Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Kunstschnee

Wie gehabt

Skifahren ist Skifahren. Und irgendwann ist alles darüber gesagt bzw. geschrieben. Könnten Aussenstehende denken. Und ich füttere dieses Cliche heute ausnahmsweise mal nach bestem Wissen und Gewissen.

Denn hier wurde tatsächlich schon viel über Skifahren geschrieben. Klar doch, es ist des Mitbewohners und mein Hobby. Und dieses Hobby üben wir viel und gerne aus.

Doch leider braucht es dazu Schnee. Und dieser ist gerade eben etwas Mangelware, wie das folgende Bild zeigt.

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Wo kein Kunstschnee liegt, könn(t)en Wanderfreuden gefrönt werden. Daneben rohren die Schneekanonen fast Tag und Nacht. Und nur dank ihnen ist hier überhaupt Skibetrieb möglich.

Da dieser Blog nicht nur dazu dient, mich mit der Aussenwelt auszutauschen, sondern auch eine Art Chronik ist, kann man hier selbstverständlich nachlesen, wie speziell die Verhältnisse vor einem Jahr waren.

Und ohne das Flohnmobil hätte auch ich nicht mehr gewusst, weshalb ich in Samnaun/Ischgl vor zwei Jahren eine Suchanzeige aufgab.

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Schnee? Lass uns von etwas anderem reden!

Dieser Winter lässt sich Zeit. Viel Zeit. Die Schneesportlehrer, Hoteliers, Restaurantbesitzer und alle anderen, die vom Wintertourismus leben, werden je länger je mehr um ihr Weihnachtsgeschäft bangen. Und das völlig zu recht. In den Alpen liegt so wenig Schnee wie schon lange nicht mehr. Das mag jene freuen, die mit dem Winter nichts am Hut haben und für die jede Schneeflocke eine Schneeflocke zu viel ist. In den Bergen aber findet man die Launen von Petrus und Frau Holle schon längst nicht mehr lustig.

Samnaun liegt auf 1’840 m und ist damit höher als der höchste Punkt so manchen Skigebietes. Hier ziert kein Flöckchen Schnee die steilen Hänge. Von dem Fläumchen, das am vergangenen Dienstag gefallen ist, ist längst nichts mehr zu sehen.

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Auf den Pisten liegt 99 % Kunstschnee. Seit es endlich kalt genug geworden ist, um die Schneekanonen in Betrieb zu nehmen, laufen diese hier und in allen anderen Skiorten Tag und Nacht. Wo die 45 cm Schnee gemessen wurden, die es gemäss offiziellem Pistenbericht haben soll, ist mir ein Rätsel.

Das Skifahren auf so viel Kunstschnee ist ein zwiespältiges Vergnügen. Aber blauer Himmel und frische Luft sind auch nicht zu verachten. Was etwas weniger toll ist, sind die vielen, vielen Leute, die in der Silvretta-Arena Samnaun/Ischgl Ski fahren. Da alle umliegenden Skigebiete infolge Schneemangels noch geschlossen sind, karren die Leute von weit her hierhin. Wir haben mit Sachsen gesprochen, die sind für ein Wochenende 700 km weit gefahren. Und die finden das völlig normal, andere würden von noch weiter her kommen! Ich weiss nicht, ob ich unter solchen Umständen Skifahrerin geworden wäre.

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Frau Holle, lass es schneien. Bitte!!!!

Wenn Frau Holle Zähne zeigt

… sieht das im 21. Jahrhundert so aus:

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Als Kind hatte ich ehrlich gesagt viel romantischere Vorstellungen von Frau Holle.

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Weltverändernd biologisch

Während mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns daran machten, eine Dose Bio-Apfelmus zu leeren, tauchten plötzlich gravierende Probleme auf, die, so sollte sich im Verlauf des Abends zeigen, weltbewegende Veränderungen nach sich ziehen würden.

