Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Mutter Natur auf Abwegen

DSC09076

Löwenzahn? Löwenzähne?

Wie auch immer, diese unförmigen Gebilde auf der Wiese, die aus mehreren zusammengewachsenen Blütenköpfen bestehen, haben es mir irgendwie angetan.

Es ist fast wie beim Pilze suchen. Immer wieder schweift der Blick umher – bis man fündig wird.

DSC09081

Nicht mit mir!

Ich hätte meinen Gästen heute Abend wirklich gerne dieses Erdbeer-Rhabarber-Dessert von Zimi aufgetischt, das könnt ihr mir glauben. Und meine Absicht bestand bis zu dem Moment, als ich im Supermarkt ein paar Stengelchen Rhabarber in der Hand hielt. Dann machte ich etwas, was eine haushaltsbudgetbewusste Hausfrau ab und zu mal macht. Also eigentlich in meinem Fall fast immer. Ich schaute aufs Preisschild.

Da wär mir beinahe der Rhabarber aus der Hand gefallen. Elf Franken für ein Kilo Rhabarber! Elf!!! Für dieses Gestrüpp, das so wenig Ansprüche stellt und in jedem Garten wächst. Für elf Franken kaufe ich vielleicht Spargeln, die wesentlich arbeitsintensiver sind. Oder drei Kilo Äpfel, die über Monate hinweg reifen mussten. Aber doch keinen Rhabarber!

Deshalb werde ich meinen Gästen heute Abend als Ersatz ein Erdbeer-Tiramisu vorsetzen. Sie werden über den Verlust hinwegkommen.

Bild 044

Gibt es hier jemanden, der nicht weiss, wie Rhabarber aussieht? Hier gibt es massenhaft Bilder. Und das abgebildete Gestrüpp aus einem Garten in Irland ist bestimmt mit dem Speiserhabarber verwandt. Irgendwie.

Neunundfünfzig Würstli

Und da war vorgestern noch der 59. Geburtstag unseres Freundes Peter. Was mitbringen?

Die Antwort lieferte uns seine Frau. Zwar nicht direkt, aber ich griff ihre Bemerkung dankbar auf. Genau genommen war es mehr ein Zeichen der Resignation, als sie uns erzählte, dass ihr Mann abends vor dem Fernseher problemlos ein ganzes Pack Würstchen futtern könne. Sie habe deshalb aufgehört, diese zu kaufen, da sie beide ja stets mit der Waage auf Kriegsfuss stünden. Mit wenig Erfolg, denn Peter gehe nun einfach selber zu Aldi, um sich die besagten Kalorien zu besorgen.

Hm. Darauf liess sich aufbauen, dachte ich mir, ging zu Aldi und stand reichlich ratlos vor einem Angebot an Würstchen, das meinen kulinarischen Horizont übersteigt. Welche waren es denn nun? Ich entschied mich für die Tiroler Bergluft Stangerl, nicht wissend, was aus der Bergluft auf dem Weg in die Aldi-Filiale geschehen sein mochte.

Und aus den Würstchen bastelte ich dann zusammen mit meinem innig geliebten Mitbewohner diese kulinarische Collage.

DSC09073

Zehn Würstchen mit und 49 ohne Kalorien. Ganz im Interesse von Peters Frau. Und durchaus auch zur Freude des Geburtstagskindes.

So hat sich auf ganz wunderbare Weise der Kreis zu diesem Beitrag beinahe geschlossen.

Duftnoten auf der Weide

Ist euch 4711 noch ein Begriff?

Das Kölnisch Wasser?

In jeder Drogerie erhältlich.

Ich habe auf einem Spaziergang die etwas angepasste Version aus dem Kuhstall angetroffen.

Riecht bestimmt auch.

Und bestimmt etwas anders.

DSC09056

Schaut euch mal dieses Bild von Brigitte an. Ist es nicht köstlich?

Frühlingsrollen mit Nutella

Wenn du das Nutella-Glas an dein Ohr hältst,
kannst du ganz leise eine Bikini-Figur weinen hören.

nutella

Der Spruch stammt nicht von mir, aber ich finde ihn originell. Vielleicht auch nur deshalb, weil sich meine Bikini-Figur von Nutella nicht beirren lässt.

Eine köstliche Bezeichnung für das, was der Figur mitunter etwas abträglich ist, habe ich kürzlich gehört: Frühlingsrolle. Das tönt doch viel hübscher als Speckschwarte, Beule, Pirelli oder Wampe.

Und nun stelle ich mal wieder eine meiner Lieblings-Fragen:

Wie nennt ihr in eurem Dialekt das Zuviel an Figur?

