Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Hintertuxer Gletscher

Das Beste am Schluss

So, mein lieber Stöckli, nun beginnt ein anderes Leben. Ab sofort haben du und deine beiden Kumpels Sommerferien.

Ihr habt nochmals alles gegeben, habt mich begleitet, mich in Schwung gehalten. Zusammen mit euch habe ich eine weitere Skisaison sturz- und unfallfrei über die Bühne gebracht. Die letzten fünf Tage hielten für euch wie für mich nochmals einige Überraschungen bereit. So viel Neuschnee und tolle Pistenverhältnisse habe ich um die Jahreszeit schon lange nicht mehr gesehen. Das ging leider einher mit nicht immer ganz wolkenlosem Wetter. Von den frostigen Temperaturen reden wir schon gar nicht. Doch Petrus (oder war es diese schrullige Frau Holle?) sparte sich den schönsten Tag fürs Finale auf. Heute:

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Und damit ist nun auch für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich die Skisaison zu Ende. Wirklich, wahrhaftig und definitiv. Nach dem allgemeinen Abtaucher in den Winter, der nicht nur uns auf dem Hintertuxer Gletscher betroffen hat, freuen wir uns auf den Sommer.

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Die japanische Koch-Show

“Ach schau mal, da kommen unsere Japaner wieder”, sagte meine Freundin Gabi. Das Entzücken, das in ihrer Stimme mitschwang, liess uns aufhorchen, und wir drehten alle Drei den Kopf. Ein japanisches Paar steuerte auf einen freien Tisch im Tuxerfernerhaus zu. Beide waren irgendwo zwischen 50 und 60. Gabi erzählte uns ausgesprochen detailgetreu, was sich bald abspielen würde, denn sie wurde offenbar schon mehrmals Zeugin des Spektakels. Und sie hatte nicht übertrieben.

Die zwei Japaner setzten sich und sie begann, aus dem Rucksack allerlei Plastikdöschen, Schälchen und Beutelchen hervorzuzaubern. Als letztes folgte eine Thermosflasche mit heissem Wasser. Dieses schüttete die Frau in zwei Schälchen, in denen sich irgend ein quellbares Trockenfutter befand. Dann stand sie auf und steuerte mit den beiden Schälchen die Mikrowelle an. Das Gerät ist grundsätzlich dafür gedacht, im Lokal gekaufte Speisen aufzuwärmen. Man kennt das ja von Kantinen und anderen Selbstbedienungs-Lokalen. Die Japanerin setzte die Mikrowelle mit ihren beiden Schälchen in Gang und kehrte danach wieder an den Tisch zurück.

Das Schauspiel ging weiter. Wir starrten alle mehr oder weniger diskret gebannt in die Richtung des Tisches. Dort wanderte der Inhalt diverser Döschen und Beutelchen in die zwei Schalen. Und angerichtet war’s. Der Japaner hatte in der Zwischenzeit keinen Finger gekrümmt, ausser den, den er pausenlos über sein Handy hatte streichen lassen. Die gemeinsame Mahlzeit begann. Beide schaufelten mit Stäbchen den Inhalt ihrer Schalen in den Kopf rein. Zwischendurch pickten sie mit ihren Stäbchen etwas aus den Beutelchen.

Keiner sprach ein Wort dabei. Als das japanische Festmahl offenbar beendet war, verräumte die Frau alles wieder in ihren Rucksack. Nun nahm auch sie ihr Handy hervor und schaute gebannt auf das Bildschirmchen. Gemeinsam sassen die Zwei noch eine Weile am Tisch und beschäftigten sich mit ihren Handys. Ob die Frau ihrem Gegenüber ein SMS schrieb, ob er genug gegessen habe oder ob sie sich anderweitig beschäftigte, werden wir nie erfahren. Aber der Betreiber des Lokals hätte es sicher geschätzt, wenn sie sich den Tee nicht auch noch selber gekocht hätten.

Wohlgefälliges Motzen

Den Inhalt meines Blogbeitrags mit dem Titel „Schlendrian zum Volltarif“ habe ich nicht nur hier veröffentlicht, sondern auch den Verantwortlichen vor Ort geschickt. Von dort ist mittlerweile folgende Antwort eingetroffen:

Sehr geehrte Familie Flohnmobil,

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen uns zu schreiben. Gerne möchten wir hierzu Stellung nehmen.

