Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Handy

In Bearbeitung

Ich werde bearbeitet. Seit Wochen, Monaten, genau genommen sogar seit Jahren. Immer wieder. Und bis jetzt erfolglos.

„Hast du immer noch kein Motz-öpp?”

“Wir werden deinem neuen Handy schon Motz-öpp beibringen. Das kannst du getrost uns überlassen!”

“Mit Motz-öpp könnten wir so viel einfacher kommunizieren.”

“Es ist sooooo praktisch, wieso sträubst du dich immer noch gegen Motz-öpp?”

“Es kostet ja nichts.”

“Wenn du Motz-öpp hättest, hätten wir dir von unterwegs die Fotos von unserer Reise schicken können.”

“Warum hast du eigentlich kein Motz-öpp?”

 

Ja, wieso eigentlich?

Weil ich bis jetzt wirklich und problemlos ohne Whattsapp (ich weiss noch nicht mal, wie man das richtig schreibt…!) ausgekommen bin.

Weil ich mit meinem Handy-Tarif gratis SMS und MMS verschicken kann.

Weil ich nicht ständig online sein will.

Weil ich nicht will, dass mein Gegenüber weiss, wann ich das letzte mal online war und wann ich die Meldung gelesen habe.

Weil ich offenbar etwas rückständig bin.

Und weil mir keiner so genau sagen kann, was diese App mit meinem Handy und meinen Daten alles anrichtet und ich mich davor fürchte, mit Motz-öpp mein blaues Wunder zu erleben.

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Teilamputiert

Bis vor kurzem wusste ich noch nicht, worüber ich heute bloggen sollte.

Über Marseille? Zu lange her. War schön, aber wird hier nicht detailliert zerpflückt.

Über den Fahrstil der Franzosen? Ihre Liebe zu doppelspurigen Kreiseln? Darüber habe ich bestimmt vor Jahren schon mal geschrieben.

Über das Wetter? Geht immer, im Moment ist aber der Himmel derart monoton blau, dass ich niemandem daheim den Speck durch den Mund ziehen will.

Über die Essenzeiten der Franzosen? Nun, das würde passen, habe ich es doch gerade diesen Zeiten zu verdanken, dass mir noch genügend derselben bleibt, um diese Zeilen vor dem Nachtessen zu veröffentlichen.

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Nun hat mir aber einmal mehr der Zufall ein Thema zugespielt. Eines, über das ich eigentlich gar nicht berichten möchte. Denn…

… mein Handy ist futsch. Oder zumindest so futsch, dass der Bildschirm schwarz bleibt. Im Inneren scheint sich noch etwas zu regen. Bereits habe ich die diversen Handy-Chirurgen gegoogelt, damit ich nach meiner Rückkehr aus Frankreich eine Handy-Notfallstation ansteuern kann. Momentan fühle ich mich grad etwas unvollständig. Eigentlich grässlich, was die Technik mit uns gemacht hat.

Hat jemand einen guten Tipp, wo ich mein bald vierjähriges Samsung Galaxy S4 mini reparieren lassen soll? Und nein, ich bin grad nicht aufgelegt, ein neues Telefon anzuschaffen.

Verfolgungswahn

Ich gehöre ja zu diesen – wie sagt man schon wieder? – digitalen Immigranten. Als Folge dessen stehe ich der neuen Technik nicht bedingungslos begeistert gegenüber. Ich nutze sie, zumindest sofern es mir sinnvoll und nützlich erscheint. Ich stehe ihr kritisch, mitunter auch ahnungslos staunend gegenüber.  Und ich bin bestimmt schon in das eine oder andere digitale Fettnäpfchen getreten.

Alles, was ich über die Anwendung von PCs und Smartphones weiss, habe ich mir mehr oder weniger selber erarbeitet. Ich habe keinen Nachwuchs, der mir laufend das Handy à-jour halten würde oder meine digitalen Böcke abschiesst. Deshalb bin ich sehr vorsichtig in dem, was ich mit diesen Computern und Compüterchen anfange.

