Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Nächtliche Geheimnisse

Sie lag neben mir. Ich wach, sie am schlafen in diesem fremden Bett in Colmar.

Sie, die mir in unseren ersten gemeinsamen Ferien gesagt hatte, ich schlafe sehr ruhig und läge manchmal im Bett wie eine Leiche, sie gab ein kleines Stöhnen von sich. Noch eins. Sie schien etwas zu träumen.

Ich spitzte meine Ohren. Vielleicht würde sie im Schlaf zu sprechen anfangen. Doch diesen Gefallen tat sie mir nicht; stattdessen drehte sie sich um und schlief weiter.

Am anderen Morgen erzählte ich ihr davon. Sie zeigte sich zuerst erstaunt, dass sie im Schlaf Töne von sich gegeben hatte, entgegnete dann aber voller Überzeugung: “Bea, da gibt es nicht mehr viel, was du von mir auf diese Weise noch erfahren könntest.”

Zwei Freundinnen schüttelten sich vor Lachen.

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Etwas vorweihnächtliche Stimmung gefragt?

Ich war mit einer Freundin in Colmar auf dem Weihnachtsmarkt. Besser gesagt auf den Weihnachtsmärkten, sind es doch deren fünf, die sich über die ganze Altstadt verteilen. Nicht dass überall ein grundlegend anderes Angebot herrschen würde…

Die ganze Stadt hat sich voll und ganz dem vorweihnächtlichen Szenario hingegeben. Kaum ein Baum ohne Lichterketten, riesige Weihnachtskugeln hüben wie drüben. Und natürlich dekorierte Hausfassaden bis zu Umfallen.

Hier eine kleine Auswahl:

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In der Vorweihnachtszeit ist für mich die Grenze zwischen gerade noch erträglich und Kitsch ziemlich schnell überschritten. Aber dieses Urteil soll jeder für sich selber fällen.

Was meint ihr?

Nichts desto trotz: Der Glühwein schmeckte ausgezeichnet.

Gartenzwerg-Alarm

Gartenzwerge sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Schweigen wäre Gold gewesen

Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, wohnt sie doch seit einigen Jahren in unserer Überbauung. Ich habe sie einfach noch nie getroffen. Der Zufall jedoch wollte es, dass wir uns in den vergangenen Monaten mehrmals über den Weg liefen. Das letzte Mal sahen wir uns auf einer gemeinsamen Zugsfahrt nach Zürich.

Wir wissen wenig von einander. Die Gespräche bewegen sich im Rahmen von “ach, du wohnst schon so lange hier”, “hast du Familie?” und ähnlichen Banalitäten.

Dass mein Mann vor fünf Monaten gestorben war, wusste sie ebenso wenig, wie dass es ihn überhaupt gegeben hatte. Das konnte ich ihr nicht übel nehmen. Als sie von seinem Tod erfuhr, fragte sie nach, woran er gestorben sei. Ich habe kein Problem, darüber zu sprechen. Ich kann ja meine Informationen selber dosieren.

Aber seither habe ich ein Problem mit dieser Frau. Denn sie plapperte munter auf mich ein: “Ich bin geschieden. Es ist eigentlich kein Unterschied, ob du von einem Mann geschieden bist oder er gestorben ist. Weg ist weg. Und du musst ihn wenigstens nicht mehr anschauen.”

Schweigen wäre Gold gewesen. Diesen Zustand hatte ich im Moment jedoch gerade für mich in Anspruch genommen.

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Dökterlis

Er hat wirklich! Ich hätte es nicht geglaubt! Aber er hat wirklich allen, die den vollen Theatersaal verliessen, die Hand geschüttelt und sich so persönlich von seinem Publikum verabschiedet.

Dieser Fabian Unteregger ist ein Hammer. Und genau das habe ich ihm auch gesagt. Und danach, wie er es als einen seiner letzten Gags empfohlen hat, die Hände gewaschen. Die alternative Empfehlung wäre gewesen, sofern einem die verbleibenden Arbeitstage bis Weihnachten als zu lange erscheinen, die Hand abzuschlecken…!

Er weiss, wovon er spricht. Immerhin ist Unteregger nicht nur einer der erfolgreichsten Comedians und Parodisten dieses Landes, sondern auch Doktor der Medizin.

