Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Herbst

Der kritische Blick

Sein Blick war stets aufmerksam, wenn ich des Weges kam. Mit seinen kleinen Äuglein prüfte er die nähere und weitere Umgebung. Ihnen entging nichts. Gar nichts.

Obschon ich mehrmals pro Woche in sein Revier eingedrungen war, schien er mir durchaus wohlgesinnt. Aber er blieb stets höflich distanziert.

Ohne Zweifel, seine Lauscher hatten mich jeweils von weither gehört. Nichts und niemand schien ihn aus der Fassung bringen zu können.

Heute habe ich mich von ihm verabschiedet. Er hat mir zugezwinkert und mir einen schönen Winter gewünscht. Denn die Pilzsaison, die ist nun endgültig vorbei. Und damit auch meine Begegnungen mit dem Hasen am Forstweg.

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Beschildert geschildert (92)

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… und das ausgerechnet im Garten des Pfarrhauses!!!

Wo steht das Männlein im Walde?

Wenn man die Wälder durchstreift auf der Suche nach Pilzen, bleibt das Auge an so manchem hängen. Doch längst nicht alles, was aus der Ferne nach Pilz aussieht, ist tatsächlich ein Pilz. Manchmal ist es ein Wurzelstück, das das Auge düpiert. Manchmal ein Stein, ein Tannzapfen oder auch nur ein Blatt, das die Sonne aus dem richtigen Winkel beleuchtet.

Das ging mir heute mehrfach so. Ganz besonders an einem bestimmten Ort, wo ich immer wieder hin gehe. Von weitem dachte ich noch, ich hätte es mit ein paar Pilzen – den  mattbraunen Köpfchen von Maronenröhrlingen oder dergleichen – zu tun. Schon wollte ich mich freuen…

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… doch beim Näherkommen sah ich, dass hier das sprichwörtliche Männlein im Walde stand. Freude empfand ich beim Anblick dieses Gebildes dennoch.

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Hagebutten mit – hicks – ähm, was nun schon wieder…?

In den Morgenstunden schon eine Flasche Wein zu entkorken gehört nicht zu ihren täglichen Aktivitäten. Davon einen Schluck zu nehmen erst recht nicht. Welcher Teufel hatte diese Frau Flohnmobil geritten, dass sie kurz nach dem Zähne putzen mit ziemlichen Aberwillen dennoch einen Schluck nahm?

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Die Antwort liefert das Bild, wenn auch der Zusammenhang vielleicht nicht auf Anhieb ersichtlich ist. Frau Flohnmobil hatte nämlich ihren ganzen Charme Jäger- und Sammlertrieb ausgespielt und sich über die Hagebutten der näheren Umgebung hergemacht. Im anerkannt aufwändigen Verfahren verarbeitete sie die Wildfrüchte zu Mus, aus welchem ein Brotaufstrich entstehen sollte.

Da Frau Flohnmobil – im Gegensatz zum vergangenen Jahr – gerade keine weisse Portwein-Flasche offen hatte, entsann sie sich der Flasche Sauternes, die im Keller zusammen mit allerlei Gesöff vor sich hin dümpelte. Um sicher zu gehen, dass der Wein noch einwandfrei war – nun was hätte die topfnüchterne Hausfrau denn anders machen sollen? – musste sie einen Schluck probieren. Es wäre ja wirklich unverzeihbar gewesen, hätte ein Weisswein mit Zapfen ihren ganzen, mehrstündigen Mühen mit einem Gutsch zunichte gemacht.

Ansonsten hielt sich Frau Flohnmobil mehr oder weniger ans Rezept des letzten Jahres, ausser, dass der Alkohol-Anteil wesentlich grösser ausfiel. Der in der Hagebutten-Konfitüre mit Sauternes. Ganz bestimmt ein exklusiver Brotaufstrich.

Das Rezept in Kurzform:

Beeren verarbeiten gemäss diesem letztjährigen Beitrag.

750 Gramm Fruchtmus
250 ml Sauternes
1 kg Gelierzucker

Ergibt 5 kleinere Gläser voll. Und schmeckt sackguet!

