Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Hasenderby

Schöne Ostern

wünscht Frau Flohnmobil

und hofft, dass euch auch ein Hase
über den Weg hoppelt.

Sonst dürft ihr euch gerne hier bedienen.

Beschildert geschildert (23)

Für alle, die Ostern nicht erwarten können…


… ein sprunghaftes Bild, das mir Theresia Künzi zugesandt hat.

Fotografiert hat sie den Wegweiser “irgendwo im tiefsten Emmental”.

Und falls ihr (wie Frau Flohnmobil) mit dem ganzen Oster-Getue wenig am Hut habt, findet ihr vielleicht hier Trost:


Das Bild stammt ebenfalls von Theresia, aufgenommen in einem Dörfli am Comersee.

Danke, Theresia, für die Bilder.
Ebenfalls Danke, dass du das Flohnmobil liest.
Und nochmals Danke, dass du aus der Anonymität der Leser herausgetreten bist und mit mir Kontakt aufgenommen hast. Ich bin doch immer so neugierig, wer hier überhaupt mitliest.

Bittersüsses Überangebot

Ach wie war das doch früher einfach! In fröhlicher Zuversicht stand man vor dem Regal im Supermarkt, liess seinen Blick kurz über das Angebot schweifen und langte zu. Was gab es denn damals? Milch. Schwarz. Weiss. Mit Blööterli, Nüssen oder Rosinen. Und natürlich das weltbekannte Dreieck mit Mandel-Honig-Nougat.

Wenn ich heute vor dem Schoggi-Regal stehe, muss ich zuerst tief durchatmen, bevor ich zur Tat schreiten kann. Die schiere Auswahl an Tafel-Schokoladen verschlägt mir nämlich jedes Mal fast den Atem.

Schoggi mit Truffes-Füllung, Caramel, Erdbeer-Joghurt, Pistache, Chili oder Mousse au Chocolat. Weisse Schoggi mit Mandeln, schwarze Schoggi mit Espresso, Milchschokolade mit in Rum ersoffenen Rosinen. Schoggi mit Brownies-Aroma, Japonais, Kirsch-Füllung, Mokka, Mandelcreme. Das Angebot ist riesig. Selbst die hundskommunste Milchschokolade gibt es in mehreren Ausführungen. Kleine Tafel, grosse Tafel, Portiönli, Budget-Ausführung, Premium-Version. Irgendwie ein Wahnsinn!

Dieser Wahnsinn wird jedes Jahr zuverlässig übertroffen durch Ostern. Dann gibt es nämlich alle, na jedenfalls fast alle vorgängig erwähnten Schokoladen noch in Hasenform. Als stehender Hase, sitzend, mit Tretroller, Korb, langen Ohren, Schlappohren, Hasenscharte. Als Henne, Küken, Pirat oder Fussballer. Und nicht zu vergessen, die zahlreichen Schoggi-Eier in dutzenden von Varianten.

Wer es nicht glaubt, erlaube sich in den nächsten Tagen einen kurzen Rundgang durch einen x-beliebigen Supermarkt in unserem Land. Vielleicht reicht auch bereits das folgende Bild. Allerdings – so wenig Leute wie abgebildet, dürfte es in den nächsten Tagen in den Läden kaum haben.

Öfters mal Panne (37)

… oder: (r)ausgeschlossen

Um uns im folgenden Zwischenfall eine gewisse Würde zu erhalten, muss folgendes erwähnt werden: Unser Womi war keine drei Monate alt und wir befanden uns auf einer zweimonatigen Reise. Zuvor hatten wir erst eine Woche darin verbracht. Das Fahrzeug verfügte über eine Zentralverriegelung mit funkgesteuertem Drücker. Es gab zwei verschiedene Schlüssel: den Zündungsschlüssel, mit dem sich auch die Fahrertüre öffnen liess und einen Schlüssel für sämtliche Türen des Aufbaus. Schon in den ersten Tagen der Reise begann das Schloss der Aufbautüre zu spuken. Es liess sich, wenn überhaupt, nur noch mit dem funkgesteuerten Drücker öffnen, der Schlüssel selbst drehte im Schliesszylinder leere Runden.

Es geschah im Sommer 2009. In dem Jahr, wo in den Abruzzen die Erde gebebt hatte. Wir hatten uns lange überlegt, ob wir unsere Pläne trotz dem verheerenden Erdbeben umsetzen, oder ob wir uns besser ein anderes Reiseziel aussuchen sollten. Wir entschieden uns für die Abruzzen, sahen erschütternde Bilder von mit Gurten zusammengehaltenen Kirchtürmen, Zeltlagern, gesperrten Strassen und viel grandiose Natur. Die Abruzzen sind auf jeden Fall eine Reise wert, das waren mein innig geliebter Mitreisender und ich uns schnell einig, auch wenn es im Landesinneren für Wohnmobile praktisch keine Infrastruktur gibt.

In diesem gebirgigen, hauchdünn besiedelten Landesinneren hatten wir auf dem Parkplatz am Ortseingang von Pietracamela übernachtet. Nach dem Erdbeben gehörten Bilder wie dieses zur Tagesordnung.

