Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Aber ja doch! Immer wieder gerne!

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Bei Ovronnaz im Unterwallis

 

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Piz Bernina  / Oberengadin

 

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Lofoten / Norwegen

 

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Samnaun / Graubünden

 

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Pyrenäen

Klauen für Moderne

Wie ich aus gut unterrichteter Quelle vernommen habe,
sagt man heutzutage nicht mehr “Dieb”.

Neudeutsch heisst es offenbar

Fachkraft für spontane Eigentumsübertragung

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Ob dieser Begriff allerdings auch für moderne Formen des Verbrechens wie

Datenklau im Internet

Skimming

Phishing und

Kreditkarten-Betrug

gilt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Opfer meiner Selbst

Wenn wir Gäste zum Essen haben, scheue ich beinahe keinen Aufwand. Solange es um die Küche geht. Mit exorbitanten Tischdekorationen und dergleichen habe ich es bekanntlich nicht so. Ich koche gerne und ich koche – für einmal sämtliche Bescheidenheit ablegend – auch gut. Jedenfalls meistens.

Unsere Gäste wissen das. Und sie kommen wohl mittlerweile mit einer gewissen Erwartungshaltung ins Hause Flohnmobil. Fertiggerichte gibt es bei mir nicht. Doch wo ist die Grenze? Gelten Pommes Chips zum Apéro als Fertiggericht? Soll ich Marzipan selber machen?

Obschon ich beispielsweise mein Brot so gut wie immer selber backe, kaufe ich, wenn ich welches brauche, Toastbrot. Ausnahmslos. Obschon ich Rezepte hätte für Senffrüchte, kaufe ich sie. Gleiches gilt für Senf. Oder Mayonnaise.

Immer wieder ertappen mich meine Gäste, wie ich mir gewisse Errungenschaften der Food Industrie zu Nutze mache. “Hast du das Pistazien-Glacé selber gemacht?” hörte ich letzthin erwartungsvoll. Nein, ich leiste mir den Luxus von Mövenpick-Glacé. Und sämtliche Arten von Teigwaren finde ich in so grosser Auswahl im Laden, dass ich meine Anstrengungen zu Hause auf Aspekte des Kochens und Backens richte, wo ich mehr brillieren kann. Zum Beispiel auf raffinierte Saucen. Oder Kombinationen, die in keinem Fertig-Menu anzutreffen sind.

Die Frage nach “sälber gmacht?” muss ich wohl in Kauf nehmen. Bin ich nun zum Opfer meiner Selbst* geworden?

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*Und schreibt man Selbst nun gross oder klein? Oder sollte es meines Selbst heissen? Dann müsste ich den Titel dieses Beitrags ändern.

Andere Länder – andere Sitten (6)

Dieser Beitrag ist die nahtlose Fortsetzung des letzten Posts. Der Grund, weshalb mein innig geliebter Mitbewohner und ich in Mexico eine Wal-Mart-Filiale aufsuchten, war nicht einzig, weil wir im Supermarkt einkaufen wollten. Wir gedachten auch, dort zu nächtigen. So hatten wir das schon dutzende Male in den USA und Kanada gemacht. Wieso sollte sich der Parkplatz nicht auch in Mexico zur Übernachtung im Camper eignen?

Als wir – aus bekannten Gründen unserem Gespür folgend – dorthin fuhren, war es noch hell. Da es aber Anfang Dezember war, wurde es früh dunkel. Bald war alles in hellem Flutlicht erleuchtet. Ein ruhiges Eck zu finden war nicht möglich auf dem riesengrossen Parkplatz. So entschieden wir uns für einen Platz direkt unter dem Scheinwerfer. Wenn schon, denn schon!

Als wir in der Nacht einmal wach wurden – nicht etwa wegen Nachtruhestörung oder dergleichen – waren wir das allereinzige Fahrzeug auf dem riesigen Platz. Und noch immer war alles hell erleuchtet. Wir müssen gut geschlafen haben, so genau weiss ich das nicht mehr. Jedenfalls wurden wir nicht behelligt.

Am Morgen spielte sich Seltsames ab vor, hinter und neben unserem Camper. Es wurde geputzt. Mit ganzem Einsatz. Aber nicht etwa mit einem Fahrzeug mit mehreren hundert PS, sondern von Hand. Da war eine ganze Garnison Mexis am Werk. Mit Reisbesen, wie wir sie benutzen, um einen kleinen Vorplatz zu wischen, waren Heerscharen von Leuten damit beschäftigt, in straff organisierten Reihen den mehrere Fussballfelder grossen Platz zu kehren. Ein Tagewerk, das seinesgleichen sucht! In Mexiko arbeiten Menschen noch deutlich billiger als Maschinen. Und eine mehr oder weniger sinnvolle Beschäftigung haben sie so obendrein.

