Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Ungarn – Slowakien – Tschechien

Rückblick auf den Wohnmobil-Sommer

Wir waren dieses Jahr u.a. sieben Wochen im Osten unterwegs. Zuerst in Ungarn, dann Slowakien und schliesslich Tschechien. Die Reiseberichte, die ich nun in meinen Blog aufgenommen habe, habe ich vor einiger Zeit bereits im Wohnmobil Forum Schweiz veröffentlicht, allerdings ohne Bilder.

Dass sich hier eine gewisse Doppelspurigkeit nicht vermeiden lässt, sei mir verziehen. Aber mir geht es darum, unsere Erfahrungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Bei unseren eigenen Nachforschungen vor der Reise sind wir nämlich im Internet auf herzlich wenig brauchbare Informationen über die besagten Länder gestossen. Zwar fanden sich Infos zu Ungarn, doch die meisten Ungarn-Reisenden scheinen nur von einem Heilbad zum nächsten zu fahren. Über Tschechien und Slowakien fanden wir so gut wie keine Informationen, ob diese Länder mit dem Wohnmobil zu bereisen sind oder nicht.

Unsere Berichte sind unter den folgenden Posts zu finden:

Gut zwei Wochen Tschechien – unser Bedarf ist gedeckt

Zwei durchzogene Wochen in Slowakien

Badeferien auf ungarisch

Von der Puszta in die Hauptstadt

Ungarn und das Wohnmobil – allgemeine Tipps

Gut zwei Wochen Tschechien – unser Bedarf ist gedeckt

Wir haben die Tschechische Republik vom 27. Juni bis 13. Juli 2010 bereist. Der nachfolgende Reisebericht ist unterwegs entstanden und spiegelt zum Teil auch unsere Stimmung wider.

Wir wollten schon lange mal „den Osten“ bereisen. Dieses Jahr haben wir dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt. Nach Ungarn und Slowakien stand als letztes Land Tschechien auf dem Programm.

Obschon mehrere Jahrzehnte unter gemeinsamer Flagge und seit zwanzig Jahren aus der sozialistischen Umklammerung entlassen, sind Slowakien und Tschechien sehr verschieden. Slowakien ist sehr stark von Landwirtschaft geprägt, während Tschechien eine Industrienation ist. Selten haben wir so viele Hochkamine erblickt, so viele thermische und atomare Kraftwerke dampfen sehen. Trotzdem spielt auch die Landwirtschaft eine wichtige Rolle.

Auf unserer Reise von Süden her haben wir den noch stärker industrialisierten Osten des Landes ausgelassen. Wir haben reihenweise schöne Ortschaften besucht. Ein typisches Ortszentrum sieht etwa so aus: ein rechteckiger Marktplatz, meist mit Kopfsteinpflaster, im Zentrum die Pestsäule und etwas Blumenschmuck, darum herum gruppieren sich Kirche, Rathaus, Bürgerhäuser. In der Regel sind diese Gebäude gut erhalten und mit ihren bunten Fassaden ein sehenswerter Anblick, auch wenn auf den meisten unserer Fotos irgendwo ein Baugerüst sichtbar ist. Auf diesen Marktplätzen wird heutzutage kein Markt mehr abgehalten, aber es sind recht grosse Freiflächen (teils grösser als der Platz vor dem Bundeshaus), wie wir sie in unseren Städten nirgends antreffen.

Besonders hervorzuheben ist das im Süden gelegene Städtchen Cesky Krumlov, nach Prag wahrscheinlich die meistbesuchte Stadt Tschechiens. Der mittelalterliche Ortskern ist sehr gut erhalten. Hoch über dem Städtchen thront das Schloss mit dem markanten Turm, um alles rum fliesst die Moldau in mehreren Schlaufen. Tagsüber ergiessen sich ganze Wagenladungen von Touristen, die im Minutentakt angekarrt werden, und es wird sehr eng in den alten Gassen. Wir sind deshalb erst am Abend zu einer Besichtigung aufgebrochen. Der Ort ist wirklich sehr speziell mit seinen schönen Häuserfassaden, dem über die Jahrhunderte glatt polierten Kopfsteinpflaster und dem mächtigen Schloss. Selbstredend, dass jedes zweite Haus eine Kneipe ist.

