Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Toskana

Beschildert geschildert (9)

Ich wusste gar nicht, dass es Hunde gibt, die über 1,5 m breit sind.

Advertisements

Ausflug ins Blaue

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Da meine letzten Blog-Beiträge in Sachen Bilder eher etwas spartanisch ausgefallen sind, hier einfach ein paar Impressionen der vergangenen Wochen.

Nach zwei Tagen unter der Nebeldecke, Temperaturen im tiefen zweistelligen Bereich und den Wetteraussichten für die folgenden Tage bin ich schon bald wieder ferienreif. Trost bieten die Erinnerungen an die Toskana mit viel schönem Wetter; den blauen Himmel auf den Fotos habe ich garantiert nicht aufgemalt.

Ausge(t)räumt

Es waren gar sonderbare Dinge, die ihr begegneten, als sie versuchte, Ordnung in das sich vor ihr ausbreitende Chaos zu bringen.

Regenhosen. Sie versuchte sich zu erinnern, wann es zum letzten Mal geregnet hatte. Vor drei, vielleicht vier Wochen war mal ein Gewitter übers Land gezogen. Die Regenhosen waren dabei genauso trocken geblieben wie sie sich nicht dafür haben konnte, in einem solch raren Augenblick den sicheren Unterstand zu verlassen.

Handschuhe. Frei nach dem Motto „man weiss ja nie“ hatte sie sich angewöhnt, wenn sie im Herbst verreiste auch lange Unterwäsche, warme Socken und eine Windjacke einzupacken. Sie verstaute alles wieder unbenutzt im Schrank.

Eine angebrochene Tube Sonnencreme. Seufz. Dafür würde sie längere Zeit keine Verwendung mehr haben.

Die Entdeckungsreise ging weiter.

Steine. Sie hatte es nicht lassen können, hatte so viele grün/schwarze Marmor-Kiesel vom Strand mitgenommen, wie in ihre Hosentaschen gepasst hatten. Dazu das rohe Stück Alabaster, aus dem geschickte Hände ein Kunstwerk anfertigen könnten.

Ein Gläschen Pesto. Wie hatte die Verkäuferin des Spezialitäten-Ladens fragen können, ob sie den Pesto ohne Knoblauch wolle! Nur schon die Idee, die berühmte grüne Pasta-Sauce ohne Knoblauch herzustellen – das wär ja grad so schlimm wie ein Käse-Fondue ohne Käse.

Etliche Flaschen Wein, ein Schal vom Markt, Olivenöl, Honig, mehrere Hundert Fotos würden die Erinnerung an die letzten sieben Wochen aufrechterhalten.

Zuallerletzt nahm sie den Stapel Landkarten und legte ihn in ein Fach, wo schon viele Landkarten aus aller Herren Länder ein zusammengequetschtes Dasein fristeten. Die Toskana-Reise war definitiv Geschichte.

Velotour auf dem Mond

Neil Armstrong war wohl der erste Mensch, der einen Fuss auf den Mond gesetzt hatte, aber im fehlte ein entscheidendes Accessoire: Er hatte kein Velo dabei. Dabei könnte man auf dem Mond so tolle Velotouren machen. Ehrlich.

Es ist eine eigenartige Landschaft, diese Crete. Südlich von Siena liegt die von Erosion geprägte, im Herbst, nachdem die Felder abgeerntet wurden, ziemlich monotone Landschaft. Braun ist ja nicht eben meine Lieblingsfarbe, aber das Braun der Crete hat auf mich eine eigenartige Faszination ausgeübt.

„Mondlandschaft“ ist das Bezeichnendste, das mir in den Sinn kommt, wenn ich mich an unsere beiden Velotouren durch diese seltsame Landschaft erinnere. „Dreckstrassen“ passt auch hierhin, sind wir doch einmal unvermittelt auf einer Naturstrasse gelandet. Mit dem Rennvelo! Und wie auf allen Strassen, die wir in der Toskana befahren haben – sei es mit dem Velo oder dem Womi – sind auch in der Crete die Strassenbeläge nicht immer erste Sahne. Das Hüpfen von Schlagloch zu Schlagloch, insbesondere innerorts, ist an der Tagesordnung. Fährt man ausnahmsweise mal auf einer Strasse, die einem vorkommt wie der berühmte ausgerollte Teppich, ist man einfach nur entzückt. Weil man dann die herrliche Landschaft geniessen kann, ohne dass man Gefahr läuft, unvermittelt neben dem Velosattel zu sitzen.

