Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Wintersport

Wandern statt Skifahren

Die Geschichte wiederholt sich. Nun schon zum vierten Mal in Serie.

Lustig ist das schon lange nicht mehr. Die Tourismus-Verantwortlichen in den Bergen und alle, die am Tropf des kränkelnden Winter-Tourismus hängen, können einem wirklich Leid tun. Die Skifahrer, oder diejenigen, die es gerne wären, auch.

Weit und breit kein Schnee! Skifahren ist nur möglich, wo der Natur mit technischem Grossaufwand unter die Arme gegriffen wurde. Und das sieht dann in etwa so aus:

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Brigels liegt immerhin auf 1’300 Metern über Meer. Doch da es den ganzen Dezember keinen Niederschlag gab, geht Familie Flohnmobil an Weihnachten halt wandern statt Ski fahren.

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Ähnliche Bilder gab es in diesem Blog vom Jahr 2015 zu sehen.

Auch wenn es keine Bilder davon gibt, 2014 war Brigels an Weihnachten ebenfalls grün.

Und auch 2013 sah es nicht viel besser aus.

Dennoch, es gab auch Jahre, da lag im Alpenraum richtig viel Schnee, so zum Beispiel an Weihnacht 2011.

 

Das soll jedoch niemanden davon abhalten, die kommenden Festtage zu geniessen.

Fröhliche Weihnachten euch Allen!

Tschau Winter!

Sodeli, jetzt haben wir alles erledigt, was irgendwie noch mit Winter im Zusammenhang stand.

Wir haben unsere Skianzüge gewaschen und imprägniert.

Dem Auto wurde eine letzte Unterbodenwäsche verpasst.

Die Skischuhe wurden auseinander genommen, der Innenschuh gründlich getrocknet, anschliessend gefettet und alles wieder ordnungsgemäss zusammengesetzt und die Schnallen geschlossen.

Mützen, Schals, dicke Jacken, warme Schuhe und alles, was an Winter erinnern könnte, haben wir aus unserem Sichtfeld verbannt.

Die letzten Weihnachts-Guezli wurden gegessen (kein Witz, die Chräbeli aus dem Tiefkühler habe ich extra aufgehoben).

Und selbstverständlich wurden sämtliche Skis gewachst und die Bindungen mit Silikon-Spray konserviert. Bloss gereinigt, nein, auch wenn mein ansonsten so hochgeschätzter Bio-Stein offenbar auch dafür geeignet wäre, gereinigt haben wir die Skis nicht. Die kamen in den vergangenen Monaten ausreichend mit dem nassen Element in Kontakt.

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Von Horn zu Horn zu Horn

“Wir sind in Arosa. Das Wetter ist super. Der Schnee auch.” Dies ist die Kurzform von dem, was ich mir in einer Gondel anhören musste. Die ausführliche Version geht etwas anders.

Es war ein Traumtag. Es war sonnig. Es war kalt. Und windig. Und wegen der Kälte hielt sich der Pulverschnee bestens. Ein genialer Wintersporttag! Mit der Rothorn-Bahn fuhren wir von der Lenzerheide ins eingeheiratete Skigebiet Arosa. Dies ist die zweite Saison, in der sich die beiden Orte zusammengeschlossen haben und zu einem der grössten Skigebiete auf Schweizer Boden geworden sind.

Hier hornt es allenthalben. Vom Parpaner Rothorn fuhren wir zum Hörnli. Im neuen Restaurant auf dem Weisshorn assen wir zu Mittag. An weiteren Hörnern hat die Region zu bieten: Parpaner Rothorn, Aroser Weisshorn, Plattenhorn, Erzhorn, Lenzerhorn, Stäzerhorn. Alles Gipfel zwischen 2’500 und 2’900 m.

Ach ja, und dann gab es noch ein paar Hornochsen. Auf der Piste. Ihresgleichen findet sich leider hüben wie drüben. Wir haben uns den Spass nicht verderben lassen.

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Blick vom Aroser Weisshorn (2’653 m) auf die 2’000 m tiefer gelegene Kantonshauptstadt Chur. Und ein paar weitere Hörner.

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Ein Wintersporttag ganz nach unserem Geschmack. Mit breiten Pisten, wenig Leuten, amüsanter Begleitung und eitel Sonnenschein.

Brot für Brüder

Mein innig geliebter Mitbewohner und mich zieht es ab und zu in die Berge. So auch vergangene Woche.