Im Südwesten befindet sich der Nationalpark Böhmerwald, der mit dem angrenzenden Bayrischen Wald ein riesiges Naturreservat bildet. Es wird fleissig und grenzüberschreitend Velo gefahren und gewandert. Das hat nebst der hügeligen Landschaft (vielleicht am ehesten zu vergleichen mit der Region Einsiedeln/Sattel) einen ganz besonderen Grund, denn man kann hier für 4 Franken ein Busticket kaufen, das den ganzen Tag und im ganzen Böhmerwald gültig ist. Die Busse führen Velo-Anhänger für 20 Fahrräder mit. So kann man sich nach Belieben verausgaben oder auch nur die Hänge runterbrausen. Der Böhmerwald erreicht Höhen von gut 1’200 Meter, wegen seiner Lage ähneln die Wälder bereits in tieferen Lagen unseren Bergwäldern, d.h. kein Unterholz, dafür massenhaft Heidelbeeren, die Anfang Juli allmählich Farbe bekennen.

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Prag liegt mehr oder weniger im Zentrum des 96’000 km2 grossen Landes. Für unsere Stadtbesichtigung haben wir einen Campingplatz auf einer Insel in der Moldau angefahren. Von hier aus gelangt man mit Fähre und Tram in einer knappen halben Stunde in die Innenstadt. Kein Mensch würde denken, dass es Sonntag war, dermassen viele Leute hatte es in der Innenstadt. Wir haben uns durch die alten Gassen treiben lassen, haben den Pulverturm, fantastische Fassaden, die Astronomische Uhr, das ehrwürdige Gemeindehaus, den Altstädter Ring, die Tynem Kirche, den Wenzelplatz und die Karlsbrücke bewundert. Am zweiten Tag haben wir die faule Tour durchgegeben und eine Stadtrundfahrt mit einem kleinen Bus unternommen. Der Fahrer hat uns kreuz und quer durch die Altstadt gekurvt, ohne Rücksicht auf unsere Bandscheiben ist er über das wellige Kopfsteinpflaster gedonnert und hat uns zur Prager Burg hoch gefahren. Unterwegs haben wir über Kopfhörer dem Kommentar auf Deutsch gelauscht und Allerlei über Prag erfahren, das wir aber fast genauso schnell wieder vergessen haben; zu gross ist die Flut an Informationen. Oben bei der mächtigen Burg mit dem gigantischen St.-Veit-Dom sind wir Zeuge von der Wachtablösung der Ehrengarde und der Übergabe der Präsidenten-Standarte geworden. Was für ein Volksauflauf! Im Verlaufe des Nachmittags sind nicht nur unsere Füsse heiss gelaufen, sondern auch unser Bedarf nach altehrwürdigen Häusern und Gemäuern gesättigt gewesen. Prag ist wunderschön, aber wir können uns irgendwie nicht vorstellen, dass diese Stadt noch wesentlich mehr Touristen bewältigen kann.

Szenenwechsel. 120 km nordostwärts liegen die Aderspacher Felsen. Selbst für uns, die wir ab dem Anblick von Felsen nicht gleich vor Ehrfurcht erstarren, sind diese Sandsteintürme den Abstecher wert gewesen. Durch, über und an den Felstürmen  vorbei führen Wege, Stege und Treppen. Es macht Spass, zwischen den Sandstein-Formationen hindurch zu laufen. Wie touristisch das Ganze ist, haben wir erst gemerkt, als uns auf dem Rückweg scharenweise Leute entgegen gekommen sind. Habe ich schon erwähnt, dass wir Eintritt bezahlt haben? Wir haben noch andere Gebiete des Elbsandstein-Gebiets bewandert, aber Aderspach bleibt uns in bester Erinnerung.

Das Landschaftsbild in Tschechien ist nie topfeben. Das ist auch gut so, denn uns gefällt es prinzipiell besser, wenn das Auge am Horizont etwas findet, an dem es hängen bleiben kann. Der höchste Punkt ist die 1602 m hohe Schneekoppe, die aber touristisch dermassen belagert ist, dass wir das Gebiet fluchtartig wieder verlassen haben.