Wir stellten uns die ganz banale Frage: Was ist das Gegenteil von Bio? In einem gnadenlosen Brainstorming wirbelten die Begriffe kreuz und quer durch die gute Stube, bis wir uns schliesslich auf einen Begriff einigen konnten: künstlich. Mit noch immer heftig ausschlagenden Gedanken wandten wir diese Erkenntnis sogleich für Bereiche ausserhalb von eingestampftem Obst an. Und was lag da näher, als uns mit biologischem Skifahren auseinander zu setzen?

Da staunt ihr, was? Das Gegenteil von Skifahren auf pickelhartem, glasigem Kunstschnee ist nach unserer unbestechlichen Logik das Fahren auf biologischem Schnee! Denn wer würde wagen zu bezweifeln, dass das, was da ohne technische Hilfsmittel als Weiss von oben kommt, biologischer Herkunft ist? Der Mitbewohner und ich gerieten in Euphorie. Was gab es biologischeres als so ein unschuldiges Schneeflöckli, das nichtsahnend vom Himmel fällt? Keine Kuh, die CO2 furzte. Keine langen Transportwege. Keine importierten Düngemittel.

Wir waren so begeistert von unserer Idee, dass wir flugs Touristik-Konzepte entwickelten. Bio-Skis gab es früher schon in der Form von Fassdauben. Sie würden unter unserer Ägide ein regelrechtes Revival erleben, Fässer bald Mangelware werden. Skistöcke waren bereits einmal aus Haselstauden. Nach biologischen Grundsätzen geführte Hotels gab es bereits. Einige Probleme schwanten uns bei Bio-Skilehrern, aber mit etwas gutem Zureden würden sich auch diese heranzüchten lassen.

Der Mitbewohner und ich sind uns ganz, ganz sicher, dass unser Bio-Konzept DIE Rettung für den kränkelnden Wintertourismus in der Schweiz ist. Generationen von aktuellen und künftigen Skifahrern werden uns dankbar sein und die Vorzüge reiner Naturschnee-Pisten, also biologischer Skipisten, wieder zu schätzen wissen.

Zu den Langsamfahr- und den Chill-Out-Pisten werden bald Bio-Pisten kommen. Selbstredend, dass diese grün markiert sein werden. Die bis anhin bemitleideten Skigebiete, die über keine Beschneiungs-Anlagen verfügten, werden dank dem neuen Label zu Ruhm und Ehren kommen, denn Bio-Skipisten schliessen eine riesige Marktlücke in der Winterlandschaft.

Bio-Schnee. Wir wissen warum.

Alles im grünen Bereich

In früheren Jahren sah es in Brigels um den 20. Dezember rum so aus.

Kurz vor Weihnacht präsentiert sich die Landschaft in der Surselva dieses Jahr so:

An Skifahren im Sinne des Erfinders ist nicht zu denken, auch wenn sich ein paar Unverdrossene trotzdem auf die höher gelegenen Pisten wagen. Frühlingshafte Temperaturen lassen die in den vergangenen Wochen mit viel Aufwand beschneiten Pisten und im besonderen die  Talabfahrt kontinuierlich schwinden.

Der Begriff „alles im grünen Bereich“ dürfte für mehr oder weniger sämtliche Tourismus-Verantwortlichen im Alpenraum dieses Jahr ein rotes Tuch sein.

Skifahrerin, verheiratet, sucht

Ein zweckmässiges Outfit für die Piste. Einen Helm zur Erhaltung des Oberstübchens. Eine Skibrille für den richtigen Durchblick. Mass-Skischuhe samt Heizung. Einen Privat-Skilehrer. Frisch gewachste Skier. Ein Auto mit Vierrad-Antrieb.

Quatsch, hat sie alles schon! Was sie wirklich sucht:

Es gibt ihn zwar. Aber nicht in Massen. Und wenn, dann im Reagenzglas mit der Schneekanone erzeugt.

Seit Wochen müssen die zischenden Schneekanonen im Skigebiet Samnaun/Ischgl rund um die Uhr in Betrieb gewesen sein. Es ist erstaunlich, wie sich die Pisten hier trotz prekärer Schneelage in einwandfreiem Zustand präsentieren.

