Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Mein genialstes Stück

Er ist für vieles zu gebrauchen. Für sehr vieles sogar.

Er brilliert als Notsitz oder Blumentopf. Er behauptet sich als Suppenschüssel und wenn es sein muss auch als Nachttopf. Er schützt vor Sonneneinstrahlung, harten Schlägen und dummen Sprüchen.

Und die neuste Anwendung habe ich heute erfahren. Wenn man ihn lange genug an der Sonne vorwärmt, entwickelt ein Skihelm sogar Eigenschaften eines Dampfkochtopfs.

Die lange Leitung

Wenn man heutzutage mal schnell ein paar Tage weg will, braucht man – gegenüber früher – weit mehr zu packen, als nur ausreichend frische Unterwäsche, eine Zahnbürste und ein paar Ersatzschuhe.

Nebst dem üblichen Kleider- und Kosmetik-Krimskrams braucht es vor allem eines: viel, viel Kabel.

Je ein Ladegerät für die Zahnbürste, den Fotoapparat, sämtliche Handys und die Skischuh-Heizung (leider sind sie nicht kompatibel – DAS wär mal was für die Herren Elektro-Ingenieure!). Das Kabel für das Notebook samt Datenkabel für die Digicam. Auch sonst hängt Diverses an einem Kabel: der Haartrockner, die Skischuh-Trockner (auch die zwei “Trockner” sind leider nicht austauschbar), das Wachseisen, der Elektrorasierer.

Das ginge ja alles noch. Aber am schlimmsten finde ich immer diese zweihundert Kilometer Verlängerungskabel für das Elektroauto.

Der 48-Stunden-Tag

Auf der Vorderseite meiner Gesichtspflege steht:

24 Stunden Langzeitfeuchtigkeit

Auf der Rückseite:

Täglich morgens und abends nach der Gesichtsreinigung auftragen.

Irgendwie muss ich damals bei der entscheidenden Rechenstunde meinen Joker-Tag eingezogen haben.

Die zweite erste Nacht

Wie sehr hatte ich mir immer gewünscht, mit einem Camper zu verreisen. Unabhängig zu sein. Das eigene Bett stets im Gepäck. Unsere pannenvolle Premiere mit dem alten, grünen Bus hatte uns nicht entmutigt, im Gegenteil (wem die Geschichte nicht bekannt ist, kann sie gerne hier nachlesen). Ein knappes Jahr später kauften wir uns einen gebrauchten Campingbus, Typ VW Westfalia Joker. Er hatte unter anderem den Vorteil, dass er mit seinen kompakten Massen in unsere Tiefgarage rein passte. Doch dort hatten wir natürlich die erste Nacht nicht verbracht. Wir vertrauten drauf, dass unser Fahrzeugs dicht war, schliesslich war es keine alte Klapperkiste, sondern ein sechsjähriges Schnäppchen.

Ich platzte beinahe vor Stolz und Vorfreude, als wir zum ersten Mal damit losfuhren. Es war an einem Freitagabend im Mai. Das Fahrzeug hatten wir am Vortag schon startklar gemacht, damit wir möglichst ohne Zeitverlust ins Wochenende rasen konnten. Unser Ziel war ein Campingplatz im Tessin. Vermutlich standen wir damals nicht im Stau vor dem Gotthard, und wenn, dann hätte ich das in meiner damaligen Euphorie locker weggesteckt.

Als wir im Maggiatal ankamen, war es noch immer hell. Nach welchen Gesichtspunkten sucht man sich einen Stellplatz auf dem Campingplatz aus, wenn man frei wählen kann? Wir wussten es damals noch nicht. Wir wussten weder, dass man darauf schauen sollte, dass man nicht unter einem Baum mit dürren Ästen steht, die im Falle eines Sturmes abbrechen, noch, dass man sich so hinstellt, dass der Kühlschrank möglichst wenig Sonne abkriegt. Ach was waren wir für Greenhorns, hochgradig ambitionierte Greenhorns!