Die guten Strassen sind etwa so gut wie bei uns Strassen kurz vor der Sanierung. In den Ortszentren trifft man vielerorts gewelltes Kopfsteinpflaster an. Ob immer alle Automobilisten mit den angesagten 0,0 ‰ unterwegs sind, wagen wir angesichts des Bierkonsums zu bezweifeln. Bier ist Tschechiens Nationalgetränk und im Nordwesten haben wir grosse Hopfen-Plantagen angetroffen. Angeblich ist Tschechien viertgrösster Hopfenproduzent nach USA, Deutschland und China. Sehr gewöhnungsbedürftig im Strassenverkehr sind die zahllosen unbewachten Bahnübergänge. Teilweise sind sie nur mit einem Andreaskreuz, ohne Blinklicht, gesichert. Selbst die sonst so flott fahrenden Tschechen bremsen davor praktisch bis zum Stillstand ab.

Die wenigen Campingplätze, die wir angefahren haben, sind in einem recht bedenklichen Zustand und lediglich auf Zelte, allenfalls Wohnwagen ausgerichtet. Im besten Fall darf man erwarten, dass die Wiese im laufenden Jahr auch schon einmal Bekanntschaft mit einem Rasenmäher geschlossen hat, Schatten ist bereits Luxus, die sanitären Anlagen sind auf dem absoluten Minimum gehalten, aber funktionieren zumindest und sind relativ sauber. Dafür ist die Unsitte, dass Parkplätze mit Höhenbegrenzungen für Wohnmobile verbarrikadiert sind, nicht verbreitet. Wohnmobile? In Tschechien wie auch Slowakien und Ungarn ist man mit so einem Gefährt ein absoluter Exote.

„Den Osten“ hatten wir bis anhin nur vom Hörensagen gekannt und wir wollten uns endlich mal selber ein Bild machen. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall hat sich sicher Vieles verändert, trotzdem ist das finanzielle und wirtschaftliche Gefälle auf jedem Meter Richtung Osten sicht- und greifbar. Überall pumpt die EU Geld zur Erneuerung von Strassen, Gebäuden und diverser Infrastruktur, doch aus eigenen Mitteln scheinen diese Länder deren Unterhalt nicht bestreiten zu können.

Tschechien hat uns den Abschied leicht gemacht. Nicht nur, dass die landschaftlichen Reize uns nicht mehr viel Neues zu bieten hatten und die schönen Ortszentren allmählich immer gleich schön aussahen. Es war auch die Hitze, die unseren Unternehmungsgeist gedrosselt hat. Am angenehmsten war es beim Auto fahren. Und so sind wir nach gut zwei Wochen mit voll aufgedrehter Klimaanlage heimwärts gedüst. In insgesamt sieben Wochen sind wir 5’500 Kilometer gefahren.

Zwei durchzogene Wochen in Slowakien

Wir haben die Slowakische Republik  vom 14. bis 26. Juni 2010 bereist.

Weiss hier vielleicht jemand nicht, wo Slowakien liegt? Da habe ich grösstes Verständnis dafür, denn bis vor wenigen Monaten wusste ich auch nicht so genau, wo auf der Landkarte ich dieses Land suchen solte. Slowakien ist mit 49’000 km2 etwas grösser als die Schweiz und hat 6 Mio. Einwohner. Es grenzt im Süden an Ungarn und Österreich, im Westen an Deutschland, im Norden an Polen und was an der östlichen Grenze passiert, interessiert mich nicht und vermag ich ohne Karte nicht zu sagen.

Wir sind von Ungarn her im Osten des Landes eingereist. Kosice ist die zweitgrösste Stadt Slowakiens und sehr hübsch herausgeputzt, aber absolut nicht touristisch. Das gilt für den gesamten Osten und ändert sich erst, wenn man sich der Region der Hohen Tatra nähert. Dafür umso drastischer. Die Hohe Tatra, das so genannt „kleinste Hochgebirge der Welt“, platzt aus sämtlichen touristischen Nähten. Hotels, Skilifte und Bergbahnen, Touristenzüglein, überrissene Parkplatzgebühren und alles unter dem Deckmäntelchen eines Nationalparks. Bei aller Bescheidenheit, aber die Tatra mit ihrem höchsten Gipfel von 2’655 m kann nicht mal unserem Alpstein das Wasser reichen. Und mit Hochgebirge hat dieser Bergkamm auf gut 400 km2 in unseren Augen grad gar nichts zu tun.

Wir haben in der Tatra genau 1 ½ sonnige Tage erwischt und die Gunst der Stunde für eine Wanderung genutzt. Den grössten Teil der 5 Stunden sind wir trocken über die Runde gekommen. Unterwegs haben wir einige vollgefressene Gämsen gesehen, Murmeltiere gehört, uns an den vielen schönen Blumen erfreut und oben das Panorama wegen dem Nebel nicht einmal erahnen können.

