Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Johannes der Säufer

Die Frage, die mich schon länger, und seit dem neuerlichen Ausflug ins Elsass erst recht beschäftigt, ist:
Wer säuft eigentlich den ganzen Wein, der da landauf, landab angebaut wird?

Elsass, bei Andlau

Kroatien

Weingut in der Provence

Im Douro-Tal, Portugal

Jurançon, bei Pau/Südwest-Frankreich

Anbauregion Chianti / Toskana

Er wird wohl nicht alles selber trinken, der Johannes der Säufer, oder?

Eine Velopumpe als Duschmittel?

Es gibt kaum etwas Schöneres nach einer Velotour, als sich unter die Dusche zu stellen. Dass im Wohnmobil das Wasser dabei nicht ganz so üppig fliesst, muss man notgedrungen in Kauf nehmen, wenn man sich nicht auf einem Campingplatz einreihen will.

Mein innig geliebter Mitbewohner versucht meist als Erster von uns beiden, unter dem spärlichen Wasserstrahl nass zu werden. Diesmal jedoch wäre die Dusche beinahe in ein Vollbad ausgeartet. “Frau, die Dusche läuft nicht ab!”. Ja hoppla, und jetzt? “Nimm mal die Werkzeugbox und suche ein Stück Draht!” Des Mitbewohners Füsse standen in der etwas bräunlichen Kloake der Duschwanne (wir sind keine Schweine, aber Velofahren gibt nun mal dreckige Stampfer!), als ich mit einem Gusler daherkam. Wir führen wohl Elektrokabel, Ersatzsicherungen, zig Schraubenzieher, einen Hammer, Imbusschlüssel und Rohrzangen mit, aber ein Stück Draht gehört nicht in die Standard-Ausrüstung des Womis. Also versuchte ich es mit einer 20 cm langen Kabelbride. Diese erwies sich als zu kurz, das Wasser lief weiterhin so gut wie gar nicht ab.

Meine Körperhygiene war vorläufig sistiert, nun galt es, den Ablauf wieder irgendwie frei zu machen. Zwei pulverisierte Kukident-Tabletten im Ablauf zeigten keinen unmittelbaren Effekt. Der Mitbewohner – mittlerweile frisch geduscht und nicht unwesentlich besser duftend als ich – nahm sich nun selber des Problems an. Nach kurzer Bestandsaufnahme des vorhandenen Werkzeugs kam er mit – ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen – der Velopumpe an. Der Mitbewohner hielt den Schlauch auf den Ablauf und umwickelte den Ventilaufsatz mit einem meiner kostbaren Putzlappen, damit keine Luft entweichen konnte; ich legte mein gesamtes Körpergewicht in die Pumpe. So pusteten wir gemeinsam Luft durch das verstopfte Ablaufrohr. Und siehe da, der Ablauf wurde wieder frei!

Was lernen wir daraus? Eine Pumpe ist wesentlich besser als ihr Ruf. Und mit dem nötigen technischen Flair ist sie ein vielseitig einsetzbares Werkzeug.

 

Die normierten Stängel

Sie sind immer exakt gleich lang. Eingeschweisst in Folie wagt keiner der Rhabarber-Stängel, die anderen zu überragen. Genau Vierzig Zentimeter lang ist die Ware, die beispielsweise in der Migros verkauft wird.

Seltsam, werden Rhabarber-Stängel mitunter doch wesentlich länger. Das wurde mir spätestens wieder in Erinnerung gerufen, seit mir eine Hobbygärtnerin ein paar der süss-sauren Knebel geschenkt hat. Da fragt sich die geneigte Rhabarber-Kuchen-Bäckerin doch glattweg, was mit den abgeschnittenen Stummeln passiert. Man könnte Kompott draus machen, Konfitüre oder sie zu einem Rhabarber-Sorbet veredeln.

Viel wahrscheinlicher ist aber, dass es in der industriellen Verwertung nicht lohnt, wegen ein paar vorstehenden Zentimetern gross Aufhebens zu machen. Schade um die so vielseitig verwendbaren Chnebeli!

Die sechste erste Nacht

Bevor wir unser Haupt nach einem ereignisreichen ersten Tag zur Ruhe betten konnten, bescherte uns das neue Wohnmobil vor allem eines: schlaflose Nächte. Wesentlich schwieriger, als ein Wohnmobil zu kaufen ist es hierzulande nämlich, einen dafür geeigneten Abstellplatz zu finden.

Da wir unser Fahrzeug mit Wechselnummer einlösen wollten, konnten wir es nicht einfach am erstbesten Strassenrand abstellen. Ausserdem war uns sehr daran gelegen, dass wir für das Womi einen Platz unter Dach fanden. Da wir in ländlicher Umgebung wohnen, fragten wir bei umliegenden Bauernhöfen nach. Erst als das Problem “wohin damit?” gelöst war, unterschrieben wir den Kaufvertrag.

