Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kategorie-Archiv: Europa

Andere Länder – andere Sitten (3)

Ach ist das Dach schön grün!

Der Norweger tickt in mancherlei Hinsicht anders als ein Mitteleuropäer. Was uns verweichlichten Schweizern beim Reisen besonders aufgefallen ist, ist die Einstellung der Wikinger gegenüber dem Wetter und den damit einhergehenden Temperaturen. Wenn unsereins schlotternd nach einem Pulli gegriffen hat, ist es dem Norweger gerade erst so richtig warm ums Herz geworden. An Kälte kann man sich vermutlich wirklich gewöhnen. Und wenn es in Norwegen über 20 Grad warm ist im Sommer, muss sich das für die Einheimischen anfühlen wie für uns 30 Grad.

Was mir auch aufgefallen ist, ist der Hang der Norweger, ihre Dächer zu begrünen. Das können private Wohnhäuser sein, Bedachungen von Bushaltestellen oder wie hier einfach nur ein original norwegischer Picknick-Tisch, den ich auf den Lofoten fotografiert habe.

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Grössere begrünte Dächer können dann etwa so ausschauen, wie dieses Dach eines Besucherzentrums.

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Und nebst dem Grünzeug befanden sich diese beiden (nicht ausgestopften!!!) Ziegen auf dem Dach. Ein Zaun erübrigte sich.

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Die teuerste Schoggi der Welt

Eigentlich würde ich jetzt lieber nicht am PC sitzen und diesen Blog schreiben. Viel lieber wäre ich jetzt am wandern. Über Felder und Wiesen. Auf einen Berg mit toller Aussicht. Am Waldrand entlang. Einem gurgelnden Bächlein folgen. Unterwegs Blumen bestaunen, dem Vogelgezwitscher zuhören, unvermittelt stehen bleiben, in der Hoffnung, das Reh noch etwas länger betrachten zu können.

Die Realität sieht leider anders aus. Nach den ergiebigen Niederschlägen sind viele Wege patschnass. Seen und Flüsse treten über die Ufer. Aus den Hängen läuft das Wasser. Dennoch beschäftige ich mich dieser Tage intensiv mit möglichen Wanderungen. Schliesslich will ich gewappnet sein, wenn’s denn endlich losgehen kann!

Eine der Wanderungen, die ich schon lange gerne machen möchte, führt dem Doubs entlang. Der über weite Strecken unverbaute Fluss bildet über viele Kilometer die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Allerdings ist die Zeit für die Doubs-Wanderung in meinen Augen schon abgelaufen. Es wäre eine typische Frühlings-Tour gewesen. Und eine mehrtägige dazu.

Immerhin, beim Planen ist mir eine Episode in den Sinn gekommen, die ich hier gerne zu besten geben möchte. Sie ereignete sich zu einer Zeit, da waren mein innig geliebter Mitbewohner und ich noch richtig gut im Saft. Wir unternahmen eine Radtour im Jura, die uns mehrmals am Doubs vorbei führte. Das letzte Mal, als wir in Goumois die Grenze von der Franche Comté zurück ins Heimatland überschritten.

Unsere über 100 km lange Velotour durch die ländliche Region mit guten Strassen und wenig Verkehr hatte einen Haken: Es gab nur wenig Einkehrmöglichkeiten am Wege. Und diese passierten wir allesamt zur Unzeit. Wohl hatten wir eine Zwischenverpflegung in Form eines Sandwichs dabei gehabt, aber diese Kalorien waren längst verbrannt, als wir im Grenzort einfuhren. Der Mitbewohner verkündete, er habe ein zu grosses Loch im Bauch, als dass er noch die anstehenden 500 Höhenmeter rauf nach Saignelégier bewältigen könne, wo unser Wohnmobil auf uns wartete. Er müsse unbedingt etwas essen. Und zwar sofort. Zugegeben, mein Magen war noch nicht am reklamieren, aber ob ich den Anstieg ohne Hungerast bewältigt hätte, weiss ich bis heute nicht.

