Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Abfall

Biologisch für Anfänger

Da lag es. Klein, bunt und absolut deplatziert.

Vielleicht schämte es sich für seine Anwesenheit. Mich dünkte jedenfalls, dass das seine geeignete Einstellung gewesen wäre.

Aber im Grunde genommen trug es selber keine Schuld. Da hatte wieder mal so ein Mensch gewirkt.

Dennoch fragte ich mich, was an einem Bio-Getreidestängel noch Bio war, wenn man seine Kunststoff-Verpackung in den Bergen achtlos wegwarf.

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Du armer T(r)opf

Zuerst waren sie noch zu dritt. Vereint in ihrem Elend, dem Tode geweiht. Dann plötzlich waren von den drei Blumentöpfen nur noch zwei dort. Und schliesslich blieb noch einer. Mutterseelenalleine. Man kann mutmassen, dass seinen anderen beiden Kompagnons ein neues Zuhause gefunden hatten.

So wird das bei uns mitunter gemacht. Man stellt das, was man denkt, es könnte vielleicht noch jemand gebrauchen, zuerst mal neben die grossen Abfall-Container. Nimmt die Dinge – wahlweise Stühle, Matratzen oder in unserem Fall grosse Pflanzgefässe – niemand innert nützlicher Frist mit, so versieht man sie mit einer Abfallmarke und bei der nächsten Kehrichtabfuhr nehmen die Müllmänner sie mit.

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Zum allgemeinen Verständnis muss hier folgendes erwähnt werden: In den meisten Gemeinden der Schweiz gibt es zweierlei  Abfall-Gebühren. Die erste Gebühr wird unabhängig von der anfallenden Menge Abfall pauschal pro Wohneinheit erhoben. Die zweite in Form von kostenpflichtigen Abfallsäcken oder – wie im Fall von unserer Gemeinde – Abfallmarken, die man auf den Sack klebt oder auf das Ding, das nicht in einen Abfallsack rein passt.

Übrig blieb also nur noch ein Pflanzgefäss, das noch immer dort steht, wo es sein alter Besitzer deponiert hat. Nach über drei Wochen hat dieser wohl eingesehen, dass er um die Investition einer Abfallmarke nicht mehr herumkommt. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass einen Tag bevor die Müllabfuhr jeweils kommt, auf der Innenseite des Keramiktopfs eine rote Abfallmarke klebte. Am besagten Tag jedoch war sie nicht mehr dran. Der Abfallmarken-Dieb hat erneut zugeschlagen! Wie weit muss man sinken, dass man für weniger als zwei Franken eine solche Abfall-Marke abklaubt?

Güselchübel

Mit diesem Titel werden meine Leserinnen und Leser ausserhalb der Schweiz mal wieder nicht viel anzufangen wissen. Doch da sie mehr als 50 Prozent meiner Leserschaft ausmachen, will ich hier etwas Übersetzungshilfe leisten. Der Güsel ist nichts anderes als Abfall. Und ein Chübel ist ein Kübel. Ergibt also einen Abfalleimer.

Die Rede soll hier aber nicht von irgend einem Güselchübel sein, sondern von DEM Güselchübel schlechthin. Dem Ochsner-Chübel. Ich habe letzthin einen in Brigels fotografiert, der dort am Wegesrand den Güsel der Wanderer aufnimmt.

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Sein Anblick versetzte mich in meine Jugendzeit zurück, wo in jedem Schweizer Haushalt unter dem Spülbecken (das damals wie heute noch häufig als Schüttstein bezeichnet wurde) so ein Ochsner-Chübel stand. Ochsner darum, weil die Firma, die ihn produzierte – na wie wohl? – Ochsner hiess. Damals legte man den Chübel noch mit Zeitungspapier aus und stellte ihn am Tag der Güselabfuhr an den Strassenrand zum Leeren. Kehricht-Säcke wurden erst später erfunden. Zuerst aus starkem Papier, dann aus immer dünner werdendem Plastik.

Diese ganzen Erinnerungen holten mich wieder ein, als ich letzthin in einem Prospekt von Möbel-Pfister blätterte. Da entdeckte ich unter dem Titel “Schweizer Evergreens, die unseren Alltag bereichern” den “Alltagsklassiker Patent Ochsner”. Und der sieht mittlerweile so aus:

Daneben stand geschrieben.

