Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Technik und Unterhalt

Wohnen in der Tropfsteinhöhle

Bist du noch ganz dicht? Die Frage ist in aller Regel ironisch gemeint. Bezieht sie sich jedoch auf ein Wohnmobil, so ist sie durchaus berechtigt. Denn wer würde nicht gerne im Trockenen sitzen, wenn der Himmel seine Schleusen geöffnet hat.

Ein kuschelig trockenes Wohnmobil ist leider keinesfalls selbstverständlich. Nicht umsonst werben die Wohnmobil-Hersteller mit einer Dichtigkeitsgarantie, die Jahre über die Werksgarantie hinausgeht. Dass man nach Ablauf der normalen Garantiefrist die Kosten für die Dichtigkeitskontrolle selber berappen muss, erfährt man häufig erst dann. Nichts desto trotz ist es unzweifelhaft im Interesse jedes Reisemobilbesitzers, dass er diese Kontrollen regelmässig über seinen Freizeitbegleiter ergehen lässt.

Man stelle sich nur vor, welchem Gehotter so ein Gefährt über die Jahre ausgesetzt ist. Selbst bei „anständigem“ Fahrverhalten führen das Befahren von Naturstrassen, unvorhergesehene Bodenwellen, abruptes Abbremsen, Schlaglöcher und dergleichen unweigerlich dazu, dass nicht nur der Aufbau sondern auch die Ausstattung aus den Fugen gerät. Selbst wenn das nur im Millimeter-Bereich ist, kann es früher oder später dazu führen, dass bei einer Verbindung Risse entstehen, durch die Wasser eindringt. Sachte und oft über lange Zeit unbemerkt dringt dann Feuchtigkeit ein, die häufig erst weit entfernt von der undichten Stelle wieder sichtbar wird. Wenn überhaupt. Es ist nämlich durchaus realistisch, dass es in einer Seitenwand oder zwischen Hohlräumen still und leise vor sich hin modert.

Am Problem der erwähnten Unsichtbarkeit litten wir bestimmt nicht, als das Wasser direkt durch die Führungsschiene der Schiebefenster eintrat. Es war ein derart heftiger Tropenregen, der da vom Australischen Himmel herunterprasselte, dass es uns vorkam, als hätten wir unter einem Wasserfall parkiert. Machtlos mussten wir zuschauen, wie der Regen durch Lüftungsschlitze eintrat, den Wänden entlang herunterrann und dabei Teppiche und Polster einweichte. Als ganz so kostbar, wie Wasser sonst bezeichnet wird, kam es uns in jenem Moment gewiss nicht vor. Zum Glück hatten wir unser Bett im Alkoven; wenigstens dort oben blieb es trocken. Am nächsten Morgen – es war das erste und einzige Mal, dass mein innig geliebter Mitreisender und ich mit einem Plastiksack unter dem Allerwertesten gefrühstückt haben – fuhren wir schnurstracks in eine Wäscherei, wo wir die vor Nässe triefenden Polster in einem riesigen Tumbler wieder trockneten. Den Rest besorgten die Sonne und die Dachklimaanlage, die stundenlang vor sich hin brummte, bis im Inneren unserer Tropfsteinhöhle wieder trockene Verhältnisse herrschten. *

Natürlich sind die Fenster an europäischen Wohnmobilen anders konstruiert und wir hatten hierzulande noch nie ein vergleichbares Malheur, denn bei uns tropfte es nicht durch die Fenster rein, sondern durch den Dampfabzug. Das kleine, runde Abdeckgitter am Fahrzeugäusseren war von so vollkommener Konstruktion, dass wir auf dem Herd eine Pfanne unterstellen mussten, bis das Gewitter vorüber war. Als wir den Werkstattchef der Vertretung auf diese ungewöhnliche Art der Trinkwassergewinnung ansprachen, lautete seine ernüchternde Antwort lediglich: „Da sind Sie nicht die Ersten.“

Müssen sich Wohnmobil- und Caravan-Besitzer also darauf einstellen, dass es früher oder später mal in ihr Fahrzeug regnet? Ich wage hier keine Prognose, hängt es doch stark von der Verarbeitung, dem Unterhalt, der individuellen Benutzung des Fahrzeugs, und nicht zuletzt auch dessen Unterbringung bei Nichtgebrauch ab. Trotzdem kann ich euch verraten: Eine Tube Silikon war immer dabei, wenn wir uns weiter als 10 Kilometer von unserem Haus entfernten. Man weiss ja nie. Denn unter einem aufgespannten Schirm im Wohnmobil zu frühstücken, das wäre nun wirklich das Letzte, das ich mir vorstellen könnte.