Es war Mitte Nachmittag. Kein Restaurant offen und wenn, dann dessen Küche geschlossen. Das Knurren des Mitbewohners Magens übertönte das Rauschen des Flusses. Es musste etwas geschehen, wollten wir nicht in Goumois versauern.

Unsere Rettung war ein Souvenir-Laden. Ein solches Etablissement würden wir sonst mit schnöden Worten abtun. Aber dort wurde zumindest etwas Essbares verkauft. Vielleicht nicht gerade die ideale Sportler-Nahrung, aber immerhin etwas, das den Magen beschäftigte. So kauften wir eine Tafel Ragusa und setzten uns auf ein Bänklein am Ufer mit Blick auf die rauschenden Wasser. Mit diesem traumhaften Anblick verdrückten wir die lebensrettenden Kalorien. Die Tatsache, dass wir im Supermarkt für diese Schoggi nur einen Viertel des Preises bezahlt hätten, spielte in dem Moment keine Rolle mehr.

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Und irgendwann werde ich wiederkommen. Mit Wanderschuhen statt Rennvelo. Mir das Bänklein anschauen und auf dieser Route dem Doubs entlang wandern.

Staub mit Erinnerungs-Potential

Immer, wenn ich ihnen begegne, und das ist immer, wenn ich abstaube, also eigentlich eher selten, erinnern sie mich an eine meiner längsten, schönsten, aber auch anstrengendsten Bergwanderungen.

Diese Wanderung hätte gar nicht so lang werden sollen. Wir waren auf dem Heimweg von einer Reise aus Kroatien und Slowenien und machten mit dem Wohnmobil einen Abstecher ins Südtirol. Bei Einheimischen, die vor einer bewirteten Alphütte bei Ponticello sassen, erkundigten wir uns nach einer etwa fünfstündigen Wanderung. Diese gaben uns frohgemut den Tipp, doch den 2’810 m hohen Seekofel zu besteigen.

Zu früher Morgenstunde stiegen wir los, denn es versprach, ein heisser Tag zu werden. Wir kamen vorbei an Almen, auf denen nicht nur Kühe, sondern auch Pferde weideten. Was für eine Idylle! Und als ob es nicht schon kitschig genug gewesen wäre, wuchsen auf der ganzen Wiese Edelweisse. Soviel übrigens zum Thema “Edelweiss in steiler Bergeswand”. Dieser Mythos gehört ins Zeitalter der Louis-Trenker-Filme.

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Nicht erst auf dem Gipfel merkten wir, dass wir den Zeithorizont überschreiten würden. Dank den gut markierten Wegen und dem makellosen Wetter war das aber kein Problem.

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Im Rifugio Biella gönnten wir uns Speis und Trank. Neben uns sassen Deutsche, die mit dem Feldstecher durchs Panorama linsten. “Wenn mich nicht alles täuscht, stehen dort drüben die Drei Zinnen”, hörten wir vom Nebentisch. “Die sieht man nicht von hier aus”, knurrte ich mehr zu mir selber zwischen zwei Happen. Der Mitbewohner jedoch, der konnte diese Abänderung der Bergwelt nicht so im Raum stehen lassen und sagte laut und unüberhörbar: “Meine Frau hat gesagt, das seien nicht die Drei Zinnen. Und sie muss es wissen, schliesslich war sie auf allen drei oben.” Schwang da ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit? Na jedenfalls musste ich nachher Auskunft geben, was mir eher peinlich war. Es war und ist nicht meine Art, mit derartigen Leistungen anzugeben.

Erst als wir weitergingen, konnten wir im Dunst das berühmteste Dreigestirn der Dolomiten ausmachen.

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Unsere Wanderung indes war noch nicht zu Ende. Längst hatten wir herausgefunden, dass mit den fünf Stunden Wanderzeit lediglich der Hinweg auf den Gipfel gemeint war. Wir kamen auch im Abstieg an Wiesen vorbei, die vor Edelweissen nur so strotzten. Drum erlaubte ich mir, vier der geschützten Pflanzen zu pflücken. Ich weiss, dass man das nicht soll, aber die Kühe latschten ja auch geradewegs über diese raren Blümchen.