Als erstes machten wir mit dem frisch eingerichteten Womi eine Kaffeefahrt. Mit dem kleinen Unterschied bloss, dass wir nicht in einen Reisebus einstiegen, um uns in einem Hinterhofsaal irgendein völlig überteuertes Produkt andrehen zu lassen. Nein, wir wollten einfach nur ein kurzes Stück fahren und uns dann einen Kaffee kochen. Das Vorhaben wäre beinahe gescheitert, denn das Ehepaar Flohnmobil ist des Rauchens nicht mächtig und hatte deshalb keine Streichhölzer dabei, um das Gasflämmchen zu entfachen. Ein Kiosk half uns am damaligen Sonntag aus der Patsche.

Die erste wirkliche Ausfahrt mit allem drum und dran führte uns ins Südtirol und weiter bis ins Österreichische Burgenland. Die erste Nacht in einem ausgewachsenen Wohnmobil auf europäischem Boden verbrachten wir bei einem Sportplatz auf der italienischen Seite des Reschenpasses. Geschlafen haben wir mit Sicherheit gut. Nachdem die Feuerwehr, die dort eine Übung absolvierte, abgezogen war, schliefen wir wie die Herrgöttli. Weiter ins Detail gehe ich hier nicht, aber eines kann ich euch verraten: Die Spielwiese im Alkoven war grösser als unser Bett zu Hause.

Nicht am Reschensee, sondern in der Nähe von Bergen/Norwegen.

Gähnende Leere

Liebe Leser, heute wartet ihr vergebens auf einen neuen Blog-Beitrag.

Mein innig geliebter Mitbewohner hat Geburtstag und hat sich von mir einen Computer-freien Tag gewünscht. Das kann ich ihm beim besten Willen nicht abschlagen.

Aber mit etwas Glück bringt der Pöstler heute mein neues Notebook. Dann kann ich abwechslungsweise mal den Mitbewohner und mal den Computer an die Brust nehmen. So werden sich die Entzugserscheinungen – vielleicht - in Grenzen halten.

Geschrieben am 20. Mai.
Terminiert für 21. Mai, 06.36 Uhr – der amtlich bestätigten Geburtsstunde des Mitbewohners.

Virus im Telefon

Das Telefon klingelt. Rufnummer: unterdrückt. Ich: misstrauisch.

“Hello M’am, are you the owner of the computer in your house?” Die weibliche Stimme spricht mit starkem Akzent, nicht desto trotz rattert sie ihren Vers rasend schnell runter. Sie rufe von Microsoft an, ob ich denn nun die Besitzerin des Computers sei, insistiert sie. Und weiter rattert sie. Unser Computer hätte ein schwerwiegendes Problem.

Mir wird es schon bald zu bunt, verstehen tu ich auch nicht alles. Endlich kann ich der Ratterin ins Wort fallen und mal eine Gegenfrage stellen.

“Which computer are you talking about, we have several?”

“The one, that is connected to the internet.”

Ha, ha, als ob es heutzutage noch einen PC gäbe, der NICHT am Internet-Tropf hängen würde.

Ich mag mir das nicht mehr länger anhören. Wenn es wirklich ein Anruf von Microsoft gewesen wäre, so hätte die Anruferin gewiss nicht an einem Samstag angerufen und sie hätte keinen Anlass gehabt, ihre Rufnummer zu unterdrücken. Und da Microsoft eine Niederlassung in der Schweiz hat, hätte man sich auf Deutsch verständigen können. Was wohl das wieder für eine Finte war?

Geschichten, die das Leben schrieb

… oder:

Irrungen und Wirrungen von Familie Borkenkäfer.

Widerspenstiger Genuss

Ich stehe in der Küche und mache mich an einer Ananas zu schaffen. Aha! Mal wieder nicht so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Die wird nur durch eine gehörige Zugabe von Zucker den nötigen Süssegrad erreichen. Meine Gedanken schweifen ab. Weit weg nach Australien an jenen Strassenrand, wo wir ein schier endloses Ananasfeld entdeckt hatten und ganz gwundrig einen genaueren Blick hinwarfen.

Ananaspflanzen werden über einen Meter hoch. Ihre langen, spitzen Blätter, das führte uns die Pflanze ohne langes Zögern vor, schützen sie wirksam vor Frassfeinden. So wie wir welche waren. Verstohlen blickten wir uns um. Keiner zu sehen weit und breit. Wir pflückten uns eine der zahlreich vorhandenen Früchte und fuhren die Stichstrasse weiter an den Strand.


