Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Schweden

Differenzen

Es duftet anders.

Die Geräuschkulisse? Kein Vergleich!

Man hat wieder Zeit, sich mit jeder Fliege einzeln auseinanderzusetzen.

Gemüse gibt’s nur noch im Supermarkt.

Unser altes Brot müssen wir wieder selber essen.

Die Aussicht auf Aussicht ist eher bescheiden.

Und auch wenn ich den beiden Gockeln mitunter am liebsten den Hals umgedreht hätte,
selbst die wünschte ich mir herbei.

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Schwedischer Dresscode

 

Der Grund, weshalb ich in Schweden häufig mit
Gummistiefeln und Handschuhen
bekleidet war, begründet für einmal nicht im Wetter.

Sondern…?

Grosses Kino

Mein Lieblingsplatz ist unter der grossen Eiche. Von hier aus kann ich – gemütlich im Schatten der ausladenden Äste sitzend – durch einen noch nicht ganz perfekten Bogen in der Buchenhecke über den Rasen hinweg und durchs Gestrüpp den See sehen. Es gäbe noch viele schöne Plätze auf dem Areal, und von jedem aus hätte ich einen schöneren Ausblick als daheim. Doch nur von diesem Logenplatz aus komme ich in den Genuss eines einzigartigen Kinospektakels.

Zugegeben, so ein einzelnes Huhn ist noch nicht wirklich spektakulär. Auch nicht von hinten. Aber wer spricht denn hier von einem einzelnen Huhn? Wir haben ja gleich Dutzende!

Da kommt vielleicht mal die Hühner-Mutter mit ihrer frechen Jungschar daher. Vor gut drei Wochen waren die sieben Kleinen noch nie weiter als 30 Zentimeter von der Henne entfernt. Mittlerweile erkunden sie schon ziemlich ungeniert die Landschaft, wenngleich immer noch in Sichtweite der Mutter. Diese scharrt unermüdlich mit ihren starken Füssen den Boden auf, damit Insekten und allerlei Sämchen zum Vorschein kommen, die ihre Kleinen gross und stark machen sollen.

Dann erscheint der hässlichere der beiden Gockel im Bild. Obschon von der Hundeattacke noch immer gezeichnet, ist er sich seines Status bewusst und schreitet würdevoll mit seinem knappem Schwanzfedernbesatz über die frisch verschissene Wiese. Ohne zu jodeln. Doch das sieht das Drehbuch ohnehin nicht vor.

Im nächsten Akt des Schauspiels rast eine Henne quer über die Wiese. Sie verschwindet stillschweigend im Gebüsch. Ob sie selber weiss, weshalb sie es so eilig hatte?

Von unserem Logenplatz aus haben wir gelernt: Wenn ein Huhn Luftsprünge macht, so geschieht das nicht aus Freude über das schöne Wetter, sondern weil es einem Insekt hinterher jagt. Manchmal mit Erfolg.

Für die akustische Untermalung der Szenen sorgt das Gegacker in vielen Tonlagen. Mal laut klagend. Mal kurz und übermütig. Dann wieder sirenenmässig oder wie kurz vor dem Tod durch Ertrinken.

Die Viecher sind auch immer wieder gut für eine pornografische Einlage. Die zwei Güggel wollen schiesslich beschäftigt sein. Leider dauert so ein Begattungsakt nur wenige Sekunden, sodass mein Fotoapparat nicht mal das Objektiv ausgefahren hat, wenn der Hahn schon wieder auf dem Runterweg ist.

Herrlich zu beobachten die Einlage, wo ein Huhn dem Hahn (liebevoll turtelnd?) etwas in den Schnabel steckt. Mehrmals hintereinander. Wo bleibt die Emanzipation im Hühnerhof???

Der Lieblingsplatz aller Hühner befindet sich am Rande der Bildfläche. Unter der Buchenhecke verstecken sie sich gerne und scharren die dürren Zweige und Blätter hervor, die wir – mit genauso viel Beharrlichkeit wie sie, nur im umgekehrten Sinn – immer wieder unter die Hecke kehren.