Nach acht ereignisreisen, aber auch reichlich ermüdenden Stunden waren wir wieder zurück beim Ausgangspunkt, wo unser Wohnmobil artig auf uns wartete.

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Die vier Edelweisse, die ich nach alter Väter Sitte zwischen zwei Buchdeckeln getrocknet hatte, sind in der Zwischenzeit reichlich verblasst. Trotzdem haben sie nach acht Jahren noch ihren festen Platz in unserer Wohnung. Und auch wenn der Mitbewohner meint, ich solle die Staubfänger endlich liquidieren, von diesem Souvenir mag ich mich nicht trennen.

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Zähneknirschend

Beim blossen Gedanken an Essen in Frankreich läuft so manch Einem das Wasser im Munde zusammen. Völlig zu Recht. In Frankreich kann man ganz gediegen speisen, der Franzose selber legt viel Wert auf gutes Essen. Die Auswahl an Frischprodukten an den Wochenmärkten ist überwältigend. Auch die Supermärkten haben ein riesiges Angebot an Obst, Gemüse, Fisch, Käse, Fleisch. Ergänzt durch Convenience Produkte, um die ich nicht nur in Frankreich einen grossen Bogen mache. Selber kochen muss man in Frankreich nicht mehr unbedingt können. Frittenbuden landauf landab ergänzen seit Jahren das kulinarische Angebot. Und längst nicht überall wird die Haute Cuisine zelebriert.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich waren vor Jahren in Frankreich unterwegs. Da so ein VW-Camper nicht für die aufwändige Küche eingerichtet ist, gingen wir öfters in Restaurants essen. Schliesslich waren wir damals auch noch unter dem arbeitenden Volk und wollten uns etwas leisten. Das Käffchen im Herzen der Pyrenäen, das wir als Tagesziel ausgewählt hatten, sah vielversprechend aus. Diverse nette Lokale im Ortszentrum liessen den Magen vor Vorfreude knurren.

Wir liessen den Camper auf dem Campingplatz stehen und gingen am Abend zu Fuss ins Ortszentrum. Ja nicht zu früh! Trotzdem waren wir um 20.00 Uhr die ersten Gäste im Lokal. Leider waren all die nett ausschauenden Beizli, an denen wir vor Stunden vorbeigefahren waren, geschlossen. Als einziges blieb ein Lokal am Hauptplatz. Nur bedingt einladend. Aber meine Camper-Küche hätte nichts hergegeben, so dass wir uns auf das Abenteuer einliessen.

Immerhin, die Speisekarte war relativ umfangreich, wir fanden etwas Ansprechendes. Ich erinnere mich nicht mehr, was wir alles bestellten. Aber der Blattsalat – so viele Salate ich im meinem Leben auch schon verdrückt habe – wird mir unvergesslich bleiben. Beim ersten Bissen schon knirschte es zwischen den Zähnen. Kann ja mal vorkommen, dachte ich mir, und schaufelte weiter von dem Grünzeug. Vis-à-vis hörte ich es auch knirschen, dem Mitbewohner erging es offenbar nicht besser. Wir futterten weiter. Genau so lange, bis unter einem Salatblatt eine

!!! Schnecke !!!

zum Vorschein kam. Die herbeigerufene Bedienung zuckte lediglich mit den Schultern und servierte den Schleimer mitsamt seinem Futter ab. Danach folgte noch eine gebackene Forelle mit total verbrannten Mandelsplittern. Den Rest des Menüs habe ich aus meiner Erinnerung verbannt.

Wir haben die französische Küche in all den Jahren, wo wir unser westliches Nachbarland bereist haben, kennen, schätzen und lieben gelernt. Etwas ähnliches ist uns glücklicherweise nicht mehr passiert.

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Sternschnuppen

Es war so nicht geplant gewesen. Und überhaupt, es entsprach nicht im Geringsten unsern Vorstellungen. Aber die Heimreise von Schweden auf der Autobahn ab Rostock ging nicht so zügig vorwärts, wie wir gehofft hatten. Da war mal der Stau südlich von Potsdam und anschliessend das Unwetter, dessen Zentrum ziemlich genau im gleichen Tempo wie wir in ziemlich genau der gleichen Richtung vorwärts kam und die Sicht stark einschränkte, nicht davon zu reden, dass die Strasse mitunter zentimetertief unter Wasser war.

