Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Drum & Dran

Der Anblick der absurden Begrenzungs-Vorrichtungen auf einem Vorplatz in einem Walliser Dorf entlockte unserem Wander-Grüppchen zahlreiche abschätzige Bemerkungen. Von “typisch schweizerisch” war die Rede. Ein “Füdlibürger” müsse sein, wer seinen asphaltierten Vorplatz derart vor fremden Autos zu schützen trachte. Reichlich “kleinkariert” kamen uns die zahlreichen Gartenzwerge vor, die hier stoisch ihren Dienst als Hüter eines selbst ernannten Gesetzes verrichteten. Sie sahen alle gleich aus, einer wie der andere. Es waren bestimmt deren zehn. Und alle waren sie mit einem Solarlämpchen ausgestattet.

“Hey Bea, das wäre doch ein Motiv für deinen Blog!” wurde ich unmissverständlich aufgefordert. Wer weiss, vielleicht würde daraus wirklich mal ein Blog-Beitrag, dachte ich mir, überquerte die Strasse und zückte meinen Foto-Apparat.

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Im Zug schaute ich mir die Bilder des gelungenen Wandertages an. Dazu hatte ich auf der langen Heimreise ausreichend Gelegenheit. Die Zwerge hatte ich bereits wieder vergessen.

“Oh, da haben wir ja noch den Gartenzwerg”, verkündete ich voller Entzücken in die Runde. “Mit allem Drum und Dran?” Mein Gegenüber wollte es sehr genau wissen. Ich schärfte meine Augen, zoomte einen Ausschnitt heran und war mir dann ganz sicher: Ja, das Drum ist auch Dran.

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Auf schwindelerregenden Pfaden

Im Wallis heissen sie “Suonen”, der deutsche Begriff lautet gänzlich nüchtern “Wasserleiten” und auf französisch sind sie “Bisses”. Egal wie man sie nennt, die heute noch bestehenden Bisses sind Garant für tolle, teils sogar spektakuläre Wanderungen. Erstellt wurden die Wahrzeichen der Walliser Landschaft ab dem 13. Jahrhundert, um das Wasser aus den Seitentälern ins niederschlagsarme Haupttal zu leiten.

Schon lange wollte ich mal so eine Suonen-Wanderung machen. Leider liegt das Wallis nicht gerade vor meiner Haustüre, so dass es bis anhin nie dazu gekommen ist. Das hat sich gestern geändert. Ausgangspunkt für meine Premiere war St. Léonard. Sollte man es nicht schon während der Anfahrt bemerkt haben, so weist einem spätestens dieses Schild darauf hin, dass wir mitten im Walliser Weinbaugebiet sind.

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Durch dieses Weinbaugebiet führt auch der Anfang der Wanderung.

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Die Trauben sind zwar grösstenteils schon gelesen, doch die Winzer haben für mich noch ein Trauben-Blüemli stehen gelassen.

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Und endlich die erste Suone. Leider trockengelegt, da die Rebstöcke an den Flanken des Tales Mitte Oktober offenbar nicht mehr bewässert werden.

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Die Spannung steigt! Bald sollte der spektakulärste, ausgesetzte Teil der Bisse de Sillonin folgen. Der Automobilist tut gut daran, das Fahrverbotsschild zu beachten.

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Spätestens hier wird klar: Das ist ein reiner Fussweg.

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Ich flippe aus! So wunderbar ausgesetzt. Ich will jetzt ja nicht überheblich sein, aber für mich als ehemalige Klettergeiss sind solche Strecken der reinste Spaziergang.

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Das Filetstück der Strecke, die übrigens durchgehend mit soliden Seilen oder Geländern versehen ist.

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Wir sind alle kurzärmlig unterwegs, die ganz Mutigen zeigen sogar Bein. Nach einer längeren Strecke am Schatten sind wir aber alle froh, wieder die Sonne zu sehen.

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Am Wald, so scheint es mir, wird grad nur noch so viel gemacht, dass der Weg begehbar bleibt. Viel dürres Holz liegt ungenutzt herum. Vor wenigen Jahrzehnten noch hätte man das gesammelt und damit den Ofen beheizt.

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Und dann, am oberen Teil der Grand Bisse de Lens, doch noch die eine oder andere Pfütze. Aber auch hier fliesst kein Wasser mehr.

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Am Lac Louché in Lens gibt es Mittagshalt vor verschwenderischem Panorama, bevor wir uns “Chez Valérie et Karin” ein Dessert genehmigen.