Mit seinem Soloprogramm “Doktorspiele” tourt er in nächsten Monaten durch die Deutschschweiz. Wer über einen gesunden Humor verfügt, muss diesen Medizinmann einfach gut finden. Als Parodist von Christoph Mörgeli, Alt-Bundesrat Leuenberger oder Roger Federer ist Unteregger zum schreien! Aber er nimmt auch seinen Stand auf die Schippe und füllt mit seinem Programm locker einen ganzen Abend.

Wer Gelegenheit hat, Fabian Unteregger live zu sehen, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen.

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Tourdaten und weitere Infos gibt es unter diesem Link.

Als besonderen Leckerbissen empfehle ich die Rubrik “Zum Glück ist Freitag”. Allerdings dürfte das für Nicht-Schweizer aus vielerlei Gründen schwer zu verstehen sein.

Weder hier noch dort

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Du hättest Freude gehabt. Freude am Schnee. Deinem Element.

Du hättest auch Freude an diesem Spaziergang gehabt. Diesem Spaziergang, den wir so oft zusammen unternommen hatten. Mit dem Blick auf den See, wo du so viele Stunden verbracht hast, und in die Berge.

Aber du wärst gar nicht hier gewesen. Wie alle Jahre im Dezember hättest du deinem Hobby gefrönt. Und hättest verpasst, dass es über Nacht auch vor der Haustüre weiss geworden ist.

Jetzt bist du weder hier noch dort. Und ich vermisse dich so schmerzlich.

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Apéro-Gebäck für Eilige

Man mische:

10 g getrocknete Steinpilze, im Cutter zu Pulver gemahlen
40 g weiche Butter
zwei Prisen Salz

Diese Mischung streiche man auf vier Scheiben getoastetes Brot und schneide dieses in mundgerechte Häppchen.

Fertig!

So schnell gemacht und so fein, dass es gegessen war, bevor die Idee für ein Bild heranwuchs.

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Deshalb hier das Bild eines engelhaften Pilz-Wesens, das dereinst den Weg vom Wald in meine Küche fand.

Auf der Suche nach der Sonne und den Wanderkollegen

Der Start in den Wandertag – so entspannt er aufgrund der Tageszeit hätte sein können – gestaltete sich etwas harzig. Wieso müssen in Zürich auch gleich zwei Züge um 9.09 Uhr Richtung Zug fahren? Der eine als S-Bahn, der andere mit Endziel Monza. Ich hockte im falschen Zug. Und erreichte den Ausgangsort Aegeri mit einer halben Stunde Verspätung, wo ein fünfköpfiges Empfangs-Komitee auf mich wartete. Upps!

Unter einer zähen Nebeldecke ging es Richtung Aegerisee. Unterwegs diese flotte Lorze-Flotte.

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Vom See sahen wir nicht viel. Das hatte weniger mit dem Nebel zu tun, als mit dem Weg.

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Dieser führte uns eingezäunt im Zickzack durchs Gelände. Der Zaun galt eindeutig den Wanderern und nicht etwaigen weidenden Tieren.

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Für einen ersten Lichtblick sorgte der Laternenweg, dem wir einige hundert Meter folgten.

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Mal nachdenklich stimmend, mal fromm, mal lustig waren die Laternen am Wegesrand.

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Noch immer stocherten wir durch den Nebel. Allerdings hatten wir auch noch kaum Höhe gemacht. Dennoch konnte man sich einbilden, es werde langsam heller.

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Aber ja doch!

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Zumindest sahen wir die Sonnenstrahlen bereits.

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Und endlich – boah!

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Beim Buschenchappeli machten wir Mittagshalt.

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Knapp über dem Nebelmeer

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Pulver gut – zehn Zentimeter. Die Wege im Wald waren gut zu begehen. Etwas schliferig war es auf den Strassen, wo die Autos den Schnee poliert hatten.

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Kein Rauch auszumachen, der Samichlaus hatte an seinem Tag wohl besseres zu tun, als seine Hütte zu beheizen.

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Immer noch über dem Nebel, aber wahrscheinlich nicht mehr lange.

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Nochmals ein paar Meter aufwärts, das reichte bereits, um erneut eine zauberhafte Stimmung einzufangen.

