Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Schrecken in Uniform (11)

Bei der Wahl eines Übernachtungsplatzes ist es nicht das Gleiche, ob man vierzehn Tage Ferien oder mehr oder weniger unbeschränkt Zeit für eine Reise hat. Früher konnte ich es mir auch nie vorstellen, dass ich einmal auf einem hundskommunen Parkplatz übernachten würde. Zu Zeiten, als wir noch mit unseren spärlichen paar Wochen Ferien auskommen mussten, übernachteten wir mit dem Campingbus entweder auf einem Campingplatz oder – viel lieber – an einem idyllischen Ort in der freien Natur.

Das Blatt wendete sich, als wir mit unserem Campervan durch Nordamerika kurvten. Zeitlos, ohne gültiges Flugticket zurück in die Heimat, frei wie die Vögel. Es lag schlicht und ergreifend nicht drin, jeden Abend 20 Dollar und mehr für einen Campingplatz auszulegen. Wenn wir uns nicht in einem Nationalpark aufhielten, wo freies Stehen nicht möglich war, suchten wir wenn immer möglich einen kostenlosen Übernachtungsplatz. Das konnte bei einem Supermarkt sein (bevorzugt Wal-Mart), auf einem Wanderparkplatz, bei einer Sehenswürdigkeit oder ähnliches.

Stets beachteten wir allfällig vorhandene Verbotsschilder. „No overnight parking“ hiess es meistens. Mit unserem – im Vergleich zu den amerikanischen Wohngondeln – kleinen Fahrzeug konnten wir noch halbwegs unauffällig an einem Parkplatzrand stehen. Halbwegs.

Eines Abends im Staate Nevada hatten wir am Rande einer Sportanlage geparkt. Mitten in der Nacht – wüa-wüa-wüa! Na ja, wir waren jedenfalls sofort hellwach. Das Horn des Polizeiautos konnte nicht ignoriert werden. Es klopfte an der Türe. Mein innig geliebter Mitreisender schob die Vorhänge etwas zur Seite und machte daraufhin das Licht an. Ein Polizist vom Format „doppeltüriger Schrank“ stand mit einer Stablampe draussen und beleuchtete unsere verdatterten Antlitze.

Übernachten sei hier verboten, meinte der Uniformierte freundlich und machte uns überdies darauf aufmerksam, dass unser Sticker abgelaufen sei. Der Sticker, muss man wissen, ist so etwas wie die Verkehrsabgabe, und stellte wohl das grössere Delikt dar, als unser Nächtigen am Rande des Sportplatzes. Ausserdem, das musste auch der Uniformierte zugeben, gab es nirgends ein Schild, das Parkieren über Nacht untersagt hätte. Wir versicherten ihm, dass wir auf dem Weg nach Kalifornien seien, wo wir den Sticker erhalten würden, der im Übrigen bereits bezahlt war. Dies reichte dem Polizisten und er fuhr zurieden von dannen.

Um unsere Nachtruhe allerdings war es vorderhand geschehen. Aber wer steht schon freiwillig um 2.00 Uhr auf?

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Schrecken in Uniform (10)

Wenn man im Ausland unterwegs ist, muss man sich den dort herrschenden Sitten, Gebräuchen und vor allem Gesetzen beugen. Oder zumindest tut man das mit Vorteil, sonst könnte es sich früher oder später zum eigenen Nachteil wenden.

Als wir unser Visum für Australien beantragten, füllten wir gewissenhaft den Fragebogen aus, legten alle verlangten Unterlagen bei und brachten den Umschlag zur Post. Ein gewisses mulmiges Gefühl kam dabei schon auf, einfach den Reisepass in die australische Botschaft nach Berlin, in unserem Falle also ins Ausland, zu schicken. Doch schon wenige Tage später hatten wir unsere Reisepässe wieder – und staunten nicht schlecht. Die Aussies hatten uns gleich ein Visum für ein ganzes Jahr in den Pass geklebt, was Seltenheitswert hatte. Der Durchschnittstourist musste sich damals nämlich mit einem sechs Monate gültigen Visum zufriedengeben.

