Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Gemüse

Mutter Natur auf Abwegen (16)

Bohnen sehen in den meisten Fällen so aus:

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Vielleicht sind nicht alle derart hinreissend zart wie diese Bohnen aus dem Garten von Herrn und Frau F. Aber eine gewisse Gradlinigkeit ist immer auszumachen.

Ausser bei diesem Exemplar. Keine Ahnung, was es bewogen hat, auf halbem Weg rechtsum kehrt zu machen.

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Mutter Natur auf Abwegen (15)

An Tagen wie diesen muss ich auch an kleinen Dingen Freude haben (können).

Ich fand es gar entzückend, dass sich mein Basilikum zu einer derart herzigen Wuchsform entschied.

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Und servierte diesen Ausrutscher der Natur dem Menschen,
dem meine uneingeschränkte Liebe gilt.

Vornehmes Gemüse

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Zucchetti im Nadelstreifen-Anzug.

Wie chic ist das denn!

Es wird mir ein grosses Vergnügen sein,
aus diesem vornehmen Gemüse,
das es in diesem Outfit im Supermarkt nicht zu kaufen gibt,
etwas Feines zuzubereiten.

Fragestunde

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Die Qual der Wahl querbeet

Gemüse haben wir hier zuhauf. Dass im Garten mehr wächst, als wir essen können, liegt auf der Hand, soll der Garten doch eine fünfköpfige Familie ernähren. Wir futtern und futtern und futtern so schon viel mehr Gemüse als daheim. Und zum Frühstück kann ich nicht auch noch Salat essen, bin ja keine Kuh.

Wenn sich etwas einfrieren lässt, ist es kein Problem, Platz in der Gefriertruhe hat es genügend – neben den Schnecken. Was aber mache ich mit all den Gewächsen, die nicht gefriertauglich sind? Zucchini können nicht eingefroren werden, zu viel Wasser. Blattsalate auch nicht. Das habe ich zwar noch nie probiert, kann mir das Resultat aber leidlich vorstellen. Ich muss sie aufschiessen lassen (Salate) oder den Schweinen und Kaninchen füttern (Salate und Zucchini). Die Kaninchen finden übrigens so ein zartes Kopfsalätchen – auch wenn es aufgeschossen ist – sehr, sehr lecker.

Gewisse Sachen erledigt die Natur von selber. So haben wir heute einen Blumenkohl entsorgt, der zu faulen begonnen hatte, kaum hatte er sich als Blumenkohl zu erkennen gegeben.

Bleibt aber immer noch mehr als genügend Gemüse, um Abwechslung auf den Teller zu bringen. Bohnen, Kefen (Zuckerschoten), Randen (rote Bete), Tomaten, Gurken, Rüebli (Möhren), Broccoli, Fenchel, Zucchetti. Ich finde es total cool, gegen Abend in den Garten zu gehen und mir die Frage zu stellen: „Was koche ich denn heute eigentlich?“ Für Gartenbesitzer sicher nichts Neues, aber für mich, als Temporärgärtnerin ein Hochgenuss.

Ein gewisses Überangebot haben wir bei den Stachelbeeren angetroffen. Diese Beeren kaufe ich zu Hause nie, ich habe immer gedacht, sie seien sacksauer. Sind sie aber eigentlich gar nicht. Zumindest nicht, wenn sie ausgereift sind und in diesem Zustand könnte ich sie daheim nie kaufen. Ich habe sie auf alle möglichen Arten verwertet. Marmelade, Auflauf, Kuchen mit und ohne Baiser, Dessert. Mein persönlicher Hit ist ein Stachelbeer-Tiramisu. Das Rezept habe ich mir selber ausgedacht und weil ich hier exakt weiss, welches Huhn welches Ei gelegt hat und wie alt es ist, habe ich es auch wieder mal gewagt, rohe Eier zu verwenden.

Trotzdem habe ich zu diesem garstigen Gestrüpp ein ambivalentes Verhältnis. Und dieses gründet in meiner eigenen Sprache. Heissen diese Beeren auf Deutsch völlig zu Recht „Stachelbeeren“, nennen wir sie „Chruselbeeri“. Mit chrüsele, also kitzeln, hat das nun wirklich nichts zu tun. Eidgenoss, wo hast du bloss dieses Wort her?

