Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Ernährung in Absurdistan


Dieses Buch habe ich heute in einer Buchhandlung entdeckt.

Dass es in der Ramsch-Ecke lag, wird wohl kein Zufall sein. 

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Wozu denn noch kochen,

wenn man beim Schlafen abnehmen kann?

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Nächtliche Geheimnisse

Sie lag neben mir. Ich wach, sie am schlafen in diesem fremden Bett in Colmar.

Sie, die mir in unseren ersten gemeinsamen Ferien gesagt hatte, ich schlafe sehr ruhig und läge manchmal im Bett wie eine Leiche, sie gab ein kleines Stöhnen von sich. Noch eins. Sie schien etwas zu träumen.

Ich spitzte meine Ohren. Vielleicht würde sie im Schlaf zu sprechen anfangen. Doch diesen Gefallen tat sie mir nicht; stattdessen drehte sie sich um und schlief weiter.

Am anderen Morgen erzählte ich ihr davon. Sie zeigte sich zuerst erstaunt, dass sie im Schlaf Töne von sich gegeben hatte, entgegnete dann aber voller Überzeugung: “Bea, da gibt es nicht mehr viel, was du von mir auf diese Weise noch erfahren könntest.”

Zwei Freundinnen schüttelten sich vor Lachen.

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Aus eins mach zwei

Es ist ja nicht so, dass ich seit dem Tod meines Mannes mit niemandem mehr geschlafen hätte. Genau genommen dürften es gegen 50 Personen sein. Die meisten mir wildfremde Menschen. Mit ihnen habe ich zwar weniger das Bett, aber dennoch das Schlafgemach geteilt. In Massenlagern auf der mehrtägigen Wanderung, die ich Ende Juli zusammen mit Freunden gemacht habe.

Nun aber ist die Situation nochmals eine gänzlich andere. Nun bin ich mit meiner Freundin in Frankreich unterwegs und selbstverständlich teilen wir uns das Zimmer, nicht aber das Bett. Wohl stecken wir in so manchen Situationen unter einer Decke, dennoch wollen wir uns in der Nacht jede in eine eigene Decke einrollen.

In Frankreich ist das mitunter etwas schwierig. In einem Hotel musste nach unserer Ankunft, und obschon wir bei der Reservation über booking.com extra drauf hingewiesen hatten, noch das Zimmermädchen anrücken und aus dem Doppelbett zwei Einzelbetten machen. In einer relativ aufwändigen Aktion verwandelte die Dame im schwarz-weiss gestreiften Röckchen das Doppelbett in zwei Einzelbetten. Entfernte das Doppelleintuch, schob die Betten voneinander, machte aus der zusammengeknöpften doppelten Decke zwei einzelne, bezog alles wieder frisch. Dabei hätte es uns doch gereicht, hätten wir jede eine Decke gehabt!

Noch komplizierter schien es im nächsten Hotel zu werden. Da tat man sich derart schwer mit unserem Wunsch nach zwei separaten Betten, dass wir befürchten mussten, die eine von uns müsse in einem Klappbett nächtigen. Mit Sorgenfalten im Gesicht stiegen wir die zwei Etagen im altertümlichen aber charmanten Hotel hoch, gespannt welche Art der Bettstatt uns erwarten würde. Unsere Bedenken erwiesen sich zwar als unbegründet, aber frau kann ja nicht von jedem Mössiöö erwarten, dass er auf Anhieb auf unsere Sonderwünsche eingeht.

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Chasperli-Theater

Ein Chasperli-Theater ist eigentlich eine Aufführung für kleine Kinder. Nichts desto trotz fand letzthin auch bei uns ein Chasperli-Theater statt, allerdings zu einer Zeit, in der die lieben Kleinen schon im Bett sind.

Das waren auch wir an jenem Abend, es war nach 22.00 Uhr. Unseren verzogenen Chasperli hatten wir unten in der Küche zur Nachtruhe gebettet. Kaum hatten wir die Türe hinter uns zuzogen, begann er daran zu kratzen, was wir geflissentlich ignorierten.