Innert Jahresfrist durften wir mehrfach einreisen und jedes Mal bis zu zwölf Monate bleiben. Derart bestückt reisten wir sorglos ins Land der Kängurus. Der Haken an der Sache war bloss: Noch bevor wir einen Fuss auf den Roten Kontinent gesetzt hatten, war uns klar, dass wir länger als ein Jahr bleiben wollten. Und so trabten wir rechtzeitig in Cairns im Immigration Office an, um unsere Aufenthaltsbewilligung verlängern zu lassen. Dort ritt der zwar freundliche aber bestimmte Beamte auf den Paragrafen rum und suchte krampfhaft nach Argumenten, weshalb unser Visum gemäss gültigem Gesetz nicht verlängerbar war. Wir mussten die Kröte schlucken und zur Kenntnis nehmen, dass weder das Visum, noch die damit verbundene Aufenthaltsbewilligung innerhalb von Australien verlängerbar war. Der Beamte empfahl uns, aus- und wieder einzureisen um innerhalb unseres noch gültigen Visums die Aufenthaltsbewilligung um weitere 12 Monate zu erneuern.

No worries, mate! Das war ja ganz einfach. Nur kurz über die Grenze und husch wieder zurück. Na wenn’s weiter nichts ist! Dummerweise besteht die australische Landesgrenze ausschliesslich aus Meereswasser und folglich war das Prozedere mehr als nur ein kurzer Spaziergang. So kam es, dass wir unsere Reise in Australien unterbrachen, um mal kurz ein paar Tage Ferien in Neuseeland zu machen.

Der Amtsschimmel wieherte sich halb tot, als er unserem Flugzeug hinterher sah. Aber als wir wieder in Australien einreisten, führte er sich tadellos auf.

Schrecken in Uniform (9)

In meiner kleinen Serie über schreckliche Uniformierte bzw. Schrecken, die uns Uniformierte eingejagt haben, befanden sich die Schauplätze grösstenteils ausserhalb Europas. Das wirft ein völlig falsches Bild auf die Alte Welt, das ich mit diesem Beitrag sofort berichtigen möchte.

Beim Anblick des riesigen Parkplatzes beim Eingang 2 zum Krka Nationalpark in Kroatien hätte sich jeder Wohnmobilfahrer in Gedanken einen Übernachtungsplatz ausgemalt. Das erging uns nicht anders, als wir gegen Abend dort eintrudelten. Wir suchten für unser Womi eine ruhige Ecke aus, wo es anderntags im Schatten stehen konnte, während wir den berühmten Nationalpark, in dem schon Winnetou vor der Kamera stand, besuchten. Am Rande des Parkplatzes gab es einen „offiziellen“, gebürenpflichtigen Stellplatz, der aber lediglich aus einem eingezäunten, steinigen Acker bestand. Das machte uns natürlich bereits ein wenig misstrauisch. Doch vorerst genossen wir den Abend, schmissen den Grill an und liessen es uns gut gehen.

Als um 20.00 Uhr der Park seine Pforten schloss, verzogen sich auch noch die letzten Fahrzeuge. Bis auf dasjenige des Parkwächters. Dieser machte uns unmissverständlich klar, dass das Übernachten hier nicht geduldet würde. Wir hatten keinen Bock, für 30 Kuna (umgerechnet zwar nur knapp 8 Franken) auf dem zugemüllten, vollgeschissenen (sorry) Stück Brachland, das sich Stellplatz schimpfte, zu übernachten und fuhren drum von dannen. Was danach folgte, musste wohl ein Schauspiel sein, das sich mehr oder minder jeden Abend von neuem abspielte. An jedem Campingplatz nämlich, an dem wir auf unserer Fahrt vorbeifuhren, standen die eifrig winkenden Besitzer am Strassenrand in freudiger Erwartung einer fetten Beute. Zumindest in unserem Fall machten sie alle ein langes Gesicht, denn wir zogen es vor, uns auf dem Parkplatz von Skradin, einem weiteren Ausgangspunkt für den Nationalpark, einzuquartieren.

Dort verbrachten wir – im Beisein von weiteren Wohnmobilen – eine ruhige Nacht. Der Parkplatz war von abends 20.00 bis morgens 8.00 Uhr frei zugänglich. Tagsüber wurden Gebühren fällig, die wir in Anbetracht des guten Ausgangspunktes gerne bezahlten.