Der zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelte, metallene “Güselkübel” mit dem unverkennbaren Deckel demonstriert heute das Genie alltäglicher Dinge. Das Design der Re-Edition bringt den Klassiker mit neuen Funktionen und Materialien selbst im Wohnzimmer zum Strahlen.

Könnt ihr euch vorstellen, so einen noblen, strahlenden Güselkübel (zum bescheidenen Preis von Fr. 249.- übrigens) in eurem Wohnzimmer zu haben? Als ich ganz bestimmt nicht!

Die Rettung des Currys

Auf vielseitigen Wunsch hier nun also die Fortsetzung der Keller-Räumungs-Geschichte. Wer den ersten Teil verpasst hat, kann ihn HIER nachlesen.

Die Frau – schätzungsweise gegen die Siebzig – stand da. Ich weiss nicht mehr, wer in dem Moment verdatterter war, sie und ihr Mann, den sie im Schlepptau hatte, oder der Mitbewohner und ich. Ich weiss auch nach all den Jahren nicht mehr so genau, welche Gedanken mir durch den Kopf schossen. Schätzungsweise etwas in der Art von:

Au weia!
Das darf doch nicht wahr sein!
Scheisse!
Wird sie uns mit der Polizei drohen?
Und jetzt?

Der Erklärungsnotstand war jedenfalls eindeutig bei  uns. Wie sich herausstellte, hatten mein Schwager, dessen vermeintlichen Keller wir gerade am räumen waren, und Frau – nennen wir sie mal Küng – vor Jahren schon das Kellerabteil getauscht. Dass der richtige Name an der falschen Kellertüre stand, war mit Sicherheit ein Punkt, der die Dame etwas milder stimmte, und sie schien geneigt, unserer Geschichte Glauben zu schenken. Die Geschichte war nämlich, dass mein Schwager im Pflegeheim war und nicht mehr zurückkehren würde und wir deshalb seine Wohnung räumen mussten.

Frau Küng bahnte sich an uns vorbei den Weg ins Kellerabteil. Ihr blieb der Kiefer hängen. “Was haben Sie mit all den Sachen gemacht, die hier drin waren?” Mit weit ausschweifenden Handbewegungen deutete sie an, dass da mal viel mehr gewesen sein musste, als sie jetzt noch ausmachen konnte. Die komplexe Frage liess sich nicht mit einem Satz beantworten, war doch ein Teil in unserem Kofferraum, etwas den Abfluss runter geflutscht und der grösste Teil draussen im Abfall-Container versenkt.

Zu viert begaben wir uns nach draussen, um zu retten, was zu retten war. Im Vorbeigehen raunte mir der Mann ins Ohr: “Isch guet, isch de alt Seich äntli wäg cho.” Für ihn kam es offenbar einer Erlösung gleich, dass ich die alten Säfte  unwiederbringlich den Abfluss runter gespült hatte. Im Container begann die Frau nach ihrem Hausrat zu wühlen. Blumentöpfe, Christbaumschmuck, Wanderschuhe. Alles wanderte wieder zurück in den Keller. Bei nicht wenigen Sachen beschloss sie jedoch kurzerhand: “Das kann man glaub wirklich wegschmeissen.”

Der Mitbewohner und ich entspannten uns allmählich. Bis die ominöse Frage kam: “Und was haben Sie mit meinem Curry gemacht?” Betretenes Schweigen. Fragende Blicke.  “Das hat mir ein Swissair Pilot extra aus Indien mitgebracht.” Der Vorwurf in Frau Küngs Stimme war nicht zu überhören. Das Curry schien von unschätzbarem Wert zu sein. Sie wühlte weiter und wir boten so gut wie möglich Hand. Endlich förderte sie triumphierend eine verzierte Blechbüchse von vielleicht einem Liter Inhalt zu Tage. “Da ist sie ja wieder!” Das Pulver darin hatte vielleicht noch die Farbe einer Currymischung, so riechen tat es schon lange nicht mehr. Aber Frau Küng schien glücklich.

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Damit war wohl der Sonntag von Frau Küng gerettet und der Keller mal wieder gründlich ausgemistet worden, erledigt war für sie die Sache jedoch noch nicht. Sie schien wild entschlossen, sicher zu gehen, dass wir auch wirklich das richtige Kellerabteil fänden, das auszumisten es gälte.

