Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Zwei perfekte Buchstaben

Die Franzosen tun sich sehr, sehr schwer damit, die zwei wichtigen Buchstaben perfekt auszustaffieren. Was haben wir in den vergangenen Tagen nicht schon alles erlebt!

Das verbreitetste Übel: Es hat kein Toilettenpapier. Dicht gefolgt auf Rang 2: Es hat weder einen Trockner noch Papier für die Hände. Ebenfalls beliebt: Es stinkt erbärmlich. Nicht weniger ärgerlich: Es hat keine Seife. Besonders originell: Die Spülung funktioniert nicht. Heute ist noch eine neue Variante hinzugekommen: Die Türe lässt sich nicht abschliessen.

In französischen Restaurants gilt die bei uns verbreitete Meinung, dass die Toilette die geheime Visitenkarte des Lokals sei, leider nicht. Ich sage nur:

G R U U U S I G ! ! !

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Nackte Tatsachen

Man liest so einiges in der Zeitung, das einem den Kopf schütteln lässt. Kürzlich las ich etwas so Unglaubliches, dass mit vor lauter Schütteln bald der Kopf abgefallen wäre.

Nacktrestaurant will seine Gäste schlank und reich
lautete der Titel einer kurzen Meldung, und ich hoffte innbrünstig, der vierte Buchstabe würde sich vor meinen Augen in ein H verwandeln. Aber der Gefallen wurde mir nicht erwiesen. Sinngemäss stand in dem Artikelchen Folgendes:

In Melbourne gibt es schon länger eines, in London seit kurzem und in Bälde auch in Tokio. Man könne in den Lokalen “ohne lästige Kleider” dinieren. Allerdings darf man nicht mehr als 15 Kilo Übergewicht haben, sonst solle man bitte von einer Tischreservation absehen. Das mit gutem Grund, denn schon der Eintritt alleine kostet umgerechnet 720 Franken. Allfälliges Essen – sofern einem der Appetit beim Anblick der anderen Gäste noch nicht vergangen ist – nicht inbegriffen. Notfalls muss man beim Eingang auf eine Waage stehen und wird bei zu viel Speck nicht eingelassen. Kriegt aber auch sein bereits entrichtetes Eintrittsgeld nicht zurück. Man darf weder sehr jung noch allzu gereift sein. Denn es sind nur Gäste zwischen 18 und 60 Jahre erwünscht. Tätowierten bleibt der Zugang zur nackten Gaumenfreude ebenfalls verwehrt.

Es ist bereits wieder ein paar Wochen her, seit die Meldung in der Zeitung erschienen ist. Ich muss auch heute noch den Kopf darüber schütteln. Wie kann man nur! Ist die Menschheit gänzlich am durchdrehen? Was soll daran begehrenswert sein, füdliblutt an einem Tisch zu sitzen und gediegen zu speisen?!? Ich bin nicht prüde, aber nackt setze ich mich auch zu Hause nicht an den Tisch.

Für mich ergibt sich aus diesem Sachverhalt nur eine Konsequenz: Ich werde fortan nur noch in vegetarischen Restaurants essen. Dort kriege ich garantiert kein Fleisch zu Gesicht.

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Die japanische Koch-Show

“Ach schau mal, da kommen unsere Japaner wieder”, sagte meine Freundin Gabi. Das Entzücken, das in ihrer Stimme mitschwang, liess uns aufhorchen, und wir drehten alle Drei den Kopf. Ein japanisches Paar steuerte auf einen freien Tisch im Tuxerfernerhaus zu. Beide waren irgendwo zwischen 50 und 60. Gabi erzählte uns ausgesprochen detailgetreu, was sich bald abspielen würde, denn sie wurde offenbar schon mehrmals Zeugin des Spektakels. Und sie hatte nicht übertrieben.

Die zwei Japaner setzten sich und sie begann, aus dem Rucksack allerlei Plastikdöschen, Schälchen und Beutelchen hervorzuzaubern. Als letztes folgte eine Thermosflasche mit heissem Wasser. Dieses schüttete die Frau in zwei Schälchen, in denen sich irgend ein quellbares Trockenfutter befand. Dann stand sie auf und steuerte mit den beiden Schälchen die Mikrowelle an. Das Gerät ist grundsätzlich dafür gedacht, im Lokal gekaufte Speisen aufzuwärmen. Man kennt das ja von Kantinen und anderen Selbstbedienungs-Lokalen. Die Japanerin setzte die Mikrowelle mit ihren beiden Schälchen in Gang und kehrte danach wieder an den Tisch zurück.

Das Schauspiel ging weiter. Wir starrten alle mehr oder weniger diskret gebannt in die Richtung des Tisches. Dort wanderte der Inhalt diverser Döschen und Beutelchen in die zwei Schalen. Und angerichtet war’s. Der Japaner hatte in der Zwischenzeit keinen Finger gekrümmt, ausser den, den er pausenlos über sein Handy hatte streichen lassen. Die gemeinsame Mahlzeit begann. Beide schaufelten mit Stäbchen den Inhalt ihrer Schalen in den Kopf rein. Zwischendurch pickten sie mit ihren Stäbchen etwas aus den Beutelchen.

Keiner sprach ein Wort dabei. Als das japanische Festmahl offenbar beendet war, verräumte die Frau alles wieder in ihren Rucksack. Nun nahm auch sie ihr Handy hervor und schaute gebannt auf das Bildschirmchen. Gemeinsam sassen die Zwei noch eine Weile am Tisch und beschäftigten sich mit ihren Handys. Ob die Frau ihrem Gegenüber ein SMS schrieb, ob er genug gegessen habe oder ob sie sich anderweitig beschäftigte, werden wir nie erfahren. Aber der Betreiber des Lokals hätte es sicher geschätzt, wenn sie sich den Tee nicht auch noch selber gekocht hätten.

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Es muss ja nicht immer eine schnöde Tafel oder ein Plakat sein,
Kuh geht auch.

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Und hier gleich noch die sprachlich passenden Menüvorschläge:

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Scheint mir eine originelle Beiz zu sein, sofern ich das im Vorbeigehen beurteilen konnte.

Werft mal einen Blick in deren Homepage, es lohnt sich!

Mundartbeiz Rapperswil.

Zähneknirschend

Beim blossen Gedanken an Essen in Frankreich läuft so manch Einem das Wasser im Munde zusammen. Völlig zu Recht. In Frankreich kann man ganz gediegen speisen, der Franzose selber legt viel Wert auf gutes Essen. Die Auswahl an Frischprodukten an den Wochenmärkten ist überwältigend. Auch die Supermärkten haben ein riesiges Angebot an Obst, Gemüse, Fisch, Käse, Fleisch. Ergänzt durch Convenience Produkte, um die ich nicht nur in Frankreich einen grossen Bogen mache. Selber kochen muss man in Frankreich nicht mehr unbedingt können. Frittenbuden landauf landab ergänzen seit Jahren das kulinarische Angebot. Und längst nicht überall wird die Haute Cuisine zelebriert.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich waren vor Jahren in Frankreich unterwegs. Da so ein VW-Camper nicht für die aufwändige Küche eingerichtet ist, gingen wir öfters in Restaurants essen. Schliesslich waren wir damals auch noch unter dem arbeitenden Volk und wollten uns etwas leisten. Das Käffchen im Herzen der Pyrenäen, das wir als Tagesziel ausgewählt hatten, sah vielversprechend aus. Diverse nette Lokale im Ortszentrum liessen den Magen vor Vorfreude knurren.

Wir liessen den Camper auf dem Campingplatz stehen und gingen am Abend zu Fuss ins Ortszentrum. Ja nicht zu früh! Trotzdem waren wir um 20.00 Uhr die ersten Gäste im Lokal. Leider waren all die nett ausschauenden Beizli, an denen wir vor Stunden vorbeigefahren waren, geschlossen. Als einziges blieb ein Lokal am Hauptplatz. Nur bedingt einladend. Aber meine Camper-Küche hätte nichts hergegeben, so dass wir uns auf das Abenteuer einliessen.

