Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Basilikum

Mutter Natur auf Abwegen (15)

An Tagen wie diesen muss ich auch an kleinen Dingen Freude haben (können).

Ich fand es gar entzückend, dass sich mein Basilikum zu einer derart herzigen Wuchsform entschied.

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Und servierte diesen Ausrutscher der Natur dem Menschen,
dem meine uneingeschränkte Liebe gilt.

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Pflanzen Sie jetzt noch keinen Basilikum!

Dieser Titel gehörte zu einer Garten-Kolumne, die es gestern in meiner Tageszeitung zu lesen gab. Die Autorin widmete sich zwar vorwiegend anderen gärtnerischen Themen, sprach jedoch am Schluss des Textes eine besserwisserische Warnung aus, es sei noch zu früh für Basilikum.

Dem muss ich jetzt mal ganz klar widersprechen. Gut gehegt und gepflegt wird so ein Basilikum die nächsten Wochen, die möglicherweise nicht mehr so derart sonnig und warm sein werden, wie die vergangene, überstehen.

Ich jedenfalls habe mir einen Basilikum gekauft. Und dieser wird nun in altbekannter Manier am Morgen durch die Wohnung getragen und vors sonnige Schlafzimmer-Fenster gestellt und am Nachmittag wieder zurück vors Wohnzimmer. Die Nächte wird er selbstverständlich unter meiner Bettdecke in der warmen Stube verbringen.

Sollte dieses Procedere wider erwarten keinen Erfolg bringen, so habe ich doch immerhin die Gewissheit, dass ich 1. bereits Basilikum ernten konnte und es mir 2. garantiert gelungen ist, meine Nachbarin zu ärgern.

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Zurück auf Feld eins

Während ich in ebenso lieber wie rarer Gesellschaft eines der besten Glacés Zürichs schleckte, braute sich das Unheil zusammen. Aus nicht mehr ganz so heiterem Himmel windete es unvermittelt wie blöd, die Sturmwarnung im Seebecken begann zu blinken und wir flüchteten vor dem drohenden Regen.

Es dauerte fast eine Stunde, bis ich merkte, dass jemand auf mein Handy angerufen hatte. Mehrmals. In der Zwischenzeit war selbst ein SMS eingegangen. Ich noch immer völlig ahnungslos. Es war mein innig geliebter Mitbewohner, der mir mit wenig schonungsvollen Worten beibringen wollte, dass es daheim gehagelt hatte und von meinen Blumen nicht mehr viel übrig war. Immerhin weiss ich nun, dass der Mitbewohner – wenn er wirklich will – sogar SMS verschicken kann. Denn dieses Bild erreichte mich:

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Der weitere Verlauf des Abends, der so schön begonnen hatte, war etwas getrübt. Als ich wieder daheim war, konnte ich es mir nicht verkneifen, noch kurz nachzuschauen. Die Hagelkörner lagen noch immer mehrere Zentimeter hoch. Auf dem Sitzplatz sah es aus, wie wenn jemand auf dem Mixerglas den Deckel vergessen hätte aufzusetzen.

Ich redete mir ein, dass ich gegen den Hagel ohnehin nicht viel hätte ausrichten können. Bestenfalls einige Töpfe noch unters Dach retten. Dann hätten vielleicht meine beiden Basilikum-Pflanzen nicht so ausgesehen.

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Sie waren nicht nur geschreddert worden, sondern durch die Hagelkörner, die noch stundenlang auf dem Kraut lagen, auch verfroren. Die anderen Pflanzen – Kräuter, Blumen und einige Erdbeeren – waren alle mehr oder weniger versehrt. Da alles voll im Wachstum ist, wird es sich recht gut erholen. Immerhin muss ich nicht von dem leben, was mein Gärtchen abwirft. Was sind schon zwei total verwüstete Basilikum-Pflanzen? Etwas Herzblut, mehr nicht.

Meine beiden Kräuter habe ich bereits ersetzt. Denn ein Sommer ohne Basilikum, das geht absolut gar nicht.

Lebensverkürzende Sofortmassnahmen

Er hatte einen schwierigen Start. In seinen ersten Wochen unter meiner Obhut wäre er angesichts des anhaltenden Regens beinahe zur Wasserpflanze mutiert. Im nachfolgenden Sommer jedoch kam er uneingeschränkt auf seine Kosten und erholte sich prächtig.

Er wurde – einmal mehr – zum Stolz meines Kräutergartens. In diesem heissen, sonnigen Sommer konnte man aus der Sicht eines Basilikums nichts falsch machen – ausser ihn zu wenig giessen.