Es haben schon mehrere Leute versucht, mich für Dienste wie WattsApp oder Viber zu begeistern. Ich mag aber nicht ständig online und auch nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Und noch viel weniger mag ich es, wenn jemand, der mir eine Mitteilung schickt, weiss, wann ich sie gelesen habe. Es mag Leute geben, denen das nichts ausmacht, aber ich leide diesbezüglich wohl etwas unter digitalem Verfolgungswahn.

Deshalb habe ich auch kein Facebook Konto. Ich gebe über diesen Blog schon genügend Persönliches preis. Und was nützt mir ein gebanntes Arsenal an Facebook-Freunden? Viel lieber sind mir persönliche Kontakte. Es gibt Leute, die ich mag. Manche sogar sehr. Aber liken werde ich garantiert nie jemanden.

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Im Aquarium

Da wir nicht zu der hier beschriebenen Kategorie Menschen gehören, wanderten unsere Skianzüge nach zwei Wochen täglichen Tragens in die Wäsche. Wir verpassten ihnen das Outdoor Programm in der Waschmaschine mit Spezialwaschmittel, hängten sie zum trocknen auf, sprayten sie mit Imprägnierungsmittel ein und damit hätte die Sache eigentlich erledigt sein sollen. Sie waren wieder sauber und bereit für die nächsten Ausflüge in den Schnee, wann immer das auch sein mag.

Hätten. Denn plötzlich schoss mein innig geliebter Mitbewohner vom Sofa auf, begab sich zum Kleiderschrank und zerrte seine Skijacke hervor. “Scheisse, ich hab mein Handy mitgewaschen”, tönte es bald darauf aus dem besagten Raum.

Was folgte, könnt ihr euch sicher vorstellen. Wir entfernten die Abdeckung, nahmen Akku und SIM-Karte heraus und gönnten dem malträtierten Telefönchen eine Warmluft-Kur mit dem Fön. Und warteten den nächsten Morgen ab, um zu sehen, ob das 10-jährige Handy noch irgendeinen Wank machen würde.

Was glaubt ihr, hat des Mitbewohners Handy den Goldfisch-Test bestanden?

 

Düstere Aussichten

In der Zeitung stand kürzlich zu lesen, dass der Basler Futurist Gerd Leonhard schwarz male. Ich kenne diesen Herrn nicht, habe noch nie von ihm gehört. Doch er ist der Meinung, dass wir wegen exzessivem Gebrauchs von Technologie und mobilen Geräten folgende Fähigkeiten verlieren könnten:

1. Fremdsprachen lernen
2. Orientierung im Raum, weil wir uns immer mehr auf Navis verlassen
3. Reisen als selbstständiger Entdecker wegen der unzähligen Ausgeh- und Fahrplan-Apps
4. zufällig etwas Interessantes vernehmen, weil niemand mehr eine Zeitung wahllos durchblättert
5. eine schöne Handschrift

Leonhard begründet das damit, dass das Gehirn plastisch sei und – werden Teile davon nicht mehr gebraucht – die Fähigkeiten schrumpfen würden.

Sehr geehrter Herr Leonhard, ich teile Ihre Meinung durchaus, dass es mit der Menschheit wegen der Handys bergab geht. Was Sie aber vergessen haben:

7. für einfache Rechnungen die grauen Zellen aktivieren
8. sich am Tisch mit Freunden unterhalten
9. die Vorzüge einer handyfreien Zone geniessen
10. dem Nichtstun etwas Positives abgewinnen
11. kleine Details im richtigen Leben wahrzunehmen
12. die Hände frei zu haben

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Nächtliche Morgenröte

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Lieber Sonnenaufgang

Im Allgemeinen bin ich mit deiner Performance ganz zufrieden. Du erscheinst zuverlässig, wenn man dich braucht. Bietest anständigen Service, angeblich das beste Netz für mobile Telefonie und bist bezahlbar.

