Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Geld

Betrogen

Jetzt wurde ich doch tatsächlich um einen Blog-Beitrag betrogen!

Ich wollte schreiben, dass ich sie noch nie zu Gesicht bekommen hätte.

Dass ich mich langsam fragte, ob es sie überhaupt gäbe.

Oder ob ihre Existenz vielleicht doch nur ein Gerücht sei.

Da erhielt ich eine. Und die Welt erhielt ein neues Gesicht.

Fast vier Wochen nach ihrem Erscheinen hielt ich erstmals eine der neuen Zehnernoten in der Hand.

Als ich eine Rose für meinen Mann kaufte. Eine gelbe.

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Pusteblume

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Er strahlte wie ein Maikäfer, unser Nationalbank-Präsident Thomas Jordan, als er gestern die neue Fünfziger-Note präsentierte. Oder vielmehr das, was in wenigen Tagen auf unserer neuen Fünfziger-Note zu sehen sein wird. Auf der Vorderseite ist das aufwändige Prachtstück mit einer Pusteblume versehen. Es weist fünfzehn Sicherheitsmerkmale auf, die Fälschern das Handwerk erschweren sollen. Diese reichen von Mikrotext über Ultraviolett-Melierfasern zu von blossem Auge erkennbaren Streifen, Hologrammen und Wasserzeichen.

Manuela Pfrunder, der Designerin, müssen über die vergangenen elf Jahre wohl etliche graue Haare gewachsen sein ab all der Änderungen, die ihre Arbeit beeinträchtigt und verzögert haben.

Dies wird nun bereits die vierte Notenserie sein, mit der ich es in meinem Leben zu tun kriege. Unsere höchste Note, den Tausender, halte ich nur selten in der Hand. Es ist die weltweit wertvollste Note, die eine Notenbank herausgibt. Der britische “Economist” soll gemäss meiner Tageszeitung berechnet haben, dass es, um 10 Millionen Dollar in bar zu verschieben, 100 Kilo 100-Dollar-Noten braucht, 20,6 Kilo 500-Euro-Noten und nur gerade 11,4 Kilo 1000-Franken-Noten. Was sind wir Schweizer doch für ein effizientes Völkchen!

Sollte es nach der vorangegangenen Kampagne tatsächlich noch jemanden in diesem Land geben, der nicht weiss, wie unser grüne Pusteblume aussieht, darf er gerne hier rein klicken. Alle von weiter her Mitlesenden natürlich auch.

Und wer einen Abgesang auf die alte Banknote lesen will, dem sei dieser Blogbeitrag von Hausfrau Hanna wärmstens empfohlen.

Der Kiosk und ich

Alle jammern sie derzeit. Zumindest alle, die mir einen Brief schreiben. Und das sind derzeit nicht wenige. Manchmal sogar mehrere pro Tag.

Mit herzerweichenden Bildern von unschuldigen Kindern, Tieren, Behinderten wird an mein Gewissen appelliert. Es wird um Verständnis geworben für sportliche Nachwuchstalente und die teure Forschung für neue Medikamente. Oder ganz einfach für einen grossen Topf, aus dem kommende Nöte getilgt werden sollen. Alle wollen sie Geld von mir.

Dabei sang doch schon Polo Hofer

Bin i gopfriedstutz en Kiosk, oder bin i öppen e Bank?
Oder gsehn i uus wien es Hotel, oder wien en Kasseschrank?

Dazu habe ich übrigens dieses Video gefunden – zu meinem grossen Erstaunen auf Hochdeutsch.

 

Alle wollen sie also Geld. Dabei könnte ich selber Moneten, Chlüübi, Stütz, Kohle, Zaster, Pinke-Pinke oder Chlotz brauchen. Vielleicht sollte ich es wie andere Blogger machen und den Hut herumreichen. Ob das was bringen würde? Wer würde diesen Blog wohl noch lesen, wenn er dafür zahlen müsste? Ich getraue mich kaum, den Gedanken fertig zu

 

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Schöner die Kassen nie klingeln

Mit dem vielen Schnee war auch ihre Entscheidung gefallen: Herr und Frau Winter wollten wieder einmal Skiferien machen. Da ihr Outfit nicht mehr ganz zeitgemäss war und die Skikanten Flugrost angesetzt hatten, musste mehr oder weniger die gesamte Ausrüstung neu angeschafft werden.

Als erstes schritt Frau Winter zur Tat. Sie hatte sich in einen neckischen Zweiteiler mit Pelzbesatz an der Kapuze verliebt. Nicht ganz billig, dafür todschick. Herr Winter, ihre skifahrerischen Künste vor Augen, fand, dass dies die beste Möglichkeit für seine Frau sei, auf der Piste positiv aufzufallen. Deshalb, und vor allem auch dem Frieden zu Liebe, willigte er ein. Er selber hätte sich mit dem ausgeblichenen Anorak und der altbewährten SKA-Mütze zufrieden gegeben, doch seine Liebste weigerte sich, ihn in seinem „Ballenberg-Outfit“, wie sie es nannte, zu begleiten. Also suchte auch er sich neue Klamotten aus. Dazu für beide Winters farblich assortierte Skihemden, Funktionsunterwäsche, Carvingsocken und Handschuhe. Madame hätte gerne der Frisur zu Liebe auf einen Helm verzichtet. Aber beim Anblick der mit Svarovski-Steinchen verzierten Skibrille, die sooo gut zu einem schneeweissen Helm passte, änderte sie ihre Meinung schlagartig.