Wir verstehen Ihren Unmut und möchten Ihnen mitteilen, dass der Baustart des Tuxer Fernerhaus seit Beginn der Planungsphase mit 13. Mai 2013 festgelegt wurde. Die Schneelage und die warmen Temperaturen haben nun kurzfristig einen früheren Baustart mit 5. Mai 2013 zugelassen und durch das kurze Zeitfenster der Bauarbeiten von Mai bis September/Oktober wurde dieses genützt. Lieber würden wir unseren Gästen auch ein gemütliches Speiselokal für Ihre Einkehr bieten als nur den Containerimbiss, jedoch ist dies während der Bauarbeiten nicht möglich. Das neue Tuxer Fernerhaus wird ab Herbst 2013 das kulinarische Niveau am Hintertuxer Gletscher heben sowie den Komfort für unsere Gäste verbessern.

Als langjährige Tuxer Stammgäste sehen wir es als Selbstverständlichkeit an, Sie mit 2 Gutscheinen für einen Tagesskipass für Ihren nächsten Urlaub zu entschädigen. Die Gutscheine erhalten Sie in den nächsten Tagen per Post.

Wir freuen uns schon Sie nächstes Jahr im neuen Tuxer Fernerhaus begrüßen zu können!

Liebe Grüße aus Hintertux
Sarah Moser, Leitung Marketing
Zillertaler Gletscherbahn GmbH & CO KG

Na also, geht doch!

Das Tuxerfernerhaus – oder was noch davon übrig ist – am 9. Mai 2013.
Man beachte: Hier wurde am Auffahrts-Tag gearbeitet.

Schlendrian zum Volltarif

Der Spruch „alles zu seiner Zeit“ mag seine Berechtigung haben. Es ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen, dass Skifahren jetzt nicht mehr so das eigentlich Richtige ist. Dennoch lässt sich der Sport noch ausüben und es gibt Leute, die Freude daran haben, und andere, die an der Freude der Anderen ihr Geld verdienen.

So liegt es in der Natur derer, die Geld verdienen, dass sie durchaus auch mehr nehmen würden. Während die, die für eine Leistung bezahlen, stets finden, es dürfte durchaus etwas weniger kosten.

Hier am Hintertuxer Gletscher wird momentan der Gast geschröpft, während das Angebot bereits massiv heruntergefahren wurde. Es verkehrt weder der kostenlose Skibus noch werden die Pisten ansprechend präpariert. Die Gipfelbahn ist bereits in Revision und die Pistenbully-Fahrer scheinen vollauf damit beschäftigt, den verbleibenden Schnee zu horten, zusammenzuschieben und an bestimmten Stellen mit weissen Tüchern abzudecken. (Merke: Am Hintertuxergletscher kann man 365 Tage im Jahr Ski fahren.)

Dafür wird das Tuxerfernerhaus gerade abgerissen, was den Aufenthalt bzw. die Verpflegung im Skigebiet massiv beeinträchtigt, muss doch mit der Bahn zur tiefer gelegenen Sommerbergalm heruntergefahren werden, wenn man ein Hüngerchen oder Dürstchen verspürt und nicht in einem Baucontainer essen will. Wir waren in früheren Jahren immer in der 2. Maiwoche in Hintertux und nahmen in Kauf, dass die Gipfelbahn bereits in Revision war. Doch dieses Jahr wird für den Liftpass noch bis am 10. Mai der Volltarif verlangt trotz sämtlicher eingangs erwähnter Einschränkungen. Vermutlich rechnet man sich aus, dass wegen dem Auffahrts-Tag etliche zusätzliche Gäste anreisen werden.

Wir finden: Schweinerei!!!

Am Rad gedreht

Was macht man, wenn der Frühling einfach nicht in Schwung kommen will?

Den Winterschlaf verlängern.
Den Pelzmantel – sofern überhaupt vorhanden – nochmals ausmotten.
Trübsal blasen.
Fensterläden schliessen, Heizung aufdrehend und das Reisevideo von Australien einschieben.
Auswandern.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich haben uns unserem Schicksal ergeben und sind ausgewandert. Na zumindest temporär. Denn wenn es schon nicht Frühling werden will, was spricht dagegen, ja liegt näher, als den Winter aktiv zu verlängern?