Leider waren unsere Tage in Slowakien nicht gerade von einem stabilen Hochdruckgebiet beseelt. So sind wir notgedrungen an den ohnehin nicht sehr zahlreichen landschaftlichen Attraktionen vorbei gefahren. Je weiter westwärts man kommt, desto flacher wird das Gelände. Die Hügelzüge sind fast ausnahmslos bis zuoberst bewaldet. Trotzdem weisen immer wieder Schilder auf Skigebiete hin, die häufig unter 1’000 m Meereshöhe liegen.

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Bei unserer Fahrt durchs Land konnten wir mitverfolgen, dass die Strassen von Ost nach West mit jedem Kilometer besser werden. Dies bedeutet aber nicht, dass sie ganz im Westen einen Standard hätten, wie wir ihn uns gewöhnt sind! Deshalb haben wir in Slowakien auch keine Velotour gemacht. Wir mögen uns nicht auf dem Rennvelo durch die Gegend schütteln. Der Veloboom ist ohnehin bisher an Slowakien vorbei gegangen. Velo wird hier zwar viel gefahren, aber das Velo ist hier ein Transportgerät und nicht zum Sport treiben vorgesehen. In Slowakien hat noch längst nicht jeder ein Auto.

A propos Strassen: Kommt eine Steigung oder ein Gefälle, steht unweigerlich eine Tafel mit der Aufschrift „12 %“ am Wegesrande. Das scheint man hier als guten Durchschnitt zu erachten, selbst wenn es den Tatsachen nur in den wenigsten Fällen entspricht. Ebenso mit Vorsicht sind Distanzangaben zu geniessen. Vielleicht kommt die Abzweigung nach den angegebenen 200 Metern, kann aber auch sein, dass der Weg doppelt so lang ist.

Hätte man mir vor einigen Monaten gesagt, Bratislava sei ein Vorort von Moskau, ich hätte es wohl geglaubt. Mittlerweile haben wir die Hauptstadt Slowakiens besucht und wissen, dass sie 60 km östlich von Wien an der Donau liegt. Bratislava hat etwa gleich viele Einwohner wie Zürich, die Altstadt jedoch ist viel überschaubarer. Sie ist voll auf Touristen eingestellt. Ein Lokal am nächsten, keine Läden des täglichen Gebrauchs und auffallend wenige Boutiquen. Das Wahrzeichen ist die Pressburg, hoch über der Stadt. Von diesem in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder aufgebauten Schloss aus sieht man, dass Bratislava von vielen hässlichen Wohnbauten umgeben ist. Während wir uns ein Lokal für das Nachtessen gesucht haben, sind die letzten Minuten im WM-Match Slowakien – Italien übertragen worden. Die ganze Stadt schien vor einem Fernseher zu sein, Grossleinwände jedoch hat man keine gesehen. Hier kann offensichtlich die FIFA keine hohle Hand fürs Public Viewing machen.

In Bratislava hält jedes Fluss-Kreuzfahrtschiff, das zwischen Wien und Budapest auf der Donau verkehrt. Nur dürfte die Stadt das Einzige sein, dass die meisten internationalen Touristen von Slowakien zu sehen bekommen. Nebst der touristisch überladenen Hohen Tatra gibt es in unseren Augen nämlich nicht viel, was einen Besuch in der Slowakei einzigartig machen würde, es sei denn, man legt Wert darauf, in heruntergekommenen Thermalbädern zu kuren oder jeden Tag ein Schloss anzuschauen.

Ausserhalb der Städte ist Landwirtschaft vorherrschend. Die Getreidefelder reichen oft bis an den Horizont. Die Bauernhöfe jedoch konnten offensichtlich mit der Entwicklung nicht Schritt halten. Die grossen Güter mit ihren heruntergekommenen Bauten wirken wie Mahnmale aus der sozialistischen Zeit.

Industrie konnten wir nur spärlich ausfindig machen, vor allem im Osten scheinen viele Werke höchstens noch teilweise in Betrieb. Dennoch sind viele internationale Konzerne in Slowakien angesiedelt und versuchen, aus den niedrigen Arbeiterlöhnen Profit zu schlagen. Wir haben gelesen, dass Betriebe noch immer mit 3 Franken Stundenlohn kalkulieren. Wenn für uns also zwei Kaffee mit Kuchen mit gut 4 Franken zu Buche schlagen, ist das wohl für die Einheimischen nicht wirklich günstig.

