Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Verkehr

Beamtisch

Das Schreiben lag heute in unserem Briefkasten. Dezent der Aufdruck des Absenders. Tendenziell unerfreulich der Inhalt. Das Öffnen war einigermassen spannend wenn nicht sogar anspannend, schliesslich war die seinerzeitige Erleuchtung unübersehbar gewesen. Die Frage war nur noch: Wie viel würde es sein?

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Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr

Anlässlich einer Geschwindigkeitskontrolle stellten wir fest, dass der/die Lenker/Lenkerin des untenstehenden Fahrzeuges folgende Uebertretung/en gemäss Ordnungsbussenliste im Strassenverkehr (OBV) begangen hat.

—— Es folgt die Litanei wo, wann, wieviel und wieviel nach Abzug der Sicherheitsmarge. ——

Da Ihnen die Uebertretung nicht sofort eröffnet und der Bussenbetrag nicht direkt erhoben werden konnte, bitten wir Sie, den Betrag mittels untenstehenden (Achtung: Fehler!!!) Einzahlungsschein innerhalb von 30 Tagen zu überweisen. Wird diese Gelegenheit innerhalb der vorgeschriebenen Frist nicht benutzt, wird das ordentliche Verfahren eingeleitet, das heisst (Achtung: Fehler!!!) es erfolgt eine Verzeigung.

Mit freundlichen Grüssen
KANTONSPOLIZEI GLARUS
FD Verkehr / Radarverwaltung

Nette Worte für eine Geschwindigkeitsbusse, nicht wahr? Nicht ganz fehlerfrei zwar, nichts desto Trotz unmissverständlich. Das ganze Blabla lasen wir natürlich erst im Nachhinein, entscheidend war, dass die Busse nur sechzig Franken betrug, obschon der Mitbewohner im Achtziger-Bereich mit fast hundert gebrettert war. Und nun soll mir niemand mehr sagen, es sei nicht wichtig, ob man vom Beifahrersitz aus auf den Tacho sehen kann!

Habt ihr übrigens gewusst, dass die Bussen nicht überall in der Schweiz gleich hoch sind? Selbst auf Autobahnen nicht. Finde ich ehrlich gesagt etwas seltsam.

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Verstehe einer diese Menschheit

Gewagte Überholmanöver.
Hupen.
Stinkefinger zeigen.
Mit PS-geschwängerten Boliden durch die Gegend rauschen.
Die Geschwindigkeits-Kontrolle der Polizei sicher ein einträgliches Geschäft.

Wieso hatten es heute alle so eilig?

Konnten sie sich nicht erfreuen am prächtigen Wetter dieses Sonn(en)tags? Ein Blick über die Nasenspitze hinaus hätte die Schönheit der Natur offenbart. Die saftig grünen Wiesen und die schneebedeckten Berge dahinter. Aber dafür hätte man vermutlich aus dem Auto steigen, hätte sein Motorrad am Strassenrand parken müssen. Manch einem würde dabei die Geräuschkulisse fehlen, um die Umgebung angemessen bewundern zu können. Und der Gestank nach Abgas.

Verstehe einer diese Menschheit.

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Beschildert geschildert (68)

Man darf sich wundern…

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… oder auch nicht.

Das Schild hängt über einer Kreuzung in Sudbury/Kanada. Anita, die es für mich fotografiert hat, hat es jedenfalls dort noch nie blinken sehen. Ob man anhalten, aussteigen, zufahren oder kondolieren soll, verschweigt die gelbe Tafel geflissentlich.

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Sicher ist, dass Anita, um diese makabere Tafel zu fotografieren, aussteigen musste und die Kreuzung zu Fuss überquerte. Danke für deinen Einsatz, Anita!

Habt ihr auch ein Schild gesehen, dass originell, absurd, witzig, von Fehlern behaftet oder sonstwie speziell ist? Schick es mir! Ich werde es hier im Blog veröffentlichen.