Immerhin, die Speisekarte war relativ umfangreich, wir fanden etwas Ansprechendes. Ich erinnere mich nicht mehr, was wir alles bestellten. Aber der Blattsalat – so viele Salate ich im meinem Leben auch schon verdrückt habe – wird mir unvergesslich bleiben. Beim ersten Bissen schon knirschte es zwischen den Zähnen. Kann ja mal vorkommen, dachte ich mir, und schaufelte weiter von dem Grünzeug. Vis-à-vis hörte ich es auch knirschen, dem Mitbewohner erging es offenbar nicht besser. Wir futterten weiter. Genau so lange, bis unter einem Salatblatt eine

!!! Schnecke !!!

zum Vorschein kam. Die herbeigerufene Bedienung zuckte lediglich mit den Schultern und servierte den Schleimer mitsamt seinem Futter ab. Danach folgte noch eine gebackene Forelle mit total verbrannten Mandelsplittern. Den Rest des Menüs habe ich aus meiner Erinnerung verbannt.

Wir haben die französische Küche in all den Jahren, wo wir unser westliches Nachbarland bereist haben, kennen, schätzen und lieben gelernt. Etwas ähnliches ist uns glücklicherweise nicht mehr passiert.

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Brot für Brüder

Mein innig geliebter Mitbewohner und mich zieht es ab und zu in die Berge. So auch vergangene Woche.

Und wie das so ist, wenn man sich den ganzen Tag an der frischen Luft aufhält, befällt einem ab und an ein Gefühl des Hungers. Dieses versuchten wir zu tilgen, was uns zwar einigermassen gelang, aber nicht ganz ohne Unstimmigkeiten unsererseits über die Bühne ging. Deshalb setzte ich mich an den PC und schrieb folgendes Mail an den Wirt:

Grüezi mitenand

Wir waren gestern in den Flumserbergen Ski fahren. Als wir kurz nach 12.30 Uhr ein Restaurant fürs Mittagessen ansteuerten, wunderten wir uns, weshalb die Terrasse auf dem Maschgenkamm mitten in der Hochsaison beim perfektesten Skiwetter, das man sich vorstellen kann, nicht auch so gestossen voll war, wie beispielsweise das Panüöl oder am Prodkamm. Im Gegenteil, es gab noch viele leere Tische. Wir fanden es bald heraus: Man hatte uns eine versalzene Gerstensuppe verkauft und für zwei hauchdünne Scheibchen Brot fünfzig Rappen extra verlangt.

Wir können durchaus nachvollziehen, warum Sie nicht nach Belieben Brot zur Verfügung stellen, denn es wird immer Gäste geben, die zu einer Bouillon fünf Scheiben Brot einheimsen. Aber unter dem einen Stück Brot, das im Preis der Suppe inbegriffen ist, stellen wir uns weiss Gott nicht nur eine angetrocknete Scheibe von einem Zentimeter Dicke vor!

Wie offenbar schon viele Gäste vor uns werden auch wir unsere Lehren ziehen und Ihr Lokal künftig meiden.

Mit freundlichen Grüssen
Herr und Frau Flohnmobil

Es dauerte keine 24 Stunden, schon flatterte eine Antwort in meinen Briefkasten.

Guten Abend

Es freut uns dass sie den Flumserberg besucht haben.

Dass sie bei uns eine versalzene Gerstensuppe erhalten haben tut uns sehr leid. Leider haben sie uns nicht vor Ort die Möglichkeit gegeben unseren Fehler wieder gut zu machen, sodass uns im Nachhinein nichts anders bleibt als uns bei ihnen zu entschuldigen.

Mit freundlichen Berggrüssen

Lars Zischg

Dass ich die versalzene Suppe nicht im Nachhinein reklamieren muss, ist mir sehr wohl bewusst. Aber ich verspürte wirklich wenig Lust, mit den Skischuhen nochmals ans Buffet zurück zu gehen. Auf die Sache mit dem Brot wird nicht eingegangen. Wie ich schon geschrieben habe, wir haben unsere Konsequenzen gezogen!

Bin ich so kleinlich, mittlerweile gar etwas realitätsfremd, wenn ich mich über ein Stückchen Brot aufrege, das meiner Meinung nach symptomatisch für die Schweizer Tourismusbranche ist?

quittung

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Entdeckt im Bergrestaurant Alp Bella/Samnaun.

Die müssen grosse Karten haben, diese Bündner.