Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Küche

Für die nächsten 20 Jahre

Er schaute schon länger nicht mehr wirklich frisch aus. Mit leicht hängendem (Mund)Winkel begrüsste er mich jeden Morgen in der Küche. Durch die stets gleiche Abreiss-Richtung des Papiers war er in Schieflage geraten. Dennoch tat er weiterhin und ohne Murren seinen Dienst. So wie in den vergangenen 20 Jahren. Sein Anblick jedoch gefiel mir plötzlich nicht mehr und so riss ich ihn von der Wand. Den Rollenhalter. Und kratzte eine gefühlte Ewigkeit lang Leim von den Plättli ab. Es war nur ein billiges Produkt aus Kunststoff, aber absolut zweckdienlich. Von der Idee, den Leim auch noch quadratmillimeterweise vom Kunststoff zu kratzen und den alten Rollenhalter nochmals an die Wand zu pappen, kam ich schnell ab.

Noch vor dieser Kurzschluss-Reaktion hatte ich in mehreren Anläufen versucht, einen Ersatz zu finden. Weder ein stehendes Designer-Objekt noch eine Kombination mit Alufolie und Plastikfolie im selben Teil fand meine Gunst. Nein, es sollte möglichst ähnlich sein.

Und siehe da, in unserer schnelllebigen Zeit gibt es doch noch Werte, die sich halten. Auch wenn es sich nur um einen simplen Rollenhalter aus weissem Kunststoff handelt. Als ich ihn vorgestern endlich im xten Geschäft sah, war mein Tag gerettet. Das Teil sah exakt aus wie mein altes. Zweifellos etwas weniger vergilbt, aber ansonsten völlig identisch.

Voller Glückseligkeit erstand ich das edle Stück für sage und schreibe Fr. 6.90. Und der Clou dran: Der Hersteller gewährt 20 Jahre Garantie. Hoffentlich weiss ich das im Jahr 2038 noch.

Bildergebnis für rotho rollenhalter

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Erheiterndes Chuchichästli

Chuchichästli ist das Wort schlechthin, mit dem wir Schweizer verifizieren, ob jemand unsere Sprache aktenzfrei sprechen kann. Es dient uns als Prüfung, ob das “ch”, das für auswärtige Ohren wie der Ansatz zu etwas nicht Salonfähigem tönen mag, richtig tief aus der Kehle kommt.

Mein Chuchichästli – das Wort bedeutet übrigens Küchenschrank – hat jüngst für viel Erheiterung gesorgt. Im letzten Blogbeitrag nämlich dank euren zahlreichen Kommentaren, die ich für einmal nicht einzeln beantworte, sondern hier sozusagen zusammenfasse.

Es war herrlich zu lesen, was alles in dieses Foto hineingedichtet wurde. Dabei wollte ich doch lediglich wissen, ob ich die Einzige bin, die findet, gewisse Griffe seien wohl etwas gar hoch angebracht. War ich nicht, eure Kommentare diesbezüglich waren so zahlreich wie originell. Zum Thema Küche hat offenbar selbst der grösste Kochmuffel etwas beizusteuern.

Eins muss ich hier klarstellen: Es handelt sich nicht um meine Küche daheim, sondern die in einer Ferienwohnung. Deshalb die “Ordnung”. Steckdosen hat es hier übrigens gleich drei, aber wäre es meine Küche, würde irgendwo eine Kaffeemaschine stehen. Und wahnsinnig praktisch finde ich so eine aufgereihte Küche nicht. Da geht man ständig hin und her. Ein Eck wäre viel praktischer. Dennoch, für eine Ferienwohnung ist sie ganz okay, ich hab schon wesentlich Schlimmeres und vor allem Kleineres erlebt.

küche

Was jemand als Fliesen an der Wand erachtete, ist das gleiche Material wie auf der horizontalen Abdeckung. So etwas ist bei uns ganz und gäbe. Hauptsache abwaschbar! Und garantiert habe ich nichts mit Photoshop bearbeitet. Die vermeintlichen Füsse sind meine Handschuhe, die hinter dem besonnten Fenster am trocknen waren.

Dass da gleich zwei Flaschen Wein bereit standen, ist offenbar niemandem aufgefallen.

