Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Lobend erwähnt

Ich hatte ihm zum Abschluss des Gesprächs beim Händeschütteln gesagt, ich würde ihn lobend erwähnen. Und das mache ich nun.

Nach meiner Autopanne mit der blockierten Vorderradbremse (wer sich nicht erinnert, kann gerne HIER nachlesen), fuhr ich bei nächstmöglicher Gelegenheit zu meinem Garagisten, der vor zwei Monaten einen umfassenden Service an meinem Auto durchgeführt hatte, inklusive Bremsbeläge und Bremsscheiben ersetzen.

Er hörte mir zu, als ich ihm den Vorfall schilderte, holte dann zu einer kurzen Erklärung aus, nahm alle Schuld auf sich und öffnete ohne Zögern die Kasse, um mir die 117 Franken, die mich der Spass gekostet hatte, zurückzubezahlen.

So hatte ich mir das vorgestellt. Dass ich so reibungslos zu meinem Geld kommen würde, hat mich dennoch überrascht. Wahrscheinlich habe ich nun einen Eintrag in meinem Kundendossier: “Frau Flohnmobil will nicht nur ein Auto, dessen Bremsen tadellos funktionieren, sondern sie hat auch noch ziemlich viel Haare auf den Zähnen!”

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Ent(s)pannend

Vor nicht allzu langer Zeit, man könnte auch sagen, es war in der zweiten Hälfte der zu Ende gehenden Woche, durfte ich meinen Wortschatz erweitern. Um ein Wort, auf das ich nicht sonderlich erpicht war.

Ich war unterwegs mit Ziel Brigels. Kurz vor Chur vernahm ich ein seltsames Geräusch. Autoradio aus. Das Geräusch blieb. Schlimmer noch, es wurde ständig lauter. Es tönte so ähnlich, wie wenn eins der Fenster nicht ganz zu wäre. Mir war nicht mehr wohl bei der Sache, so verliess ich bei Chur Süd die Autobahn und rettete mich und meinen Subaru auf den erstbesten Parkplatz. Dort stellte ich den Motor ab, stieg aus und lief rund ums Auto. Es bedurfte keiner besonderen mechanischen Kenntnisse, um festzustellen, dass es aus der vorderen rechten Bremse qualmte. Und erbärmlich stank. Die Bremse hatte blockiert.

Handy hervornehmen. Assistance anrufen. Eine gefühlte Ewigkeit, in Tat  und Wahrheit aber keine 20 Minuten später, hielt ein Fahrzeug neben mir. Fahrer wie Beifahrer liessen sich eindeutig der Gattung Automechaniker zuordnen. “Oh, das ist aber ziemlich heiss geworden”, liess der eine der Beiden nach einem Rundgang ums Auto verlauten.

Es gibt keinen geeigneten Zeitpunkt, um eine Autopanne zu haben. Wohl aber einen geeigneten Ort. Und den hatte ich mir ausgesucht, lag doch die Subaru-Vertretung keinen Kilometer von meinem Standort entfernt. Der Mechaniker setzte sich ans Steuer und kurvte in einem Fahrstil, den sich mein Auto nicht gewöhnt ist, zur Werkstätte und dort auf den Lift. Es war kurz vor 17.00 Uhr. Die Ursache für die überhitzte Bremsscheibe war schnell gefunden, der Schaden ebenso schnell behoben. Die Garage, wo mein Auto vor zwei Monaten im Service war, hatte geschlampt beim Ersetzen der vorderen Bremsen. Ein Führungsbolzen hatte blockiert, weil es zu viel Fett drin hatte und er nicht ausgeblasen wurde.

An dieser Stelle muss ich anfügen, dass ich von Autos im Allgemeinen und Vorderradbremsen im Besonderen etwa so viel verstehe, wie ein Pferd vom Sticken. Deshalb interessierte mich die Frage brennend, ob man (und in diesem Fall meinte ich natürlich meinen Mann, würde er noch leben) die sich anbahnende Katastrophe hätte merken können. Der Mechaniker verneinte, was mich in meinen Augen als etwas weniger hilfloses autofahrendes Geschöpf aussehen liess.