Der Krka-Nationalpark, so unaussprechlich sein Name auch sein mag, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Es empfiehlt sich, morgens bei den Ersten zu sein, so hat man eine reelle Chance, auf den eingerichteten Wegen und Stegen nicht alles im Gänsemarsch absolvieren zu müssen.

In der Bildmitte gut sichtbar ist der Parkplatz von Skradin. Der Ort wird vom Meer aus mit Segelbooten häufig angefahren. Ab hier verkehren Schiffe in den Krka Nationalpark. So wie dieses:

Schrecken in Uniform (8)

Der Einreisebeamte an der US-kanadischen Grenze blätterte lustlos durch unsere Reisepässe. Nein, lautete das Ergebnis seiner Recherche, er könne uns nicht in die USA einreisen lassen. Der Uniformierte gab als Grund an, dass wir schon zu lange nicht mehr in unserem Heimatland gewesen seien. In Tat und Wahrheit waren wir bereits 1 1/2 Jahre unterwegs in den USA  und Kanada. Mit einem Unterbruch – wir waren mal für drei Monate zu Hause beim Skifahren.

Wir liessen uns nicht anmerken, dass ein abschlägiger Entscheid unsere Reisepläne total über den Haufen geworfen hätte, waren wir doch auf dem Wege nach Mexiko. Stattdessen spulten wir unser Repertoire an sorgfältig einstudierten Argumenten ab. Den Beamten schien aber weder zu interessieren, dass wir unseren in den USA gekauften Camper auch wieder dort verkaufen mussten, noch, dass wir keineswegs beabsichtigten unterzutauchen, und dass wir in Switzerland eine Wohnung hätten, die wir in absehbarer Zeit wieder bewohnen wollten. Auch unsere Frage, was denn so falsch dran sei, unser Geld in seinem Land auszugeben, brachte den pflichtbewussten Mann nicht von seinem eingeschlagenen Weg ab.

Er verlangte unseren Autoschlüssel, forderte uns auf, zu warten und verschwand in Richtung Camper. Was immer er dort gesucht haben musste – Drogen, Waffen oder eine versteckte Schwiegermutter – er wurde nicht fündig. Stattdessen kam er mit einer Aktenmappe zurück, in der wir die für uns wichtigen Papiere aufbewahrten. Zu seinem Leidwesen war praktisch alles auf Deutsch. Dann wollte er mein Portemonnaie haben und zerpflückte den gesamten Inhalt vor meinen Augen. Auch dort fand sich nichts Verdächtiges.

Einfach vor dem Schalter stehen bleiben, nur etwas sagen, wenn wir gefragt werden und immer schön nett sein, lautete unserer Devise. Derweil verzog der Beamte sich zum x-ten Mal in ein Glaskabäuschen vor einen Bildschirm. Da wir unseres Wissens bis heute in keiner Verbrecherkartei zu finden sind, brachte auch das kein Resultat. Nach einem letzten Gespräch mit seinem Vorgesetzten blieb dem Beamten nichts anderes übrig, als uns nach über einer Stunde Wartezeit am Schalter die Einreise zu genehmigen. Er schraubte an einem Stempel rum und knallte den begehrten Eintrag in unsere Pässe. Dieser besagte, dass wir bis 31. Februar des folgenden Jahres bleiben durften.

Man sagt, Amerika sei das Land der unbeschränkten Möglichkeiten. Wir hielten den schriftlichen Beweis dafür in den Händen.

Dieser Geschichte gilt es eines anzufügen: Sie ereignete sich vor 9/11. Wie strikte die Einreisebestimmungen in einem ähnlichen Fall heutzutage gehandhabt würden, darüber kann man nur spekulieren.

Schrecken in Uniform (7)

Irgendwann hat alles sein Ende und so flogen auch wir im Juni 2001 nach über zwei Jahren Reise durch Nordamerika wieder nach Hause. Der Flug stand unter keinem guten Omen, mussten wir doch bereits vor 6.00 Uhr am Flughafen in Seattle sein und flogen dann – gähn – mit über einer Stunde Verspätung erst los. Unsere Chancen, den Anschlussvogel in die Heimat zu erwischen, waren verschwindend klein, denn wir kamen erst 15 Minuten vor dem geplanten Weiterflug in Atlanta an.

