Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Die Polizei – dein Freund und Bedufter

Und da waren noch diese beiden Schroter (ein nicht gerade netter Begriff für “Polizist” hierzulande), die mitten auf der Strasse standen, als wir in den Ferien einen Ausflug in ein Seitental machten, und den Verkehr aufhielten. Der besorgte Blick meines innig geliebten Mitbewohners ging in Richtung Tacho. Er würde doch nicht schon wieder zu schnell gefahren sein…?

Der Mitbewohner liess die Scheibe runter und der Polizist erklärte in perfektem Französisch, das ich gerade noch so verstand, dass sie hier seien, um auf den “Rentrée” aufmerksam zu machen. Den Schulbeginn also. Erleichterung machte sich im Fahrzeuginneren breit, während der Polizist einen in Cellophan eingeschweissten Dufti reichte und uns eine gute Fahrt wünschte.

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In einem Anflug von Euphorie riss ich die Verpackung auf und befestigte das Männchen mit den Kinderaugen am Innenspiegel. Das war wohl etwas gar voreilig, wie ich kurze Zeit später reuevoll eingestehen musste. In der Westschweiz mag die Duftnote vielleicht als angenehm gelten, der Mitbewohner und ich aber befanden unisono, dass es stinke.

Zurück in der Ferienwohnung verpackte ich das duftende Mahnmal satt in einen Plastiksack, was es aber nicht davon abhielt, weiterhin – wenn auch etwas weniger aufdringlich – vor sich hin zu duften. Zum Wegwerfen war mir das Männchen viel zu schade. Zu Hause würde ich es im Treppenhaus aufhängen. Dort wird es wertvolle Dienste erweisen. Denn kein synthetischer Duft der Welt kann bekanntlich grässlicher stinken, als das, was zu der Wohnungstüre vis-à-vis herausmieft.

Wie oben erwähnt, ist „Schroter“ eine der vielen unrühmlichen Bezeichnungen für Polizist. Wie sagt ihr?

Ovronnaz im Rückblick

Ich muss noch ein paar Worte verlieren zu Ovronnaz, diesem Ort im Unterwallis, in dem wir 10 Tage Ferien verbracht haben. Selbst mit den modernen Mitteln wie Google Earth, Websites, Webcams und dergleichen kann man sich im voraus kein schlüssiges Bild über die auserwählte Destination machen. So stand auch uns die eine oder andere Überraschung bevor.

Ovronnaz liegt auf einer Höhe von 1’200 bis 1’360 m, hoch über dem unteren Rhonetal. Im Bild hier im Vordergrund zu sehen. Das Dorf, das zur Gemeinde Leytron gehört, verteilt sich über einen ganzen Hang. Entsprechend geht es im Ort nur bergauf oder bergab. Das hat unter anderem Einfluss auf die Bauten, die häufig nicht auf annähernd ebener Fläche stehen und vielfach über kriminell steile Zufahrten verfügen. Im Winter möchte ich hier nicht wohnen, auch nicht als Tourist!

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Die Zufahrtstrasse aus dem Tal ist von unterschiedlicher Güte. Gezählt habe ich sie nicht, aber es dürften über 20 Spitzkehren sein, auf denen man sich – anfänglich noch in den Rebhängen – hocharbeitet. Einen alten Ortskern sucht man vergebens. Die paar Läden, die Post das Tourismusbüro und einige Restaurants stehen dennoch relativ nahe beisammen.

Es hat zwar einige Lifte für den Skibetrieb im Winter, die Hauptattraktion von Ovronnaz aber ist das  Thermalbad. Darüber habe ich bereits im letzten Beitrag einige Worte verloren.

Wandern ist insbesondere dann interessant, wenn man sich für vergleichsweise günstige 45 Franken einen 6-Tages-Pass kauft und die Wanderungen bei der Bergstation startet.

Bergbauern sucht man in Ovronnaz vergebens. Die meisten Alpen werden nicht mehr bestossen. Teilweise liegt es daran, weil aufgrund der Trinkwasserfassungen keine Viehwirtschaft mehr erlaubt ist. Der wesentlichere Grund aber dürfte sein, dass mit Touristen schlicht und ergreifend mehr Geld zu verdienen ist als mit Kühen und Schafen.

Walbeobachtungen im Wallis

“Das habe ich alles”, liess mein innig geliebter Mitbewohner verlauten, als wir im Thermalbad von Ovronnaz vor der Tafel standen, die Angaben über die Gsüchti machte, die das Wasser angeblich zu heilen vermag. Insgesamt vier Mal begaben wir uns die letzten Tage in die Fluten. Es hat etwas wunderbar Wohltuendes an sich, wenn man unter dem blauen Walliser Himmel im blubbernden, 32 Grad warmen Wasser liegt und das sagenhafte Panorama betrachten kann.

