Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Bitte spülen!

Eine meiner frühesten Kindheits-Erinnerungen, wenn nicht die erste überhaupt, spielt sich im damaligen Badezimmer ab. Es war eines dieser fensterlosen Badezimmerchen, dessen Grösse durch die Länge der Badewanne vorgegeben war. Daneben die Toilettenschüssel, flankiert vom Waschbecken, das in unserem Lande häufig als “Brünneli” bezeichnet wird. Selbst mir als kleines Mädchen kam das Badezimmer winzig vor.

Ich stand am Brünneli und hantierte mit einem Waschlappen. Was ich damit gemacht habe? Vielleicht auf Geheiss der Mutter das Gesicht von den Überresten des Nachtessens befreit. Das weiss ich nun wirklich nicht mehr. Was ich aber noch sehr genau in Erinnerung habe: Der Waschlappen fiel mir aus den kleinen Händen. Vermutlich weil mir schon damals eingebläut worden war, Waschlappen immer gut ausgedrückt wieder zurück an den Haken zu hängen.

Es machte PFLATSCH und der Waschlappen landete bedauerlicherweise nicht auf dem Boden, wo ich ihn wieder hätte aufheben können. Nein, der blöde Waschlappen suchte sich den direkten Weg in die WC-Schüssel.

Ob ich damals schon über den nötigen Wortschatz verfügt habe, um mich über den Lapsus gebührend verbal zu äussern, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Ich stand da und betrachtete die Misere. Hin- und hergerissen zwischen ein artiges Mädchen zu sein und dem Abscheu, mit der Hand in die WC-Schüssel zu tauchen.

Die Abscheu siegte. Sie liess mich den Spülknopf betätigen. Mit gurgelnden Geräuschen verabschiedete sich der Lappen in Richtung Kanalisation. Mein Problem war aus der Welt geschafft. Zumindest dachte ich das.

Als meine Mutter den Hauswart rufen musste, weil das WC verstopft war, blieb ich nur dank der unschuldigsten aller Unschuldsmienen von einem zünftigen Chlapf aufs Füdli verschont.

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Kau Boy!

Die Misere begann im Grunde genommen schon lange bevor mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns an den Tisch setzten. Vielleicht war es ja falsch gewesen, das Fleisch beim Discounter zu kaufen. Ich begann zu grübeln, ob es gar grundsätzlich falsch war, irgend etwas beim Discounter zu kaufen. Doch dafür war es zu spät. Nicht nur die zwei Stunden zu spät, die das Fleisch bereits in der Pfanne verbracht hatte, sondern etliche Tage zu spät.

Zu Hause wäre mir das nicht passiert. Zu Hause hätte ich das Fleisch postwendend wieder in den Laden zurück gebracht. Angewidert hatte ich die braun angelaufenen Fleischstücke in der kleinen Küche der Ferienwohnung in Silvaplana entsorgt. Sie sahen nicht nur unappetitlich aus, sie rochen auch so. Von zwei völlig intakten Packungen Rindsvoressen (in anderen Ländern unter dem Begriff Gulasch bekannt, was für uns Schweizer wiederum nicht das Gleiche ist) war nur eine brauchbar, obschon das Verbrauchsdatum noch in Ferne lag.

Aus der zweiten Packung bereitete ich ein Rindsvoressen zu. Nach zwei Stunden Schmorzeit erfüllte ein Duft, der Freude auf die bevorstehende Mahlzeit aufkommen liess, den hintersten Winkel der Ferienwohnung. Nebst dem Duft war jedoch nur die Sauce eine weitere positive Bemerkung wert, das Fleisch selber entsetzlich zäh. Der Mitbewohner konnte sich einige Bemerkungen wie “die Kuh ist wohl aus Altersschwäche gestorben” und dergleichen nicht verkneifen.

Als verantwortliche Köchin beschloss ich, das Menü vorwiegend aus Polenta und der wirklich schmackhaften Sauce aus viel Rotwein, Rüebli, Sellerie und Zwiebeln bestehen zu lassen. Das Fleisch landete zurück in der Pfanne, wo es anderntags nochmals schmoren sollte.