Südlich von Leipzig hatten wir die Nase voll und waren auch nicht mehr so ganz frisch, deshalb verliessen mein innig geliebter Mitbewohner und ich die Autobahn, um nach einem Nachtquartier Ausschau zu halten. Der kleine Haken daran: Wir waren nur mit einer Karte 1:500’000 unterwegs, und Orte, die dort drin eingezeichnet sind, entsprechen wohl nicht zwingend der ländlichen Idylle, die wir von Schweden her noch gewohnt waren und die wir für unsere Hotelübernachtung anstrebten. Eine kleine Vorahnung, dass aus der lauschigen Übernachtung in einem Landgasthof wohl nichts werden würde, befiel mich, als wir in der Innenstadt aufs Kopfsteinpflaster donnerten.

Einige Zeit später standen wir vor der folgenden Wahl: 3 Sterne für 99 Euro, 4 Sterne für 95 Euro pro Zimmer. Der Mitbewohner und ich legen sonst nicht so grossen Wert auf die Himmelskörper, aber da wir schon mal bei den 4 Sternen standen, und die erst noch billiger waren, entschieden wir uns um 19.00 Uhr kurzerhand für diese. Wir gaben uns nicht der Illusion hin, dass für diesen Preis – selbst im ehemaligen Osten – das geboten würde, was bei uns unter einem Viersterne Hotel rangiert.

Dennoch, das Zimmer war grosszügig und sauber, mit einer Infrastruktur, wie man sie erwarten konnte. Das Essen dagegen, naja, da haben wir Schweizer vermutlich etwas andere Vorstellungen von Verpflegung und ich behaupte glattweg, dass man mit den Zutaten auch etwas Besseres hätte kochen können.

Das Frühstücksbüffet anderntags liess vordergründig keine Wünsche offen. Kaum hatten wir einen Teller gefasst, wurden wir schon belagert, ob wir ein Spiegelei oder Rührei wünschten. Wünschten wir nicht, genauso, wie wir keine Peperoni, Wurstwaren, Fisch oder Gurken zum Frühstück mögen. Wir essen zu Hause Brot, Butter, Konfitüre und ein Stück Käse und von dieser Sitte sahen wir nur insofern ab, als dass wir noch etwas Müesli aufluden. Was da jedoch an Brot angeboten wurde, blieb uns beinahe im Hals stecken. Nicht, weil es so trocken war, sondern so gummig. Ich bin mir sicher, dass man Aufbackbrötchen so lange im Ofen lassen kann, bis sie eine brotähnliche Konsistenz angenommen haben. Diesen Viersterne-Brötchen war das nicht vergönnt.

Als wir Zeugen wurden, wie der Kaffee, der wieder abgetragen wurde, zurück in einen grossen Pot gekippt wurde, um dem nächsten Gast zu servieren, veränderte sich das Firmament endgültig.

Öfters mal Panne (38)

… oder: teurer Diesel

Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch nach Skandinavien. Und wieder zurück. Als wir im Sommer vor einigen Jahren etwas abrupt infolge Schlechtwetters und leichter Reiseüberdrüssigkeit unseren Aufenthalt in Schweden abbrachen, drängte sich als Weg die Fahrt über die acht Kilometer lange Öresund Brücke an, welche die beiden Städte Malmö und Kopenhagen verbindet. Kein billiger Spass zwar, aber im Gegensatz zur Fähre jederzeit und ohne Reservation befahrbar.

Das Wetter war leider etwas diesig (deshalb habe ich ein Bild aus dem Internet gefischt) und es gab auch keine Parkplätze an der Strecke, von wo aus man die imposante Brücke hätte bewundern können. Ohne Probleme fuhren wir über das im Jahr 2000 fertiggestellte Bauwerk, das mitunter bei Sturm auch mal gesperrt sein kann. Im nachfolgenden sechs Kilometer langen Tunnel blinkten plötzlich die Warnlampen. Eine Spur war gesperrt. Sogleich gingen mir Angsthase Szenarien von Stau im Tunnel, Brand, Notfall und weitere brandschwarze Geschichten durch den Kopf.

