Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Wunderbar, da abschliessbar

Ein Vorhängeschloss erfüllte in der Vergangenheit in erster Linie den Zweck, etwas unter Verschluss zu halten. Ob es nun an einer Schatztruhe, einem Koffer oder, wie im vorliegenden Fall, an der Türe eines Kellerabteils hängt. Erst seit diese vermaledeiten Liebesschlösser allenthalben Brückengeländer verunzieren, sind Vorhängeschlösser von ihrem eigentlichen Zweck abgekommen.

Nicht so in unserem Hause! Da dienen sie – im engeren wie weiteren Sinne des Erfinders – dazu, die Kellerabteile geschlossen zu halten. Hier ein kleiner, unvollständiger Querschnitt durch unser Mehrfamilienhaus:

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Es ist unschwer auszumachen, dass nicht alle Bewohner unseres Hauses die gleichen Vorstellungen eines verschlossenen Kellerabteils haben. Während die einen das Vorhängeschloss nur lose einhängen – ein krummer Nagel oder dergleichen würde ähnlich gute Dienste verrichten – geben sich unsere Lieblingsnachbarn mal wieder besonders vorsichtig. Sie umwickeln ihr Zahlenschloss zusätzlich mit Klebstreifen. Damit ja niemand auf die Idee kommt, hier Hand anzulegen!

Früher oder später werde ich der Versuchung nicht mehr länger widerstehen können, ein paar Tröpfchen Sekundenleim in das Schlösschen zu träufeln. Damit es ganz bestimmt nicht von selbst aufspringt.

Staub mit Erinnerungs-Potential

Immer, wenn ich ihnen begegne, und das ist immer, wenn ich abstaube, also eigentlich eher selten, erinnern sie mich an eine meiner längsten, schönsten, aber auch anstrengendsten Bergwanderungen.

Diese Wanderung hätte gar nicht so lang werden sollen. Wir waren auf dem Heimweg von einer Reise aus Kroatien und Slowenien und machten mit dem Wohnmobil einen Abstecher ins Südtirol. Bei Einheimischen, die vor einer bewirteten Alphütte bei Ponticello sassen, erkundigten wir uns nach einer etwa fünfstündigen Wanderung. Diese gaben uns frohgemut den Tipp, doch den 2’810 m hohen Seekofel zu besteigen.

Zu früher Morgenstunde stiegen wir los, denn es versprach, ein heisser Tag zu werden. Wir kamen vorbei an Almen, auf denen nicht nur Kühe, sondern auch Pferde weideten. Was für eine Idylle! Und als ob es nicht schon kitschig genug gewesen wäre, wuchsen auf der ganzen Wiese Edelweisse. Soviel übrigens zum Thema “Edelweiss in steiler Bergeswand”. Dieser Mythos gehört ins Zeitalter der Louis-Trenker-Filme.

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Nicht erst auf dem Gipfel merkten wir, dass wir den Zeithorizont überschreiten würden. Dank den gut markierten Wegen und dem makellosen Wetter war das aber kein Problem.

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Im Rifugio Biella gönnten wir uns Speis und Trank. Neben uns sassen Deutsche, die mit dem Feldstecher durchs Panorama linsten. “Wenn mich nicht alles täuscht, stehen dort drüben die Drei Zinnen”, hörten wir vom Nebentisch. “Die sieht man nicht von hier aus”, knurrte ich mehr zu mir selber zwischen zwei Happen. Der Mitbewohner jedoch, der konnte diese Abänderung der Bergwelt nicht so im Raum stehen lassen und sagte laut und unüberhörbar: “Meine Frau hat gesagt, das seien nicht die Drei Zinnen. Und sie muss es wissen, schliesslich war sie auf allen drei oben.” Schwang da ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit? Na jedenfalls musste ich nachher Auskunft geben, was mir eher peinlich war. Es war und ist nicht meine Art, mit derartigen Leistungen anzugeben.

Erst als wir weitergingen, konnten wir im Dunst das berühmteste Dreigestirn der Dolomiten ausmachen.

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Unsere Wanderung indes war noch nicht zu Ende. Längst hatten wir herausgefunden, dass mit den fünf Stunden Wanderzeit lediglich der Hinweg auf den Gipfel gemeint war. Wir kamen auch im Abstieg an Wiesen vorbei, die vor Edelweissen nur so strotzten. Drum erlaubte ich mir, vier der geschützten Pflanzen zu pflücken. Ich weiss, dass man das nicht soll, aber die Kühe latschten ja auch geradewegs über diese raren Blümchen.

Nach acht ereignisreisen, aber auch reichlich ermüdenden Stunden waren wir wieder zurück beim Ausgangspunkt, wo unser Wohnmobil artig auf uns wartete.

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Die vier Edelweisse, die ich nach alter Väter Sitte zwischen zwei Buchdeckeln getrocknet hatte, sind in der Zwischenzeit reichlich verblasst. Trotzdem haben sie nach acht Jahren noch ihren festen Platz in unserer Wohnung. Und auch wenn der Mitbewohner meint, ich solle die Staubfänger endlich liquidieren, von diesem Souvenir mag ich mich nicht trennen.