Ein weiterer wunderschöner Tag, wir öffneten beim Frühstück die Türe, liessen die reine, frische Luft hereinströmen. Als wir nach Abwasch, Zähne putzen etc. reisefertig waren, liess der Mitreisende, entgegen sonstiger Gepflogenheiten, den Motor an, damit er etwas warm laufen konnte. Der Mitreisende war stets um das Wohl des 2,3-Liter-Diesel-Motors besorgt und so wollte er weder die kurze, steile Rampe aus dem Parkplatz noch die steile Fahrt talwärts mit kaltem Motor fahren.

Ein letztes kurzes Beinevertreten, bevor es losgehen sollte. Da knallte ein Windstoss die Aufbautüre zu, die mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss fiel. Na und? werdet ihr nun vielleicht sagen, macht halt die Türe wieder auf.

Das etwas Ungeschickte an der Situation war bloss, dass dieser Windstoss uns soeben rausgeschlossen hatte, während am Womi der Motor lief. Wir hatten nämlich noch keine der beiden Fahrerhaustüren geöffnet, was eine Entriegelung beider Türen zur Folge gehabt hätte. Wir standen da wie die Deppen. Jetzt ist es vielleicht an der Zeit, nochmals den roten Text zu lesen, damit ihr uns nicht für Webstübler haltet.

Der Schlüssel, der uns hätte retten können, steckte im Zündschloss. Der andere (Reserve-)Schlüssel, der die Aufbautüre wieder aufgekriegt hätte, war mit einem Magnet an einem sicheren Ort an der Karosserie angebracht. Indes, der nützte nichts, da sich die Türe nicht mehr mit dem Schlüssel öffnen liess.

Es müssen wohl dem Mitreisenden wie mir diverse Szenarien durch den Kopf geschossen sein, von Scheibe einschlagen über einen Autoknacker organisieren, der in dieser abgelegenen Gegend legal agieren durfte, bevor der Mitbewohner die Initiative ergriff. An der Türfalle der Aufbautüre ziehen, das wussten wir aus mehrwöchiger Erfahrung, endete meist im luftleeren Raum. So auch dieses Mal. Nach viel gutem Zureden, Handauflegen und des Mitbewohners feinfühliger Fingerchen hatte der defekte Mechanismus irgendwann Nachsicht mit uns und gab nach.

Ich musste unweigerlich an Alibaba und die vierzig Räuber denken.

Da war die Welt noch in Ordnung. Das Womi in entspannter Lage auf dem Ausgleichskeil, die Türe sperrangelweit offen. Der Motor aber vermutlich bereits am laufen, denn beide Sitze sind in Fahrtrichtung gedreht.

Interpretationsspielraum

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich sind uns nicht ganz einig…

 

 

… ob Füsse auch füdliblutt sein können.

 

Wer weiss Rat?

Am Helm des Eises

Mit Eishockey hat Frau Flohnmobil nichts am Hut. Gar nichts. Auch nicht am Hockey-Helm.

Dem Sport – sowohl als Konsumentin am Fernseher wie in eigener Betätigung – nicht grundsätzlich abgeneigt, kann sie diesen bunten Michelin-Männchen auf dem Eis mit ihren Stöcken nichts abgewinnen, wenn sie dem Puck hinterher flitzen. Sie hat auch wenig Verständnis für die Schlägereien, die sich regelmässig ereignen. Und kopfschüttelnd muss sie Jahr für Jahr zur Kenntnis nehmen, wie mitten im Sommer noch die Eishockey-WM ausgetragen wird.

Heute ist es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen. Natürlich! Wie könnte es denn anders sein. Was kann man schon von Leuten erwarten, die auf einem Hüüsliblock* ihrer Sportart frönen!

* karierter Notizblock

Dieses Bild von Valeriano Di Domenico (Freshfocus) war der Blickfang auf der heutigen Titelseite des Tages Anzeigers.

Schach für grüne Daumen

Als ich es geschenkt erhalten habe, hat es in vornehmer Zurückhaltung zwar schon Blütenansätze gezeigt, aber noch nicht geblüht. Mein Entzücken war gross, als ein paar Tage später die erste Blume – vorerst nur in der weissen Version – aufging. Als dann auch noch das farblich markantere dunkle Schachbrett-Blüemli aufging, war ich nicht mehr zu halten.

So schön!

Natürlich habe ich es nur fürs Bild an die pralle Sonne gestellt, die Fritillaria meleagris zieht einen eher schattigen Platz vor. Wenn sie verblüht ist, werde ich sie in den Garten pflanzen. Vorläufig aber ziert sie mit ihren hübschen Blumen mein Fensterbrett.

Beschildert geschildert (22)

So oft ich mir das Bild auch anschaue – ich werde nicht schlau daraus.

Es ist doch wirklich zum davonlaufen!

Aufgenommen im Wildpark Langenberg. Doch das macht die Sache auch nicht einfacher.