Da wir kein gesteigertes Interesse daran hatten, unseren USA-Aufenthalt zu verlängern, legten wir den Turbogang ein. Atlanta ist ein immens grosser Flughafen. Und natürlich kamen wir im alleräussersten Gate an und mussten exakt ans andere Ende des Flughafens für unseren Weiterflug. Zwischen zwei olympiareifen Sprints konnten wir im Züglein kurz durchatmen. Hechelnd und mit einem Pulsschlag nahe 200 erreichten wir das Abfluggate, wo unser Flug auf dem Monitor bereits als „departed“ angegeben war. Das Abfertigungspersonal begrüsste uns aber freudig so nach dem Motto: Genau, auf euch haben wir noch gewartet.

Unsere beiden Sitzplätze waren selbstverständlich bereits von Yankees belegt (okay, es war auch ein Yankee-Flug), die Flugbegleiter wollten uns an zwei verschiedenen Orten platzieren. Ja sonst noch was?!? Mein innig geliebter Mitreisender legte seine ganze Kratzbürstigkeit an den Tag und machte ultimativ klar, dass wir auf zwei Sitzplätzen nebeneinander bestanden. Ja er sehe doch, jammerte die Flugbegleiterin, das gehe nicht. Die Reisenden hätten sich alle längst eingerichtet, sie könne doch nun nicht mehr die ganze Sitzordnung über den Haufen werfen.

Der Mitreisende blieb stur. „Keine Bange“, sagte er zu mir voller Zuversicht, „so lange wir noch stehen, fliegt der da vorne nicht ab.“ Schweizer Passagiere sagten uns, die Flight Attendants seien „ganz selber schuld“, schliesslich hätten sie selber angefangen, die Sitzplätze zu mischeln. Dann kam Bewegung in die Sache. Unter Protesten wechselten einige Passagiere ihren Sitzplatz. Hätten Blicke töten können, hätten der Mitreisende und ich Zürich nur noch im Bleisarg erreicht. Wovon ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob die Blicke von den Passagieren oder der Besatzung tödlicher gewesen wären.

In Zürich warteten wir unverrichteter Dinge vor dem Gepäckband. Vier Kartonschachteln voller Reiseerinnerungen und zwei Fahrräder wurden anderntags gratis und franko vor die Haustür gebracht. Von einem ausserordentlich freundlichen Pensionierten im Privatauto. Ohne Uniform.

Schrecken in Uniform (6)

Um diesem schrecklichen Wetter, das sich vor der Haustüre abspielt, wenigstens gedanklich zu entfliehen, hier eine Geschichte, die sich an einem sonnigen, heissen Januartag in Mexico ereignet hat.

Wir hielten uns in Maruata auf, im Niemandsland an der mexikanischen Pazifikküste auf etwa 18° N. Unser Camper war unter Palmen parkiert. Unter Kokospalmen, wohlbemerkt, von wo theoretisch jederzeit eine Kokosnuss auf unser Autodach oder unser Oberstübli hätte runterdonnern können. Tat aber keine, soviel vorneweg. Es war ein improvisierter Campingplatz mit einem Zaun drumherum, damit die freilaufenden Kühe und Esel nicht quer durch den Platz latschten. Irgendwo hatte es Wasser, von Stromleitungen, die jedem 1.-Lehrjahr-Stromer-Stift die Haare zu Berge stehen lassen würden, baumelten Steckdosen. Wenn es dunkel war, sah man die Ampèrekäfer hin und her sausen. Irgendwann taten sie es nicht mehr. Stromausfall, Hauptsicherung durch, das gesamte Kaff ohne Strom.

Und was taten die Mexis? Die drehten sich erst mal in ihrer Hängematte rum und hofften, dass der Schaden bald behoben sein würde. Damals gab es in Maruata kein Telefon und erst recht kein Handynetz (vielleicht heute, 11 Jahre später, immer noch nicht), der nächste grössere Ort war über 50 Kilometer entfernt. Niemand wusste, ob schon jemand von der Elektrizitätsfirma benachrichtigt worden sei. Ein halber Tag verging. Immer noch kein Strom. Dass das Tiefkühlgut in der Affenhitze zu tauen begann, kümmerte die Mexis weniger, als die Tatsache, dass der Fernseher nicht mehr lief. Also nochmals eine Runde in der Hängematte.