Noch weniger hilflos war ich, als es ums Begleichen der Rechnung ging. 117 Franken, ein paar Nerven und eine gute Stunde Zeit kostete mich die Express-Reparatur. Auf der Rechnung stand unter anderem:

Fahrzeug entpannen und in Garage überführen.

Entpannen. Der Duden kennt dieses Wort nicht. Aber ich bin, um ganz ehrlich zu sein, seit man mein Auto entpannt hat, wieder sichtlich entspannt.

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Die erste Nacht

Unser erstes Mal fand in einem betagten VW-Camper mit Hochdach statt.

* P A U S E T A S T E *

Pfui, doch nicht was ihr denkt!
Wenn ihr weiterlest, werdet ihr schnell merken, dass wir damals grössere Sorgen hatten, als die Federung des klapprigen Busses zu testen.

* P A U S E T A S T E *

Das schlammgrüne Objekt der Begierde wurde uns von Freunden im temporären Austausch gegen unseren PW zur Verfügung gestellt. Es sollten die ersten gemeinsamen Ferien meines zukünftig innig geliebten Mitbewohners und mir werden. Frohen Mutes fuhren wir mit dem VW-Bus an einem sommerlich warmen Freitagabend Richtung Genua. Kurz nach Mailand passierte es. Pffft – Plattfuss vorne rechts, Karkasse total zerfetzt. Das ist schon mit dem eigenen Fahrzeug ein Ärgernis, wenn man mit einem geliehenen Wagen unterwegs ist, verkommt es unter Umständen zum Alptraum. Wir orteten das notwendige Werkzeug unter der Sitzbank des Beifahrers und konnten so in Kürze den Radwechsel vornehmen. Was wir aber nicht bedacht hatten: Wir standen in der Abenddämmerung am Rande eines Reisfelds. Als wir wieder einstiegen, schwirrten uns Dutzende von Moskitos um die Ohren. Da wir weder eine Fliegenklatsche ausmachen konnten, noch einen Insektenvernichtungs-Spray fanden, nahmen wir den fast aussichtslosen Kampf gegen die Blutsauger mit einem Stück Vorhang auf. Wir würden den Ort nie mehr finden, wo wir unsere erste Nacht in einem Campingfahrzeug verbrachten. Aber ihr könnt mir glauben, dass jene Nacht sehr kurz und sehr unruhig ausfiel. Als wir schliesslich in Korsika von der Fähre rollten, mussten wir zuerst einen neuen Reifen auftreiben, bevor Ferienstimmung aufkommen konnte.

Damit wir uns nicht zu sehr in Sicherheit wiegten, überraschte uns das Fahrzeug laufend mit neuen Mätzchen. Einmal stieg die Wasserpumpe aus, das nächste Mal riss das Kupplungskabel. Stets fanden wir das für die Reparatur nötige Ersatzteil mitsamt dem Werkzeug unter der besagten Sitzbank vor.

Angesichts dieser vielen Pannen in so kurzer Zeit mag es verwundern, dass wir uns nicht entsetzt von diesem neu entdeckten Hobby abwandten und beschlossen, fortan in Hotels Ferien zu machen. Doch es war schon immer mein Wunschtraum gewesen, mit einem Camper zu verreisen. In all den Jahren, als ich auf dem Campingplatz versuchte, Zeltheringe gerade in den Boden zu schlagen, schielte ich stets schwärmerisch und auch ein wenig neidisch zu den Campingbussen rüber. Wie grenzenlos musste die Freiheit mit einem solchen Fahrzeug sein! Bereits als Kind hatte ich mit Legosteinen Wohnwagengrundrisse entworfen. Hätte es damals schon Barbie- und Playmobil-Wohnmobile gegeben – ich hätte mit Sicherheit eins im Kinderzimmer gehabt.

Bald zwei Jahrzehnte nach unserer pannenvollen Premiere sind wir immer noch und trotz allem mit Leib und Seele Camper-Reisende. Mehr als 2’000 Mal haben wir bereits in einem Campingfahrzeug geschlafen. In einer kleinen Serie werde ich euch die diversen Fahrzeuge und das damit verbundene Abenteuer der allerersten Übernachtung in einem neuen Fahrzeug vorstellen.