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Besonders schön muss es im Winter und Frühjahr sein, wenn die umliegenden Berge schneebedeckt sind. Mehr als den Kopf dürfte dann aber niemand für längere Zeit aus dem Wasser ragen lassen.

Die Anlage wurde 1990 eröffnet, die beiden Aussenbecken einige Jahre später. Zum gesamten Komplex gehören mehrere Hotels und kleinere Ferienwohnungen. Das Wasser kommt übrigens 24,2 Grad warm aus einer Quelle unterhalb von Ovronnaz. Es muss also nicht nur heraufgepumpt, sondern auch noch erwärmt werden.

Im Sommer kann man sich auf den zahlreichen zur Verfügung gestellten Liegestühlen suhlen. Und dabei vorzüglich die anderen Badegäste studieren. Mitunter fühlten wir uns angesichts gigantischer Fleischberge an Walbeobachtungen erinnert. Badebekleidung von nicht viel mehr als Toblerone-Dreieck grossen Textilien bis zur Version Einmannzelt – alles taucht früher oder später vor dem Auge des aufmerksamen Betrachters auf. Und ich frage mich einmal mehr, weshalb ich mich jemals fragte, ob ich mit Kleidergrösse 38 überhaupt noch einen Bikini tragen kann.

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Interesse an mehr Informationen? Voilà:
http://www.bains-ovronnaz.ch/de

PS: Sooo sauber waren wir schon lange nicht mehr. Allerdings auch nicht so feucht hinter den Ohren.

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Endlich mal ein originelles, ganz und gar unverklemmtes WC-Schild!

Fotografiert an der Talstation des Sessellifts Jorasse in Ovronnaz.

Die Königs-Etappe

Schon als ich mir daheim die Wanderkarte angeschaut hatte, beschloss ich: Diese Wanderung müssen wir machen! Als dann im Wanderprospektchen von Ovronnaz die besagte Wanderung auch noch als “notre coup de coeur” (unsere Lieblingstour) angepriesen wurde, war der Fall sonnenklar.

Ausgangspunkt für die lohnende Unternehmung ist einmal mehr die Bergstation der Jorasse-Sesselbahn auf 1’939 m. Von dort ist die Tour du Grand Chavalard als 6-stündige Runde angegeben. Unser Weg führt uns über Petit Pré zu Euloi, einer Hochebene, wo Trinkwasser gefasst wird. Hier kommt uns eine junge Frau entgegen, die an ihren sonst schon grossen Rucksack einen Geigenkasten geschnallt hat. Was es nicht alles gibt!

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Es folgt der Aufstieg zum Col de Fenestral, mit 2’453 m der höchste Punkt der Wanderung.

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Dort erwartet uns ein umwerfendes Panorama rüber zum Mont Blanc und das Trient-Massiv. Im Vordergrund die Cabane Fenestral, die Übernachtungsmöglichkeiten und einfache Verpflegung anbietet. Unten der obere Lac de Fully.

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Ein tolles Panorama begleitet uns auf dem weiteren Weg. Zuerst gehts auf gutem Weg runter zum unteren Lac de Fully, dann steigt es wieder an. Nicht steil, dafür umso imposanter.

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Der steilen Flanke des Grand Chavalard entlang führt der breite Weg, der relativ häufig begangen wird. Über 1’600 m tiefer liegt das Rhonetal im leichten Dunst.

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Was für eine Wegführung – der füdliblutte Wahnsinn!

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Da lacht mein Wandererherz, während das Auge einen Blick  zurück wirft.

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Im letzten Abschnitt zurück nach Petit Pré wird’s nochmals etwas ruppiger. Wie immer bei längeren Wanderungen schleicht sich allmählich eine gewisse Sättigung ein. Vom Durst gar nicht zu sprechen. Diesen löschen wir in der Gite de Lui d’Août.

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Mitsamt aller Pausen sind wir sechs Stunden später wieder beim Sessellift und sind ganz froh, dass wir mit mechanischer Unterstützung zu Tale schweben können und die Höhenmeter runter nach Ovronnaz nicht auch noch zu Fuss machen müssen.

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Eine absolut empfehlenswerte Wanderung. 15 km Wegstrecke, knapp 1’000 Höhenmeter, reine Laufzeit 5 1/4 Stunden.

Weitere Infos zu dieser Wanderung gibt’s hier: http://www.wandersite.ch/Tageswanderung/620_Unterwallis.html

 

Die Schokolade-Kuh

Ihr kenne sicher alle diese lilafarbene Kuh, die von der Milka-Schokolade.

Schon lange habe ich mir die Frage gestellt, welcher Kuh wir wohl die schwarze Schoggi zu verdanken haben. Die Erleuchtung erfolgte vor kurzem, als ich im Wallis beim Wandern an einer Kuhherde vorbeikam.

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Logo, die Milch muss von den schwarzen Eringer-Kühen stammen, dieser kampflustigen, stämmigen Rinderrasse, die so typisch fürs Wallis ist.