Mein innig geliebter Mitreisender und ich konnten nicht mehr länger untätig rumsitzen. Nicht, dass wir auf Strom angewiesen gewesen wären. Unser Camper hatte ein Solarpanel auf dem Dach, das uns mehr als genügend Strom lieferte. Aber irgendjemand musste doch etwas tun! Es gab einen Stützpunkt der Marine im Kaff, doch mit den Leuten dort wollten die Dorfbewohner nichts zu tun haben. So machten wir zwei Gringos uns auf den Weg und brachten bei den Wachen unser Anliegen vor. Man liess uns stehen, bald darauf kam ein Offizier daher, der uns in das von einem hohen Zaun umgebene Areal hereinbat. Wir sollten doch um Gottes Willen nicht in der brütenden Sonne stehen bleiben, sage er zu uns, bevor er uns anhörte.

Wir erzählten von dem Stromausfall, dass niemand hierhin kommen wolle und dass sie auf dem Marinestützpunkt doch sicher ein Funkgerät hätten, mit dem sie der energetischen Misere Abhilfe schaffen konnten. Der Offizier hörte zu, nickte, hörte weiter zu und fragte schliesslich, wieso der Mitreisende dazu nichts zu sagen habe. Regelmässige Leser des Flohnmobils wissen, dass der Mitreisende …. doch lest einfach selber den zweitletzten Abschnitt hier.

Drei Stunden später: Die Flimmerkisten gingen wieder an und für die Mexis war die Welt wieder schwer in Ordnung. Wir hatten unsere gute Tat vollbracht und das angetaute Fleisch verfiel wieder in den Tiefkühlschlaf.

Maruata war der Boden für ein weiteres, so ganz und gar untechnisches Abenteuer. Lest hier.

Schrecken in Uniform (5)

Die Parkplatz Situation im Fährhafen von Melbourne war kläglich. In unmittelbarer Nähe des Eingangstores gab es lediglich Kurzzeit-Parkplätze. So konnten wir uns – obschon wir über eine Stunde zu früh am Hafen waren – nie mehr als einige Meter vom Wohnmobil entfernen. Polizisten hatten dieses besondere Fleckchen Erde als aussergewöhnlich ertragreich erkannt und patrouillierten in den kürzest möglichen Abständen. Als die Zeit endlich gekommen war, standen wir als allervorderste in der Warteschlange, um auf das gigantische Fährschiff nach Tasmanien zu gelangen. Auf zehn Fahrzeugdecks mit einer totalen Länge von 2,6 Kilometern fanden bis zu 500 Fahrzeuge Platz. Und wir sollten unter den Ersten sein, die in den gewaltigen Schiffsbauch einfahren konnten.

Dachten wir jedenfalls. Bis zu dem Moment, als ein uniformierter Hafenbeamter uns fragte, was wir in den beiden gelben Kanistern (in Australien „Jerry Can“ genannt) hinten auf dem Fahrzeug hätten. „Diesel“, antworteten wir wahrheitsgemäss. Seine Miene verfinsterte sich augenblicklich. Es sei verboten, Treibstoff in Kanistern an Bord zu bringen. Wenn wir keinen Platz für den Diesel in unserem eigenen Tank hätten und niemand in der Warteschlange sei, der Platz im Tank hätte, müssten wir die Jerry Cans mitsamt Inhalt hier lassen. „Don’t worry“, meinte er anfänglich noch, es gäbe sicher jemanden hier, der vierzig Liter Diesel brauchen könne.

Es war hinlänglich bekannt, dass der Treibstoff auf der Insel Tasmanien teurer war, als auf dem Festland. Ergo füllte jeder halbwegs solvente Automobilist vor der Überfahrt seinen Tank randvoll. Unsere Chancen, jemanden mit unserem Sprit zu beglücken, standen deshalb nicht gerade gut. Etwas mehr Glück hatten wir mit den paar Litern Benzin, die wir für unseren Generator mitführten. Die wurden wir schnell los. Allerdings hätten wir sie hier im Hafengelände nicht selber umleeren dürfen. Das hätte offensichtlich nur der Uniformierte tun dürfen, der plötzlich nicht mehr so nett war. Beinahe unwillig beschied er uns endlich, dass er nun doch jemanden gefunden habe für unseren Diesel. Dieser „Jemand“ rieb sich natürlich die Händchen, nie mehr in seinem Leben würde er für 40 Liter Diesel weniger Geld bezahlen müssen.