Und wie das so ist, wenn man sich den ganzen Tag an der frischen Luft aufhält, befällt einem ab und an ein Gefühl des Hungers. Dieses versuchten wir zu tilgen, was uns zwar einigermassen gelang, aber nicht ganz ohne Unstimmigkeiten unsererseits über die Bühne ging. Deshalb setzte ich mich an den PC und schrieb folgendes Mail an den Wirt:

Grüezi mitenand

Wir waren gestern in den Flumserbergen Ski fahren. Als wir kurz nach 12.30 Uhr ein Restaurant fürs Mittagessen ansteuerten, wunderten wir uns, weshalb die Terrasse auf dem Maschgenkamm mitten in der Hochsaison beim perfektesten Skiwetter, das man sich vorstellen kann, nicht auch so gestossen voll war, wie beispielsweise das Panüöl oder am Prodkamm. Im Gegenteil, es gab noch viele leere Tische. Wir fanden es bald heraus: Man hatte uns eine versalzene Gerstensuppe verkauft und für zwei hauchdünne Scheibchen Brot fünfzig Rappen extra verlangt.

Wir können durchaus nachvollziehen, warum Sie nicht nach Belieben Brot zur Verfügung stellen, denn es wird immer Gäste geben, die zu einer Bouillon fünf Scheiben Brot einheimsen. Aber unter dem einen Stück Brot, das im Preis der Suppe inbegriffen ist, stellen wir uns weiss Gott nicht nur eine angetrocknete Scheibe von einem Zentimeter Dicke vor!

Wie offenbar schon viele Gäste vor uns werden auch wir unsere Lehren ziehen und Ihr Lokal künftig meiden.

Mit freundlichen Grüssen
Herr und Frau Flohnmobil

Es dauerte keine 24 Stunden, schon flatterte eine Antwort in meinen Briefkasten.

Guten Abend

Es freut uns dass sie den Flumserberg besucht haben.

Dass sie bei uns eine versalzene Gerstensuppe erhalten haben tut uns sehr leid. Leider haben sie uns nicht vor Ort die Möglichkeit gegeben unseren Fehler wieder gut zu machen, sodass uns im Nachhinein nichts anders bleibt als uns bei ihnen zu entschuldigen.

Mit freundlichen Berggrüssen

Lars Zischg

Dass ich die versalzene Suppe nicht im Nachhinein reklamieren muss, ist mir sehr wohl bewusst. Aber ich verspürte wirklich wenig Lust, mit den Skischuhen nochmals ans Buffet zurück zu gehen. Auf die Sache mit dem Brot wird nicht eingegangen. Wie ich schon geschrieben habe, wir haben unsere Konsequenzen gezogen!

Bin ich so kleinlich, mittlerweile gar etwas realitätsfremd, wenn ich mich über ein Stückchen Brot aufrege, das meiner Meinung nach symptomatisch für die Schweizer Tourismusbranche ist?

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Gleiche Farbe – neues Panorama

Die Wetterfrösche hatten für heute sonniges Wetter in den Bergen vorausgesagt und da mein innig geliebter Mitbewohner und ich es bereits wieder satt hatten, unter dem Nebel zu hocken, liessen wir den Wecker über uns ergehen und fuhren zum Skifahren.

Das früh Aufstehen hat sich gelohnt. Nicht nur, weil bekanntermassen während den Schulferien im Februar in den Flumserbergen mit jeder Minute mehr Leute einfahren, sondern auch, weil die Pisten morgens noch die Anstrengungen der Ratrac-Fahrer erkennen lassen. Im Verlauf des Tages haben die Pisten dann allerdings ziemlich gelitten und der Mitbewohner und ich klopften uns gegenseitig auf die Schultern für unsere Tapferkeit, derart früh aus den Feder gestiegen zu sein.

Wie man aus dem ersten Bild erkennen kann, war es immerhin schon hell, als wir auf dem 2’222 m hohen Leist standen und in die Nebelsuppe Richtung Zürichsee blickten.

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Die Pisten waren insgesamt nicht mehr das Gelbe vom Ei. Von den 130 cm Pulverschnee, die der Pistenbericht verspricht, haben wir jedenfalls nichts gemerkt. Weder 130 cm noch „Pulver“; zu lange hat es schon nicht mehr geschneit und zu sehr hat die Sonne schon gewirkt.

in einem allerdings hatten sich die Wetterfrösche gründlich geirrt. Sie versprachen uns nämlich einen wolkenlosen Himmel. Voll daneben getippt!