Wie auch immer, ich werde dem Vermieter sagen, er soll entweder die Türchen wieder ummontieren (wir waren nämlich schon mal in der Wohnung, und da waren sämtliche Griffe ohne Dehnübungen zu erreichen) oder nur noch Gäste aufnehmen, die mindestens eins achtundsechzig gross sind.

Das Küchen-Mysterium

… oder:

Was stimmt hier nicht?

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Irgend eine gute Idee?

Die Bestandesaufnahme

“War das jetzt ein Frühlings-, Jahres- oder Zehnjahresputz?” Die Frage meines innig geliebten Mitbewohners, so zynisch sie auch gestellt war, hatte durchaus ihre Berechtigung. Es war bitternötig gewesen, meine Küche wieder mal gründlich zu reinigen. Nicht nur von aussen, sondern insbesondere auch in den Schränken.

Das Reinigungsprozedere liess sich ideal mit einer Bestandsaufnahmen kombinieren. Und da kam einiges zum Vorschein, von dem Köchin Flohnmobil nichts mehr gewusst hatte! Es regte auch zum Nachdenken an. Als ich meine Auslegeordnung an Pfannen aller Art betrachtete, kam ich nicht umhin, mich zu fragen, ob der Mensch wirklich so viele Pfannen braucht. Dabei sind auf dem Bild noch nicht mal alle Pfannen, Töpfe und Kochbehältnisse abgebildet, die es in meinem Haushalt gibt.

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Ob weniger nicht mehr wäre? Es wäre sicherlich einfacher, weniger Pfannen in den beiden Schubladen unter dem Kochfeld zu verräumen. (Der Mitbewohner schimpft ohnehin jedes Mal, wenn er dort etwas verstauen muss.)

Aber jede Pfanne hat ihre Bestimmung. Klar könnte ich auch in der Gusseisenpfanne Polenta kochen. Meine Urgrossmutter würde dazu vielleicht impulsiv nach der orangen Pfanne greifen, weil sie mit dem neumödischen Zeugs nichts anzufangen wüsste. Und müssen es wirklich fünf verschiedene Bratpfannen sein?

Ja, müssen es. Und wer nun ungläubig staunt, findet die Gründe hier. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich hänge an meinen Töpfen. Manche begleiten mich schon durch mein ganzes Köchinnen-Leben. Und das sind immerhin schon mehr als drei Jahrzehnte.

Es sucht und sucht und sucht und s…

Housesitting, das bin ich mir bewusst, ist nicht jedermanns Sache. Hätte ich nur vier Wochen Ferien im Jahr, würde ich es mir auch nicht antun, bei anderen Leuten die Hühnerscheisse auszumisten und im Garten zu jäten. Bei uns ist das aber anders. Wir fahren nicht weg, um uns zu erholen, sondern um etwas anderes zu erleben. Und das können wir hier mit Sicherheit.

Eine der hauptsächlichen Beschäftigungen beim Housesitting ist…? Nein, nicht Hühner füttern, auch nicht den Garten giessen (obschon bei dem Wetterbericht werden wir dem Pegelstand im Garten vermehrt Beachtung schenken müssen). Nein, es ist der hochkomplexe Vorgang des Suchens.

Ich suche in der Küche, mein innig geliebter Mithüter sucht irgendetwas draussen in der Werkstatt. Gemeinsam stehen wir ratlos vor dem Schrank mit den Elektrosachen oder einem der Nebengebäude. Mal ist es nur ein Stück Schnur, das nächste Mal ein Pinsel, eine Glühbirne, eine Gemüsereibe oder Pfefferkörner.

Dabei herrscht in diesem Haus durchaus Ordnung. Aber der Mithüter hat es treffend ausgedrückt: Will man etwas flicken, dauert die Reparatur vielleicht eine Viertelstunde, die Suche nach dem geeigneten Material und Werkzeug gut und gerne doppelt so lang.

Wer sucht, der findet, besagt das altbekannte Sprichwort. Dem können wir einmal mehr beipflichten. Und je länger wir das alte Haus von Rocky Docky hüten, desto kürzer werden die Suchzeiten. Bis Weihnachten kennen wir uns hier sicher bestens aus.

Das Bild stammt, und das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen, nicht aus Schweden!