Nun folgte der absurdeste Teil der ganzen Episode. Wir mussten die zwei Stahlkanister mit Wasser füllen! Während der ganzen siebzehnstündigen Überfahrt quälte sich mein innig geliebter Mitreisender mit der Frage, wie wir es jemals schaffen sollten, das Wasser wieder vollständig aus den Kanistern zu bringen. Ein Dieselmotor ist ja ein Dieselmotor, weil er mit Diesel läuft. Hätten wir es in Tasmanien geschafft, unser Fahrzeug mit einem Wasser-Diesel-Gemisch zu betreiben, wären wir heute mit Sicherheit weltberühmt.

Schrecken in Uniform (4)

Ich habe es an dieser Stelle schon einmal erwähnt: Fährüberfahrten schätze ich nicht besonders. Sie sind einfach ein notwendiges Übel um von A nach B zu kommen und egal, ob die Überfahrt zwei oder zwanzig Stunden dauert, das Manövrieren auf die Fähre ist immer ein gewisser Nervenkrieg.

Das war damals, als wir vom Mexikanischen Festland auf die Baja California übersetzten, nicht anders. Zitat aus unserem Tagebuch:

Das Verladeprozedere zieht sich in die Länge. Gründe dafür sind, dass rückwärts eingefahren werden muss und für die LKWs im Fähreninnern seitlich kaum Spielraum besteht. Die Fähre legt pünktlich um 22.00 Uhr ab. Die Nacht verbringen wir im Salón mit über hundert weiteren Passagieren. In den unbequemen Sitzen der Reihenbestuhlung lässt sich kaum schlafen. Viele legen sich auf mitgebrachten Decken – überall dort wo etwas Platz vorhanden ist – flach auf den Boden. In der Cafeteria kaufen wir uns einen Becher Nescafé; etwas Vernünftiges zum Essen gibt es nicht. Nach 10 Stunden Fahrt kommen wir pünktlich im Hafen von La Paz an. Bis wir rausfahren können, dauert es fast zwei Stunden, da die LKWs Probleme haben, wegen des fehlenden seitlichen Abstands rauszufahren. Einige müssen mehrmals vor- und rückwärts fahren, bis sie Zentimeter um Zentimeter den nötigen Abstand gewinnen.

Im Gegensatz zu dem, was uns nachher erwartete, war das Rein- und Rausfahren ein Sonntagsspaziergang. Denn im Ankunftshafen wurden – wie so oft in Mexiko – diverse Kontrollen vorgenommen, obschon wir innerhalb des Landes gereist waren. Den Reisepass und die Fahrzeugpapiere untersuchen lassen war noch das Wenigste. Aber dann kam eben dieser „Mini-Agrar-Minister“, der rücksichtslos in unseren Camper eindrang. Er riss beinahe die Kühlschranktüre ab, beschlagnahmte zwei darin liegende Mangos und einige Orangen und wollte ohne uns anzuhören das Fahrzeug wieder verlassen. Wir hätten die Früchte in einem Supermarkt gekauft, sie hätten doch einen Kleber drauf, und überhaupt, was er nun damit mache, fragte ich ihn. Er werde sie verbrennen, lautete die wenig glaubhafte Antwort.

Da brannte mir die Sicherung durch. Ich versetzte dem pomadigen Kerl, als er den Camper verliess, einen Tritt in den Hintern. Man kann sich vorstellen, dass der Beamte darauf nicht ausgesprochen erfreut reagierte. Wäre ich ein Mann, hätte er sich bestimmt mit mir angelegt. Es hagelte Vorwürfe von meinem innig geliebten Mitreisenden. „Was hast du dir bloss dabei gedacht? Jetzt kannst du selber schauen, wie du da wieder raus kommst.“ Logo, schliesslich war ich nicht nur der Ursprung allen Übels, sondern diejenige, die Spanisch sprach.