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Lens ist der Wendepunkt unserer Wanderung. Nun geht es wieder runter ins Tal. Wir folgen der Grand Bisse de Lens.

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Und wieder beginnt mein Herz vor Freude zu hüpfen.

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Viel zu schnell sind die spektakulären Abschnitte hinter uns. Von mir aus könnte es noch lange so weitergehen.

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Nach einem steilen Abstieg durch den knochentrockenen Wald sind wir wieder zurück in den Weinbergen.

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Seit jeher haben mich die geometrischen Strukturen, die die Rebstöcke einer Landschaft verleihen, fasziniert.

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Die alten Rebstöcke wetteifern um die  skurrilste Form.

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Und schon bald sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt.

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Rund viereinhalb Stunden sind wir gewandert. Haben geschwitzt, gekeucht, gelacht, uns gefreut an den prächtigen Herbstfarben, dem bombastischen Panorama.

Vielen Dank an Barbara für die gute Idee und Durchführung der Wanderung und ein herzliches Dankeschön an alle Mitwanderer für die tolle Kameradschaft.

Mehr Informationen und eine weitere Auswahl der mehreren hundert Fotos, die unterwegs geschossen wurden, gibt es hier.

Wer mehr über Suonen wissen will, dem sei diese Website wärmstens empfohlen. Hier gibt es nicht nur Informationen über die Geschichte der Wasserkännel, sondern auch zahlreiche Wandervorschläge. Ich sage nur: Da wartet noch viel Arbeit.

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Pin-oooh!

Hier mal wieder eine Anekdote aus der Zeit, als mein Mann und ich noch mit dem Wohnmobil Europa bereisten.

Wir hatten uns an einem hübsch gelegenen Stausee irgendwo in der Mitte Frankreichs installiert. Bald wurden wir von allen Seiten von Wohnmobilen zugeparkt, jeder wollte einen Stellplatz möglichst nahe am Wasser haben. Unsere nächsten Nachbarn waren Schwaben. Nachdem wir die üblichen Belanglosigkeiten (“Seid ihr schon lange unterwegs?” – “Wo kommt ihr her?”) ausgetauscht hatten, luden sie uns ein, nach dem Nachtessen auf ein Glas Pin-oooh zu kommen.

Mein Mann und ich dachten, es gäbe einen Schluck Rotwein, Pinot. Schliesslich weiss man, wie gut die Deutschen Französisch sprechen. Als wir uns mit unseren Campingstühlen zu den Nachbarn setzten, schenkten sie uns ein helles, gelbliches Getränk ein. Mit Garantie kein Rotwein, so viel konnten wir in der Dämmerung erkennen.  Schmecken tat es geradezu unverschämt gut. Aber was war es?

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Es war Pineau, eine Mischung aus halbvergorenem Traubensaft und Cognac. Überaus süffig und gefährlich mit 17 % Alkohol. Das Getränk schmeckte uns dermassen gut, dass wir damals kurzerhand unsere Flasche Schlehenfeuer, die wir von Freunden aus Nürnberg erhalten hatten und mitführten, gegen den Pineau eintauschten. Das war zwar nicht nur in Bezug auf den Alkoholgehalt ein schlechtes Geschäft, sondern auch, weil der Pineau schon in der unteren Hälfte der Flasche dümpelte. Aber wir waren glücklich mit unserer neuen Errungenschaft.

Seither gehörte dieses hierzulande nahezu unbekannte Getränk in unser Standard Repertoire. Von jedem Frankreich-Aufenthalt brachten wir mindestens zwei Flaschen mit. Aus meinen Ferien in Frankreich letzten Monat habe ich auch wieder einige Flaschen mit nach Hause gebracht. Ich werde die bewährte Tradition fortführen und weiterhin meine Gäste zum Aperitif mit einem Gläschen dieser Exklusivität überraschen.

Pineau des Charentes gibt es übrigens auch bei uns zu kaufen, allerdings zu stark überhöhten Preisen. In Frankreich kostet eine Flasche im Supermarkt um die sieben Euro, hierzulande gegen dreissig Franken.

Und das schreibt Wikipedia über Pineau.

Mutter Natur auf Abwegen (17)

Der Anblick eines Speisepilzes im Wald freut mich grundsätzlich. Immer. Es hat Jahre gegeben, da wäre ich schon ab einem einzelnen Maronenröhrling entzückt gewesen.

Dieses Jahr ist es etwas anders. 2017 ist endlich mal wieder ein richtig gutes Pilzjahr. Deshalb ist es nicht mehr als recht, dass die Pilze gleich im Trio daherkommen. Oder….?