Hahnenkämpfe hatten wir auch schon. Und wie im richtigen Leben ging es auch hier um…? Frauen!

Etwas gemächlicher geht es bei den älteren Damen zu und her, die in der Mauser sind. Ob so ein Huhn auf der nackten Haut auch einen Sonnenbrand bekommen kann? Nichts desto trotz kann auch eine alte Hühner-Tante eine ganz schöne Geschwindigkeit entwickeln. Und in Sachen Gegacker lässt sie sich von der aufmüpfigen Jugend nichts vormachen.

Die fünfköpfige Jungschar streift fast immer als Quintett durch die Szene. Die vier Monate alten Junghennen sind am resistentesten gegen sämtliche Versuche, sie von den Himbeeren fern zu halten. Doch diesen Nebenschauplatz kann ich von meinem Lieblingsplatz aus nicht überblicken.

Über alles gesehen sind so Hühner ein durchaus entspannender und vielseitiger Anblick. Jedenfalls wenn sie so viel Auslauf haben wie hier. Die Kinovorstellung findet jeden Tag von neuem statt. Aber nicht jeden Tag mit den gleichen Einlagen.

Von wegen „dumme Hühner“ – sie lassen sich jeden Tag etwas Neues einfallen. Und als Gage nehmen sie gerne altes Brot. Genügsam sind sie also auch noch.

Auch das noch…!

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Ich kann mich nicht sattsehen.

Mein Gott, sind die süüüüss!

Drei Bibeli, zwei Tage alt.

Gut beschützt von der Mami-Henne, die den Kleinen fortwährend den Boden aufscharrt, damit sie etwas zu picken finden.

Deshalb gar nicht so einfach zu fotografieren.

Die Qual der Wahl querbeet

Gemüse haben wir hier zuhauf. Dass im Garten mehr wächst, als wir essen können, liegt auf der Hand, soll der Garten doch eine fünfköpfige Familie ernähren. Wir futtern und futtern und futtern so schon viel mehr Gemüse als daheim. Und zum Frühstück kann ich nicht auch noch Salat essen, bin ja keine Kuh.

Wenn sich etwas einfrieren lässt, ist es kein Problem, Platz in der Gefriertruhe hat es genügend – neben den Schnecken. Was aber mache ich mit all den Gewächsen, die nicht gefriertauglich sind? Zucchini können nicht eingefroren werden, zu viel Wasser. Blattsalate auch nicht. Das habe ich zwar noch nie probiert, kann mir das Resultat aber leidlich vorstellen. Ich muss sie aufschiessen lassen (Salate) oder den Schweinen und Kaninchen füttern (Salate und Zucchini). Die Kaninchen finden übrigens so ein zartes Kopfsalätchen – auch wenn es aufgeschossen ist – sehr, sehr lecker.

Gewisse Sachen erledigt die Natur von selber. So haben wir heute einen Blumenkohl entsorgt, der zu faulen begonnen hatte, kaum hatte er sich als Blumenkohl zu erkennen gegeben.

Bleibt aber immer noch mehr als genügend Gemüse, um Abwechslung auf den Teller zu bringen. Bohnen, Kefen (Zuckerschoten), Randen (rote Bete), Tomaten, Gurken, Rüebli (Möhren), Broccoli, Fenchel, Zucchetti. Ich finde es total cool, gegen Abend in den Garten zu gehen und mir die Frage zu stellen: „Was koche ich denn heute eigentlich?“ Für Gartenbesitzer sicher nichts Neues, aber für mich, als Temporärgärtnerin ein Hochgenuss.

Ein gewisses Überangebot haben wir bei den Stachelbeeren angetroffen. Diese Beeren kaufe ich zu Hause nie, ich habe immer gedacht, sie seien sacksauer. Sind sie aber eigentlich gar nicht. Zumindest nicht, wenn sie ausgereift sind und in diesem Zustand könnte ich sie daheim nie kaufen. Ich habe sie auf alle möglichen Arten verwertet. Marmelade, Auflauf, Kuchen mit und ohne Baiser, Dessert. Mein persönlicher Hit ist ein Stachelbeer-Tiramisu. Das Rezept habe ich mir selber ausgedacht und weil ich hier exakt weiss, welches Huhn welches Ei gelegt hat und wie alt es ist, habe ich es auch wieder mal gewagt, rohe Eier zu verwenden.