Auf der noch verbleibenden linken Spur fuhren wir in der signalisierten Geschwindigkeit weiter und waren gespannt, was da kommen würde. Nach einer gefühlten Ewigkeit sahen wir vor uns auf dem rechten Fahrstreifen ein Wohnmobil. Noch bevor wir uns fragen konnten, weshalb das Fahrzeug schlapp gemacht hatte, sahen wir, wie der rettende Engel vom Pannendienst mit einem Kanister Diesel einfüllte. Da hatte der Fahrer wohl die Kapazität seines Tanks falsch eingeschätzt. Kleine Bemerkung am Rande: In Dänemark wäre der Treibstoff erheblich billiger gewesen als in Schweden.

Nicht ohne eine gewisse Schadenfreude stellten wir fest, dass dies wohl der teuerste Sprit sein dürfte, den der Norweger je getankt hatte. Und so ganz nebenbei waren wir natürlich froh, dass es sich um einen Zwischenfall der harmlosen Sorte gehandelt hatte.

Öfters mal Panne (37)

… oder: (r)ausgeschlossen

Um uns im folgenden Zwischenfall eine gewisse Würde zu erhalten, muss folgendes erwähnt werden: Unser Womi war keine drei Monate alt und wir befanden uns auf einer zweimonatigen Reise. Zuvor hatten wir erst eine Woche darin verbracht. Das Fahrzeug verfügte über eine Zentralverriegelung mit funkgesteuertem Drücker. Es gab zwei verschiedene Schlüssel: den Zündungsschlüssel, mit dem sich auch die Fahrertüre öffnen liess und einen Schlüssel für sämtliche Türen des Aufbaus. Schon in den ersten Tagen der Reise begann das Schloss der Aufbautüre zu spuken. Es liess sich, wenn überhaupt, nur noch mit dem funkgesteuerten Drücker öffnen, der Schlüssel selbst drehte im Schliesszylinder leere Runden.

Es geschah im Sommer 2009. In dem Jahr, wo in den Abruzzen die Erde gebebt hatte. Wir hatten uns lange überlegt, ob wir unsere Pläne trotz dem verheerenden Erdbeben umsetzen, oder ob wir uns besser ein anderes Reiseziel aussuchen sollten. Wir entschieden uns für die Abruzzen, sahen erschütternde Bilder von mit Gurten zusammengehaltenen Kirchtürmen, Zeltlagern, gesperrten Strassen und viel grandiose Natur. Die Abruzzen sind auf jeden Fall eine Reise wert, das waren mein innig geliebter Mitreisender und ich uns schnell einig, auch wenn es im Landesinneren für Wohnmobile praktisch keine Infrastruktur gibt.

In diesem gebirgigen, hauchdünn besiedelten Landesinneren hatten wir auf dem Parkplatz am Ortseingang von Pietracamela übernachtet. Nach dem Erdbeben gehörten Bilder wie dieses zur Tagesordnung.

Ein weiterer wunderschöner Tag, wir öffneten beim Frühstück die Türe, liessen die reine, frische Luft hereinströmen. Als wir nach Abwasch, Zähne putzen etc. reisefertig waren, liess der Mitreisende, entgegen sonstiger Gepflogenheiten, den Motor an, damit er etwas warm laufen konnte. Der Mitreisende war stets um das Wohl des 2,3-Liter-Diesel-Motors besorgt und so wollte er weder die kurze, steile Rampe aus dem Parkplatz noch die steile Fahrt talwärts mit kaltem Motor fahren.

Ein letztes kurzes Beinevertreten, bevor es losgehen sollte. Da knallte ein Windstoss die Aufbautüre zu, die mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss fiel. Na und? werdet ihr nun vielleicht sagen, macht halt die Türe wieder auf.