Wie die Kleider fliegen lernten

Meine Mutter legt wert darauf, dass ich “endlich mal” die folgende Episode verblogge. Und weil ich schon früh gelernt habe, dass man der Mutter nicht widerspricht, füge ich mich.

Es war nicht immer so, dass ich ein ordentlicher Mensch bin. Genau genommen brauche ich bis heute irgendwo in der Wohnung eine “Puff-Ecke”. Oder mehrere. Nicht immer und nicht sofort einsehbar, aber vorhanden.

Früher muss das, will  man den Ausführungen meiner Mutter Glauben schenken, schlimmer gewesen sein. Dazu muss man wissen, dass meine Mutter zu der Gattung Mensch, Untergattung Hausfrau, gehört,  die bis heute morgens nie aus dem Haus geht, ohne den Haushalt gemacht zu haben. “Man weiss ja nie…” Sie geht auch nicht ins Bett, solange noch etwas Geschirr im Spültrog liegt. Ganz zu schweigen von allfälligen Ferien – da habe ich mich früher immer gewundert, was es denn bringt, wenn zu Hause alles pico-bello aufgeräumt ist, während man selber drei Flugstunden entfernt ist. Sieht ja keiner.

Unter den erwähnten Gesichtspunkten kann vermutlich auch ein Aussenstehender nachvollziehen, wie sehr es meine Mutter genervt hat, wenn mein Zimmer nicht aufgeräumt war. Der Schandfleck der ganzen Wohnung! Als Teenager fand ich damals, das sei meine Sache. Es war mir auch egal, wenn der Staubsauger und ähnliche Putzutensilien von meinem Zimmer fern blieben. Ganz schlimm wurde es erst, als meine Mutter in einem Anflug von Hoffnungslosigkeit jeweils mein Zimmer aufräumte. Dann fand ich nämlich nichts mehr.

Es war das übliche Mutter-Tochter-Duell, das zwischen uns stattfand. Ich hielt es nicht für nötig aufzuräumen, trotz regelmässiger, vermutlich nahezu täglich wiederkehrender Ermahnungen.

Eines Abends kam ich von der Schule nach Hause und in meinem Zimmer war … Ordnung. Dort, wo noch am Morgen ein Haufen Kleider gelegen hatte, war plötzlich wieder ein Sessel zum Vorschein gekommen. Triumphierend blickte ich um mich! Meine Mutter, die in meinen Augen ohnehin mehr Zeit dazu hatte als ich, hatte mein Zimmer aufgeräumt. Die Kleider offensichtlich entweder gewaschen oder ordentlich im Schrank verstaut.

“Wow Mami, hast du mein Zimmer aufgeräumt?” Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, denn die Veränderung, die im Raum vorgegangen war, war ziemlich offensichtlich. “Nein, habe ich nicht”, entgegnete meine Mutter, “aber schau mal zum Balkon raus.” Ich tat wie mir geheissen und traute meinen Augen nicht. Da lagen sie, all meine Kleider. Meine Mutter hatte das ganze Puff kurzerhand aufgegriffen und übers Balkongeländer geschwungen. Socken, Pullis, Jeans, Schuhe, alles lag verstreut im Hof! Wir wohnten im 4. Stock eines Mehrfamilienhauses und es muss ein Bild für die Ewigkeit gewesen sein, als damals meine Klamotten zu Boden schwebten.

Noch heute lacht meine Mutter schelmisch, wenn wieder mal die Rede von dieser Begebenheit ist. Sie findet, sie sei damals noch human mit mir umgegangen, und hätte die Kleider erst unmittelbar vor meiner Heimkehr über Bord geworfen. Für mich dagegen spielte es keine Rolle, wie lange die textilen Peinlichkeiten schon im Hof lagen. Kleinlaut stieg ich die vier Etagen runter, sammelte alles ein und bemühte mich fortan, in meinem Zimmer so viel Ordnung zu halten, dass mir eine Wiederholung der Episode erspart blieb.

DSC08071

Der Berufswunsch

Präsentation1

Das Hasen-Massaker

An Schokolade fehlt es im Hause Flohnmobil nie. Schon gar nicht um und nach der Osterzeit.

Früher oder später muss man aber jedem Hasen an die Wäsche. Da führt kein Weg dran vorbei, denn die Viecher vergammeln zu lassen wäre ja auch nicht im Sinne des Erfinders.

Üblicherweise beisst man ihnen zuerst die Ohren ab und frisst sich dann systematisch nach unten durch. Wir hatten Mitleid mit dem armen Hasi und in einem akuten Anflug von Anteilnahme verschwand mein innig geliebter Mitbewohner kurzerhand im Keller und kam mit einem feinen Sägeblättchen zurück. Damit halbierte er sorgsam den einen Schoggi-Hasen und setzte den Rest wieder zurück ins Hasen-Rudel.