Ein gewisses Unbehagen haben die Roma-Dörfer in uns ausgelöst, die wir auf unserer Fahrt gesehen haben. Vielleicht tun wir diesen Menschen Unrecht, aber auf uns haben sie einen eher verwahrlosten Eindruck gemacht.

Übrigens fragen wir uns, wo Johann Strauss hingeguckt hat, als er seinen Walzer „An der schönen blauen Donau“ komponiert hat. Wir haben den Fluss innerhalb von drei Wochen mehrmals und an verschiedenen Stellen gesehen. Blau? Das war bestenfalls Strauss selber.

Ungarn und das Wohnmobil

Als Ergänzung zu meinen Reiseberichten über Ungarn hier noch einige weitere Angaben, die für Wohnmobilfahrer von Interesse sein können. Zu beachten: Unsere Erfahrungen haben wir Anfang Juni 2010 gemacht.

  • Das Preisgefüge reicht von spottbillig bis überrissen teuer. Als Beispiel sei hier der Preis für einen Espresso angefügt, der abseits der Touristenströme für 200 Forint zu haben ist (ca. Fr. 1.-), in Budapest aber locker 600 kostet.
  • Wasser zu bunkern ist nie ein Problem. In den Dörfern hat es überall blaue Wasserspender, bei Tankstellen meist einen gut zugänglichen Wasserhahn. Mit Schlauch konnten wir aber nirgends füllen.
  • Bei Tankstellen konnten wir auch immer die Toilette leeren. Richtige Entsorgungsstellen dagegen haben wir nicht einmal auf den wenigen Campingplätzen, die wir angefahren sind, gefunden.
  • Wir sind fast immer frei gestanden und nie behelligt oder gar weggeschickt worden.
  • Die Strassen – selbst in den Karten als Hauptverkehrsachsen eingetragene – können mitunter übel sein, in der Regel aber ganz passabel. Einfach immer auf Überraschungen gefasst sein!
  • Ausserhalb der Region Ballaton und Budapest haben wir im Juni überhaupt keine Wohnmobile angetroffen. Auch die vielen Thermenbesucher scheinen ihren Badekurort ohne Umweg anzufahren.
  • Fürs Parkieren haben die Ungarn die Kategorie „Wohnmobile“ noch nicht erfunden. Anders als in sonstigen Touristenorten parkiert man also zum PKW-Tarif.
  • Einkaufen ist überhaupt kein Problem, die Läden sind ziemlich aufdringlich ausgeschildert. Die grossen Shopping-Centers sind auf der grünen Wiese entstanden, demnach auch für Womis keine Parkplatz-Probleme.
  • Die Versorgung mit Autogas ist flächendeckend. Der Preis für Diesel etwa wie bei uns (d.h. in der Schweiz). 

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Badeferien auf ungarisch

Dieser erste Reisebericht aus Ungarn deckt die Zeit vom 24. bis 31. Mai 2010 ab.

Nach 900 Kilometern Fahrt sind wir in Ungarn, unserem ersten eigentlichen Reiseziel, angekommen. Ein erster Zwischenstopp hatte der Mozart-Stadt Salzburg gegolten, wo ich schon lange mal hin wollte.

Über den Tauern-Pass und die Turracher Höhe haben wir Kärnten durchfahren und sind bald schon in Slowenien angekommen. Dort haben wir uns in den heilenden Wassern der Radenci Therme gesunddüsen lassen und ein paar trockene Stunden für eine erste Velotour durchs Hinterland genutzt. Nach fünf Tagen sind wir in Ungarn angekommen. Hier kommt uns alles ziemlich spanisch vor. Verstehen tut man rein gar nix, selbst dann nicht, wenn es geschrieben steht. Doch auf „sprechen Sie deutsch“ oder „do you speak English“ kommt meist eine ermutigende Antwort. Selbst wenn diese nur den Tarif fürs Parkieren verständlich macht….

