Momo keine Spur! Entweder war er/sie gestern am Mittagsschläfchen, in den Ferien oder sonstwie nicht auf Wanderer eingestellt.

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Auf dem höchsten Punkt

Mit den Superlativen ist es ja so eine Sache. Es kommt SEHR drauf an, womit man vergleicht. So kann der höchste Punkt zwar hoch sein, was nicht ausschliesst, dass es noch höhere gibt. Das gilt auch für den höchsten Punkt, den wir heute erklommen haben.

Ausgangspunkt war Fischingen im hintersten Thurgau. Von dort aus wandern wir über Ottenegg, Höll und Grat nach Allenwinden und wieder zurück über Au nach Fischingen. Kaum losgelaufen, fühlen wir uns schon wie auf der Alp.

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Unvermittelt stehen wir vor einer Waldkapelle, die der heiligen Idda gewidmet ist.

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Wir staunen immer wieder, wo in diesem Land überall Landwirtschaft betrieben wird und mit welch grossem Aufwand solch abgelegene Gehöfte ans Strassennetz angebunden sind. Im Hintergrund sieht man ihn schon, den

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höchsten Punkt des Kantons Thurgau. Mit Kommastelle. *hüstel*

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Von hier aus ist an noch klareren Tagen bestimmt der Bodensee zu sehen.

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Wie das so ist bei Wanderungen, findet man häufig Ideen für neue Unternehmungen. Hier auf der anderen Talseite St. Iddaburg, der wir uns sicher auch mal wandernderweise hin verirren werden.

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Bei Allenwinden (das Restaurant ist übrigens nicht mehr in Betrieb) staunen wir ab zwei riesigen Lindenbäumen.

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Deren wahre Grösse kommt erst aus der Ferne und mit dem Grössenvergleich des ehemaligen Restaurants zum tragen.

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Den Rückweg sind wir auf dem Schwabenweg gewandert. Der Name hat mich neugierig gemacht. HIER  habe ich einige Informationen darüber gefunden.

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Eine gemütliche Sonntagswanderung mit 500 Höhenmetern, die gut drei Stunden gedauert hat.

Die 3-PS-Wanderung

“Wie lange dauert die Wanderung”, wollte meine Freundin T. wissen. “Viereinhalb Stunden? Gut, dann muss ich drei Paar Socken mitnehmen.” T. ist mit fürchterlichen Füssen ausgestattet. Ich krieg Schmerzen, wenn ich ihre Füsse nur schon ansehe. Und sie muss mit ihren weit abstehenden Hallux, Hammerzehnen und was dort unten sonst noch krumm ist, durchs Leben gehen. Da T. gerne wandert und dies – so nebenbei bemerkt – die einzige Sportart ist, die sie betreibt, musste sie sich allerhand einfallen lassen, damit Wanderungen für sie und ihre Füsse überhaupt erträglich sind. Eine der Massnahmen sind trockene Socken. Und so verläuft eine Wanderung mit T. immer so, dass nach allerspätestens zwei Stunden ein Sockenwechsel angesagt ist.

Soweit zu den Begleitumständen der gestrigen Wanderung. Ausgangspunkt für unser Unterfangen war Weisstannen, ein enges Tal, von steilen Flanken umgeben. Im Winter wird das Weisstannental gerne von Eisfall-Kletterern heimgesucht, im Sommer von fitten Wanderern. Bergbahnen sucht man hier vergebens. Egal für welche Route man sich entscheidet, sofern man nicht nur der Seez entlang läuft, geht es immer steil bergauf. Der Aufstieg unserer Wanderung ist weder für Angsthasen noch Herzkranke geeignet.

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Erster Zwischenhalt bei einer Alphütte. Die Wegweiser sprechen eine deutliche Sprache: An Arbeit fehlt es auch im Weisstannen-Tal nicht.

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Nicht überall geht es so geruhsam bergauf. Wir fanden immer wieder Zeit, die herrliche Alpenflora zu bewundern und uns reife Erdbeerli in den Mund zu stopfen.

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Beim Rappenloch, einem Aussichtspunkt, fanden wir diese sympathische Tafel an der Alphütte vor:

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Aus der Schafsperspektive sieht das Rappenloch so aus:

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Bei den beiden Bänkli und dem Gipfelkreuz beim Horn gab es nicht nur eine ausgedehnte Mittagsrast, sondern auch Sockenwechsel.

