Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Kuchen

Das Frustgebäck

Wer hier schon länger mitliest, weiss: Dieser Blog hat auch eine kulinarische Seite. Und wer hier schon länger mitliest, merkt spätestens seit dem letzten Satz: In diesem Blog wurde schon lange nicht mehr gekocht oder gebacken.

Das mit dem Kochen und Backen im Allgemeinen und mit dem Essen im Besonderen ist ein schwieriges Thema geworden im Hause Flohnmobil. Die kulinarischen Vorlieben meines Mannes erkenne ich in den letzten Monaten kaum wieder, ganz abgesehen davon, dass er nur noch Mini-Portiönchen “verzehrt”. Dennoch flackert in mir ab und zu die alte Leidenschaft auf, denn wie gerne würde ich wieder regelmässig fantasievolle, originelle und mitunter auch aufwändige Gerichte auf den Tisch bringen. Und schliesslich muss ich ja auch noch etwas essen.

Meine Küche ist nicht mehr besonders raffiniert. Noch einfältiger als die drei Hauptmahlzeiten kommt bei uns nur noch die Kategorie Süsses daher. Hatte ich früher in der Regel mindestens zwei Kuchen pro Woche gebacken, weiss ich schon bald nicht mehr, wie so etwas geht und kaufe mir stattdessen ab und zu etwas Süsses. Mein Bedarf an E-Stoffen und weiteren undefinierbaren Hilfsmitteln ist allerdings bereits wieder bis auf unbestimmte Zeit gedeckt.

Und drum habe ich heute aus lauter Frust wieder einmal gebacken. Aus Frust über den Verlust meines bisherigen Lebens. Aus Frust über unsere beschissene Situation, die uns zu Einsiedlern werden lässt. Aus Wut und Verzweiflung vor der Ungewissheit, die auf uns wartet.

Und letztlich auch, weil ich Hefegugelhopf mag. Da ich ihn ohnehin praktisch alleine essen muss, habe ich zwölf kleine Gugelhöpfli gemacht, von denen ich den grössten Teil einfrieren werde. Und da ich keine Mini-Gugelhopf-Formen habe, kamen meine Silikon-Förmli wieder mal zum Einsatz. Ob etwas draus geworden ist, oder ob ich mir mit der Frust-Backerei grad den nächsten Frust aufgeladen habe, weiss ich derzeit noch nicht.

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Verwechslung ungünstig

Ich backe viel und gerne. Nicht nur Kuchen, sondern auch Brot und anderes Gebäck. Da ein Backofen ganz schön viel Energie verbraucht, versuche ich immer, seinen Kapazität so gut wie möglich auszunützen. Mein Backofen läuft nie wegen zwei einsamen Frischback-Brötli. Aber gar nie!

Natürlich kann auch ich ich mein hehres Ziel nicht immer erreichen, den Backofen doppelt zu bestücken. Aber ich bemühe mich zumindest. So brutzelt beispielsweise über drei Laiben Brot das Nachtessen in Form eines Poulets im Bratbeutel. Oder die Aubergines, die ich am nächsten Tag für die Vorspeise brauche, garen zeitgleich mit einem Cake.

Durch geschickte Planung lässt sich so Energie sparen, ohne dass die kulinarischen Wünsche zu kurz kommen. Am Schluss braucht es einfach noch den Durchblick, was da eigentlich alles im Backofen schmurgelt, was wann fertig ist und welcher Nachbehandlung es bedarf. Im vorliegenden Fall wäre den Auberginen eine Zitronen-Marinade sicher wesentlich besser bekommen, als wenn der Zitronencake mit Kräutern, Olivenöl und Knoblauch bestrichen worden wäre.

