Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

R(h)ein ins Vergnügen

Unter einer herbstlich anmutenden Hochnebeldecke fuhren wir mit dem Zug nach Schaffhausen. Kurz vor Erreichen der Stadt erst lichtete sich das Geschlabber am Himmel allmählich. Für einen eigentlichen Bummel durch die nahe Altstadt reichte es nicht, obschon es Schaffhausen alleweil wert wäre. Gerade mal fünfzehn Minuten dauerte es, bis unser Anschlusszug fuhr. Dort drin bewiesen wir unser ganzes Geschick im öffentlichen Verkehr und verpassten es, vor Langwiesen den “Halt-auf-Verlangen”-Knopf zu drücken. Immerhin wissen mein innig geliebter Mitbewohner und ich nun, wo Schlatt ist. Und auch, dass dort zehn Minuten später ein Zug in die Gegenrichtung fährt.

Mit versch(m)erzbarer Verspätung studierten wir den Wegweiser, der uns schnurstracks ans Ufer des Rheins brachte.

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Unser Ziel war Diessenhofen, das wir durch die Scharenwiis in knapp zwei Stunden erreichten. Der Weg führte mal mehr, mal weniger dem Wasser entlang, war insgesamt etwas feucht und mit der Zeit beinahe etwas monoton. Abwechslung boten einige Baumbrummer im Wald und Stellen, die vom Wanderer etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern. Zahlreiche Feuerstellen deuten darauf hin, dass das Gebiet rege frequentiert wird.

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In Diessenhofen konnten wir dank gutem Time-Management dem Städtchen einen kurzen Besuch abstatten, bevor wir uns an der Schifflände einfanden. Dort sahen wir uns bald umzingelt. Jesses, was war denn da los! Eine über 30-köpfige Gruppe der Pro Senectute Zürich wollte das Schiff entern. Das hatte uns gerade noch gefehlt!

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Glücklicherweise bestiegen die sportwütigen Senioren (zu 80 % mit E-Bikes unterwegs) den Kahn Richtung Schaffhausen, der noch vor unserem Schiff anlegte. Der Mitbewohner konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, dass man mit dem Velo – mit oder ohne Motor – wohl schneller in Schaffhausen wäre, als mit dem Kursschiff.

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Einer gemütlichen Fahrt mit der MS Thurgau rheinaufwärts stand nun mehr im Wege. Und schon gar keine zwei Dutzend E-Bikes, die erstaunlich schnell im Bug des Schiffs parkiert waren. Die Besatzung scheint auf solche Fälle vorbereitet zu sein.

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Für den Mitbewohner und mich war das, was kam, mehr oder weniger Neuland. Insbesondere vom Wasser aus. Der Fluss heisst von Stein am Rhein bis Schaffhausen übrigens Unterrhein. Das mag jemandem, der viel, viel weiter unten am 1’200 km langen Strom auf die Fluten blickt, etwas seltsam anmuten. Dort nennt man unseren Unterrhein Hochrhein.

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Wir blieben die gesamte Strecke bis nach Konstanz auf dem Schiff. Ab Diessenhofen dauert so etwas geschlagene 3 1/2 Stunden. Mit unserem Billett hätten wir ja nach Belieben aus- und zusteigen können. Aber die Sicht vom Wasser aus auf die Dörfer des Rheins und Untersees war das Sitzleder wert.

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Uns so zogen sie denn an uns vorbei. Eine Dorf schöner als das andere.

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In Konstanz waren wir dann doch irgendwie froh, dass die Bootstour zu Ende ging. Ich war der Ansicht, ich hätte meine Seetüchtigkeit lange genug unter Beweis gestellt. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Im Heimweg stand uns eine letzte Bewährungsprobe bevor. So viel sei verraten: Wir scheiterten jämmerlich. Aber da wir nicht ein Billett hatten, das ausschliesslich von A nach F via B, C, D und E gültig war, sondern eine Tageskarte fürs gesamte Schweizer ÖV-Netz, bestand unser Schaden lediglich aus einem kleinen Umweg über Nebenpfupfikon.

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Dies ist nicht irgend ein Schild.

Ooooh nein!

Es ist ein Schild, das das Flohnmobil von einem befreundeten Blog zum Geburtstag geschenkt erhalten hat.

Herzlichen Dank, liebe Hausfrau Hanna! Über solche Geschenke freut sich nicht nur das Flohnmobil, sondern auch die Bloggerin dahinter.

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Fussnote von Hausfrau Hanna (im O-Ton):

Ich muss beifügen, der Hund hat das Maul etwas sehr voll genommen – lag er doch die ganze Zeit faul am Boden. Wenn man genau hinschaut, ist er knapp erkennbar durch das Maschengitter, schräg links vor der Scheiterbeige…

Billett lösen für Fortgeschrittene und Nervenstarke

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wollten einen Ausflug unternehmen. Mit Bus, Zug und Schiff. Dazu braucht es ein gültiges Billett. Und dieses gedachten wir am Bahnschalter zu lösen.