Hier geht es übrigens zum Blog von Anita, die als ausgewanderte Schweizerin über ihre Erlebnisse in Kanada berichtet.

Zweifel

Vorne Autos. Hinten Autos. Wieso tun wir uns das überhaupt an?

Hunderte von Kilometern weg von zu Hause. Ob es das Wert ist?

Einmal mehr eine Fahrt ins Ungewisse. Was wird uns erwarten?

Stau um Lyon. Eine lärmige Hotelübernachtung. Am Radio erzählen sie von den Flüchtlingen, die nur ihr nacktes Leben retten wollen; wir fahren einmal mehr nur zum Vergnügen weg.

Zweifel ob der Richtigkeit des eigenen Tuns und der Menschheit generell.

Einen halben Tag später die Aussicht aus dem vorübergehenden Domizil: Nicht von den schlechtesten Eltern.

Die Umstände vielleicht etwas umständlicher als angenommen. Aller Zweifel zum Trotz: Hier lässt es sich aushalten.

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Sooooo muss Autofahren!

Unterwegs auf der Autobahn. Das Radio läuft. Der Moderator leiert Verkehrsmeldungen runter. Endlos. Tagtäglich die gleichen. Darunter Angaben wie “A1, Gubristtunnel, Fahrtrichtung Bern. Verkehrsbehinderung wegen eines Unfalls. Rechnen Sie rund 30 Minuten länger als normal.”

Normal? Normal! Gibt es überhaupt noch so etwas wie “normal” auf unseren Strassen? Die neuralgischen Stellen sind doch konstant überlastet, Stau an der Tagesordnung. Ich finde Autofahren mittlerweile – sorry – ziemlich zum Kotzen! Ich fahre nicht mehr als nötig. Überlege mir, ob und wann ich wohin fahren soll.

Und doch, den Normalfall gibt es auch noch. Zum Beispiel, wenn man sich den Luxus erlauben kann, gegen den Strom zu fahren. Wir waren nämlich unterwegs nach Brigels. Während die Staumeldungen am Radio verlesen wurden, sah es auf der A3 so aus:

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So entspannt stelle ich mir Autofahren vor. So leer dürften meiner Meinung nach die Strassen immer sein.

Pflästerli-Politik

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Wetten, dass bei uns ein solches Auto schwuppdibupp aus dem Verkehr gezogen würde?

Kulturschock

Es war etwas hektisch, als es endlich losging. Eigentlich nichts Neues, wenn man endlich von der vollgestopften Fähre fahren konnte. Auch die ersten Meter auf dem Boden waren naturgemäss hektisch, jeder wollte so schnell wie möglich weg kommen, als ob es nach stundenlanger Fährüberfahrt eine Rolle spielen würde, ob man als Fünfundfünfzigster oder Hundertvierzehnter von Bord fuhr.

Zugegeben, nach drei beschaulichen Wochen in Schweden konnte einem schnell etwas hektisch vorkommen. Doch die Hektik liess einfach nicht nach. Im Gegenteil, sie schien sich an unsere Fersen zu heften, verfolgte uns. Von dem Moment an, als wir von der Fähre auf die Insel Rügen fuhren, fühlten wir uns gehetzt. So auf dem Weg in unsere Unterkunft 20 Kilometer südwärts bei Frau Nagel mit ihren diversen Haaren auf den Zähnen. Und im Ostseebad Göhren, wo uns die Leute ständig auf den Füssen rumstanden.

Selbst der nächste Tag mit seiner Velotour trug nicht zu unserer Entspannung bei. Es war Sonntag und durch ganz Rügen schien sich eine einzige brummende, stinkende Autokolonne zu wälzen. Mit dem Velo eine Strasse zu überqueren kam einer Mutprobe gleich. Genau genommen war es nur möglich, dank dem Mitleid, auch was sage ich Mitleid, dank dem Erbarmen einzelner Autofahrer. Die Automobilisten auf Rügen hatten es alle wahnsinnig pressant. So viele gestresste Urlauber auf einem Haufen – mein innig geliebter Mitreisender und ich waren fassungslos.