Er gedieh üppig und ich konnte mich seiner vielen Blätter kaum wehren. Glücklicherweise gab es in nächster Nähe dankbare Abnehmer. Eine liebe Nachbarin, die in gewissen Jahren meinen kleinen Garten länger betreut hat als ich selber, statte ihrem Teilzeitschützling regelmässig Besuch ab.

Indes hatte er dieses Jahr gegen einen Fremdling zu bestehen. Das kleine, zarte Gewächs, das ich Anfang Mai in der Provence gekauft und mit nach Hause genommen hatte, war zur ernst zu nehmenden Konkurrenz herangewachsen. Beide Pflanzen zusammen lieferten so viel Grünzeug, dass ich beinahe Salat daraus gemacht hätte.

Aber wie das so ist mit diesen Sonnenanbetern – und dazu gehört Basilikum mehr als jede andere Gewürzpflanze – setzte auch meinen beiden Pflanzen das kühle Wetter Anfangs Oktober zu. Der kleinblättrige Basilikum (Basilic marseillaise) wanderte schon bald dem Kompost entgegen. Der grossblättrige dagegen konnte in die Verlängerung gehen. Die sonnigen Stunden der vergangenen Wochen verbrachte er so oft wie möglich draussen auf dem Fensterbrett, während er in der Nacht im Wohnzimmer den kühlen Temperaturen entgegen konnte. Nichts desto trotz geriet er in ein Sonnenmanko. Und selbst wenn aus den verholzten Stängeln wieder frische Austriebe auszumachen waren, heute trat er seine letzte Reise an. Nebst dem für Ende Woche angekündigten Wintereinbruch wird bei uns in wenigen Tagen die Grüngut-Abfuhr eingestellt. Es macht keinen Sinn mehr, diese Pflanze noch weiter zu hätscheln. Selbst wenn ich nicht ohne Stolz einräumen muss, dass er auch kurz vor seiner Kompostierung noch besser aussah als so manches Gewächs seinesgleichen in unserem Quartier mitten im Hochsommer.

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Und so bleibt vom Basilikum Jahrgang 2015 nebst zwei Gläsern Pesto nur eine weitere Folge in meiner kleinen Serie über dieses herrliche Kraut.

Bedenken eines Basilikums

Als gebürtiger Südfranzose war es mir vergönnt, beinahe vier Wochen lang in herrlicher Umgebung gehegt und gepflegt zu werden. Meine Ersatzmutter las mir jeden Wunsch von den Lippen ab. Sie pflanzte mich in einen schönen Topf, rannte mit mir im Garten herum auf der Suche nach dem sonnigsten Platz, nahm mich in den ersten Nächten unters Dach, machte mir regelmässig meine zarten Füsschen nass.

Doch nun droht eine drastische Wende und ich habe allen Grund anzunehmen, dass ich den Zenit meines geschmackvollen Lebens bereits überschritten habe. Ihr glaubt es nicht? Leider ja. Ich werde nun nämlich in ein Auto verfrachtet und hunderte Kilometer nordwärts erst wieder das Tageslicht erblicken. Und was mich dort erwartet, ist eines so stolzen Südfranzosen ziemlich unwürdig.

Hier war es nämlich in den vergangenen vier Wochen gerade mal einen halben Tag lang etwas feucht und insgesamt blies drei Tage der Mistral, der mich beinahe ausgetopft hätte. Währenddessen begannen die Leute dort, wo ich hin muss, bereits die Arche Noah zu bauen.

Was für düstere Prognosen! Aber ich hab noch etwas Verstärkung mitgebracht. Aber – pssst! – nicht weitersagen, das soll eine Überraschung werden. Geteiltes Leid ist  bekanntlich halbes Leid.

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Na, seht ihr einen Unterschied zu damals?

Und, was gibt’s schon alles?

Wir waren heute auf dem Markt. Nur ein kleiner Bauernmarkt, der der Versorgung der Bevölkerung dient und keinerlei touristische Hintergedanken und deshalb auch keine überrissenen Preise hat.

Das Angebot war sehr überschaubar, da die Handvoll Standbetreiber nur anboten, was gerade wächst oder allenfalls noch in den Lagerräumen vorhanden ist. An frischen Produkten gab’s Erdbeeren, Salate, Radieschen, Saubohnen, Kräuter, Setzlinge, Blumen und irgend so ein komisches Gestrüpp, das ich nicht kenne und die Franzosen mit Begeisterung einkauften. An Eingelagertem wurden Zwiebeln, Lauch, Chabis, Wein und Zeugs in Gläsern angeboten. Ausserdem einen Stand mit Fleisch und Poulets vom Grill, die schon lange bevor der Markt endete, ausgeflogen waren.