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Vielleicht sollte ich doch wieder mal meine Digicam mitnehmen und mich nicht auf die Fotoqualitäten meines Handys verlassen. Die Farbenpracht leidet etwas, der Himmel war – abgesehen von den vernachlässigbaren Schleierwolken oder was immer für Wolken das gewesen sein mögen – wirklich knütschblau.

Des Winters Freuden

Wen hätte es bei diesem Wetter heute nicht ins Freie gelockt? Tiefblauer Himmel, glitzernder Pulverschnee, frisch verschneite Bäume. Eine Wucht! Ein Wintermärchen der Sonderklasse, das wir uns nach den letzten paar Tagen mit heftigem Schneetreiben mehr als verdient haben.

Wintersportfreuden konnte praktisch jeder mehr oder weniger vor der eigenen Haustüre frönen. Da müssen Langlauf-Skis zum Vorschein gekommen sein, die auf den ersten paar Schritten eine Dreckspur vom jahrelangen Aufenthalt im Estrich hinter sich her zogen. Skianzüge (oder was dafür gehalten wird), die einen Umweg übers Brockenhaus hinter sich haben, wurden endlich mal wieder ausgelüftet. Mit unförmigen Moonboots tappten die Leute durch den Schnee, der dicke Schal nach Mottenkugeln stinkend. Mamis und Papis zogen ihren dick eingemümmelten Nachwuchs auf dem Schlitten hinter sich her. Selbst in tiefgelegenen Ortschaften sind untereins Skiliftchen in Betrieb. Tageskarte zu weniger als 10 Franken. Querfeldein versauten die Patscher mit ihren Schneeschuhen die jungfräulichen Flächen. Ganz zu schweigen von den Skigebieten. Dort dürfte es hoch zu und her gegangen sein. Ein kurzer Blick in die Webcam der Flumserberge hat mich schnell überzeugt, dass ich heute zu Hause besser aufgehoben war.

Dennoch: Im Moment sind wir ein einig Volk von Wintersportlern. Mal schauen, wie lange die Euphorie noch anhält.

Frische Brise

Mitten in der grössten Affenhitze habe ich folgende Zeitung aus dem Briefkasten gefischt:

Keine vier Monate, und landauf-landab wird man wieder auf Schnee hoffen und bangen. Wenigstens für den Abend des 24. Dezembers.

Beim Gedanken an Wintersport fühle ich mich sogleich etwas erfrischt. Und sollte diese Frische nicht lange anhalten, kann ich mir immer noch mit der Zeitung etwas Luft zufächeln, bevor sie auf dem Altpapier-Haufen landet.

Tierisches Vergnügen

Wenn man mal ein paar Tage nacheinander auf den Skiern gestanden ist, und nicht mehr ständig drauf achten muss, dass man das rechte und das linke Bein nicht verwechselt, beginnt man plötzlich wieder, die Welt um sich herum wahrzunehmen. Und dann fällt einem auf, dass man von lauter Tieren umgeben ist.

Da sind beispielsweise die Schneehühner, die sich meist laut gackernd in Gruppen zusammenfinden. Das Pendant dazu, der Schneegockel, legt ein ganz anderes Verhalten an den Tag. Er ist in erster Linie darauf bedacht, dass sein Kamm, pardon seine Haarpracht, unversehrt bleibt. Er erlaubt sich deshalb allerhöchstens ein Stirnband, ganz egal, wie sehr ihm der Wind um die Ohren pfeifen mag. Für die Schneehühner hat seinesgleichen nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Er macht Jagd auf Schneehäschen, die seine Qualitäten mehr zu schätzen wissen. Denn Schneehäschen gehen in erster Linie an die frische Luft, um ihr todschickes Outfit zu präsentieren, Skifahren ist für sie Nebensache.

Nebst den nervigen Trampeltieren, die einem beim Anstehen am Skilift immer auf den Skienden herumstehen, fällt am gleichen Ort ein anderes Tier auf: die Taubschleiche. Sie schlängelt sich hemmungslos zwischen den Wartenden durch und wenn man sie darauf anspricht, stellt sie sich ebenso taub wie dumm.