Der dumme Wohnwagen

Den Begriff „dummer Wohnwagen“ haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich anlässlich eines wenig erfreulichen Ereignisses ins Leben gerufen. Wir hatten mit dem VW-Bus eine Panne, mussten aufgeladen werden und verbrachten – bevor der Camper ein weiteres Mal verladen wurde für den Transport in eine Reparatur-Werkstatt – eine Nacht in unserem röchelnden Fahrzeug. Es war um uns geschehen: Wir hausten statt in einem flotten Gefährt nur noch in einem dummen Wohnwagen.

Seither ist viel Wasser den Rhein runter geflossen und wir waren in unserer Freizeit immer und ausschliesslich mit einem Wohnmobil unterwegs. Das Schicksal bzw. der Brötchengeber verlangt nun aber von mir, dass ich eine Familie porträtiere, die regelmässig mit dem Wohnwagen in die Ferien fährt. Mit so einem dummen Gefährt also.

Nun muss ich all meine Fantasie einsetzen, um zu einer guten Adresse zu kommen, denn ich kenne wohl zig Wohnmobilfahrer, aber niemanden, der einen Wohnwagen hat. Der Haken daran: Die Betroffenen müssen möglichst weit weg wohnen. Irgendwo im Wallis, im Engadin oder weiss der Geier wo. Einfach nicht in und um Zürich.

Ich befürchte, die Einzige, die momentan etwas dumm aus der Wäsche schaut, bin ich selber.

Notfall in der Garage

Die Aufregung war kurz, heftig und glücklicherweise unbegründet. „Das Auto läuft nicht mehr“, keuchte mir der innig geliebte Mitbewohner auf dem Rückweg von der Tiefgarage entgegen. Dabei hätte er in zehn Minuten einen Termin wahrnehmen müssen.

Was mache ich in so einer Rolle? Das was ich am besten tun kann: unschuldig aus der Wäsche gucken. Denn was Autos und überhaupt alles Technische betrifft, ist des Mitbewohners Sache. „Die Tür war nicht recht zu. Die ver….(hier muss ich aus Gründen der Höflichkeit kurz ausblenden)… Innenbeleuchtung hat die ganze Nacht gebrannt. Wahrscheinlich ist nur die Batterie leer.“ Sprachs und rannte mit dem Schlüssel für den Garagenschrank von dannen. „Komm auch mit runter“, hörte ich ihn gerade noch rufen.

Als ich in der Garage ankam, hing bereits das Ladegerät am Strom, zwei Kabel führten zur Autobatterie. Auf Anordnung des Mitbewohners musste ich das Auto anlassen. „Jetzt!“ Ich drehte voll konzentriert den Schlüssel, versuchte, nichts falsch zu machen. Denn in so einer Situation versteht der Mitbewohner keinen Spass. Wie wenn nichts gewesen wäre, lief der Subaru an.

„Nun musst du mich aber fahren“, entschied der Mitbewohner, „auf der kurzen Strecke erhält die Batterie sonst nicht genügend Strom.“ Weiss ich doch, schliesslich habe ich in meiner Vor-Mitbewohner-Zeit auch schon mal die Kofferraum-Beleuchtung an gelassen. Und damit der Pannen-Statistik des TCS zu einem weiteren Eintrag verholfen.

Unser Notfall-Szenario sah vor, den Mitbewohner die paar Kilometer ins Nachbardorf zu fahren, dort auszuladen und das Auto – und wehe nicht vor dem geschlossenen Bahnübergang abstellen und ja kein Licht machen, keine Ventilation und kein Radio an! – wieder zurück in die Garage zu stellen. Sollte die Batterie noch nicht genügend geladen sein, um ein zweites Mal zu starten, könnte a) der Mitbewohner mit dem ÖV heim kommen und b) das Auto ohne weitere Umstände nochmals ans Landegerät angehängt werden.

Doch unser Auto hat uns nicht im Stich gelassen. Nun sind wir alle wieder dort, wo es uns am wohlsten ist: Der Subaru nuckelt in der Garage am Ladegerät, der Mitbewohner schaut Sport am Fernsehen und ich habe soeben diesen Blog-Beitrag geschrieben.

Habe ich eigentlich schon erzählt, wer am Auto gestern die Türe nicht recht geschlossen hat?