Der Duft von einst

Jedes Jahr seit wir uns kennen, und das sind immerhin auch schon mehr als zwei Jahrzehnte, lückenlos, ausser, wir waren in Übersee, hat mir mein innig geliebter Mitbewohner im Frühjahr erzählt: Die haben wir als Kind jeweils gesammelt und die Blüten getrocknet. Das gab einen feinen Tee.

Und jedes Jahr seit wir uns kennen, lückenlos, ausser, wir waren in Übersee, dachte ich: Wegen den paar Blümchen lohnt das Sammeln nicht.

Voriges Wochenende kamen wir auf einem Frühlingsbummel an einer Wiese vorbei, deren Blümchenbestand so üppig war, dass ich vorschlug, einige zu pflücken. Ich wollte endlich wissen, wie gut denn dieser gute Tee schmeckte. Also sammelten wir. Und zu Hause zupfte ich die Blütenblätter raus und breitete sie zum Trocknen aus.

Als die Blüten trocken waren, war naturgemäss nicht mehr viel davon übrig. Für einen Tee reichte es. Ich setzte Wasser auf, gab die trockenen Blüten ins kochende Wasser, liess sie einige Minuten ziehen und war gespannt, was mich da erwarten würde. Als ich den Deckel hob, kam mir eine Duftwolke entgegen, die meine Nase irgendwo zwischen getrocknetem Fisch und Komposthaufen einordnete. Dennoch schenkte ich zwei Tassen ein, süsste sie und servierte sie dem Mitbewohner und mir mit dem nötigen Brimborium.

“Pah, Fisch, was hast du denn für eine Nase”, hatte der Mitbewohner vor wenigen Minuten noch gesagt. Mittlerweile steckte er seine eigene dem Tee entgegen und rümpfte sie alsbald. Der Tee schmeckte uns beiden nicht. Er mag meinetwegen gesund sein, wie man hier nachlesen kann, aber gut?!?

Damit wäre einmal mehr der Beweis erbracht, dass früher eben doch alles besser war.

Das Geschäft hinter dem Wohnmobil

Die nachfolgende Geschichte ereignete sich an jenem Wochenende im Oktober, als mein innig geliebter Mitreisender und ich herausfanden, dass in Italien Naturparks nicht primär dem Schutze von Flora und Fauna dienen, wie das andernorts der Fall ist. Nein, in Italien ist so ein Park offenbar ein Freipass für die Plünderung der Natur.

Als nämlich am Strassenrand eine Tafel den “Parco Naturale del Beigua” ankündigte, glaubten wir, unseren Augen nicht zu trauen. An jeder Ausbuchtung der Strasse wo nur eine Handbreit Platz war, standen Autos. Auf etwa 10 km mindestens 200 Fahrzeuge. Der Grund? Die hier:

Die Italiener sind ganz wild auf ihre Funghi. Im nächsten Dorf – Sassello- wurden denn auch in mehreren Läden Steinpilze verkauft. Aber was für welche! Für 20 Euros gab es schätzungsweise 600 Gramm Pilze von so mieser Qualität, dass wir sie wahrscheinlich im Wald hätten stehen lassen. Die Pilze waren nicht einmal aufgeschnitten, also kaufte man die Katze im Sack bzw. die Pilze ziemlich sicher mit Maden. Trotzdem fanden die Funghi reissenden Absatz.

In Italien darf man nicht nach Belieben Pilze sammeln, wie dieses Schild veranschaulicht. Deshalb wohl der invasionsähnliche Einfall in die frei zugänglichen Naturparks.

Wir machten von Sassella aus eine Velotour und übernachteten in unserem Wohnmobil auf einem von Bäumen umgebenen Parkplatz am Ortsrand. Daran stört sich in Italien in der Regel niemand, schon gar nicht zu der Jahreszeit. Während wir beim Frühstück sassen, bemerkte ich, dass sich jemand am Womi zu schaffen machte. Ich konnte es nicht fassen: Die Nachbarin aus dem nebenan parkierten Wohnmobil pisste hinter unser Auto und hielt sich dabei am Fahrrad-Träger fest! Kurze Zeit später versuchte sie, die Beifahrertüre zu öffnen und entschuldigte sich mit der fadenscheinigen Begründung, sie habe sich in der Türe geirrt. Mein lieber Schwan, was hätte die wohl noch alles gemacht, wären wir nicht im Womi gesessen.

Wir waren jedenfalls froh, als die mit ihrem desolaten Wohnmobil abfuhren, neben solchen Vagabunden hätten wir unser Womi nicht mehr mit gutem Gefühl stehen lassen können. Doch so konnten wir in aller Ruhe nochmals einen Bummel durch Sassello machen, einen Kaffee trinken und dazu die lokale Spezialität, Amaretti morbidi, geniessen.

Da fuhren sie von dannen. Ich hatte vorsichtshalber ein Bild mit dem Nummerschild gemacht, falls sich später herausstellen sollte, dass sie doch noch irgendwo böswillig Hand angelegt hatten.

 

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