Einmal mehr sind wir diese Woche auf dem Hintertuxer Gletscher am Skifahren. Ganz ehrlich, ich bin schon mit mehr Begeisterung nach Österreich gefahren. Aber gebucht ist gebucht. Und mit Freunden abgemacht ist abgemacht.

Aller Widerwärtigkeiten zum Trotz, wer kann schon von sich behaupten, dass er gleich mit mehreren Ski-Weltcup-Siegern im gleichen Hotel wohnt? Unsere Skicracks von Swiss Ski, oder zumindest ein Teil davon, sind hier am Trainieren. Im Gegensatz zu uns haben sie wohl keine Ferien.

Reich mir mal die Sonnencreme!

Wir haben schon vieles erlebt in Hintertux. Wir rutschten tageweise auf dem blanken Gletscher rum. Wir mussten unverrichteter Dinge wieder umkehren, weil wegen Sturm keine Bahnen liefen. Wir hatten Erfrierungserscheinungen im Gesicht und eiskalte Füsse. Wir hatten dicken Nebel, heftiges Schneetreiben oder grimmige Kälte. Manchmal auch alles zusammen. Aber in all den Jahren, wo wir im November unsere Skisaison in Hintertux eröffnen, hatten wir noch nie so perfekte Verhältnisse. Konnten auch noch nie beim Mittagessen auf der Terrasse sitzen. Es ist einfach der Oberhammer, was da momentan abgeht. Ausserdem hatten wir zwei Tage (Dienstag und Mittwoch), da fühlten wir uns fast alleine auf den Pisten.

Der nichtskifahrende Leser bzw. die Leserin – sofern er/sie denn überhaupt bis hierhin mitgelesen hat – mag sich fragen, was einen denn dazu bringt, im November schon den Winter zu suchen. Ganz ehrlich gesagt, hätte ich diese Frage auch nicht beantworten können, bevor ich meinen heutigen Mitbewohner kennen lernte. Dass es Gletscher-Skigebiete gibt, die im Oktober/November ihre Hauptsaison haben, war mir gänzlich unbekannt. Doch an solchen Orten geht im Vorwinter die Post ab! Ganz besonders in Österreich. Wir haben in der Schweiz auch Gletscherskigebiete, aber die sind ein Nasenwasser gegenüber Hintertux.

Ich habe eingangs geschrieben, dass wir uns zwei Tage lang fast alleine fühlten auf den Pisten. Das ist nur die halbe Wahrheit, denn es tummeln sich zahlreiche Skiclubs und Skinationen, die hier ihre Trainingsläufe absolvieren. Was da nicht alles gut werden will! Ski-Teams aus Norwegen, Finnland, Spanien, Ukraine, Frankreich, Italien, Litauen, Iran, Slowenien, Kroatien, Slowakien, Ukraine (Aufzählung nicht abschliessend, aber dieser Blog-Beitrag soll irgendwann ja mal enden) haben einen Teil der Pisten in Beschlag genommen. Jeden Morgen spielen sich groteske Szenen ab. Da stürmen Kinder, kaum zehn Jahre alt, beladen mit ihren Skis und einem Rucksack, fast grösser als sie selber, der Skischuhe, Helm, Rückenprotektor, Schienbein- und Unterarmschoner enthält, die Bahn. Betreuer schleppen bundweise Kippstangen auf den Berg. Aus Funkgeräten rauscht und chroset es.

Frei nach dem Motto „Alter schützt vor Torheit nicht“ stürzen sich auch Rennfahrer der Kategorie Ü50 ins Getümmel bzw. donnern um die Torstangen. *Kopfschüttel*

Bleibt noch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, was Otto Normalskifahrer um diese Jahreszeit auf den Pisten sucht. In unserem Fall ist es einerseits die Freude am Skifahren, andererseits Gewohnheit. Wir stellen allerdings fest, dass es von Jahr zu Jahr weniger Skifahrer im November auf den Gletscher zieht. Wirtschaftskrise? Skifahren ist bekanntlich ein teures Hobby.

Es gibt Leute, die gehen jede zweite Februarwoche nach Grindelwald, Fiesch oder Davos. Wir gehen halt im November auf den Gletscher. Der Mitbewohner und Skilehrer macht das seit über drei Jahrzehnten. Und bei dem Wetter, das wir diese Woche geniessen dürfen, erübrigt sich die Frage nach dem Sinn schon fast. Im NovemberDezembererNebelgrau kann ich noch lange genug sitzen

Winter? Skifahren!