Das etwas Ungeschickte an der Situation war bloss, dass dieser Windstoss uns soeben rausgeschlossen hatte, während am Womi der Motor lief. Wir hatten nämlich noch keine der beiden Fahrerhaustüren geöffnet, was eine Entriegelung beider Türen zur Folge gehabt hätte. Wir standen da wie die Deppen. Jetzt ist es vielleicht an der Zeit, nochmals den roten Text zu lesen, damit ihr uns nicht für Webstübler haltet.

Der Schlüssel, der uns hätte retten können, steckte im Zündschloss. Der andere (Reserve-)Schlüssel, der die Aufbautüre wieder aufgekriegt hätte, war mit einem Magnet an einem sicheren Ort an der Karosserie angebracht. Indes, der nützte nichts, da sich die Türe nicht mehr mit dem Schlüssel öffnen liess.

Es müssen wohl dem Mitreisenden wie mir diverse Szenarien durch den Kopf geschossen sein, von Scheibe einschlagen über einen Autoknacker organisieren, der in dieser abgelegenen Gegend legal agieren durfte, bevor der Mitbewohner die Initiative ergriff. An der Türfalle der Aufbautüre ziehen, das wussten wir aus mehrwöchiger Erfahrung, endete meist im luftleeren Raum. So auch dieses Mal. Nach viel gutem Zureden, Handauflegen und des Mitbewohners feinfühliger Fingerchen hatte der defekte Mechanismus irgendwann Nachsicht mit uns und gab nach.

Ich musste unweigerlich an Alibaba und die vierzig Räuber denken.

Da war die Welt noch in Ordnung. Das Womi in entspannter Lage auf dem Ausgleichskeil, die Türe sperrangelweit offen. Der Motor aber vermutlich bereits am laufen, denn beide Sitze sind in Fahrtrichtung gedreht.

Das Geschäft hinter dem Wohnmobil

Die nachfolgende Geschichte ereignete sich an jenem Wochenende im Oktober, als mein innig geliebter Mitreisender und ich herausfanden, dass in Italien Naturparks nicht primär dem Schutze von Flora und Fauna dienen, wie das andernorts der Fall ist. Nein, in Italien ist so ein Park offenbar ein Freipass für die Plünderung der Natur.

Als nämlich am Strassenrand eine Tafel den „Parco Naturale del Beigua“ ankündigte, glaubten wir, unseren Augen nicht zu trauen. An jeder Ausbuchtung der Strasse wo nur eine Handbreit Platz war, standen Autos. Auf etwa 10 km mindestens 200 Fahrzeuge. Der Grund? Die hier:

Die Italiener sind ganz wild auf ihre Funghi. Im nächsten Dorf – Sassello- wurden denn auch in mehreren Läden Steinpilze verkauft. Aber was für welche! Für 20 Euros gab es schätzungsweise 600 Gramm Pilze von so mieser Qualität, dass wir sie wahrscheinlich im Wald hätten stehen lassen. Die Pilze waren nicht einmal aufgeschnitten, also kaufte man die Katze im Sack bzw. die Pilze ziemlich sicher mit Maden. Trotzdem fanden die Funghi reissenden Absatz.

In Italien darf man nicht nach Belieben Pilze sammeln, wie dieses Schild veranschaulicht. Deshalb wohl der invasionsähnliche Einfall in die frei zugänglichen Naturparks.

Wir machten von Sassella aus eine Velotour und übernachteten in unserem Wohnmobil auf einem von Bäumen umgebenen Parkplatz am Ortsrand. Daran stört sich in Italien in der Regel niemand, schon gar nicht zu der Jahreszeit. Während wir beim Frühstück sassen, bemerkte ich, dass sich jemand am Womi zu schaffen machte. Ich konnte es nicht fassen: Die Nachbarin aus dem nebenan parkierten Wohnmobil pisste hinter unser Auto und hielt sich dabei am Fahrrad-Träger fest! Kurze Zeit später versuchte sie, die Beifahrertüre zu öffnen und entschuldigte sich mit der fadenscheinigen Begründung, sie habe sich in der Türe geirrt. Mein lieber Schwan, was hätte die wohl noch alles gemacht, wären wir nicht im Womi gesessen.