Trotzdem habe ich zu diesem garstigen Gestrüpp ein ambivalentes Verhältnis. Und dieses gründet in meiner eigenen Sprache. Heissen diese Beeren auf Deutsch völlig zu Recht „Stachelbeeren“, nennen wir sie „Chruselbeeri“. Mit chrüsele, also kitzeln, hat das nun wirklich nichts zu tun. Eidgenoss, wo hast du bloss dieses Wort her?

Der Kontrollblick

Mutti, ich geh dann mal schnell den Reifendruck überprüfen!

Hüänärhüätä

Habt ihr euch schwer getan mit dem Titel dieses Blogs? Dann ist es euch nicht besser ergangen als mir, als mir eine Freundin, die konsequent im Dialekt schreibt, uns viel Spass beim Hüänärhüäte wünschte.

Ja, diese Hühner, sie sind ja eigentlich ganz pflegeleicht. Wasser, Futter, Auslauf. Nach dem Debakel vom letzten Jahr wollten wir auf jeden Fall ein Remake verhindern. Das wäre beinahe missraten, kam doch schon am zweiten Tag der frei laufende Hund einer Nachbarin daher und jagte hinter den armen Federviechern her. Zum Glück waren wir zu Hause und konnten so Schlimmeres verhindern. Der eine Hahn hat nun etwas struppige und massiv weniger Schwanzfedern. Mehr ist dank unserer Intervention nicht passiert. Die Hundebesitzerin war natürlich – wie alle Hundebesitzer – aufgelöst und hat – wie alle Hundebesitzer – beteuert, ihr Hund hätte so etwas noch nie gemacht.

Seither lassen wir die Viecher nur noch raus, wenn wir anwesend sind. Und darauf bestehen sie sehr wohl. Wir haben aber Anweisung, die Hühner erst am Nachmittag raus zu lassen, damit sie ihre Eier ordentlich ins Nest legen und nicht irgendwo in der Wildnis ein Gelege beginnen. Dieses aufzustöbern wäre nämlich schwieriger, als die berühmte Stecknadel im Heuhaufen zu finden.

Wie viele Hühner sind es überhaupt? Wir müssen die Zahl sehr genau kennen, machen wir doch jeden Abend ein Hühner-Inventur, bevor wir das Gehege schliessen. Wir haben zwei Hähne, elf Hennen, fünf dreimonatige Junghennen, eine Henne mit sieben fünfwöchigen Bibeli und eine Henne, die legal vier Eier ausbrütet.

Was mich immer wieder erstaunt: die innere Uhr der Hühner. So sehr sie am Morgen an der Türe ihres Geheges stehen und Ausgang begehren, sie gehen (von ein paar unrühmlichen Ausnahmen abgesehen) jeden Abend freiwillig zurück in den Stall. Um 18.00 Uhr sind sie meist schon auf dem Stängeli. Und dann kann man sie gemütlich einzeln durchzählen.

Vielleicht wundert ihr euch, weshalb es hier gleich zwei Hähne gibt. Das hat damit zu tun, dass der letztjährige Hahn unter unserer Obhut das Leben lassen musste. Der danach als Super-Güggel eingekaufte Hahn gefiel der Besitzerin letztlich doch nicht und so kaufte sie sich kurzerhand einen zweiten dazu. Dieser ist übrigens auf dem Bild zu erkennen. Der erste Hahn ist – aus menschlicher Sicht, die Hennen sehen das vielleicht anders – ziemlich hässlich. Noch schlimmer: Er kann nicht mal richtig krähen. Wir hätten ihm ja gerne Nachhilfestunden erteilt. Aber was nützt es in Schweden, wenn ein Güggel jodeln kann?