Ein Lob auf den österreichischen Petrus. Der Herr zeigte sich heute besonders gut gelaunt. Auf 3‘200 m minus 6 Grad, praktisch windstill. Dazu das Pulverschneeli, das er in den vergangenen Tagen auf den Hintertuxer Gletscher gezaubert hatte.

Ein paar Bilder von einem herrlichen Skitag. Wenn es die ganze Saison nie schlimmer wird….

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Das Nebelhorn lässt den Startschuss los

Hier die Aussicht von unserem Hotelzimmer aus heute Morgen um 8.20 Uhr:

Und hier vom gleichen Standort aus, um 16.00 Uhr:

Dazwischen gab es einen Mix aus Nebel und Nebel, gespickt mit einem hinterlistigen Blinzeln der Sonne, etwas Wind und Schneegestöber. Und zwischendurch sogar so etwas wie Aussicht.

Nicht gerade das ideale Wetter, um die ersten Schwünge in den Neuschnee zu zaubern und die neuen Skischuhe auf Herz und Nieren zu prüfen. Wenn das Wetter sich an den Wetterbericht hält, kann ich euch bald schönere Bilder von unseren Skiferien auf dem Hintertuxer Gletscher zeigen.

Jetzt reicht’s aber wirklich!

Man mag uns für Spinner halten, und ich kann diese Ansicht sogar ein Stück weit nachvollziehen. Aber Skifahren im Mai hat durchaus einen gewissen Reiz, denn das Schönste am Frühlingsskifahren ist: Man muss nicht frieren.

Natürlich sieht man – selber mit 2 x 2,5 Kilo Skischuhen an den Füssen – neiderfüllt auf die federleichten Trekkingschuhe, wenn man Wanderern an der Bergbahn begegnet, aber es ist ja nicht immer im Mai grad so heiss wie dieses Jahr. Auf plus 5 Grad stieg gestern das Thermometer auf 3’200 Metern. Da gibt natürlich die kürzeste lange Unterhose noch mehr als warm genug.

Leute hatte es – im Gegensatz zu früheren Jahren, als wir zur gleichen Zeit am gleichen Ort am Skifahren waren – so gut wie keine. Man hätte sich schon sehr anstrengen müssen, wenn man jemanden hätte über den Haufen fahren wollen. Unser favorisiertes Skimodell für den nächsten Winter konnten wir auch bereits einen Tag lang testen.

Somit bleibt uns nur noch, die alten Skier mit einer sommerlichen Wachsschicht zu versehen (à Mitbewohner) und die Skianzüge zu waschen (ich). Wenn sich die Farbe meiner Nase wieder ihrem Normalzustand annähert, können wir den Winter 2011/2012 endgültig und unfallfrei ad acta legen.

Über dem Nebel

Es war eine irre Woche. Zuerst zwei Tage Föhnsturm, dass die Balken krachten und das bisschen noch auf dem Gletscher verbliebenen Schnees davongeweht wurde. Dann drei Tage mit herrlichem Sonnenschein und Temperaturen um Null Grad auf über 3000 Metern. Ein nie enden wollender Spätsommer.

Leute hatte es relativ wenige, zumindest bis am Donnerstag. Dafür umso mehr trainierende Mannschaften und Skiclubs aus aller Herren Ländern. Es sei die Frage erlaubt, was es wohl bringt, wenn das Skiteam Iran Riesenslalom trainiert? Oder Skiclubs aus Mazedonien, Estland oder Serbien in aller Herrgottsfrühe auf dem pickelharten Gletscher stehen? Nicht gerade die typischsten Skinationen. Aber was nicht ist, soll offensichtlich unter Anwendung aller Mittel noch werden.

Untergebracht war unser kleines Vierergrüppchen im Hotel Hintertuxerhof. Im frisch umgebauten, vor drei Wochen neueröffneten Hotel waren wir wie schon in früheren Jahren bestens aufgehoben. Die sprichwörtliche österreichische Gastfreundschaft schreibt die Grossfamilie Kofler gross. Und das bei einem hohen Qualitätsniveau zu moderaten Preisen. So mancher Betrieb in unserem Lande könnte sich davon eine Scheibe abschneiden.

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