Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Verordnete Lebensfreude

Sie muss es mir irgendwie angesehen haben, die Dame hinter der Migros-Kasse, als sie mich so grosszügig mit Müsterli eindeckte. “Lebensfreue” stand da drauf. Inhalt: Eine Tüte voll Sonnenschein. Die Migros-Frau deckte mich gleich mit vierfacher Lebensfreude ein, die in der Form eines Duschmittels von Kneipp daherkommen sollte.

Da mir derzeit zwar die Lebensfreude etwas abhanden gekommen ist, ich mich aber dennoch ab und zu veranlasst sehe, unter die Dusche zu stehen, probierte ich das Zeugs aus. Um es kurz zu machen: Von den Versprechungen auf der Broschüre trat erwartungsgemäss weder “Zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht” noch “Vorsicht, macht süchtig” ein. Selbst die Prophezeiung “Was Pessimisten zu Optimisten mach: ihr Duschgel” würde ich jetzt für mich nicht zwingend verbuchen. Allenfalls die “Spritzige Stimmung unter der Dusche” ward wahr.

Dennoch schaute ich mir das Broschürchen, in dem das Müsterchen eingeklebt war, etwas genauer an und musste resigniert feststellen, dass ich den Termin für den Wettbewerb verpasst hatte. Als Hauptpreis hätte es ein Verwöhn-Wochenende für 2 Personen im 7132 Hotel in Vals im Wert von 2’000 Franken gegeben.

Leider entzieht es sich meiner Kenntnis und auch meinen Fähigkeiten, wie man an einem einzigen Wochenende derart viel Geld ausgeben kann. Ausserdem hege ich den Verdacht, dass damit wohl kaum restlos alle anfallenden Kosten gedeckt wären. Bestimmt müssten die Getränke extra berappt werden. Und das wird hierzulande bekanntlich recht teuer. Sieht man mal davon ab, dass es in den thermalen Fluten Valser Wasser à discrétion gäbe.

Leider ein sehr ungelungenes Beispiel helvetischer Preisgestaltung: die Eintrittspreise der Therme Vals. Wer geht schon für 80 Franken am Tag baden?

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Eine pass-able Fortsetzung

Hier noch die dritte und letzte Etappe unserer Wanderung die wir von Montag bis Mittwoch dieser Woche gemacht haben.

Den Wecker hätten wir uns sparen können. Einhundert Meter Luftlinie zum Kirchturm von Vals und zwei geöffnete Fenster reichten völlig aus, um uns noch vor dem Handy-Gedudel aus dem Schlaf zu reissen. Immerhin, zwischen 22.00 und 6.00 Uhr war es ruhig gewesen. Zumindest was den Kirchturm betraf.

Grundsätzlich hätten wir im Hotel erst ab 8.00 Uhr Frühstück erhalten. Das war – insbesondere in Anbetracht des Wetterberichts, der für den Nachmittag Gewitter angekündigt hatte – mindestens eine Stunde zu spät. Wir waren aber nicht die einzigen wandernden Gäste im Hotel und so stellte man alles bereit, damit wir uns selber bedienen konnten. Fast alles. Denn es hatte weder Teller noch Zucker. Auf dem papierenen Tischset mein Brot streichen war ja noch vertretbar, aber Kaffee ohne Zucker – wääääk!

Die ersten 90 Minuten des Aufstiegs verliefen angenehm im Schatten. Angenehm nicht was die Steilheit, sondern die Temperaturen betraf.

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Der Weg führte hoch oberhalb des Peiltals durch vereinsamte Alpweiden. Das Vieh war bereits weiter oben. Ein abschweifender Blick in die Ferne gab den Blick aufs “Bündner Matterhorn”, das Zervreilahorn, frei.

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Dass wir unterwegs den Weg verfehlten, will ich hier nicht weiter ausschlachten. Der Lapsus bescherte uns einige zusätzliche Höhenmeter und eine gute halbe Stunde Mehrzeit.

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Der Weg nervte mich insgesamt etwas, verlief er doch zwischendurch entlang von hohem Gras, um nicht zu sagen hüfthohen Brennnesseln. Das Vergnügen in kurzen Hosen hielt sich in Grenzen.

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Entschädigt wurde ich einmal mehr durch die Blumen am Wegrand.

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Auf gut 2’000 Metern weideten die Rinder. Ihr Gebimbel liess uns beschwingt die letzten der 1’250 Höhenmeter in Angriff nehmen.

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Auf den letzten Metern war der Weg steinig, aber gut begehbar.

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Oben auf dem Valserberg (2’504 m) gab es eine wohlverdiente Pause. Die ganze Umgebung ist gespickt mit alten Militär-Anlagen. Wir fanden allerdings nicht schlüssig heraus, welchen Felsen genau unsere Armee hier verteidigt hatte.

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Es folgte “nur” noch der Abstieg. Das Wetter schien zu halten. Die gestrige und heutige Etappe sind übrigens Teil der 19-tägigen Walserwegs, der von San Bernardino bis ins vorarlbergische Brand führt.