Schiggo-reee

Er ist der Liebling meiner Kindheit. Mein uneingeschränkter Held auf dem Teller. Während für viele Kinder Salat bäääh ist, habe ich, seit ich mich erinnern kann, Salat immer gemocht. Ganz speziell Schiggo-reee.

Doch was, mein lieber Schiggo-reee haben die Züchter mit dir angestellt? Hätte ich dich damals auch so innig geliebt, wärst du schon so plump und unförmig dahergekommen? Gerade deine Grösse, die niedlichen Rädli in meinem Teller, die man mit der Gabel so wunderbar aufpieksen konnte, hatten es mir angetan.

Wenn ich heute einen Schiggo-reee als Salat zubereite, muss ich mir überlegen, ob ich ihn nicht bloss halbieren, sondern gleich der Länge nach vierteln will. Vorbei die Zeit der grazilen Rädli, umgeben von einem Hauch von Salatsauce.

Wie schade, ich wünschte mir den Liebling meiner Kindheit zurück. Vergebens.

Der Säntis hat mit dem Schiggo-ree natürlich nichts zu tun. Das Zündholzschächteli soll lediglich veranschaulichen, wie dick und fett das Gemüse über die Jahre geworden ist.

Übrigens, wie nennt ihr dieses Gemüse? Bei uns gelangt es als Chicorée in die Läden.

Die Guten ins Töpfchen…

Erbsen kenne ich daheim nur aus dem Tiefkühlfach. Gut, theoretisch noch aus der Konservendose, aber nur theoretisch, da ich ausser Pelati keine Gemüsekonserven kaufe.

Hier in Schweden wurde ich wieder einmal in die gute alte Zeit zurückversetzt. In die Sommerferien meiner Kindheit, wo ich jeweils meiner Grossmutter half, Erbsen zu knacken. Wie ich das liebte! Die freudige Überraschung bei jedem Stängeli aufs Neue. Wie viel Erbsen würden drin sein? Zusammen mit meiner längst verstorbenen Grossmutter sass ich jeweils am Abend vor dem Bauernhaus auf einer Bank, jede von uns ein Plastikbecken auf den Knien, das voller ungeknackter Erbsenhülsen war. Allmählich traten mehr und mehr Erbsen zum Vorschein, während die Hülsen in ein separates Becken wanderten. Es hatte so etwas Kontemplatives, Beruhigendes. Es war einfach schön. Vor allem wahrscheinlich, weil ich es machen durfte und – im Gegensatz zu meiner Grossmutter – nicht nach einem langen Arbeitstag auf dem Feld noch machen musste.

Gestern konnte ich wieder mal in diesen Erinnerungen schwelgen. Zuerst bei der Ernte der Erbsen, dann beim Aushülsen. Der grösste Genuss folgte zweifellos erst später – auf dem Teller.

Marktfrisch auf den Komposthaufen

Für das Fenchel-Carpaccio, das ich machen wollte, brauchte ich zwei frische Fenchelknollen. Was sich mir heute in der Migros unter dem Label

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bot, war allerdings alles andere als frisch. Die Knollen waren schrumpelig und halb vertrocknet. Solchen Fenchel hätte ich selbst dann nicht gekauft, wenn er kochenderweise in einer Suppe verschwunden wäre. Ich machte die Angestellte, die gerade damit beschäftigt war, Gemüse aufzufüllen, mit netten Worten (à Ehrlich, ich gab mir alle Mühe. Das kann ich, wenn ich ganz fest will! ß) darauf aufmerksam, dass die traurigen Gemüse in der Kartonkiste mit

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absolut nichts zu tun hätten. Sie zuckte nur mit den Schultern und erklärte mir, dass sie im Begriff sei, frische Fenchel aufzufüllen.

So kehrte ich nach meiner Einkaufstour durch die Migros nochmals zum Gemüse zurück, wo in der Zwischenzeit tatsächlich knackige Fenchel auf Käufer warteten. Säuberlich drauf gelegt die alten Fenchel, die schätzungsweise von vorgestern sein mussten.

Aber doch nicht so, Frau Migros!