Zu diesem Zwecke begaben wir uns ins Nachbardorf, an einen der wenigen Bahnstationen der Umgebung, wo der Schalter noch bedient ist. “Grüezi, ich hätte gerne gewusst, was ein Billet von Pfupfikon nach C via A, B, mit dem Schiff nach E und via F zurück nach Pfupfikon kostet.” Das weibliche Wesen hinter der Glasscheibe hatte, nachdem es begriffen hatte, dass wir keine 08-15-Strecke befahren wollten, auf einem Blatt Papier mitgeschrieben. Es begann zu repetieren. Und nachzufragen. “Sie wollen in B aussteigen?” – “Nein, erst in C.” – “Ab D dann mit dem Schiff?” “Und ab E via F zurück nach Pfupfikon?”

Die Frage-und-Antwort-Ping-Pong dauerte eine Weile, dann war unser Reiseweg beim Computer angelangt. Dieser jedoch gab sich noch nicht zufrieden. “Wollen Sie in Vorderpfupfikon, Pfupfikon  City oder Hinterpfupfikon einsteigen?” Für den Preis spielte das, so war ich überzeugt, keine Rolle, aber der Computer musste dennoch die Strecke berechnen. Und das  tat er dann auch. Mit helvetischer Gründlichkeit und einem Weg, von dem man nicht mehr abweichen konnte, kostete das Ticket einen seltsam rund anmutenden Betrag.

Der Mitbewohner und ich schauten uns leicht ungläubig an und entschlossen uns dann, anstelle des komplizierten Billets eine Tageskarten einzusetzen, die wir in einem äusserst schlanken Prozedere sogleich am Schalter lösten. “Das hättest du auch einfacher haben können”, tadelte er mich. Hätte ich nicht! Denn zuerst musste ich schliesslich wissen, wieviel das Ticket kostet, um zu wissen, was billiger zu stehen kommt. Immerhin hatte das Blondinchen hinter dem Schalter für einmal keinen Anlass, die sonst übliche hätten-Sie-auch-am-Automaten-lösen-können-Leier zum Besten zu geben. Und eine Nachhilfe Lektion in Schweizer Geografie hat es erst noch gratis erhalten.

Sofern der Mitbewohner und ich unser Programm erfolgreich abspulen und nicht unterwegs Schiffbruch erleiden, dürfte an dieser Stelle bald etwas über unseren Ausflug zu lesen sein.

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Um ein Haar

… hätte ich verpasst, dass mein Blog heute Geburtstag hat.

Wenn WordPress mich nicht daran erinnert hätte, hätte ich wohl wirklich zum ersten Mal in der sechsjährigen Geschichte des Flohnmobils nicht daran gedacht.

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A propos “Haar”, schaut euch mal diese Haarpracht an.

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So manches Gärtli dürfte sich – ganz besonders in diesen Tagen – paradiesisch anfühlen…

…  auch wenn es sich hier um ein “Ganzjahres-Schild” handelt, das ich in Illanz entdeckt habe.

Du armer T(r)opf

Zuerst waren sie noch zu dritt. Vereint in ihrem Elend, dem Tode geweiht. Dann plötzlich waren von den drei Blumentöpfen nur noch zwei dort. Und schliesslich blieb noch einer. Mutterseelenalleine. Man kann mutmassen, dass seinen anderen beiden Kompagnons ein neues Zuhause gefunden hatten.

So wird das bei uns mitunter gemacht. Man stellt das, was man denkt, es könnte vielleicht noch jemand gebrauchen, zuerst mal neben die grossen Abfall-Container. Nimmt die Dinge – wahlweise Stühle, Matratzen oder in unserem Fall grosse Pflanzgefässe – niemand innert nützlicher Frist mit, so versieht man sie mit einer Abfallmarke und bei der nächsten Kehrichtabfuhr nehmen die Müllmänner sie mit.

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Zum allgemeinen Verständnis muss hier folgendes erwähnt werden: In den meisten Gemeinden der Schweiz gibt es zweierlei  Abfall-Gebühren. Die erste Gebühr wird unabhängig von der anfallenden Menge Abfall pauschal pro Wohneinheit erhoben. Die zweite in Form von kostenpflichtigen Abfallsäcken oder – wie im Fall von unserer Gemeinde – Abfallmarken, die man auf den Sack klebt oder auf das Ding, das nicht in einen Abfallsack rein passt.

Übrig blieb also nur noch ein Pflanzgefäss, das noch immer dort steht, wo es sein alter Besitzer deponiert hat. Nach über drei Wochen hat dieser wohl eingesehen, dass er um die Investition einer Abfallmarke nicht mehr herumkommt. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass einen Tag bevor die Müllabfuhr jeweils kommt, auf der Innenseite des Keramiktopfs eine rote Abfallmarke klebte. Am besagten Tag jedoch war sie nicht mehr dran. Der Abfallmarken-Dieb hat erneut zugeschlagen! Wie weit muss man sinken, dass man für weniger als zwei Franken eine solche Abfall-Marke abklaubt?