Von all diesen Eindrücken blieb Armstrong natürlich verschont. Dabei wären 1969 die Ganzkörper-Velostrampler wesentlich besser gepolstert gewesen als gegenwärtige Velohosen.

Auf dem schönsten Fussboden der Welt

Siena lag an unserem Heimweg. Das Womi halbwegs sicher für 20 Euro auf dem Stellplatz deponiert, waren wir nach kürzeren Anfangsschwierigkeiten mit dem Bus die paar Stationen direkt ins Zentrum gefahren. Dort lautete das Motto: Eintauchen ins Gewimmel und immer schön das Täschchen, den Fotoapparat und den innig geliebten Mitreisenden im Auge behalten. Wir waren beeindruckt von der Piazza del Campo, dem fächerförmigen, leicht abschüssigen Hauptplatz Sienas, der von Palazzi eingerahmt ist. Bei einem etwas teureren Kaffee als wir uns in Italien gewohnt sind liessen wir die Stimmung auf uns wirken, sahen über den Dächern schon zu unserem nächsten Ziel, das sich im eleganten Streifenlook gibt.

Was für ein prächtiger Anblick: Vor dem tiefen Blau des Himmels sticht die weisse Fassade des Sieneser Doms markant ab. Für 6 Euro gelangten wir ins Innere des Gotteshauses. Dort fühlten wir uns mehr wie in einem Geschäftshaus denn an einem kirchlichen Ort. Die Aufrufe über Lautsprecher mit der Bitte nach „Silenzio“ gingen unter. Auch wenn niemand laut sprach, das Gemurmel der mehreren hundert Menschen verursachte einen beachtlichen Geräuschpegel. Wir gingen auf dem „schönsten Fussboden der Welt“ andächtig durch den gigantischen Dom. 52 Mosaike stellen das Leben zwischen dem Alten und dem Neuen Testament dar. In Sachen Kirchen sind wir nicht so schnell mehr zu beeindrucken, aber dieser Besuch lohnte sich zweifelsohne.

Siena liegt mitten in den prominentesten Weinbaugebieten der Toskana. Im Norden die Region Chianti, im Südosten Montepulciano, im Südwesten Montalcino. Da wäre es doch wirklich absolut unangebracht, man würde sich nur von Brot und Wasser ernähren. Pasta und Vino tönt doch wesentlich besser, oder?

Die Überlebenswoche

Die Strasse, der wir seit einigen Kilometern folgten, war kurvenreich, schmal und unübersichtlich. Mein innig geliebter Mitreisender war wieder mal gefordert und ich heilfroh, nicht am Steuer zu sitzen.

Und was war nun das? Ein Baum quer über die Strasse. Opfer des nächtlichen Unwetters oder in Schönheit gestorben? Eigentlich war das piepegal, der Baum versperrte uns einfach nur den Weiterweg. Bereits war ein Mann mit Blinklicht und Handy am Ohr vor Ort und erklärte uns, es werde nur eine gute Viertelstunde dauern, bis der Weg wieder frei sei. Der Mitreisende legte den Rückwärtsgang ein und klebte sich an den Strassenrand, damit die Retter in der Not passieren konnten – so sie denn eintrafen.

Da hockten wir also auf dem Bock. Vor uns ein Baum, der die Weiterfahrt verunmöglichte; hinter uns zwanzig kurvenreiche Kilometer, die wir nicht unbedingt zurückfahren wollten. Wir stellten uns darauf ein, dass sich die versprochene Viertelstunde vermehren würde. Aus einer Viertelstunde würde eine halbe Stunde, daraus ein, zwei, drei Stunden. Und wenn nun hinter uns auch noch ein Baum auf die Strasse gestürzt war? Wenn sich der ganze Wald gegen uns verschworen hatte; wir hier vorderhand nicht mehr wegkommen würden?