Kommt doch nach Schweden!

Es muss jetzt einfach mal raus: Wir haben hier in Schweden sensationelles Wetter. Seit wir vor 12 Tagen angekommen sind hat es lediglich in der ersten Nacht geregnet. Seither kein Tropfen mehr. Wir haben Temperaturen bis zu 28 Grad und können jeden Abend draussen essen. Ohne Schirm, Gummistiefel und Heizpilz.

Und daheim? Da säuft die Heimat in unserer Abwesenheit klammheimlich ab. Unsere Nachbarin, die derzeit unsere Wohnung hütet (wir nehmen diesen Sommer gerade zwei Margrits für diesen Job in Anspruch und wir sind beiden unendlich dankbar), hat durchblicken lassen, ich hätte besser Seerosen als Duftgeranien angepflanzt. Wir verfolgen täglich via Internet, was sich Petrus momentan für die Eidgenossen einfallen lässt. Unglaublich, was sich im Juli für Regenmengen vom Himmel ergossen haben!

Wir hatten letztes Jahr gedacht, dass das Sommerwetter in Schweden nicht mehr zu übertreffen sei. Nun sehen wir uns eines Besseren belehrt. Jeder Tag begrüsst uns mit einem fast wolkenlosen Himmel. Fast wünschen wir uns etwas Regen herbei. Oder doch zumindest mal einen bewölkten Tag. Dann könnte ich zum Beispiel endlich mal Tagebuch führen. Und diverse Mails beantworten. So aber verbringe ich den ganzen Tag draussen und kratze mir erst in der Abenddämmerung ein paar Minuten zusammen, um einen Blog Beitrag zu veröffentlichen. Und euch zu Hause etwas neidisch zu machen.

Was in dieser ganzen Schweden-Euphorie nicht vergessen werden darf: Es kann hier auch anders zu und her gehen. Wir hatten das vor zwei Jahren erlebt, als wir mit dem Wohnmobil unterwegs waren. Da wäre unser Womi bald zum U-Boot geworden.

Das gurkt mich an!

Ach du heiliges Kanonenrohr!

Diesem einen Pflänzchen habe ich im Garten wohl etwas zu wenig Beachtung geschenkt.

Was soll ich denn mit 2,5 Kilo Gurken anfangen?

Schnecken des Schreckens

Ich könnte nicht direkt behaupten, dass ich diesmal auf der Suche nach etwas gewesen wäre. Vielmehr war es ein gerüttelt Mass an Neugierde, das mich den Deckel der Tiefkühltruhe öffnen liess. Ich wollte einfach wissen, ob all die vielen, vielen schwarzen Johannisbeeren, die wir letztes Jahr geerntet hatten, tatsächlich verwertet worden waren. Oder ob gar noch immer welche im Tiefschlaf herumdümpelten.

Also öffnete ich den schweren Deckel und was ich sah, jagte mir einen gehörigen Schrecken ein. Einen Schrecken der Abscheu, um genau zu sein. Ihr werdet nie erraten, was ich da sah. In einem Eimer lagerten lagen eine ganze Anzahl von Nacktschnecken. Ich kann mir ehrlich gesagt keinen Reim drauf machen, zu was eine derart unterkühlte Schnecke noch gut sein soll. Vielleicht weiss da die Seifenfrau weiter, hat sie doch diesen Sommer schon mehrfach mit den gefrässigen Schleimscheissern zu tun gehabt.

Ein Bild des Innenlebens der Tiefkühltruhe erspare ich euch, jeder darf seiner Fantasie freien Lauf lassen. Nur so viel sei verraten: Tiefgefroren sehen so Schnecken auch nicht gefälliger aus.

Ich veröffentliche dafür lieber ein Bild des neusten Familienzuwachses. Zu den gackernden Gesellinnen und Gesellen, den beiden Zwergkaninchen und der Katze sind nun noch Benedict und Nicolas hinzugekommen. Mit den Bremer Stadtmusikanten können wir es hier jederzeit aufnehmen!