Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Fitness-Club

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Nach Zehennägel schneiden in der S-Bahn,

Schminken im Tram und

Haare kämmen an der Postauto-Haltestelle nun auch noch das:

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Hängt seit neustem am Eingang zur Dusche in unserem Fitness-Club.

Bei aller Unverkrampftheit, aber es gibt doch einfach Angelegenheiten, die in die eigenen vier Wände gehören. Zumal es im Fitness-Club offenbar nicht beim Enthaaren nur der Beine blieb.

Entzückend entrückend

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“Kann man helfen mit dem Rücken?” Als ich die Wörter endlich einsortiert hatte, dauerte es nochmals eine Weile, bis ich merkte, dass sie mich betrafen. Wir waren nur noch zu zweit in der Garderobe des Fitness-Clubs. Neben mir hatte sich eine Frau aufgebaut, kurze, graue Haare, geschätzte 65, schlank, die sich anerbot, mir den Rücken einzucremen. Ich muss etwas verdattert aus der Wäsche geschaut haben, die ich noch gar nicht trug. So flüchtete ich mich in die erstbeste Ausrede: “Danke, dafür ist mein Mann zuständig.” Um gleich hinterherzuschicken, dass mir so ein Angebot noch nie gemacht worden sein. Die Eincremerin klärte mich auf. Sie seien jeweils ein paar Frauen, die gemeinsam in die Sauna gingen, und dort habe es sich eingebürgert, dass man sich gemeinsam den Rücken abrubble und auch eincreme.

So also war das. Nichts desto trotz war mir nicht daran gelegen, mir von einer Wildfremden, mochte sie es auch noch so gut meinen, den Rücken einzucremen. Damit war das Thema vorderhand erledigt, beschäftigt mich aber in Gedanken weiterhin. Wie sich bald herausstellen sollte, war ich nicht das einzige “Opfer” der Rückeneincremerin. Auch Kolleginnen, die am gleichen Ort trainieren, wurden schon mal mit ähnlichen Angeboten von ihr beglückt. Bis heute habe ich die Eincremerin noch nie im Kraftraum gesehen. Sie wird doch ihr Abo nicht nur haben, um wildfremden Frauen den Rücken einzuschmieren?

Es sollte nicht lange dauern, da war ich wieder in der Garderobe. Und wieder am Eincremen nach dem Duschen. Die Eincremerin kam – vorbei an weiteren Damen, die sich in der Garderobe aufhielten – schnurstracks auf mich zu und formte den Satz, den sie offenbar bestens auswendig kannte: “Kann man helfen mit dem Rücken?” Diesmal war ich so gut wie fertig mit eincremen und das sagte ich ihr auch. Ein etwas unbehagliches Gefühl überkam mich dabei. Langsam aber sicher drohten mir die Ausreden auszugehen. Und der Frau direkt ins Gesicht zu sagen, sie solle mich mit ihren Angebot in Ruhe lassen, finde ich auch etwas hart.

Wie würdet ihr auf ein solches Angebot reagieren?

Der beinahe geglückte Versuch eines neuen Rekordes

Eine weitere Episode aus unserem Fitness-Club. Sie hat sich heute ereignet, hat aber mit dem Datum wenig zu tun.

Ich stand schon ein paar Augenblicke in der Garderobe und war im Begriff, mich fürs Training umzuziehen. Da ich – im Gegensatz zu vielen anderen Leuten – immer in normaler Kleidung ins Training fahre, stand demnach ein 100 prozentiger Tenüwechsel an. Da kam sie in die Garderobe. Ich kenne sie, zumindest dem Namen nach. Sie ist eine dieser jungen, durchtrainierten übermotivierten Mütter, die immer alles auf den letzten Drücker macht, nahezu täglich ins Training geht, im Fitness-Club selber sogar Lektionen gibt, ihre Kinder immer erst im Hort abholt, wenn er eigentlich schon zu wäre.

Sie kam vom Training zurück als ich dran war, mich für selbiges umzuziehen. Ich bin keine zwanzig mehr, dennoch kann ich durchaus noch agile, treffsichere und auch schnelle Bewegungen vollführen. Allerdings war ich nicht in Eile und zog mich deshalb in normalem Tempo um. Als ich als Letztes meine Turnschuhe schnürte, meine Tasche mit den Utensilien verstaute und den Zweifränkler ins abschliessbare Kästchen einwarf, war sie bereits auf dem Weg nach draussen. In Rekordzeit hatte sie sich nicht nur umgezogen, sondern auch noch geduscht.

Sie stürmte direkt vor mir zur Garderobentüre hinaus. Im Grunde genommen war ich tief beeindruckt von dem Tempo, das sie an den Tag gelegt hatte. Doch dann kam alles ganz anders. Sie nahm im Laufschritt ihr Handy hervor – und ich wäre beinahe von hinten in sie hineingeprallt. Beim Anblick ihres Handys schien Zeit plötzlich nicht mehr wichtig zu sein.

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