Einmal mehr bin ich platt ab dem handwerklichen Geschick meines Mitbewohners. Und so eine Hasenbüste finde ich irgendwie – humaner.

DSC09044

Aus dem Osterhasen-Unterleib wurde übrigens Schoggi-Creme. Und wie geht’s euren Osterhasen so?

Teures Eis

Wer in Alaska unterwegs ist, oder gar wie wir seinerzeit durch ganz Kanada nach Alaska und wieder zurück fährt, kommt ohne sie nicht aus. Sie war und ist die Bibel jedes Reisenden, dick wie ein Telefonbuch, ebenso schwer und grundsätzlich etwas unhandlich. Milepost heisst das jährlich aktualisierte Werk, das es im Jahr 2000 noch nicht online gab.

In der Milepost sind sämtliche Strassen nach und in Alaska aufgelistet. Meile für Meile. Jede Attraktivität am Strassenrand, jeder Abfallbehälter ist aufgeführt. Und glaubt mir, wenn man über hunderte von Kilometern, pardon Meilen, rechts und links der Strasse einfach nur Bäumchen sieht, die auf dem Weg nach Alaska immer kleiner werden und im Retourweg wieder allmählich grösser wachsen, stattet man jeder verwahrlosten Sehenswürdigkeit einen Besuch ab.

Ein flüchtiger Blick in die Milepost kündigte uns seinerzeit an, dass da bald wieder eine dieser oftmals etwas fraglichen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand sein würde. Ein Gletscher. Na wieso denn nicht? Für eine Abwechslung allemal gut, zumal auch touristische Infrastruktur vorhanden zu sein schien und einer Tasse Kaffee und Kuchen waren mein innig geliebter Mitreisender und ich noch nie abgeneigt (nach mehr als 16 Monaten Reise in den USA hatten wir uns längst an amerikanischen Kaffee gewöhnt bzw. uns damit abgefunden…).

Ich war kurz davor, den Mitreisenden auf die Zufahrtstrasse zu manövrieren, da las ich ganz am Ende des Milepost Eintrags etwas von “Entrance Fee”. Nein, entschied ich kurzerhand, so weit runter geschneit hatte es noch nicht. Wo kämen wir denn da hin, für den Anblick eines Gletschers zu bezahlen? Das können meinetwegen die Amis machen, aber nicht wir. Bewohner eines Alpenlands. Stolze Eidgenossen mit ihren Bergen und dem ewigen Eis. Nein, Gletscher gibt’s bei uns gratis.

Wir fuhren weiter und begnügten uns mit dem Anblick aus der Ferne und der Gewissheit, dass es auch in Alaska gratis Gletscher zu sehen gab. Schönere und mächtigere als denjenigen, welchen wir gerade verschmäht hatten.

DSC04995

Der Aletschgletscher, mit 23 Kilometern der längste Gletscher der Alpen.

Gustave, le Veston

Mir geistert da so ein Begriff im Kopf rum, den ich nicht mehr loswerde. Erstaunlicherweise kann ausser mir und meiner Mutter niemand etwas damit anfangen. Noch nicht mal mein innig geliebter Mitbewohner, der normalerweise mit alten bzw. veralteten Dialekt-Ausdrücken gut sortiert ist.

Tschoopehof Gusti

So nannten wir früher einen Menschen, vorwiegend männlichen Geschlechts, der nicht ganz dem gängigen Modell “Mann” entsprach. Häufig in Sachen Intelligenz, Schlauheit, aber auch in Bezug auf seine Ansichten, sein Äusseres oder seine Gewohnheiten. Er kommt daher wie ein Tschoopehof Gusti, würde ich vielleicht über jemanden sagen, der ausgelatschte Schuhe trägt, ein schräg geknöpftes Hemd oder eine Hose, deren Farbe man nicht mal mehr erraten kann.

Wie setzt sich der Begriff zusammen? Ein “Tschoope” ist eine Jacke, ein Veston, ein Jacket. Der Gusti ist die schweizerdeutsche Version von Gustav.

Es ist mir bewusst, dass ich mit diesem saloppen Ausdruck viele Vorurteile verbinde. Dennoch unternehme ich hier einen zaghaften Versuch, seinem Ursprung auf die Spur zu kommen.

Kann mir jemand dabei helfen? Verwendet ihr vielleicht einen ähnlichen Begriff?

DSC01999

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 92 Followern an