Unsere Ausrüstung war damals noch genauso unvollständig wie unsere Vorstellungen vom Camperleben euphorisch und vielfältig waren. Aber wir hatten stets eine glasklare Vorstellung davon, wie unser Ruhelager auszusehen hatte. Wir hatten absolut keine Lust, uns in Schlafsäcke zu wickeln. Seit eh und je hatten wir ein Fixleintuch und unsere ganz normale Bettdecke dabei. Doch zuerst galt es, die Bettstatt herzurichten, was in einem durchschnittlich mit Gepäck vollgestopften VW-Bus mit zahlreichen Manövern verbunden ist. Was auf Position A lag, musste nach B verlagert werden, was vorher auf B war, gehörte nach A. Das Leintuch musste schön sauber um alle vier Ecken der zweiteiligen Matratze gespannt sein, was nur durch mehrere Turnübungen zu erreichen war. Mein innig geliebter Mitbewohner hat es noch nie geschätzt, auf einem Rumpf (auf Deutsch würde man dazu wohl “Falte” sagen) zu schlafen!

Die erste Nacht im eigenen Camper war – na wie war sie eigentlich? – unspektakulär. Eine von vielen, die folgen würden. Vom Platz her natürlich etwas eng, aber was spielt das für eine Rolle, wenn man sich liebt? Da reichen 1,2 Meter in der Breite doch völlig aus.

Zwar nicht im Tessin aufgenommen, liefert dieses Bild doch den Beweis, dass wir immer in richtigem Bettzeug geschlafen haben.

Lächelnd putzen

So sanft auf der Haut, so berührend im Ton. Irgendwie ist er einfach zu schön zum Brauchen.

Ein Tausendsassa soll er sein. Fürs Fahrrad, Auto, Büro oder für unerwartete Fälle unterwegs. Als humoristisches Mitbringsel für Erschöpfte, Begeisterte, Putzmänner und Putzfrauen, Anfänger und Fortgeschrittene. So die Verpackungsaufschrift.

Für mich ist er deutlich mehr. Ein Geschenk von einer ganz lieben Freundin. “22 Gramm schwer. 30 x 30 cm. Perfekt verarbeitet. Waschbar bis 60°.” Definitiv mehr als der 23. Mikrofaser-Putzlappen in meinem Schrank. Er wird einen Ehrenplatz erhalten. Vielleicht im Wohnmobil, damit ich auch im entferntesten Winkel Europas an meine Freundin erinnert werde. Wenn ich für einen klaren Durchblick meine Brille putze. Oder die Frontscheibe des Womis, das Display des Fotoapparats oder den Monitor des Notebooks poliere.

Sie wird es sich selber in die Schuhe zu schieben haben, dass sie mitputzen muss. Aber Schuhe werde ich damit garantiert nicht putzen!

Rache ist süss

Frau Flohnmobil fand ihren Mann schon längere Zeit nicht mehr so richtig scharf. Das lag weniger an seinen männlichen Attributen, als an ihrer sechsjährigen Brille. Und Frau Flohnmobil tat, was in einem solchen Fall jede vernünftige Frau tun würde: Sie suchte sich einen neuen Mann ging zum Optiker.

Dort liess sie das ganze Prozedere des Sehtests über sich ergehen. “Wird es mit diesem Glas besser oder schlechter?” – “Welchen Kreis sehen Sie deutlicher?” – “Was können Sie in der zweiten Zeile noch lesen?” Mit sichtlicher Zufriedenheit erklärte ihr der Optiker danach: “Mit Ihnen konnte ich den Test genauso durchführen, wie ich ihn in der Ausbildung gelernt habe.” Frau Flohnmobil eine Standardkundin also? Nach Schema F abzuarbeiten? Sie sah sich ab dieser Tatsache mit leicht verschmitzter Miene zu folgender Aussage veranlasst: “Dann haben Sie aber nicht viel dazugelernt seither.”

Der leicht konsternierten Visage des etwa dreissigjährigen Optikers konnte sie entnehmen, dass dieser ab ihrer Bemerkung nur sehr bedingt begeistert war. Deshalb beeilte sie sich zu sagen, dass sie das als Witz gemeint hatte. Die Stimmung entspannte sich sofort wieder.