* Wer die ausführliche Version dieser nassen Angelegenheit kennen lernen will, dem sei die Lektüre von Folge 25 meiner Serie „Öfters mal Panne“ empfohlen.

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Öfters mal Panne (19)

… oder: Wenn der Funke nicht springt

Als wir mit unserer Reiserei begannen, merkte ich schnell, dass es meinem innig geliebten Mitreisenden nur dann gut geht, wenn es auch dem Auto gut geht. Nun ja, ganz allgemein und auf einer Reise im Besonderen ist es ist nicht völlig belanglos, ob das Auto läuft oder nicht.

So herrschte denn auch immer eine gewisse Anspannung, wenn der Camper Macken an den Tag legte. Im vorliegenden Fall geht es um Fehlzündungen. Und der Mitbewohner tippte – weil wir schon alles Andere drum herum ersetzt hatten – auf ein defektes Zündkabel. Die Fehlzündungen ereilten unser Fahrzeug im Osten Kanadas, in Nova Scotia. Doch genau genommen begleiteten sie uns schon den ganzen Weg quer durch Kanada, von Ost nach West. Immer war da irgendetwas, das sich mal mehr, mal weniger bemerkbar machte.

So ergab es sich, dass wir an einem sonnigen Herbsttag unseren Camper auf einem Campingplatz abstellten, unsere Velos vom Träger runter holten und eine kleine Velotour machten. Diese führte uns auf die nächstgelegene Insel. Mit einer Fähre überquerten wir einige hundert Meter Meer. In einem Fischerdorf – wir trauten unseren Augen nicht – fand am Sonntagnachmittag eine Beerdigung statt. Dies nur so am Rande.

Wie überall in Kanada lagen auch auf dieser Insel alte Autowracks herum. Die Wracks befanden sich in allen denkbaren Stadien von „war ich wirklich mal ein Auto?“ bis „eben erst hingestellt“. Der Mitreisende hatte plötzlich eine Idee. Und so kam es, dass er – nicht gänzlich zufällig – in einem solchen Rosthaufen ein Zündkabel fand. Wir radelten zurück, öffneten die Motorenhaube und – hah! – das Kabel passte.

Und wisst ihr was? Wenn der Camper in der Zwischenzeit nicht verschrottet wurde, so fährt er garantiert noch heute mit dem second-hand Kabel rum.

Ich hätte euch zum 1. April gerne einen grösseren Bären aufgebunden – aber das Viech schnarcht noch in der Höhle. Diese Geschichte hingegen, die ist wahr. Das einzig Unwahre ist dieses Bild. Aber das habt ihr ja sicher schon längst gemerkt – soooo kleine Autos gibt es in Amerika/Kanada schliesslich nicht.

Obdachlos

Ein lautes Rumpeln und das grosse Schiebetor fiel ins Schloss. Der Sommer war vorbei, auch der Herbst, und damit die Wohnmobil-Saison. Zumindest für uns, denn Reisen mit dem Wohnmobil waren für uns seit jeher eine Angelegenheit der warmen Jahreszeit. Unser Credo: Wenn wir den Nachmittagskaffee nicht mehr ohne Handschuhe und Mütze draussen geniessen können, ist es höchste Zeit den Heimweg anzutreten.

Danach folgte der ebenso ungefreute wie unvermeidliche Abschluss der Saison. Es galt nämlich, das Wohnmobil für den bevorstehenden Winterschlaf vorzubereiten. Dazu gehörte zuallererst eine gründliche Reinigung. Und wenn ich „gründlich“ sage, so meine ich nicht nur gründlich, sondern „pingeligst genau sauber“. Die Sandkörnchen vom malerischen Strand mussten ebenso aus der hintersten Ecke hervor gesaugt werden wie die letzten Brosamen der französischen Baguettes unter dem Tisch. In der Heckgarage knirschte der Staubsauger, während er sich an eingetrockneten Grashalmen, Erde und Steinchen verschluckte. So eine Reinigungsprozedur verhalf ungewollt zu einem Saisonrückblick. Bevor nicht jeder einzelne Quadratzentimeter gewaschen, poliert oder abgestaubt war, galt die Arbeit nicht als vollendet.