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Werner Ammann ist nicht nur ein äusserst treuer Leser dieses Blogs, er hält auf seinen Wanderungen mit Hund Timi auch stets Ausschau nach Schildern. Oder was man im weitesten Sinn darunter verstehen mag. So hat auch diese Markierung ihren Weg vom Genfersee bis ins Hause Flohnmobil gefunden.

Sturzschild

Ein Schild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Aber tausend Worte hätten nicht genügt, um meine Fassungslosigkeit auszudrücken. Wie ich gestern erfahren habe, ist ein Nachbar von uns und regelmässiger Leser des Flohnmobils mit dem Velo verunglückt. Nun liegt er im Spital und wartet darauf, dass ihn die Chirurgen wieder zusammenflicken.

Gute Besserung, lieber Fredy, und alles, alles Gute von der Flohnerin und ihrem Mitbewohner. Wir hoffen, dass wir dich bald wieder mit einem faulen Spruch behelligen können und du uns schmerzfrei kontern wirst. 

Und als ob das nicht schon genug wäre, erfahre ich keine 24 Stunden später von Walti, dass auch er unsanft vom Velo gestiegen ist und zum Arzt musste.

Auch dir, lieber Walti, gute Besserung. Den Kafi werden wir nachholen, wenn dein Pepsodent-Lächeln wieder hergestellt ist.

Ich hoffe, dass sich damit die Bruchpiloten-Meldungen für die längste Zeit erledigt haben. Ich kann mir nämlich sehr viel Angenehmeres vorstellen, als einen Tapeten-Wechsel ab dem Fahrrad vorzunehmen.

Der aufgeräumte Berg

Wir Schweizer sind ein ordentliches, ordnungsliebendes Volk. Das hat sich längst herumgesprochen, ist weitherum bekannt. Heute habe ich den Beweis dafür angetroffen. Unsereins räumt ganze Gipfel auf! Seht selbst:

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Da staunt ihr, was!?!

Der aufgeräumte Berggipfel ist das Kistenstöckli (2’746 m), auf Romanisch Muot da Rubi.  Er gilt als eigentliches Wahrzeichen von Brigels und ist von weither sichtbar. Mich erinnert das Kistenstöckli immer an eine umgekehrte Zaine (ein verkehrter, geflochtener Korb).

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Je näher man ihm kommt, desto unnahbarer wirkt es. Der Aufstieg jedoch erfolgt von der linken Seite her und ist – Schwindelfreiheit vorausgesetzt – gut machbar. Diverse Ketten entschärfen die ausgesetzten Stellen.

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Am Fusse des Kistenstöcklis liegt die Bifertenhütte, die man von der Alp Quader aus (mit dem PW ab Brigels erreichbar) in gut 2 Stunden erwandert.

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Wenn ihr das Kistenstöckli auch mal besteigen wollt: Es hat aller Aufgeräumtheit zum Trotz noch genügend Steine auf dem Gipfel, um einen Steinmann zu konstruieren. Es muss ja nicht gerade ein solches Vorzeigemodell sein.

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Sooooo muss Autofahren!

Unterwegs auf der Autobahn. Das Radio läuft. Der Moderator leiert Verkehrsmeldungen runter. Endlos. Tagtäglich die gleichen. Darunter Angaben wie “A1, Gubristtunnel, Fahrtrichtung Bern. Verkehrsbehinderung wegen eines Unfalls. Rechnen Sie rund 30 Minuten länger als normal.”

Normal? Normal! Gibt es überhaupt noch so etwas wie “normal” auf unseren Strassen? Die neuralgischen Stellen sind doch konstant überlastet, Stau an der Tagesordnung. Ich finde Autofahren mittlerweile – sorry – ziemlich zum Kotzen! Ich fahre nicht mehr als nötig. Überlege mir, ob und wann ich wohin fahren soll.

Und doch, den Normalfall gibt es auch noch. Zum Beispiel, wenn man sich den Luxus erlauben kann, gegen den Strom zu fahren. Wir waren nämlich unterwegs nach Brigels. Während die Staumeldungen am Radio verlesen wurden, sah es auf der A3 so aus:

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So entspannt stelle ich mir Autofahren vor. So leer dürften meiner Meinung nach die Strassen immer sein.

Alles Einbildung

Geht mal wieder die Fantasie mit mir durch,

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oder seht ihr auf diesem Bild auch ein Gesicht?

Die Bestandesaufnahme

“War das jetzt ein Frühlings-, Jahres- oder Zehnjahresputz?” Die Frage meines innig geliebten Mitbewohners, so zynisch sie auch gestellt war, hatte durchaus ihre Berechtigung. Es war bitternötig gewesen, meine Küche wieder mal gründlich zu reinigen. Nicht nur von aussen, sondern insbesondere auch in den Schränken.

