Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Ohnmacht

Dichte Wolkenfelder

Ich weiss, ich bin mit meinem letzten Blog-Beitrag etwas hart ins Gericht gegangen mit meinen Mitmenschen.

Natürlich dürft ihr mich weiterhin virtuell drücken, mir Kraft wünschen, selbst mich zum xten Mal fragen, wie es mir geht, auch wenn die ehrliche Antwort darauf “beschissen” ist und ich mir doch meist etwas Netteres einfallen lasse.

Je mehr ich hier über unser Schicksal schreibe, desto mehr erkenne und erfahre ich, dass ich damit nicht allein im Universum stehe. Es gab schon viele vor mir, die ihren Partner durch Krebs verloren haben und es wird auch noch viele geben, die dieser heimtückischen Krankheit ausgeliefert sind.

Dennoch, es ist so tami hart, mitansehen zu müssen, wie der Partner leidet. Ich schöpfe alle Möglichkeiten aus, die noch bleiben, um ein paar Sonnenstrahlen auf meinen schwerkranken Mann scheinen zu lassen. Aber gegen die düstere Wolkenfront, die am Himmel aufzieht, bin ich letztlich machtlos. Und diese Ohnmacht, diese Hilflosigkeit macht mir am allermeisten zu schaffen.

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Zum Kotzen stark

Von einer Kollegin, deren Mann vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist, habe ich folgendes Mail erhalten:

… Wie ich schon im letzten Mail geschrieben habe, ist es mit dem Kraft-Wünschen immer so eine Sache. Ich hätte oft kotzen können, ob all der Kraft, die man mir wünschte. Schon klar, die Mitmenschen wollen etwas Liebes sagen, ich weiss, ich weiss. …

Ich könnte es nicht in treffendere Worte fassen. Auch mir wird Kraft gewünscht. In Mails, im persönlichen Kontakt, per SMS, Blog-Kommentaren. Ich werde in sämtlichen vorgängig erwähnten Varianten gedrückt, sogar ins Gebet einbezogen. Von allen Seiten her wird mir auch immer wieder versichert, man denke an mich/uns.

Emotionslos betrachtet muss ich mich fragen, was mir all die Wünsche bringen. Es geht weder mir noch meinem Mann dadurch besser. Aber die Wünsche sind, und das ist mir sehr wohl bewusst, ehrlich gemeint. Und letztlich auch nur ein Abbild von dem, was wir selber empfinden: Hilflosigkeit, Traurigkeit, Ohnmacht.

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