Während zu Hause auf unserem Sitzplatz vermutlich demnächst Schwäne brüten werden, konnten wir bei strahlendem Sonnenschein anschliessend einen Kaffee geniessen.

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Ich habe uns Erdbeeren und Spargeln gekauft. Und für zwei Euro ein kleines, unscheinbares Gewächs. Dieses werde ich nun nach allen Regeln der Kunst hätscheln, damit es dereinst mal ein veritabler Basilikum, pardon Basilic marseillaise, wird.

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Ich bin dann mal Pesto

Als ich kürzlich im Wartezimmer des Zahnarztes sass, blätterte ich ziemlich unmotiviert in einer Zeitschrift und stiess auf folgende Kontaktanzeige:

 

Ich bin

Ein Sonnenkind, wärmeliebend, voller Rasse, für allerlei feine Sachen zu haben, gut integriert, sprachbegabt, beliebt landauf-landab. Momentan etwas zerzaust, aber mit beträchtlichem Entwicklungspotential.

 

Ich suche

Eine einfühlsame Person, der mir die nötige Zuwendung zukommen lässt. Jemand, der mich verwöhnt, mir meine Wünsche von den Blättern abliest und mit meinem südländischen Temperament umzugehen versteht. Jemand, dem die inneren Werte wichtiger sind als Äusserlichkeiten…


 

… denn sonst ende ich über kurz oder lang so:

Mein liebstes Grün

Ein Sommer ohne Kräuter – das geht gar nicht! Ich brenne im Frühling geradezu danach, endlich wieder Küchenkräuter ernten zu können und nicht jedes Stängelchen Schnittlauch einzeln kaufen zu müssen. Ich koche viel und gerne mit Kräuter. Sie verleihen dem Essen Pfiff, verpassen ihm den letzten Schliff und gehören bei gewissen Gerichten ganz einfach dazu.

In meinem Kräutergarten (Garten ist vielleicht etwas übertrieben, aber ein Balkon ist es eben auch nicht) spriesst so manches Kraut. Und manches Kraut spriesst schon längere Zeit. Wie zum Beispiel der Schnittlauch. Seine Röhren sind nach über 15 Jahren alles andere als zierlich. Trotzdem oder gerade deswegen ist er ziemlich schwach auf der Brust und knickt schnell um.

Links neben dem Schnittlauch folgen Thymian  und der zweifarbige Zitronenthymian. Während Thymian sein Aroma erst beim Kochen richtig entfaltet, streue ich seinen sauren Bruder mit Vorliebe in Kräuterquark, über Salate, fertig gekochten Reis oder Fisch.

Aus dem Vorjahr stammt der Rosmarin. Ebenso der Salbei, der für meine Begriffe zu sehr wuchert und unmittelbar nach dieser Aufnahme mit der Schere zum wiederholten Male in die Schranken gewiesen wurde. Grundsätzlich erhalten diese zwei Kräuter bei mir zu viel Wasser, aber ich kann bzw. will sie nicht separat einpflanzen. Ihre wild wachsenden Verwandten in der Provence müssen mit einem Bruchteil an Wasser auskommen und fallen entsprechend kleiner, dafür aromatischer aus.

Links neben dem Salbei steht mein Geheimtipp: Schnittknoblauch. Definitiv nichts für Knoblauch-Verächter kommt er bei mir in fast jeden Salat und darf sein unverkennbares Aroma ungehemmt verbreiten. Die Pflanze mit den platten Blättern war vor Jahren wesentlich zierlicher. Da sie derart gut gedeiht, habe ich ihren Wurzelstock schon diverse Male geteilt und weiterverschenkt.

Nicht sichtbar, hinter dem Rosmarin, wuchert Bohnenkraut. Ich gestehe kleinmütig ein, dass ich es seinerzeit mit Thymian verwechselt habe und kaum Verwendung dafür habe. Es wächst wie wahnsinnig und leidet am gleichen Syndrom wie Rosmarin, Salbei und Thymian: viel zu viel Nass.

In den runden Töpfen gedeihen zwei Sorten Basilikum. Das linke habe ich diesen Frühling aus der Provence mitgebracht. Was für ein herrliches Kraut! Ich könnte es futtern wie eine Kuh Gras. Dank seinem Standort auf einem Gitter bleibt es vor Schnecken verschont. Nicht jedoch vor meiner Nachbarin, deren Wohnzimmerfenster sich unmittelbar darüber befindet. Sie moniert seit Jahren, ich hätte den schöneren Basilikum als sie. Das müsse am Standort liegen. Wäre ich nicht so ein schrecklich netter Mensch, hätte ich ihr schon lange mal gesagt, dass mein Basilikum auch an ihrem Standort gedeihen würde, bloss nicht mit ihrer Pflege.