“Gib der alten Kuh genügend Zeit zum weich werden”, riet der Mitbewohner. Wir rätselten, ob es reichen würde, pro zehn Kuhjahre eine Stunde Kochzeit einzurechnen. Nach total vier Stunden Kochzeit war das Fleisch wohl etwas weicher, beanspruchte unsere Kaumuskulatur aber immer noch enorm.

Meine Euphorie über Schmortöpfe ist derzeit gerade etwas abgeebbt. Dabei gibt es – mit einem glücklicheren Händchen beim Fleischkauf – so feine Sachen, wie beispielsweise dieses Rezept hier von Zimi.

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Jetzt weiss ich endlich, was die Amerikaner unter dem Begriff Cowboy verstehen.
Was für ein raffiniertes Volk!

Sonnenschein im Portemonnaie

Sonne Silvaplana. Dieser Begriff hat für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich eine besondere Bedeutung. Im Hotel Sonne in Silvaplana verbrachten wir unser erstes gemeinsames Wochenende. Das war vor über 20 Jahren. Seither waren wir nie mehr dort. Das könnten wir auch nicht mehr, denn dort, wo damals das Hotel stand, klaffte vor vier Jahren nur noch ein grosses Loch. Eine riesige Baugrube.

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Das hat sich gründlich geändert und es wurden mehrere Wohnhäuser aus dem geschichtsträchtigen Boden gestampft. Ungeachtet der Zweitwohnungsinitiative übrigens. Und ebenso ungeachtet der Tatsache, dass Silvaplana bereits einen Zweitwohnungsanteil von über 60 Prozent hat.

Jetzt im März sind schon wieder die meisten Fensterläden im touristischen Dorf geschlossen, die Häuser und Wohnungen leer. Ein charakteristisches Bild fürs ganze Oberengadin.

In der neuen Überbauung Sonne sind rund fünfzig Wohnungen entstanden, von denen der Grossteil noch keinen Käufer gefunden hat. Ob sich das in absehbarer Zeit ändern wird? Allzu gediegen ist die Wohnlage nicht und teilweise haben die Wohnungen null Aussicht. Dennoch werden Verkaufspreise herumgereicht, die im Bereich von 2,5 Millionen Franken für eine 2 1/2-Zimmer-Wohnung sind.

Nein, ich habe mich nicht um eine Kommastelle verschrieben. Hüstel.

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Interesse geweckt? Portemonnaie dick genug? Hier gibt’s mehr Informationen.

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Im Engadin wird irgendwie einfach gar nichts ausgelassen…

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Zuverlässige Wiederholungstäter

Es ist eine unbestrittene Tatsache: Früher oder später räumt der Winter das Feld um dem Frühling Platz zu machen. Ebenso unbestritten ist, dass mein innig geliebter Mitbewohner und ich trotz Frühlingsgefühlen im Flachland gerne nochmals in die Berge fahren um unserem Hobby zu frönen. Und ebenso zuverlässig wie inhaltlich unbestritten erreichen mich seit Jahren von einer Freundin Mails mit folgendem und ähnlichem Inhalt:

Mannohmann …wie KANN man nur Skifahren gehen, wenn es endlich Frühling geworden ist.

Ich neide dir deine Skiferien nicht. Nichts desto weniger wünsche ich dir eine schöne Zeit und viele Sonnenstunden.

Ich kann meine Freundin und alle Anderen verstehen. Wirklich. Ich kann gut nachfühlen, dass man sich nach dem Winter wieder Sonne und Wärme wünscht. Sich am Flöten der Amseln erfreut und gierig aufsagt, wie sich die Natur zu entwickeln beginnt. Mir macht das auch Spass und ich begrüsse jeden Krokus im Garten einzeln, suche Bärlauch und überlege mir ernsthaft, meine Fensterscheiben zu putzen.

Dennoch, ab so einem Anblick kann ich nicht anders. Da geht mir einfach das Herz auf.

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Zum Niederknien schön, oder?

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Dramatische Momente

In meiner Küche bahnt sich eine Katastrophe an. Eine veritable Katastrophe. Und ich sehe absolut keine Möglichkeit, diese abzuwenden.