Ich begann bereits auszurechnen, wie lange wir es hier aushalten würden. Hundert Liter Wasser an Bord würden ein paar Tage reichen, wir mussten ja nicht jeden Tag duschen und hier draussen in der toskanischen Wildnis würde sich niemand dran stören, wenn wir es geschmacklich mit jedem Ziegenbock aufnehmen konnten. Reis, Teigwaren, Milch, Butter, Mehl – wie gut, dass meine Eichhörnchen-Gene auch im Wohnmobil durchdrücken. Kalorienmässig würden wir mit Sicherheit zwei Wochen über die Runden bringen. Vielleicht müssten wir Brombeeren pflücken oder im Wald ein paar Wurzeln ausgraben, damit die Frischkost nicht zu kurz kommt. Aber verhungern würden wir vorderhand nicht.

Aber was war mit den paar Italienern, die ebenfalls blockiert waren? Die Spaghettifresser würden meinen bescheidenen Vorrat an Teigwaren binnen Tagesfrist weggeputzt haben – und sich vermutlich beklagen, dass ich ihnen nur einen Schnellkaffee aus der Migros brauen kann. Mich beifielen plötzlich Zweifel. Vielleicht würde das Ganze mit der Überlebenswoche doch nicht so einfach werden. Vielleicht müssten wir Betroffenen alle mit anpacken und in einem Akt der Solidarität mit vereinten Kräften diesen elenden Baum aus dem Weg schaffen. Die beiden Schweizer mit dem Taschenmesser, die Italiener von blosser Hand, dafür mit einem Mundwerk wie eine Kettensäge. Das internationale Werk würde vollendet und jeder nähme zum Andenken ein Holzrugeli mit nach Hause. Mamma mia!

Das Brummen einer Motorsäge machte aus meinen Tagträumen Kleinholz. Und auf die Minute genau zur prognostizierten Zeit konnten der Mitreisende und ich die Weiterfahrt antreten.

Ende Feuer in der Toskana

Es wird auch in der Toskana allmählich Herbst. Das äussert sich unter anderem darin, dass die Temperaturen nur noch mit Mühe die 30-Grad-Grenze knacken. Oder auch darin, dass es zaghaft wieder zu grünen beginnt. Und vor allem darin, dass in den Touristenorten am Meer dicht gemacht wird, obschon das Wasser noch angenehm warm ist. Für die Sonnenschirme in den Bagni, die man zusammen mit zwei Liegestühlen für 20 Euro oder auch mehr benutzen darf, interessiert sich niemand mehr. Und wer jetzt noch einen Campingplatz sucht, hatte auch schon bessere Karten. Wer nicht glaubt, dass hier der Herbst ins Land zieht, schaue sich die Italiener genauer an. So mancher hat nämlich schon die lange Wäsche hervor geholt, während die Touris noch kurzärmlig durch die Gegend schlendern.

Wir haben das südliche Ende der Toskana erreicht und die Küste hinter uns gelassen. Hier geht es wesentlich weniger touristisch zu und her als in der nördlichen Toskana. Doch auch hier gibt’s viel zu sehen. Beispielsweise Dörfer, die auf und aus Tuffstein gebaut sind. Sie scheinen buchstäblich aus dem Untergrund heraus zu wachsen. Oder die natürlichen Thermalbecken von Saturnia mit dem nach Schwefel stinkenden Heilwasser. Wir haben uns diese Einrichtung aus sicherer Entfernung angeschaut und beschlossen, dass es auch ohne uns schon genügend Volk in den Travertinbecken hat.

Die Traubenernte ist in vollem Gang. Ein Traktor nach dem nächsten fährt mit seiner Ernte zu den Annahmestellen. Dort stehen riesige Chromstahltanks – von wegen Fässer aus Eichenholz. Für den Durchschnittswein muss das Metallbehältnis reichen. Montepulciano, Montalcino – Weinkenner holen flugs den Korkenzieher, wenn sie diese Namen hören. Doch diese Namen zieren nicht nur Weinetiketten, es sind auch hübsche Städtchen, selbst wenn für uns diese hübschen Städtchen allmählich alle gleich hübsch aussehen und überall die gleichen Läden angesiedelt scheinen.

Was momentan auch reift, sind die Feigen. Es scheint viele verschiedene Feigensorten zu geben, nicht nur kleine und grosse. Denn wir hatten schon Ende Juni in Portugal Feigen gepflückt geklaut. Hier in der Toscana gibt es unzählige Feigenbäume, die in der Pampa stehen und für die sich kein Schwein interessiert. Bei Feigen kann ich nicht widerstehen. Sie sind etwas vom Edelsten, das die Natur zu bieten hat. Direkt vom Baum und selbst geklaut schmecken sie am allerbesten.