Und dann diese Strassen! Gut, es hat Radwege auf Rügen. Aber leider nicht überall. Und dummerweise nicht dort, wo wir hin wollten. So gerieten wir unversehens auf Kopfsteinpflaster. Der übelsten Sorte. Wer hatte eigentlich diese bescheuerte Idee, Rügen mit dem Rennrad zu befahren? Hätten wir uns doch wie alle anderen in die Fahrzeugkolonne eingereiht und hätten wir Deutschlands grösste und (angeblich) schönste Insel mit dem Auto bewandert!

Tags darauf fuhren wir weiter, liessen die gestressten Urlauber auf ihrer Urlaubsinsel hinter uns. Der Mitreisende und ich waren uns einig wie selten zuvor: Da kann unseretwegen die Kanzlerin mit dem gesamten Bundestag, Kaiser Wilhelm oder wie er geheissen haben mag und welche Prominenz auch immer auf Rügen Urlaub gemacht haben. Da können die schönsten Strandkörbe der Welt stehen und die frischesten Fischbrötchen angeboten werden.

Nach Rügen werden wir nie, nie, nie mehr fahren!

Die vertane Chance

Ja, ich hätte es in der Hand gehabt. Für einmal hätte ich so quasi einen Freipass für Narrenfreiheit am Steuer des fremden Fahrzeugs gehabt.

Niemand hätte die Hände verrührt, wenn ich erst in letzter Sekunde den Blinker gesetzt und abgebogen wäre. Alle hätten mich verständnisvoll durchgewinkt, wenn ich zuvorderst am Rotlicht stehend, in der falschen Spur gestanden wäre. Kein Velofahrer hätte sich dran gestört, dass ich auf seinem Territorium fahre. Selbst das herannahende Tram hätte zwar geklingelt, aber in dem schrillen Ton wäre viel Mitgefühl erklungen. Und der Zürcher Stadtpolizist – ach, der hätte mich sicher tröstend an die Brust genommen, wenn ich mich nicht mehr zurecht gefunden hätte.

Aber ich brachte es nicht übers Herz, den verkehrstechnischen Ruf gewisser Landsleute weiter zu zementieren und drum bin ich trotz Bündner Nummer gefahren…

… wie immer.

Allen, die sich über diesen Blog-Beitrag etwas wundern, sei folgendermassen auf die Sprünge geholfen: Die Bündner mögen gute Autofahrer sein, solange sie in ihren Bergen rumkurven können. Sobald die Strasse aber mehr als eine Fahrspur hat, wird es – so die Legende – für die Bergler etwas schwierig. Ganz zu schweigen, wenn sie in die Stadt reinfahren.

Ach ja, und: Ich bin vieles, aber bestimmt keine Bündnerin.

Vignetten aufkleben für Fortgeschrittene

Wohl wurde das Bussengeld für eine fehlende Autobahn-Vignette jüngst von 100 auf 200 Franken erhöht, aber wenigstens bleiben wir vorläufig von einer Tariferhöhung verschont.

Ich hatte mich in diesem Blogbeitrag über die ärgerliche Tatsache ausgelassen, dass man für jedes Fahrzeug eine Vignette braucht, auch wenn wegen der Wechselnummer immer nur eines auf der Strasse sein kann bzw. darf.

Heute nun hat mich ein Mail erreicht von meinem (neusten?) Leser Fredy. Er hält unter anderem diesen Tipp bereit für sparsame Eidgenossen, die die Vignette für mehrere Fahrzeuge brauchen wollen.