Das erste Highlight hat uns in einem der touristischsten Orte des ganzen Landes ereilt: Heviz. Die Stadt rühmt sich, den grössten Thermalsee Europas zu haben. Der bis 38 m tiefe und 4,5 ha grosse See wird aus zwei Quellen gespeist – einer warmen und einer kalten – die zusammen täglich 60 bis 80 Mio. Liter Wasser sprudeln. Angeblich wird durch diese Wassermenge der gesamte Seeinhalt jeden zweiten Tag erneuert. Die Temperatur sinkt selbst im Winter nie unter 26°. Natürlich wird alles entsprechend touristisch vermarktet mit sämtlichen Auswüchsen, die dazu gehören wie überrissenen Parkplatz-Gebühren, Ständen mit Souvenir-Ramsch etc.

Auch wir haben uns in die nach faulen Eiern stinkenden Fluten gestürzt. Eigentlich fühle ich mich fürs Thermalbaden noch etwas zu jung, aber bei dem regnerischen Wetter und Temperaturen um 18° war das Erlebnis zu verkraften. Das Witzige an der ganzen Sache: 99 % der Badenden benutzen irgendeine Schwimmhilfe und lassen sich im Wasser treiben. Und weil wir so etwas nicht mitführen, haben wir uns kurzerhand einen Pirelli gemietet. Besonders hübsch an diesem See sind die vielen Seerosen und Lotusblumen, die überall wachsen. Etwas gewöhnungsbedürftig allerdings ist es, wenn man das Gschlüder derselben um die Beine hat.

Ob die heilenden, stinkenden Fluten (keine Bange, wir haben nachher ausgiebig geduscht!) einen positiven Effekt irgendwelcher Art auf uns und nicht nur die Betreiber des Bades haben, wird sich weisen.  

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Von der Puszta in die Hauptstadt

Dieser zweite Bericht über unsere Reise durch Ungarn deckt die Zeit vom 1. bis 13. Juni 2010 ab.

Kaum zu glauben, dass wir noch bis vor einer Woche jeden Morgen die Heizung anschmeissen mussten. 13 Grad im Wohnmobil – nein, Indianerlis wollen wir nun wirklich nicht spielen. Wir haben den Balaton und das ganze dazu gehörige Bala-Bala hinter uns gelassen. Das „Ungarische Meer“ wie der Plattensee auch bezeichnet wird, muss im Hochsommer touristisch aus allen Nähten platzen. Da bei uns weder Badetemperaturen noch –Wetter herrschten, haben wir den See nur mit gebührendem Abstand betrachtet. Seit unserem eintägigen „Kuraufenthalt“ in Heviz (nein, wir fühlen uns seither nicht gesünder, allerdings auch nicht kränker) hat es vier Tage praktisch am Stück geregnet. Der ganze Segen von Petrus war begleitet von starken Böen, die Sturmwarnungen rund um den See haben geblinkt wie wild.

Die Gegend rund um Europas grössten See kann man als hügelig bezeichnen. Im Hinterland wird Wein angebaut, Getreide und Mais. Die Orte, die rund um den See aufgereiht sind, ähneln einander. Mal sind sie mehr, mal etwas weniger mondän, sicher haben sie immer eine Badeanstalt, zahlreiche Hotels, Campingplätze. Typisch ungarisch – das gilt nicht nur für die Region Balaton – sind die Verkaufsbuden, die mit absoluter Zuverlässigkeit dort anzutreffen sind, wo sich Touristen hin verirren. Sie bieten Souvenirs an, Getränke und Esswaren, Schwimmhilfen und Badelatschen. Und mit Garantie auch Glacé. Die Ungaren sind ein Volk von Eis-Fressern. Selbst bei Regenwetter und kühlen Temperaturen läuft jeder zweite Ungar mit einem Cornet durch die Gegend.

Nach vier Tagen und einer Runde fast um den ganzen See haben wir ihn südwärts verlassen. Endlich ist auch das Wetter besser geworden. Seither hat sich das persönliche Befinden nahezu übergangslos von „zerzauste Frisur und nasse Regenjacke“ in „ohne Sonnencreme geht gar nichts mehr“ gewandelt.

Die Ungarn scheinen ein fröhliches Volk zu sein. Bei Festen und privaten Feiern wird jedenfalls ausgiebig und laut gelacht. Auf uns wirken sie allerdings nicht gerade freundlich. Unsere Grüsse werden nie oder nur höchst widerwillig erwidert. Blöd anglotzen liegt aber alleweil drin.