Auf dem Rummelplatz

Toskana. Das bedeutet nicht nur kilometerlange Zypressenalleen, schwerer Rotwein und Haine mit knorrigen Olivenbäumen. Toskana. Das bedeutet auch überfüllte Touristenorte, überteuerte Preise, prekäre Parkplatz-Situation.

Selbst in der Nachsaison muss man sich noch den Weg durch Menschenmassen bahnen. Beispielsweise im bekannten San Gimignano. Die mittelalterliche Stadt thront über der Landschaft und ist vollständig von einer Mauer umgeben. In San Gimignano herrschte absolute Jahrmarktstimmung. Die Parkplätze in Stadtnähe waren voll, Wohnmobile wurden auf einen Parkplatz zwei Kilometer ausserhalb des Zentrums verbannt. Wir hatten Glück und mussten nur wenige Minuten auf den stündlich verkehrenden Shuttlebus warten, der uns zurück karrte. Aber dann! Wenn in Zürich Sechseläuten ist, hat es wohl kaum weniger Leute auf der Gasse. Vor lauter Menschenmassen vermochten wir die alten Gemäuer kaum auszumachen. In jedem Haus ist entweder eine Enoteca, ein Souvenirshop oder ein Ristorante/Bar untergebracht. Es dauerte eine gute Stunde und unser Bedarf war vollends gedeckt. Der Bedarf sowohl an überteuerten Preisen wie auch an Leuten, die gewillt sind, diese zu blechen.

Damit es uns nicht vollends ablöscht, haben wir unsere Rennvelos dabei. Mit denen haben wir mittlerweile drei Touren à je etwa 60 Kilometer unternommen. Deshalb wissen wir, dass es auch noch eine andere Toskana gibt. Die auf den Nebenstrassen. Die, an denen der Tourismus sang- und klanglos vorbeigeht. Die, die wir definitiv mehr schätzen. Eine Toskana, deren Topografie uns einiges abverlangt und uns dafür mit herrlichen Aussichten belohnt.

Anders als in der Heimat, wo es auch im Herbst noch grün ist, ist hier im September alles braun. Mein innig geliebter Mitreisender spricht in diesem Zusammenhang bereits von „Sahara“. Die Felder, auf denen Sonnenblumen und Getreide angebaut wurde, werden hier im Herbst umgepflügt. Zurück bleiben grosse, riesengrosse Erdschollen. Grün sind nur noch die Reben in Reih und Glied und die Olivenbäume. Und natürlich der Wald, der ein Drittel der ganzen Toskana bedeckt. In diesem Wald soll es übrigens viele Wildschweine haben. Einige davon haben wir bereits angetroffen. Sie sassen ausschliesslich hinter dem Steuer.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Schräg, schräger, Pisa

Ich versuche mich zu erinnern, wo ich zuletzt einen derartigen Menschenauflauf gesehen habe. Vielleicht in Lourdes, an den Niagara-Fällen oder vor dem Ayers Rock? Der Auflauf in Pisa scheint unerreicht. Im Minutentakt kommen Busse an, Menschen strömen raus und alle haben das gleiche Ziel.

Der Wohnmobil-Stellplatz von Pisa liegt direkt neben dem Bus-Parkplatz und von dort aus sind es rund 800 m zum schiefsten aller Türme. Natürlich haben auch mein innig geliebter Mitreisender und ich den Weg unter die Füsse genommen, zweimal sogar. Der Turm, eigentlich ein achtstöckiger, freistehender Glockenturm, ist wirklich sehenswert. Nach Abschluss der umfangreichen Restaurierungsarbeiten im vergangenen Jahr strahlt er derzeit noch im herrlichsten Glanz, ohne Taubenschisse, ohne Flechten. Aber schief ist er immer noch. Und mit den 15 Euro, die den schrägen Gipfelstürmern abgeknöpft werden, ist die finanzielle Grundlage für weitere Sanierungsarbeiten geschaffen – sofern die Kohle im Staate Berlusconis nicht anderweitig versickert.