Krumm und luftlos

Vor nicht allzu langer Zeit machte sich im Hause Flohnmobil der Wunsch nach einem Vakuumiergerät breit. Damit würde man nicht nur die in naher Zukunft zu erwartenden Fische professionell um den Finger wickeln verpacken können, sondern später im Jahr beispielsweise auch Pilze, oder das Mega-Super-Aktionspack mit Fleisch aus dem Supermarkt oder was auch immer.

Die Euphorie über das neue Gerät war gross. Bloss – was damit vakuumieren? Womit sollten wir das Gerät ausprobieren? Kein Fisch weit und breit in Sicht. Kein Pilz. Der Kühlschrank gab nichts her, das zu versiegeln sich gelohnt hätte. Die stinkigen Socken des Mitbewohners unter Verschluss zu bringen erschien mir genauso wenig sinnvoll wie eine Tafel Schokolade in den luftleeren Raum zu befördern.

In meiner Not griff ich zu einer Banane. Dieses Objekt, von Natur aus bereits mit der perfekten Verpackung gesegnet, musste als Versuchskaninchen hinhalten.

Ich bin mir ganz sicher, auf diese Idee kam noch niemand. Aber schön schaut sie aus, die Krumme. Mich dünkt gar, so eine Vakuum-Banane hätte ein klein wenig etwas mit KUNST zu tun. Findet ihr nicht auch?

Fremd wohnen

Es gibt vieles in einer Ferienwohnung, das man bemängeln kann. Schlappe Betten, verkalkte Wasserhähne, durchsichtige Wäsche, undichte Fenster, durchgerittene Sofas, muffiger Geruch, lauwarme Heizung, verbeulte Bratpfannen, rostiges Besteck, trübe Gläser, dürftige Beleuchtung. Die Liste der Unzulänglichkeiten liesse sich beliebig verlängern und mit jedem Mal, wo mein innig geliebter Mitbewohner und ich in einer Ferienwohnung absteigen, kommt etwas hinzu. Was ist es diesmal? Hm, da muss ich mich grad etwas anstrengen, ist die Wohnung in Morgins für unsere Bedürfnisse doch nahezu perfekt.

Da ich fast immer selber koche, gilt mein besonderes Augenmerk der Küche. Als gebranntes Kind verlasse ich mich allerdings nicht blindlings auf das Angebot in der Ferienwohnung, sondern bringe mittlerweile diverse Messer, den Messerstahl, Gummischaber, Schere, Schöpflöffel, Salatbesteck und ein grosses Schneidebrett von zu Hause mit. Neuerdings gehört auch ein Kartoffelschäler zum Sortiment. Dies, seit ich bei unserem Housesitting-Abenteuer in Schweden mit seltsamem Werkzeug hantieren musste. (Wie schaffen die Schweden das bloss, ihre vielen Kartoffeln so zu schälen?) Haltet von mir, was ihr wollt, aber mich nervt es gewaltig, wenn ich mit einem unscharfen Messer auf einem postkartengrossen Brett etwas schneiden muss.

Mit Ausnahme meiner Messer, diejenigen hier auszuprobieren hatte ich keine Musse, hätte ich alles zu Hause lassen können. Diese Küche ist nämlich sehr gut ausgerüstet. Sie verfügt über zwei gut sortierte Besteck-Schubladen, mehr Pfannen, als ich daheim habe, genügend Geschirr (auch wenn es auf Schränke in der ganzen Wohnung verteilt ist) und so viele Gläser, dass der Mitbewohner und ich zwei Wochen lang nicht abwaschen müssten. Was im Übrigen nicht bedeutet, dass wir die ganzen Ferien über trocken bleiben!

Das haben wir auch schon anders erlebt! Das mit dem Geschirr, meine ich, denn genau abgezähltes Geschirr und Besteck gehört eher zum Normalfall. Alles exakt mal vier ist in einer Wohnung für zwei Personen die Regel.

Wir können mit allem umgehen. Seien es enge Platzverhältnisse oder nur vier Gabeln. Schliesslich sind wir altegediente Wohnmobilisten und dort konnten wir auch nicht nach Belieben die Einrichtung aufstocken. Doch die rostige Röstiraffel (Kartoffelreibe) hier im Bild werde ich trotzdem nicht benützen. Und die Knoblauchpresse auch nicht. Die hab ich nämlich selber im Gepäck. Kochen in verbeulten Pfannen ist möglich. Kochen ohne Knoblauch absolut nicht.