Wir waren jedenfalls froh, als die mit ihrem desolaten Wohnmobil abfuhren, neben solchen Vagabunden hätten wir unser Womi nicht mehr mit gutem Gefühl stehen lassen können. Doch so konnten wir in aller Ruhe nochmals einen Bummel durch Sassello machen, einen Kaffee trinken und dazu die lokale Spezialität, Amaretti morbidi, geniessen.

Da fuhren sie von dannen. Ich hatte vorsichtshalber ein Bild mit dem Nummerschild gemacht, falls sich später herausstellen sollte, dass sie doch noch irgendwo böswillig Hand angelegt hatten.

 

Öfters mal Panne (36)

… oder: Nasse Füsse auf dem Fussballplatz

Wenn mein innig geliebter Mitreisender und ich einen Campingplatz anfahren, geschieht dies nicht aus täglicher Gewohnheit, sondern hat ausnahmslos triftige Gründe. Wir greifen nämlich nur auf derartige Infrastruktur zurück, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das kann sein, weil der Strom im Womi am ausgehen ist (dank Solarpanelen an unseren europäischen Womis eigentlich die Ausnahme), weil wir dringend Wäsche waschen müssen oder weil es – wie im nachstehenden Geschichtchen – weit uns breit keinen geeigneten Übernachtungsplatz gibt.

England, das fanden wir innert kürzester Zeit heraus, ist nicht wirklich für Wohnmobile geeignet. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass England regelrecht wohnmobilfeindlich ist. Doch dieses Thema will ich hier nicht weiter plattwalzen. Tatsache ist, dass wir damals auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in Südengland resigniert auf einen Campingplatz einbogen. Zuerst dachten wir, wir hätten uns verfahren und seien auf direktem Weg zu einem Fussballplatz. Der topfebene Platz wies keinerlei Strukturen auf. Keine Hecke, kein einziger Baum auf dem riesigen Areal von der Grösse zweier Fussball-Felder. Für die Engländer schien das, wie das folgende Bild zeigt, normal. Sie richteten sich ein mit ihren Zelten, Pavillons und Sichtschutzwänden. Campingfahrzeuge oder Wohnwagen hatten Seltenheitswert.

Wir suchten uns eine Ecke aus und fuhren auf das Grün. Dieses war, nach den vorangegangenen intensiven Niederschlägen, ziemlich weich. Ein mulmiges Gefühl beschlich uns, Erinnerungen an ähnlich weiches Terrain waren sofort wieder präsent. In solchen Fällen heckt der Mitreisende immer einen Plan B aus. Dieser sah primär vor, dass wir unser Fahrzeug wendeten, so dass wir im Vorwärtsgang wieder auf das schmale Asphaltband zurückfahren konnten. Man weiss ja nie.

Als mitten in der Nacht der Regen einsetzte, war es um unsere Nachtruhe geschehen. Dies nicht nur, weil der Regen in einem Wohnmobil viel lauter aufs Dach trommelt als zu Hause. Der Mitreisende machte nicht lange Federlesens. Er setzte sich ans Steuer, liess den Motor an und fuhr aus dem potentiellen Sumpf heraus. Nach wenigen Metern standen wir auf dem asphaltierten Platz vor einem geschlossenen Sanitärgebäude.

Was die Engländer in ihren Zelten ab uns gedacht haben mögen, war uns in diesem Moment ziemlich egal. Uns konnte der Regen nichts mehr anhaben. Wir standen auf sicherem Boden.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste. Und die Schutzpatronin der Wohnmobil-Reisenden.

Öfters mal Panne (35)

… oder: Campieren ohne Campingplatz

Meine Pannenserie hat schon bald das dritte Dutzend vollendet und noch immer habe ich keine Panne beschrieben, die sich in der Schweiz ereignet hätte. Daraus könnte man (fälschlicherweise) ableiten, dass man in diesem Land so sicher ans Werk geht, dass sich Pannen schon gar nicht erst ereignen können. Man könnte aber auch daraus schliessen, und damit läge man mit der Wahrheit schon sehr viel näher, dass mein innig geliebter Mitreisender und ich gar nicht so oft im eigenen Land unterwegs waren.