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Kulinarische Sympathien

Es gibt gute Kuchen. Aber keine schlechten. Vielleicht missratene, oder solche die einem nicht schmecken. Daneben gibt es feuchte Kuchen, staubtrockene Kuchen. Längliche oder runde. Solche mit Früchten, Nüssen, Schokolade, Quark. Ohne Mehl, ohne Eier, ohne Zucker (…ohne Geschmack). Es gibt alte Familienrezepte und Neukreationen. Aufwändige Rezepte oder kinderleichte. Die Auswahl an Kuchen ist schier unendlich.

Nebst der ganzen Vielfalt an Rezepten gibt es eine Kategorie an Kuchen, die nur und ausschliesslich im Hause Flohnmobil vorkommt: sympathische Kuchen. Zu dieser Kategorie gehört dieses Werk aus Mürbeteig, einer Füllung aus Eier, Mandeln und Zucker und den in einem Weisswein-Sud vorgekochten Birnen. Als Krönung erhält der Kuchen einen Anstrich aus dem sirupartig eingekochten Birnen-Wein-Sud.

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Es ist jedoch nicht dieser Finish, der diesem Kuchen derartige Sympathien verleiht, sondern die Tatsache, dass man den Kuchen noch lauwarm essen kann. Solche Kuchen mag mein innig geliebter Mitbewohner! Nichts schlimmer, als wenn ich einen Kuchen backe, der zuerst noch ein, zwei oder gar mehr Tage lagern muss. So wie der Kartoffelkuchen, der noch bis zu seiner Verköstigung im Kühlschrank ausharren muss.

Ich wünsche euch ein Wochenende voller sympathischer Begegnungen. Sei es nun mit lieben Mitmenschen (das steht mir bevor, *freu*), einem schönen Ort oder einem genussbereiten Kuchen, der mit Liebe und Freude gebacken wurde.

Saure Luft

Es war ein eher fragwürdiges Unterfangen, in den immer noch glühenden Abendstunden ein, nein nicht ein, DAS Kuchenrezept finden zu wollen. Lustlos blätterte ich in meinem altehrwürdigen Betty-Bossi-Kuchenbuch. Dieser Kuchen? Nein, zu aufwändig. Jener? Nein, da fehlten die Kokosraspel im Haushalt.

Schon war ich im hintersten Drittel des Buches angelangt und einer gewissen Verzweiflung nahe. Ich wollte morgen unbedingt einen Kuchen backen. Schokoladekuchen sollte es nicht schon wieder sein und für einen komplizierten Kuchen mangelte es grad etwas an Motivation. Ich hatte noch einen fertig ausgerollten Mürbeteig im Kühlschrank, aber keine Früchte, um daraus eine Wähe zu machen. Es schien sich ein kleines Drama anzubahnen…

…bis ich auf die Seite mit dem Zitronen Pie stiess. Und plötzlich wusste ich, was ich backen wollte: Einen Zitronen Meringue Pie. Das tat ich am nächsten Morgen auch. Mit diesem Rezept, das ich nach kurzem Googeln als kulinarisch würdig befand. Normalerweise halte ich nicht viel von Amerikanischer Koch- und Backkunst. Aber dieses Produkt lässt sich auch bei Temperaturen über 30 Grad durchaus geniessen.

Schokoglasur in grün und blau

Ich backe viel und gerne Kuchen. Aber ich mache mir nichts aus Dekorationen. Ein Kuchen ist für mich dann ein perfekter Kuchen, wenn ich ihn aus der Kuchenform raus nehmen kann und er fixfertig ist. Lange am Backwerk rumwerkeln mit Glasur, Silberkügelchen und Marzipanröschen liegt mir nicht.

Wenn ich mich doch einmal anders besinne und mir fest vornehme, eine prächtige Torte herzustellen, mich nicht davor scheue, die Torte mit einem Faden in der Mitte durchzuschneiden, Preiselbeerkonfitüre reinzukleckern und dem Ganzen mit einer Glasur den perfekten Anstrich zu geben, dann, ja dann ärgere ich mich grünst und blaust, wenn die Glasur im Rezept trotz mehrfacher Erhöhung der Kirschdosis zäh bleibt und sich auf dem Kuchen nur widerwillig und alles andere als knitterfrei verstreichen lässt.