Sie sind auf diesen Breitengraden zwar nicht heimisch, aber die Giraffen haben ihren festen Platz am Pistenrand erobert. Im Idealfall stehen sie gemächlich auf Beobachtungsposten, wenn es aber dumm kommt, schneien sie aus allen Rohren und man erhält im Vorbeifahren eine weisse Glasur. Ebenso zu den Immigranten gehören die Alpenkängurus, die durch ihre unberechenbaren Sätze andere Skifahrer gefährden.

Es wurde schon lange gemunkelt, dass Wildschweine intelligente Tiere sind. Mittlerweile haben sie den Beweis erbracht und haben sogar gelernt, die Sessellifte zu benützen. Leider lässt ihr Verhalten auf den Pisten sehr zu wünschen übrig. Nicht nur das, sie scheinen sich in den Alpenregionen wohl zu fühlen und vermehren sich geradezu explosionsartig.

Von der eher harmlosen Sorte sind die Walrösser, die dank ihrer dicken Fettschicht selbst bei 20 Grad minus nur leicht beschürzt die Pisten stürmen. Doch wehe, wenn sich ein solcher Fleischberg neben dich auf den Sessellift plumpsen lässt, dann wird’s eng!

Vergessen wir nicht die Schafe, die ihrem Leithammel (je nach Gegend auch unter dem Begriff „Skilehrer“ bekannt) folgen und mit unterschiedlichem Erfolg versuchen, seine Schwünge nachzufahren.

Geradezu in prähistorische Zeiten zurückversetzt fühlt man sich, wenn ein Dinosaurier die Piste quert. Woran man ihn erkennt? An seinen mindestens 20 Jahre alten, ellenlangen Skis, die von vorne bis hinten gleich breit sind („Pommes Frites“), den Skischuhen mit Museumscharakter, einer ausgebleichten Jacke und einer SKA-Mütze auf dem baren Haupt. Für solche Kreaturen hat die Eule nur ein mildes Lächeln übrig. Aber meist begegnen sich die beiden Spezies ohnehin nicht, denn die Eule verlässt ihr Nest nach einer anstrengenden Nacht frühestens um die Mittagszeit und wenn sie nicht einen Wochenskipass im Sack hätte, würde sie erst nach der Pistenkontrolle das erste Mal frische Luft schnuppern.

Etwas untypisch für Skigebiete, aber dieses Jahr aufgrund der speziellen Schneesituation gehäuft anzutreffen sind Fische. Deren Mäuler haben sich in den vergangenen schneefreien Tagen immer mehr geöffnet und furchterregende Einblicke in die mächtige Schneedecke, Gletscherspalten gleich, freigegeben. (Der Begriff „Fischmaul“ ist übrigens keine Erfindung von mir, sondern die offizielle Bezeichnung für solche Risse in der Schneedecke.)

Die Vogelwelt ist auffallend gut vertreten. Nicht nur in Form von Schluckspechten, die erst nach dem Skitag an der Bar zur Hochform auflaufen, sondern auch als ganze Schwärme kreischender Vögel. Sind es Kraniche, Elstern oder doch nur Kanarienvögel? Ich konnte diese Gruppen von Jugendlichen zoologisch noch nicht richtig zuordnen.

Angesichts dieser doch stark übervertretenen Tierwelt mag ich es meinem innig geliebten Mitbewohner gönnen, dass er wenigstens einen richtigen Menschen auf der Piste angetroffen hat.

Schneehöhen – oder: „Mathematik für Anfänger“

Der Winter hat – nach einem fulminanten Start – eine arge Schwäche eingefangen. Einmal im Winterurlaub möchte selbstverständlich jeder schönes Wetter. Deshalb scheint Schneemangel dann das kleinere Übel zu sein, als ständig schlechtes Wetter, dafür viel Neuschnee. Aber mit diesem Wetter, das uns die vergangenen Wochen beschert haben, kann es bestenfalls noch Schneezuwachs aus der Kanone geben. Aber ohne Naturschnee (für mich ohnehin so etwas wie das Unwort des Jahrhunderts), dafür mit weissen Kunstschneebändern, fehlt der schönsten Berglandschaft der Winterzauber. Kürzlich hat ein Zermatter Touristiker verlauten lassen, im Nobelkurort könnten mittlerweile fast alle Pisten beschneit werden, so gesehen sei der Naturschnee nur noch Dekoration.