Doch so sehr ich mich auch angestrengt habe fünf bombige Skifahrer-Tage lang, ich habe nichts, aber wirklich gar nichts am Himmel erspäht, das auch nur annähernd wie eine Wolke gesehen hat, in der sich Frau Holle hätte verstecken können.

Frühlingshafte Temperaturen in der dritten Adventswoche mit Plusgraden auf über 2’000 Metern. Ob sich Frau Holle rechtzeitig gegen das starke Hoch durchsetzen kann und uns doch noch weisse Weihnachten und den Skiorten den dringen nötigen Schnee beschert? Konsultiert doch mal das Wetterorakel!

Alptraum in den Alpen

Seine Vorfahren hatten dem jungen Steinbock überliefert, dass früher die Hornlosen immer erst ihre Wintersport Aktivitäten aufnehmen konnten, wenn Frau Holle ihnen den dazu nötigen Schnee vor die Füsse geschüttelt hatte.

Diese Zeiten schienen endgültig der Vergangenheit anzugehören. Die einen Hornlosen konnten es kaum erwarten, bis es endlich schneite, koste es, was es wolle. Sie installierten Beschneiungs-Anlagen auf Teufel komm raus und setzten die Anlagen in Betrieb, sobald es die Temperaturen zuliessen. Selbst Gletscher bestäubten sie mittlerweile mit Kunstschnee. Dass die Hornlosen sich in seinem Revier rücksichtslos breit machten, damit hatte er sich zwangsläufig abgefunden, aber für diese fauchenden, spuckenden Stangen hatte der Steinbock kein Verständnis.

Aus sicherer Entfernung beobachtete er das Treiben auf dem, was die Hornlosen „Skipiste“ nannten. Dort schlidderten sie über den beinharten Kunstschnee. Das sollte wohl auch noch Spass machen? Aber es gab auch solche, die bewegten sich gegen den Strom, mussten stets Obacht geben, dass sie auf ihrem Weg nach oben nicht umgehobelt wurden. Für was hatten denn die Hornlosen mit viel Kohle die ganze Landschaft verschandelt und Seilbahnen errichtet? Das war definitiv zu viel für den Steinbock. Er wandte sich wieder ein paar trockenen Grasbüscheln zu. Wenigstens die würden ihm die Hornlosen nicht auch noch streitig machen.

Als ich noch auf Skitouren ging, war es nicht nur verpönt, einer Piste entlang hochzusteigen. Es wäre mir auch nie in den Sinn gekommen, auf Kunstschnee eine Skitour zu unternehmen. Vorher hätte ich mich zu einer Wanderung herabgelassen. Eine Skitour auf Kunstschnee – was für ein Alptraum!

Herbstlich einsam

Das war ein Spätherbst! So etwas hatte der Steinbock noch nie erlebt. Herrlich angenehme Temperaturen, der Blick auf die Hornlosen häufig durch eine dicke Nebelschicht verwehrt, die lästigen Gondeln und Sessellifte ausser Betrieb. Und im Gegensatz zu anderen Jahren verbreiteten nicht mal die Schneekanonen ihre fauchenden, grunzenden Geräusche. Es war einfach zu warm zum schneien.

Der Steinbock frohlockte. Von ihm aus konnte es noch lange so weitergehen. Ihm gefiel die Ruhe, die so viel besser in die abgeschiedene Bergwelt passte als der Rummel, den die Hornlosen verbreiteten, sobald sie erschienen.

Etwas weniger gut erging es seinem Cousin östlich des Rheins. Was hatte der Idiot auch dorthin auswandern müssen, das hatte er nun davon! Die Österreicher, diese skiverrückte Nation, hatten es schon vor Wochen schneien lassen. Und nun – so hatte sein Cousin berichtet – reihten sich die künstlich erzeugten Schneeflecken wie eine Perlenkette auf den Hängen auf und wurden jeden Tag kleiner. Der Steinbock wusste zwar nicht, was das Wort „Energieverschwendung“ zu bedeuten hatte, irgendwie schwante ihm aber, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. Ein anderer Cousin, ebenfalls ein Abtrünniger, hatte sogar berichtet, dass die Österreicher mittlerweile selbst Gletscher beschneiten. Und dies auf einer Höhe, wo es selbst ihm schwindlig wurde. Auf über 3’000 Metern liessen sie es bei stahlblauem Himmel schneien.