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Beinahe gespenstisch, all diese Stimmungen am heutigen Tag.

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Die Wanderung endete, wie sie begonnen hatte: im Nebel. Aber dazwischen winterwanderte es auf höchst erfreuliche Art.

Einen herzlichen Dank an Beat für die Organisation und Durchführung dieser Tour. Und ein ebensolches Dankeschön allen Teilnehmern, dass ihr so lieb wart, auf die schusselige Bea zu warten. Ich werde in Zukunft den Fahrplan wieder etwas aufmerksamer studieren.

Weitere Informationen und Bilder zu dieser Wanderung gibt es HIER.

Karte

Auf-räumen

Es gibt Sachen, die meinem Mann gehört haben, von denen konnte ich mich ziemlich schnell trennen. Mit anderen tue ich mich noch schwer, auch wenn sie mir nichts mehr nützen und höchstens schmerzhafte Erinnerungen auslösen.

Etwas vom Ersten, das im Abfall landete, war seine Zahnbürste. Da kam keinerlei Sentimentalität auf. Für den Rasierschaum hatte ich einen dankbaren Abnehmer, dem – Zufall oder was auch immer – just in dem Moment der Rasierschaum ausging, als ich überlegte, wem ich die diversen Büchsli abtreten könnte. Das Allererste aber, das verschwand, waren all die Medikamente, die mein Mann in den letzten Wochen und Monaten einnehmen musste. Und das waren nicht wenige. Ich konnte sie nicht mehr sehen! Schon am Tag nach seinem Tod ramüsierte ich alle Medis zusammen und in einem Anflug von Pragmatismus durchkämmte ich gleich noch den restlichen Medikamenten-Schrank. Einen ganzen Migros-Sack voller Tabletten, Tropfen und Salben deponierte ich in der Apotheke.

An seinen Kleidern und Schuhen rührte ich mehrere Wochen nicht. Das wäre mir zu nahe gegangen. Aber auch hier drückte die nüchtern denkende Pragmatikerin wieder durch. Und so schrieb ich diverse seiner Ausrüstungs-Gegenstände zum Verkauf aus. Wanderschuhe und Rennrad zu verkaufen hätte ja im November wenig Sinn gemacht!

Mittlerweile haben 90 Prozent der Kleider und Schuhe einen neuen Besitzer gefunden oder sind im Kleidersack gelandet. Noch kann ich mich nicht dazu überwinden, den frei gewordenen Platz im Schrank für mich zu beanspruchen. Das erschiene mir zu invasiv. Und schliesslich habe ich in den vergangenen 19 Jahren auch genügend Platz in meiner Schrankhälfte gehabt.

Es sind sachte Veränderungen, die in meinen vier Wänden vonstatten gehen. Mein Mann ist überall präsent, auch wenn einige seiner Sportpokale, die er vor meiner Zeit gewonnen hat, im Altmetall gelandet sind.

Wenig bis gar nichts ist im Werkraum gegangen. Das war das Reich meines Mannes. Früher oder später werde ich wohl finden, dass ich auch mit weniger als zwanzig verschiedenen Schraubenziehern auskomme. Oder vier Hämmern. Einer reicht vollends, um mir damit auf den Daumen zu hauen. Überhaupt gibt es Werkzeug, da habe ich keinen blassen Dunst, wozu es gut sein könnte.

Und dann sind da noch so gewisse Ecken und Ablagen in der Wohnung, die mein Mann für sich beansprucht hatte. Dort sieht es fast noch aus wie früher. Den Lottozettel, der seither nie mehr eingezahlt wurde, staube ich vierzehntäglich ab und denke jedes Mal: Was mache ich nur mit dir? Die zahlreichen Hüetli – mein Mann ging fast nie ohne Tschäppel aus dem Haus – sind noch immer auf der Garderobe aufgetürmt. Ich nehme sie nicht bewusst wahr. Aber bewusst wegschmeissen mag ich sie auch nicht. Noch nicht. Denn für jedes Ding braucht es den richtigen Zeitpunkt.

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Eines Montag Morgens

… könnte sogar heute sein…

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Unschwer zu erkennen, dass dieser Spruch nicht von mir ist.

Aber welcher Wortmechaniker auch immer dahintersteckt, sein Werk ist genial!

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche.