Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Online-Auktion

Verchäuferlis

Verchäuferlis spielen alle Kinder gerne. Da machte ich auch keine Ausnahme. Ich hatte so einen Verchäuferli-Lade mit Mini-Produkten wie Plastik-Salami, Gummi-Gurke oder das Kartönchen mit dem berühmt-berüchtigten Franck-Aroma. Nicht zu vergessen das dazugehörige Spielgeld.

Das Verchäuferli-Spiel für Erwachsene spielt sich heutzutage online ab. Gegenwärtig bin ich dran, bei Ricardo diverse Sachen meines verstorbenen Mannes zu verkaufen. Und es zeigt sich einmal mehr: Es geht alles weg. Man muss nur lange genug warten. Und gegebenenfalls etwas den Preis anpassen. Aktuell läuft natürlich Ski-Ausrüstung aller Gattung sehr gut. Skis, Skianzüge, Skihemden, Helm, alles muss weg. Ich bin da zu wenig sentimental, dass ich mir einen solchen Gegenstand als Erinnerung aufheben würde. Meine Erinnerungen sind anderswo. Und dort besser aufgehoben.

Mitunter macht man lustige Erfahrungen beim Abschluss einer Auktion. Kürzlich musste ich eine Skijacke an einer Tankstelle an der Autobahn abgeben, damit der neue Besitzer sie dort abholen konnte, weil es mit der Post zu lange gedauert hätte. Oder da stand der etwas umständliche, neue Besitzer einer 18 Jahre alten Video-Kamera vor der Türe und wollte noch ein Zubehör-Teilchen, das wir längst liquidiert hatten, weil kein Mensch mehr auf diese Art Fotos macht.

Eine Vielzahl der Auktionen geht reibungslos über die Bühne, meist beschränkt sich der Kontakt auf die automatischen generierten Abschluss-Mails. Eine glorreiche Ausnahme bietet allerdings der Ablauf dieser Auktion, die auch heute noch lesenswert ist.

Da ich alle Gegenstände fotografiert habe, kann ich noch über Jahre hinweg zurückverfolgen, was auf diese Weise so alles den Besitzer gewechselt hat. Schneeketten, Kerzenständer, Suppenschüsseln, alte Kameras, eine Skibox, Schallplatten, Bücher, Steigeisen, Silberbesteck, ein Ledermantel, Schuhe. Selbst ein kaputter PC-Monitor fand einen neuen Besitzer und auch mein gesamtes Sammelsurium an Stricknadeln und zwei Knäuel Baby-Wolle kam seinerzeit unter den Hammer.

Und endlich, endlich hat gestern jemand auf die Regenhose geboten, die schon seit Wochen online ist. Wieso wohl ausgerechnet jetzt?

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Commissario Ricardo

In der Wohnung, die zu räumen wir das „Privileg“ hatten bzw. immer noch haben, befand sich nebst zahlreichen, mit Wäsche und Kleider vollgestopften Kleidern viel Krimskrams. Als „Nippsachen“ werden solche Staubfänger auch bezeichnet. Und ich kann herzlich wenig damit anfangen. Selbst wenn es sich um eine Meissen-Figur handelt, die edel, teuer und rar ist.

So lag es also nahe, die Figur im Ricardo zu verhökern (Anmerkung für Nicht-Schweizer: Ricardo ist das helvetische Abbild von Ebay.). Die Gebote trudelten ein, die Bietenden überboten sich, bis über dem Vögelchen schliesslich der Hammer runterging. Virtuell gesehen natürlich nur, denn das Porzellanding sollte ja den neuen Besitzer en bloc erreichen.

