Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

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Schweigen wäre Gold gewesen

Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, wohnt sie doch seit einigen Jahren in unserer Überbauung. Ich habe sie einfach noch nie getroffen. Der Zufall jedoch wollte es, dass wir uns in den vergangenen Monaten mehrmals über den Weg liefen. Das letzte Mal sahen wir uns auf einer gemeinsamen Zugsfahrt nach Zürich.

Wir wissen wenig von einander. Die Gespräche bewegen sich im Rahmen von “ach, du wohnst schon so lange hier”, “hast du Familie?” und ähnlichen Banalitäten.

Dass mein Mann vor fünf Monaten gestorben war, wusste sie ebenso wenig, wie dass es ihn überhaupt gegeben hatte. Das konnte ich ihr nicht übel nehmen. Als sie von seinem Tod erfuhr, fragte sie nach, woran er gestorben sei. Ich habe kein Problem, darüber zu sprechen. Ich kann ja meine Informationen selber dosieren.

Aber seither habe ich ein Problem mit dieser Frau. Denn sie plapperte munter auf mich ein: “Ich bin geschieden. Es ist eigentlich kein Unterschied, ob du von einem Mann geschieden bist oder er gestorben ist. Weg ist weg. Und du musst ihn wenigstens nicht mehr anschauen.”

Schweigen wäre Gold gewesen. Diesen Zustand hatte ich im Moment jedoch gerade für mich in Anspruch genommen.

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Uferloses Gespräch

Während mein innig geliebter Mitbewohner und ich im Begriff waren, das Ruderboot für die kommende Fischer-Saison flott zu machen, quakte es plötzlich vom Ufer her. “Gönzi scho go fische?”

Der Mitbewohner und ich drehten uns um und sahen eine magere Gestalt mit fragendem Blick am Ufer stehen. Die Körperhaltung der alten Frau liess keinen Zweifel offen, ob es sich hier vielleicht um eine rhetorische Frage gehandelt haben könnte. Eine Antwort unsererseits schien unumgänglich. “Efängs parat mache”, entgegnete der Mitbewohner. Wir waren beide schwer beschäftigt und wollten unser Werk vollenden. Small Talk war momentan wirklich nicht nach unserem Gusto.

Die Frau liess nicht locker. Nach einigen Floskeln verkündete sie schliesslich: “Wüssezi, ich bin mit ere Wandergruppe underwägs. Aber ich laufe immer echli voruus. Die Andere schnurremer z’viel.”

Das mit dem Zuviel und überhaupt wird wohl für alle Ewigkeit Ansichtssache bleiben.

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