Offenbar stand ihm der Sinn nicht im Geringsten nach schlafen, und wenn, dann nicht alleine. Darum begann er, mit dem Kopf gegen die Türe zu hämmern. Wir ignorierten ihn immer noch, waren aber natürlich hellwach. Nach einer halben Stunde wurde es meinem innig geliebten Mitbewohner zu bunt. Er ging runter und wurde von Chasperli Freude strahlend und Schwanz wedelnd empfangen. Der Mitbewohner wies ihn an, auf sein Bett zu liegen und kam wieder hoch. Und Ruhe ward, so dösten wir endlich weg.

Es muss wohl eine Stunde später gewesen sein, als das Gerumpel wieder los ging. Chasperli war in voller Fahrt. Der Mitbewohner allerdings auch, als er ihn erneut, diesmal in wesentlich schärferem Ton, in die Schranken wies. Es kehrte Ruhe ein. Die Housesitter versanken im Lande der Träume.

Unser Glück währte diesmal fast zwei Stunden, wurde dafür aber umso abrupter beendet. Chasperli war noch immer davon überzeugt, dass ihm weit mehr als die schnöde Decke in der Küche zustehe. Zum Glück jedoch schien er sich nicht daran zu erinnern, dass er ein Hund ist und bellen kann, sondern kratzte nur an der wehrlosen, unschuldigen Türe. Die Türfalle vermochte er nicht zu öffnen, denn sobald er sich gegen die Türe lehnte, blockierte das Schloss noch mehr. Im Bett der Housesitter kam es währenddessen zu kleineren Misstönen.

Da gutes Zureden bis anhin nicht geholfen hatte, versuchte nun ich mein Glück mit der Variante “Stuhl vor die Türe”. Das wäre insofern beinahe gelungen, als es zur Türe einen kleinen Absatz nach unten gibt, in den man den Stuhl schräg hineinlegen kann. Zufrieden mit meinem Werk ging ich wieder nach oben. Mittlerweile zeigte die Uhr 2.30 Uhr an. Ich hatte wohl noch nicht viel mehr gemacht, als dem Mitbewohner erzählt, welche Barriere ich angebracht hatte, da rumpelte es bereits wieder. Dieses sture, uneinsichtige Biest!

Erneut schwang ich die Decke zurück. Unten war Chasperli damit beschäftigt, den Stuhl hin und her zu schieben, um besser an die Türe zu kommen. Mit einem siegesgewissen Ausdruck kam er auf mich zu, als ich die Leine vom Haken nahm. Dass wir um diese Zeit nicht spazieren gingen, sickerte wohl erst in sein Hundehirn ein, als er sich am Tisch angebunden sah. Mit genügend Auslauf übrigens zu seiner Decke und dem Wassernapf, aber mit gebührendem Abstand von der Türe.

Nun war es an mir, den siegesgewissen Ausdruck aufzusetzen, denn fortan war es geradezu gespenstisch ruhig in der Küche. Da Chasperli bis anhin nie Tendenzen gezeigt hatte, an unseren Schuhen zu nagen oder etwas vom Tisch zu holen, konnten wir uns einigermassen sicher sein, dass von der Einrichtung noch etwas übrig sein würde.

Am anderen Morgen war Chasperli sichtlich reserviert. Er verweigerte sogar das Fressen. Eine grössere Diva als diesen Hund kann man sich nicht vorstellen! Selbst ein Happen Fressen mitten auf der Pfote ignorierte er tapfer.

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Unser Nachtleben

Auf ausdrücklichen Wunsch der Seifenfrau, hier ein exklusiver Einblick in unser Nachtleben:

Soll keiner sagen, es sei zu wenig dunkel. Schliesslich wurde die Aufnahme in Schweden gemacht und da wird es ewig nie dunkel.

Aus kulinarisch-logistischen Gründen sieht es des Öfteren aber auch so aus:

In unserem Wohnmobil ist fast alles möglich. Ausser schlafen und kochen gleichzeitig.

Die siebte erste Nacht

Es wäre alles so schön aufgegangen. Wir hätten am Freitag unser neues Wohnmobil übernommen und eineinhalb Tage Zeit gehabt, um es einzurichten, bevor wir am Sonntag damit wegfahren.

Hätte, wäre, wenn. Alles Theorie, denn am Freitag kam das Telefon aus der Adria-Vertretung. Es sein ein Arbeiter ausgefallen und unser Fahrzeug werde nicht zur vereinbarten Zeit fertig. Nun mag sich der unkundige Leser fragen, was denn an so einem fabrikneuen Fahrzeug noch „unfertig“ sein kann. Ich will es gerne erklären. Wir hatten unser altes Womi an Zahlung gegeben und von ebendiesem galt es, diverses Zubehör abzumontieren und am neuen Fahrzeug anzubringen. Beispielsweise die Solarpanele samt Regler und Batterien und die Satellitenschüssel, um nur die aufwändigsten zu nennen. Ausserdem hatten wir diverse Sonderwünsche wie ein neues Radiogerät, eine Markise oder ein Fahrrad-Ständer für die Heckgarage.

Das erwähnte Telefon traf uns also ziemlich hart. Wir stellten das Ultimatum: Entweder ist das Fahrzeug bis am Samstagmittag betriebsbereit oder wir erhalten ein Ersatzfahrzeug, damit wir wie geplant eine Woche wegfahren können. Man einigte sich darauf, vorläufig nur das Allernötigste zu montieren und am Samstagmittag war tatsächlich soweit alles fertig und brauchbar. Nun kamen mein innig geliebter Mitbewohner und ich gewaltig ins Rotieren! Nur wenige Stunden standen uns zur Verfügung, um unser nigelnagelneues Wohnmobil so einzurichten, dass wir darin eine Woche funktionieren konnten. Dazu sei erwähnt, dass wir es nur als Schlafwagen benutzten, denn wir standen einmal mehr vor dem altbekannten und bewährten Hotel Hintertuxerhof, dessen Infrastruktur wir – selbstverständlich gegen Entgelt – wie schon in früheren Jahren benutzen konnten. Also versuchten wir abzuwägen, welche Sachen wir dringend brauchten, was unbedingt noch vor der ersten Reise erledigt sein musste, und was warten konnte.

Das gänzlich Neue am Adria-Wohnmobil war, dass sich unsere Schlafstätte nicht mehr in schwindelerregender Höhe im Alkoven befand, sondern hinten im Fahrzeug, über der Heckgarage. Wie immer war es aber auch in diesem Fahrzeug an mir, über den Mitbewohner hinweg in den hinteren Teil des Betts zu krabbeln. Vor dem Einschlafen lauschten wir andächtig Regentropfen, die so ganz anders aufs Dach trommelten als im alten Womi und wogen die Vor- und Nachteile des neuen Fahrzeugs ab. Neue Geräusche, neue Ecken, um sich blaue Flecken zu holen, neue Macken, neue Abmessung, neues Fahrverhalten.

Seit drei Jahren nun haben wir dieses Adria-Wohnmobil, gut 32’000 km sind wir damit herumgekarrt. Mittlerweile kennen wir es in- und auswendig. Und schlafen entspannt und gut wie bis anhin in jedem Wohnmobil.

Die sechste erste Nacht

Bevor wir unser Haupt nach einem ereignisreichen ersten Tag zur Ruhe betten konnten, bescherte uns das neue Wohnmobil vor allem eines: schlaflose Nächte. Wesentlich schwieriger, als ein Wohnmobil zu kaufen ist es hierzulande nämlich, einen dafür geeigneten Abstellplatz zu finden.

Da wir unser Fahrzeug mit Wechselnummer einlösen wollten, konnten wir es nicht einfach am erstbesten Strassenrand abstellen. Ausserdem war uns sehr daran gelegen, dass wir für das Womi einen Platz unter Dach fanden. Da wir in ländlicher Umgebung wohnen, fragten wir bei umliegenden Bauernhöfen nach. Erst als das Problem „wohin damit?“ gelöst war, unterschrieben wir den Kaufvertrag.

Als erstes machten wir mit dem frisch eingerichteten Womi eine Kaffeefahrt. Mit dem kleinen Unterschied bloss, dass wir nicht in einen Reisebus einstiegen, um uns in einem Hinterhofsaal irgendein völlig überteuertes Produkt andrehen zu lassen. Nein, wir wollten einfach nur ein kurzes Stück fahren und uns dann einen Kaffee kochen. Das Vorhaben wäre beinahe gescheitert, denn das Ehepaar Flohnmobil ist des Rauchens nicht mächtig und hatte deshalb keine Streichhölzer dabei, um das Gasflämmchen zu entfachen. Ein Kiosk half uns am damaligen Sonntag aus der Patsche.

Die erste wirkliche Ausfahrt mit allem drum und dran führte uns ins Südtirol und weiter bis ins Österreichische Burgenland. Die erste Nacht in einem ausgewachsenen Wohnmobil auf europäischem Boden verbrachten wir bei einem Sportplatz auf der italienischen Seite des Reschenpasses. Geschlafen haben wir mit Sicherheit gut. Nachdem die Feuerwehr, die dort eine Übung absolvierte, abgezogen war, schliefen wir wie die Herrgöttli. Weiter ins Detail gehe ich hier nicht, aber eines kann ich euch verraten: Die Spielwiese im Alkoven war grösser als unser Bett zu Hause.

Nicht am Reschensee, sondern in der Nähe von Bergen/Norwegen.

Die zweite erste Nacht

Wie sehr hatte ich mir immer gewünscht, mit einem Camper zu verreisen. Unabhängig zu sein. Das eigene Bett stets im Gepäck. Unsere pannenvolle Premiere mit dem alten, grünen Bus hatte uns nicht entmutigt, im Gegenteil (wem die Geschichte nicht bekannt ist, kann sie gerne hier nachlesen). Ein knappes Jahr später kauften wir uns einen gebrauchten Campingbus, Typ VW Westfalia Joker. Er hatte unter anderem den Vorteil, dass er mit seinen kompakten Massen in unsere Tiefgarage rein passte. Doch dort hatten wir natürlich die erste Nacht nicht verbracht. Wir vertrauten drauf, dass unser Fahrzeugs dicht war, schliesslich war es keine alte Klapperkiste, sondern ein sechsjähriges Schnäppchen.

Ich platzte beinahe vor Stolz und Vorfreude, als wir zum ersten Mal damit losfuhren. Es war an einem Freitagabend im Mai. Das Fahrzeug hatten wir am Vortag schon startklar gemacht, damit wir möglichst ohne Zeitverlust ins Wochenende rasen konnten. Unser Ziel war ein Campingplatz im Tessin. Vermutlich standen wir damals nicht im Stau vor dem Gotthard, und wenn, dann hätte ich das in meiner damaligen Euphorie locker weggesteckt.

Als wir im Maggiatal ankamen, war es noch immer hell. Nach welchen Gesichtspunkten sucht man sich einen Stellplatz auf dem Campingplatz aus, wenn man frei wählen kann? Wir wussten es damals noch nicht. Wir wussten weder, dass man darauf schauen sollte, dass man nicht unter einem Baum mit dürren Ästen steht, die im Falle eines Sturmes abbrechen, noch, dass man sich so hinstellt, dass der Kühlschrank möglichst wenig Sonne abkriegt. Ach was waren wir für Greenhorns, hochgradig ambitionierte Greenhorns!

Unsere Ausrüstung war damals noch genauso unvollständig wie unsere Vorstellungen vom Camperleben euphorisch und vielfältig waren. Aber wir hatten stets eine glasklare Vorstellung davon, wie unser Ruhelager auszusehen hatte. Wir hatten absolut keine Lust, uns in Schlafsäcke zu wickeln. Seit eh und je hatten wir ein Fixleintuch und unsere ganz normale Bettdecke dabei. Doch zuerst galt es, die Bettstatt herzurichten, was in einem durchschnittlich mit Gepäck vollgestopften VW-Bus mit zahlreichen Manövern verbunden ist. Was auf Position A lag, musste nach B verlagert werden, was vorher auf B war, gehörte nach A. Das Leintuch musste schön sauber um alle vier Ecken der zweiteiligen Matratze gespannt sein, was nur durch mehrere Turnübungen zu erreichen war. Mein innig geliebter Mitbewohner hat es noch nie geschätzt, auf einem Rumpf (auf Deutsch würde man dazu wohl „Falte“ sagen) zu schlafen!

Die erste Nacht im eigenen Camper war – na wie war sie eigentlich? – unspektakulär. Eine von vielen, die folgen würden. Vom Platz her natürlich etwas eng, aber was spielt das für eine Rolle, wenn man sich liebt? Da reichen 1,2 Meter in der Breite doch völlig aus.

Zwar nicht im Tessin aufgenommen, liefert dieses Bild doch den Beweis, dass wir immer in richtigem Bettzeug geschlafen haben.

Das Ende der Beschaulichkeit

Wir haben uns nichts Böses dabei gedacht, als wir in der Parkanlage in Serta ein schattiges Plätzchen anfuhren. Das Thermometer zeigte satte dreissig Grad, Schatten war gefragt, in diesem Ort kein allzu rares Gut.

Das Schicksal nahm seinen Lauf, als mein innig geliebter Mitreisender die Campingstühle in der gepflegten Grünfläche aufstellte. DAS sollte man vielleicht nicht machen, zumal selbst die Portugiesen auf die offensichtliche Abkürzung über die Wiese, pardon – den Rasen – verzichteten. Unter den Augen zahlreicher neugieriger Portugiesen schritt plötzlich ein Uniformierter des Weges. Er trug schwarze Stiefel bis unter die Knie. Lange Sporen hatten die Treter, als wenn er angeritten gekommen wäre – aber er war definitiv im Jeep vorgefahren. Er bellte uns an, dass wir hier nicht „campieren“ dürften. Natürlich auf Portugiesisch, aber wir konnten schon erahnen, was er von uns wollte. Wir verschoben uns ein paar Meter und platzierten die Campingstühle ins Kies um, so dass wir die hehre Grünfläche nicht mehr entweihten mit unseren profanen Birkenböcken.

Die Beschaulichkeit konnte weitergehen. Das tat sie auch. Vor allem, weil mein innig geliebter Mitreisender die nächstgelegenen Rasensprenger-Düsen mit einem Stein beschwert hatte. Grad jedes Dreckwasser lassen wir auch nicht an unser Womi ran! Wir gingen essen und weil das hierzulande nicht vor 20.00 geschieht, kamen wir entsprechend spät wieder zum Womi zurück. Vollgefressen wie wir waren, konnten wir trotzdem nicht sofort einschlafen. So waren wir immer noch hellwach, als kurz vor 24.00 Uhr ein Fahrzeug neben uns parkierte, das wir zuerst als Wohnmobil erachteten.