Es wurde ein Übergabetermin vereinbart, denn die Höchstbietende, nennen wir sie Grete Maier, bestand darauf, die Figur abzuholen und hakte gleich nach, ob wir noch mehr Meissen Porzellan zu verkaufen hätten, das sie sich gleich anschauen könnte. Da ich am vorgeschlagenen Tag nicht daheim war und Frau Maier von jenseits dem Rhein stammt, einigten wir uns auf einen Übergabeort in der Nähe der Wohnung, die mein innig geliebter Mitbewohner und ich schon seit Tagen räumen. Vereinbart war ein Parkplatz, der einfach anzufahren war. Eine Übergabe auf einem Parkplatz – in mir stiegen Erinnerungen an Mafia-Filme hoch. An diffuse Geschäfte mit finsteren Gestalten. Aktenkoffer, die gereicht werden und einem Kommissar, der schulterzuckend im Angesicht der Leiche meint: „Da ist wohl etwas nicht so gelaufen, wie es hätte sollen.“ Zu meiner Beruhigung hätten wir uns bei hellheiterem Tag getroffen und den Mitbewohner hätte ich als Rückendeckung auch noch in meiner Nähe gewusst. Doch es kam alles anders.

Denn ich war am vereinbarten Tag kurzfristig verhindert und versuchte deshalb, Frau Maier telefonisch zu erreichen. Unter der angegebenen Handy-Nummer meldete sich eine Blechstimme: „Diese Nummer ist noch nicht vergeben.“ Unter der Festnetz-Nummer nahm ein Grösi ab, das mir mit knappen Worten erklärte, es hätte nichts mit Frau Maier und einer Meissen Figur zu tun.

In mir keimte der Verdacht, dass es gar keine Grete Maier gab und dass da irgendjemand anonym bleiben wollte. Mir blieb keine andere Wahl, als die ominöse Maierin nochmals per Mail anzuschreiben, und zu hoffen, sie würde meine Nachricht rechtzeitig lesen. Das tat er/sie/es offenbar, denn er/sie/es antwortete, Herr Maier könne es einrichten, zu uns heim zu kommen, wie ursprünglich geplant.

Als der vermeintliche Maier an unserer Türe klingelte, ich ihm öffnete und „Herr Maier?“ sagte, war es da nicht, als ob er einen kurzen Moment zögerte und auf seinen Zettel blickte, wie er denn nun heute hiesse?

Wie immer der Abholer geheissen haben mag, er bezahlte prompt den geschuldeten Betrag und ging mit dem Vieh von dannen. Mir kann es letztlich egal sein, wer den Vogel erworben hat und was damit geschieht. Hauptsache, ich muss ihn nicht abstauben.

Einkaufen mit Richi

Es ist erstaunlich, was sich so alles an Hausrat ansammelt, das man nicht mehr braucht. Noch erstaunlicher ist es, dass es für fast alles jemanden gibt, der für das, was unsereins ausstaubt, noch Verwendung hat. Ein Flohmarkt ist eine Möglichkeit, ein Inserat oder der Bring- und Holtag in der Gemeinde eine weitere, um seinen Grümpel loszuwerden.

Dank Online-Auktionen kann man zu Hause in aller Ruhe herumstöbern, oder, ohne der Unbill des Wetters ausgesetzt zu sein, seine Sachen feilbieten. Ich habe schon Vieles über Ricardo.ch verkauft und staune immer wieder, dass selbst vermeintliche Ladenhüter noch einen Abnehmer finden. Glänzendstes Beispiel dafür war ein Computer-Monitor, der, obschon defekt und selbstverständlich entsprechend angepriesen, für über 60 Franken den Besitzer wechselte. Reiseführer, Skis, Schuhe, Puzzles, Rucksäcke, Küchengeräte, Camping-Artikel, selbst Wolle und ein ganzes Sortiment Stricknadeln habe ich so schon verschachert.

Aber ich stand auch öfters auf der anderen Seite des virtuellen Ladentisches. Vor wenigen Tagen habe ich Geschirr ersteigert. Lange schon hatte ich nach diesem Geschirr mit genau diesem Dekor Ausschau gehalten, denn es ist seit mehreren Jahren nicht mehr zu kaufen. Es ergänzt mein Service, das ich seit bald 15 Jahren habe und von dem naturgemäss im Verlauf der Zeit ab und zu mal was in die Brüche gegangen ist.

Nun ja, ich wäre auch zufrieden gewesen, wenn ich für die 50 Franken nur je ein halbes Dutzend Geschirrteile ersteigert hätte. Mit Sicherheit bin ich jetzt mit Geschirr eingedeckt bis an mein Lebensende. Und ich kann mir sogar mal erlauben, in einen richtig deftigen Ehekrach einzusteigen, in dem nebst den Fetzen auch die Teller fliegen.