Nun waren Winters also skitauglich eingekleidet. Machen wir mal Kassensturz:

Anzug SIE    2’000.-
Anzug ER    1’000.-
4 Skihemden    500.-
Skiunterwäsche    300.-
4 Paar Socken    160.-
2 Paar Handschuhe    200.-
2 Helme    400.-
2 Skibrillen    400.-

Total    4’960.-

Als es darum ging, sich für ein Paar Skis zu entscheiden, musste Herr Winter resolut durchgreifen. Diesmal war es seine Frau gewesen, die gefunden hatte, die alten Bretter hätten es noch lange getan. „Nix da“, sagte er energisch, und liess sich vom Verkäufer über die gängigen Skimodelle beraten. Er kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Von „Taillierung“ und „Radius“ war früher nie die Rede gewesen. Er freute sich wie ein Schneekönig, dass er seine Skitechnik wieder einmal zum Besten geben konnte. Nun war er es, der nur das Feinste vom Feinsten wollte. Zu einem rassigen Ski gehörten selbstverständlich eine farblich passende Skibindung, Stöcke und Skischuhe. Letzte im Falle von Frau Winter mehr zum Skianzug denn zu den Füssen passend.

Nochmals Kassensturz:

2 Paar Ski mit Bindung    2’500.-
Skistöcke    200.-
2 Paar Skischuhe    1’200.-

Bekleidung (siehe oben)    4’960.-

Total    8’860.-

Fast neuntausend Franken hatte das ambitionierte Ehepaar also bereits ausgegeben, ohne jemals einen Blick auf geile Skipisten geworfen zu haben. Doch die ersten Schwünge sollten folgen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Frau Winter wurde angehalten, eine passende Unterkunft zu suchen. Für 200 Franken pro Tag und Person buchte sie ein Hotelzimmer im Zentrum eines bekannten Skiorts. Frau Winter bemerkte nicht, dass ihrem Mann kurz der Kinnladen hängen blieb, als er den Preis hörte. Sie war in Hochstimmung – der Skiurlaub konnte kommen!

Am Tage X kämpften sich Winters über schneebedeckte Strassen ihrem Ferienziel entgegen. Als Herr Winter gleichentags den Skipass lösen wollte, wurde er etwas blass um die Nasenspitze. 365 Franken für einen Sechstages-Skipass erschien ihm etwas gar viel, insbesondere wenn er bedachte, dass seine Frau kaum vor 11.00 Uhr aus dem Haus zu bringen war. Missmutig blätterte er den Betrag hin, das Limit seiner Kreditkarte war längst erreicht.

Tags darauf stürzten sich zwei top ausgerüstete Skifahrer ins Abenteuer. Auf dem Gipfel angekommen, genossen sie zuerst das einmalige Panorama bei einem Kaffee mit Gipfeli (14.-). Aufgrund des bereits etwas gestressten Budgets assen sie am Mittag in der Selbstbedienung lediglich eine Gerstensuppe mit je drei Stück Brot. Auf ein Getränk verzichteten sie, irgendwo musste man ja sparen. Dafür schlugen sie am Nachmittag mit Kaffee und Bündner Nusstorte zu und auch den Après-Ski Drink an der Schirmbar liessen sie sich nicht nehmen. Als Herr Winter das Parkhausticket entwerten wollte, war er so blank, dass er gerade noch mit dem allerletzten Geld die 10 Franken zusammenbrachte. Er überlegte sich bereits, wie viel Geld er sparen könnte, wenn er für den gröbsten Hunger im Hotel ein Sandwich vom Frühstücksbuffet mitnahm.

Und die Moral von der Geschicht? Skifahren ist kein teures Hobby. Skifahren ist ein schweinisch teures Hobby. Aber wie sagte mein innig geliebter Mitbewohner, seines Zeichens Schneesportlehrer und mit dem ganzen Drum und Dran bestens vertraut, schon vor Jahren: „Wenn die Leute Skischuhe an den Füssen haben, spielt Geld keine Rolle mehr.“

Die Handlung und die Personen dieser Geschichte sind frei erfunden. Von den Preisen kann man das leider nicht behaupten.

Ein zähes Rundumeli

„Drüü füfzg.“ Hinter der Theke streckt sich mir eine Hand entgegen. Ich krame im Portemonnaie und finde diesen Einfränkler. Irgendwie fühlt er sich sonderbar an, anders als gewohnt. Ein genauer Blick auf das Geldstück enthüllt ziemlich schnell den Grund: Die Münze ist Jahrgang 1932. Ein Vorkriegs-Modell demnach und aus Silber, wie die Münzen hierzulande bis in die Siebziger Jahre waren, bevor der Materialwert grösser wurde als der Nominalwert.

Ich staune Bauklötze. Was hat wohl diese Münze alles gekauft? Durch wie viele tausend Hände mag sie weitergereicht worden sein? Haben die mit ihr erworbenen Sachen viel Freude bereitet oder nur hungrige Mäuler gestopft und warme Kleider gekauft? Aber vor allem: Wie hat es dieser Fränkler geschafft, all die Jahre zu überdauern, ohne in einer Münzen-Sammlung zu landen oder eingeschmolzen zu werden? Da ich ihn in einer touristischen Gegend ausgehändigt erhielt, liegt die Vermutung nahe, dass ihn jemand aus einem vergessen gegangenen Reisekässeli herausgeklaubt hat, kurz bevor er seine Reise in die Schweiz angetreten hat.

Diesen resistenten Fränkler werde ich nicht ausgeben. Er erinnert mich an die viel gepriesene „gute alte Zeit“. Vielleicht taucht die ja plötzlich wieder einmal auf. Gerne auch in meinem Portemonnaie.