Obschon noch weit entfernt, hörten wir bereits den Strassenlärm der San-Bernardino-Strasse. Im Dunst ist der Zickzack der Passstrasse zu erkennen.

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Wir entschieden uns, den Abstieg nach Nufenen statt nach Hinterrhein zu nehmen. Im Nachhinein gesehen vielleicht nicht die klügste aller Entscheidungen. Wohl war der Weg markiert, aber das war dann auch schon alles. In steilem, praktisch weglosem Gelände stolperten wir zu Tale, unsere Füsse immer runder.

Der Rest ist schnell erzählt. Postauto zurück nach Splügen. Heimfahrt. Beinahe undurchdringliche Regenwand bei Sargans. Keine Blasen an den Füssen. Grosse Genugtuung über eine schöne, dreitägige Tour in unseren herrlichen Schweizer Bergen bei Prachtswetter und das Wissen, wieder mal etwas nicht Alltägliches vollbracht zu haben.

Wer den Anfang verpasst hat: Hier geht es zum ersten und zweiten Teil der Wanderung von Splügen über Safierberg ins Safiental, weiter über den Tomülpass nach Vals und schliesslich (oben beschrieben) über Valserberg zurück nach Nufenen.

Und was pass-iert als nächstes?

Die Nacht war etwas unruhig. Kein Wunder, im Turrahus hört man jeden Furz; schon beim blossen Gedanken, mitten in der Nacht den Weg zur Toilette zu suchen, kracht das 300-jährige Gebälk. Was uns mehr beschäftigte, war das Wetter, hatte es doch am Abend sage und schreibe eine Stunde lang ergiebig geschüttet.

Der Blick frühmorgens aus dem Fenster zerstreute sämtliche Bedenken. Keine Wölklein waren auszumachen. Kurz vor acht Uhr brachen wir auf Richtung Tomülpass. Der Weg war angenehm zu begehen, keine eigentlichen Rampen. Er ist sogar für Mountain-Biker ausgeschildert. Allerdings muss man da schon ziemlich sicher im Sattel sein. Und selbst die grössten Profis müssen hier ab und zu ihr Rad schieben.

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Wir jedoch waren bekanntlich zu Fuss unterwegs und jeder einzelne Schritt war purer Genuss. Immer wieder musste ich stehen bleiben. Nicht, um Atem zu holen, sondern um die grandiose Szenerie zu geniessen und Blüemli zu fotografieren. Diese präsentierten sich nach dem Regen der vergangenen Nacht noch etwas zerzaust.

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Kurz vor Erreichen der Passhöhe flitzte ein pelziges Etwas wenige Meter vor uns auf dem Weg davon. Wir gingen ein paar Schritte weiter, ich machte die Kamera scharf und schon kam der Mungg wieder zum Vorschein. Mein lieber Kleiner, du musst noch etwas anfressen, damit du gut über den nächsten Winter kommst!

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Und schon waren wir oben. 800 relativ gemütliche Höhenmeter. Allerdings praktisch vom ersten Meter an in der Sonne, und die heizte kräftig ein.

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Auf der anderen Seite des Tomülpasses änderte sich die Szenerie, und vor allem die Bodenbeschaffenheit. Das blühende Wollgrass ist ein sicheres Indiz, dass hier nicht nur nach einem Regenschauer überall Wasser aus dem Abhängen läuft.

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Nach einer längeren Pause am mäandrierenden Bach von Riedboda ging es unweigerlich an den Abstieg. Als ich den ersten Blick durch den steilen Bannwald von Vals bis runter ins Dorf werfen konnte, haute es mich fast um. So steil! So weit unten! Tja, 600 Höhenmeter sind 600 Höhenmeter. Und mit jedem Schritt, dem wir dem Talboden näher kamen, wurde es heisser.

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In gebührendem Abstand zu uns lief eine vierköpfige Familie, die die gleiche Route gewählt hatte und die wir immer wieder antrafen. Der Zehnjährige soll am Ende des Tages in Vals gesagt haben, seine Füsse seien nun aber wirklich irreparabel. Wie wir aus zuverlässiger Quelle wissen, hat ein Aufenthalt vor dem Fernseher im Hotelzimmer diesbezüglich wahre Wunder vollbracht.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich steuerten unsere temporäre Bleibe an. Das Hotel Edelweiss befindet sich direkt am Dorfplatz von Vals, wo sich ausser unter den Sonnenschirmen der beiden Restaurants kein Schatten fand. Entsprechend waren die Temperaturen.

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Unsere beiden Gäste, meine Mutter und ihr Partner, hatten wir ins Valsertal gelotst um abends gemeinsam essen zu gehen. Das Restaurant Glenner kann ich wärmstens empfehlen. Noch nie habe ich ein so flächendeckendes Gordon-Bleu im Teller meines Mitbewohners gesehen! Auch mein Lammfilet war ein Gedicht.

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Daraus baut man in Zürich den Sechseläutenplatz. In Vals wird der in der Nähe abgebaute Quarzit zur soliden Brücke.

Hier geht es zur ersten und dritten Etappe unserer Wanderung.