Wandern im Lande der seltsamen Flurnamen

Die erste Wanderung am ersten Herbsttag begann standesgemäss so:

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Leichter Hochnebel, trocken, nicht kalt, windstill. Angenehme Begleitung. Was will das Wanderinnen-Herz denn mehr?

Startpunkt war im Zürcherischen Ossingen, wo wir uns einen Kaffee in der originellen Kaffeeblüte erlaubten, bevor es losging. Schon bald jedoch begaben wir uns auf fremdes Territorium, angekündigt durch einen Grenzstein, der mit seinen eingemeisselten Buchstaben KT und KZ etwas zwiespältige Gedanken aufkommen liess.

Aber Niederneunform (ausgesprochen “Nider-Nüüfere”) wanderten wir auf dem Thurgauer Rebenweg, den es als solchen jedoch nur im Internet gibt; angeschrieben sahen wir ihn nirgends. Nicht desto trotz ein sehr lohnender Weg, dem wir bis zur Kartause Ittingen folgten. Unterwegs viel Landwirtschaft, wie beispielsweise dieses Feld von Ölkürbissen.

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Und natürlich überall Reben, Reben, Reben.

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Der Weg führt, abgesehen von ganz kurzen Passagen, über Naturstrassen. Er ist ebenso mit dem Velo befahrbar wie Kinderwagen tauglich. Ein paar wenige Meter führen über einen harmlosen Wurzelweg.

Ein genaues Studium der Karte – was die moderne Wanderin selbstverständlich online erledigt – brachte einige originelle Flurnamen zu Tage. Die Morgensonne ist ja noch harmlos. Ebenso der Mülibuck, das Pfarrholz, Vogelsang, Chalbermoos, der Chrachefeld oder Chuttelbärg (auch wenn es mich bei Letzterem grad etwas schüttelt). Am Wegrand fanden sich Zungenbrecher wie Weierströösli oder Huusärgete. Frage mich bitte niemand, was ein Chrääspel ist. Der witzigeste Flurnamen – weiss der Kuckuck, wie die alten Thurgauer darauf gekommen sind – ist zweifellos die Entenschiessmüli.

In der altehrwürdigen Kartause Ittingen gab es für die zwei tapferen Wanderinnen Kaffee und Kuchen. Wovon der Kuchen eindeutig besser ausgefallen ist als sein feuchtes Pendant. Ein kurzer (und lohnender!) Rundgang in der Anlage und weg waren wir, Richtung Postauto.

Ein paar Links, die von Interesse sein könnten:

Kaffeeblüte – ein origineller, sehenswerter Mix aus Blumenladen, Boutique und Café

Thurgauer Rebenweg

Kartause Ittingen

Die Wetterprognose

Bis man dieses Panorama zum nächsten Mal bewundern kann, dürften einige Tage vergehen.

Und die Farbenpracht wird eine andere sein.

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Der letzte Spaziergang vor dem Winter.

Lebensverkürzende Sofortmassnahmen

Er hatte einen schwierigen Start. In seinen ersten Wochen unter meiner Obhut wäre er angesichts des anhaltenden Regens beinahe zur Wasserpflanze mutiert. Im nachfolgenden Sommer jedoch kam er uneingeschränkt auf seine Kosten und erholte sich prächtig.

Er wurde – einmal mehr – zum Stolz meines Kräutergartens. In diesem heissen, sonnigen Sommer konnte man aus der Sicht eines Basilikums nichts falsch machen – ausser ihn zu wenig giessen.

Er gedieh üppig und ich konnte mich seiner vielen Blätter kaum wehren. Glücklicherweise gab es in nächster Nähe dankbare Abnehmer. Eine liebe Nachbarin, die in gewissen Jahren meinen kleinen Garten länger betreut hat als ich selber, statte ihrem Teilzeitschützling regelmässig Besuch ab.

Indes hatte er dieses Jahr gegen einen Fremdling zu bestehen. Das kleine, zarte Gewächs, das ich Anfang Mai in der Provence gekauft und mit nach Hause genommen hatte, war zur ernst zu nehmenden Konkurrenz herangewachsen. Beide Pflanzen zusammen lieferten so viel Grünzeug, dass ich beinahe Salat daraus gemacht hätte.