Glücklicherweise gibt es für solch freudlose Fälle eine Geheimwaffe: Puderzucker. Denn ist es nicht so, dass mit einer gehörigen Ration Puder(zucker) schon manch altes Guezli wieder aufgepeppt wurde?

Kleine Lektion Schweizerdeutsch zum Schluss: Ein altes Guezli (steht für einen alten Keks) ist die wenig schmeichelhafte Bezeichnung einer Dame fortgeschrittenen Alters.

Stupide Früchtchen

Ich wollte seit Tagen schon etwas über die üppige Beerenernte hier schreiben. Im ganzen Gelände verteilt hat es diverse Früchtchen. Die Erdbeeren waren bei unserer Ankunft schon vorbei. Die Stachelbeeren noch zu sauer, die Himbeeren und Brombeeren blühten erst. Absehbar war, dass wir uns über kurz oder lang mit der Ernte der Johannisbeeren beschäftigen würden.

Das taten wir vor einigen Tagen auch. Zugegeben, mit einem gewissen Aberwillen, gehören doch die sauren Beerenfrüchte nicht gerade zu unseren Lieblingen. Über zehn Kilo Johannisbeeren hatten wir geerntet. Die meisten davon schwarze, einige rote und fast an einer Hand abzuzählen noch ein paar weisse. Ich machte einige Gläser Gelée für den Eigengebrauch, der Grossteil wanderte, wie von der Dame des Hauses gewünscht, ins Tiefkühlfach. Was sie damit anstellen wird ist mir zwar schleierhaft, habe ich doch in der Gefriertruhe noch Johannisbeeren vom letzten Jahr gefunden.

Während der Ernte, die sich über Stunden hinweg zog, hatte ich ausreichend Gelegenheit, darüber nachzudenken, wieso man eine etwas einfältige Frau in unserem Sprachgebrauch ein „Beeri“ (eine Beere) nennt. Es muss irgendwie damit zusammenhängen, dass dieser Akt des Beeren Ablesens und Entstielens nicht gerade viel Hirnmasse benötigt. Dafür ist die beschriebene Tätigkeit sehr förderlich für den Erhalt der Feinmotorik, was man in meinem Alter ja nicht oft genug praktizieren kann.

Aus den Restposten der Trüübeli (so der schweizerdeutsche Ausdruck) habe ich heute einen Kuchen gebacken. Das Rezept habe ich bei Frau Silberdistel abgekupfert. Es kann bedingungslos weiterempfohlen werden.

Bei Frau Pfarrer in der Küche

Immer nur in der eigenen Küche zu stehen, ist schlicht langweilig. Wieviel anregender ist es doch, zwischendurch mal in einer fremden Küche zu wirken, Schublade auf, Schublade zu. Na wo ist denn bloss…? „Wo hast du den Zucker?“

Ich habe heute der Frau des Pfarrers etwas über die Schulter geschaut. War aber auch zu lecker, was die beleibte Frau da zubereitet hat. Teig kneten, Äpfel schnibbeln, Eischnee schlagen, Zitrone auspressen.

Leider war es mit der Nächstenliebe zu Ende, als sie den Kuchen aus dem Ofen nahm. Sie wollte mir partout nicht das Rezept verraten. Und der Kuchen war natürlich noch zu warm, zum kosten. Mit knurrendem Magen und hängenden Mundwinkeln musste ich von dannen ziehen.

So was passiert nicht ohne Konsequenzen! Im Zeitalter des Internets bleibt schliesslich kein Geheimnis gewahrt. Nach kurzem Googeln lag das Rezept auf meinem Küchentisch, der Mixer bereit zum Einsatz, der Apfelschäler übermotiviert und voller Tatendrang. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Eine Torte mit knusprigem Teig und einer saftigen Füllung.

Lust zum nachbacken? Das Rezept gibt’s hier.