Wunderbarerweise passte dort der mit “Keller” angeschriebene Schlüssel auf Anhieb. Frau Küng wich noch immer nicht von unserer Seite. Sie steckte ihre Nase ins muffige Kellerabteil und sog neugierig alles auf, was sie sah. Und da gab es allerhand. Da waren wir mit dem Keller unser mittlerweile treuen Begleiterin vergleichsweise noch gut bedient gewesen! Leere Kartons, eine Sauerstoff-Flasche, Spazierstöcke, eine Langlauf-Ausrüstung aus den Anfängen der Sportart, muffige Bücher, Luftbefeuchter, staubige Decken. Das ganze Elend begann nochmals von vorne!

Zuvorderst auf einem Gestell prangte ein Kaffee-Vollautomat. Wesentlich unälter als alles, was sonst in dem finsteren Loch deponiert war. Frau Küng sah ihre Stunde gekommen. “Was machen Sie damit?” wollte sie wissen. Ihre Körperhaltung und die fordernde Stimme liessen keinen Zweifel zu, dass sie grosses Interesse an dem Gerät hatte. Da der Mitbewohner und ich bereits eine moderne Kaffeemaschine besassen, überliessen wir der “Geschädigten” die Maschine, trugen sie sogar noch zwei Etagen hoch in ihre Küche.

Damit hatten wir für heute definitiv genug geräumt, gemistet, Staub geschluckt. Wenn wir wieder kommen würden, wüssten wir zumindest, welchen Keller wir räumen mussten. Aber da gab es ja noch ein Estrich-Abteil. Und eine vollgestopfte Wohnung. Das Grauen hatte eben erst begonnen.

Was haben Sie mit meinem Curry gemacht?

Die verwandtschaftliche Konstellation bringt es mit sich, dass mein innig geliebter Mitbewohner und ich schon mehrere Male in den höchst zweifelhaften Genuss gekommen sind, eine Wohnung zu räumen. Man könnte uns mittlerweile als alte Routiniers bezeichnen, jedoch sind wir auf diese Auszeichnung nicht wirklich scharf. So eine Räumung ist nämlich alles andere als ein Genuss. Man zerpflückt das Leben der Person, die darin häufig über Jahrzehnte gewohnt hat, regelrecht in Stücke. Für die betroffenen Personen müsste es peinlich sein, wären sie noch in der Lage, alles mitzuerleben bzw. aufzunehmen, was bei uns meist nicht der Fall war. Für uns war es stets mit viel Arbeit verbunden. Und auch mit viel Dreck.

Unsere erste Räumung galt der Wohnung meines Schwagers. Der Mitbewohner und ich waren damals noch beide 100 Prozent berufstätig und mussten das destruktive Projekt in unserer spärlichen Freizeit angehen. Als erstes nahmen wir uns den Keller vor. Am Schlüsselbrett hingen zahlreiche Schlüssel, doch keines wollte zum Vorhängeschloss des Kellerabteils passen. Der Mitbewohner fackelte nicht lange, holte Werkzeug, schraubte an den Riegeln rum und schon waren wir im Inneren des muffigen Kellerabteils.

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Zu unserem Bedauern trafen wir nicht eine umfangreiche Wein-Sammlung an, sondern in erster Linie alten Gerümpel. Wir machten uns an die Arbeit. Sortierten, was noch brauchbar war, was in den Abfall-Container hinter dem Haus landen sollte, was man allenfalls separat entsorgen musste. Es war vor über 20 Jahren, als es in Zürich noch keine Sackgebühr gab, so füllten wir an jenem Sonntagnachmittag ganz allmählich den Container mit Blumentöpfen, alten Koffern, Blechdosen und was halt in dem Kellerabteil so rumstand. Auf einem Gestell lagerten eingemachte Obstsäfte. Kategorie uralt. Die kippte ich kurzerhand in der Waschküche in den Abguss, spülte die Flaschen aus und stapelte sie, um sie später in den Altglas-Container zu schmeissen.

Wir waren den ganzen Nachmittag am Werke. Da weder der Mitbewohner noch ich zur Kategorie „Sammlertyp“ gehören, kamen wir einigermassen gut voran. Während sich der Keller sichtlich leerte, füllten sich unser Kofferraum und der Abfall-Container. Als wir beschlossen, dass wir an diesem Tage nicht mehr fertig würden und nun heim gehen wollten, erschien eine ältere Frau im Keller. Sie kam auf uns zu und fragte mit grossen, staunenden Augen: “Was machen Sie da in meinem Keller…?”