Was du dir allerdings gestern Nacht geleistet hast, hat mich nicht einmal ansatzmässig begeistert. Verschickst du mir um 03.18 Uhr ein SMS, um mir eine Tarifänderung bekanntzugeben! Sag mal, spinnst du eigentlich???

Hast du noch nie was davon gehört, dass um diese Uhrzeit der Grossteil der Menschheit im Land der Träume weilt? Und dass ein beachtlicher Teil der Menschheit sein Handy auch als Wecker braucht und es folglich auf dem Nachttisch liegt?

Du hast heute morgen früh nicht nur mich, sondern auch meinen innig geliebten Mitbewohner aus dem Schlaf gerissen. Und Letzterer wollte dann unbedingt wissen, was es so Wichtiges gäbe, was man uns zu so hinterhältiger Zeit benachrichtigen müsse. Als ob das in einem Satz erklärt gewesen wäre!

Mit einem gewissen Ansatz von Hoffnung habe ich – nicht etwa mitten in der Nacht, sondern zu Bürozeiten – dein Callcenter angerufen. Dort konnte man mich beruhigen. Es sei nicht das erste Mal vorgekommen, dass Kunden noch vor dem Morgengrauen SMS erhalten hätten. Der Computer verschicke diese, da könne man halt nichts machen.

Zum Glück gibt’s Computer. So ist wenigstens jemand Schuld, den man nicht entlassen kann.

Ich allerdings, ich könnte mir überlegen, einen anderen Handy-Anbieter zu suchen. Für so etwas bräuchte ich keinen Computer und nicht mal eine faule Ausrede.

Mit verärgerten, unausgeschlafenen Grüssen

Frau Flohnmobil

Gebannt

Da sassen wir und tranken unseren Kaffee. Unseren wohlverdienten Kaffee in der Wärme eines angeschriebenen Hauses. Dies nach einigen Skiabfahrten. Um uns herum etliche weitere Skifahrer mit ähnlichen Ambitionen.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich schlürften den Kaffee, genossen die grandiose Szenerie, die die verschneite Bergwelt zu bieten hatte. Wir unterhielten uns über dieses und jenes. Schwiegen uns auch mal nur an. Uns war wohl dabei. Keine Langeweile.

Dann der entscheidende Moment: Der Mitbewohner begab sich an den Ort, wo auch der Kaiser von China alleine hin geht. Nun sass ich da. Ganz alleine inmitten der vielen Skifahrer hatte ich plötzlich Zeit, mein Umfeld etwas genauer zu mustern. Sie sassen zum Teil dicht gedrängt an den Tischen, zum Teil auch nur zu zweit. Allen war gemein, dass sie sich weder für ihr Gegenüber noch für die sie umgebende Bergwelt interessierten. Stattdessen starrten sie alle auf ihr Handy. Als ob das Skifahren dort über die Bühne gehen würde.

Ich konnte es nicht glauben. Erhob mich, überblickte die ganze skifahrerische Meute, die übrigens aus auffallend vielen reinen Männergruppen bestand. Ich hielt Ausschau nach jemandem, der NICHT im Banne seines Handys war. Es gab solche Leute. Sie waren spärlich. So spärlich wie die Schneeflocken, die ab und zu aus dem blau-grau-blauen Himmel fielen. Fassungslos musste ich – einmal mehr – zur Kenntnis nehmen, dass der heutige Mensch nicht mehr ohne sein Handy auskommt. Auch nicht beim Skifahren. Im Beisein seiner Freunde. Man sitzt zwar zusammen, aber jeder ist intensiv damit beschäftigt, seine digitalen Streicheleinheiten zu verteilen.

Nun warte ich nur noch darauf, dass ich auf der Piste jemanden überhole, der während der Fahrt grad ein SMS schreibt.

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Von Jenseits

Die Szene: Esstisch.
Die Protagonisten: Zwei Elternteile, drei ihrer Kinder im Alter von 16 – 22 Jahren, Herr und Frau Flohnmobil.