Er schüttelte unwirsch seine prächtigen Hörner. Was würde den Hornlosen wohl als Nächstes einfallen?

Schneehöhen – oder: „Mathematik für Anfänger“

Der Winter hat – nach einem fulminanten Start – eine arge Schwäche eingefangen. Einmal im Winterurlaub möchte selbstverständlich jeder schönes Wetter. Deshalb scheint Schneemangel dann das kleinere Übel zu sein, als ständig schlechtes Wetter, dafür viel Neuschnee. Aber mit diesem Wetter, das uns die vergangenen Wochen beschert haben, kann es bestenfalls noch Schneezuwachs aus der Kanone geben. Aber ohne Naturschnee (für mich ohnehin so etwas wie das Unwort des Jahrhunderts), dafür mit weissen Kunstschneebändern, fehlt der schönsten Berglandschaft der Winterzauber. Kürzlich hat ein Zermatter Touristiker verlauten lassen, im Nobelkurort könnten mittlerweile fast alle Pisten beschneit werden, so gesehen sei der Naturschnee nur noch Dekoration.

Ich frage mich nun aber, wie viel von der besagten „Dekoration“ wirklich noch in den Bergen liegt. Und in welchem Schattenloch, fernab jeglicher Pisten, die Schneehöhen gemessen werden. Im Tages-Anzeiger werden jeden Tag die aktuellen Schneemengen im Tal und auf dem Berg publiziert. Gewisse Orte nehmen es da sehr, sehr genau. Gstaad beispielsweise gibt 4/240 cm an. In Crans Montana sollen 3/170 cm liegen und selbst die Sonnenterrasse Braunwald gibt 30/40 cm vor. Die Lenzerheide rühmt sich gar, im Tal noch 30 cm Schnee zu haben. Deshalb kann ich mir nicht erklären, dass gewisse Loipenabschnitte gar nicht offen sind. Null Schnee im Tal will keine der in der Zeitung aufgeführten Skistationen einräumen. Vielerorts stehen seit Wochen die gleichen Zahlen im Schneebericht, obschon es lange Zeit frühlingshaft warm war und sich ein beträchtlicher Teil des Schnees verabschiedet hat.

In den vergangenen Tagen hat es einige Flocken geschneit. Bleibt zu hoffen, dass sich dadurch die publizierten Zahlen wieder etwas den tatsächlichen Begebenheiten annähern und dieser Winter nicht als kalter Sommer in die Annalen eingeht.

Kein Bock auf Schnee

Er blinzelte in den blauen Himmel hinauf, dann wieder runter ins Tal. Konnte er seinen Augen noch trauen? Da kam so weisses Zeugs vom Himmel. Es schneite! Verwirrt schüttelte er seinen Kopf. Über all die Jahre war die Landschaft immer nur dann unter einem weissen Teppich verschwunden, wenn es bedeckt und trübe war. Und auf einmal so was!

Trotzig scharrte er im Boden. Ein dürres Grasbüschel kullerte den felsigen Hang hinunter und bewegte sich geradewegs dorthin, wo vor kurzem noch Gras gewachsen waren. Saftige Kräuter, die ihm Kraft verliehen hatten, all seine Gegner zu besiegen. Jetzt stand dort eine Maschine, die fauchte und spuckte. Das Gerät wollte so gar nicht in sein Reich passen. „König der Berge“ nannten sie ihn, aber mit diesem Gegner würde er es nicht aufnehmen können. Missmutig wandte sich der Steinbock ab. Nein, auf solchen Schnee hatte er gar keinen Bock.