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Nein, ganz ehrlich, so ein Maronenröhrlings-Trio hat trotz aller Pilzschwemme Seltenheitswert und mich über alle Massen entzückt. Dennoch sind auch diese Drillinge unweigerlich in der Pfanne gelandet.

Wenn es aus dem Rucksack bellt

 

… muss wohl ein Hund drin sein.

 

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Tierliebe kann wirklich groteske Formen annehmen. Diese Hundebesitzer waren mit drei Hunden am Niesen unterwegs, zwei davon je in einem Rucksack.

In so einem Behältnis könnte man natürlich auch ein panoramageiles Büsi mitnehmen. Oder den weitgewanderten Wellensittich, die unternehmungsfreudige Schildkröte, weltoffene Meerschweinchen. Einzig mit dem Goldfisch sehe ich gewisse Probleme.

Auf der grössten Pyramide der Welt

Ist der 2’362 m hohe Niesen tatsächlich die grösste Pyramide der Welt, wie uns der Slogan an der Bergbahn glauben machen will? Könnte durchaus sein, schliesslich liegt der Thunersee zu Füssen der Felspyramide gerade mal auf 558 m. Rechne! Die alten Ägypter haben da jedenfalls keine Chance.

Eitel Sonnenschein bereits an der Talstation der Niesenbahn. Unser sechsköpfiges Grüppchen musste eine Bahn lang warten, bevor wir uns mit der nostalgisch anmutenden Standseilbahn bis zur Mittelstation befördern lassen konnten.

Die über hundertjährige Niesenbahn kann mit einigen Superlativen aufwarten.

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Ihr grösster Trumpf ist jedoch die bombastische Aussicht, die wir schon im steilen Aufstieg geniessen konnten.

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Es brauchte einiges an menschlichem Wirken, um hier einen sicheren Wanderweg entstehen zu lassen.

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Die obere Sektion der Niesenbahn.

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Ein Gruss an die Ostsee.

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Ist das nicht der Wahnsinn, diese Aussicht?!? Dabei sind wir noch nicht mal ganz oben.

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Ein letzter Blumengruss kurz unter der Bergstation.

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Das Panorama von der Gipfelplattform aus ist überwältigend. Hier Richtung Thun und Mittelland.

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Einmal nach links gedreht erscheint das Simmental.

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Auf der anderen Seite das Kandertal mit den markanten Flanken des Balmhorns und Altels, links davon Doldenhorn und Blüemlisalp-Gruppe.

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Und zu guter Letzt unser berühmtes Dreigestirn mit Eiger, Mönch und Jungfrau.

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Dieses verstreute Dorf in der Bildmitte, das muss Aeschi sein. Mein angeheirateter Heimatort. Mit meinem Mann zusammen habe ich es nie geschafft, dorthin zu gehen.

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Die Terrasse beim Berghaus ist rege besucht, aber nicht proppenvoll. Trotz leichtem Wind hält man es draussen gut aus. Schliesslich ist es jetzt Herbst und der versierte Wanderer bringt geeignete Kleidung mit auf den Berg.

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Im Abstieg hat es plötzlich mehr Leute. Aber die meisten drehen wohl bald wieder um.

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Wir waren schon bald wieder praktisch alleine unterwegs auf dem guten Pfad. Immer wieder diese sensationelle Aussicht und den ganzen Tag Sonne. Diese Wanderung war Balsam für die Seele.

Vielen Dank fürs Organisieren, Beat.

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Weitere Infos und Bilder zu diesem gelungenen Wandertag gibt es hier.

 

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Höchste Zeit, die Schilder-Bilder Serie wieder aufzunehmen.

Und ebenso höchste Zeit, mal wieder eine Wanderung zu unternehmen.

Wer wird denn bei diesem prächtigen Herbstwetter daheim bleiben?

Frau Flohnmobil ganz sicher nicht!

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Diese Warntafel begegnet einem, wenn man vom Schäfler Richtung Säntis unterwegs ist. Nicht zu Unrecht.

Die ominösen drei Monate

Nach drei Monaten, da gehe es erst so richtig los, beschied man mir von verschiedener, wohlwissender Seite. Nach drei Monaten, da sei die Schonzeit abgelaufen. In den ersten drei Monaten würden sich alle rührend um einen kümmern. Sie würden anrufen, sich erkundigen, wie es einem geht, würden einem zum Kaffee, für ein Essen oder einen Spaziergang einladen. Doch danach herrsche für Freunde und Bekannte wieder der Normalfall. Und ein Grossteil der administrativen Arbeiten im Zusammenfall mit dem Todesfall sei erledigt. Und dann, erst dann, beginne für einen selber das grosse Loch.