Meine Klarsichtfolie neigt sich dem Ende zu! Diese tolle Klarsichtfolie, die nie an sich selber kleben blieb. Die nie, gar nie, nicht abreissen wollte. Die mir nie den letzten Nerv ausriss. Die so ist, wie man sich Klarsichtfolie eben vorstellt.

Ich bin untröstlich! Wer jemals mit Klarsichtfolie hantieren musste, wird mir beipflichten, dass eine ungehorsame Klarsichtfolie einem das Leben in der Küche zur Hölle machen kann. Da wird selbst die friedliebendste Köchin zum fluchenden Monster.

Warum also die Panik, werdet ihr denken. Soll sich diese Frau Flohnmobil doch einfach eine neue Rolle Klarsichtfolie kaufen. Immerhin ist sie in der glücklichen Lage und weiss, welches Produkt ihren Vorstellungen entspricht.

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Wenn das so einfach wäre! Die kooperativste Klarsichtfolie, mit der ich mich jemals auseinandersetzen durfte, stammt aus Schweden.

Sichelförmige Skepsis

Naturphänomene? Faszinierend. Der Hype, der darum gemacht wird. Na ja.

Die partielle Sonnenfinsternis von heute Vormittag habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Aber brillenlos wie ich war, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. Da kam mir meine Zeitung zu Hilfe, die gestern Folgendes schrieb:

Auch ein Spaziergang im Wald kann die Sonnenfinsternis zum Erlebnis machen ohne Blick zur Sonne. Im Schatten von Bäumen, zu dieser Jahreszeit Nadelbäume, zeichnen sich während der Finsternis hundertfach Sonnensicheln und Lichtkreise ab.

Ein Spaziergang im Wald, das entsprach ganz meinen Vorstellungen. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich machten uns auf die Socken Richtung Wald. Und wir sahen sie tatsächlich, diese beschriebenen Sonnensicheln. Vielleicht nicht grad hundertfach.

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Um ganz ehrlich zu sein: So richtig daran glauben, dass diese sichelförmigen Schatten etwas mit der partiellen Sonnenfinsternis zu tun haben, werde ich erst, wenn sie bei meinem nächsten Waldspaziergang nicht mehr dort sind.

Wie habt ihr die Sonnenfinsternis erlebt?

Der Beobachtungs-Posten

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Ob sich diese Kröte heute auch die Sonnenfinsternis anschaut?

Zumindest hat sie sich schon mal in eine bequeme Position begeben. Es soll ja eine ganze Weile dauern, bis das Naturschauspiel über die Bühne ist.

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Hunde? Das Reizthema schlechthin für manch Einen.

Und eine wahre Fundgrube für Schilder-Sammler, so wie Werner.

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Oder Thomas.

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Oder meine Wenigkeit.

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Zuhinterst

Als ich meinen Blog über die spektakuläre Baum-Kosmetik-Aktion schrieb, wählte ich meine Worte mit besonderer Sorgfalt. Das mache ich zwar eigentlich immer. Aber diesmal musste ich schauen, dass nicht bereits der Titel falsche Erwartungen weckte.

Ich fand jedoch, dass “Hintern” ein durchaus anständiges Wort sei für das, wo man sich normalerweise draufsetzt. Hätte ich beispielsweise “Füdli” geschrieben, wäre es zwar nicht ausgesprochen vulgär gewesen, aber das hätten nur die Schweizer verstanden. Hätte ich “Derrière” geschrieben, wäre mein grosses Sprachtalent zum Ausdruck gekommen, wählen doch die Franzosen dieses Wort für ihre Sitzfläche. Und mit einem kleinen Strichlein weniger pflegen sich die Engländer gepflegt auszudrücken.

Ich betreibe mal wieder eines meiner Lieblingsspiele und frage euch:

Wie heissen die vier Buchstaben in eurem Dialekt? Und ist es so, wie ihr sie nennt, eher vulgär, Kindersprache oder nicht mehr oder weniger als das, was es nun mal ist:
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Ein mehr oder weniger breites Körperteil.

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