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Nicht ganz so gut strukturiert wie in Mexico, aber auch in Slovakien werden grosse Plätze noch von Hand gekehrt.

Andere Länder –andere Sitten (5)

Bevor mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns aufmachten, Mexiko mit dem Wohnmobil zu bereisen, schmökerten wir ein wenig im Reiseführer herum. Darin stand so manches zu lesen, was wir während den fünf Monaten in diesem zentralamerikanischen Land am eigenen Leib erfahren würden.

Unter anderem war da zu lesen, dass ein Mexi nie zugibt, etwas nicht zu wissen. Er wird immer freundlich Auskunft erteilen, auch wenn diese kreuzfalsch ist.

In einer Stadt von vielleicht einer halben Million Einwohner fragten wir an einer Tankstelle nach dem Standort eines Supermarkts. Merke: Damals waren die Navis fürs Auto noch nicht erfunden.

“Ah, Wal-Mart”, Mexi Nummer eins kratzte sich vielsagend hinter den Ohren und wies uns nach kurzem Zögern den Weg Richtung Osten. Mexi Nummer zwei, gleich daneben stehend, widersprach. Nein, der Supermarkt liege im Westen der Stadt.

Von berechtigten Zweifeln betreffend dieser Auskünfte geplagt, fragten wir einen weiteren Mitarbeiter an der Tanke. Mexi Nummer drei schoss den Vogel vollends ab. Er schickte uns voller Überzeugung auf die Autobahn, bei der ersten Ausfahrt wieder raus und dann gleich links.

Nun waren wir so ratlos wie zu Beginn, folgten unserer Intuition und fanden uns nach wenigen Kilometern Fahrt an der Peripherie der Stadt vor dem Wal-Mart wieder.

Merke: Frag nie einen Mexi nach dem Weg, wenn du nicht ohnehin weisst, wo’s lang geht.

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So ziemlich am anderen Ende der Welt, aus mexikanischer Optik gesehen.
Wegweiser in Schwedisch Lappland.

Menschliche Wunder

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen,

wie Leute,

die sonst immer in den frühen Morgenstunden aus dem Haus flüchten,

damit sie sich möglichst wenig mit dem Ehegatten herumschlagen müssen,

plötzlich sesshaft werden,

wenn sie ihr Auto vom Schnee befreien müssten.

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Der ominöse (Geburts)Tag

Der 8. Januar war für mich seit jeher ein spezieller Tag. Es war der Geburtstag meiner Grossmutter, auch wenn wir ihn nicht immer mit ihr feierten, weil sie häufig unterwegs war, so dachten wir doch zumindest an sie. In den letzten Jahren jedoch, da legte meine Mutter immer grössten Wert darauf, für ihre Mutter am Geburtstag etwas Besonderes zu inszenieren. Das rief jeweils auch nach meiner Anwesenheit.

Meine Grossmutter war ein besonderer Mensch. Als Kind habe ich sie verehrt, weil sie mit mir Sachen unternahm, für die meine Mutter keine Zeit hatte. Diese Meinung änderte sich, als ich älter wurde. Meine Grossmutter war sehr willensstark, egoistisch und von sich selbst überzogen. Wie sonst liesse es sich erklären, dass sie in den Fünfzigerjahren ihren Mann zum Teufel jagte und es vorzog, ihre beiden minderjährigen Kinder, zumindest für ein paar Jahre, alleine gross zu ziehen.

In einer Hinsicht war meine Grossmutter mir Vorbild. Sie hatte sich im relativ hohen Alter von über fünfzig Jahren erst dem Alpinismus verschrieben. Zuvor gänzlich unsportlich, begann sie eine alpinistische Laufbahn, die sie bis auf zwei alle Viertausender der Schweiz bestiegen liess. So gab es einige Jahre, in denen wir gemeinsam die Berge erklommen. Bei meinen ersten Klettertouren war sie dabei, wenn auch nicht am gleichen Seil wie ich. Mit über fünfzig machte sie den Führerschein und das Skifahren eignete sie sich zur gleichen Zeit auch noch mehr schlecht als recht an.