Weit gefehlt! Das Wohnmobil war eine Imbissbude. Und diese rollte nicht nur ihre Markise runter, sondern setzte auch einen laut dröhnenden Generator in Gang. Uns blieb nur die Flucht! Vom anderen Ende des Parkplatzes aus konnten wir sehen – an Schlaf war vorerst nicht zu denken – dass die Hamburger regen Zulauf zu verzeichnen hatten. Als ein weiteres grosses Fahrzeug anzurollen schien, meinte der Mitreisende lakonisch: „Jetzt chunnt no dä mit em Magebrot.“

Wie Phönix aus der Asche war der Imbissstand aufgetaucht. Und da der Zulauf, oder vielmehr das Gekarre zum Stand, auch drei Stunden später noch anhielt, mussten wir uns aus dem Staub machen. Aber diesmal definitiv weiter weg. Unseren Schönheitsschlaf holten wir erst in der folgenden Nacht nach.

1001 Nacht

Man kann zwar das Kuschelkissen, die Bettdecke und den Partner mit ins Wohnmobil nehmen, aber es schläft sich eben doch anders als in den festen vier Wänden. Ruhig schlummern im Womi will nämlich gelernt sein. Meist ist es etwas enger als daheim. Man sollte sich nicht darüber aufregen, dass man gegebenenfalls die halbe Inneneinrichtung umbauen muss, um die Schlafstelle zu konstruieren. Über das Schnarchkonzert aus dem benachbarten Vehikel muss man grosszügig hinwegsehen. Und sollten plötzlich – wie uns einmal passiert – Kaninchen ihren Reproduktionsdrang unter der Hinterachse ausleben, wertet man es als Zeichen für eine intakte Natur.

Dafür ist der Weg zur Toilette angenehm kurz. Sofern man sie denn benutzt und es nicht vorzieht, mitten in der Nacht einen Spaziergang quer durch den Campingplatz zu unternehmen. Es gibt natürlich auch Leute, die der Bequemlichkeit halber hinter den nächsten Baum pinkeln.

Ich kann meine Nachtruhe überall zelebrieren. Mein innig geliebter Mitreisender behauptet gerne, er könnte glattweg mit dem Womi losfahren, ohne dass ich etwas davon merken würde. Tatsächlich bin ich schon mehr als einmal mitten in der Nacht aufgewacht und finde das Bett neben mir verwaist. Der Mitreisende klebt im Dunkeln hinter der Fensterscheibe, beobachtet irgendetwas draussen. Gähn. „Was gibt’s?“ „Ein Auto hat neben uns parkiert.“ Ach so. Ich hätte das nicht einmal gehört, hätte die vielleicht drohende Gefahr glattweg verschlafen.

Wir suchen uns natürlich Übernachtungsplätze aus, die wir als ungefährlich einstufen. Am liebsten etwas ab vom Schuss. Dieses Vorgehen hat sich bis anhin bestens bewährt. Auf drei Kontinenten und bei mittlerweile bald 2’000 Übernachtungen.

Allzu ängstlich sollte nicht sein, wer sich fürs freie Übernachten entscheidet. Doch bei aller Unbekümmertheit ist es sicher angebracht, gewisse Vorsicht walten zu lassen. So stellen wir unser Fahrzeug in der Regel immer so hin, dass wir notfalls mitten in der Nacht vorwärts wegfahren könnten. Deshalb liegen bei uns auch keine Gegenstände herum, die bei einer überstürzten Abfahrt zuerst verstaut werden müssten. Selbstverständlich hängt der Zündschlüssel immer am dafür vorgesehenen Haken und der Fahrersitz ist in Fahrtrichtung zurück gedreht. Aus einer alten Gewohnheit heraus legt der Mitreisende seine Kleider immer an die genau gleiche Stelle. Er könnte sich selbst im Stockdunkeln anziehen. Obschon es meinem Naturell eher widerspricht, habe ich mir auch angewöhnt, abends meine Kleider gesittet hinzulegen.

Das Tolle am Reisen im Wohnmobil ist, dass die Aussicht aus dem Schlafzimmerfenster ständig wechselt. Jeden Morgen ein neues Panorama – diesen Luxus kann nicht mal ein Fünfsternehotel bieten. Da nehme ich es gerne in Kauf, dass ich mich am Vorabend etwas in Disziplin üben muss.