Es wird berichtet, gegessen, erzählt, gelacht. Die Jugend beteiligt sich teilweise, wird es ihr zu langweilig, nimmt jeder der Drei ziemlich schnell ihr/sein Smartphone hervor, das ohnehin stets in Reichweite liegt. Worte könnten es nicht deutlicher ausdrücken, dass die Konversation zu gruftilastig geworden ist.

Auch die beiden Eltern schaffen es nicht, einen ganzen Abend lang ohne einen Blick in ihr Smartphone auszukommen. In der Wohnküche ist mindestens eines der beiden Notebooks ständig eingeschaltet, ständig online. Ich kann mir nur annähernd vorstellen, welch digitaler Vollwaschgang im Obergeschoss des Hauses abläuft, war doch die Rede davon, dass dort Swisscom-TV installiert sei, während im Wohnzimmer eine Satellitenschüssel für mehrere hundert Fernsehprogramme sorgt.

Die ständige Erreichbarkeit, das Rund-um-die-Uhr-online-Programm, die Angst, etwas zu verpassen, zu spät zu vernehmen, eine Sekunde lang nicht wissen, was mit sich anzufangen. Nie still, nie unverdrahtet. Krampfhaft immer auf dem neusten Stand der Technik. Ein Zeichen unserer Zeit, ich weiss. „Das ist einfach so“, würden mir die fünf Protagonisten vom Esstisch in profunder Selbstverständlichkeit sagen.

Ich konnte mich diesem Sog bis jetzt entziehen. Ich schätze mich glücklich und zufrieden, wenn ich einmal (pro Tag, nicht pro Stunde!) meine Mails checken, in meinen Blog schauen kann, danach wird der Computer wieder runtergefahren. Ich habe noch einen Festnetz-Anschluss und keine Ambitionen, diesen zu kündigen. Und ich werde wohl die Letzte, die Allerletzte auf dieser Welt sein, die noch mit einem ganz, ganz lapidaren Handy telefoniert. Einmal mehr muss ich erkennen, dass ich auf dem direkten Weg bin, ein Digitaler Neandertaler zu werden.

Telefon-Terror

„Ich habe gesehen, dass du angerufen hast“, schrieb ich kürzlich einer Freundin in einem Mail. Hätte ich zu meiner Schulzeit einen ähnlichen Wortlaut in einen Aufsatz verpackt, meinem Deutschlehrer wären die letzten noch verbliebenen Haare zu Berge gestanden. „Man kann doch nicht sehen, dass ein Telefon geklingelt hat“, wäre seine Begründung gewesen. Und natürlich hätte er Recht gehabt. Lehrer haben ja immer Recht.

Die damaligen Telefonapparate waren von behäbiger Natur, im schlimmsten Fall an die Wand geschraubt, wenn es besser kam immerhin bei einer Sitzgelegenheit positioniert. Aber sie hatten einen entscheidenden Vorteil gegenüber den heutigen Telefönchen, die nur einen Bruchteil so gross und schwer sind wie die seinerzeit gemieteten PTT-Telefone. War in der guten alten Zeit niemand zu Hause, schellten sie unbemerkt vor sich hin. Niemand kam heim und konnte/musste/fühlte sich verpflichtet zu prüfen, ob und wer in der Zwischenzeit angerufen hatte.

Irgendwie nervt mich das nämlich. Wenn jemand anruft, wenn ich nicht zu Hause bin oder das Handy nicht abnehmen konnte, weiss er genau, dass ich weiss, dass er angerufen hat. Und weil er das weiss, sehe ich mich in den meisten Fällen veranlasst, zurückzurufen. Mit diversen Ausnahmen allerdings. Insbesondere wenn es sich um Nummern handelt, die mir nicht geläufig sind. Die neuen Telefönchen haben nämlich nebst dem genannten Nachteil auch den entscheidenden Vorteil, dass ich bereits weiss, bevor ich den Anruf entgegen nehme, wer dran ist. Die Entscheidung, ein Gespräch anzunehmen, ist die kleine Freiheit, die mir ab dem ganzen Telefon- und Handy-Terror noch geblieben ist.