Ich frage mich nun aber, wie viel von der besagten „Dekoration“ wirklich noch in den Bergen liegt. Und in welchem Schattenloch, fernab jeglicher Pisten, die Schneehöhen gemessen werden. Im Tages-Anzeiger werden jeden Tag die aktuellen Schneemengen im Tal und auf dem Berg publiziert. Gewisse Orte nehmen es da sehr, sehr genau. Gstaad beispielsweise gibt 4/240 cm an. In Crans Montana sollen 3/170 cm liegen und selbst die Sonnenterrasse Braunwald gibt 30/40 cm vor. Die Lenzerheide rühmt sich gar, im Tal noch 30 cm Schnee zu haben. Deshalb kann ich mir nicht erklären, dass gewisse Loipenabschnitte gar nicht offen sind. Null Schnee im Tal will keine der in der Zeitung aufgeführten Skistationen einräumen. Vielerorts stehen seit Wochen die gleichen Zahlen im Schneebericht, obschon es lange Zeit frühlingshaft warm war und sich ein beträchtlicher Teil des Schnees verabschiedet hat.

In den vergangenen Tagen hat es einige Flocken geschneit. Bleibt zu hoffen, dass sich dadurch die publizierten Zahlen wieder etwas den tatsächlichen Begebenheiten annähern und dieser Winter nicht als kalter Sommer in die Annalen eingeht.

Mit vier Beinen im Leben

Er stand regungslos auf einem Felsvorsprung und konnte nicht anders, als seinen Kopf schütteln ab dem, was weit unter ihm vorging. Wie immer um diese Jahreszeit musste sich der Steinbock in den entlegensten Winkel seines Reviers zurückziehen. Alles andere wäre unverantwortlich, ungesund, töricht gewesen.

Sie hatten sein Reich erobert, die bunt gekleideten Figuren aus dem Unterland. Hatten weder Mühe noch Aufwand gescheucht. Frühmorgens schellte sie der Wecker aus ihren Träumen, sie quälten sich Schicht um Schicht in ihre wärmenden Klamotten, quetschten sich in ihre Sardinenbüchsen, reisten karawanenmässig in Richtung Alpen. Auf dem Parkplatz schmiss es sie zuerst mal auf den Arsch, weil sie mit ihren Savannen-Huschern völlig unangebrachtes Schuhwerk trugen, doch wenn sie ihre Füsse in die Skischuhe gezwängt hatten, erging es ihnen auf dem hartgefrorenen Schnee nicht viel besser. Dann stellten sie sich in eine lange Schlange vor der Kasse und wenn sie erstmal für die ganze Familie einen Skipass erstanden hatten, waren sie nicht nur viel Geld los, sondern auch lediglich ein paar wenige Meter weiter auf dem Trampelpfad in Richtung der weiss-glitzernden Pisten.

Der Steinbock verstand nicht, warum sie im Winter alle in die Berge drängten. Dieser kalten, unfreundlichen Jahreszeit, wo das Futter knapp und das Gehen so beschwerlich war. Doch die dort unten schien das alles nicht zu stören. Wenigstens hatte er herausgefunden, dass sie ihm zwar den Raum, nicht aber das Futter streitig machten. So musste er halt jeden Abend warten, bis die Gestalten verschwunden waren, bevor er sein Revier betreten konnte. Besonders kälteresistent schienen die ohnehin nicht zu sein, verzogen sie sich doch zum Fressen meist ins Innere eines Gebäudes. Neuerdings hatten die Meisten etwas seltsam Hartes auf den Kopf. Hörner waren das nicht, dessen war sich der Steinbock ganz sicher. Sonst hätte er, wenn er allen seinen Mut zusammennahm, diese vorlauten Geschöpfe vielleicht in einem ehrlichen Kampf von Bock zu Bock aus seinem Revier vertreiben können.

Der Steinbock verdrängte seine Gedanken. Sie waren reine Energieverschwendung. Er wusste nur zu gut, dass er bei Begegnungen mit diesen Wesen immer den Kürzeren zog. Gerade wollte er sich abwenden, da ertönte ein lautes Geräusch. Er fuhr zusammen und duckte sich näher an die kahlen Felsen heran. An diesen rot-weissen Vogel am Himmel würde er sich nie gewöhnen. Mit einer Mischung aus Furcht und Neugierde beobachtete er aus sicherer Distanz, wie der Vogel zu einem Haufen aufgeregt winkender Figuren hinunter stach. Warum, so wunderte er sich zum x-ten Mal, lernten es die Viecher dort nicht, dass man in den Bergen auf vier Beinen besser aufgehoben war als auf zwei.