Wo Männer noch treu sind

Ein Bergführer, mit dem wir vor Jahren einige Skitouren unternommen hatten, sagte mal, es sei verheerend. Mit jedem Gipfel, den man erklommen hätte, sähe man hundert neue Ziele. Auch wenn mein innig geliebter Mitbewohner und ich bei weitem nicht auf jeder Wanderung auf einen Gipfel gelangen, so hat diese Aussage doch ihre Richtigkeit, stammt doch die Idee zur gestrigen Tour von einer Wanderung, die wir vor gut einem Jahr gemacht hatten.

Die Voraussetzungen waren ziemlich ähnlich, war es doch damals auch backofenheiss in den Niederungen. Ergo: Flucht nach oben. Wir starteten kurz vor neun Uhr in Äugsten und genossen es, den steilsten Teil des Aufstiegs im Schatten zu gehen.

Die Aussicht – hier zum Glärnisch-Massiv – war nicht zu verachten. Von der tollen Flora ganz zu schweigen. Diese war mit ein Grund, weshalb wir hier nochmals eine Wanderung unternommen haben. Von Alpenrosen über Enzian, Feuerlilien, Türkenbund blühte alles verschwenderisch. Kein Wunder, auf Äugsten weiden keine Kühe und es wird nicht gemäht, die Pflanzen können sich ungehindert versamen.

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Für den Inbegriff aller Alpenblumen, das Edelweiss, mag es noch etwas zu früh gewesen sein, aber Männertreu haben wir in Hülle und Fülle angetroffen. Somit wäre auch der Titel dieses Beitrags erklärt. *räusper*

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Unser Ziel waren die Fessis-Seeli. An diesem Idyll, auf 2’200 m, gelegen konnte ich mich kaum satt sehen.

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Deshalb hier nochmals ein Bild mit den Glarner Alpen vom Hausstock über den Tödi bis zum Glärnisch im Hintergrund.

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Und wie herrlich angenehm die Temperaturen waren! Dennoch mussten wir früher oder später wieder zurück in den Backofen. Hier sieht man einen Teil des Abstiegs bis zu der in Bildmitte gelegenen Alp auf Ober Fessis.

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Der Weg ist gut ausgeschildert, auch wenn wir im Folgenden die Erfahrung machen sollten, dass die komplette Rundtour nicht so häufig unternommen wird.

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Unterwegs trafen wir die Senner-Familie, die im Begriff war, die oberste Weide einzuzäunen.

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Über diese Brücke? Nicht mit mir! Der Mitbewohner meinte zwar, sie hätte gehalten, ging aber gleichwohl rechts daneben vorbei.

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Der Weg vom Sooler Achseli zurück nach Äugsten ist nichts für Angsthasen. Wohl ist er gut unterhalten, mitunter aber etwas gar luftig.

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Kurz vor Erreichen der Seilbahn sahen wir eine Gruppe von “Heugümper-Verschreckern” wie der Mitbewohner die Leute nannte, die auf der Suche nach Tagfaltern waren. Über 40 verschiedene Arten haben sie entdeckt, fotografiert und wieder entschweben lassen.

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Total sind wir knapp 5 Stunden gewandert, eher gemütlich wegen der Hitze im zweiten Teil. Es galt, 950 Höhenmeter zu bewältigen und 10,5 km. Eine lohnende Sache, die ich jedem trittsicheren Bergseeli-Fan empfehlen kann.

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Prima Ballerinas

Ich bin ganz vernarrt in diese Fuchsie.

“White Eyes” heisst sie und beglückt mich mit einer Unmenge an grossen, gefüllten Blüten.

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Sehen sie nicht aus wie durch die Lüfte schwebende Ballett-Tänzerinnen mit gerafften Röcken?

Eine wird schon passen

Heute ist wieder wandern angesagt. Einmal mehr wird Familie Flohnmobil im Beisein von Herrn und Frau F. die Schweizer Bergwelt stürmen.

Ihr erinnert euch doch an Herrn F.?
Den Herrn mit dem desolaten Schuhwerk.
(sonst dürft ihr die Geschichte noch so gerne hier nachlesen)
Es werden Gerüchte herumgereicht, Herr F. habe sich in der Zwischenzeit neue Wanderschuhe angeschafft.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich trauen der Sache noch nicht so ganz. Wir haben deshalb vorgesorgt und für alle Fälle ein Reparatur-Set eingepackt.

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Als kleiner Trost für Herrn F.:
Auch Frau Flohnmobil hat in der Vergangenheit das eine oder andere Malheur mit ihren Wanderschuhen erlebt, wie hier nachzulesen ist.

Rinnsale–Sinnsale

Es hat nicht für Alle Platz mitten im imposanten Wasserfall des Lebens.

Es braucht auch stille Zuschauer.

Und solche, die sich an einem Rinnsal erfreuen können.

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Wasser sucht sich seinen eigenen Weg.

Und kümmert sich nicht um unsere Bedürfnisse und Träume.

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