Fortsetzung folgt. HIER.

Abfälliges Nachtessen

 

Wenn ich betrachte, was eine selber gemachte Pizza für Abfall verursacht, frage ich mich mitunter, ob es ökologisch nicht sinnvoller wäre, eine Tiefkühl-Pizza in den Ofen zu schieben.

Nicht auf dem Bild: eine leergetrunkene Flasche Rotwein.

Ich will auch so einen Sack!!!

In Frankreich gibt es ein vorbildliches System, in Deutschland und in Schweden. Bestimmt auch in anderen zivilisierten Ländern. Nur bei uns in der Schweiz nicht.

Bei uns wird nur Papier und Karton, Textilien und Schuhe, Glas, Metalle, Grüngut und Elektroschrott separat entsorgt. Alles andere landet im normalen Haushaltabfall, wird von der Müllabfuhr eingesammelt und in der Kehrrichtverbrennung verheizt. Angeblich sind die Schweizer Recycling-Weltmeister. Bloss – woran wird das gemessen?

In Schweden stehen vor jeder Haustüre zwei grosse, schwarze Abfallcontainer, mit Fächern unterteilt, in die man seinen Abfall gesondert einwerfen kann.

in Frankreich nehmen die Entsorgungs-Stationen alle möglichen Materialien an. Im Kehrrichtsack landet so nicht mehr viel.

Die Deutschen haben ihren gelben Sack. In diesen kann man all die Milchverpackungen, Joghurtbecher, Styroporschalen, Konservendosen, Zahnpastatuben etc. hineinschmeissen und vor die Haustür stellen. Wie praktisch ist das denn?

So einen gelben Sack will ich auch! Woraus besteht denn mein Abfall? Metallischen Abfall trage ich brav selber zur Entsorgungs-Station, ebenso die PET-Flaschen, Batterien, Leuchtstoffröhren und sämtliche leergesoffenen Weinflaschen. Altpapier und Karton wird sporadisch von Vereinen eingesammelt. Übrig bleiben in erster Linie Verpackungen aller Art. Und die füllen jede Woche einen 35-Liter-Sack, den ich dann in den grossen Sammelcontainer in unserem Quartier trage. Ich bin überzeugt, ohne all die Verpackungsmaterialien in meinem Abfall bräuchte ich diesen Spaziergang höchstens noch alle zwei Wochen zu machen. Deshalb:

Ich will auch einen gelben Sack!!!

Solche wilden Deponien mitten in der Ortschaft gibt es bei uns zum Glück schon lange nicht mehr. Dieses Abfall-Idyll stammt aus Kroatien.

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… und mich macht schon die Vorstellung krank, dass es solche Schilder überhaupt braucht.

Leider habe ich den dringenden Verdacht, dass nur die, die ihren Abfall ohnehin nicht liegen lassen, diesem Schild überhaupt Beachtung schenken. Alle anderen werden weiterhin ihre Getränkedosen und dergleichen in der Pampa entsorgen.

Der nationale Clean Up Day, der gestern und heute stattfindet, und an dem unter anderem auch die Schüler unserer Gemeinde mitmachen (müssen), wird – so meine Prognose – leider keine langfristige Wirkung zeigen.

WC-Papier auf Französisch

Ich verstehe eigentlich nicht so ganz, wieso ein WC-Papier-Rölleli im Wasser auflösbar sein soll.

Man kann es doch ebenso gut in den Kehricht oder meinetwegen in die Kartonsammlung geben. Mir jedenfalls käme es nie in den Sinn, das Kartonrölleli das WC runter zu spülen.

Doch wenigstens verstehe ich endlich den Begriff „Eau de Toilette“.

 

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Was haben Sugus, Toblerone, Heineken, Parisienne, Tempo, Redbull, Läkerol, Kindermilchschnitte und Coca-Cola gemeinsam?

Sie lagen mir alle zu Füssen als ich mit dem Sessellift über die braune Wiese schwebte.

Und leider ist die Liste alles andere als vollständig. Deshalb kann ich dieses – sorry grottenschlecht fotografierte – Plakat mit der Skifahrerin und dem Wanderer mit Kehrichtsack-Rucksack voll unterstützen.