Damit wir von der üblen Plackerei im Frühling noch etwas sehen würden, deckten wir unser Wohnmobil mit alten Leintüchern ab. Zwar konnten wir das auf Hochglanz polierte Schmuckstück in einer geschlossenen Halle abstellen, aber im Verlaufe der Monate würde sich trotzdem wieder Dreck ablagern. Zum Winter-Wellness-Programm unseres Fahrzeugs gehörte ausserdem, dass wir die Batterien ständig am Ladegerät liessen, Matratzen und Polster in einem trockenen Raum lagerten und das Fahrzeug so weit anhoben, dass Federn und Reifen teilentlastet waren.

Lange bevor wir unser Fahrzeug erstanden hatten, war uns klar gewesen, dass es einfacher sein würde, das Traummobil zu finden, als hierzulande einen geeigneten Abstellplatz aufzustöbern. Wir hatten Glück und fanden in unmittelbarer Nachbarschaft eine geeignete Bleibe. Auf dem stillgelegten Bauernhof konnten wir nicht nur unser Fahrzeug einstellen, es waschen und bei Bedarf kleinere Unterhaltsarbeiten vornehmen; wir hatten vor allem auch jederzeit Zugang.

Natürlich waren wir damit in einer sehr privilegierten Lage. Viele Wohnmobile und Caravans müssen die Wintermonate unter freiem Himmel verbringen, sind also quasi obdachlos. Dass mancher Besitzer dies seinem Fahrzeug nicht freiwillig antut, beweisen zahlreiche Inserate in Zeitungen, lokalen „Chäsblettli“ und Foren. Die Suche nach Einstellmöglichkeiten für Freizeitfahrzeuge ist gewissermassen ein Dauerbrenner. Eine Bäuerin hatte mir einmal erzählt, sie erhalte praktisch wöchentlich Anfragen, ob sie Platz hätten für einen Wohnwagen. Scherzhaft fügte sie an, mit dem Vermieten von Einstellplätzen liesse sich wohl bald mehr Geld verdienen, als mit der Landwirtschaft.

Welch trauriger Anblick: All die vielen Wohnmobile und Caravans, die bei Wind und Wetter, Sommer und Winter im Freien stehen müssen; unter einer mehr oder weniger dicken Schicht Schnee, umgeben von moderndem Laub, am Rande eines Ackers oder eingepfercht zwischen Brombeergestrüpp und dem Bahndamm. Kurz: mitten im Dreck. Ist das eines solch teuren Fahrzeugs würdig? Dem Gefährt, das für so viele gefreute Momente verantwortlich zeichnet. Diesen Herbst ist mir wie noch nie zuvor aufgefallen, wie viele Wohnmobile und Caravans bei Landwirtschaftsbetrieben, leer stehenden Fabrikarealen und auf privaten Parkplätzen im Freien abgestellt sind.

Unser Fahrzeug schlummerte stets wohlbehütet in seinem Quartier. So verhätschelt, wie es war, hätte es sich sonst mit Sicherheit einen Schnupfen geholt.

Öfters mal Panne (9)

… oder: Schmieren und salben hilft allenthalben

Die schönsten Pannen sind die, die man vermeiden kann. Stimmt’s? „Vorbeugen“ heisst das Gebot der Stunde und darunter fällt selbstverständlich auch ein regelmässiger Ölwechsel.

In Amerika fährt man dazu nicht in eine Markenvertretung, sondern steuert den nächsten „Oil and Lube Service“ an. Und zwar ohne vorherige Anmeldung und meist auch ohne Wartezeiten. Man stellt sich vor eines der Tore und bald schon erhält man – auch mit einem Wohnmobil, sofern es nicht gerade die 9-Meter-Marke ankratzt – Einlass. Man wird auf einen Gitterrost eingewiesen und sofort erscheint ein freundliches Gesicht unter der Fahrertüre: „Hi, what can I do for you today?“ Man äussert seine Wünsche – in unserem Fall mindestens Motorenöl und Filter wechseln, alle Flüssigkeiten prüfen und die beweglichen Teile schmieren. Dann macht man das, was die Amerikaner am liebsten tun: Man bleibt im Auto sitzen. Aussteigen darf man aus versicherungstechnischen Gründen ohnehin nicht. Man könnte sich ja das weisse Höschen dreckig machen. Oder über einen vergessenen Schraubenschlüssel stolpern und die Firma verklagen wollen.