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Danach wird das Gelände etwas flacher. Bei den in der Bildmitte sichtbaren Alphütten von Vordersäss beginnt der Abstieg. Schon bei den ersten Bäumen sahen wir ein regelrechtes Dorf von Fliegenpilzen. Wenige Meter weiter war alles gelb übersät von Eierschwämmen. Im Nu hätten wir unsere Rucksäcke füllen können – wäre da nicht die Schonzeit, die es zu beachten galt.

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Der Abstieg ist zwar nicht viel weniger steil als der Aufstieg, jedoch wesentlich besser unterhalten, da der Weg auch von den Sennen auf der Alp benutzt wird und das Vieh dort hochgetrieben wird.

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Steil, mitunter sogar in den Fels gehauen, verläuft der Weg. Bei Vorsiez lohnt sich ein Abstecher in die Alp Siez, wo Speis und Trank erhältlich sind – und man vorzüglich Socken wechseln und seine malträtierten Füsse unter dem Tisch versurren lassen kann.

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Meine Befürchtungen, der Rest des Weges würde nur noch ein monotones Gelatsche sein, bewahrheiteten sich nicht. Im Gegenteil, der Weg ist schön angelegt und meist ist der rauschende Bergbach in Sichtweite.

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Uns hat’s gefallen. Wir waren 5 Stunden unterwegs, haben 900 Höhenmeter gemacht und knapp 12 Kilometer – und zweimal Socken gewechselt.

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Wo Männer noch treu sind

Ein Bergführer, mit dem wir vor Jahren einige Skitouren unternommen hatten, sagte mal, es sei verheerend. Mit jedem Gipfel, den man erklommen hätte, sähe man hundert neue Ziele. Auch wenn mein innig geliebter Mitbewohner und ich bei weitem nicht auf jeder Wanderung auf einen Gipfel gelangen, so hat diese Aussage doch ihre Richtigkeit, stammt doch die Idee zur gestrigen Tour von einer Wanderung, die wir vor gut einem Jahr gemacht hatten.

Die Voraussetzungen waren ziemlich ähnlich, war es doch damals auch backofenheiss in den Niederungen. Ergo: Flucht nach oben. Wir starteten kurz vor neun Uhr in Äugsten und genossen es, den steilsten Teil des Aufstiegs im Schatten zu gehen.

Die Aussicht – hier zum Glärnisch-Massiv – war nicht zu verachten. Von der tollen Flora ganz zu schweigen. Diese war mit ein Grund, weshalb wir hier nochmals eine Wanderung unternommen haben. Von Alpenrosen über Enzian, Feuerlilien, Türkenbund blühte alles verschwenderisch. Kein Wunder, auf Äugsten weiden keine Kühe und es wird nicht gemäht, die Pflanzen können sich ungehindert versamen.

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Für den Inbegriff aller Alpenblumen, das Edelweiss, mag es noch etwas zu früh gewesen sein, aber Männertreu haben wir in Hülle und Fülle angetroffen. Somit wäre auch der Titel dieses Beitrags erklärt. *räusper*

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Unser Ziel waren die Fessis-Seeli. An diesem Idyll, auf 2’200 m, gelegen konnte ich mich kaum satt sehen.

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Deshalb hier nochmals ein Bild mit den Glarner Alpen vom Hausstock über den Tödi bis zum Glärnisch im Hintergrund.

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Und wie herrlich angenehm die Temperaturen waren! Dennoch mussten wir früher oder später wieder zurück in den Backofen. Hier sieht man einen Teil des Abstiegs bis zu der in Bildmitte gelegenen Alp auf Ober Fessis.

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Der Weg ist gut ausgeschildert, auch wenn wir im Folgenden die Erfahrung machen sollten, dass die komplette Rundtour nicht so häufig unternommen wird.

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Unterwegs trafen wir die Senner-Familie, die im Begriff war, die oberste Weide einzuzäunen.

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Über diese Brücke? Nicht mit mir! Der Mitbewohner meinte zwar, sie hätte gehalten, ging aber gleichwohl rechts daneben vorbei.

