Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Kiosk im Schnee

Ich glaubte, meinen Augen nicht zu trauen. Zuerst sah ich das schneebedeckte Hüttchen nur vom Sessellift aus. Diese Erscheinung – konnte es wirklich wahr sein? – musste ich aus der Nähe betrachten.

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Tatsächlich! Ein Kiosk mitten im Skigebiet. Nicht etwa in der Nähe einer Bergbahn, sondern im Nirgendwo am Pistenrand. Wer wohl dort etwas von diesem Kitsch kaufte? Ich jedenfalls nicht, aber der Kiosk mit seinem illustren Sortiment trug sehr zu meiner Erheiterung bei.

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Und sogleich wurden Erinnerungen wach an den Streich, den Kurt Felix in “Verstehen Sie Spass” mit Reinhold Messner gespielt hatte. Ich sag nur: Kiosk am Matterhorn.

 

 

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Im noch lustleereren Raum

Eins vorneweg: Auch wenn ich im letzten Beitrag gejammert habe: Der Setzkasten ist in der Zwischenzeit abgestaubt. Und damit keine falschen Ideen über allfällige übergalaktische Abstaub-Ambitionen aufkommen: Dieses Teil hatte es bitter nötig und war in diesem Jahrzehnt wohl noch keiner gründlichen Entstaubung unterzogen worden.

Während ich Figürchen um Figürchen aus dem Setzkasten nahm und es vom angesammelten Staub befreite, kam so manche Erinnerung hoch.

Einen Setzkasten zu besitzen war nämlich seinerzeit ein inniger Wunsch von mir gewesen, der an Weihnachten neunzehnhundertsiebenundichweissauchnichtmehrsogenauwann in Erfüllung ging. Richtige Setzkasten waren schon damals rar und teuer, drum erhielt ich dieses gebeizte, neuzeitliche Konstrukt. Meine Vorstellung wäre ja gewesen, dass ich den Setzkasten ganz allmählich mit kleinen Dingern bestücke, die mir grad in die Finger fallen. Stattdessen erhielt ich von der Verwandtschaft zu Weihnacht dermassen viele Figürchen, dass der Setzkasten schon mehr als halbvoll war. Eine leise Enttäuschung für mich aber eine praktische Sache für meine Mutter, die alle Geschenk-Anfragen mit „öppis für de Setzchaschte“ beantworten konnte.

Trotzdem hat sich über die Jahre noch das eine und andere Erinnerungsstück angesammelt. Das Haus im Bild oben bekam ich von den Kindern meiner Au-Pair-Familie in England zum Abschied geschenkt als Erinnerung ans „mad house“. Den Boccalino oben links hatte ich mir in den Herbstferien selber vom Taschengeld im Tessin gekauft. Das Tessin war damals für mich sehr, sehr weit weg von zu Hause und so exotisch wie heute für Andere Florida. Das knapp sichtbare Ei oben rechts ist mit Gianduja gefüllt und von Hand bemalt. Ich erhielt es als Lehrtochter von einer Vorgesetzten, die ich nicht besonders mochte (und daran war nicht nur ihr Basler Akzent schuld, sondern mindestens so sehr die Tatsache, dass sie in der Buchhaltung arbeitete). Dass ich es trotzdem behalten habe, lag einerseits daran, dass die Schokolademasse in der zerbrechlichen Eierschale nicht wirklich zum Verzehr vorgesehen war, andererseits fand meine Mutter, es sei schade, das zweite Ei auch noch kaputt zu machen. Schliesslich sei es so kunstvoll bemalt. Eine kleine Vase brachte mir eine Freundin aus Tunesien mit und die Holzschuhe stammen von einer anderen Freundin, die eine Konfirmationsreise nach Holland machen durfte.

Noch immer hängt der Setzkasten in meiner Wohnung, auch wenn ich dem Sammelsurium seit bald dreissig Jahren nichts mehr hinzugefügt habe. Daran schuld ist nicht nur der mangelnde Platz, sondern auch meine geänderte Einstellung. Seit geraumer Zeit schleppe ich nur noch kulinarische Souvenirs an. Diese haben einen gewaltigen Vorteil: Das Abstauben erübrigt sich.

Kulinarisches Souvenir

Es gibt Leute, die decken sich auf  jeder Reise mit Souvenirs ein. Entsprechend sehen ihre Wohnungen aus: Hier ein Stück Keramik aus Frankreich, dort ein norwegischer Troll und gleich daneben das Schnapsglas aus Österreich.

Für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich sind das alles Staubfänger. Wenn wir mehr als Erinnerungen und Fotos von einer Reise mitbringen, dann sind sie fast ausschliesslich kulinarischer Natur. Innert nützlicher Frist aufgebraucht, erübrigt sich das Abstauben, dafür werden Ferienerinnerungen aufgefrischt.

Auf unserer letzten Reise in den Osten gestaltete sich das allerdings schwierig. Okay, von Ungarn hätten wir phänomenale Weine mit nach Hause nehmen können. Aber weil wir nach Ungarn noch durch Slowakien und Tschechien reisten, wollten wir den Wein nicht fünf Wochen lang durch die Gegend schaukeln. In Tschechien bot sich aber nun wirklich nichts an, das sich gelohnt hätte, nach Hause mitzunehmen. Abgesehen von einigen Flaschen Böhmischen Sekts, die mehr symbolischen Charakter hatten. Von unseren aller-aller-allerletzten Tschechischen Kronen hatte ich aus purer Not (es ging einfach kein Tropfen Diesel mehr in den Tank) an einem Tankstellenshop kurz vor der Deutschen Grenze „Original Tschechische Waffeln“ erstanden.

Dieses Gebäck wollten wir heute Abend zum Kaffee probieren. Die erste Überraschung war, dass die Packung gar nicht richtig verschlossen war. Zumindest nicht nach helvetischem Standard mit Siegel, eingeschweisst etc. Ebenso verwundert war ich, dass die abgebildeten Waffeln farblich nichts mit dem Inhalt gemein hatten. Die wahrhaftigen Waffeln zeigten sich nämlich leichenblass. Ich habe eine Scheibe geviertelt und der Mitbewohner und ich haben skeptisch probiert. Soviel sei verraten: Die Waffel ist von karton-ähnlicher Konsistenz, wie die Haselnuss-Splitter zwischen die zwei hauchdünnen Scheiben gekommen ist, bleibt mir ein Rätsel. Ich habe allerdings keinen Bock, dieses zu ergründen. Denn das „Blech“ (so die Definition des Mitbewohners) verleitet zu keinerlei kulinarischen Höhenflügen.

Sollte jemand Lust haben, ein solches Stück Blech-Guezli bei uns zu kosten, ist er herzlich eingeladen. Allerdings muss er sich sputen. Denn am Samstag sammelt der Fussballverein bei uns wieder mal Altpapier und Karton.