Der Optiker rächte sich auf seine Art und Weise. Frau Flohnmobil ist jetzt nämlich auch in den hehren Club der Kurzarmigen aufgenommen worden.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Fasnachts-Chüechli sind hauchdünn, zerbrechlich und aller Wahrscheinlichkeit nach auch ziemlich ungesund. Ein einziger dieser dünnen Fladen schlägt mit über 200 Kalorien zu Buche. Eine Scheibe fettiger Luft. Kaum ein Esslöffel voll, würde man sie zerstampfen und aufhäufen. Um diese Kalorien abzuarbeiten, müsste ich etwa vier Stunden lang bloggen, eine Stunde lang spazieren gehen oder eine halbe Stunde aufs Velo.

Und wer hätte an einem einzigen Fasnachts-Chüechli schon genug gegessen?

Aber diese von Fett geschwängerte Luft schmeckt so gut, dass mir für einmal sämtliche Cholesterin- und Garderoben-Spiegel gestohlen bleiben können. Und ausserdem sind sie das einzig, das allereinzig Positive, das ich der närrischen Zeit abgewinnen kann. Da nehme ich die paar extra Kalorien gerne in Kauf.

Amerikanische Horizonte

Heute halte ich mich ausnahmsweise einmal kurz. Ich wiederhole lediglich die Frage, die uns eine überdurchschnittlich gebildete Amerikanerin gestellt hatte:

“Seid ihr eigentlich mit dem Auto in die USA gefahren?”

Auf den Fischen unterwegs

Als ich die Szenerie erblickte, glaubte ich, ich hätte mich an ein Eskimo-Treffen verirrt. Lauter dick eingemümmelte Leute. Allerdings wollte der penetrante Gestank nach Knoblauchbrot genauso wenig dazu passen, wie die Bratwurst-Wolke, die sich breit machte.

Und was da alles unterwegs war! Die halbe Schweiz schien sich eingefunden zu haben. Eine für unser Volk eher aussergewöhnliche Ausgelassenheit hatte trotz eisigen Temperaturen Oberhand. Aus allen Himmelsrichtungen kamen sie und wollten sich das Ereignis der Sonderklasse nicht entgehen lassen. Der See, er war kein See mehr, sondern ein riesiges Natureisfeld. Schlittschuhe waren ein gebräuchliches Fortbewegungsmittel, aber wegen den paar Zentimetern Schnee, die auf dem Eis lagen, konnten auch Bewegungs-Tubbeli gefahrenlos die Eisfläche betreten. Etwas befremdend muss es für die Hunde gewesen sein. Auf über 3 km2 Fläche weit und breit kein Baum zum dranpinkeln! Es wurde Hockey gespielt, Pirouetten gedreht, Kinder auf dem Schlitten über die endlose Weite gezogen. Ganz Mutige befuhren die Eisfläche mit dem Fahrrad.

Wenn es zu einer Seegfrörni kommt, kann so manches Gfrüür-Füdli dem Winter doch noch etwas Positives abgewinnen.

Schüttelfrost

Ein Erdbeben hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Dramatischer. Vor Jahren in Seattle, als ein Erdbeben mit Stärke 5,6 die Erde beben liess, kam immerhin der Kronleuchter über dem Esstisch etwas in Schwung und das Ganze dauerte einige Sekunden.

Was sich gestern Abend um 23.45 Uhr ereignete, war mehr so ein heftiger Ruck, der mich auf dem Sofa lümmelnd ereilte. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich schauten uns etwas ratlos an. Da aber weder ein lauter Knall zu hören war noch sonst etwas weiter passierte, legten wir die Geschichte ad acta und uns schlafen.

Heute Morgen dann die Erklärung: Der Mann am Radio liest vor, dass sich in der Schweiz ein Erdbeben der Stärke 4,2 ereignet habe. 30 Kilometer unter der Erdoberfläche, Epizentrum zwischen dem Zuger- und dem Zürichsee. Schäden soll es keine gegeben haben.

Wir sind dankbar, dass unsere Welt nicht aus den Fugen geraten ist.

Hier lief es nicht so glimpflich ab. In den Abruzzen bebte im 6. April 2009 die Erde heftig. Wir bereisten die Region wenige Monate später.

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