Wir haben auf eine Besteigung des Torre Pendente verzichtet, haben uns dafür amüsiert ab dem vielen Volk, dem manigfaltigen Souvenir-Kitsch, der an allen Ecken angeboten wird, und den fliehenden bzw. fliegenden schwarzen Händlern. Die Tafeln, auf denen steht, dass der Kauf von gefälschter Markenware mit 500 Euro Busse geahndet wird, sind unübersehbar und überall aufgestellt. Trotzdem versucht uns alle paar hundert Meter ein Schwarzer eine Rolex anzudrehen. Die meisten dieser Schwarzen sind praktisch ständig auf der Flucht, sind sie doch illegal am Werk. Wir haben beobachtet, wie sie ihre Ware – meist Handtaschen – auf quadratischen Tüchern auf dem Boden ausbreiten. Sobald eine Polizeistreife in Sichtweite kommt, packen sie alle vier Ecken, schmeissen sich das Bündel auf den Rücken und stehen arglos herum. Diese Leute sind genauso wenig zu beneiden, wie jene, die einem Sonnenbrillen oder Regenschirme andrehen wollen. Als sie aus Afrika flüchteten und – mutmasslich – in Lampedusa strandeten, stellten sie sich das herrliche Europa sicher anders vor.

Die meisten Touristen begnügen sich mit der Besichtigung der Piazza dei Miracoli, wo der Turm, die Taufkirche und der Dom stehen. Zu mehr reicht die Zeit offensichtlich nicht, schon werden die Reisegruppen wieder zurück in die Busse gescheucht. Der Mitreisende und ich dagegen haben uns auch die Altstadt von Pisa besichtigt und sind prompt in eine Touristenfalle getappt. Während üblicherweise ein Kaffee in Italien mit einem Euro zu Buche schlägt, kamen wir in den Vorzug einer Rechnung über 2.50 Euro.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Schrecklich voll und unendlich einsam

Er hat mich richtiggehend ins Messer laufen lassen. Dabei hätte er es gewusst. Mein innig geliebter Mitreisender konnte sich absolut bombensicher sein, dass es mir nicht gefallen würde. Aber ich hätte es ihm nicht geglaubt. Ich musste es selber erfahren und es war sehr, sehr heilsam.

Ich wollte einfach unbedingt mal diesen Gardasee sehen.  Nun weiss ich es: Am Gardasee habe ich nichts verloren. Der Gardasee mag zwar traumhaft eingebettet zwischen Gebirgszügen liegen, aber der Betrieb hier ist für mich zu viel es Guten. Nach den paar Tagen im Münstertal war eigentlich schon der Abstecher nach Meran an der oberen Schmerzgrenze. Der Gardasee war gewissermassen das Sahnehäubchen. Nur war die Sahne schon hinüber. Wie kann man sich das nur antun, hier wochenweise oder gar Jahr für Jahr Ferien zu machen!

Wir sind dem östlichen Seeufer entlang gefahren, haben verzweifelt nach einem Parkplatz gesucht, wo wir wenigstens mal anhalten könnten. Alles verbarrikadiert – überall Teppichstangen. Wohnmobile sind nur auf Campingplätzen gefragt und diese liegen meist an der Durchgangsstrasse. Auf so einem Campingplatz sind mein Mitreisender und ich gestrandet. Eine lärmige Nacht stand bevor, mein Kopfkissen schien direkt auf dem Randstein zu liegen. Die Nähe zur Strasse hatte immerhin den Vorteil, dass der See nur ein paar Schritte weg war. Schön warm war das Wasser, kein Zähneklappern, nur das sanfte Plätschern der Wellen. Wenn man den Strassenlärm und die Menschenmassen ausblenden kann, mag es am Gardasee durchaus angenehm sein.

Doch der Gardasee war nur Zwischenetappe, das Ziel weiter südlich. Nach überqueren der Poebene steigt hinter Modena das Gelände wieder an. Und zwar ziemlich zackig, ruppig und sehr kurvenreich. Die Apuanischen Appeninen sind praktisch bis auf die höchsten Höhen von gut 2’000 Metern dicht bewaldet. Die oft winzigen Dörfer der Garfagnana sind abgelegen, nur über kurvige, miserable Strassen zu erreichen.

Die Kurverei für meinen Mitreisenden ist extrem anstrengend gewesen. Ich bewundere ihn endlos für seine Fahrkünste und mit jedem Meter, den er in der Toskana fährt, fühle ich mich unfähiger, jemals dieses Fahrzeug sicher zu lenken. Ohnehin, wenn ich fahren würde, wäre es für den Mitreisenden anstrengender als selber am Steuer zu sitzen. Also belassen wir einfach die Sitzordnung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.