Während in der Grube unter dem Auto gewerkelt wird, erhält man eine Tageszeitung und einen dünnen Kaffee. Was sich unter dem Auto abspielt, kann man auf einem Monitor exakt mitverfolgen. Jeder Schritt wird lautstark dokumentiert, während oben der „Chefmechaniker“ gewissenhaft eine Checkliste abhakt. Absolut filmreife Szenen!

Weil mein innig geliebter Mitreisender schnell herausgefunden hatte, dass die Arbeiter nur die gut zugänglichen Schmiernippel schmierten, liess er sich jeweils eine Sondergenehmigung erteilen, fasste einen Helm und durfte in die Grube unter unserem Camper hinabsteigen. Dann zeigte er, wo noch überall geschmiert werden musste. Man muss schliesslich einen alten Mechaniker nicht lernen, wie er sein Auto instand halten muss!

Der ganze Ölwechsel dauerte in der Regel eine gute Viertelstunde und kostete einen Bruchteil von dem, was man hierzulande dafür bezahlt.

Weil ich damals nicht wusste, dass ich jemals einen Blog führen würde, ja nicht mal wusste, was ein Blog überhaupt ist, gibt es auch kein Bild eines solchen amerikanischen Mini-Service. In Anlehnung an die filmreifen Szenen, die sich dabei abspielten, dieses Bild, aufgenommen an unserem ersten Ausflug in Kalifornien in die Universal Filmstudios.

Öfters mal Panne (6)

… oder wie der Kühlschrank zu seinem Veto-Recht kam

Unsere Suche nach einem Wohnmobil zum Kaufen gestaltete sich seinerzeit in Australien etwas harzig. Nachdem wir endlich ein halbwegs passendes Fahrzeug gefunden hatten, konnten wir nicht noch lange Sonderwünsche anbringen.

Die Tatsache, dass der Kühlschrank nigel-nagel-neu war, freute uns durchaus. Getrübt wurde die Freude allerdings durch die Tatsache, dass es lediglich ein Zweiweg-Kühlschrank war. Dazu für Nicht-Wohnmobilisten folgende Erklärung: Während zu Hause der Kühlschrank selbstverständlich an der 230-V-Stromversorgung angeschlossen ist, muss man sich in einem Wohnmobil mit anderen Energiequellen behelfen. Zumindest, solange man auf der Fahrt ist und/oder nicht auf einem Campingplatz an der Steckdose hängt. In europäischen und auch amerikanischen Campingfahrzeugen werden vorwiegend Dreiweg-Kühlschränke eingebaut. Sie funktionieren wahlweise mit Gas, 230 oder 12 V. Letzteres allerdings nur, solange man am Fahren ist und der Alternator Strom liefert.

Unser Kühlschrank im Aussie Wohnmobil funktionierte nur mit 12 oder 230 V. Die Überlegung dahinter ist nachvollziehbar: Je heisser die Umgebungstemperatur ist, desto uneffizienter kühlt ein mit Gas betriebener Kühlschrank. Einem Kompressor-Kühlschrank dagegen macht die Hitze weniger aus.

Schon in der ersten Nacht, in der wir frei, also nicht auf einem Campingplatz, standen, erwachten wir mitten in der Nacht und hörten, dass der mit 12 V betriebene Kühlschrank nicht mehr anlief. Die Batteriespannung war zu tief. Da wir den Strom nicht aus dem Daumen saugen konnten, blieb uns nur noch, das Gerät auszuschalten und am nächsten Morgen schleunigst einen Campingplatz aufzusuchen. In der Folge fanden wir rasch heraus, dass wir – selbst mit verdoppelter Batteriekapazität – kaum mehr als eine Nacht am gleichen Ort stehen bleiben konnten, weil der Kühlschrank schlapp machte. Wohl oder übel schafften wir uns einen Generator an, mit dem wir nach Belieben Strom produzieren konnten. Das Gebrumme des Motörchens war gewöhnungsbedürftig. Auch das wesentlich geräuschärmere Solarpanel auf dem Dach ersetzten wir durch ein grösseres Modell.