Aber wie das so ist mit diesen Sonnenanbetern – und dazu gehört Basilikum mehr als jede andere Gewürzpflanze – setzte auch meinen beiden Pflanzen das kühle Wetter Anfangs Oktober zu. Der kleinblättrige Basilikum (Basilic marseillaise) wanderte schon bald dem Kompost entgegen. Der grossblättrige dagegen konnte in die Verlängerung gehen. Die sonnigen Stunden der vergangenen Wochen verbrachte er so oft wie möglich draussen auf dem Fensterbrett, während er in der Nacht im Wohnzimmer den kühlen Temperaturen entgegen konnte. Nichts desto trotz geriet er in ein Sonnenmanko. Und selbst wenn aus den verholzten Stängeln wieder frische Austriebe auszumachen waren, heute trat er seine letzte Reise an. Nebst dem für Ende Woche angekündigten Wintereinbruch wird bei uns in wenigen Tagen die Grüngut-Abfuhr eingestellt. Es macht keinen Sinn mehr, diese Pflanze noch weiter zu hätscheln. Selbst wenn ich nicht ohne Stolz einräumen muss, dass er auch kurz vor seiner Kompostierung noch besser aussah als so manches Gewächs seinesgleichen in unserem Quartier mitten im Hochsommer.

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Und so bleibt vom Basilikum Jahrgang 2015 nebst zwei Gläsern Pesto nur eine weitere Folge in meiner kleinen Serie über dieses herrliche Kraut.

Der Spätzünder

Am Tage unserer Heimkehr aus Frankreich überraschte mich dieser Kaktus mit einer Blume. Kakteen blühen sonst eher zeitig im Sommer. Ende September habe ich jedenfalls noch nie eine Kakteenblüte gesehen. Vielleicht hat der dornenbesetzte Geselle sich durch den heissen, kaktusgerechten Sommer doch noch überreden lassen. Er hat nämlich schon jahrelang nicht mehr geblüht.

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Notocactus magnificus

Ein wahrlich eigenwilliger Willkommensgruss! Aber ganz in meinem Sinne. 

Ich bin dann mal Pesto

Als ich kürzlich im Wartezimmer des Zahnarztes sass, blätterte ich ziemlich unmotiviert in einer Zeitschrift und stiess auf folgende Kontaktanzeige:

 

Ich bin

Ein Sonnenkind, wärmeliebend, voller Rasse, für allerlei feine Sachen zu haben, gut integriert, sprachbegabt, beliebt landauf-landab. Momentan etwas zerzaust, aber mit beträchtlichem Entwicklungspotential.

 

Ich suche

Eine einfühlsame Person, der mir die nötige Zuwendung zukommen lässt. Jemand, der mich verwöhnt, mir meine Wünsche von den Blättern abliest und mit meinem südländischen Temperament umzugehen versteht. Jemand, dem die inneren Werte wichtiger sind als Äusserlichkeiten…


 

… denn sonst ende ich über kurz oder lang so:

Das war’s dann wohl

Was war das für ein Wochenende! Sonne pur, milde Temperaturen in den Bergen. Wohin man sah – in unserem Fall im bündnerischen Brigels – zufriedene, glückliche Menschen, die das herrliche Wetter genossen. Wandernd, sonnenterrassensitzend, inkurzenhosenradfahrend, golfend, mistverteilend, sesselliftfahrend, geranienabräumend, pilzesuchend.

In den meisten Tourismusregionen der Schweiz ist mit diesem Wochenende die Sommersaison abgeschlossen. Ich mag mich hier nicht nochmals zum vergangenen mitteleuropäischen Sommer äussern, weil ich in der ärgsten Zeit bei Prachtswetter in Schweden war und eigentlich gar nicht mitreden kann.

Lieber lasse ich nochmals einige Bilder sprechen. Wenn die Wetterfrösche Recht behalten, wird die hier gezeigte Landschaft in wenigen Tagen unter einem Schneedeckchen liegen.

Im Val Frisal

Aussicht auf die Brigelser Hörner (links, mit Schnee) und den Bifertenstock (rechts)

Enzian! Im Herbst???

Wenn mich nicht alles täuscht, haben diese Kühe bald zum letzten Mal frisches Gras abgeweidet.