Oder habe ich da etwas falsch verstanden….?

Auf dem Weg der tausend Blumen

Ich bin euch noch schuldig, wo ich das horizonterweiternde Bild vom gestrigen Beitrag geschossen habe. Kenner wie Werner haben das breite Tal sicher erkannt. Allen anderen sei geflüstert: Es ist das Wallis.

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Unsere prächtige Panorama-Wanderung führte uns auf dem Sentier botanique Mille Fleurs bei Ovronnaz auf den äussersten Punkt, den Grand Garde, von dem aus wir nahezu 2’000 Meter tiefer ins breite Tal der Rhone blicken konnten.

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Die Blumenvielfalt war trotz fortgeschrittenem Sommer immens und immens beeindruckend. Beinahe noch beeindruckender waren all die stattlichen und zum Teil uralten Lärchen. Genauso wie die Lärchenleichen, die uns fast auf dem ganzen Weg begleiteten. Bzw. wir an ihnen vorbei wanderten, um bei der Wahrheit zu bleiben.

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Wahrlich ein gelungener Einstieg, um endlich mal im Wallis auf Wanderschaft zu gehen.

Eine Horizont-Erweiterung

 

… hat meines Wissens noch nie jemandem geschadet.

 

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Grünzeug mit Igitt-Dekoration

Unter Salat rangiert so manches. Es ist bei weitem nicht nur Grünzeug, das in einer Salatschüssel landet und mit einer Sauce vermischt wird. Kartoffeln sind gang und gäbe, mitunter aber auch Hörnli, Reis oder Bulgur (mein derzeitiger Favorit für währschafte Salatbeilagen). Und dekorieren kann man einen Salat auch mit allerlei. Von Kräutern, Blumen, Speckwürfelchen über Nüssen zu Balsamico-Kügelchen ist alles möglich, was die Fantasie zulässt und das Herz begehrt.

Eine etwas seltsame Dekoration zu einem grünen Fertigsalat ist vor kurzem in der Westschweiz aufgetaucht, wie ich in meiner Zeitung unter “Unglücksfälle und Verbrechen” lesen konnte. Im Sack befand sich nämlich eine halbe tote Maus. Wie widerlich ist das denn?

Da ich mich vor Mäusen generell und toten Mäusen im besonderen ekle, weiss ich nicht, wie ich reagiert hätte, wenn das mir passiert wäre. Da es in meiner Küche so gut wie keine Convenience Produkte gibt, muss ich mich aber nicht vor halben toten und auch nicht vor halb toten Mäusen zwischen dem Kopfsalat fürchten.

Dennoch: Man hat mir ganz klar ein weiteres Argument in die Hände gespielt, nie vorgewaschenen, gerüsteten Salat zu kaufen.

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Beamtisch

Das Schreiben lag heute in unserem Briefkasten. Dezent der Aufdruck des Absenders. Tendenziell unerfreulich der Inhalt. Das Öffnen war einigermassen spannend wenn nicht sogar anspannend, schliesslich war die seinerzeitige Erleuchtung unübersehbar gewesen. Die Frage war nur noch: Wie viel würde es sein?

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Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr

Anlässlich einer Geschwindigkeitskontrolle stellten wir fest, dass der/die Lenker/Lenkerin des untenstehenden Fahrzeuges folgende Uebertretung/en gemäss Ordnungsbussenliste im Strassenverkehr (OBV) begangen hat.

—— Es folgt die Litanei wo, wann, wieviel und wieviel nach Abzug der Sicherheitsmarge. ——

Da Ihnen die Uebertretung nicht sofort eröffnet und der Bussenbetrag nicht direkt erhoben werden konnte, bitten wir Sie, den Betrag mittels untenstehenden (Achtung: Fehler!!!) Einzahlungsschein innerhalb von 30 Tagen zu überweisen. Wird diese Gelegenheit innerhalb der vorgeschriebenen Frist nicht benutzt, wird das ordentliche Verfahren eingeleitet, das heisst (Achtung: Fehler!!!) es erfolgt eine Verzeigung.

Mit freundlichen Grüssen
KANTONSPOLIZEI GLARUS
FD Verkehr / Radarverwaltung

Nette Worte für eine Geschwindigkeitsbusse, nicht wahr? Nicht ganz fehlerfrei zwar, nichts desto Trotz unmissverständlich. Das ganze Blabla lasen wir natürlich erst im Nachhinein, entscheidend war, dass die Busse nur sechzig Franken betrug, obschon der Mitbewohner im Achtziger-Bereich mit fast hundert gebrettert war. Und nun soll mir niemand mehr sagen, es sei nicht wichtig, ob man vom Beifahrersitz aus auf den Tacho sehen kann!

Habt ihr übrigens gewusst, dass die Bussen nicht überall in der Schweiz gleich hoch sind? Selbst auf Autobahnen nicht. Finde ich ehrlich gesagt etwas seltsam.

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