Das Reinigungsprozedere liess sich ideal mit einer Bestandsaufnahmen kombinieren. Und da kam einiges zum Vorschein, von dem Köchin Flohnmobil nichts mehr gewusst hatte! Es regte auch zum Nachdenken an. Als ich meine Auslegeordnung an Pfannen aller Art betrachtete, kam ich nicht umhin, mich zu fragen, ob der Mensch wirklich so viele Pfannen braucht. Dabei sind auf dem Bild noch nicht mal alle Pfannen, Töpfe und Kochbehältnisse abgebildet, die es in meinem Haushalt gibt.

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Ob weniger nicht mehr wäre? Es wäre sicherlich einfacher, weniger Pfannen in den beiden Schubladen unter dem Kochfeld zu verräumen. (Der Mitbewohner schimpft ohnehin jedes Mal, wenn er dort etwas verstauen muss.)

Aber jede Pfanne hat ihre Bestimmung. Klar könnte ich auch in der Gusseisenpfanne Polenta kochen. Meine Urgrossmutter würde dazu vielleicht impulsiv nach der orangen Pfanne greifen, weil sie mit dem neumödischen Zeugs nichts anzufangen wüsste. Und müssen es wirklich fünf verschiedene Bratpfannen sein?

Ja, müssen es. Und wer nun ungläubig staunt, findet die Gründe hier. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich hänge an meinen Töpfen. Manche begleiten mich schon durch mein ganzes Köchinnen-Leben. Und das sind immerhin schon mehr als drei Jahrzehnte.

Herbstboten

Heute sah ich sie wieder. Heute, auf unserer Wanderung, die so herbstlich kühl auf der Schwägalp begann. Dort, wo die Sonne heute erst um zehn Uhr hin kam.

Sie begegneten mir zwar erst später, gegen Ende der Wanderung, kurz vor Urnäsch. Zahlreich standen sie in der Wiese. Reckten ihre Köpfe der Sonne entgegen.

Die ersten ihrer Sorte sah ich zwar bereits vor 10 Tagen auf der Wanderung in Tschiertschen. Doch damals wollte ich es noch nicht wahrhaben, dass der Herbst ins Land zieht. Mittlerweile lässt es sich nicht mehr verleugnen. Am Morgen ist es feucht, später hell, mitunter neblig. Und vor allem nicht mehr so heiss. Darüber bin ich allerdings froh. Für mein Wohlbefinden haben 25 Grad noch immer gereicht.

Der Anblick von Herbstzeitlosen – seufz – er geht immer auch mit einer gewissen Wehmut einher.

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Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf, verehrte Frau Monika Kunz unbekannterweise, entweder verfügen Sie über ein sehr kleines Fahrzeug, oder Ihre Fähigkeiten zum Einparken sind geradezu bewundernswert.

Güselchübel

Mit diesem Titel werden meine Leserinnen und Leser ausserhalb der Schweiz mal wieder nicht viel anzufangen wissen. Doch da sie mehr als 50 Prozent meiner Leserschaft ausmachen, will ich hier etwas Übersetzungshilfe leisten. Der Güsel ist nichts anderes als Abfall. Und ein Chübel ist ein Kübel. Ergibt also einen Abfalleimer.

Die Rede soll hier aber nicht von irgend einem Güselchübel sein, sondern von DEM Güselchübel schlechthin. Dem Ochsner-Chübel. Ich habe letzthin einen in Brigels fotografiert, der dort am Wegesrand den Güsel der Wanderer aufnimmt.

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Sein Anblick versetzte mich in meine Jugendzeit zurück, wo in jedem Schweizer Haushalt unter dem Spülbecken (das damals wie heute noch häufig als Schüttstein bezeichnet wurde) so ein Ochsner-Chübel stand. Ochsner darum, weil die Firma, die ihn produzierte – na wie wohl? – Ochsner hiess. Damals legte man den Chübel noch mit Zeitungspapier aus und stellte ihn am Tag der Güselabfuhr an den Strassenrand zum Leeren. Kehricht-Säcke wurden erst später erfunden. Zuerst aus starkem Papier, dann aus immer dünner werdendem Plastik.

Diese ganzen Erinnerungen holten mich wieder ein, als ich letzthin in einem Prospekt von Möbel-Pfister blätterte. Da entdeckte ich unter dem Titel “Schweizer Evergreens, die unseren Alltag bereichern” den “Alltagsklassiker Patent Ochsner”. Und der sieht mittlerweile so aus:

Daneben stand geschrieben.

Der zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelte, metallene “Güselkübel” mit dem unverkennbaren Deckel demonstriert heute das Genie alltäglicher Dinge. Das Design der Re-Edition bringt den Klassiker mit neuen Funktionen und Materialien selbst im Wohnzimmer zum Strahlen.

Könnt ihr euch vorstellen, so einen noblen, strahlenden Güselkübel (zum bescheidenen Preis von Fr. 249.- übrigens) in eurem Wohnzimmer zu haben? Als ich ganz bestimmt nicht!

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