Stellt sich aber auch die Frage, wann ist ein Ereignis wirklich eine Panne? Reicht es, wenn das Angetroffene nicht den Vorstellungen entspricht? In diesem Falle könnte ich unter anderem mit folgenden eidgenössischen Pannen aufwarten:

Auf der Suche nach einem „schönen Stellplatz auf einer Alp“ an einem heissen Sommerwochenende verliessen wir die Region Obersee im Glarnerland wieder und mussten resigniert feststellen, dass dieses Land nicht auf Individualisten wie unsereins eingestellt ist. „Campingplatz oder gar nicht“ hiess die damalige Devise. Wir verliessen den Ort des Schreckens fluchtartig und endeten auf einem Waldparkplatz am Ricken.

Am Ausgangspunkt unserer Skitour am San Bernardino, wo wir im vorigen Jahr noch übernachtet hatten, stand eine unmissverständliche Verbotstafel.

Als wir den Campingplatz in Ascona anfahren wollten, gab es diesen nicht mehr. Dafür flogen uns Golfbälle um die Ohren. Ein Campingplatz im unteren Maggia-Tal quartierte uns dankbar ein.

Am Umbrail-Pass, an der Grenze zu Italien, wo sich Steinbock und Murmeltier gute Nacht sagen, leuchteten uns mitten in derselben minutenlang die Grenzwächter in den VW-Bus. Dass wir uns dabei etwas unbehaglich fühlten, muss ich wohl nicht sonderlich hervorheben.

Doch nun endlich zum eigentlichen Höhepunkt meiner kleinen Auflistung helvetischer Pannen:

Es war Ende September, wir waren mit dem VW-Bus im Jura unterwegs und auf der Suche nach einem lauschigen Übernachtungsplatz. Das dürfte doch nicht schwierig werden, sagten wir uns, angesichts der für helvetische Verhältnisse grosszügigen Platzverhältnisse dort. Und so fuhren wir abseits der Hauptstrasse einer der für die Gegend typischen Pferdeweiden entlang, bis wir einen flachen Boden erspähten. Dort sollte es sein! Der Mitreisende lenkte den Camper aufs Grün, wollte noch etwas korrigieren und Keile unterlegen, damit wir schön gerade stehen. Soweit die Theorie. Doch unser Fahrzeug war da anderer Ansicht. Als der Mitbewohner nämlich den Rückwärtsgang einlegte und Gas gab, begannen die Räder durchzudrehen. Der Untergrund, obschon es seit Tagen nicht mehr geregnet hatte und oberflächlich trocken schien, war viel weicher als angenommen. Wir sassen fest! Unser VW-Büssli wollte sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Anschieben half nichts mehr, da drückte man bestenfalls den Kühlergrill ein, und die Räder hätten sich nur noch tiefer in den Dreck gegraben.

Der Mitreisende war zwar im ersten Moment sprach-, nicht jedoch ratlos. Von den nahen Tannen brachen wir Äste ab und legten sie unter die Räder. Viele Äste. Aber es hatte auch viele Tannen. Er warnte mich, aus dem Weg zu gehen, wenn er erst mal Fahrt aufgenommen hätte, er würde erst wieder anhalten, wenn er Asphalt unter den Rädern hätte. Mit etwas Wiegeln und Anschieben und dank der tatkräftigen Unterstützung einer ganzen Armee von Tannnadeln gelang es schliesslich, das Fahrzeug wieder aus der Wiese zu fahren.

Die Lust auf einen lauschigen Übernachtungsplatz im Grünen war uns ziemlich vergangen und wir stellten uns auf einen Parkplatz am Rande eines Dorfs.

Seither sind wir sehr, sehr vorsichtig, wenn wir mit einem Campingbus oder Wohnmobil die befestigte Strasse verlassen. Schon oft haben wir gestaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit beispielsweise auf Sandstrände gefahren wird. Da lassen wir lieber die Finger davon. Wie peinlich wäre das denn gewesen, hätten wir seinerzeit einen Bauern mit seinem Traktor um Hilfe bitten müssen!