Viel häufiger als uns lieb war, übernachteten wir in den 15 Monaten, während derer wir Australien bereisten, auf einem Campingplatz und zapften Strom ab. Alles wegen dem Kühlschrank!

Wenn wir parkierten um etwas zu besichtigen, wandern, einkaufen, etwas essen zu gehen oder was auch immer, versuchten wir stets, unser Womi so hinzustellen, dass a) der Kühlschrankseite im Schatten stand und b) das Solarpanel trotzdem Sonne hatte. Manchmal wirklich die Quadratur des Kreisels! Ich weiss gar nicht mehr, wie oft wir umparkierten, bis es für den Kühlschrank passte und wie oft wir einen weiteren Weg in Kauf nahmen, nur damit dieser verflixte Kühlschrank im Schatten stand.

Als die Tage kürzer wurden, liessen wir jeweils den Generator laufen, während ich am Kochen war. So musste ich wenigstens nicht im Halbdunkeln hantieren. Während das Aggregat knatterte, lud es die Batterien und gleichzeitig speiste es den Kühlschrank mit 230 V, so dass wir für die kommende Nacht genügend Strom hatten. Im Gegensatz zu einem modernen Wohnmobil hatte das Aussie Fahrzeug ausser dem Kühlschrank, Licht und der Wasserpumpe keine weiteren Stromverbraucher. Trotzdem sassen wir nach dem Essen häufig nur im Kerzenschein im Wohnmobil, damit jaaaa nicht mitten in der Nacht der Strom ausging.

Eine eigentliche Panne verursachte der Kühlschrank nicht, vielmehr ein Dauerärgernis. Und sein Mitspracherecht nahm er bedingungslos in Anspruch. Tag für Tag.

Quizfrage: Auf welcher Seite hatte das Australische Wohnmobil seinen Kühlschrank?

Eine Velopumpe als Duschmittel?

Es gibt kaum etwas Schöneres nach einer Velotour, als sich unter die Dusche zu stellen. Dass im Wohnmobil das Wasser dabei nicht ganz so üppig fliesst, muss man notgedrungen in Kauf nehmen, wenn man sich nicht auf einem Campingplatz einreihen will.

Mein innig geliebter Mitbewohner versucht meist als Erster von uns beiden, unter dem spärlichen Wasserstrahl nass zu werden. Diesmal jedoch wäre die Dusche beinahe in ein Vollbad ausgeartet. „Frau, die Dusche läuft nicht ab!“. Ja hoppla, und jetzt? „Nimm mal die Werkzeugbox und suche ein Stück Draht!“ Des Mitbewohners Füsse standen in der etwas bräunlichen Kloake der Duschwanne (wir sind keine Schweine, aber Velofahren gibt nun mal dreckige Stampfer!), als ich mit einem Gusler daherkam. Wir führen wohl Elektrokabel, Ersatzsicherungen, zig Schraubenzieher, einen Hammer, Imbusschlüssel und Rohrzangen mit, aber ein Stück Draht gehört nicht in die Standard-Ausrüstung des Womis. Also versuchte ich es mit einer 20 cm langen Kabelbride. Diese erwies sich als zu kurz, das Wasser lief weiterhin so gut wie gar nicht ab.

Meine Körperhygiene war vorläufig sistiert, nun galt es, den Ablauf wieder irgendwie frei zu machen. Zwei pulverisierte Kukident-Tabletten im Ablauf zeigten keinen unmittelbaren Effekt. Der Mitbewohner – mittlerweile frisch geduscht und nicht unwesentlich besser duftend als ich – nahm sich nun selber des Problems an. Nach kurzer Bestandsaufnahme des vorhandenen Werkzeugs kam er mit – ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen – der Velopumpe an. Der Mitbewohner hielt den Schlauch auf den Ablauf und umwickelte den Ventilaufsatz mit einem meiner kostbaren Putzlappen, damit keine Luft entweichen konnte; ich legte mein gesamtes Körpergewicht in die Pumpe. So pusteten wir gemeinsam Luft durch das verstopfte Ablaufrohr. Und siehe da, der Ablauf wurde wieder frei!

Was lernen wir daraus? Eine Pumpe ist wesentlich besser als ihr Ruf. Und mit dem nötigen technischen Flair ist sie ein vielseitig einsetzbares Werkzeug.