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Der Weg vom Sooler Achseli zurück nach Äugsten ist nichts für Angsthasen. Wohl ist er gut unterhalten, mitunter aber etwas gar luftig.

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Kurz vor Erreichen der Seilbahn sahen wir eine Gruppe von “Heugümper-Verschreckern” wie der Mitbewohner die Leute nannte, die auf der Suche nach Tagfaltern waren. Über 40 verschiedene Arten haben sie entdeckt, fotografiert und wieder entschweben lassen.

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Total sind wir knapp 5 Stunden gewandert, eher gemütlich wegen der Hitze im zweiten Teil. Es galt, 950 Höhenmeter zu bewältigen und 10,5 km. Eine lohnende Sache, die ich jedem trittsicheren Bergseeli-Fan empfehlen kann.

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O Sohle mio!

Öfters schon hatte ich von solchen Begebenheiten gehört. Stets hatte ich mich darüber amüsiert. Und alles mit einem abschätzigen Winken abgetan. Nein, mir könnte so etwas nicht passieren. Und es ist mir auch bis heute nicht passiert. Aber ich bin Augenzeugin eines solchen Spektakels geworden. Was mich wiederum bestärkt hat in der Meinung, dass mir das nie passieren wird. Oder zumindest nie passieren sollte.

Im Mittelpunkt des heutigen Beitrags steht einmal mehr Herr F. Dieser behauptete bis vor kurzem stets mit Nachdruck, ihm könne so etwas nie passieren. Das hätten wir ihm ja auch alle gewünscht. Das Schicksal jedoch hatte sich für ihn etwas anderes ausgedacht. Und so musste Herr F. am jüngsten Wandertag nach Verkündigung seines Missgeschicks nicht mehr länger für den Spott sorgen. Das besorgten seine drei Mitwanderer gerne und ausgiebig. Allen voran mein innig geliebter Mitbewohner, aber auch Frau F. und meine Wenigkeit.

Er hätte es ja vielleicht noch eine Weile vor uns verborgen halten können. Aber sein schleppender Gang hätte ihn früher oder später verraten. Und so entschied sich Herr F. für die Flucht nach vorne. “Das glaub ich ja nöd, mir löst sich d’Sohle ab.” So oder ähnlich tönte es nach weniger als einer Stunde Wanderzeit vom Schlusslicht unseres Wandergrüppchens. Unsere ungeteilte Aufmerksamkeit war ihm und seinem rechten Wanderschuh mit dieser Bemerkung gewiss.

Sofort ging die grosse Fragerei los. Ob er daheim noch nichts davon gemerkt hätte. Wie alt die Schuhe seien. Ob er bereits die Nässe spüre zwischen den Zehen. Ob er das extra gemacht habe. Ob er überhaupt noch weitergehen könne. Tapfer und mit viel Galgenhumor beantwortete Herr F. unsere nicht immer ernst gemeinten Fragen und schliesslich entfuhr es ihm mit einem lauten Seufzer “Und ich habe die Schuhe daheim noch sauber geputzt. Wenn ich das gewusst hätte…”

Der Hüttenwart der Spitzmeilen-Hütte funktionierte als ah-hoc-Schuhmacher und drehte dem armen Herrn F. drei beängstigend grosse Schrauben rein. Also genauer gesagt Herrn F.’s Wanderschuhen. Derart versorgt und mit vielen guten und noch mehr gut gemeinten Ratschlägen unsererseits eingedeckt, machte sich Herr F. auf den Rückweg.

An dieser Stelle können wir die Geschichte etwas abkürzen. Die drei Schrauben erfüllten ihren Zweck. Herr F. schaffte es ohne Probleme und mit sämtlichen Sohlen bis zurück zum Auto. In einer nüchternen Zeremonie verabschiedete er sich für immer von seinen Wanderschuhen und schmiss sie in den nächstbesten Abfalleimer. Als einziges Souvenir nahm er die Schuhbändel mit nach Hause.

Der Mitbewohner und ich empfehlen Herrn F, fortan statt “Das Wandern ist des Müllers Lust” das Lied “O Sohle mio” anzustimmen. Und ein Paar neue Wanderschuhe wäre wohl auch nicht schlecht.

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