Ich blickte in die Runde. Dort standen ein knappes halbes Dutzend Uniformierte, die sich alle Mühe gaben, ein Lachen zu verbeissen. Ein Offizier mischte sich in die Diskussion ein und begann zu schlichten. Nach längerem Hin und Her durften wir das Hafengelände verlassen. Der Mitreisende hatte mich schon hinter schwedischen Gardinen gesehen, er hilflos, da ohne Sprachkenntnisse, nach mir suchend.

Und die Moral von der Geschicht? Tritt den Minister in seinen Hintern nicht!

Baja California, die 1’600 km lange Halbinsel südlich von Kalifornien. Heimat unzähliger Kakteen, die oftmals praktisch bis ans Meer wachsen.

Schrecken in Uniform (3)

Zum heutigen Beitrag meiner kleinen Serie ein Bild der Wachablösung auf der Prager Burg.

Ausdrücklich ohne Kommentar.

Jawohl!

Schrecken in Uniform (2)

Der Highway Number One folgt der gesamten Westküste der USA. Über viele Meilen führt er entlang der fantastischen Küste. Mal durch finstere Redwood Forests, mal vorbei an versnobten Golfplätzen, durch winzige Örtchen und vorbei an stinkenden Seelöwen-Kolonien. Wir haben verschiedene Abschnitte des HW1 befahren und sind aus dem Staunen nicht rausgekommen.

Immer wieder mussten wir anhalten um die grandiose Szenerie zu geniessen. Da wir (wie immer) ohne Eile unterwegs waren, konnten wir uns Zeit lassen. Nach Bedarf anhalten oder gar über Nacht bleiben.

Auf einem der etwas belebteren Streckenabschnitte standen vor einer Ampel. Als es grün wurde, fuhr mein innig geliebter Mitreisender los. Die Sirene, die plötzlich hinter uns aufheulte, beeindruckte uns nicht, bis der Mitreisende merkte, dass sie uns galt. Was hatten wir falsch gemacht? Die Ampel hatte doch auf grün geschaltet. Wir waren nicht zu schnell gefahren, waren angegurtet, hatten keine Bank ausgeraubt. Hm.

Der Mitreisende hielt am Strassenrand, der Polizeibeamte stieg aus und baute sich vor dem Fahrerfenster auf. Nun muss man wissen, dass – im Gegensatz zu unserer Polizei – die Amerikanischen Cops keine Bretzelibuebe sind. Wenn die vor dem Auto stehen, wird es zuallererst mal eines: dunkel. Als der Kleiderkasten seinen Mund auftat, musste ich ihn aufklären, dass er sich doch bitte an mich wenden solle, der Mitreisende sei des Englischen nicht mächtig. Es war das erste Mal, dass wir mit der Amerikanischen Polizei in Kontakt kamen. Aus Reiseberichten und Führern wussten wir, dass man sich in einem solchen Fall absolut ruhig verhalten muss. Auf gar keinen Fall im Handschuhfach kramen, um einen Ausweis zu suchen. So etwas könnte bereits als Griff zu einer Waffe interpretiert werden. Und wehe dem…!

Der Gesetzeshüter kam also um den Camper herum, hüllte nun mein Panorama ins Dunkle und liess sich unsere Papiere zeigen. Noch immer wussten wir nicht, was wir verbrochen hatten. Er blätterte in den Ausweisen rum, während er sich erkundigte, ob es uns in Amerika gefalle. Es geschah nicht aus reinem Anstand, dass wir seine Frage bejahten.

Diese Strasse, die wir gerade befahren würden, sei ein besonders schöner Abschnitt des HW1, erklärte uns der Polizist. Leider sei es auch weit und breit die einzige Nord-Süd-Verbindung. Ihm sei aufgefallen, dass wir etwas langsam unterwegs seien. Im Interesse des Verkehrsflusses und mit Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer bitte er uns, schneller zu fahren und zwecks Bewunderung der Aussicht gelegentlich eine der zahlreichen Haltebuchten am Strassenrand zu benutzen.

Das war es also. Der Mitreisende hatte zu wenig auf die Tube gedrückt! Wir hätten uns gern ein Minus-Speed-Ticket aushändigen lassen, das wir uns bei einer allfälligen Tempoüberschreitung hätten anrechnen lassen können. Leider kamen wir nicht dazu, diesen Wunsch zu äussern. Denn der Cop war schon wieder weg. Auf dem Weg zu einem vermutlich schwerwiegenderen Verkehrsvergehen.