 

Der mobile Topf

„Und Ihr Mann wird dankbar sein, wenn Sie kein zu dickes Toiletten-Papier verwenden, denn sonst könnte der Auslauf verstopfen“. Der Verkäufer, der eben dran war, uns in die Tücken und Geheimnisse des neu erstandenen Wohnmobils einzuweihen, ging offensichtlich davon aus, dass Toilette entleeren bei uns eine rein männliche Angelegenheit ist. Okay, das ist es ja meistens auch. Aber ab und zu gehe auch ich mit der Pipi-Box auf Wanderschaft, denn immerhin stammt der Inhalt grösstenteils von mir. Allerdings finde ich mich dann bei den Entleerungs-Stationen doch meist in männlicher Gesellschaft wieder.

Sie sind immer wieder für eine Überraschung gut, diese braunen Löcher. Mal als eigentliche WC-Kassetten-Versäuberungs-Station weitab von den übrigen sanitären Anlagen eines Camping-Platzes, dafür sauber und bestens ausgerüstet. Mal ein mit Fäkalien und Papier verzierter Betontrog ohne Spülung, und der einzige Wasserhahn weit und breit derjenige, der auch zum Frischwasser tanken vorgesehen ist.

Genauso unterschiedlich sind die Menschen, die diese Einrichtungen benützen. So wird mitunter ein eigentlicher Familien-Event aus der Güllen-Leerung gemacht. Kind und Kegel versammeln sich beim Trog und sehen Papi mit gebannten Augen zu, wie er das gesammelte Familienpipi runterkippt. Nur die gut Trainierten schleppen übrigens ihre WC-Kassette quer über den ganzen Campingplatz. Alle anderen haben sich etwas mit Rädern angeschafft, um die Gülle zu karren. Im Zeitalter überdimensionierter, halbleerer Heckgaragen habe ich schon Wohnmobilfahrer gesehen, die sich den Luxus einer zweiten Kassette leisten. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht recht erklären, worin da der Vorteil sein soll. Es gibt auch Leute, die geradezu verstohlen ihre Fäkalien-Schatulle entleeren, am liebsten im Morgengrauen, wenn hoffentlich niemand zusieht. Gut getarnt hinter der Womi-Scheibe habe ich einmal beobachtet, wie sich ein Mann zuerst einen Arbeits-Overall anzog und Handschuhe überstülpte. Erst derart ausgerüstet machte er sich am ominösen Fach zu schaffen. Da konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Aber vielleicht hat die betreffende Person einfach nur negative Erfahrungen gemacht. Ein halb aufgelöster „Stink“ über den Hosen würde mir ehrlich gesagt auch stinken. In Sachen WC-Entleeren sind wir in Europa ohnehin noch ein Entwicklungsland. Die Amerikaner sind diesbezüglich fortschrittlicher. Abwasserschlauchrohr anhängen. Schieber ziehen. Zack! In Amerika sieht man niemanden seine Fäkalien durch die Gegend tragen.

Bei richtiger Handhabung kann eine Wohnmobil-Toilette absolut hygienisch betrieben werden. Dabei stellt sich natürlich die Glaubensfrage, ob und mit welchen Hilfsmitteln das mobile stille Örtchen über die Runde kommen soll, ohne dass die ganze Womo-Besatzung in regelmässigen Abständen vergast wird. Manche schwören auf Entlüftungsanlagen, andere auf grosszügige Mengen von Chemie, wieder andere auf Grosis Schmierseife. Unser Patentrezept: jeden Morgen leeren. Das ist zugegeben manchmal einfacher gesagt als getan. Wir mussten auch schon Umwege auf uns nehmen, um die Gülle los zu werden.

Unterwegs ist mir das eigene stille Örtchen definitiv am liebsten. Für mich ist es das kleinere Übel, den Gang mit der Kassette zu unternehmen, als eine verkackte öffentliche Toilette aufsuchen zu müssen. Und überhaupt fehlt dort ohnehin meist das Papier. In dieser Angelegenheit haben wir natürlich über die Jahre gleichfalls unsere Erfahrungen gemacht und die seinerzeitige Empfehlung des Verkäufers beherzigt. Also nix mit Hakle Super-Flausch! „So dünn wie möglich“, lautet die Devise. Diesbezüglich sind die Franzosen Weltmeister. In keinem Land haben wir ein so vielfältiges Angebot an geeigneten Toilettenpapieren angetroffen wie bei unseren westlichen Nachbarn. Es gibt garantiert eine Farbe, die zur Ausstattung eines jeden Wohnmobil-Bads passt. Blüemli und sonstige Müsterchen verleihen mit französischem Charme unserem Allerwertesten den letzten Schliff. Und erst noch in verschiedenen Duftnoten.