Am besten, und ab den 2012-er Vignetten lohnt es sich dann erst recht, die neue Vignette auf ein durchsichtiges Plastikmäppli (wie sie für die Aktenaufbewahrung beliebt sind) kleben, dann schön ausschneiden. Im Auto die Plastikseite etwas mit Spucke befeuchten und auf die saubere Innenscheibe pappen. Beim Wechseln der Wechsel-Nummern dann jeweils einfach dran denken nicht nur die Schilder sondern auch die Vignette zu zügeln. Im anderen Auto wieder etwas befeuchten, ranpappen etc. Habe das auch nicht recht glauben wollen, aber im Sommer, als wir uns Hals über Kopf ein Mobil kauften, hab ich das mit der 2011-er Vignette ausprobiert. Diese mühsam und mit viel Sorgfalt von der Scheibe gepellt, dann gewellt, anders gings nicht, auf das Mäppli geklebt …. und sogar so, nur ziemlich schlecht „plan“ funktioniert’s. Die Scheibe soll einfach sauber sein, dann hälts. Und das nicht nur Tage, das Ding bleibt, auch bei voller Sonnenbestrahlung und über Wochen am Ort.

Und wenn man sie zügeln will, muss man sogar etwas dranherumklauben …

Also, zur Nachahmung empfohlen, weil wir wollen ja unsere Budgetverwalter ganz oben nicht mit der Verschleuderung von noch mehr Steuergeldern plagen.

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Bildquelle: Aargauerzeitung.ch

Für mich bleibt nur noch eine Frage offen: Muss ich zuerst ein Caramell-Zälti essen, damit das Vignettchen hält? Oder funktioniert das System auch nach einem Schluck saurem Veltliner?

 

Nachtrag, Juni 2015:

Das Bundesstrafgericht hat einen Autolenker wegen Fälschung amtlicher Wertzeichen zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 30 Franken sowie zu einer Busse von 200 Franken verurteilt. Der Mann hatte eine Autobahnvignette auf ein transparentes Klebeband geklebt und sie auf diese Weise verwendet. So konnte er die Vignette für verschiedene Fahrzeuge benutzen.

Der Vignettenbeschiss kommt den Autofahrer auch sonst teuer zu stehen. Nebst der Busse muss er die Verfahrenskosten von 800 Franken bezahlen. Statt 40 Franken für eine Vignette kostet ihn die illegale Aktion total 1’000 Franken.

Quelle: K-tipp (Bundesstrafgericht, Urteil SK.2015.13 vom 8.5.2015)

 

Unheilbar reisekrank

Wir haben in den vergangenen Tagen viel, viel Asphalt gesehen. Kilometerweise. Von sehr unterschiedlicher Qualität. Wir haben Grossstädte umfahren und extrem menschenleere Gegenden traversiert. Wir haben morgens geheizt und am Nachmittag die Klimaanlage laufen gelassen. Wir haben mitverfolgt, wie sich die Vegetation mehrmals von Grund auf verändert hat. Wir haben Maisfelder gesehen, Reben, Getreide, Oliven- und Zitrusplantagen. Wir haben Rinder und Schafe auf ausgetrockneten Weiden „grasen“ sehen. Und ich habe so viele Störche gesehen, dass ich davon beinahe schwanger geworden wäre.

Nun sind wir in unserem Ferienland angekommen. Nach 2’300 Kilometer quer durch halb Europa haben wir den Süden Portugals erreicht. Man kann sich natürlich fragen, ob es Sinn macht, an so vielen schönen Orten vorbeizufahren, um ein derart weit entferntes Ziel anzuvisieren. Diese Frage haben wir uns beim Kilometerfressen der vergangenen Tage auch gestellt. Aber das Reisefieber hat uns nun mal gepackt – schon vor Jahren. Wir sind infiziert. Unheilbar reisekrank.

Wo andere ins Flugzeug steigen für einen Ferienreise nach Zypern, Andalusien oder die Malediven sind wir lieber mit dem Wohnmobil unterwegs. Welche Art des Reisens mehr CO2 verursacht, sei dahingestellt. Aber immer nur daheim ums Haus rum schleichen ist ja wirklich nicht das Gelbe vom Ei.

Eins ist jedenfalls klar: Autobahnen haben wir vorläufig genug gesehen.