Das wäre nach dieser Zeitrechnung jetzt. Es sind gut drei Monate vergangen, seit mein über alles geliebter Mann gestorben ist. Tatsächlich, bisher habe ich mich stets gut beschäftigen und ablenken können. Ich war zwar alleine, aber nicht allzu oft. Indes habe ich nie mit den Händen im Schoss gewartet, bis mich jemand auf einen Kaffee eingeladen hat, ich bin häufig selber vorgeprescht. Habe gar “schon” wenige Tage nach der Beerdigung erstmals Besuch eingeladen, wie man mir mitunter missbilligend attestiert hat.

Ich habe vor wenigen Tagen das Wohnzimmer frisch streichen lassen. Damit habe ich lediglich zu Ende geführt, was mein Mann und ich für diesen Herbst angedacht hatten. Ich leiste mir kleine Freuden. Sei es ein Besuch im Theater, ein gutes Stück Fleisch, ganz gediegen und alleine einen Aperitif, wenn mir der Sinn danach steht, oder ein neues Paar Schuhe.

Meine Telefonrechnung hätte galaktische Ausmasse angenommen, hätte ich nicht vor Monaten schon eine Flat Rate eingebaut. Ich habe mich nicht daheim verkrochen, sondern bin unter die Leute gegangen. Bin auf Freunde und Bekannte zu gegangen. Ich glaube, das hat ihnen einen unverkrampfteren Umgang mit mir und meiner neuen Situation ermöglicht, als wenn ich ständig mit verweintem Gesicht durch die Gegend gelaufen wäre.

All das heisst nicht, dass ich nicht trauern würde. Um den geliebten Menschen, um das Leben, das nie mehr sein wird, wie es war. Wieso habe ich eigentlich ständig das Gefühl, mich für mein Tun rechtfertigen zu müssen?

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Es wohnt wieder

Frau Flohnmobils Idee von “schöner Wohnen” hatte ihrem Umfeld einiges abverlangt. In Ermangelung nahezu sämtlicher handwerklicher Fähigkeiten seitens der Auftraggeberin wurden professionelle Maler aufgeboten, um das Wohnzimmer zu streichen. Währenddessen durfte sich Mutter Flohnmobil mit mehreren Metern Stoff herumschlagen, aus denen zu gegebener Zeit Vorhänge werden sollten. Frau Flohnmobil liess sich, als ihre Bleibe am unbewohnbarsten war, bei lieben Freunden zum Nachtessen einladen. Und nicht zuletzt brauchte es ein fachkundiges Paar Hände hinter der Bohrmaschine eines weiteren, hochgeschätzten Freundes, damit die neuen Vorhangstangen überhaupt und im Idealfall nicht schief an den frisch bepinselten Wänden hingen.

Es war ziemlich anstrengende Tage, auch für mich, und ich möchte allen Beteiligten, die mir mir Rat und vor allem Tat zur Seite gestanden sind, herzlich danken für ihren Einsatz. Ich bin sehr froh, dass ich euch habe.

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Noch stinkt es bei mir daheim nach Farbe. Aber unter dem kritischen Blick meines einstigen und noch immer innig geliebten Mitbewohners ist es nun wieder wohnlich geworden.

Lobend erwähnt

Ich hatte ihm zum Abschluss des Gesprächs beim Händeschütteln gesagt, ich würde ihn lobend erwähnen. Und das mache ich nun.

Nach meiner Autopanne mit der blockierten Vorderradbremse (wer sich nicht erinnert, kann gerne HIER nachlesen), fuhr ich bei nächstmöglicher Gelegenheit zu meinem Garagisten, der vor zwei Monaten einen umfassenden Service an meinem Auto durchgeführt hatte, inklusive Bremsbeläge und Bremsscheiben ersetzen.

Er hörte mir zu, als ich ihm den Vorfall schilderte, holte dann zu einer kurzen Erklärung aus, nahm alle Schuld auf sich und öffnete ohne Zögern die Kasse, um mir die 117 Franken, die mich der Spass gekostet hatte, zurückzubezahlen.

So hatte ich mir das vorgestellt. Dass ich so reibungslos zu meinem Geld kommen würde, hat mich dennoch überrascht. Wahrscheinlich habe ich nun einen Eintrag in meinem Kundendossier: “Frau Flohnmobil will nicht nur ein Auto, dessen Bremsen tadellos funktionieren, sondern sie hat auch noch ziemlich viel Haare auf den Zähnen!”

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