Die Katastrophen-Übung

Alle Jahre wieder, könnte man sagen. Alle Jahre wieder will mein innig geliebter Mitbewohner wissen, ob er’s noch kann.

Plötzlich sieht man nur noch zwei Füsse unter dem Wohnmobil hervorschauen. Der Rest des Mitbewohners figuretlet irgendetwas, das meinen Blicken verborgen bleibt.

„Abe laa“.
„No echli“.
„Nochli“.
„Guet!“

Wir üben den Katastrophen-Fall. Und hoffen, dass wir unser Reserverad, das mitten unter dem Fahrzeug an einer speziellen Aufhängung befestigt ist, nie brauchen werden.

Und wenn, dann bitte nur, wenn es nicht regnet, nicht kalt ist, auf asphaltiertem, sauberem Untergrund und an einer schwach befahrenen Strasse. Oder noch besser auf einem Parkplatz. Wo uns niemand dumme Fragen stellt. Und uns keiner mitleidige Blicke zuwirft von wegen „lieber ihr als ich“. Wo es so schön ist, dass wir nach erfolgtem Radwechsel gleich noch eine Woche bleiben.

Wunschdenken?

Heinzelmännchen daher!

Gesucht werden:

  • Innovative Allrounder
  • Pfiffige Helden
  • Fleissige Theoretiker
  • Neugierige Weltentdecker
  • Vor Energie strotzende Nichtsnutze

Geboten wird:

  • Der unverkrampfte Umgang mit viel Privatsphäre.
  • Das Ausbildungsmodul „welches ist der unzugänglichste Winkel in einem Wohnmobil“.
  • Die letzte Chance, Feriensouvenirs in Form von Sandkörnern aus der Toskana, Arvennadeln aus dem Münstertal und Staub aus der Cinque Terre zu entdecken (und zu behalten!).
  • Die einmalige Gelegenheit, ein Wohnmobil von der Pike auf kennenzulernen. Kein Winkel wird verborgen bleiben!

Es gilt, ein Wohnmobil Ende Saison gründlich vom angesammelten Dreck zu befreien und für den Winterschlaf vorzubereiten.
Also bitte, Freiwillige vor!
Sonst müssen mein innig geliebter Mitreisender und ich wieder alles alleine machen. Und wir wissen längst, wie es geht.

Was ich noch vergessen habe: Im Gegensatz zu den Heinzelmännchen, die bekanntlich nachtaktiv sind, ist eure Anwesenheit bei Tageslicht nicht nur erwünscht sondern auch vorteilhaft. Ihr seht den Dreck so besser.

Ab in die Höhle

Endlich haben wir’s hinter uns gebracht. Diese Arbeiten liegen mir im Herbst jeweils richtiggehend auf dem Magen, doch nun ist alles erledigt und das Wohnmobil dem Winterschlaf übergeben worden. Nach den umfangreichen Reinigungsarbeiten der letzten Woche, folgte noch der letzte Akt.

Dieser bestand im wesentlichen daraus, das Wohnmobil etwas aufzubocken, damit die Federn entlastet sind, und die gesamte Herrlichkeit mit einem Tuch zuzudecken. Wir sind in der glücklichen Lage, einen gedeckten Einstellplatz in einem Lagerschuppen für unser Fahrzeug zu haben. Dort pfeift zwar auch der Wind durch, aber es ist zumindest trocken. Das textile Riesending soll deshalb in erster Linie verhindern, dass sich auf dem Dach, das wir doch soooo gründlich geschrubbt haben, bis im Frühjahr wieder massig Dreck ansetzt.

Was in den nächsten Monaten ansteht, ist ein wöchentlicher Kontrollgang, regelmässige Umarmungen und Liebkosungen des Reisegefährten und aufmunterndes Zureden, es werde bestimmt wieder mal Sommer werden.

Eigentlich hat es ja nichts zu verbergen, aber damit man im Frühling noch etwas von unseren Anstrengungen sieht, wird unser Wohnmobil in den Wintermonaten zugedeckt.