Zwei Tage später fuhren wir auf dem Rückweg wieder am besagten Ananas-Feld vorbei. Diesmal waren dort Pflücker am Werk. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Wir hielten am Strassenrand und blickten neugierig zu dem seltsamen Gespann hinüber, das aus einem Traktor mit Anhänger und einem langen, seitlich ausgefahrenen Förderband bestand. Auf dieses Band legten sechs Arbeiter, die mit dicken Neoprenschützen vor ihren Beinen ausgerüstet waren, die frisch abgeschnittenen Früchte. Oben auf dem Wagen wurden die Früchte nach Grösse sortiert und direkt in Transportschachteln verpackt. Der Chef, Mr. Page, war ein sehr aufgeschlossener Mensch, der uns erklärte, er sei in Ananas geboren, in Ananas aufgewachsen und in Ananas werde er wohl auch sterben. Täglich würden auf seinem Besitz zwischen 10 bis 40 Tonnen Ananas geerntet. Die Felder, so erfuhren wir weiter, werden einmal pro Monat abgeerntet. Was dann reif ist, wird gepflückt, der Rest vergammelt, weil es sich nicht lohnt, häufiger abzuernten.

Nachdem wir ausgiebig fotografiert und gefilmt hatten, schälte uns Mr. Page zum Abschied eine Ananas, die er mit wenigen Schlägen seiner Machete mundgerecht zuschnitt. So konnten wir die Ananas am zurechtgestutzten Kraut halten und mit sabbernden Mundwinkeln die Köstlichkeit essen. Selten hat eine Ananas besser gemundet! Was für ein Unterschied zu den halbreifen Früchten, die es hier zu kaufen gibt. Die Aussies exportieren übrigens keine Ananas, die essen sie alle selber. Mit den Preisenvon der Elfenbeinküste, Costa Rica etc. können sie nicht konkurrenzieren.

Schrecken in Uniform (11)

Bei der Wahl eines Übernachtungsplatzes ist es nicht das Gleiche, ob man vierzehn Tage Ferien oder mehr oder weniger unbeschränkt Zeit für eine Reise hat. Früher konnte ich es mir auch nie vorstellen, dass ich einmal auf einem hundskommunen Parkplatz übernachten würde. Zu Zeiten, als wir noch mit unseren spärlichen paar Wochen Ferien auskommen mussten, übernachteten wir mit dem Campingbus entweder auf einem Campingplatz oder – viel lieber – an einem idyllischen Ort in der freien Natur.

Das Blatt wendete sich, als wir mit unserem Campervan durch Nordamerika kurvten. Zeitlos, ohne gültiges Flugticket zurück in die Heimat, frei wie die Vögel. Es lag schlicht und ergreifend nicht drin, jeden Abend 20 Dollar und mehr für einen Campingplatz auszulegen. Wenn wir uns nicht in einem Nationalpark aufhielten, wo freies Stehen nicht möglich war, suchten wir wenn immer möglich einen kostenlosen Übernachtungsplatz. Das konnte bei einem Supermarkt sein (bevorzugt Wal-Mart), auf einem Wanderparkplatz, bei einer Sehenswürdigkeit oder ähnliches.

Stets beachteten wir allfällig vorhandene Verbotsschilder. “No overnight parking” hiess es meistens. Mit unserem – im Vergleich zu den amerikanischen Wohngondeln – kleinen Fahrzeug konnten wir noch halbwegs unauffällig an einem Parkplatzrand stehen. Halbwegs.

Eines Abends im Staate Nevada hatten wir am Rande einer Sportanlage geparkt. Mitten in der Nacht – wüa-wüa-wüa! Na ja, wir waren jedenfalls sofort hellwach. Das Horn des Polizeiautos konnte nicht ignoriert werden. Es klopfte an der Türe. Mein innig geliebter Mitreisender schob die Vorhänge etwas zur Seite und machte daraufhin das Licht an. Ein Polizist vom Format “doppeltüriger Schrank” stand mit einer Stablampe draussen und beleuchtete unsere verdatterten Antlitze.

Übernachten sei hier verboten, meinte der Uniformierte freundlich und machte uns überdies darauf aufmerksam, dass unser Sticker abgelaufen sei. Der Sticker, muss man wissen, ist so etwas wie die Verkehrsabgabe, und stellte wohl das grössere Delikt dar, als unser Nächtigen am Rande des Sportplatzes. Ausserdem, das musste auch der Uniformierte zugeben, gab es nirgends ein Schild, das Parkieren über Nacht untersagt hätte. Wir versicherten ihm, dass wir auf dem Weg nach Kalifornien seien, wo wir den Sticker erhalten würden, der im Übrigen bereits bezahlt war. Dies reichte dem Polizisten und er fuhr zurieden von dannen.

Um unsere Nachtruhe allerdings war es vorderhand geschehen. Aber wer steht schon freiwillig um 2.00 Uhr auf?

Klimaerwärmung?

Von wegen Eisheilige!

Wetterbericht mit Schneefallgrenze zur besten Sendezeit heute Abend im Schweizer Fernsehen.

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