Einkaufen mit Richi

Es ist erstaunlich, was sich so alles an Hausrat ansammelt, das man nicht mehr braucht. Noch erstaunlicher ist es, dass es für fast alles jemanden gibt, der für das, was unsereins ausstaubt, noch Verwendung hat. Ein Flohmarkt ist eine Möglichkeit, ein Inserat oder der Bring- und Holtag in der Gemeinde eine weitere, um seinen Grümpel loszuwerden.

Dank Online-Auktionen kann man zu Hause in aller Ruhe herumstöbern, oder, ohne der Unbill des Wetters ausgesetzt zu sein, seine Sachen feilbieten. Ich habe schon Vieles über Ricardo.ch verkauft und staune immer wieder, dass selbst vermeintliche Ladenhüter noch einen Abnehmer finden. Glänzendstes Beispiel dafür war ein Computer-Monitor, der, obschon defekt und selbstverständlich entsprechend angepriesen, für über 60 Franken den Besitzer wechselte. Reiseführer, Skis, Schuhe, Puzzles, Rucksäcke, Küchengeräte, Camping-Artikel, selbst Wolle und ein ganzes Sortiment Stricknadeln habe ich so schon verschachert.

Aber ich stand auch öfters auf der anderen Seite des virtuellen Ladentisches. Vor wenigen Tagen habe ich Geschirr ersteigert. Lange schon hatte ich nach diesem Geschirr mit genau diesem Dekor Ausschau gehalten, denn es ist seit mehreren Jahren nicht mehr zu kaufen. Es ergänzt mein Service, das ich seit bald 15 Jahren habe und von dem naturgemäss im Verlauf der Zeit ab und zu mal was in die Brüche gegangen ist.

Nun ja, ich wäre auch zufrieden gewesen, wenn ich für die 50 Franken nur je ein halbes Dutzend Geschirrteile ersteigert hätte. Mit Sicherheit bin ich jetzt mit Geschirr eingedeckt bis an mein Lebensende. Und ich kann mir sogar mal erlauben, in einen richtig deftigen Ehekrach einzusteigen, in dem nebst den Fetzen auch die Teller fliegen.

Nicht ohne meinen Gummischaber

In jeder Küche findet sich so Manches, das der Köchin oder dem Koch das Kochen und Backen erleichtert. Vermutlich nahezu jedes einzelne Teil. Jedes Messer, die Siebe, diverse Kuchenformen, das gefährliche Wallholz.

Aber auf ein bestimmtes Ding möchte ICH auf keinen Fall verzichten. Drum gibt es dieses Ding in meiner Küche gleich in vierfacher Ausführung. Ausserdem eine weiteres im Wohnmobil, wo das Ding ebenso unentbehrlich ist. In Ferienwohnungen gehört ER, zu meinem Leidwesen, viel zu selten zum Standard.

Der Gummischaber hilft mir dabei, den Kuchenteig schnell und fast gänzlich aus der Schüssel zu kratzen. Sehr zum Leidwesen meines innig geliebten Mitbewohners übrigens, der immer schnell zur Stelle ist, wenn es eine Teigschüssel auszuschlecken gibt. Der Gummischaber  ist mit von der Partie, wenn ich Polenta rühre oder Eischnee unterziehen muss. Und er holt auch noch das letzte Restchen der ach so köstlichen Sauce aus der Pfanne.

Gummischaber gab es in meiner Küche schon seit eh und je. Dass man ohne sie überhaupt kochen kann, will mir beinahe nicht ins Oberstübchen rein. Seit es die ominösen Küchenhelfer sogar aus hitzebeständigem Silikon gibt, ist mein kulinarisches Glück perfekt.

Dieses Glück hat kürzlich Zuwachs erhalten in Form eines weiteren Gspänlis für das bisherige Trio. Das grüne Ding – auch aus Silikon, what else? – sieht zwar aus, als ob es eben grad nicht aus Silikon wäre und etwas zu lange in der Bratpfanne gelegen hätte. Aber: Das muss so sein. Ehrlich. Ich hab das Ding so gekauft. In der Migros, die gerade einen auf Asiatische Woche macht. Ich habe zwar keinen Wok zum drin rumwuseln, aber auch in meine diversen eidgenössischen Bratpfannen passt die grüne Neuerrungenschaft ganz vorzüglich.