Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Tomaten

Mutter Natur auf Abwegen (15)

An Tagen wie diesen muss ich auch an kleinen Dingen Freude haben (können).

Ich fand es gar entzückend, dass sich mein Basilikum zu einer derart herzigen Wuchsform entschied.

DSC02325

Und servierte diesen Ausrutscher der Natur dem Menschen,
dem meine uneingeschränkte Liebe gilt.

Beschildert geschildert (92)

DSC01968

… und das ausgerechnet im Garten des Pfarrhauses!!!

Das Elend mit dem triumphalen Gemüse

Gestern habe ich im Fernsehen eine Sendung gesehen, die unter dem Titel „Triumph der Tomate“ so vieles bestätigt hat, das ich lange schon wusste. Leider nicht nur Positives wie die Tatsache, dass sich in einer Tomate mehrere hundert Aromen vereinen, oder dass die Tomate vor 500 Jahren von den Entdeckern aus Peru nach Europa gebracht wurde.

Leider wissen hierzulande die Wenigsten, wie gut eine Tomate überhaupt schmecken kann. Wenn man Tomaten nur im Supermarkt kauft, erinnert bestenfalls die Farbe an die ursprüngliche Gemüsefrucht.

Die Landwirtschaft musste nachziehen und das Gemüse, das weltweit unter den fünf beliebtesten Arten rangiert, industriell fertigen. Das führt so weit, dass eine einzige im Gewächshaus auf Substrat kultivierte Tomatenpflanze bis zu sechs Meter hoch wird und an die 80 Kilo Früchte trägt. Wie soll da eine Tomate noch nach Tomate schmecken?

Den Gipfel der Dekadenz erlebten wir in Süditalien. Auf unserem Weg zu einem Supermarkt, wo wir uns für ein paar Tage mit Lebensmitteln eindecken wollten, fuhren wir kilometerlang an Tomatenfeldern vorbei. Überall leuchtete es rot aus den Blättern heraus. Und im Supermarkt? Dort wurden standardisierte, über Wochen haltbare Hors-Sol-Tomaten aus Holland angeboten!!!

Ich kaufe schon lange keine Tomaten mehr im Supermarkt. Wenn schon, dann auf dem Markt. Und am liebsten natürlich irgendwo im Süden, wo das Gemüse unter freiem Himmel kultiviert wird. Und auch dort nur im Sommer. Das wäre eigentlich jetzt.

Der Film, den ich erwähnt habe, kann ich allen Tomatenliebhabern wärmstens empfehlen. Er wird nochmals ausgestrahlt. Guckt mal hier.

Nimmermüde

Es war von Anfang an klar, dass ich ihn nicht mit heim nehmen würde. Nicht nur aus Platzmangel, sondern auch, weil ich ihm keine grosse Überlebenschance einräumte. So schnitt ich an unserem letzten Housesitting-Tag in Frankreich seine Zweiglein ab, steckte sie in einen Plastiksack, befeuchtete sie etwas und schnürte den Plastiksack zu. Derart verpackt, so hoffte ich jedenfalls, würden die paar Stängeli Basilikum den Transport in die Schweiz überstehen und wenigstens noch einige Tage stramm stehen.

Ich hatte mich gründlich getäuscht. Die Stängeli, die ich in ein Glas Wasser stellte, begannen binnen weniger Tage Wurzeln zu schlagen und erfreuen sich auch drei Wochen später noch bester Gesundheit. Das Dumme ist nur, dass ihnen hierzulande, um so herauszukommen, wie es sich für Basilikum gehört, zwei wichtige Sachen fehlen: Sonne und Wärme. Mögen sie auch wie Basilikum aussehen, die Blätter sind im November nur noch ein Hohn ihrer selbst.

Viel schlimmer aber wiegt die Tatsache, dass man bei uns zwar das ganze Jahr über Tomaten, zu denen Basilikum so perfekt passt, kaufen kann, die roten Dinger aber nicht mal im Hochsommer wirklich nach Tomaten schmecken. Deshalb wird meinem nimmermüden französischen Basilikum wohl das gleiche Schicksal blühen wie seinen helvetischen Vorgängern: der Komposthaufen.

Zu Tode gepflegt

Der Rettungsversuch ist kläglich gescheitert. Dabei hätte ich es wissen müssen – es war noch jedes Jahr so. Weder gutes Zureden konnte das Unheil abwenden noch aufopfernde Pflege oder der nächtliche Aufenthalt in der warmen Stube. Auch die tägliche Dosis Sonnenschein der vergangenen Tage ist wirkungslos verpufft.

Von der einst so prächtigen Pflanze mit ihren saftiggrünen Blättern ist nur noch ein kümmerliches Gewächs mit blassen Blättern übrig geblieben. Das Prunkstück meines Kräutergartens mag nicht mehr. Der Basilikum hat all seine Energie verpufft.

Dabei wurde er den ganzen Sommer über so gehätschelt. Und zwar nicht in erster Linie von mir, sondern von meiner lieben Nachbarin, die während unserer Abwesenheit zum Rechten schaut. Ihr habe ich es nämlich zu verdanken, dass ich meinen Tomaten-Mozzarella-Salat immer mit frischem Basilikum bereichern konnte.

Doch nun ist nicht nur die Zeit des Basilikums abgelaufen, es gibt schliesslich auch keine Tomaten mehr zu kaufen, die nach Tomaten schmecken. Diese rötlichen Wasserbeutel aus dem Treibhaus, die jetzt und während der kommenden Monate in den Läden angeboten werden, haben mit Pomodori – vollreifen, aromatischen Tomaten, in denen die ganze Kraft des Sommers steckt – nicht im Entferntesten zu tun.

Wenn der Basilikum auf dem Kompost landet, ist der Sommer endgültig vorbei.

Arrivederci caro Basilico!