Zu guter Letzt folgt noch die bewährte Petersilie in glatter und gekrauster Ausführung, auf Schweizerdeutsch Peterli genannt. Darüber gibt es nicht viele Worte zu verlieren. Ich habe es aufgegeben, sie direkt in die Erde pflanzen zu wollen. Mir scheint, im Topf gedeiht sie besser und ist weniger anfällig auf Läuse. Warum auch immer.

Wie sieht euer Kräutergarten aus? Ein kümmerliches Töpfchen Schnittlauch oder ein üppiges Beet mit je zehn Sorten Salbei und Minze? Erzählt doch mal!

Nimmermüde

Es war von Anfang an klar, dass ich ihn nicht mit heim nehmen würde. Nicht nur aus Platzmangel, sondern auch, weil ich ihm keine grosse Überlebenschance einräumte. So schnitt ich an unserem letzten Housesitting-Tag in Frankreich seine Zweiglein ab, steckte sie in einen Plastiksack, befeuchtete sie etwas und schnürte den Plastiksack zu. Derart verpackt, so hoffte ich jedenfalls, würden die paar Stängeli Basilikum den Transport in die Schweiz überstehen und wenigstens noch einige Tage stramm stehen.

Ich hatte mich gründlich getäuscht. Die Stängeli, die ich in ein Glas Wasser stellte, begannen binnen weniger Tage Wurzeln zu schlagen und erfreuen sich auch drei Wochen später noch bester Gesundheit. Das Dumme ist nur, dass ihnen hierzulande, um so herauszukommen, wie es sich für Basilikum gehört, zwei wichtige Sachen fehlen: Sonne und Wärme. Mögen sie auch wie Basilikum aussehen, die Blätter sind im November nur noch ein Hohn ihrer selbst.

Viel schlimmer aber wiegt die Tatsache, dass man bei uns zwar das ganze Jahr über Tomaten, zu denen Basilikum so perfekt passt, kaufen kann, die roten Dinger aber nicht mal im Hochsommer wirklich nach Tomaten schmecken. Deshalb wird meinem nimmermüden französischen Basilikum wohl das gleiche Schicksal blühen wie seinen helvetischen Vorgängern: der Komposthaufen.

Keine Housesitting ohne Housesitter

Auch wenn es den Anschein macht, dass wir über unendlich viel Zeit verfügen und nach Belieben Housesitting-Jobs annehmen können – ganz so einfach ist es nicht. Denn auch unsere eigenen vier Wände bedürfen, so pflegeleicht sie sein mögen, eines gewissen Beistands. Auch wir können nicht einfach den Schlüssel in der Haustüre drehen und auf unbestimmte Zeit losfahren.

Also benötigen wir, wenn wir weg sind, selber einen Housesitter. Dessen Aufgaben sind zwar vordergründig nicht ganz so umfangreich wie wenn mein innig geliebter Mithüter und ich für drei Wochen in Schweden ein Haus mitsamt Garten und Hühnerhof übernehmen. Dennoch, was daheim im Normalfall aus „nur“ Blumen giessen und Post leeren besteht, war auch schon mal ausgeartet. Dann nämlich, als unsere Nachbarin, die unsere Wohnung hütete, ihrer Nase in den Keller folgte und angewidert vor unserem Gefrierschrank stehen blieb, der den Geist aufgegeben hatte. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber der Gefrierschrank war leer und sauber, als wir wieder heim kamen. Weil unsere Nachbarin diesen Job so gut erledigt hatte, durfte sie zwei Jahre später ihre Fähigkeiten gleich nochmals unter Beweis stellen. Es ist nicht zu fassen, aber innert zwei Jahren hatten tatsächlich zwei praktisch neue Gefrierschränke einen Totalausfall.

Während ich hier in der Provence – einmal mehr auf der Sonnenseite des Lebens – damit beschäftigt bin, den Basilikum, den ich im Supermarkt erstanden habe, aufzupäppeln und stets das sonnigste und windstillste Plätzchen am Haus suche, musste meine Nachbarin vor geraumer Zeit den Basilikum zu Hause vor dem sicheren Tod durch Ertrinken retten.

Ein so gutes Verhältnis zu den Nachbarn ist keine Selbstverständlichkeit. Wer wüsste das besser als die Bewohner unseres Hauses, haben wir doch ein abschreckendes Beispiel vom anderen Ende der Skala unter unserem Dach.

Umso erfreulicher ist es, dass wir uns bereits bei solch kleinen Problemen, wie einem Aquarium-Basilikum auf die nachbarschaftliche Hilfe verlassen können.

Vielen Dank, liebe Margrit!