In einem „Gebirge“ an der südlichen Grenze haben wir unsere erste Velotour auf ungarischen Strassen gemacht. Die Strasse ist überraschend gut, ein Zustand, der längst nicht auf alle Verkehrsweg zutrifft. Manchmal hüpft man von Schlagloch zu Schlagloch und natürlich gibt es sie auch: die feinen, seidenen Beläge – sofern die EU genügend Kohle locker gemacht hat.

Südlich der Stadt Pecs wird viel Wein angebaut. Ein Weinbaudorf folgt dem anderen, nennenswerte Erhebungen für Weinberge, wie wir sie uns vorstellen, fehlen hier. Doch was kann man schon erwarten, wenn man sich auf 90 m über Meer befindet?

Ein beklemmendes Gefühl ist aufgekommen, als wir dem Ufer der dreckig-braunen Donau entlang gegangen sind. Europas zweitlängster Fluss hat Hochwasser geführt und in den Dörfern ist man daran gewesen, Sandsäcke zu füllen. Noch hat ein guter halber Meter bis zum Damm gefehlt, aber gemäss Aussage eines Arbeiters musste man davon ausgehen, dass die Donau noch 1,5 Meter steigen wird. Glücklich darüber, dass wir unser Domizil leicht ins Trockene fahren können, sind wir weitergefahren.

Östlich der Donau ist das Land topfeben. Rechts und links der Strasse wechseln sich Mais, Getreide, Reben, Mohn, Gemüse, Gras, und gar Nichts ab. Ist das nun schon die Pustza? Wir finden es ausgesprochen langweilig, für die einzige Abwechslung sorgen die Löcher in der schnurgeraden Strasse.

Störche haben wir seit Tagen keine mehr gesehen. So ein Storchenland, wie immer erzählt wird, scheint Ungarn denn auch wieder nicht zu sein. Wenn ich bei uns an den Greifensee fahre, kann ich mit etwas Glück auf engem Raum ebenso viele Langbeiner zählen wie in manchen Gegenden Ungarns.

Bei einem Thermalbad mit zugehörigem Campingplatz mitten im ungarischen Nirgendwo haben wir zwei Tage Halt gemacht. Dort haben wir Landsleute getroffen, die jedes Jahr vier Monate dort sind. Hilfe! Mit diesem Bad – eine Mischung aus Heilbad und Plauschbad – kann keine Badeanstalt in der Schweiz mithalten. Ein paar Becken mit den heilenden, braunen Fluten (so krank kann ich gar nicht sein, dass ich da rein liege!) unter Dach und im Freien werden ergänzt von einem Becken mit Sprudeldüsen aller Art, einem Wellenbad, einem Becken mit mehreren Rutschbahnen und sogar einigen Seichbädli. Das Gelände ist riesengross. Typisch ungarisch wird diese Badeanstalt bereichert von zahlreichen Imbissbuden, die sich innerhalb des Geländes befinden.

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Nach dem Aufenthalt auf dem Campingplatz (es war wieder mal Wäsche waschen angesagt) haben wir uns eine vier Tage gültige Autobahnvignette gekauft (so etwas funktioniert in Ungarn rein elektronisch und hinterlässt keinen Leim auf der Scheibe!) und sind die 150 km nach Budapest gedüst. Dort haben wir uns auf einem Campingplatz einquartiert und sind zwei Mal mit der Metro in die Stadt gefahren. Budapest hat viel zu bieten. Museen und Kirchen ohne Ende, alte Häuser in unterschiedlichstem Zustand, Denkmäler, Konzerte und ziemlich gepfefferte Preise im Vergleich zum restlichen Ungarn. Eigentlich alles nicht so unsere Welt. Jedenfalls haben wir nach zwei Tagen die Stadt gesehen. Mag sie noch so schön an der immer noch Hochwasser führenden Donau liegen: Es geht weiter Richtung Slowakei.

Wir haben eine Portion Erdbeeren verdrückt, die wir in Budapest auf dem Markt gekauft haben. Sensationell süss und sicher alles andere als unreif! Aber es tut einem das Herz weh, wenn man sieht, wie der Verkäufer diese mit einer Art Schaufel regelrecht schöpft.

Diesen Bericht habe ich geschrieben bei knapp 30 Grad. Um mich herum war es bereits stockfinster. Hättet ihr gewusst, dass in Budapest die Sonne fast eine Stunde früher untergeht als zu Hause?