Eitel war sie, wahnsinnig eitel. Wenn sei vom Coiffeur kam, schlief sie ein paar Tage lang mehr oder weniger sitzend, damit ihre Frisur etwas länger hielt. Immer hatte sie einen kleinen Taschenspiegel dabei und stürzte sie beim Skifahren, ging ihr Griff in den Hosensack zum Spiegeli noch bevor sie sich wieder aufgerappelt hatte. Bis ins hohe Alter trug sie Stögeli-Schuhe. Hosen begann sie übrigens – ausser beim Sport – erst mit über sechzig zu tragen. Das ziemte sich ihrer Meinung nach nicht.

Meine Grossmutter stand gern im Mittelpunkt, suchte ihn regelrecht auf Biegen und Brechen. Das hat ihr, auch in unserer Familie, nicht immer nur Sympathien eingebracht. Als sie am 23. Dezember 2014 verstarb, konnte sie sich ein letztes Mal vollumfänglich der Aufmerksamkeit ihrer Famiile über die Festtage sicher sein.

Das Bild zeigt meine Grossmutter an ihrem neunzigsten Geburtstag. Heute wäre sie hundert Jahre alt geworden.

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Steinzeitliches Pokémon go

In einem Wald in der Nähe unseres Wohnhauses kann man nicht mehr spazieren gehen, ohne sich beobachtet zu fühlen. Überall lauern einem Gestalten auf. Und da wir dort regelmässig spazieren gehen, und ich diesen Zustand langsam aber sicher unhaltbar fand, habe ich kürzlich die Flucht nach vorne ergriffen, und diese Gestalten mit meiner Kamera gejagt.

Sie sind allerdings recht gut getarnt, lauern meist etwas abseits des Weges. Nichts desto trotz, ich habe sie aufgestöbert!

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Die ersten zwei dieser Kerle kann man auf dem oberen Bild nur erahnen. Aber ich hab nicht locker gelassen und den Rechten gnadenlos herangezoomt.

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Der Blick dieser seltsamen Wesen hat etwas durchbohrendes.

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Die einen haben ihren Posten in der Sonne bezogen.

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Es gelingt ihnen nicht immer rechtzeitig, sich vor mir in Sicherheit zu bringen.

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Manche stehen aber auch ziemlich cool im kahlen Wald…

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… oder gar etwas grimmig.

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Gelegentlich wurden sie besonders weich gebettet.

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Wer immer diese Steine bemalt und im Wald platziert haben mag, ich habe Freude an diesem analogen Pokémon go. A propos, man hört so nichts mehr von diesem Hype. Ist die Euphorie denn schon vorbei? Die Steinchen jedenfalls sind schon einige Monate dort im Wald. Ihre Halbwertzeit ist garantiert länger.

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Heute ein Schilderduo, vor dem wir alle früher oder später mal stehen. Nun, vielleicht nicht gerade in dieser besonders originellen Version.

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Toiletten-Schilder gibt es dermassen viele verschiedene, man könnte ihnen glattweg einen eigenen Blog widmen. Ich suche noch nach einem geeigneten Namen. WC-Blog erscheint mir etwas – ähm – versch… einfältig.

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Es ist immer wieder erfreulich zu vernehmen, dass dieser Blog so viele aufmerksame Leserinnen und Leser hat, die mit offenen Augen und einem Handy durchs Leben gehen.

Vielen Dank, Rosmarie!

Die neun schönsten Monate meines Lebens

Ich freue mich. Freue mich wahnsinnig. Die nächsten neun Monate werden so schön sein. Unvergesslich. Unbeschreiblich schön.

Die nächsten Monate, sie werden frei jeglicher Weihnachts-Aktivitäten sein. Keine opulente Beleuchtung jeglicher Hausfassaden. Keine Lebkuchen, die zur Unzeit im Laden stehen. Kein “White Christmas” aus den Lautsprechern des Shopping-Centers, während draussen die Leute noch immer im T-Shirt flanieren. Keine beleuchteten Hirschlein werden mein Auge beleidigen. Keine bangen Blicke zum Himmel, ob es wohl noch rechtzeitig zu schneien anfangen wird und auch keine Vorschläge in den Zeitschriften für “entspannte Feiertage im Kreise der Familie”. Keine überteuerten Geschenkspackungen in den Läden und – das nehme ich gerne in Kauf – nicht mehr nur noch Fondue-Chinoise-Rölleli in den Tiefkühlschränken.

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Die nächsten neun Monate werden herrlich sein. Absolut weihnachtsfrei! Die neun schönsten Monate in meinem Leben. Und das wirklich Tolle daran: Diese neun Monate kommen jedes Jahr von neuem.